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Aeschbacher Ruedi · Nationalrat · 2004-09-29

Aeschbacher Ruedi · Nationalrat · Zürich · EVP/EDU Fraktion · 2004-09-29

Wortprotokoll

Wir stehen dazu und anerkennen, dass der Tourismus ein wichtiges wirtschaftliches Standbein der Schweiz darstellt; das ist keine Frage. Wir müssen daher auch gute Rahmenbedingungen für den Tourismus schaffen. Gute Rahmenbedingungen können in finanziellen Geldleistungen bestehen. Solche Leistungen sind aber sicher nur ein kleiner Teil davon. Geld zu geben, um Werbung zu machen, kann sinnvoll sein. Werbung zu machen für ein Produkt, das gut ist, ist interessant und kann [PAGE 1463] auch Spass machen. Aber es lohnt sich nicht, immer mehr Gelder für ein Produkt auszugeben, das immer schlechter wird.

Wir laufen in der Schweiz Gefahr, dass wir zwar immer noch grosse Anstrengungen machen, unser Land touristisch zu vermarkten, dass unser Produkt, das wir anbieten wollen, aber nicht besser wird, sondern dass seine Qualität stagniert oder teilweise sogar zurückgeht. Ich möchte in meinen Ausführungen den Finger nur auf diesen einen Punkt legen. Wir müssen, wenn es darum geht, für ein Land oder für ein Produkt Werbung zu machen, doch darauf achten, dass die Qualität dieses Produktes auch in Ordnung ist, dass das, was wir in der Werbung versprechen, auch tatsächlich eingehalten wird. Hier stellen wir natürlich immer wieder grosse Diskrepanzen fest: Es gibt die Werbung, die die Schönheiten zeigt, und dann ein Land, in das die Touristen kommen und das neben diesen Schönheiten auch viele - und immer mehr - Mängel aufweist.

Ich möchte ganz besonders auf einen der Werte hinweisen, die unser Land als Tourismusland bekannt gemacht haben: Das ist die Landschaft, das ist unsere Natur, unsere Alpenlandschaft, die ganz wesentlich zum Ruf der Schweizer Tourismuslandschaft beigetragen hat. Diese Landschaft - es ist in den Einleitungsreferaten bereits angetönt worden - steht unter Druck, unter Druck eines kurzfristigen Gewinnstrebens. Es werden Landschaften verbaut, und man spricht davon, dass das Oberengadin zu einer Bandstadt wird und eben beispielsweise seine hohen Qualitäten verlieren kann.

Ich kenne das Oberengadin sehr gut, und es hat noch ausserordentlich schöne Flecken und Ecken, aber wer dorthin fährt und sich dort als Tourist aufhält, stellt fest, dass es tatsächlich immer mehr zu einer Stadt wird. Seit zwanzig Jahren gibt es ein Lichtsignal in St. Moritz, und es gibt Kolonnen, wie in grösseren Städten. Was ist das Interessante an diesem Tourismusort? Solche Fragen stellen sich. Wenn schöne Spazierwege und schöne Landschaften, beispielsweise unverbaute Terrassenlandschaften im Unterengadin, durch neue, grosse und ins Auge springende Überbauungen zerstört werden, dann wird es schwierig, dann wird es wirklich schwierig, diese Qualitäten hervorzustreichen.

Unter Qualität verstehe ich aber nicht nur die Landschaft, die wir anbieten, sondern auch die Gastfreundschaft. Zur Gastfreundschaft gehören eigentlich zwei wichtige Teile: Das eine sind die Menschen, und das andere ist die Frage, was man für die Gastfreundschaft verlangt, was man von den Gästen erheischt, und diesbezüglich sind wir wirklich nicht mehr Spitze. Wir erleben doch selbst, wenn wir in gewisse Restaurants oder Hotels gehen, dass wir bezüglich der Gastfreundschaft deutliche Unterschiede feststellen können. Wer sich etwa im Ausland, auch im benachbarten Ausland aufhält, kann ohne weiteres die Feststellung bestätigen, dass uns dort sehr oft direktere, echtere Gastfreundschaft als in der Schweiz entgegenkommt. Es tut mir weh, das zu sagen, aber es ist ein Faktum, das ich mindestens persönlich immer wieder feststellen muss und auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder zu hören bekomme.

Da müssen wir ansetzen. Wir müssen unsere Qualitäten bezüglich Gastfreundschaft, bezüglich Leistungsbereitschaft und auch bezüglich Angeboten erhöhen. Papier nützt da nichts. Unsere Gesellschaft ist sowieso in der Situation, dass man dauernd hinter dem Computer sitzt und glaubt, vom Büro aus könne man das Leben managen. Das ist nicht so, das Leben findet draussen statt, von Mensch zu Mensch. Werbung, so viel wir auch produzieren, mit Papier und mit Hochglanzkatalogen, bringt es nicht allein. Es bringt es nur, wenn wir Leistung bringen. Deshalb: Mehr Leistung statt Papier! Mehr Freundlichkeit statt abzockerische Preise! In diesem Sinne wären wir gut beraten, wenn wir etwas weniger in die Hochglanzbroschüren und etwas mehr in Ausbildung, mehr auch in eine gute Besoldung der Angestellten investieren würden. Das ist nämlich auch ein Argument und eine Motivation, wenn wir auch Leute aus unseren Gegenden dafür gewinnen können, in der Gastronomie mitzuarbeiten, wenn wir nicht wegen der tiefen Löhne, die heute noch bezahlt werden, "nur" Leute finden, die aus dem Ausland kommen und mit diesen Löhnen zufrieden sind. Denn in der Schweiz wollen wir ja schweizerische Gastfreundschaft anbieten und nicht ausländische, nicht jugoslawische und auch nicht unbedingt spanische. Wenn Touristen spanische Gastfreundschaft wollen, dann gehen sie nach Spanien. Das, glaube ich, wären einige Punkte, die man auch noch beachten müsste.

Unsere Fraktion wird daher nicht die Anträge unterstützen, die jetzt auf möglichst viel Geld für diese Tourismuswerbung abzielen, sondern sie wird sich bei den Anträgen finden, die etwas weniger Geld zur Verfügung stellen wollen. Selbstverständlich unterstützen wir das Kommissionspostulat, welches sehr vernünftig verlangt, dass man die Werbung für unser Land, die Werbung für unseren Tourismus koordiniert und dass man diese verschiedenen Drähte, die da heute ausgespannt sind, etwas zusammennimmt, bündelt und effizient macht.

In diesem Sinne bitte ich Sie, diesen Anträgen zu folgen und ein wachsames Auge auf die Arbeit von Schweiz Tourismus zu halten.

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