Genner Ruth · Nationalrat · 2004-11-30
Genner Ruth · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2004-11-30
Wortprotokoll
Bundesrat Merz hat vorhin erwähnt, dass es beim Budget vor allem darum gehe, Prioritäten zu setzen. Ich möchte ihm da beipflichten: Ganz besonders im Bereich des Gesundheitswesens ist es wichtig, Prioritäten zu setzen. Es ist uns deshalb nicht verständlich, warum bei den Präventionsmassnahmen gekürzt werden soll.
Was bedeuten nämlich Präventionsmassnahmen? Präventionsmassnahmen sind Vorinvestitionen, die sich lohnen, weil später markant weniger Kosten anfallen, und darüber [PAGE 1818] sprechen wir heute. Wir wollen, dass wir später im Staatshaushalt weniger Kosten haben, und deshalb brauchen wir unbedingt solche Massnahmen.
Präventionsmassnahmen lohnen sich. Wenn wir den grossen Anteil anschauen, den wir für das Gesundheitswesen ausgeben - ungefähr 4,5 Milliarden Franken -, dann erkennen wir, dass knapp 50 Prozent auf Spitalbehandlungen entfallen, rund 30 Prozent werden im ambulanten Bereich zur Behandlung von Krankheiten aufgewendet. Lediglich 2 Prozent werden für Prävention und Gesundheitsförderung ausgegeben, also in unseren Augen viel zu wenig, um Vorsorgemassnahmen zu treffen und später geringere Kosten zu haben.
Wo möchten wir Prävention, und wo möchten wir, dass nicht gekürzt wird? Ich erwähne drei Teilbereiche:
1. Es ist uns ganz wichtig, Präventionsmassnahmen im Bereich des Rauchens zu haben, weil es hier nicht nur um verlorene Lebensjahre geht, sondern auch um das Vorbeugen gegen sehr hohe Krankheitskosten. Zum Glück ist der Bundesrat hier aktiv geworden. Aber heute dürfen wir im Bereich der Alkohol- und der Cannabisprävention nicht kürzen, weil es nebst den vielen und teuren repressiven Massnahmen genau in diesen Bereichen wichtig ist, auch Prävention zu machen. Diese ist wichtig und mindestens ebenso effizient wie repressive Massnahmen.
2. Ich möchte mich ganz besonders für präventive Massnahmen des BAG in Bezug auf Ernährung und Bewegung aussprechen. Es ist eine Tatsache, dass sich in der Schweiz eine eigentliche "Übergewichtsepidemie" abzeichnet. Viele wissen nicht, dass daraus ganz wesentliche Krankheiten entstehen: Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten mit hohen Krankheitskosten. Heute bezahlt jede krankenversicherte Person mit ihren Prämien in der Schweiz einen Anteil von 130 Franken pro Jahr an die medizinischen Folgekosten von Übergewicht. Würden nur 10 Prozent davon jährlich in die Prävention und Gesundheitsförderung investiert, so könnte die Übergewichtssituation in der Schweiz massiv entschärft werden.
3. Der Bereich HIV/Aids wurde bereits angesprochen. Wir haben morgen den Welt-Aids-Tag, und es ist nirgendwo so eklatant sichtbar, wie Präventionsmassnahmen greifen können. Kaum irgendwo sind sie so effektiv und letztlich so kostensparend.
Ich bitte Sie deshalb im Sinne der Vorsorge, im wörtlichen Sinn vorsorglich zu handeln und bei der Prävention keine Kürzungen vorzunehmen. Unterstützen Sie den Antrag der Minderheit Rey.