Lang Josef · Nationalrat · 2004-11-30
Lang Josef · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2004-11-30
Wortprotokoll
Niemand kann bestreiten, dass die Schweiz mit einer durchschnittlichen Beteiligung der erwachsenen Bevölkerung an der Weiterbildung von 36 Prozent im internationalen Vergleich erneut an Boden verloren hat; vor vier Jahren wurden noch 39 Prozent ermittelt. Niemand kann bestreiten, dass gemäss der aktuellsten Erhebung des Bundesamtes für Statistik auch die Teilnahme an der beruflichen Weiterbildung rückläufig ist, dass schweizerische Betriebe deutlich weniger in Weiterbildung investieren als Betriebe in anderen OECD-Staaten, dass Frauen ihre Weiterbildung im Gegensatz zu Männern meist selber bezahlen und mit vielen weiteren Hürden konfrontiert sind und dass sich gut 80 Prozent der wenig qualifizierten Personen kaum formell weiterbilden und damit auch neue Informations- und Kommunikationsmittel kaum benutzen. Jetzt sollen ausgerechnet Bildungsanbieter, die dieser unerfreulichen Tendenz entgegenwirken, zurückgestutzt oder sogar in ihrer Existenz bedroht werden. Andere müssten ihre Angebote verteuern, was die ohnehin vorhandene Diskriminierung im Weiterbildungsbereich weiter verschärfen würde und vor allem auf Kosten der Frauen und der unteren Einkommensschichten ginge.
Die Kürzung beim Bundesamt für Kultur beträgt übers Ganze rund 4 Prozent, bei der Erwachsenenbildung hingegen 47 oder fast 50 Prozent. Das bedeutet nichts anderes, als dass das BAK und der Bundesrat diese wichtige Aufgabe ganz bewusst und gezielt zurückfahren wollen. Die betroffenen Bildungsanbieter, beispielsweise die Volkshochschulen, gewerkschaftliche Bildungsinstitute und der Verein Lesen und Schreiben, stopfen aber ganz gezielt und wirksam jene Löcher, die das allgemeine Bildungssystem hinterlässt. Die Kürzung trifft also nicht nur die Bildungsanbieter, sondern auch die Nutzerinnen und Nutzer sehr hart. Deshalb sind wir für den Antrag der Minderheit I (Dormond). Allerdings sind wir dagegen, dass stattdessen bei den filmkulturellen Bestrebungen gespart wird. Diese Sparübung ginge zulasten der Ausbildung und zulasten der Festivals in Locarno, Nyon oder Solothurn.
Zum Schluss: Wir finden es nicht nur falsch, Kulturen gegeneinander auszuspielen, wir finden es auch falsch, Kulturförderungsbereiche gegeneinander auszuspielen.