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Plattner Gian-Reto · Ständerat · 2000-06-06

Plattner Gian-Reto · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-06-06

Wortprotokoll

Ihre Bemerkungen haben mich jetzt doch dazu bewogen, als Universitätslehrer noch etwas zu sagen.

Ich denke, dass es ziemlich schwierig sein wird, beide Sorten von Studienbeginnern nebeneinander an einer Fachhochschule zu unterrichten, d. h. jene, die sehr kopflastig am Gymnasium ausgebildet sind, wenig praktische Erfahrung haben, und jene, die aus einer Lehre kommen. Das benötigt dann vermutlich parallel zwei verschiedene Kurse, weil man nicht beiden Sorten das Gleiche bieten kann.

Aber Sie sagen jetzt, es gehe darum, eine befristete Bildungsoffensive zu machen, solange wir noch keine Lehrabgänger im IT-Bereich haben. Dann müsste man aber vorschlagen, dass man wirklich für zwei, drei Jahre festlegt, dass die Fachhochschulen, die auf diesem Gebiet noch praktisch keine Schüler haben, jetzt halt Maturanden sollen ausbilden dürfen. Ob dann während des Studiums noch ein Berufspraktikum gemacht werden muss oder nicht, wäre mir persönlich egal. Entweder sind die Studierenden gut und finden eine Stelle, oder sie sind es nicht.

Zur Idee wäre zu sagen: Wir haben Kapazitäten an den Fachhochschulen, wir haben Leute, die diese Ausbildung absolvieren wollen. Das Ganze passt zwar von den Studiengängen nicht zusammen, aber geben wir jetzt den Fachhochschulen für eine Übergangszeit das Recht, den Maturanden dieses Angebot zu unterbreiten. Da hätte ich überhaupt nichts dagegen.

Leider klingt Ihre Motion für mich - ich teile die Bedenken von Herrn Bürgi - nicht nur so, sondern sie geht darüber hinaus. Trotz Ihrer Beteuerungen hier stellt sich mir auch die Frage, ob da nicht die Trennung zwischen dem berufsbezogenen und dem gymnasialen Ausbildungsgang, die wir nun einmal beschlossen haben und die ich nach wie vor für gut halte, unterlaufen und aufgeweicht wird. Meine Angst ist - das ist vielleicht die Angst eines Sozialdemokraten -, dass dann später die vielen Maturanden - in meinem Kanton sind es bald die Hälfte aller jungen Leute - die Berufsabgänger aus den Fachhochschulen verdrängen. Diese Angst kommt bei mir besonders auf, nachdem ich sehe, dass der Bundesrat die Regelung jetzt nicht nur auf IT beschränken will, wie es Ihre Motion verlangt, sondern ganz generell sagt, man solle den Maturanden den Eintritt in die Fachhochschulen ohne Erwerb der einjährigen Berufspraxis erlauben.

Ich wäre froh, wenn Sie bereit wären, Ihre Motion in ein Postulat umzuwandeln, denn die Begründung des Bundesrates, warum er sie entgegennimmt, entspricht nicht der relativ scharfen und engen Fassung, die Sie mit der Motion wollen. Der Bundesrat hätte meiner Meinung nach beantragen müssen, die Motion in ein Postulat umzuwandeln. Oder ich wäre froh, wenn Sie bereit wären, die Motion noch einmal der WBK zur Überprüfung zu unterbreiten.

Beide Wege sind für mich möglich, aber der Motion - wie Sie sie jetzt hier vorlegen - könnte ich persönlich nicht zustimmen, obwohl ich durchaus für Flexibilisierung bin, das Problem der IT und der ausbildungswilligen Maturanden durchaus sehe; es aber so zu lösen, ist der falsche Weg.

Der Umwandlung in ein Postulat oder der nochmaligen Betrachtung in der Kommission kann ich zustimmen, der Überweisung der Motion nicht.