Triponez Pierre · Nationalrat · 2005-06-14
Triponez Pierre · Nationalrat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2005-06-14
Wortprotokoll
Obwohl ich keinerlei persönliche Interessenbindung zu Gentech-Institutionen offen legen muss und nicht einmal Aktionär irgendwelcher Biotechnologiefirmen bin, möchte ich als ganz gewöhnlicher Nahrungsmittelkonsument selber auch weiterhin von den wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fortschritten im Lebensmittelbereich profitieren können. Ich erwarte deshalb, dass der Wirtschaftsstandort Schweiz seine führende Rolle im Bereich der Gentechnik weiterhin wahrnimmt und ausbaut.
Diese Meinung dürfte letztlich auch die überwiegende Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer teilen. Ich erinnere Sie daran, dass sich das Schweizervolk bereits vor sieben Jahren - anno 1998 - in einer denkwürdigen eidgenössischen Abstimmung mit überwältigender Klarheit gegen ein Verbot der Gentechnologie ausgesprochen hat, obwohl schon damals von den Gentechnikgegnern mit Horrorbildern Ängste geschürt wurden. [PAGE 795]
Herr Kollege Hämmerle, auch damals waren die Gentech-Gegner davon überzeugt, dass das Volk hinter ihnen stehe. Aber nein, sie erlebten eine riesige Abfuhr. Dieses deutliche Ja des Volkes noch vor Ende des letzten Jahrtausends war halt doch ein starkes Signal für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Schweiz und für die Entwicklung der Gentechnologie.
Seither sind sieben Jahre vergangen. Auch Herr Hämmerle ist sieben Jahre älter geworden. Die Gentechnologie, und zwar die Pflanzenforschung ebenso wie jene im medizinischen Bereich, hat in der Schweiz grosse Fortschritte erzielt. Dank dem Ja zur Gentechnologie von 1998 werden heute an der ETH Zürich und an verschiedenen Universitäten der Schweiz junge Wissenschaftler mit Gentechnologie vertraut gemacht. Im Bereich der Pflanzenforschung wird an zahlreichen gentechnischen Forschungsprogrammen gearbeitet. Wir, die Schweizer, haben heute im internationalen Vergleich einen Spitzenrang inne und geniessen entsprechend hohe Anerkennung.
Wir haben alles Interesse daran, diese Spitzenposition zu behaupten, ganz besonders auch auf dem Gebiet der Pflanzenwissenschaften. Das von der Initiative geforderte Gentech-Moratorium im Anwendungsbereich der Landwirtschaft für eine Dauer von fünf Jahren ist deshalb unsinnig; es ist vehement abzulehnen.
Geschätzte Kollegin Graf, diese Initiative ist eine Verzögerungsvorlage, die eher hilflos als überzeugend ist, und nicht der Rückweisungsantrag Randegger. Die Forderung nach einem fünfjährigen Stillstand jeglicher Anpflanzung ist umso unvernünftiger, als die bereits in Kraft stehende Gen-Lex für eine Freisetzung veränderter Organismen strenge Voraussetzungen und Genehmigungsverfahren vorschreibt - wir haben darüber schon einiges gehört - und damit eine sorgfältige Prüfung verlangt, um Sicherheit und Transparenz zu gewährleisten.
Aus all diesen Gründen sollten wir im Nationalrat, wie dies der Ständerat bereits getan hat und wie uns das auch der Bundesrat empfiehlt, diese Initiative zur Ablehnung empfehlen; es ist eine rückwärtsgerichtete Verzögerungsinitiative.