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Heim Bea · Nationalrat · 2005-06-17

Heim Bea · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2005-06-17

Wortprotokoll

Wir haben gestern eine sehr eingehende, bisweilen auch recht emotionale Debatte geführt. Das ist auch kein Wunder, denn es geht um die Zukunftsperspektiven unserer Jugend und damit um jene unseres Landes, dessen höchste Behörde wir sind.

Die heutige Jugendarbeitslosigkeit und Lehrstellenmisere ist von einer Brisanz, die wir nicht unterschätzen dürfen. Ich denke, diese Einschätzung verbindet uns alle hier im Saal. Besser als mit folgendem Satz kann man wohl nicht illustrieren, wie die Situation ist: "Noch nie in meinen 32 Jahren Berufserfahrung habe ich eine solche Situation erlebt", schrieb Ihnen, Herr Bundesrat, kürzlich ein Fachmann, ein Berufsberater. Er lancierte damit einen Aufruf an Politik und Wirtschaft, jetzt Lösungen anzupacken, und zwar griffige Lösungen. Wir müssen alles tun, um zu verhindern, dass die Jungen in die Perspektivlosigkeit abgleiten, womöglich in die Armut oder gar in die Kriminalität. Wir anerkennen die bisherigen Anstrengungen von Bund, Wirtschaft und Kantonen, aber wir wissen alle - und die Zahlen zeigen es eindrücklich -: Es genügt schlicht und einfach nicht.

Es braucht einen nationalen Aktionsplan für die Jungen, für ihre Chancen, für ihren Platz in der Arbeitswelt. Wir dürfen nicht zulassen, dass die junge Generation in zwei Hälften auseinander bricht - eine mit und eine ohne Zukunftschancen. Es ist klüger und viel günstiger, in die Jungen zu investieren, als uns Kosten in der Fürsorge und in der Invalidenversicherung einzuhandeln. Der Preis dafür ist zu hoch und vor allem weit höher als alle Investitionen in Lehrstellen, Bildung und Arbeitsmarktmassnahmen.

Die Vorstösse Galladé, Wyss und Hofmann Urs bringen gute Lösungen: Förderung der Lehrstellenverbünde, Förderung von Basislehrjahren und Ausbau der Bildungsangebote. Wir meinen, aus der Notlösung Übergangsjahr müsse ein anerkanntes Bildungsjahr werden. Es sind gute, praktikable Lösungen, die zur Schaffung von Lehrstellen führen werden; das kann ich Ihnen sagen, Herr Noser.

In meinem Kanton kenne ich einige kleine Unternehmen, die höchst motiviert wären, Lehrstellenverbünde zu realisieren. Herr Bundesrat, diese Unternehmen brauchen keine Appelle mehr; was sie brauchen, ist Entlastung und Unterstützung. Sie zeigen ein grosses Interesse an branchenspezifischen Basislehrjahren. Das bringt ihnen eine echte Entlastung. Sie sind gewillt, Junge auszubilden. Das Parlament hat im Berufsbildungsgesetz den Innovationszehntel bewilligt. Es hat in Artikel 13 den Bundesrat und das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie beauftragt, in prekären Situationen - und die Situation ist heute prekär - Massnahmen zu treffen.

Das sind klare Aufträge. Wir appellieren an Sie, Herr Bundesrat, rasch und unbürokratisch zu handeln, die vorliegenden Vorschläge des Parlamentes umzusetzen und die Finanzierung von guten Projekten unkonventionell zu beschleunigen. Falls Sie, Herr Bundesrat, tatsächlich zu wenig Projekte erhalten haben, dann habe ich Ihnen wenigstens eines mitgebracht: Es will mit Bildung und Case Management die Randständigkeit in jungen Jahren verhindern. Ich sage Ihnen, es ist ein gutes Projekt, unterstützen Sie es. Zeitverlust ist Chancenverlust, darum habe ich den direkten Weg gewählt und übergebe es Ihnen nachher gerne. Meine Kolleginnen und Kollegen im Saal bitte ich um ein Ja zur Motion 05.3190 "Basislehrjahre für Jugendliche ohne Lehrstelle", um ein Ja zur besseren Ausschöpfung der vorgesehenen Mittel. Geben Sie den Jungen eine Zukunft.