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Daguet André · Nationalrat · 2005-06-17

Daguet André · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2005-06-17

Wortprotokoll

Über die Lehrstellensituation ist in dieser Debatte genug gesagt worden. Ich glaube, wir sind uns einig - ich hoffe dies -, dass die Lage ernst ist, so wie dies Bundesrat Deiss auch kürzlich wieder unterstrichen hat. Darüber müssen wir uns auch nicht mehr streiten. Wenn ich auf das Jahr 2003 zurückblende, so hatten wir damals den Eindruck, es gehe besser voran, im Jahr 2005 sind wir wieder etwas ernüchtert über die Situation. Denn es sind zwar mehr Lehrstellen geschaffen worden, aber wir wissen auch, dass es mehr Schulabgänger und Schulabgängerinnen gibt, nämlich viermal mehr. In den Jahren 2006 und 2007 werden noch mehr dazukommen.

Wir sind uns einig: Es braucht mehr Anstrengungen im Bereich der Berufsausbildung: bei der Zahl der auszubildenden Betriebe, bei der Berufsbildung, inhaltlich, qualitativ. Wir haben, so hoffe ich jedenfalls, links und rechts in diesem Saal die Überzeugung, dass es entscheidend ist, ob junge Leute in Zukunft eine gute Berufsausbildung haben können oder nicht, und dass das auch die entscheidende Frage für die Zukunft unseres Volkes, unseres Landes ist.

Ich möchte nicht lamentieren, ich habe mit Herrn Wandfluh vor zwei Tagen darüber gestritten. Aber ich möchte anerkennen, dass Herr Wandfluh zu denjenigen Unternehmern gehört, die noch Lehrlinge und sogar sehr viele Lehrlinge ausbilden. Da sind wir uns einig, das ist nicht die Frage. Aber entscheidend ist Folgendes, und ich möchte an Sie appellieren: Lassen wir einmal etwas die ideologischen Scheuklappen beiseite, und überlegen wir uns, worum es geht, wenn wir die Motion 05.3190 von Frau Galladé konkret ansehen.

Der Vorschlag mit den Basislehrjahren ist ein ganz konkreter Ansatz, der übrigens nicht neu ist: Wie gesagt worden ist, werden Basislehrjahre in der Praxis bereits durchgeführt. Es gibt - die ausgewerteten Erfahrungen zeigen es - Berufsfelder und Branchen, wo solche Basislehrjahre sehr nützlich gewesen sind; ich denke beispielsweise an die Informatik, ich denke beispielsweise an die Ausbildung der Polygrafen, ich denke beispielsweise an die Druckereivorstufe. Aus eigener Erfahrung - ich bin selber in der Schuhindustrie gewerkschaftlich tätig - kann ich Ihnen sagen: Die Betriebe haben zum Teil sehr viel Mühe, selber die gesamte Ausbildung zu garantieren. Genau da will der Vorschlag für das Basislehrjahr ansetzen, und zwar in dem Sinne, dass man feststellt, dass das zehnte Schuljahr, das nicht infrage gestellt werden soll, nicht alle Probleme der Berufsausbildung befriedigend löst. Deshalb heisst der Vorschlag für Basislehrjahre, dass man alternativ zum zehnten Schuljahr eine einjährige Ausbildung im Rahmen der Lehre durchführen will, die berufsnäher, die branchennäher ist, um die Leute besser für die Berufsfelder vorzubereiten. Ich kann Ihnen sagen, wir sind in sehr vielen kleineren und mittleren Betrieben aktiv, und es gibt viele Arbeitgeber in verschiedenen Branchen, die uns immer wieder sagen: Wir wären gerne bereit, Lehrlinge auszubilden, aber uns fehlen zum Teil die nötige Breite und die nötigen Instrumente, um die vollständige Ausbildung sicherzustellen. Gerade aus der Sicht der kleineren und mittleren Betriebe kann es sinnvoll sein, die Leute berufsnah im Berufsfeld auszubilden und damit die Voraussetzung zu schaffen, dass diese Leute dann ihre Lehren konkret in den kleineren und mittleren Betrieben durchführen können.

Insofern - ich möchte das hier wirklich unterstreichen - geht es nicht um eine Verschulung der Lehre, wie das jetzt gesagt worden ist, und es geht auch nicht um mehr staatliche Eingriffe, sondern es geht um eine andere Form des Einstiegs in Berufsfelder und Branchen. Ich sage es hier nochmals klar: Dies ist z. T. sinnvoller und näher an Beruf, Branche und Betrieb als das zehnte Schuljahr. Das ist der Hintergrund dieser Motion. Frau Galladé hat gestern deutlich unterstrichen: Es geht nicht um eine flächendeckende Massnahme, nicht um die Verstaatlichung des ersten Berufslehrjahres, sondern es geht darum, solche Angebote in Zukunft auch in jenen Branchen und in jenen Betrieben zu gewährleisten, die Mühe haben. In dem Sinne möchte ich an Sie appellieren. Es wäre gut, wenn wir in dieser Session in dieser zentralen Frage einmal etwas über unseren Schatten springen und sagen: Hier wollen wir etwas wagen, weil es sinnvoll ist, und zwar im Interesse jener 7000 Jugendlichen, die keine Lehrestelle haben, und auch im Interesse jener 21 000 Jugendlichen - nächstes Jahr werden es 23 000 sein -, die auf Brückenangebote angewiesen sind und die mit der Idee der Basislehrjahre, immer in Zusammenarbeit mit den Branchenverantwortlichen und der [PAGE 940] Wirtschaft, effektiv eine gute Form des Einstieges in neue Berufsfelder bekommen.

Stimmen Sie darum dieser bitte Motion zu!