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Altherr Hans · Ständerat · 2005-06-14

Altherr Hans · Ständerat · Appenzell A.-Rh. · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2005-06-14

Wortprotokoll

Im März 2005 habe ich zum Thema "Geplante Verlegung der Empa Dübendorf und der Empa St. Gallen" verschiedene konkrete Fragen, insbesondere nach Nutzen und Ertrag von solchen Verlegungen, gestellt. Ich danke dem Bundesrat für die rasche Beantwortung. Wie gesagt befriedigt die Antwort inhaltlich nicht; sie hinterlässt aber doch etwas Hoffnung.

Nicht befriedigt bin ich deshalb, weil der Bundesrat die gestellten Fragen nicht beantwortet. Inhaltlich macht er nur eine einzige Aussage, wenn er schreibt: "Der Bundesrat unterstützt grundsätzlich die Schaffung von institutionsübergreifenden Kompetenzzentren." Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Die Frage ist nur, was der Bundesrat damit meint. Man kann ja derartige Kompetenzzentren auf verschiedene Arten realisieren: Man kann sie realisieren, indem man Abteilungen zusammenlegt, oder man kann sie realisieren, indem man die Zusammenarbeit auf andere Weise, insbesondere durch Schaffung und Verstärkung von Netzwerken, herstellt.

Es gibt viele Gründe, die zweitgenannte Methode zu wählen:

1. Die Vernetzung ist günstiger. Es müssen keine neuen Strukturen geschaffen werden; es muss, mit anderen Worten, nicht in Bauten investiert werden. Es fallen auch keine Umzugskosten und damit verbundene Know-how-Verluste an.

2. Es ist davon auszugehen, dass die sogenannten institutionsübergreifenden Kompetenzzentren keine unveränderlichen Grössen sein werden. Sie werden laufend neu zusammengestellt werden, unter Umständen sogar je nach Projekt. In vielen Projekten ist auch die ETH nur ein Teil. Sie wird in Zukunft noch stärker schweizweit und auch international zusammenarbeiten, mit anderen Universitäten und Forschungsanstalten und mit der Industrie. Die Schaffung physischer Kompetenzzentren wird da wenig bringen, zu verbessern ist die Netzwerkfähigkeit.

3. Derartige projektbezogene Lösungen sind sofort realisierbar, ohne Änderung von Leistungsaufträgen oder gar von gesetzlichen Grundlagen.

4. Auch für die Ausbildung sind sie vorbildhaft, indem den Studentinnen und Studenten vorgezeigt und vorgelebt wird, wie moderne Forschung und modernes Projektmanagement funktionieren.

Ich hätte aus diesen Gründen eine klare Antwort zu den Mitteln erwartet, mit welchen die genannten Kompetenzzentren in den Bereichen Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit, Life Sciences sowie der Materialwissenschaften geschaffen werden sollen. Der Bundesrat hätte klarstellen können, dass diese Ziele mit einem möglichst geringen und effizienten Einsatz der Mittel erreicht werden müssen. Es kann ja nicht sein, dass in Zeiten knapper Mittel in Strukturen, insbesondere in Infrastrukturen, investiert wird. Dies würde ohne Zweifel zulasten von Bildung und Forschung gehen, die mehr Mittel fordern; ich meine, zu Recht.

Etwas Hoffnung habe ich immerhin, dass der Bundesrat die nötige Klarheit heute noch schafft. Es wäre verfehlt, den ETH-Rat an Szenarien arbeiten zu lassen, die sich im Zusammenhang mit dem nächsten Leistungsauftrag als Makulatur erweisen. Auch das wäre eine unnötige Verschwendung von Ressourcen.