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Schweiger Rolf · Ständerat · 2005-06-16

Schweiger Rolf · Ständerat · Zug · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2005-06-16

Wortprotokoll

Angesichts meines politischen Vorlebens werden zwar die meisten hier im Saal meinen, der Grund des Minderheitsantrages II seien finanzpolitische Überlegungen. Diese spielen zwar eine minime Rolle, stehen aber bei meiner Beurteilung absolut im Hintergrund.

Mir geht es vielmehr um etwas völlig anderes. Naturpärke sind, von ihrem wirtschaftlichen Effekt her betrachtet, Promotionsanlagen auch für das Produkt Natur, dabei insbesondere für die schönen Schweizer Landschaften und damit für die Schweiz als Ganzes. Sie sind so ein wichtiges Marketinginstrument für den Tourismus, dies sowohl bei Ausländern als auch bei uns Schweizern selbst. Es gibt nun in Werbung und Marketing einen Grundsatz: Man darf das sehr Gute nicht durch nur Gutes verwässern. Einmaliges wird entwertet, wenn man ihm zu viel Ähnliches, aber weniger Gutes zur Seite stellt. Man sieht dann vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Genau dies tun wir, wenn wir durch finanzielle Anreize ein Zuviel an Pärken generieren. Wir haben heute in Zernez einen Nationalpark, dessen Stellenwert insbesondere für das Image der Schweiz ein ausserordentlicher ist, und das ist nur deshalb so, weil dieser Naturpark zumindest heute noch ein Unikat ist. Werden nun x Nationalpärke, x Regionalpärke und x Erlebnispärke geschaffen, sinkt die emotionale Bedeutung des Nationalparks und damit auch seine nationale und internationale Wahrnehmung.

Damit meine ich nicht, dass zukünftig überhaupt keine Pärke mehr geschaffen werden sollen. Meine Meinung aber ist es, dass dabei Schwerpunkte zu setzen sind. Richtig ist, dass wir vielleicht zwei bis drei zusätzliche Nationalpärke schaffen und uns darauf konzentrieren. Nach dem Motto "Klotzen, nicht kleckern" wären solche wenigen Pärke grosszügig zu dimensionieren, grosszügig mit Infrastrukturen für das Publikum zu versehen und sie so, wie dies beim Nationalpark in Zernez der Fall ist, zu allgemein überaus und ausserordentlich intensiv beachteten Bijoux zu machen.

Der Nationalpark in Zernez erhält jährliche Bundesbeiträge von rund 3 Millionen Franken. Beiträge ähnlicher Grössenordnungen wären auch bei neuen Nationalpärken denkbar. Deren Finanzierung hätte jedoch nach Massgabe einer Spezialgesetzgebung zu erfolgen, die je pro Park erlassen würde. Ich bin überzeugt, dass eine solche Fokussierung auf weniges, aber Überzeugendes etwas bringt, dass sie das Image der Schweiz als Land von ausserordentlicher Schönheit zu festigen vermag und so dem Tourismus ins Gewicht fallende Impulse zu geben in der Lage ist.

Die USA haben sich mit der Fokussierung auf wenige, in ihrer jeweiligen Einzigartigkeit jedoch einmalige Naturpärke einen Nimbus geschaffen, der weltweit Beachtung findet. Es wäre den Versuch wert, in der Schweiz Ähnliches zu tun. Für solches wären Mittel des Zentralstaates zu verantworten und richtig. Eine Verteilung von Geld des Zentralstaates auf eine Vielzahl von nur wenig Beachtung findenden Klein- und Mittelpärken kommt einem Füllhorn gleich, das keinen nennenswerten Effekt zu bewirken vermag.

Deshalb sollte man der Minderheit II zustimmen. Es bedeutet dies nicht einen Verzicht auf die Finanzierung von Pärken, es bedeutet eine Fokussierung auf Anlagen, die uns und vor allem dem Tourismus in der Tat etwas bringen.