Gyr-Steiner Josy · Nationalrat · 2006-03-09
Gyr-Steiner Josy · Nationalrat · Schwyz · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-03-09
Wortprotokoll
Ich möchte zum selben Thema wie mein Vorredner sprechen, darum erspare ich mir meine Einleitung, aber zur Personalzufriedenheit in der Armee möchte ich trotzdem etwas sagen. Unsere Subkommission EDA/VBS hat im November 2004 und im Oktober 2005 je eine Infanterie-RS besucht. Dabei hatten wir die Gelegenheit, zwischen dem ersten und dem zweiten Besuch zu vergleichen und zu "spüren", ob sich die Kinderkrankheiten gebessert hatten. Wir hatten die Gelegenheit, uns mit sämtlichen Kategorien des sich auf dem Waffenplatz befindenden militärischen Personals, von den Rekruten über die Zeitmilitärs und die Milizkader bis hin zu den Berufsmilitärs, zu unterhalten. Ich möchte mich nicht zur Rekrutenzufriedenheit äussern oder dazu, ob früher weniger oder mehr Leerläufe produziert wurden. Noch vor zehn bis zwanzig Jahren war eine Offizierslaufbahn für eine wirtschaftliche Karriere von Nutzen, heute ist das Gegenteil der Fall.
Was mir aber zu denken gab und gibt, ist die Personalunzufriedenheit bei den Instruktoren, den Zeit- und Berufsmilitärs. Die Betreuungsaufgaben, die zuvor von den Milizkadern erfüllt wurden, ziehen für die Berufsmilitärs eine ununterbrochene Präsenz vor Ort sowie ein höheres Mass an Einsatz nach sich. Wenn nach der 14. Woche die Führungsverantwortung von den Milizkadern übernommen wird, verringert sich die Arbeitsbelastung keineswegs, sondern sie erhöht sich noch weiter, weil nun die Betreuung der Milizkader hinzukommt. Arbeitszeiten von mehr als 70 Stunden in der Woche sind die Regel. Dadurch ist an ein geregeltes Familienleben nicht zu denken. Die Kürzungen der Lohn- und Sozialleistungen lösten bei den Berufsmilitärs eine grosse Unzufriedenheit aus. Die Berufsmilitärs gaben klar zu verstehen, dass das Leistungspaket Gehalt, Spesen, Militärversicherung, Pensionierungsleistungen angesichts der wachsenden Anforderungen und Arbeitsbelastung nicht mehr genügt. Eine grosse Demotivation macht sich breit. Dasselbe Bild zeigt sich auch bei den Zeitmilitärs.
Es kann nicht sein, dass man eine Armee mit einem Ausbildungsauftrag hat und das Personal, das diesen Ausbildungsauftrag ausüben muss und will, im Regen stehen lässt. Die Wertschätzung der Arbeit, die geleistet wird - und sie wird gerne geleistet, wie uns versichert wurde -, muss verbessert werden. Die verantwortlichen Entscheidträger müssen hier ihre Verantwortung wahrnehmen, die Personalzufriedenheit muss verbessert werden. Dies hat für mich oberste Priorität.