Lexipedia

Fässler-Osterwalder Hildegard · Nationalrat · 2006-03-16

Fässler-Osterwalder Hildegard · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-03-16

Wortprotokoll

Frau Vizepräsidentin, Herr Sportminister, geschätzte Fussballfreundinnen und Fussballfreunde, geschätzte Fussballuninteressierte, meine Damen und Herren, heute ist es an uns, zwei Dinge zu tun:

1. Wir müssen die vorliegende Botschaft kritisch durchleuchten, allenfalls verbessern mit der Frage: Machen wir das Richtige?

2. Wir müssen den Funken zünden, Freude wecken. Es ist noch offen, ob es hier drin allenfalls sogar für Begeisterung reicht für eine sportliche Grossveranstaltung, die unser Land zusammen mit dem Partner Österreich durchführen kann.

Ein Blick zurück muss aber auch sein. Dabei stelle ich fest: In unserer Fraktion ist das Unverständnis für die Vorlage von 2002 sehr gross. Die Sicherheitskosten wurden massiv unterschätzt. Wie viel von der Uefa diktiert wird, wenn man sich um die Durchführung einer Europameisterschaft bewirbt, wurde verheimlicht. Blankochecks durch Unterschriften von Amtsdirektoren waren kein Thema in der Botschaft. Man hat uns nie reinen Wein darüber eingeschenkt, dass die Uefa kein echter Verhandlungspartner ist. Das sind grobe Fehler.

Wenn wir die heutige Botschaft beraten, ist sie auch an dieser Fehlleistung zu messen. Dabei bleibt für mich einiges immer noch offen. Erstens: Die Uefa hat trotz mehrmaliger Aufforderung in verschiedensten Kommissionen ihr Budget nie offen gelegt - schade, denn damit könnte sie einiges an Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Zweitens: Klappt eigentlich die Zusammenarbeit zwischen Bund, Host Cities und Kantonen? Spricht man miteinander oder nur aneinander vorbei?

Zur vorliegenden Botschaft: Wir müssen die Risiken minimieren, aber die Chancen maximieren und auch realisieren. Zum Risiko, zur Sicherheit: Wir wollen sichere Spiele durchführen. Dazu sind Sicherheitsmassnahmen nötig. Die Budgetposten scheinen mir aus heutiger Sicht plausibel. Wir müssen aber vor allem die Chancen maximieren und nutzen. Es ist eine einmalige Gelegenheit, uns zu präsentieren - der Welt, aber auch uns selbst. Wir müssen die Chancen nach aussen nutzen: Wir können unser Land präsentieren, mit Landschaft und Kultur; wir sollten gute, sympathische Gastgeber und Gastgeberinnen sein, und wir können insbesondere unsere Vielsprachigkeit zeigen, ein Vorteil, den wir auch gegenüber Österreich nutzen sollten. Wir müssen Chancen nutzen gegen innen: Wir sollten nicht nur Fussballbegeisterte ansprechen, wir sollten die Jugendförderung in anderen Sportarten anstossen. Wir müssen unbedingt auch Frauenförderung machen: Die Spiele des Frauen- und Mädchenfussballes finden ja leider auf Nebenplätzen statt, obwohl diese Teams sehr gut arbeiten.

Wir brauchen mehr Investitionen in die Fanarbeit, und was eigentlich auch fehlt, ist ein Auflisten der ganz spröden materiellen Vorteile, die wir durch diese Spiele haben. Wir sollten auch gemeinsam mit Österreich auftreten, zum Beispiel über die Kultur. Wir sollten uns da nicht gegeneinander ausspielen, sondern zusammenarbeiten. Da sind noch Korrekturen an Budgetposten nötig. Wir werden das in der Detailberatung bei den Minderheitsanträgen sagen.

Ich erwarte aber vom Sportminister heute Zusicherungen und nicht nur Versprechen. Zu garantieren ist insbesondere erstens, dass es Billette für unsere Bevölkerung gibt; das Negativbeispiel WM 2006 in Deutschland lässt grüssen. Wenn unsere Leute nicht das Gefühl haben, sie könnten ein Billett für einen Fussballmatch kaufen, dann werden sie nicht mitmachen.

Der zweite Punkt, der garantiert sein muss: Die Steuern müssen gemäss unserer Gesetzgebung abgeliefert werden. Wir wollen keine Sonderbehandlung der Fussballer bzw. der Uefa. Wir wollen gute Spiele organisieren. Wenn aus diesem Saal einmal eine Begeisterung für ein Projekt ins Land hinausstrahlen würde - das wäre wohl ein zweites Wunder von Bern.

Wir sollten die grünen Bedenkenträger, wie schon bei der Expo.02, ins Abseits stellen, genauso wie die rechten Miesmacher aus der Schuldenlastgilde. Damals haben wir es fertig gebracht, dass unsere Bevölkerung von der Expo.02 begeistert war, trotz der ständigen Nörgeleien von grüner Seite und von rechts. Die Schweiz kann es - in Abänderung eines Spruchs aus meinem Kanton -, wir haben eine Chance, uns in ein gutes Licht zu rücken, national und international. Dieses Tor wollen wir schiessen. Dazu müssen wir aber überhaupt erst antreten, motiviert, zielgerichtet. Dazu müssen wir dann auch aufs Tor zielen. Zielen wir heute gemeinsam, und schiessen wir das Tor im Sommer 2008!

Die grosse Mehrheit unserer Fraktion ist für Eintreten und Zustimmung.