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Siegrist Ulrich · Nationalrat · 2000-09-26

Siegrist Ulrich · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2000-09-26

Wortprotokoll

Ich möchte versuchen, auf die Einwände von Herrn Banga einzugehen, weil sie doch von wesentlicher sachlicher Bedeutung sind:

1. Dass Panzerbrigaden die Hauptträger der Operationen sind, trifft zwar auf eine allenfalls mögliche Konzeption der dynamischen Raumverteidigung wohl zu, aber durchaus auch auf eine weiter entwickelte Konzeption "Armee 61", wie sie Herr Banga offenbar liebt. Denn auch hier kann eine Entscheidung immer nur in der Bewegung gesucht werden. Auch hier bilden die statischen Elemente immer nur das Rückgrat für die dynamischen Elemente. Die Panzerbrigade müsste deshalb auch dann modernisiert werden, wenn wir die Diskussion über die "Armee XXI" gar nicht hätten.

2. Die operative Einsatzdoktrin werden wir in Zukunft leider immer weniger durch Bundesrats- oder Parlamentsentscheide fixieren können, sondern sie wird durch die Kampfweise eines möglichen Gegners diktiert. Dieser wird auch die Kampfräume und die Grösse dieser Räume diktieren. [PAGE 1012] Ein möglicher Gegner wird durch seine Technologie auch diktieren, auf welche Distanzen der Kampf überhaupt geführt wird. Das hat eben nur noch zum Teil etwas mit dem stark bodenbezogenen Konzept der "Armee 61" zu tun.

3. Wir müssen damit rechnen, dass wir Luftüberlegenheit - wenn überhaupt - immer nur in ganz kleinen zeitlichen Fenstern und in ganz kleinen Räumen haben können, dass wir generell also keine Luftüberlegenheit haben. In Europa kämpft ein moderner Gegner gar nicht gegen jemanden, wenn er die Luftüberlegenheit nicht schon vorher erringen kann. Gerade die fehlende Luftüberlegenheit aber ist ein Grund, sich nicht auf statische Konzeptionen zu verlassen, sondern den Schutz in der Mobilität, in der Dynamik des Gefechtsablaufes zu suchen.

4. Wenn die USA jetzt eine konzeptionelle Diskussion führen, Herr Banga, dann wird dort nicht über den Schützenpanzer diskutiert, sondern über die Kampfpanzer, und zwar über die sehr schweren amerikanischen Kampfpanzer, die für rasche Transporte weltweit wenig geeignet sind.

Nun komme ich zu den Überlegungen, die Herr Marti Werner angeführt hat:

1. Ich muss das nochmals betonen: Es geht nicht um ein älteres oder neueres Modell. Es geht darum, ob wir - bisher hatten wir keine Schützenpanzer, sondern nur Mannschaftstransportwagen im Rahmen eines statischen Konzeptes - die Komponente Schützenpanzer, die heute in den Panzermodulen fehlt, noch vervollständigen. Bei der Artillerie machen wir das auch, und dort sagen Sie offenbar auch Ja dazu. Also müssen wir es bei den Schützenpanzern auch vornehmen.

2. Es ist nicht so, dass diese Weiterentwicklungen und Änderungen einfach Helvetisierungen sind. Es ist doch völlig normal, dass bei einem Modell 1994/95, das Anfang der Neunzigerjahre entwickelt wurde, nun noch Verbesserungen angebracht werden. Ich gehe davon aus, dass auch andere Käufer oder Käufergruppen dieses Schützenpanzers diese Verbesserungen übernehmen werden. Es sind nicht einfach Helvetisierungen, sondern Weiterentwicklungen, die aber durch unser Anforderungsprofil ausgelöst wurden.

3. Ich muss schon etwas über Ihre eigenartige Auffassung staunen, Herr Marti, wie man während einer Umbauzeit vorgehen soll. Jede Firma weiss doch, dass sie auch während der Umbauzeit die Geschäfte weiter abwickeln muss, dass sie den Auftrag weiter erfüllen muss, dass es keinen Unterbruch in der Geschäftsabwicklung geben darf. Ich meine, gerade eine Armee dürften wir während der Umbauphase nicht verludern lassen. Deshalb darf es dieses "Loch" im Übergang nicht geben.

Ich bitte Sie, den Antrag Marti Werner abzulehnen.