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Schweiger Rolf · Ständerat · 2006-03-06

Schweiger Rolf · Ständerat · Zug · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2006-03-06

Wortprotokoll

Ich habe keinerlei Interessenbindungen zu irgendwelchen Bierunternehmungen. Ich habe aber eine persönliche Beziehung zu Bier, und zwar deshalb, weil mein Grossvater Braumeister war, ein Restaurant kaufte und mein Vater Sohn eines Wirtes war.

Ursprünglich hatte es den Anschein, als sei diese Debatte eine reine Fiskaldebatte. Nicht zuletzt wegen der Schreiben der Ärztegesellschaften und der Lehrerschaften hat diese Debatte nun eine neue Dimension bekommen. Frau Kollegin Sommaruga hat ausgeführt, dass dies ein erster Schritt sei und diesen Abgaben auf alkoholischen Getränken in der Folge Massnahmecharakter verliehen werden müsse. Damit hat die ganze Sache eine gesellschaftspolitische Komponente erhalten, nämlich mit der Frage, wie sich das Verhältnis von uns Erwachsenen zu unseren Jungen in Zukunft ausgestalten soll. Wollen wir es wirklich so handhaben, dass wir den Eindruck vermitteln: "Ihr jungen Leute seid nicht in der Lage, euer Leben zu meistern; wir Erwachsene müssen dafür sorgen, dass ihr euer Glück auch wirklich findet"? Wir verkennen dabei fundamental, dass die Jugend, um eine Entwicklung durchzumachen, gezwungen ist, auch Fehler zu machen. Wir sind gegenüber der Jugend nicht glaubwürdig, wenn wir heute so durch Gebote, Verbote, Lenkungsabgaben, Vermiesungen usw. argumentieren, um ihr Verhalten zu steuern. Wir sind deshalb nicht glaubwürdig, weil wir als junge Leute - ich nehme zumindest an, der überwiegende Teil von uns - genauso gehandelt haben, wie die Jugend heute handelt. Auch wir mussten die Erfahrung machen, dass bei zu viel Bier der andere Morgen alles andere als schön war und in der Nacht möglicherweise gewisse Sachen passierten. Nur deshalb, weil wir diese Sache machen konnten, weil wir Erfahrungen machen durften - auch negative -, sind wir zu dem geworden, was wir heute sind. Ich wage zu sagen, dass diejenigen, die in der Jugend am meisten über die Schnur gehauen haben, heute wahrscheinlich zu den erfolgreicheren Teilen unserer Gesellschaft gehören.

Ein Zweites: Wir sind unglaubwürdig gegenüber der Jugend, weil wir verschiedene Arten von Getränken ungleich behandeln. Wir wissen - das gilt zumindest für die Deutschschweiz -, dass Wein einen anderen Status hat. Leute der Hautevolee oder Personen, die sich zur Hautevolee zählen, [PAGE 9] können nicht genug davon bekommen, sich über die Feinheiten des Weines auszusprechen und stundenlang zu debattieren. Das hören die Jungen. Wenn sie sehen, dass wir bezüglich des Weines überhaupt nichts von steuerlicher Belastung hören wollen, wohl aber für ein Getränk, das der Jugend zugehört, dann finden sie unser Verhalten zumindest inkonsequent. Man kann sagen, die heutige Debatte ist in dieser Angelegenheit ein Detail. Aber sie ist vielleicht gerade deswegen, weil diese gesellschafts- und gesundheitspolitische Komponente hineingekommen ist, etwas, das bei unserer Jugend Gehör findet. Ich möchte nicht eine Jugend haben, die das Gefühl hat, von den Erwachsenen dauernd gemassregelt zu werden. Ich will eine Jugend haben, der man zugesteht, auch Fehler machen zu dürfen, denn nur aus Fehlern kann ein Mensch etwas lernen.

Darum beantrage ich Ihnen, auch aus diesen emotionalen Gründen heraus, der Mehrheit zuzustimmen.