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Graf-Litscher Edith · Nationalrat · 2006-06-20

Graf-Litscher Edith · Nationalrat · Thurgau · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-06-20

Wortprotokoll

Der wirtschaftliche Aufschwung findet ohne unsere Jugend statt. Trotz Konjunkturaufschwung ist die Situation für die Schulabgängerinnen und Schulabgänger 2006 nicht besser als 2005. Tatsache ist: Der Wirtschaft geht es besser, sie wächst, aber es gibt kaum neue Lehrstellen. Und um die begehrten KV-Ausbildungsplätze reissen sich bald auch schon die Deutschen. Dass sich die Krise bei den Lehrstellen beim nächsten Aufschwung nicht von selber auflöst, ist nun Tatsache geworden. Was unternimmt unser Bundesrat?

Der Bundesrat setzte sich für seine Geschäftsführung 2005 fünf Schwerpunkte: Diese beginnen bei der Stabilisierung des Bundeshaushaltes, beinhalten die Konsolidierung und die Sanierung der Sozialversicherungen und gehen bis zur Festigung der Beziehungen mit der EU. Die Förderung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit setzte der Bundesrat sogar an die erste Stelle seiner Schwerpunkte. Unter den siebzehn Massnahmen zur Förderung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit wie auch bei den anderen Schwerpunkten vermisse ich jedoch die Förderung von dringend notwendigen zusätzlichen Lehrstellen.

Möchten Sie in einer Schweiz leben, in der nur Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit einem Notendurchschnitt ab 5,5 problemlos eine Lehrstelle finden und schon solche mit einem Notendurchschnitt von 5,0 grosse Schwierigkeiten haben, den Schritt ins Erwerbsleben zu schaffen? In den nächsten Jahren wird die Zahl der Lehrstellensuchenden weiter ansteigen. Wir brauchen deshalb rasch wirksame Massnahmen zur Verhinderung einer wachsenden Perspektivlosigkeit von Schulabgängerinnen und Schulabgängern mit all den unermesslichen psychosozialen und gesellschaftlichen Schäden, die sich schon heute in der Sozialhilfestatistik spiegeln.

Ich frage Sie deshalb, Herr Bundespräsident: Welche wirksamen Massnahmen wird der Bundesrat in diesem Jahr ergreifen, damit die dringend nötigen zusätzlichen Lehrstellen geschaffen werden und unsere Schulabgängerinnen und Schulabgänger eine berufliche Perspektive haben?