Kiener Nellen Margret · Nationalrat · 2006-12-06
Kiener Nellen Margret · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-12-06
Wortprotokoll
Als ehemalige Jugend-und-Sport-Leiterin für Skifahren hätte ich eigentlich Lust, mit Ihnen eine kurze Aufwärm- und Lockerungsübung abzuhalten. Ich gebe mir aber Mühe, Sie mit meinem Votum derart aufzulockern und aufzuwärmen, dass Sie unseren Minderheitsantrag auf 10 Millionen Franken mehr für spezifische Angebote für Fünf- bis Zehnjährige kräftig und lustvoll unterstützen können.
Im Bundesamt für Sport liegt ein umsetzungsbereites Detailkonzept vor, das ein niederschwelliges Angebot für Fünf- bis Zehnjährige vorsieht. Diese waren bisher im erfolgreichen Jugend-und-Sport-Programm nicht inbegriffen; das bisherige Jugend-und-Sport-Programm beginnt mit Kindern ab elf Jahren. Die berechneten Kosten belaufen sich in der Minimalvariante auf 10 Millionen Schweizerfranken jährlich - dies bestätigt uns das Bundesamt für Sport (Baspo). Etwelche Vorleistungen, Pilotprojekte im Rahmen der Euro 2008 liegen vor; sie würden nur eine Lancierung des Projektes ermöglichen, aber sie gewährleisten überhaupt keine Kontinuität. Daher ist es nötig, dass wir mit dem Budget 2007 einen seriösen, richtigen Einstieg in dieses fixfertige Projekt des Baspo für Fünf- bis Zehnjährige machen. Finanzierungspläne mit Privaten haben sich zerschlagen; die öffentliche Hand ist gefordert.
Wir wissen, dass in der Schweiz jedes fünfte Kind übergewichtig ist, 10 Prozent dieser Kinder leiden sogar unter Fettleibigkeit. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder in der Schweiz verdreifacht. Die Zahl der adipösen Kinder hat sich sogar versechsfacht. Weiter zeigen Studien, dass Personen, die im Kindesalter übergewichtig sind, dies als Erwachsene meist bleiben. Gründe für Übergewicht sind vor allem falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Wir wissen auch, dass jedes dritte Schulkind in der Schweiz keinen Schwimmunterricht mehr erhält. Hingegen wissen wir auch, dass gerade die Jahre zwischen fünf und zehn das Lern- und Prägealter und deshalb besonders entscheidend für die körperliche, geistige und soziale Entwicklung sind. Kinder sollten lernen, richtig zu essen und sich zu bewegen.
Zu den finanzpolitischen Überlegungen: Die Förderung von Sport und Bewegung sowie einer gesunden Ernährung auch bei Kindern im Alter von fünf bis zehn Jahren ist eine investive Aufgabe. Die aufgewendeten Mittel ersparen Kosten für Folgeschäden von Bewegungsmangel und Übergewicht. Die Folgen des Bewegungsmangels resultieren laut einer Studie aus dem Jahre 2001 von Baspo, BAG und weiteren Partnern in direkten jährlichen Behandlungskosten von 1,6 Milliarden Franken. Laut dem 5. Schweizerischen Ernährungsbericht von 2005 belaufen sich die Kosten für Folgekrankheiten von Übergewicht sogar auf jährlich 2,7 Milliarden Franken. Wer gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen will, muss prophylaktisch handeln und darf nicht erst therapeutisch auf die Gesundheit unserer Kinder einwirken. Jeder heute investierte Franken erspart ein Vielfaches an Folgeschäden. Zudem sind Kinder unser kostbarstes Gut. Kinder haben auch Rechte. Die Uno-Kinderrechtskonvention verpflichtet die Schweiz dazu, das Recht des Kindes auf das erreichbare Höchstmass an Gesundheit anzuerkennen. Sie verpflichtet die Schweiz als Vertragsstaat dazu, die volle Verwirklichung dieses Rechtes sicherzustellen. Die Uno-Kinderrechtskonvention verpflichtet die Schweiz ausdrücklich dazu, Fehlernährung auch im Rahmen der gesundheitlichen Grundversorgung zu bekämpfen.
Ich ersuche Sie aus diesen Gründen, den Minderheitsantrag kräftig zu unterstützen.