Steiner Rudolf · Nationalrat · 2006-12-06
Steiner Rudolf · Nationalrat · Solothurn · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2006-12-06
Wortprotokoll
Ich danke Herrn Vollmer dafür, dass er hier anerkannt hat, dass die Wirtschaft sich ihrer Verantwortung bewusst ist und im Lehrlingswesen das Ihre tut; ich hoffe, dass Sie das auch so in die Medien bringen. Aber meine Meinung ist die: So begründet das Lob gegenüber der Wirtschaft ist, so unbegründet ist der Tadel gegenüber dem Bundesrat und der Bundesverwaltung. Der Bundesrat hat sich nicht zuletzt aufgrund unserer Vorstösse ein Ziel gesetzt. Er hat sich auch ein zeitliches Ziel gesetzt, wir haben es gehört, nämlich eine Rate von 4 Prozent bis 2011. Der Bundesrat und die Verwaltung sind auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erfüllen, man könnte sagen, sie sind auf der Zielgeraden. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir heute bei einer Prozentzahl von 3,2 liegen; bei der Privatwirtschaft sind es im Durchschnitt 3,4 Prozent. Der Bund liegt also mit seiner Lehrlingsrate nahe bei der Privatwirtschaft. Wenn dann die 4 oder mehr als 3,4 Prozent im Laufe der Jahre erreicht werden, liegen der Bund und die Verwaltung sogar über dem Marktdurchschnitt, den wir zu verzeichnen haben.
Ich habe jedoch klar die Meinung, dass man nichts erzwingen kann. Dieses genannte Ziel bis 2011 zu erreichen erfordert noch einige Anstrengungen, und die Erreichung des Ziels ist von verschiedenen Faktoren abhängig; das wurde unter anderem ja auch in der Finanzkommission dargelegt und diskutiert. Eine Frage ist primär auch die Mitbeteiligung der Leute in der Linie bei der Bundesverwaltung: Sie müssen auch mitziehen, sie müssen geführt werden. Es kann nicht einfach aufgezwungen werden, sondern da muss Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit Praktikanten und Lernende, aber auch Behinderte eingestellt werden; das kann nicht einfach von oben diktiert werden. Das ist das eine. Jeder, der schon Lehrlinge und Lehrtöchter ausgebildet hat, weiss, dass dies mit etwelchem Aufwand verbunden ist; ich rede hier nicht vom finanziellen, sondern vom personellen Aufwand. Es braucht auch geeignete Ausbildner, es braucht Arbeitsplätze, wo diese jungen Leute arbeiten können.
Nun zur Frage der Qualität: Ich denke, da liegt ein Missverständnis vor; es gibt einen Unterschied zwischen dem, was Herr Zuppiger gesagt und gemeint hat, und dem, was Herr Vollmer verstanden hat. Auch Herr Bundesrat Merz hat in der Finanzkommission bereits darauf hingewiesen, dass es ein Problem der Optimierung zwischen Quantität und Qualität gibt. Die Quantität ist an sich die Anzahl der Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, und die Frage der Qualität verstehe ich eben dahingehend, dass ich danach frage, welches Rüstzeug die Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, mitbringen. Ist der Bund überhaupt in der Lage, in der nötigen Anzahl geeignete Lehrstellen anzubieten, um den Jugendlichen gerecht zu werden? Da habe ich schon etwelche Zweifel. Wenn Sie sehen, was der Bund bieten kann, sehen Sie auch, dass es eine beschränkte Auswahl für die Jugendlichen ist, die eine Lehre absolvieren müssen. Viele begehren andere Lehrstellen, solche, die der Bund von vornherein nicht anbieten kann. Andere, welche in den angebotenen Bereichen eine Lehre machen wollen, bringen leider die schulischen Voraussetzungen nicht mit. Das ist für mich das Problem der Qualität, auch im Verhältnis zur Frage der Quantität.
Erlauben Sie mir doch noch, darauf hinzuweisen, dass wir eine Aufstockung in dieser Budgetposition haben: von 27 auf rund 28,4 Millionen Franken. Es geht nicht an, hier einfach zu sagen, es seien keine zusätzlichen Lehrstellen vorgesehen. Es ist nicht definiert, wie diese zusätzlichen Mittel von 1,4 Millionen verwendet werden können, denn die besonderen Personalkategorien beinhalten neben den Lernenden auch die Praktikanten und die Behinderten; und es ist dann Sache des Angebotes und der Nachfrage, wo in den einzelnen Positionen aufgestockt werden kann.
Summa summarum sind wir der Überzeugung, dass sich auch der Bundesrat und die Verwaltung ihrer Verantwortung bewusst sind, dass der politische Wille vorhanden ist, dass entsprechend der bundesrätliche Entwurf und der Antrag der Mehrheit richtig sind. Wir bitten Sie, diese Mehrheit zu unterstützen.