Schmid-Sutter Carlo · Ständerat · 2007-03-05
Schmid-Sutter Carlo · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · Christlichdemokratische Fraktion · 2007-03-05
Wortprotokoll
Ich habe eine Bemerkung nicht zu diesem ausgezeichneten Bericht der GPK anzubringen, sondern zum ersten Blatt, zum Zitat, das Ihren Bericht ziert. Zitate sagen manchmal mehr über die Zitierenden als über die Zitierten aus. Als ich dann noch den Namen Mirabeau gelesen habe, hat es bei mir etwas in den Ohren geklingelt. Sie wissen, ich war in einer Klosterschule, wo auch angehende katholische Pfarrer ausgebildet wurden. Da hat man uns, wie ich mich erinnere, seitens des Französischprofessors vor Mirabeau gewarnt. Er zerstöre die Unschuld, sei gegen die Keuschheit und überhaupt seien seine Romane die freizügigsten erotischen Bücher der Aufklärung. Ich glaube allerdings nicht, dass die GPK in dieser Hinsicht irgendwelche literarischen Anstrengungen oder Ideen hat.
Aber es gibt bei Mirabeau noch einen anderen Punkt, der politischer Natur ist: Mirabeau war ein Jakobiner, einer der grössten Heuchler, Falschmünzer und Agents provocateurs der Französischen Revolution, der sich, während er nach aussen unter dem Applaus des Volkes gegen den König und seine Ministerien wetterte, genau von diesen Ministerien seinen Lebensunterhalt bezahlen liess. Das merkte man lange nicht, und er wurde im Panthéon begraben. Einige Jahre nach seinem Tod kam all dieses Falsche hervor, man nahm ihn aus dem Panthéon heraus und verbannte ihn in die Provinz; er soll sogar in Deutschland, in Freiburg im Breisgau, beerdigt worden sein.
Ich hoffe, dass es hier keine "Mirabeaus von Moléson" oder "Mirabeaus von den Schöllenen" gibt, denen eines Tages ein ähnliches Schicksal bereitet sein werde. Das wollte ich noch sagen. (Heiterkeit)