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Lang Josef · Nationalrat · 2007-09-19

Lang Josef · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2007-09-19

Wortprotokoll

Leider ist der Herr Bundesrat jetzt nicht hier; dabei habe ich die Rede vor allem für ihn vorbereitet. Ich spreche ihn jetzt trotzdem an, weil Bundesräte ja irgendwie immer anwesend sind.

Auch Sie, Herr Bundesrat, haben sich daran gestört, dass es auf unseren Wiesen nur noch eine Sorte von Schafen geben soll. Auch Sie, Herr Bundesrat, haben sich daran gestört, weil Ihnen als Liberalem die Vielfalt ein wichtiges Anliegen ist. Genau dieser Vielfalt ist die Volksinitiative "Ja zur Komplementärmedizin" verpflichtet. Die Alternativmedizin wehrt sich dagegen, als schwarzes Schaf aus dem Leistungskatalog der Grundversicherung ausgeschlossen zu werden. [PAGE 1252]

Zu besagter Vielfalt gehören Heilmethoden, Diagnoseverfahren, Heilmittel, die zum Teil eine jahrhunderte-, wenn nicht jahrtausendealte Tradition haben, in denen ein reicher Wissensschatz aufgehoben ist. Denken wir nur an die Pflanzenheilkunde oder an die Akupunktur. Wenn diese Vielfalt nicht gepflegt wird, besteht die Gefahr, dass der Erfahrungsschatz im negativen Sinne des Wortes aufgehoben wird.

Mit dem Zugang zu einer Vielfalt von begründeten, eigenständigen Methoden, Verfahren, Mitteln soll die Wahlfreiheit sichergestellt werden. Diese Wahlfreiheit, auch ein liberaler Wert, soll in den verschiedensten Bereichen praktiziert werden. Den Fachpersonen ist die Möglichkeit zur Ausübung von Heilmethoden und Diagnoseverfahren zu gewähren. Auch die Praxisfreiheit ist übrigens ein liberaler Wert.

Zur Vielfalt gesellt sich die Integration. Die Volksinitiative will dazu beitragen, dass Schul- und Komplementärmedizin partnerschaftlich zusammenarbeiten. Dabei sollen die Akzente im Gesundheitswesen zugunsten einer gesamtheitlichen Sicht des Menschen und einer nachhaltigen Behandlung gesetzt werden. Alle Erfahrungen zeigen, dass eine integrative Medizin, also eine dichte Kooperation von konventioneller und alternativer Medizin, den höchsten medizinischen Nutzen bringt.

Ein weiterer liberaler Grundwert ist die Bedürfnisorientierung. Die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften hat in einer repräsentativen Umfrage im Jahre 2001 festgestellt, dass 58 Prozent der Schweizer Bevölkerung mehr Komplementärmedizin verlangen, aber nur 21 Prozent mehr Spitzenmedizin. Deshalb ist die Komplementärmedizin in Lehre und Forschung vermehrt zu berücksichtigen.

Entscheiden Sie sich für die Vielfalt, die Wahlfreiheit, sagen Sie Ja zur Komplementärmedizin, auch im Sinne der liberalen Grundüberzeugungen unseres jetzt leider abwesenden Gesundheitsministers.

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