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Leumann-Würsch Helen · Ständerat · 2007-09-25

Leumann-Würsch Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2007-09-25

Wortprotokoll

Es ist noch nicht lange her, da hat das Schweizervolk einen neuen Verfassungsartikel im Bereich der Bildung, nämlich den Bildungsrahmenartikel, angenommen. Darauf dürfen wir zu Recht ein wenig stolz sein, denn in unserer Bildungslandschaft war das ein Meilenstein. Der Weg zum Ziel war denn auch nicht ganz einfach, mussten doch verschiedenste Gruppierungen überzeugt werden. Wir haben alles darangesetzt, dass die Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz, die Schweizerische Universitätskonferenz, die Berufs- und Fachhochschulen, aber auch die Romandie, die Deutschschweiz und das Tessin sowie die Betroffenen, Lehrerschaft und Schüler, gemeinsam ins Boot geholt werden konnten. Und es gelang.

Ziel des neuen Bildungsrahmenartikels war die Schaffung eines kohärenten, flächendeckenden und qualitativ hochstehenden Bildungsraums Schweiz, bei dem die allgemeinbildende und die berufsbezogene Ausbildung gesellschaftlich die gleiche Anerkennung finden. Die neue Bildungsverfassung hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden kann, die interkantonale und die internationale Mobilität erleichtert und die kantonalen Bildungssysteme in einzelnen, auf Verfassungsebene festgelegten Punkten gesamtschweizerisch harmonisiert werden. Die Basis der neuen Bildungsverfassung bildet die Verpflichtung von Bund und Kantonen, gemeinsam im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für einen qualitativ hochstehenden, durchlässigen Bildungsraum zu sorgen. Bund und Kantone werden zur Koordination und zur Zusammenarbeit im gesamten Bildungsbereich verpflichtet. Diese Eckwerte der Schulharmonisierung sind primär über die Koordination der Schulträger, allen voran der Kantone, zu regeln. Der Bund erhält nur dann eine Gesetzgebungskompetenz, wenn die Harmonisierungsbestrebungen in den genannten Bereichen scheitern. Mit der genauen Umschreibung, was der Bund darf, garantierten wir, dass auch in Zukunft das Volksschulwesen Sache der Kantone bleibt.

Es mutet deshalb schon etwas eigenartig an, wenn der Nationalrat beschliesst, dass als erste Fremdsprache eine Sprache gelehrt werden muss, welche in unserem Land gesprochen wird, sei es Französisch oder Italienisch oder Deutsch. Im Vertrauen darauf, dass auch gilt, was unser Volk beschlossen hat, haben zwischenzeitlich mehrere Deutschschweizer Kantone Englisch als erste Fremdsprache eingeführt, so auch die Innerschweizer Kantone. Dies war mit hohen Kosten verbunden. Es kann doch nicht sein, dass nun rückgängig gemacht wird, was bereits eingeführt worden ist, zumal bei uns während der Primarschule zwei [PAGE 781] Fremdsprachen - nämlich Englisch und Französisch - zu lernen sind. Dies vor allem auch, weil wir es richtig und wichtig finden, dass unsere Jugendlichen auch nach ihrer Schulzeit mit ihren Kolleginnen und Kollegen in der französischen Schweiz kommunizieren können.

Fachleute wissen, dass ein Kind unter zehn Jahren viel leichter und schneller eine Fremdsprache lernt, als wenn es älter ist. Unser Enkelkind hat eine Englisch sprechende Mutter, und es ist faszinierend, wie schnell es von einer Sprache zur anderen wechselt. So hat es bereits als ganz kleines Kind, wenn der Vater Englisch oder die Mutter Deutsch sprach, energisch den Kopf geschüttelt, als ob es sagen wollte, hier stimme etwas nicht. Das zeigt, wie schnell und flexibel eben Kinder lernen.

Neben dem Volksentscheid über die Bildungsverfassung gibt es aber noch andere Gründe, die für Englisch als erste Fremdsprache wichtig sind. So hören unsere Kinder viel mehr Englisch als Französisch. Es können sprachliche Brücken zum Deutschen gebraucht werden, die auf Französisch nicht funktionieren, wie z. B. Wasser/water oder essen/eat, um nur zwei Beispiele zu nennen. Auch in der Wissenschaft ist Englisch ein absolutes Must. So wird auch an der ETHZ oder an der EPFL oft Englisch gesprochen. Noch wichtiger aber ist Englisch als Sprache der Wirtschaft. Denken wir an den internationalen Handel, nicht nur in Richtung englischsprachige Länder, sondern ebenso in Richtung Asien oder Südamerika.

Die Ausgangslage für die Berufsfindung ist einfacher, wenn jemand Englisch sprechen und lesen kann - so leid mir das tut, denn Französisch ist eine wunderbare Sprache. Nur muss ich selber auch gestehen, dass ich in einem Jahr in der französischsprachigen Schweiz trotz der Französischkenntnisse aus der obligatorischen Schulzeit unendlich viel arbeiten musste. Leider kommt heute alles nicht mehr so schnell, wie es damals der Fall war. Englisch hingegen sprudelte bereits nach wenigen Wochen, und es ist mir heute beinahe so geläufig wie das Deutsche.

Ich bin für Eintreten und Zustimmung zu den Anträgen, wie sie aus unserer Kommission kommen.