Galladé Chantal · Nationalrat · 2007-12-19
Galladé Chantal · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-12-19
Wortprotokoll
Wir sprechen heute so intensiv von der Zukunft, wie wir es selten tun. Wenn wir von Kindern und Jugendlichen sprechen, bedeutet das immer auch, dass wir von der Zukunft unseres Landes sprechen. So, wie die heutigen Kinder und Jugendlichen aufwachsen, so sieht die Schweiz von morgen aus. Die SP-Fraktion, die SP als Partei engagiert sich für eine umfassende Kinder- und Jugendpolitik. Wir brauchen für eine umfassende Kinder- und Jugendpolitik zuallererst eine übergeordnete nationale, eine langfristige und wirksame Strategie. Deshalb brauchen wir erstens dringend den Bericht zur Motion von Herrn Janiak (00.3469), der das schon lange fordert. Zweitens bitte ich Sie, heute alle Vorstösse anzunehmen, die in diese Strategie einfliessen und die den Kindern und Jugendlichen zugutekommen.
Die Förderung von Kindern beginnt früh. Wir müssen die Familien unterstützen, genügend Krippenplätze bereitstellen und auch die Teilzeitarbeit, besonders der Eltern, fördern. Die Schweiz investiert viel zu wenig in den frühkindlichen Bereich. Das ist eine verpasste Chance für unser Land. Das kommt uns abgesehen davon auch teuer zu stehen. Wir wehren uns dagegen, dass Kinder und Jugendliche zu den häufigsten Sozialhilfebezügern in unserem Land gehören, gehören müssen. Wir müssen etwas dagegen unternehmen; die reiche Schweiz darf und kann sich keine armen Kinder leisten.
Wir fordern weiter eine gute Volksschule. Ich würde sagen, die Chancengleichheit ist eines der ganz grossen bildungspolitischen Themen der nächsten Jahre, ist bildungspolitisch gesehen unsere Herausforderung für das nächste Jahrzehnt. Die Berufsbildung müssen wir ebenfalls weiter stärken - das nicht nur in Sonntagsreden, sondern auch dann, wenn es darum geht zu investieren. Wir alle sagen, die Berufslehre, der Berufsbildungsweg sei gut und sei uns wichtig. Bei der Verteilung der Mittel kommt dieser Weg aber regelmässig zu kurz. Es ist auch der Weg, aber es darf nicht nur der Weg für die schulisch Schwächeren sein. Ich bitte Sie, hier immer ein Auge darauf zu haben und dem Berufsbildungsweg mit den Neuerungen, denen er zum Teil in den nächsten Jahren unterworfen sein wird, Sorge zu tragen.
Wir wollen eine Gesellschaft, welche für und mit Kindern und Jugendlichen zusammen Politik macht. Ich bitte Sie deshalb, auch die Partizipation zu stärken, Vorstösse, welche Kinder und Jugendliche in die Gesellschaft integrieren wollen, ihnen eine Mitsprache geben wollen und die Vorstösse der Jugendsession aufwerten wollen, zu unterstützen. Das hat mit Respekt gegenüber den Entscheidungen der Kinder und Jugendlichen zu tun. Die Gesellschaft wird durch diesen Einbezug nur reicher.
Ich will auch die Gewalt, von der Jugendliche übrigens selber sehr stark betroffen sind, nicht verschweigen. Ich weigere mich jedoch, die Kinder- und Jugendpolitik auf dieses Thema zu reduzieren. Wir brauchen genügend Mittel, um gegen Gewalt vorzugehen. Das ist richtig. Gerade die bürgerlichen Mehrheiten in den Kantonen sind es oft, die diese Mittel nicht sprechen oder kürzen.
Denken wir daran: Wie wir über die Kinder und Jugendlichen heute reden, gemäss dem Bild, das wir von ihnen haben, so werden wir morgen auch von ihnen behandelt. Denn es geht nicht lange, und wir werden von dieser Generation abhängig sein. Es ist die Generation, die unsere AHV bezahlt. Es ist die Generation, die uns in einigen Jahren in den Alters- und Pflegeheimen pflegt.
Ich bitte Sie, dieser Generation Sorge zu tragen!