Lang Josef · Nationalrat · 2007-12-19
Lang Josef · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2007-12-19
Wortprotokoll
Zuallererst möchte ich meinem Vorredner für Ton und Inhalt danken. Die Jugend ist besser als ihr Ruf. Wenn ich dies sage, dann weil ich weiss, wovon ich rede. Im sechsundzwanzigsten Jahr unterrichte ich an der Baugewerblichen Berufsschule im Kreis 5 der Stadt Zürich. Die Hälfte meiner Schülerinnen und Schüler ist ausserhalb der Schweiz auf die Welt gekommen, mehrheitlich in Ex-Jugoslawien.
Herr Wobmann, wer so redet wie Sie, der will Probleme nicht lösen, sondern verewigen, weil er von diesen politisch lebt. Ja: Es gibt mehr Gewalt als vor 25 Jahren, als ich an dieser Schule begonnen habe. Aber die reale Situation, wie ich sie erlebe, ist von jener gemäss der medialen Berichterstattung weit entfernt. Es ist die unheilvolle Kombination von medialer Dramatisierung und politischem Populismus, welche der Jugend einen Ruf beschert, den sie nicht verdient.
Politisch Liberale suchen die Lösung gesellschaftlicher Probleme nicht in der Verschärfung eines notabene kürzlich revidierten Jugendstrafrechtes; sie suchen sie in der zivilen Prävention und sozialen Integration. Am 2. Oktober, dem Tag der Gewaltlosigkeit, habe ich eine Interpellation 07.3603 mit dem Titel "Junge Friedensstifterinnen und -stifter fördern" eingereicht. In Dutzenden von Schweizer Gemeinden laufen wesentlich von den Schülerinnen und Schülern selbst getragene Projekte mit Namen "Peacemaker", "Friedensstifter", "Stand up for Respect", "Peaceforce" usw. Die Erfahrungen sind sehr positiv. Eigentlich verdienten diese Projekte mehr Aufmerksamkeit seitens der Politik und der Medien.
Eine meiner vier Interpellationsfragen hat der Bundesrat positiv beantwortet: "Die Vollzugsstelle für den Zivildienst baut gegenwärtig ihr Engagement im Bereich der Gewaltprävention aus: Sie unterstützt die Vorbereitung und Durchführung eines Pilotkurses betreffend gewaltfreie Konfliktlösung und deeskalierende Interventionen in einer Phase, die gewaltfreie Interventionen noch erlaubt. Eine entsprechende Ausbildung soll zur Leistung eines spezifisch darauf ausgerichteten Zivildiensteinsatzes befähigen." Das ist etwas Erfreuliches und etwas sehr Wichtiges, weil diese Projekte bereits jetzt grosse Früchte tragen.
Zum Schluss noch dies: Gewaltlosigkeit von Jugendlichen glaubwürdig fordern kann nur, wer Gewaltlosigkeit unter Erwachsenen konsequent fördert - sei dies in der Innen- oder Aussenpolitik.