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Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2008-09-30

Wortprotokoll

Auch ich spreche zum ganzen Artikel 6 und plädiere bei Absatz 2 Literae a und e für die Mehrheit.

Die Minderheit Pfister Theophil bezweifelt, dass es sinnvoll und im Interesse unseres Landes sein kann, andere Kulturgemeinschaften zu unterstützen. Sie will sich im Zusammenhang mit Kulturförderung vor allem auf die schweizerische Kultur in unserem vielfältigen Land fokussieren. Das verstehe ich; aber, Herr Pfister: Wir sollten das eine tun und das andere nicht lassen!

Hinter Ihrem Antrag steht die Angst, dass unsere Sprachräume von Menschen aus anderen Kulturen unterlaufen werden könnten. Wenn man nun die Voraussetzungen für die Kulturförderung auch auf diese anderen Gruppen ausdehnen würde, dann könnte das, so wird weiter von Herrn Pfister befürchtet - es ist immer diese Angst -, zu einer Schwächung der schweizerischen Kultur führen. Herr Pfister, das Gegenteil ist der Fall. Schauen Sie doch einmal die ganze Volksmusik an, die Elemente von anderen Kulturen aufnimmt und sie integriert. Ihre Angst ist unbegründet. Hinter dem Minderheitsantrag versteckt sich auch ein Geist des Ausgrenzens, der in einem Kulturgesetz nichts, aber auch gar nichts zu suchen hat. Denn in den vier Sprachräumen leben auch noch verschiedene andere Gemeinschaften, die noch andere Sprachen sprechen und andere kulturelle Ausdrucksformen kennen.

Nach unserem Kulturverständnis, welches wesentlich durch Eigenschaften wie Offenheit und Kommunikationspotenzial charakterisiert wird, bedeutet das andere in den vier Sprachräumen nicht einfach eine Bedrohung, sondern es kann, wie gesagt, zur Bereicherung beitragen. Denken wir zum Beispiel nur - das verstehen alle hier drin ohne Weiteres - an die Gastrokultur unseres Landes, welche längst nicht nur bei Bratwurst und Rösti stehengeblieben ist, sondern sich von den verschiedensten Einflüssen hat bereichern lassen, welche aus anderen Kulturen stammen. Das Essen und die Art des Kochens sind eben auch ein Ausdruck des Selbstverständnisses im Umgang mit den sinnlichen Dingen dieser Welt, die uns das Leben auf die eine oder andere Art schmackhaft machen. Dasselbe zeigt sich auch bei den verschiedenen Stilen im Bereich der Volksmusik; das habe ich bereits gesagt. Mit der Ablehnung des Minderheitsantrages Pfister Theophil wollen wir jedoch keinesfalls zum Ausdruck bringen, dass die Schweizer Kultur nicht gefördert werden muss. Herr Pfister: Wir sollten das eine tun und das andere nicht lassen.

Ich komme noch ganz kurz zu Litera e und sage da nur Folgendes - meine Vorrednerin hat es bereits sehr gut ausgeführt -: Innovation gilt nicht nur für die Technik und die Wissenschaft, sondern auch für den ganzen Kulturbereich. Und dann noch etwas sehr Wichtiges: Das Kriterium der Innovation wird hier nicht in einem ausschliessenden oder abschliessenden Sinne verstanden. Die ganze Aufzählung ist nicht kumulativ zu verstehen. Sie ist zu akzeptieren, weil sie weder ausschliessend noch abschliessend ist. Das wurde gemäss Protokoll in der Kommission sehr deutlich zum Ausdruck gebracht.

Ich bitte Sie, den Anträgen der Mehrheit zuzustimmen.

Widmer Hans · Nationalrat · 2008-09-30 | Lexipedia | Lexipedia