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AB 89508

Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2008-09-30

Wortprotokoll

Es ist erfreulich, dass gemäss vielen Voten von heute Morgen in Zukunft Kunst und Kultur einen etwas grösseren Stellenwert haben sollen. Die Hoffnung ist nun, dass wir auch betreffend Sozialhilfe bzw. berufliche Vorsorge heute Gehör finden werden, denn dies ist einer der zentralen Artikel in diesem Gesetz.

Viele der Künstler und Künstlerinnen sowie der Kulturschaffenden leben am oder sogar unter dem Existenzminimum, sind freischaffend in Sparten der bildenden Kunst, der Musik oder der Literatur, haben teilweise befristete Anstellungen in den Sparten Theater, Tanz, Film oder in Musikensembles. Viele von ihnen machen hervorragende Kunst oder Kultur, aber es fehlt leider der grosse Mäzen, der das Auskommen garantieren würde. Manchmal erhalten sie zwar einen Werkbeitrag, ein Stipendium oder gewinnen einen Preis; manche haben mal ein Kurzengagement, aber oft reicht das trotzdem nicht für den Lebensunterhalt. Es wird dann versucht, sich mit Jobs über die Runden zu helfen, aber auch das klappt nicht immer, und die Sozialhilfe, die dann noch zur Verfügung stehen würde, hat Mühe, Künstler und Künstlerinnen zu verstehen. Entsprechend schwierig ist die Unterstützung via Sozialhilfe.

Wie gesagt, werden Jobs in artverwandten Berufen gesucht, in Bereichen wie Unterricht, Werbung, dem Schreiben von Kolumnen. Auch artfremde Jobs werden gesucht, trotzdem gibt es Existenzen, die in der Erwerbsphase wenig gesichert sind. Viele Kunst- und Kulturschaffende sind sogar in sehr prekären Situationen. Es gibt bereits Beratungsstellen und Sozialhilfefonds von privater Seite, die speziell dafür ausgestattet sind. Beispiele sind der Fonds Suisseculture Sociale oder die Beratungsstelle Suisseculture Contact. Solche Fonds oder Beratungsstellen können für die Kunstschaffenden im Hinblick auf die soziale Sicherung oder in Krisensituationen überlebenswichtige Stützen sein. Wenn es darum geht, die Kunst und die Kultur tatsächlich zu fördern, ist die soziale Sicherung eine zwingend nötige, eine existenzielle Angelegenheit - auch während der Erwerbsphase. Die soziale Sicherung ist bis heute leider nicht gegeben, damit besteht eine grosse Lücke. Anstellungen sind meist nicht möglich, und das ist nicht die Schuld der Künstler und Künstlerinnen. Sie sind gezwungenermassen Freischaffende oder Einzelunternehmer und Einzelunternehmerinnen und haben trotz der guten Qualität ihrer Produkte keine Absatzgarantie.

Eine Unterstützung seitens des Bundes ist daher klar angezeigt, um die soziale Sicherung zu gewährleisten. Sie wird hier ja nur subsidiär und mit einer Kann-Formulierung vorgeschlagen. Der Antrag sieht vor, die privaten Beratungsstellen und Sozialhilfefonds subsidiär zu unterstützen, um eine gewisse Not zu lindern.

Ich bitte Sie, der Minderheit I (Gilli) zuzustimmen und diese Unterstützung im Kulturförderungsgesetz zu verankern.

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