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Teuscher Franziska · Nationalrat · 2008-12-11

Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2008-12-11

Wortprotokoll

Ich freue mich, Ihnen heute meinen Vorschlag für die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs zu präsentieren. Mit meiner parlamentarischen Initiative verfolge ich drei Ziele: [PAGE 1813]

1. Das Erwerbsersatzgesetz soll so geändert werden, dass auch Väter, welche Betreuungsaufgaben bei der Geburt des Kindes übernehmen, Anspruch auf Leistungen haben.

2. Väter haben Anrecht auf acht Wochen Vaterschaftsurlaub zur Betreuung ihrer Kinder.

3. Die Entschädigung ist analog der Mutterschaftsversicherung zu regeln, mit 80 Prozent des durchschnittlichen Einkommens.

Sie können sich vielleicht noch daran erinnern, dass wir in der Frühjahrssession 2007 eine Motion Nordmann zum Vaterschaftsurlaub angenommen haben (06.3662). Weil der Ständerat dieses Anliegen aber dann bachab geschickt hat, steht der Vaterschaftsurlaub nicht mehr auf der politischen Traktandenliste. Das ist sehr schade, denn die gesellschaftliche Debatte zeigt, dass der Vaterschaftsurlaub ein Wunsch von immer mehr Menschen ist. Offenbar geht es dem Vaterschaftsurlaub wie der Mutterschaftsversicherung: Es braucht mehrere Anläufe, bis er endlich verwirklicht wird.

Der Wunsch nach einem Vaterschaftsurlaub ist in der Schweiz breit verankert. Letzten Frühling haben verschiedene Männerorganisationen, Gewerkschaften, die Evangelischen Frauen Schweiz und der Schweizerische katholische Frauenbund gemeinsam die Einführung eines Vaterschaftsurlaubes auf gesetzlicher Basis verlangt. Für diese Organisationen ist es wichtig, dass wir das Thema Vaterschaftsurlaub heute wieder auf die politische Traktandenliste setzen.

Warum braucht es einen Vaterschaftsurlaub? Für eine gute Kind-Eltern-Beziehung ist es wichtig, dass sowohl Mutter wie Vater im Leben eines Kindes präsent sind. Bei uns ist es im Alltag heute immer noch so, dass die Mutter-Kind-Beziehung im Vordergrund steht. Väter haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Freizeit - oder nur auf ein paar wenige Tage -, wenn ein Kind geboren wird. Es ist daher nicht erstaunlich, dass sich angehende Väter in Umfragen für einen Vaterschaftsurlaub und für mehr Zeit mit ihren Kindern aussprechen, ja, dieser Wunsch steht sogar vor dem Wunsch, mehr Lohn zu bekommen.

Mit dem Vaterschaftsurlaub können wir hier Gegensteuer geben. Wir müssen den erwerbstätigen Vätern das Recht einräumen, sich von der Geburt des Kindes an um ihr Kind zu kümmern. Viele Paare wünschen sich heute eine partnerschaftliche Rollenteilung. Doch in der Erwerbsarbeit ist das häufig noch nicht umgesetzt. So sieht das Gesetz auf Bundesebene in der Schweiz mittlerweile einen Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen vor, doch Vaterschafts- oder Elternurlaub fehlen in unserem Gesetz völlig. Wenn Väter im Leben ihrer Kinder aber eine gleichwertige Rolle spielen sollen, müssen sie auch die Chance haben, eine Beziehung aufzubauen. Mit meinem Vorschlag, den geltenden Mutterschaftsurlaub mit einem achtwöchigen Vaterschaftsurlaub zu ergänzen, hätten wir die Möglichkeit, eine echte partnerschaftliche Lösung für Mutter und Vater umzusetzen. Das Kind würde in den ersten fünfeinhalb Monaten nach der Geburt entweder vom Vater oder von der Mutter betreut. Das ist doch eine Vorstellung, die, so hoffe ich, viele von Ihnen mit mir teilen.

Die Ausgestaltung des achtwöchigen Vaterschaftsurlaubs habe ich bewusst offengelassen. Es ist denkbar, dass man den Vaterschaftsurlaub auf einmal bezieht, aber es ist auch denkbar, dass man ihn in Raten oder in Teilzeit bezieht. Diese Frage könnte man in der zweiten Phase der Behandlung meiner parlamentarischen Initiative beantworten, wenn Sie ihr heute Folge geben.

Zu den Kosten: Es ist klar, dass auch ein Vaterschaftsurlaub nicht gratis zu haben ist. Ohne gesetzliche Regelung bleibt der Vaterschaftsurlaub ein Privileg für diejenigen, die ihn sich leisten können. Daher schlage ich vor, dass wir den Vaterschaftsurlaub so ausgestalten wie den Mutterschaftsurlaub und ihn über den Erwerbsersatz finanzieren. Früher standen die Männer an den Waffen, und man hat ihnen mit der Erwerbsersatzordnung den Arbeitsausfall entgolten. Heute wollen die Väter vermehrt bei ihren Kindern sein. Deshalb ist es gerechtfertigt und für die Gesellschaft sicher sehr wertvoll, wenn wir auch den Vaterschaftsurlaub so abgelten.

Ich bitte Sie, meiner parlamentarischen Initiative in der ersten Phase Folge zu geben.