David Eugen · Ständerat · St. Gallen · Fraktion CVP/EVP/glp · 2008-12-11
Wortprotokoll
Ich habe diesen Bericht mit Interesse gelesen. Ich war früher Mitglied der WBK und erinnere mich an die Diskussionen über die Zukunft des Technologiestandortes Schweiz.
Im Bericht kommt auf Seite 25 zum Ausdruck, dass die beiden ETH ihre technologischen Kompetenzen auf die Bedürfnisse der Praxis ausrichten sollen - das war das Ziel. Die Idee dahinter war und ist, dass in der Schweiz Arbeitsplätze in den neuen Technologien geschaffen werden. Das ist eigentlich für mich der Massstab, an dem sich auch die ETH messen lassen müssen: Was wird in unserem Lande, auch in der Fertigung, in der Produktion, neu aufgestellt bzw. was wird aus alten Industrien in neue umgewandelt?
Laut Bericht sei das Ziel vollständig erreicht worden. Ich muss Ihnen sagen, dass ich da noch etwas skeptisch bin. Ich glaube, hier muss noch zusätzliche Arbeit geleistet werden. Der Technologiestandort Schweiz ist noch nicht dort angelangt, wo er sein müsste. Ich stelle einerseits fest, dass sehr viele Abgänger der ETH nicht in die Industrie gehen. Viele sind, jedenfalls bisher, in den Finanzplatz abgewandert; das ist eine grosse Zahl fähiger Leute. Es ist andererseits nach wie vor eine Tatsache, dass ein gewisser "brain drain" aus der Schweiz in verschiedene Länder stattfindet. Lange waren es die USA, heute geht es auch Richtung Deutschland. Ich bin der Meinung, wir müssten jene Institutionen unbedingt verbessern und stärken, die für die Umsetzung des Potenzials der Ausgebildeten und des Know-how, das an den ETH existiert, in volkswirtschaftliche Wertschöpfung in unserem Lande verantwortlich sind. Hier erhoffe und erwarte ich von den ETH, dass sie beim Mitteleinsatz jene Institutionen, die eben an dieser Stelle sind, deutlich stärken. Sie sind hier auch genannt. Das ist einmal der ETH-Bereich selber, aber dann trifft das vor allem auch für die Forschungsinstitutionen zu. An erster Stelle möchte ich hier die Empa nennen, die nach meiner Meinung das geeignetste Instrument ist, das die ETH heute haben, um den Transfer zu leisten. Hier, glaube ich, muss noch eine deutliche Verbesserung erfolgen.
Wenn ich das Benchmarking anschaue, das die ETH macht - wann ist man gut, und wann ist man nicht gut? -, möchte ich sagen: Ich bin natürlich damit einverstanden, dass man sich an internationalen Standards orientiert. Wir wissen alle, dass im Wissenschaftsbereich die Zitation praktisch das Wichtigste ist. Wer von andern viel zitiert wird, natürlich global, nicht nur im eigenen Lande, der ist besser bewertet als jene, die eben schlechte Zitationen haben. Ich möchte diesen Massstab gar nicht infrage stellen, den braucht es für die wirklich rein wissenschaftliche Betrachtungsweise sicher. Aber aus der Sicht der Politik und der Volkswirtschaft Schweiz dürfen wir bei diesen Institutionen, die doch gegen 2 Milliarden Franken pro Jahr in Anspruch nehmen, auch einen weiteren Massstab ansetzen, nämlich den: Wie viele Arbeitsplätze in den modernen Technologien werden in diesem Jahr, jedes Jahr, aus der ETH heraus geschaffen? Das ist für mich eigentlich ein mindestens so entscheidender Punkt. Wie viele Ingenieure sind bereit, hier in unserem Land wieder Neues aufzubauen? Wir haben ja eine Tradition; sie ist zum Teil zeitweise etwas verlorengegangen. Das finde ich für die Zukunft das Wichtigste.
Ich möchte also den Bundesrat bitten, aus diesem Bericht doch noch mitzunehmen, dass das Ziel vielleicht nicht vollständig erreicht ist, dass noch zusätzliche Anstrengungen notwendig sind und man sich auch in der nächsten Periode voll einsetzen muss. Ich glaube, wegen des wirtschaftlichen Abschwungs wird es in den nächsten drei, vier Jahren sogar noch wichtiger, dass wir in der Lage sind, in der Schweiz moderne Technologien anzusiedeln, die auf dem Weltmarkt Spitzenprodukte auch aus der Fertigung heraus, auch aus der Produktion heraus, anbieten können.