Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2009-04-29
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2009-04-29
Wortprotokoll
Aus-, Berufs- und Weiterbildung sind in unserer arbeitsdefinierten Gesellschaft zentral. Auch wenn es nicht sein müsste: Wir definieren uns oder unser Prestige und unsere sozialen Kontakte über unsere Arbeit, und die Existenzsicherung holen wir uns über unseren Job. Um à jour zu bleiben, weiterhin einen Job zu haben und auf Veränderungen flexibel reagieren zu können, ist längst das sogenannte lebenslange Lernen angesagt. Normalerweise gilt auch: Je besser eine Person gebildet ist, desto besser verdienend wird sie auch sein - normalerweise, denn die Leute mit Jahressalären von 25 Millionen Franken sind nicht besser gebildet als die grosse Mehrheit, die nicht einmal ein Prozent davon verdient.
Die gut ausgebildeten Leute sind das Kapital eines ressourcenarmen Landes wie der Schweiz. Also müsste es im Interesse des Staates sein, eine starke Förderung zu betreiben, sowohl in den Bereichen der Grundausbildung, der Lehre, der Hochschule als auch in jenen der Weiterbildung. Die Berufsausbildung soll zusammen mit den Berufsverbänden geschehen; das ist sehr sinnvoll, um am Puls der Bedürfnisse der Arbeitswelt zu sein. Das heisst aber nicht, dass der Staat deshalb in der Entwicklung von neuen Arbeits- oder Ausbildungsplätzen weniger aktiv sein soll. Für uns Grüne ist Berufs- und Weiterbildung für alle zentral; für Erwachsene ist das eben das lebenslange Lernen, das ich erwähnt habe, und speziell auch für Jugendliche, egal, welche Nationalität, welchen Aufenthaltsstatus oder welchen Schulrucksack sie mitbringen; das soll ohne Diskriminierung geschehen.
Beim Berufseinstieg nicht gebraucht und ausgeschlossen zu werden ist eine schlimme Erfahrung für Jugendliche, die hohe Folgekosten nach sich zieht. Die Lösung ist aber nicht das Durchdienen beim Militär. Unsere Jugend hat eine echte zivile Perspektive verdient. Wir sagen deshalb Nein zur Motion Föhn 07.3701; die Offenlegung von Daten wäre mit dem Jugendstrafgesetz möglich, wenn es wirklich nötig wäre, aber eine flächendeckende Information von Lehrerinnen und Lehrern und von Lehrmeistern und Lehrmeisterinnen geht nicht. Die Ausgrenzung wäre damit perfekt, und diese Jugendlichen bekämen nie mehr eine Lehrstelle. Sie wären auf der Strasse, Kriminalität würde gefördert, der Kreis würde sich schliessen; das ist also wider jegliche Vernunft. Zum Glück ist ja Jugendkriminalität oft nur eine vorübergehende Flause; umso wichtiger ist dann die Lehre, um Perspektiven im Erwachsenenleben zu haben.
Nein sagen wir auch zur Motion Ineichen 07.3790. Die Zwischenlösungen sind zwar sinnvoll, aber nicht sinnvoll ist es, keine Arbeitslosenversicherung zu haben, denn nicht die Verweigerung ist in erster Linie das Thema, sondern dass es viel zu wenig Arbeitsplätze hat. Gemäss Sake-Studien suchen je etwa 50 000 Jugendliche und junge Arbeitslose Jobs bzw. möchten mehr arbeiten.
Nicht Zwang und Drohung sollen der Weg sein, sondern es soll mit den Jugendlichen zusammen das Richtige gefunden werden. Denn sie wollen arbeiten und wollen eine Lehre machen, aber die Anforderungen steigen. Deshalb unterstützen wir beispielsweise die Motion Galladé 08.3183 und die Motion Fehr Mario 08.3792, damit die Jugendlichen auch Zeit haben, und wir freuen uns, wenn die Motion Rossini 08.3405 unterstützt wird. Denn Weiterbildung muss man sich leisten können, und 20 000 Franken für eine qualifizierte Weiterbildung hat man nicht einfach.