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von Graffenried Alec · Nationalrat · 2009-05-27

von Graffenried Alec · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2009-05-27

Wortprotokoll

Bücher sind keine Turnschuhe, Bücher sind keine Kartoffeln, und Bücher sind keine Autobatterien. Wir sprechen heute davon, ob wir einen Markteingriff wagen wollen. Wir würden diesen Eingriff bei Turnschuhen, Kartoffeln oder Autobatterien nicht vorschlagen und nicht empfehlen.

Heute sprechen wir aber von Büchern, und das sind spezielle Güter. Der Buchmarkt ist ein besonderer Markt, der anderen Gesetzen folgt. Ich habe gestern mit einem Autor gesprochen, der vor sechs Wochen ein Buch im NZZ-Verlag - es könnte auch irgendein anderer Verlag sein - herausbrachte. Und was glauben Sie, was hat ihm der Verlag bezahlt, damit er ihm dieses Buch verkauft? Was glauben Sie? Nichts hat er bezahlt! Das läuft nicht so. Der Autor selber hat dem Verlag 24 000 Franken bezahlen müssen, damit dieses Buch überhaupt erscheinen kann. Es ist etwas Spezielles, dass man für ein Werk, das man eigentlich verkauft, etwas bezahlen muss. Aber das zeigt, dass der Büchermarkt ein spezieller Markt mit speziellen Gesetzen und speziellen Gütern ist, der eben auch speziell behandelt werden muss.

Wir sind uns in den Zielen doch alle einig, Hans Kaufmann. Wir wollen, dass die Autorinnen und Autoren von einem funktionierenden Buchmarkt profitieren können. Wir wollen, dass weiterhin Bücher geschrieben werden. Wir wollen, dass es weiterhin Verlage gibt, die Bücher herausbringen, auch in der Schweiz. Wir wollen weiterhin, dass Bücher in möglichst vielen und möglichst attraktiven Buchhandlungen verkauft werden.

Natürlich wollen wir keine Hochpreisinsel, Herr Kaufmann. Das wollen wir nicht. Wir wollen die Bücher auch günstig an die Leserschaft abgeben. Aber dafür gibt es Bibliotheken und Antiquariate, dafür gibt es die Befristung der Buchpreisbindung in der Regel auf 18 Monate. Das sind ja die Instrumente; ab dann sollen die Buchpreise wieder frei sein.

Verstehen Sie mich richtig: Ich weiss nicht, ob wir mit der Buchpreisbindung einen grossen Beitrag an die Autorinnen und Autoren, an die Verlage und an die Buchhandlungen leisten können. Ich weiss nicht einmal, ob die [PAGE 857] Buchpreisbindung irgendein Problem des Buchhandels wird lösen können. Wir befinden uns in einem rasenden Strukturwandel. Nicht nur der Buchmarkt an sich ist im Wandel, auch der Umgang mit Inhalten, mit Informationen ist in einem ständigen Wandel begriffen. Wir wissen nicht, ob in dreissig Jahren noch Bücher wie heute gelesen werden oder ob sich das E-Book durchsetzen wird. Das können wir heute doch gar nicht beurteilen. Aber wir wissen eines: Wir wissen heute, dass die Branche und alle an den Büchern interessierten Kreise auf dieses Mittel vertrauen. Deswegen sollten wir der Branche und den Liebhaberinnen und Liebhabern von Büchern vertrauen und auf dieses Gesetz eintreten.