324.111
Kantonale Ordnungsbussenverordnung
vom 18.09.2002 (Stand 01.03.2023)
Der Regierungsrat des Kantons Bern,
gestützt auf Artikel 2 Absatz 1 des Ordnungsbussengesetzes vom 18. März 2016 (OBG)1, Artikel 2 Absatz 2 des Gesetzes vom 12. September 1971 betreffend die Einführung des Bundesgesetzes vom 24. Juni 1970 über Ordnungsbussen im Strassenverkehr und die Erhebung von anderen Ordnungsbussen2 sowie Artikel 47 des Einführungsgesetzes vom 11. Juni 2009 zur Zivilprozessordnung, zur Strafprozessordnung und zur Jugendstrafprozessordnung (EG ZSJ)3,
auf Antrag der Polizei- und Militärdirektion,
beschliesst:
Art. 1 Zuständigkeit
Die Behörden des Kantons sind im Rahmen ihrer gesetzlichen Zuständigkeiten und Befugnisse berechtigt, Ordnungsbussen gemäss den Bussenlisten der Ordnungsbussengesetzgebung des Bundes und für die in Anhang 1 dieser Verordnung aufgeführten Übertretungen (kantonale Bussenliste) zu erheben.
Die Erhebung von Ordnungsbussen im Bereich der Gesetzgebung über den Strassenverkehr, die Nationalstrassenabgabe und die Binnenschifffahrt erfolgt durch uniformierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kantonspolizei.
Den Organen der Gemeinden steht die Befugnis gemäss Absatz 1 nur insoweit zu, als sie
mit der Sicherheitsdirektion einen Vertrag gemäss Artikel 34, 35 oder 36 des Polizeigesetzes vom 10. Februar 2019 (PolG)4 abgeschlossen haben,
die Voraussetzungen der Ordnungsbussengesetzgebung des Bundes sowie der Polizeigesetzgebung erfüllen und
uniformiert sind, sofern im Vertrag gemäss Artikel 34, 35 oder 36 PolG nichts anderes vereinbart ist.
…
Art. 1a Voraussetzungen, Pflichten und Verfahren
Betreffend Voraussetzungen, Pflichten und Verfahren bei der Erhebung von Ordnungsbussen gelten die Vorschriften der Ordnungsbussengesetzgebung des Bundes.
Art. 2–7 …
Art. 8 Administration
Die im Zusammenhang mit der Erhebung und dem Inkasso von Ordnungsbussen stehenden administrativen Arbeiten werden von der Ordnungsbussenzentrale der Kantonspolizei oder im Falle einer Aufgabendelegation gemäss Polizeigesetzgebung von den Gemeinden besorgt.
Werden sie von den Gemeinden besorgt, so tragen diese die dabei anfallenden Kosten und verantworten in ihrem Zuständigkeitsbereich die erforderlichen Ermittlungsarbeiten und die Anzeigeerstattung.
Die Gemeinden können die mit der Bearbeitung und Verwaltung der Ordnungsbussen erforderlichen Administrativarbeiten der Ordnungsbussenzentrale der Kantonspolizei zu kostendeckenden Ansätzen übertragen.
Erfolgt die Verarbeitung von Ordnungsbussen durch die Ordnungsbussenzentrale der Kantonspolizei, legt die Kantonspolizei die technischen und administrativen Rahmenbedingungen für die Datenübermittlung fest.
Art. 9 Einnahmen aus Ordnungsbussen
Die im Ordnungsbussenverfahren erhobenen Einnahmen aus der übertragenen Aufgabenerfüllung gemäss Artikel 34 bis 36 PolG fallen an die Gemeinden.
Die Beträge der aufgrund des ordentlichen Strafverfahrens ausgefällten Bussen und die Beträge der durch die Kantonspolizei oder andere kantonale Behörden verhängten Ordnungsbussen fallen dem Kanton zu.
Art. 10 …
Art. 11 Aufhebung eines Erlasses
Die Verordnung vom 6. Dezember 1972 über die Ordnungsbussen wird aufgehoben.
Art. 12 Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am 1. Januar 2003 in Kraft.
A1 Anhang 1 zu Artikel 1: Kantonale Bussenliste
Art. A1-1
A | Gewerbepolizei | CHF |
|---|---|---|
1 | ... | ... |
2 | Nichtverlassen eines Gastwirtschaftsbetriebs als Gast zur Schliessungsstunde (Art. 49 Abs. 2 des Gastgewerbegesetzes vom 11. November 1993 [GGG]5) | 40 |
2a | Missachtung des Rauchverbots als Gast eines Gastgewerbebetriebs (Art. 49 Abs. 2 GGG) | 80 |
3 | Gewähren von Zutritt zu einem Spielsalon an eine jugendliche Person vor Erreichen des zutrittsberechtigten Alters (Art. 20 der Spielapparateverordnung vom 20. Dezember 1995 [SpV]6) | 100 |
B | Gesetz über das kantonale Strafrecht | CHF |
|---|---|---|
4 | Leichte Fälle von Nachtruhestörung und des unanständigen Benehmens (Art. 12 des Gesetzes vom 9. April 2009 über das kantonale Strafrecht [KStrG]7), | |
a Nachtruhestörung | 90 | |
b unanständiges Benehmen ohne Nachtruhestörung | 90 | |
c unanständiges Benehmen mit Nachtruhestörung | 180 | |
d Urinieren in der Öffentlichkeit | 140 |
C | Veterinär- und Hundewesen | CHF |
|---|---|---|
5 | Nichtmitführen des Viehhändlerpatents (Art. 37 Bst. e der eidgenössischen Tierseuchenverordnung vom 27. Juni 1995 [TSV]8) | 40 |
6 | Missachtung der Leinenpflicht (Art. 7 des Hundegesetzes vom 27. März 20129) | 100 |
7 | Unbeaufsichtigtes Laufenlassen eines Hundes im öffentlichen Raum (Art. 5 Abs. 2 Hundegesetz) | 100 |
8 | Unwirksame Kontrolle eines Hundes (Art. 5 Abs. 2 Hundegesetz) | 100 |
9 | Unberechtigtes gleichzeitiges Ausführen von mehr als drei mehr als vier Monate alten Hunden (Art. 9 Hundegesetz) | 100 |
10 | ... | ... |
11a | Nichtbeseitigen von Hundekot (Art. 10 Hundegesetz) | 100 |
E | Abfallbewirtschaftung | CHF |
|---|---|---|
13 | ... | ... |
14 | Zurücklassen, Wegwerfen oder Ablagern folgender Abfälle ausserhalb von Abfallanlagen oder Sammelstellen (Art. 37 Abs. 1 Bst. a des Gesetzes vom 18. Juni 2003 über die Abfälle [Abfallgesetz, AbfG]10): | |
14.1 | ... | ... |
14.2 | Inhalt eines Aschenbechers | 150 |
14.3 | Einzelne Kleinabfälle wie Dosen, Flaschen, Papier, Verpackungen, Zigarettenstummel, Kaugummi, Essensreste | 80 |
14.4 | Kleinabfälle wie Dosen, Flaschen, Papier, Verpackungen, Zigarettenstummel, Kaugummi, Essensreste bis zu einer Menge von fünf Litern | 120 |
14.5 | Siedlungsabfälle aller Art in folgenden Mengen: | |
a ab fünf bis 17 Liter | 150 | |
b ab 17 bis 35 Liter | 200 | |
c ab 35 bis 60 Liter | 250 | |
d ab 60 bis 110 Liter | 300 | |
14.6 | Entsorgung von Abfällen aus Haushalten oder Betrieben in öffentlichen Abfallbehältern des Kantons (Art. 37 Abs. 1 Bst. a1 AbfG) | 150 |
F | Jagd und Wildtierschutz | CHF |
|---|---|---|
15 | Unterlassen der Meldepflicht bei der Selbsthilfe (Art. 8 Abs. 5 der Jagdverordnung vom 26. Februar 2003 [JaV]11 i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a des Gesetzes vom 25. März 2002 über Jagd und Wildtierschutz [JWG]12) | 50 |
16 | Nicht unverzügliches Melden von Nachsuchen, die innerhalb der zeitlichen oder örtlichen Beschränkung der Jagd stattfinden (Art. 16 JaV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a JWG) | 50 |
17 | Überschreitung der maximal zulässigen Schussdistanz (Art. 18 JaV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a JWG) um 11 bis 30% | 100 |
17a | Schusswaffen, die während des Transports im Fahrzeug nicht in einem Futteral oder verschlossenen Waffenkoffer auf dem Rücksitz oder im Kofferraum mitgeführt wurden (Art. 19 Abs. 4 JaV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a JWG) | 50 |
18 | Aufnahme der Jagd nach Gebrauch eines Motorfahrzeugs in der gleichen Zeitperiode (Art. 21 Abs. 1 und 2 JaV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a JWG) | 100 |
19 | Nichtanbringen der Fahrzeugvignette (Art. 21 Abs. 4 JaV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a JWG) | 20 |
20 | Nichtmitführen der für Gäste vorgeschriebenen Ausweise und Papiere, insbesondere der Bestätigung über die anerkannte Jagdprüfung (Art. 4 Abs. 1 und 2 der Direktionsverordnung vom 27. März 2003 über die Jagd [JaDV]13 i.V.m. Art. 18 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 20. Juni 1986 über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel [Jagdgesetz, JSG]14) | 20 |
21 | Nichtmitführen der für Jägerinnen und Jäger vorgeschriebenen Ausweise und Papiere, insbesondere der gültigen persönlichen Jagdbewilligung (Art. 18 Abs. 4 JSG) | 20 |
22 | Überschreitung der zulässigen Anzahl eingesetzter Jagdhunde um höchstens zwei Hunde (Art. 7 JaDV Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 18 Abs. 1 Bst. d JSG) pro Jägerin oder Jäger für jeden überzähligen Hund | 50 |
23 | Anlernen von Jagdhunden (Art. 9 JaDV i.V.m. Art. 18 Abs. 1 Bst. d JSG), | |
a ohne Bewilligung | 100 | |
b unter Missachtung von Bewilligungsauflagen | 50 | |
24 | Auslegen von Schweinefleisch am Luderplatz (Art. 13 JaDV i.V.m. Art. 47 des eidgenössischen Tierseuchengesetzes vom 1. Juli 1966 [TSG]15) | 100 |
25 | Unvollständiges, unkorrektes oder unterlassenes Eintragen eines erlegten Wildtiers, das mit dem Basispatent alleine oder mit dem Patent E jagdbar ist, vor der Besitzergreifung (Art. 17 Abs. 1 JaDV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a JWG) | 30 |
26 | Unvollständiges oder unkorrektes Eintragen eines erlegten Wildtiers, das mit dem Patent A, B, C oder D jagdbar ist, soweit der fehlbare Eintrag nicht Tierart, Geschlecht, Alter beim Gämswild oder Wildraum betrifft (Art. 17 JaDV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a JWG) | 30 |
27 | Nichtangeben des Abschusstages und/oder -monats durch Nichtheraustrennung der entsprechenden Laschen an der Wildmarke (Art. 17 Abs. 2 JaDV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a JWG) | 30 |
28 | Missachten der Leinenpflicht (Art. 3 Abs. 1 Bst. e der Verordnung vom 26. Februar 2003 über den Wildtierschutz [WTSchV]16 i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. c JWG) | 100 |
29 | Missachten von Verboten in Wildschutzgebieten (Art. 3 Abs. 1 Bst. f WTSchV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. c JWG) | 100 |
29a | Missachten von Weggeboten in Wildschutzgebieten (Art. 3 Abs. 1 Bst. d WTSchV i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. c JWG) | 100 |
30 | Unbeaufsichtigtes Laufenlassen von Hunden (Art. 7 Abs. 1 WTSchV i.V.m. Art. 18 Abs. 1 Bst. d JSG sowie Art. 31 Abs. 1 Bst. c JWG) | 100 |
G | Verkehr ausserhalb öffentlicher Strassen | CHF |
|---|---|---|
31 | Befahren von Grünstreifen oder anderen Flächen, welche nicht für den Verkehr mit Motorfahrzeugen vorgesehen sind (Art. 58a der Strassenverkehrsverordnung vom 20. Oktober 2004 [StrVV]17) | 120 |
32 | Parkieren auf Grünstreifen oder anderen Flächen, welche nicht für den Verkehr mit Motorfahrzeugen vorgesehen sind (Art. 58a StrVV) | 120 |
Bern, 18. September 2002
Im Namen des Regierungsrates Die Präsidentin: Zölch-Balmer Der Staatsschreiber: Nuspliger
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