Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

RBOG 2010 Nr. 14

RBOG 2010 Nr. 14

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Stundungsvereinbarung und Verzugszinsen

Art. 75 OR, Art. 104 OR, Art. 80 ff. SchKG

Erwägungen

1. Für die rechtskräftig veranlagten Wehrpflichtersatzabgaben wurde der Rekursgegner gemahnt. Aufgrund seiner schwierigen finanziellen Situation gewährte der Gläubiger ihm monatliche Ratenzahlungen unter Vorbehalt der Betreibung auf die Gesamtschuld, sofern eine Rate nicht termingerecht bezahlt werden sollte. Nachdem der Rekursgegner die erste Rate nicht fristgerecht bezahlt hatte, leitete der Gläubiger die Betreibung ein und verlangte auch für die Verzugszinsen Rechtsöffnung.

2. a) Mit der Ratenzahlungsvereinbarung wurde die Fälligkeit der rechtskräftig veranlagten Wehrpflichtersatzabgaben entsprechend den Fälligkeiten der einzelnen Raten hinausgeschoben und gestundet[1]. Die Stundung hat nicht nur die prozessuale Wirkung, dass der Gläubiger die Forderung vorläufig nicht geltend machen kann, sondern das Hinausschieben der Fälligkeit verhindert grundsätzlich den Eintritt des Schuldnerverzugs, weshalb für die Dauer der Stundung keine Verzugszinsen zu entrichten sind[2]. Das gilt jedenfalls, wenn der Verzug noch nicht eingetreten ist. Denkbar ist aber auch, dass der Gläubiger nach dem Willen der Parteien auf die Verzugsfolgen nicht verzichten will, beispielsweise wenn die Stundung nach Eintritt des Verzugs unentgeltlich gewährt wird[3]. Dabei ist zu beachten, dass entsprechend der Natur der Stundungsvereinbarung, mit der im Normalfall der Gläubiger dem Schuldner entgegenkommt, der Gläubiger seine Bedingungen durchsetzen kann.

b) Der Rekursgegner befand sich bereits in Verzug, als er den Rekurrenten um Ratenzahlung ersuchte und letzterer dies auch bewilligte. Zudem ergibt sich aus der schriftlichen Bestätigung der Ratenzahlungen für die Ersatzjahre 2004 bis 2007, dass in den vereinbarten Raten die Verzugszinsen ab Beginn der gesetzlichen Verzugszinspflicht enthalten sind. Das zeigt bereits ein Vergleich der Ratenzahlungen mit den Veranlagungsbeträgen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Stundungsvereinbarung an der Verzugszinspflicht gemäss den gesetzlichen Vorgaben[4] nichts änderte; die Verzugszinspflicht blieb unabhängig davon bestehen.

Obergericht, 26. Februar 2010, BR.2010.4

[1] BGE 94 II 104 f.; Leu, Basler Kommentar, Art. 75 OR N 5; Gauch/Schluep/Schmid/ Rey, Schweizerisches Obligationenrecht, AT, Bd. II, 8.A., N 3327; Weber, Berner Kommentar, Art. 75 OR N 99; Schraner, Zürcher Kommentar, Art. 75 OR N 67

[2] Weber, Art. 75 OR N 106; Schraner, Art. 75 OR N 80

[3] Schraner, Art. 75 OR N 80

[4] Art. 32c Abs. 2 Bundesgesetz über die Wehrpflichtersatzabgabe (SR 661)

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Bundesgesetz betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, Art. 75 und Art. 104 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2010; der Erlass wurde am 1. Januar 2011, 1. Januar 2012, 1. März 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 28. Mai 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. Juli 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Januar 2017, 1. April 2017, 1. November 2019, 1. Januar 2020, 1. April 2020, 1. Januar 2021, 1. Februar 2021, 1. Mai 2021, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Januar 2023, 9. Februar 2023, 1. September 2023, 1. Januar 2024, 1. Januar 2025, 8. Juli 2025, 1. Oktober 2025 und 1. Januar 2026 erneut konsolidiert.
  • Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Art. 80 — gelesen in der Fassung vom 1. Dezember 2010; der Erlass wurde am 1. Januar 2011, 1. Februar 2011, 1. September 2011, 1. Januar 2012, 1. Januar 2013, 1. Januar 2014, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Januar 2017, 28. März 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. Januar 2020, 20. Oktober 2020, 1. August 2021, 1. Januar 2023, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025 und 1. Januar 2026 erneut konsolidiert.
  • Bundesgesetz über die Wehrpflichtersatzabgabe, Art. 32c — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2010; der Erlass wurde am 1. Januar 2011, 1. Januar 2019, 1. Januar 2022 und 1. Januar 2024 erneut konsolidiert.