Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

RBOG 2016 Nr. 34

RBOG 2016 Nr. 34

RBOG 2016 Nr. 34

Die unentgeltliche Rechtspflege im Strafverfahren führt nicht zur definitiven Befreiung von den Verfahrenskosten

Art. 29 Abs. 3 BV, Art. 428 StPO

Erwägungen

1. Nach Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Da der Berufungskläger unterliegt, bezahlt er grundsätzlich auch die Verfahrensgebühr für das Berufungsverfahren.

2. Der beschuldigte Berufungskläger ersuchte in der Berufungserklärung um unentgeltliche Rechtspflege. Weder aus Art. 428 StPO noch aus Art. 29 Abs. 3 BV ergibt sich ein Anspruch von (aktuell) mittellosen Berufungsklägern auf definitive Befreiung von selber verursachten Verfahrenskosten. Finanziell bedürftige Rechtsuchende, die nicht zum Vornherein aussichtslose Rechtsmittel erheben, haben im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege lediglich Anspruch auf Befreiung von Kostenvorschüssen und auf die amtliche Verbeiständung; sie beinhaltet dagegen keine definitive Befreiung von den Verfahrenskosten[1].Der Berufungskläger hat zusammenfassend keinen Anspruch auf Befreiung von der Verfahrensgebühr.

Obergericht, 1. Abteilung, 27. Juni 2016, SBR.2015.81

Auf eine dagegen erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht am 5. Dezember 2016 nicht ein (6B_1113/2016).

[1] BGE vom 11. Februar 2016,1B_344/2015, Erw. 3; BGE vom 1. Juli 2015,1B_203/2015, Erw. 6.2

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Schweizerische Strafprozessordnung, Art. 428 — gelesen in der Fassung vom 1. Oktober 2016; der Erlass wurde am 1. Januar 2017, 1. September 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. Januar 2019, 1. März 2019, 1. Februar 2020, 1. März 2021, 1. Juli 2021, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024 und 1. April 2025 erneut konsolidiert.
  • Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Art. 29 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2016; der Erlass wurde am 12. Februar 2017, 24. September 2017, 1. Januar 2018, 23. September 2018, 1. Januar 2020, 1. Januar 2021, 7. März 2021, 28. November 2021, 13. Februar 2022, 1. Januar 2024 und 3. März 2024 erneut konsolidiert.