Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

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Rubrum

RVJ / ZWR 2008 325 KGE (Beschwerdebehörde) vom 16. Januar 2008 i.S. X. c. Y. Unentgeltlicher Rechtsbeistand im Strafverfahren (Art. 2 Abs. 3 GGAR). Die Gewährung des unentgeltlichen Rechtsbeistands und insbesondere die Bestellung eines Offizialanwalts setzen in Strafsachen voraus, dass das Verfahren besonders stark in die Rechtspositionen des Betroffenen eingreift. Assistance judiciaire en procédure pénale (art. 2 al. 3 LAJA). L’octroi de l’assistance judiciaire et, en particulier, la désignation d’un avocat d’office en matière pénale supposent que la procédure en cause affecte de manière spécialement importante la situation juridique de l’intéressé.

Erwägungen

(...)

3. a) Selbst wenn die Voraussetzung der Bedürftigkeit gegeben wäre, kann der unentgeltliche Rechtsbeistand nicht gewährt werden.

b) Das Kantonsgericht folgt bezüglich der Auslegung von Art. 2 Abs. 3 GGAR der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Art. 29 Abs. 3 BV. Diese Rechtsprechung unterscheidet nach der Schwere der Strafdrohung drei Fallgruppen: Greift das in Frage stehende Verfahren besonders stark in die Rechtspositionen des Betroffenen ein, ist die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes grundsätzlich geboten. Dies gilt bei Strafdrohungen, deren Dauer die Gewährung des bedingten Strafvollzugs ausschliesst. Bei einem relativ schweren Fall droht kein besonders schwerer Eingriff in die Rechte des Gesuchstellers, weshalb für die Gewährung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten gegeben sein müssen, denen der Gesuchsteller alleine nicht gewachsen wäre. Schliesslich unterscheidet das Bundesgericht noch die Fallgruppe der offensichtlichen Bagatelldelikte, bei denen lediglich eine Busse oder eine geringfügige Freiheitsstrafe in Frage kommt und mithin jeglicher verfassungsmässiger Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand verneint wird (BGE 126 I 196 E. 3a; Bundesgerichtsurteil 6B_304/2007 vom 15. August 2007 E. 5.2). Es ist zudem, entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers, immer von der konkret drohenden Freiheitsstrafe und nicht von der abstrakten laut Gesetz vorgesehenen Freiheitsstrafe (gesetzlicher Strafrahmen) auszugehen (ZWR 2006 S. 322).

c) Der Beschwerdeführer hat sich nicht über die konkrete Strafdrohung ausgesprochen. Da das Bezirksgericht für das Strafverfahren

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gegen ihn zuständig ist, dürfte, falls der Beschwerdeführer für schuldig im Sinne von Art. 217 StGB befunden wird, eine allfällige Freiheitsstrafe 24 Monate nicht übersteigen (Art. 12 Ziff. 2 StPO). Dies bedeutet auch, dass die Gewährung des bedingten Strafvollzugs möglich bleibt (Art. 42 StGB). Das Kantonsgericht geht somit im vorliegenden Fall von einem relativ schweren Fall aus.

d) Da es sich um einen relativ schweren Fall handelt, müssen besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten bestehen, damit ein unentgeltlicher Rechtsbeistand gewährt wird. Der Beschwerdeführer bestreitet vorliegend nicht, einen erheblichen Teil der Unterhaltsbeiträge nicht bezahlt zu haben. Er hält in seiner Beschwerde fest, dass die Frage, ob er in der Zeit, in der er gewisse Unterhaltsbeiträge nicht geleistet hat, über Mittel verfügte, respektive hätte verfügen können, sei entscheidend für die Begründung oder Verneinung seiner Strafbarkeit. Die sich stellenden Fragen verursachen keine besonderen Schwierigkeiten tatsächlicher oder rechtlicher Art, denen der Beschwerdeführer alleine nicht gewachsen wäre. Es besteht folglich auch aus diesem Grund kein Anspruch auf einen Offizialanwalt. Die Beschwerde erweist sich somit auch deswegen als unbegründet.

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 42 und Art. 217 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2008; der Erlass wurde am 1. Juni 2008, 1. August 2008, 1. Oktober 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Februar 2009, 1. April 2009, 1. Januar 2010, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Oktober 2011, 1. Januar 2012, 1. Juli 2012, 16. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 19. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 11. Juli 2017, 1. September 2017, 12. Dezember 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. März 2019, 1. Juli 2019, 1. November 2019, 1. Februar 2020, 3. März 2020, 1. Juli 2020, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Juni 2022, 22. November 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. September 2023, 6. Dezember 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025, 1. August 2025, 1. Januar 2026 und 12. Juni 2026 erneut konsolidiert.
  • Schweizerische Strafprozessordnung, Art. 12 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2008; der Erlass wurde am 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Januar 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Februar 2013, 12. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 21. Januar 2014, 1. Juli 2014, 25. November 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 1. September 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. Januar 2019, 1. März 2019, 1. Februar 2020, 1. März 2021, 1. Juli 2021, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024 und 1. April 2025 erneut konsolidiert.