RRB Nr. 318/2026
Anfrage Tumasch Mischol, Hombrechtikon, Dieter Kläy, Winterthur, und Christa Stünzi, Horgen, betreffend Frühzeitige Information zu Bildungswegen ab der 5. Primarklasse, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 412/2025
Sitzung vom 25. März 2026
318. Anfrage (Frühzeitige Information zu Bildungswegen ab der 5. Primarklasse) Die Kantonsräte Tumasch Mischol, Hombrechtikon, und Dieter Kläy, Winterthur, sowie Kantonsrätin Christa Stünzi, Horgen, haben am 15. Dezember 2025 folgende Anfrage eingereicht: Der Regierungsrat hält in seinem Bericht zum Postulat KR-Nr. 30/2022 fest, dass Eltern und Schülerinnen und Schüler während der gesamten Schullaufbahn wiederholt über das schweizerische Bildungssystem sowie über Bildungs- und Berufswege informiert werden. Gleichzeitig zeigt die schulische Praxis, dass sich für viele Kinder die Weichenstellung faktisch bereits ab der 5. Primarklasse vollzieht, da ab diesem Zeitpunkt gezielt auf die Aufnahmeprüfung für das Langzeitgymnasium hingearbeitet wird, häufig auch unter Einbezug privater Vorbereitungskurse. Der Bericht betont zudem, dass sich die Informationsangebote insbesondere an Eltern richten, welche das schweizerische Bildungssystem nicht aus eigener Erfahrung kennen. Dazu zählen in der Praxis vor allem Eltern aus Ländern mit anderen Bildungssystemen, etwa mit stark akademisch geprägten Bildungswegen wie dem Abitur. Vor diesem Hintergrund bitten wir den Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen:
Erwägungen
1. Wie stellt der Regierungsrat sicher, dass Eltern von Schülerinnen und Schülern der 5. Primarklasse – insbesondere Eltern aus Bildungssystemen ohne duale Berufsbildung – zu diesem Zeitpunkt ein gleichwertiges, verständliches und realitätsnahes Bild sowohl des gymnasialen Weges als auch des Weges über die Berufsbildung erhalten?
2. Welche konkreten, kantonsweit eingesetzten Informationsgefässe richten sich explizit an Eltern von Kindern in der 5. Primarklasse, und wie wird deren Erreichbarkeit und Wirkung, insbesondere bei Eltern mit Migrationshintergrund, überprüft?
3. Inwiefern sind die bestehenden Informationsangebote so ausgestaltet, dass Eltern bereits vor oder während einer allfälligen Gymnasialvorbereitung eine fundierte und vergleichende Entscheidungsgrundlage zu den Bildungswegen erhalten?
4. Wie berücksichtigt der Regierungsrat den zunehmenden gesellschaftlichen Druck in Richtung Gymnasium sowie die wachsende Nutzung privater Vorbereitungskurse bei der Ausgestaltung seiner Informationsstrategie?
5. Sieht der Regierungsrat angesichts dieser frühen Entscheidungsdynamik Handlungsbedarf, die Information der Eltern in der Primarschule zeitlich vorzuziehen, inhaltlich zu vertiefen oder strukturell verbindlicher auszugestalten, um die Gleichwertigkeit der Bildungswege bereits vor dem Übertritt in die Sekundarstufe I wirksam zu vermitteln?
Dispositiv
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Tumasch Mischol, Hombrechtikon, Dieter Kläy, Winterthur, und Christa Stünzi, Horgen, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Die Elterninformation zu den Themen Bildungssystem und Schullaufbahn erfolgt durch die Schulen in den Gemeinden. Diese Informationen finden zu verschiedenen Zeitpunkten, meist im Zusammenhang von Übertritten in eine nachfolgende Stufe statt. Die Bildungsdirektion unterstützt die Schulen bei dieser Aufgabe mit Kommunikationsmaterialien und Planungshilfen. Die wichtigsten Hilfsmittel sind: – Broschüre «Von der Primarschule in die Sekundarschule» Informationen zum Zürcher Bildungssystem in 15 Sprachen zh.ch/de/bildung/ schulen/volksschule/primarschule.html#1134614985 – Erklärvideo Bildungssystem in einer Lang- und einer Kurzversion, Sprachversionen: Deutsch, Englisch und ab Frühling 2026 Übersetzungen in acht weiteren Sprachen berufswahl.zh.ch/fuer-eltern/ – Informationen zu den verschiedenen Maturitätsschulen (gymnasiale Maturität, Fachmittelschulausweis, Fachmaturität und Berufsmaturität) auf der kantonalen Webseite zh.ch/de/bildung/schulen/maturitaetsschule.html – Informationen zu Berufsfachschulen und Berufslehren auf der kantonalen Webseite (zh.ch/de/bildung/schulen/berufsfachschule.html und zh.ch/de/bildung/berufslehre.html) – Fachinformationen und Tipps für Lehrpersonen zur Begleitung bei der Berufswahl auf dem Berufswahlportal berufswahl.zh.ch/fuerlehrpersonen/ – Informationen zur Berufs- und Schulwahl auf dem Berufswahlportal berufswahl.zh.ch
Zu Frage 2: Wichtigstes Informationsgefäss, mit dem die Eltern von Kindern der 5./6. Primarklasse flächendeckend erreicht werden, sind die Elternabende, an denen ab der 5. Primarklasse die erwähnten Erklärfilme und Broschüren eingesetzt werden. Auch an den Mittelschulen finden (jeweils nach den Herbstferien und vor den Zentralen Aufnahmeprüfungen) Informationsabende statt. Diese sind zwar für die Zielgruppe der übertretenden Jahrgänge gedacht, stehen jedoch allen Interessierten grundsätzlich offen. Ein weiteres Angebot, das aktiv beworben wird und allen Eltern offensteht, ist die Veranstaltung «Lehre und Gymi». Die Veranstaltung widmet sich insbesondere der Frage, welche Ausbildung die besten Chancen für den beruflichen Erfolg bietet. Im Rahmen der Angebote «Femmes-Tische» und «Männer-Tische» können sich Eltern mit Migrationshintergrund unter anderem über Themen rund um die Berufswahl informieren und austauschen (femmestische.ch/de/ sprachseiten/deutsch-71.html). Die Eltern von Primarschülerinnen und Primarschülern können sich auch an der jährlichen Berufsmesse Zürich über die verschiedenen Bildungswege und Berufe informieren (berufsmessezuerich.ch/de). Zusätz�- lich führen auch die Berufsinformationszentren Veranstaltungen für Eltern durch (berufswahl.zh.ch/veranstaltungen/). Die Erreichbarkeit und Wirkung der verschiedenen Angebote werden unter anderem im Rahmen des kantonalen Netzwerks und Projekts Volksschule–Berufsbildung (VSBB) überprüft bzw. weiterentwickelt. Das Netzwerk VSBB wurde mit dem Ziel aufgebaut, die Kommunikation und Kooperation zwischen Volksschule und Berufsbildung systematisch zu verbessern und langfristig zu sichern. Zu Fragen 3 und 4: Die Schulen bereiten den Wechsel von der Primarschule auf die Sekundarstufe sorgfältig vor. Neben den erwähnten Elterninformationsanlässen führt die Klassenlehrperson mit den Eltern ein Standortgespräch über die zukünftige Schullaufbahn des Kindes und informiert über die Organisation und den Zugang zur weiterführenden Schulstufe. Die bestehenden Informationsangebote sind so ausgestaltet, dass Eltern bereits ab der 5. Primarklasse eine fundierte Entscheidungsgrundlage erhalten. Die Informations- und Beratungsangebote werden auf kantonaler Ebene laufend weiterentwickelt. Ausserdem bietet ein Grossteil der Zürcher Gemeinden öffentliche Vorbereitungskurse für die Aufnahmeprüfungen in Maturitätsschulen
(Gymnasien, Berufsmaturitätsschulen, Fachmittelschulen) an.
Zu Frage 5: Der Informationsbedarf der Eltern zum Bildungssystem ist sowohl von den Schulen als auch von der Bildungsverwaltung erkannt. Auf verschiedenen Ebenen sind vielfältige Informations- und Unterstützungsgefässe sowie Materialen in vielen Sprachen bereitgestellt. Die Netzwerke zur Zusammenarbeit und Weiterentwicklung bei einer frühzeitigen und umfassenden Information sind zwischen Bildungsinstitutionen, Wirtschaft und Verwaltung gefestigt. Bei den Schülerinnen und Schülern soll die Auseinandersetzung mit der Berufswelt altersgerecht stattfinden. Dies ist im Zürcher Lehrplan 21 auch so vorgesehen. Ab dem 1. Zyklus wird an berufsbezogenen Orientierungsinhalten gearbeitet. So sammeln Schülerinnen und Schüler bis Ende der 2. Klasse Informationen zu unterschiedlichen Berufen und ordnen diese nach Merkmalen; bis Ende der 6. Klasse vergleichen sie ausgewählte Berufe anhand von Kriterien und beschreiben die Ausbildungswege dazu (unter anderem Tätigkeiten, Anforderungen, Laufbahn, Weiterbildung). Der Regierungsrat sieht aufgrund dieser vielfältigen Aktivitäten und Informationsgrundlagen keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli