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Sportvereine bei der Unfallversicherungspflicht finanziell und administrativ wirksam entlasten. Differenzierte Regelung für ehrenamtliche Tätigkeit
Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Antrag der Mehrheit
Annahme der Motion
Antrag der Minderheit
(Weichelt, Gysi Barbara, Prelicz-Huber, Wyss)
Ablehnung der Motion
Proposition de la majorité
Adopter la motion
Proposition de la minorité
(Weichelt, Gysi Barbara, Prelicz-Huber, Wyss)
Rejeter la motion
Le président (Page Pierre-André, président): Vous avez reçu un rapport écrit de la commission.
Lohr Christian · Mit-M · Nationalrat · Thurgau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates hat an ihrer Sitzung vom 7. Mai 2026 die von Ständerat Mühlemann am 12. Juni 2025 eingereichte und vom Ständerat am 18. September 2025 angenommene Motion vorberaten. Im Namen der Kommission möchte ich Ihnen kurz darlegen, was unsere Überlegungen sind.
Die Motion beauftragt den Bundesrat, das Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) dahin gehend zu ändern, dass bei Sportvereinen geringfügig entschädigte, ehrenamtliche Mitarbeitende von der Versicherungspflicht befreit und risikogerechte Tarife angewandt werden. Die Kommission nahm den Antrag auf Annahme der Motion mit 18 zu 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen an. Eine Minderheit beantragt Ihnen, die Motion abzulehnen.
Folgende Erwägungen sind in der Kommission besprochen worden: Die Kommissionsmehrheit unterstützt das Anliegen der Motion, den Breitensport gezielt zu stärken und Sportvereine zu entlasten. Sie befürwortet eine differenzierte Gestaltung der kollektiven Unfallversicherungspflicht für Sportvereine und die Entlastung der Vereine von den derzeit hohen Prämien für geringfügig entschädigte ehrenamtliche Mitarbeitende. Die Kommission anerkennt, dass mit der Anhebung der Freigrenze für die Befreiung von der Versicherungspflicht von bisher 2300 Franken auf den neuen, indexierten Schwellenwert von derzeit 10 080 Franken im Rahmen der Änderung der Verordnung über die Unfallversicherung vom 1. Juli 2024 bereits ein wichtiger erster Schritt getan wurde. Allerdings gilt die Versicherungspflicht weiterhin für alle Mitarbeitenden eines Vereins, sobald diese Freigrenze von einer Person überschritten wird.
Vereine im Breitensport erbringen zentrale Leistungen in den Gemeinden. Viele dieser Vereine werden in erster Linie durch ehrenamtliches Engagement getragen. Die Unfallversicherung kann dabei aufgrund der risikobedingt hohen Prämien eine grosse Belastung für die Vereinskasse darstellen. Die Mehrheit betont, dass die oft einfachen Organisationsstrukturen dieser Sportvereine nicht mit denjenigen grosser Unternehmungen verglichen werden können. Eine Differenzierung bei der Unfallversicherungspflicht scheint der Kommissionsmehrheit daher vertretbar.
Eine Minderheit befürchtet eine Verwässerung des Versicherungsschutzes für Angestellte von Sportvereinen. Dort seien viele junge oder auch frisch pensionierte Menschen in kleinen Pensen tätig, Menschen, die oft nicht über eine Unfallversicherung eines anderen Arbeitgebers verfügten. Eine Differenzierung zwischen Angestellten des gleichen Arbeitgebers sei auch aus Gründen der Rechtsgleichheit schwierig. Die Kommissionsminderheit betont, dass die Kosten andernfalls über die Krankenversicherung abgerechnet werden müssten, welche eine deutlich höhere Beteiligung der Betroffenen vorsieht. Das Risiko müsste so zudem von allen Versicherten nach KVG mitgetragen werden. Die Minderheit hält die jetzige Regelung mit Blick auf das erhöhte Unfallrisiko im Breitensport für sinnvoll.
Notre commission propose, par 18 voix contre 5 et 2 abstentions, d'adopter la motion. La minorité Weichelt propose de rejeter la motion. La majorité de la commission soutient l'objectif de la motion, qui vise à renforcer de manière ciblée le sport de masse et à alléger la charge pesant sur les clubs sportifs. Elle se prononce en faveur d'une différenciation de l'obligation d'assurance-accidents collective pour les clubs sportifs et d'un allègement des primes actuellement élevées que les clubs payent pour les collaborateurs percevant une rémunération minime et pour les bénévoles. La minorité craint un affaiblissement de la couverture d'assurance pour les employés des clubs sportifs. Ceux-ci emploient un effet de nombreuses personnes jeunes ou récemment à la retraite à temps partiel, qui ne disposent souvent pas d'une assurance-accidents auprès d'un autre employeur. Une différenciation entre les employés d'un même employeur sera également difficile à justifier pour des raisons d'égalité de traitement.
Ich wiederhole es noch einmal: Die Kommission beantragt mit 18 zu 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen, die Motion anzunehmen.
Weichelt Manuela · Mit-F · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion
Der Titel dieser Motion klingt sympathisch, oder nicht? Wer möchte Sportvereine nicht entlasten? Doch wenn wir genauer hinschauen, stellen wir fest, dass diese Motion die Vereine nicht einfach entlastet. Sie verlagert Risiken auf Menschen, die den Sport überhaupt erst möglich machen: auf Trainerinnen und Trainer, auf Athletinnen und Athleten, auf Studierende, auf Rentnerinnen und Rentner sowie auf Selbstständigerwerbende, die sich in Sportvereinen engagieren. Genau deshalb ist diese Motion der falsche Ansatz.
Die heutige Regelung wurde vor Kurzem gemeinsam mit den Sportverbänden erarbeitet und ist erst seit zwei Jahren in Kraft. Sie schafft Klarheit: Wer im Sport aktuell ein Erwerbseinkommen von mehr als 10 080 Franken pro Jahr erzielt, ist gegen Unfall versichert. Das betrifft nicht den Breitensport. Bei Arbeitgebenden, also Sportvereinen, die Löhne von mehr als 10 800 Franken pro Jahr zahlen - das sind 900 Franken pro Monat -, wird aufgrund des UVG-Prinzips die UVG-Prämie auf allen Einkommen erhoben. Was zum Einkommen zählt, definiert die Wegleitung über den massgeblichen Lohn in der AHV, IV und EO. Spesen sind kein Einkommen, darauf gibt es keinen UVG-Abzug. Diese Regelung ist weder übertrieben noch bürokratisch. Es ist eine minimale soziale Absicherung für Menschen, die eine bezahlte Tätigkeit ausüben.
Es ist wichtig, zu verstehen, worüber wir hier sprechen. Was für einen Unterschied macht es aus, ob wir bei einem Unfall die Kosten über die Unfallversicherung oder über die Krankenversicherung gedeckt haben? Wer nur über die Krankenversicherung abgesichert ist, bezahlt bei einem Unfall eine Franchise bis maximal 2500 Franken und einen Selbstbehalt bis maximal 700 Franken pro Jahr selber. Es gibt keine lebenslange UVG-Rente, keine Integritätsentschädigung, keine Entschädigung für Reise-, Transport- und Rettungskosten, für den Leichentransport, keine Leistungen bei Bestattungen und deutlich schlechtere Leistungen bei bleibenden Schäden, zum Beispiel für Hilfsmittel. All diese Leistungen haben Sie aber bei einem Unfall mit Leistungen nach UVG. Sie haben beim UVG auch keine Franchise und keinen Selbstbehalt. Wenn Sie über das UVG eine Rente erhalten, haben Sie diese lebenslänglich. Sie haben also AHV- und UVG-Rente.
Die Unfallversicherung schützt Menschen genau dann, wenn das Leben aus den Fugen gerät. Die Krankenversicherung schützt bei Unfall weit weniger. Stellen Sie sich die Studentin vor, die am Wochenende Kinder trainiert und sich dabei schwer verletzt. Stellen Sie sich den Trainer eines Skiclubs vor, der nach einem Unfall querschnittgelähmt bleibt, oder die Athletin, die sich bei einem Wettkampf verletzt. Für diese Menschen geht es nicht um Administration. Für diese Menschen geht es um ihre Existenz. Die Motion sagt diesen Menschen im Kern: Ihr arbeitet für den Verein, ihr tragt Verantwortung, ihr geht Risiken ein, aber den Versicherungsschutz könnt ihr selbst organisieren - und wenn ihr das Geld dafür nicht habt, dann ist es euer Problem.
Das ist keine Entlastung, das ist eine Verschiebung der Kosten und Risiken auf die Schwächeren. Besonders stossend ist, dass genau jene betroffen wären, die oft keinen Arbeitgeber haben, der sie anderweitig versichert: Studentinnen und Studenten, Rentnerinnen und Rentner und Selbstständigerwerbende. Gerade sie würden im Ernstfall die Folgen eines Unfalls stärker selber tragen müssen.
Ich komme aus dem Kanton Zug. Dort wissen wir, welche Bedeutung ein ausreichender Unfallschutz haben kann. Nach dem Attentat im Zuger Parlamentsgebäude zeigte sich, wie entscheidend eine Unfallversicherung für Betroffene und Angehörige sein kann, insbesondere für Selbstständigerwerbende. Der Kanton Zug hatte die Kantonsratsmitglieder freiwillig versichert, was für viele entscheidend war. Die finanziellen Folgen des Attentats konnten dadurch zumindest teilweise aufgefangen werden, gerade bei Selbstständigerwerbenden.
Versicherungsschutz wird oft unsichtbar - bis zu dem Moment, in dem ihn Menschen dringend brauchen. Es geht um die Grundsatzfrage: Schützen wir die Menschen, die sich für den Sport engagieren, oder sparen wir bei ihrer finanziellen Absicherung, bei ihrer Sicherheit? Die Grüne Fraktion stellt die Trainerin, den Trainer und die Athletin, den Athleten ins Zentrum und nicht eine minimale administrative Entlastung der Vereine.
Deshalb bitte ich Sie im Namen der Minderheit und der Grünen Fraktion: Lehnen Sie die Motion Mühlemann ab.
Gysi Barbara · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion
Kollegin Weichelt, Sie haben zwar schon gesagt, dass es um die Trainerinnen und all die ehrenamtlich tätigen Leute und um ihren Versicherungsschutz geht, aber was passiert, wenn sich jemand, der nicht unfallversichert ist, beim Leiten eines Trainings schwer verletzt? Wie wird das abgedeckt? Heisst das, dass die Kosten bei dieser Person hängenbleiben?
Weichelt Manuela · Mit-F · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion
Ich nehme als Beispiel einmal die Meniskusverletzung einer Studentin. Studentinnen haben oft nicht viel Geld, sie haben jeweils auch die höchste Franchise. Das heisst, die Studentin zahlt dann zuerst einmal 2500 Franken selbst, plus den Selbstbehalt von 700 Franken; sie hat auch sonst weniger Leistungen. Bei noch gravierenderen Sachen, wenn jemand nachher querschnittgelähmt ist oder sonst nicht mehr arbeiten kann, entfällt eine Unfallversicherung, und das bis zum Tode. Das sind gravierende Unterschiede.
Baume-Schneider Elisabeth · BR-F · Bundesrat · Jura
Le nouvel article 2 alinéa 1 lettre j de l'ordonnance sur l'assurance-accidents (OLAA) a été rédigé en étroite concertation et collaboration avec Swiss Olympic et les acteurs de la branche de l'assurance-accidents. Il a été introduit au 1er juillet 2024 afin d'alléger la charge des associations de sport populaire - on oublie un peu de le mentionner, on a l'impression que c'est une charge supplémentaire, mais en fait, c'est une volonté d'alléger la charge des associations de sport populaire. Cette modification est donc le résultat d'un travail de concertation et de nombreuses discussions, qui ont permis d'aboutir à un consensus.
L'article mentionné prévoit que si une personne réalise un revenu annuel qui dépasse 10 080 francs au sein d'une association sportive, tous les sportifs et entraîneurs rémunérés - j'insiste, rémunérés - par cette association doivent être assurés au titre de la loi fédérale sur l'assurance-accidents (LAA). Par conséquent, une activité bénévole, qui est en principe une activité non rémunérée, n'est pas soumise à la LAA. Avant la modification de l'OLAA, les clubs sportifs amateurs étaient considérés comme des employeurs au sens de la LAA et, en conséquence, soumis à l'obligation d'assurer tous les sportifs et entraîneurs à partir du premier franc s'ils versaient un salaire ou une indemnité.
Bien que l'auteur de la motion reconnaisse que la modification de l'ordonnance a amélioré la situation, elle n'a pas atteint, selon lui, le but d'allègement financier souhaité. Beaucoup d'associations, notamment dans le domaine du football ou du hockey sur glace, et ce, même dans des ligues inférieures, ne comptent qu'une seule personne qui perçoit un salaire supérieur à 10 080 francs, à savoir la plupart du temps l'entraîneur principal. Si au sein du même club, des bénévoles touchent une rémunération symbolique de quelques centaines de francs, alors toutes les personnes rémunérées doivent être assurées, alors que la nature de leur engagement est différente. Ainsi, la motion vise la mise en place d'une solution d'assurance différenciée, ce qui nécessite une modification de la LAA. La modification de l'OLAA a donc déjà conduit à un allègement financier et administratif de nombreux clubs sportifs amateurs qui étaient auparavant soumis à l'obligation de conclure une assurance-accidents pour toutes les personnes rémunérées. Les dispositions légales prévoient, certes, des exceptions à l'obligation d'être assuré, mais il n'existe pas de base légale pour différencier selon le montant de l'indemnité. Par ailleurs, l'obligation ou l'exception d'être assuré impliquent toujours l'ensemble des collaboratrices et collaborateurs.
En vertu du principe d'égalité qui est inscrit à l'article 8 de la Constitution fédérale, il serait problématique que certaines personnes percevant une rémunération au sein d'un club sportif soient assurées et que d'autres, pour la même activité, ne le soient pas.
Je mentionne encore que la couverture d'assurance est également, comme cela a été dit, dans l'intérêt des personnes employées par les clubs sportifs. En cas d'accident survenu pendant l'activité sportive, c'est à l'assurance-accidents de l'employeur principal de prendre en charge les prestations. En l'absence de couverture, la personne accidentée devrait participer aux frais, car l'assurance-maladie obligatoire serait alors tenue de prendre en charge ces prestations, mais aux conditions de la LAMal. S'il existe un employeur principal, seul le salaire perçu pour celui-ci est assuré, mais non le gain perçu au sein du club sportif. On peut penser aux indemnités journalières. Les personnes employées dans les clubs sportifs qui ne sont pas assurées au sens de la LAA par un employeur principal seraient donc insuffisamment assurées. Grâce à l'assurance au sens de la LAA, le club sportif est lui aussi libéré de l'obligation de continuer, par exemple, à verser un salaire en cas d'accident.
Je précise encore qu'il est contraire au principe d'équivalence que l'assureur de l'employeur principal, si un tel employeur existe, doive prendre en charge un accident sans avoir perçu des primes correspondantes. L'article 2 alinéa 1 lettre j de l'OLAA a pour but d'alléger la charge financière pour le sport populaire, mais pas d'exempter les clubs sportifs semi-professionnels de l'obligation d'assurance. Si les salaires annuels dépassent 10 080 francs, le caractère de sport populaire peut être, pour le moins, remis en question et en général, si l'employeur emploie au moins une personne dont la rémunération annuelle dépasse 2500 francs, il doit assurer la totalité du personnel aux assurances sociales - on pense bien sûr à l'AVS, à l'AI ou encore aux APG. Une nouvelle exonération serait incompatible avec le système général des assurances sociales.
Pour conclure, j'ajoute qu'une nouvelle modification de la LAA pour les clubs sportifs entraînerait une inégalité de traitement entre les salariés hors club de sport dans des situations similaires. Pourquoi une personne qui touche un faible salaire de plusieurs employeurs différents devrait-elle payer la totalité des cotisations alors qu'une personne qui perçoit un salaire comparable, mais cette fois-ci, dans un club sportif n'y serait pas tenue ? Les exemples sont nombreux.
C'est pour ces raisons que le Conseil fédéral propose de rejeter la motion et estime que le pas qui a été fait est déjà extrêmement intéressant pour les associations sportives.
Candan Hasan · Mit-M · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion
Frau Bundesrätin, in der Motion wird gefordert, dass die Unfallversicherungspflicht differenzierter ausgestaltet werden soll. Ich sehe, dass die Formulierung einen gewissen Handlungsspielraum für die Umsetzung lässt. Es ist eine Tatsache, sie wurde genannt, dass viele junge Menschen sehr schlecht versichert sind. Es ist ein Trade-off zwischen den Hürden für die Vereine und dem Versicherungsschutz. Sehen Sie auch Handlungsbedarf, und sind Sie bereit, die von den beiden Kolleginnen erwähnten Aspekte bei der Umsetzung der Motion genau zu prüfen?
Baume-Schneider Elisabeth · BR-F · Bundesrat · Jura
Merci beaucoup, Monsieur le conseiller national. Oui et non. Plutôt non, dans la mesure où, malheureusement ou heureusement, la question est que lorsqu'on a un employeur, toutes les personnes doivent être assurées. Néanmoins, l'assurance n'est pas faite pour être un encombrement ; elle est faite pour être à disposition pour une prestation. Dès lors, pour cette motion, on peut l'accepter telle quelle et puis il y a une exonération. Toutefois, ce ne serait pas juste si je vous disais que, oui je peux peut-être essayer de faire en sorte qu'on ait une possibilité d'assurance différenciée, car cela constituerait une inégalité de traitement avec d'autres personnes, qui elles, paient dès le premier franc, alors que dans un club sportif elles ne paieraient pas de cotisation.
Abstimmung
Le président (Page Pierre-André, président): La majorité de la commission propose d'adopter la motion. Une minorité Weichelt et le Conseil fédéral proposent de rejeter la motion.
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 152 Stimmen
Dagegen ... 28 Stimmen
(13 Enthaltungen)