AS 2012 2575
Schweizerisches Strafgesetzbuch
Änderung vom 30. September 2011
Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,
nach Einsicht in den Bericht der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates vom 30. April 20101 und in die Stellungnahme des Bundesrates vom 25. August 20102,
beschliesst:
I
Das Strafgesetzbuch3 wird wie folgt geändert:
Ingress erstes Lemma gestützt auf Artikel 123 Absätze1 und 3 der Bundesverfassung4,
Art. 97 Abs. 2
Bei sexuellen Handlungen mit Kindern (Art. 187) und unmündigen Abhängigen (Art. 188) sowie bei Straftaten nach den Artikeln 111, 113, 122, 124, 182, 189–191 und 195, die sich gegen ein Kind unter
Jahren richten, dauert die Verfolgungsverjährung in jedem Fall mindestens bis zum vollendeten 25. Lebensjahr des Opfers.
Art. 124
Verstümmelung 1 Wer die Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, in ihrer weiblicher Genitalien natürlichen Funktion erheblich und dauerhaft beeinträchtigt oder sie in anderer Weise schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen bestraft.
Strafbar ist auch, wer die Tat im Ausland begeht, sich in der Schweiz befindet und nicht ausgeliefert wird. Artikel 7 Absätze4 und 5 sind anwendbar.
Art. 260bis Abs. 1 Bst. cbis
Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer planmässig konkrete technische oder organisatorische Vorkehrungen trifft, deren Art und Umfang zeigen, dass er sich anschickt, eine der folgenden strafbaren Handlungen auszuführen:
cbis. Verstümmelung weiblicher Genitalien (Art. 124);
II
1. Koordination von Artikel 97 Absatz 2 Strafgesetzbuch5 mit dem Bundesgesetz vom13. Juni 20086 über die Verfolgungsverjährung bei Straftaten an Kindern Unabhängig davon, ob das Bundesgesetz über die Verfolgungsverjährung bei Straftaten an Kindern oder die Änderung des Strafgesetzbuches vom 30. September 2011 zuerst in Kraft tritt, wird mit Inkrafttreten des später in Kraft tretenden Gesetzes sowie bei gleichzeitigem Inkrafttreten Artikel 97 Absatz 2 StGB wie folgt geändert:
Art. 97 Abs. 2
Bei Straftaten nach den Artikeln 111-113, 122, 124, 182, 189–191 und 195, die sich gegen ein Kind unter 16 Jahren richten, und bei sexuellen Handlungen mit Kindern (Art. 187) und unmündigen Abhängigen (Art. 188) läuft die Verfolgungsverjährung ab dem Tag, an dem das Opfer das 18. Lebensjahr vollendet hat oder vollendet hätte.
2. Koordination von Artikel 97 Absatz 2 Strafgesetzbuch7 mit der Änderung vom 19. Dezember 20088 des Zivilgesetzbuches (Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht) Änderung eines Ausdrucks: Mit Inkrafttreten der Änderung des Zivilgesetzbuches wird in Artikel 97 Absatz 2 StGB der Ausdruck «unmündig» durch «minderjährig» ersetzt (mit den entsprechenden grammatikalischen Anpassungen).
AS 2011 725
III
Die Strafprozessordnung9 wird wie folgt geändert:
Art. 168 Abs. 4 Bst. a
Das Zeugnisverweigerungsrecht entfällt, wenn:
a. sich das Strafverfahren auf eine Straftat nach den Artikeln 111–113, 122, 124, 140, 184, 185, 187, 189, 190 oder 191 StGB10 bezieht; und
Art. 251 Abs. 4
Gegenüber einer nicht beschuldigten Person sind Untersuchungen und Eingriffe in die körperliche Integrität gegen ihren Willen zudem nur zulässig, wenn sie unerlässlich sind, um eine Straftat nach den Artikeln 111–113, 122, 124, 140, 184, 185, 187, 189, 190 oder 191 StGB11 aufzuklären.
Art. 269 Abs. 2 Bst. a
Eine Überwachung kann zur Verfolgung der in den folgenden Artikeln aufgeführten Straftaten angeordnet werden:
a. StGB12: Artikel 111–113, 115, 118 Ziffer 2, 122, 124, 127, 129, 135, 138–140, 143, 144 Absatz 3, 144bis Ziffer 1 Absatz 2 und Ziffer 2 Absatz 2, 146–148, 156, 157 Ziffer 2, 158 Ziffer 1 Absatz 3 und Ziffer 2, 160, 161, 163 Ziffer 1, 180, 181–185, 187, 188 Ziffer 1, 189–191, 192 Absatz 1, 195, 197, 221 Absätze1 und 2, 223 Ziffer 1, 224 Absatz 1, 226, 227 Ziffer 1 Absatz 1, 228 Ziffer 1 Absatz 1, 230bis, 231 Ziffer 1, 232 Ziffer 1, 233 Ziffer 1, 234 Absatz 1, 237 Ziffer 1, 238 Absatz 1, 240 Absatz 1, 242, 244, 251
Ziffer 1, 258, 259 Absatz 1, 260bis–260quinquies, 261bis, 264–267, 271, 272
Ziffer 2, 273, 274 Ziffer 1 Absatz 2, 285, 301, 303 Ziffer 1, 305, 305bis
Ziffer 2, 310, 312, 314, 317 Ziffer 1, 319, 322ter, 322quater und 322septies;
Art. 286 Abs. 2 Bst. a
Die verdeckte Ermittlung kann zur Verfolgung der in den folgenden Artikeln aufgeführten Straftaten eingesetzt werden:
a. StGB13: Artikel 111–113, 122, 124, 129, 135, 138–140, 143 Absatz 1, 144 Absatz 3, 144bis Ziffer 1 Absatz 2 und Ziffer 2 Absatz 2, 146 Absätze1 und 2, 147 Absätze1 und 2, 148, 156, 160, 182–185, 187, 188 Ziffer 1, 189 Absätze1 und 3, 190 Absätze1 und 3, 191, 192 Absatz 1, 195, 197 Ziffern 3 und 3bis, 221 Absätze1 und 2, 223 Ziffer 1, 224 Absatz 1, 227 Ziffer 1 Absatz 1, 228 Ziffer 1 Absatz 1, 230bis, 231 Ziffer 1, 232 Ziffer 1, 233 Zif- fer1, 234 Absatz 1, 237 Ziffer 1, 238 Absatz 1, 240 Absatz 1, 242, 244 Absatz 2, 251 Ziffer 1, 260bis–260quinquies, 264–267, 271, 272 Ziffer 2, 273, 274 Ziffer 1 Absatz 2, 301, 305bis Ziffer 2, 310, 322ter, 322quater und 322septies;
IV
Dieses Gesetz untersteht dem fakultativen Referendum.
Der Bundesrat bestimmt das Inkrafttreten.
Nationalrat, 30. September 2011 Ständerat, 30. September 2011 Der Präsident: Jean-René Germanier Der Präsident: Hansheiri Inderkum Der Sekretär: Pierre-Hervé Freléchoz Der Sekretär: Philippe Schwab
Ablauf der Referendumsfrist und Inkraftsetzung
Die Referendumsfrist für dieses Gesetz ist am 19. Januar 2012 unbenützt abgelaufen.14
25. April 2012 Im Namen des Schweizerischen Bundesrates |
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Die Bundespräsidentin: Eveline Widmer-Schlumpf |
Die Bundeskanzlerin: Corina Casanova |
Der Beschluss über das Inkrafttreten erfolgte mit Präsidialentscheid vom 24. April 2012.