Schafe in Trockenweiden
Trockenwiesen und -weiden Schafe in Trockenweiden Steile und abgelegene Standorte werden zunehmend mit Schafen beweidet. Wann kann eine Schafbeweidung auch in Trockenweiden schutzzielkonform sein und wo liegen die Grenzen?
Zu aufwändig zum Mähen, zu steil für Rinder ...
Hintergrund und Herausforderung wirtschaftlichen Gründen wieder Auftrieb. Die Schafbeweidung hat auch in der Die moderne Zauntechnik ermöglicht ein Schweiz eine lange Tradition. Behirtete flexibles und gründliches Abweiden von Schafe wurden in kurzer Zeit über ausge- kleinen und topografisch unregelmässigen dehnte Gebiete getrieben. Später wurde Flächen – zudem lohnt es sich dank dem diese sehr extensive Weidenutzung durch geringen Zäunungsaufwand, in kurzen Mähnutzung oder Rinderbeweidung Abständen zu beweiden. Damit besteht ersetzt. Heute werden steilere und abge- ein Risiko zur maximalen Ausnutzung des legene Flächen wieder vermehrt mit Scha- Aufwuchses, was in artenreichen Flächen fen beweidet. wie Trockenstandorten zu einer Verar- Schafweiden sind in der Regel artenärmer mung führt. als Rinderweiden vergleichbarer Stand- In jedem Fall kommt dem Weidemanageorte. In trockenen Gebieten mit sehr flach- ment und der Erfahrung und Sensibilität gründigen Böden können allerdings auch der Bewirtschaftenden eine grosse Be- Schafweiden faunistisch und floristisch deutung zu. sehr wertvoll sein. Besonders gut sind die Voraussetzungen in klimatisch begünstig- Die meisten Kantone sind zurückhalten Gebieten mit wenig Niederschlägen tend beim Abschluss von Weideverträwie zum Beispiel im Wallis. gen mit Schafen. Objekte des Inventars Die Weiterführung einer angepassten ex- der Trockenwiesen und -weiden (TWW) tensiven und oft aufwändigen Beweidung müssen den Schutzzielen entsprechend ist vielerorts nicht sichergestellt. Oft fehlt bewirtschaftet werden – nur wenn dies ein interessierter Nachfolger, und die Wei- gewährleistet ist, steht ein Vertrag zur Diskussion. Zuständige Ansprechstelle den verbuschen. ist in jedem Fall die kantonale Natur- In besser erschlossenen Lagen bekommt schutzfachstelle. die Beweidung durch Schafe aus arbeits-
Weideformen Rund die Hälfte der TWW-Schafweiden Ausnutzung des Aufwuchses und desto verbeissen wie auch die aus Deutschliegen im Sömmerungsgebiet, wo die schlechtere Voraussetzungen, den TWW- land stammenden Heidschnucken neben Schafe mehrere Wochen grössere Gebiete Schutzzielen zu genügen. Gräsern und Kräutern auch Heidekraut, beweiden. Auf solchen Standweiden wird Brombeeren und Gehölze. Sie eignen sich der obere Weidebereich oft übernutzt, also wie Ziegen gut für die Eindämmung während weiter unten Verbuschung auf- der Verbuschung. kommt. Eine horizontale Unterteilung der Weide bzw. Tränkestellen im unteren Weidebereich verbessern die gleichmässige Nutzung.
Viele TWW-Schafweiden sind Vorsömme- 3 rungsweiden, welche nur vor und nach der Sömmerung bestossen werden. Wäh- Der Futterbedarf der Tiere und ihr Anrend der langen Weidepause – bis zu drei spruch an die Futterqualität ist grundsätz-
1 Monaten! – entwickelt sich eine vielfältige lich wichtiger als Rassenunterschiede. Es
Flora und Fauna (2). sollten deshalb nur Tiere auf Trockenwei- In grossen Weiden werden steilere und den gehalten werden, von denen weder flachere Hänge, feuchte Mulden und In Mähweiden werden die typischen eine hohe Fruchtbarkeit noch eine wirttrockene Kuppen durch Schafe unter- Schafweidemerkmale durch die Schnitt- schaftlich bedeutende Leistung erwartet schiedlich stark beweidet. Diese lokale nutzung etwas verwischt. Bei einer ex- wird. Hier spielt die betriebsökonomische Über- und Unternutzung führt zu einem tensiven Nutzung – Frühlingsweide und Ausrichtung und die ökologische Motivastrukturreichen Charakter und interes- Schnitt im Spätsommer bzw. umgekehrt tion der Schafhalter die entscheidende santen Kleinlebensräumen (1). Diese – können ebenfalls artenreiche Lebens- Rolle. erfordern aber langfristig eine sorgfältige räume entstehen. Auf mageren Standor- Für alle Beweidungsformen gilt: Weideführung und gezielte, arbeitsinten- ten, welche noch gemäht werden können, Bei hoher Besatzdichte (viele Tiere pro sive Weidepflege. sollte allerdings auf eine Schafbeweidung Fläche) und langen Besatzzeiten nimmt zugunsten der reinen Schnittnutzung verdie Strukturvielfalt ab, die Vegetation Die Behirtung mit Hirtenhunden hat wie- zichtet werden. wird homogener. Sind die Weidepauder an Bedeutung gewonnen. Sie bietet sen zwischen den Umtrieben kurz, sind ideale Chancen, den standörtlichen Unter- Rassen die Voraussetzungen für eine hohe Arschieden gerecht zu werden und mit dif- Für die Beweidung von Trockenweiden tenvielfalt, insbesondere für die Fauna ferenzierter Beweidung Lebensraum- und eignen sich futtermässig anspruchslosere ungünstig. Nur noch Pflanzen mit einer Strukturvielfalt zu fördern. Fleischschafe wie das Walliser Schwarzkurzen Regenerationszeit und hoher nasenschaf, das Bündner Oberländer- Verbissresistenz überleben. Dies gilt Jeder Weidegang entspricht einem Um- schaf, das Spiegelschaf oder das Walliser insbesondere für kleine Weideeinheiten. trieb. Je mehr Umtriebe, umso bessere Landschaf «Roux du Valais» (3). Letztere
Wo liegen die artenreichsten TWW- Schafweiden? Im Inventar der Trockenwiesen und –weiden der Schweiz (TWW) wurden insgesamt 2’495 ha Schafweiden nationaler Bedeutung erfasst. Das sind knapp 10% aller inventarisierten Flächen. Rinderweiden machen im Vergleich dazu 45% aus.
TWW-Schafweiden in der Schweiz. Von Grün über Gelb zu Rot: Anzahl TWW- Charakterpflanzen nimmt zu.
• Das Wallis ist der klassische Kanton • Über 80% der Schafweiden befinden • In den Nordalpen und im Jura (6) gibt mit Schaftrockenweiden, wohl aufgrund sich oberhalb von 1000 m ü.M., die mei- es vor allem im Sömmerungsgebiet einides trockenwarmen und niederschlags- sten davon im Vorsömmerungs- oder ge recht artenreiche Schafweiden (FR, armen Klimas: Fast 40% der TWW- Sömmerungsgebiet (1400-1800 m) (5). VD, BE ,GR). Sie gehören vegetations- Schafweideflächen liegen im Wallis (4), In Tieflagen gibt es praktisch keine bio- kundlich zu den «Magerrasen im Berggefolgt von den Nordalpen (30%) und logisch interessanten Schafweiden auf gebiet» und den «Halbtrockenrasen» dem Kanton Graubünden (20%). Im Trockenstandorten. TWW-Schafweiden und liegen häufig an Extremstandorten, Wallis und im Engadin liegen auch die sind fast immer süd- oder südostexpo- welche aufgrund der Steilheit kaum mit artenreichsten Schafweiden, meist auf niert. Weniger besonnte Schafweiden Rindern zu bewirtschaften sind. «Echten Trockenrasen». sind in der Regel weniger wertvoll.
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Walliser Trockenweide - nordalpine Sömmerungsweide - Juraweide auf Halbtrockenrasen
Was heisst artenreich? Die Vegetation von Schafweiden und Rinderweiden Die besten TWW-Schafweiden liegen gen gibt es jedoch artenarme und artenmeist auf sog. «Echten Trockenrasen», reiche Flächen. das heisst an sehr steilen, flachgründigen, südexponierten Standorten, während Schlüsselarten: Auch die sogenannten unter den Rinderweiden eher auch nähr- Schlüsselarten, d.h. die charakteristischen stoffreichere Flächen mit Zeigerarten der Trockenstandortsarten, sind in Rindermageren Fettwiesen anzutreffen sind. Die weiden stärker vertreten. In Schafweiden extensive Schafbeweidung kann demnach kommen dagegen einzelne Schlüsselarten extremen Trockenstandorten nur wenig häufiger vor, so in Halbtrockenrasen zum anhaben, währenddem sie an besser- Beispiel Wiesensalbei (7), Kartäusernelke 7 8 wüchsigen und frischeren Standorten (8) oder Aufrechter Ziest (9). Generell sind die Vegetation rasch entwertet. So sind Schafweiden graslastiger; Charaktergräan nährstoffreicheren Standorten, z.B. im ser sind Aufrechte Trespe (10), Schaf- Fromentalbereich, kaum mehr botanisch schwingel (11) oder Fiederzwenke (12). interessante Schafweiden möglich. In den entsprechenden Rinderweiden sind dafür typische Kräuter wie Wundklee, Artenzahl Pflanzen: Rinderweiden wei- Stengellose Kratzdistel oder Mittlerer Wesen in allen biogeografischen Regionen gerich häufiger zu finden. und über alle Vegetationsgruppen durch- Verteilung der Rinder- und Schafweiden schnittlich höhere Artenzahlen an Pflanzen nach der Gesamtartenzahl. auf als Schafweiden. Bei beiden Nutzun- Rinderweiden sind generell artenreicher 9 10 als Schafweiden (aus Martin M., 2007).
Verteilung der Teilobjekte: Gesamtartenzahl
% aller Teilobjekte
11 12 20 40 60 80 Gesamtartenzahl Rinderweiden Schafweiden
Weideverhalten des Schafes: Auswirkung auf Pflanzenvielfalt, Strukturen und Fauna Schafe gelten nicht zu Unrecht als Rasen- Gefährdete Arten: mäher und Feinschmecker. Dies ist bei intensiver Beweidung mit kurzen Ruhe- Naturschützerisch interessant ist, dass pausen auch für Laien gut erkennbar. Ab- in Rinderweiden nicht nur mehr, songezäunte Restflächen und Böschungen dern auch mehr gefährdete Pflanzenfressen Schafe in Kürze kahl (13); cha- arten wachsen, besonders deutlich in rakteristische Farbtupfer wie Skabiosen, den Halbtrockenrasen und Echten Tro- Flocken- oder Glockenblumen sowie die ckenrasen sowie generell im Tessin. 13 gelben Kleearten verschwinden aus dem Bestand. Grund dafür sind die schafspe- Fast alle Orchideenarten wie Männerzifischen Weidemerkmale, die sich bei treu, Schwärzliches Knabenkraut (14) intensiver Bestossung nachhaltig auf die oder Grüne Hohlzunge kommen in Rin- Artenzusammensetzung auswirken. derweiden häufiger vor; andere sehr spezialisierte Arten der Steppenrasen Nicht zu unterschätzen ist aber auch die sind in Schafweiden besser verteten, Verbreitung von Samen und Tieren im was sich mit der Konzentration der Fell der Schafe, womit Schafe zu mobilen Schafweiden auf eben solche Extrem- Vernetzern von Lebensräumen werden standorte erklären lässt. können.
Selektiver Frass Trespe, Borstgras oder Schafschwingel, Scharfer Tritt Viel ausgeprägter als Rinder suchen welche trotz Weidezwang nicht mehr ge- Aufgrund des leichten Gewichtes können Schafe ihre Favoritenpflanzen selektiv fressen werden. Schafe auch an Steilhängen weiden, ohne und beissen diese mit dem spitzen Maul die Grasnarbe zu schädigen. gezielt heraus. Dazu gehören zahlreiche Was dem Schaf nicht beliebt Schmetterlingsblütler wie Bergklee, Es- Stark duftende Pflanzen werden streng parsetten, Wund- und Hufeisenklee, aber gemieden. So können Schafweiden vollauch andere Trockenwiesenzeiger wie kommen besetzt sein von Eisenkraut, Wiesenknopf oder Edelgamander. Ausge- Dost oder Thymian (15). Auch giftige oder rechnet diese Pflanzen werden von vielen unbekömmliche Pflanzen wie Schwal- Insekten bevorzugt oder sind deren Nah- benwurz (16), Germer, Wolfsmilch oder rungsgrundlage. Heidekraut bleiben stehen und prägen typische Weideaspekte. In der Krautschicht breiten sich Storchenschnabelarten, kleine Bibernelle oder Purgierlein aus, welche wiederum zum erwünschten Teil der TWW- 17 Palette gehören und von der Schafbeweidung profitieren. Im Gegensatz zu Ziegen Lokale Übernutzungen können aber verschmähen die meisten Schafrassen zusammen mit dem «scharfen Tritt» zu dornige oder stachelige Pflanzen. Vor Erosion führen. Der gleiche Prozess kann allem Brom- und Himbeeren breiten sich auch an unternutzten steilen Stellen mit bei fehlender Weidepflege aus. Somit Verbrachungstendenz und schlechter 15 kommt der Weidesäuberung in Schafwei- Durchwurzelung einsetzen. Kleinräumig den eine zentrale Rolle zu. ist diese Dynamik biologisch wertvoll (17). Pionierpflanzen, Spinnen und Insekten Vorliebe für junges und zartes Futter profitieren von neu geschaffenen Lücken Schafe bevorzugen junges Futter. Sie und Spezialstandorten. Nimmt die Erosion meiden ältere und härtere Gräser und überhand, kann die Wiederherstellung suchen gezielt die zarteren Blätter der einer geschlossenen Grasnarbe aber aufspäter spriessenden oder wieder nach- wändig werden. wachsenden Blütenpflanzen. Je nach Weideführung und bereits vorhandenen Arten nehmen so Gräser rasch überhand. Oft sind daher spät bestossene Schafweiden dominiert durch Fiederzwenke, Aufrechte 16
Strukturen lassen von Einzelsträuchern wie Hecken- Die meisten noch existierenden Trocken- rosen, Weissdorn oder Wachholder oder 18a weiden (Schaf- wie Rinderweiden) sind das Belassen einzelner brombeerbewachsehr schwach verbuscht (0-3%); ein Vier- sener Stellen ist faunistisch von grosser tel der Weiden zwischen 3 und 20%. Fau- Bedeutung. Eine solche selektive Weinistisch sind letztere am interessantesten, depflege ist sehr aufwändig; die Hinterprofitieren doch zahlreiche Tiere von einer gründe und Entschädigungsfragen sollten leichten Verbuschung. mit dem Landwirt im direkten Gespräch erläutert werden. Viele hoch gelegene Weiden verbuschen Weitere natur- und kulturbedingte Struklangsam und fast unbemerkt vom Rand turen in Weiden wie Felsblöcke, Steinhauher. Der zentrale Teil der meisten Weiden fen, Mauern und Asthaufen werden von wird dagegen systematisch alle paar Jah- Eidechsen und Schlangen besiedelt (18a). re gesäubert. In der Regel erfolgt die Pfle- Spezialisierte Wespen und Sandlaufkäfer ge mechanisch, meist mit Säuberungs- (18b) bauen ihre Nester an sandigen Stelgerät, im Falle von Dornensträuchern oft len. Besonders attraktiv sind Fliessgewäs- 18b auch chemisch. Gerade das Aufkommen- ser oder kleinere Feuchtstellen.
Fauna von Schafweiden sektenvielfalt ab. Je wüchsiger eine Weide Die Raupen der meisten Bläulinge Auch Schafweiden können manchmal ist, je länger und je häufiger sie bestossen fressen «ihre» spezifische Kleeart. Iheine reiche Fauna aufweisen. Je höher wird, desto mehr wird der schaftypische nen kann die Vorliebe der Schafe für die Besatzstärke, desto artenärmer die Charakter sichtbar und wirksam. Einige Schmetterlingsblütler zum Verhängnis Fauna – dieser Zusammenhang gilt hier Heuschrecken, Zikaden oder Spinnen pro- werden. Der in der Schweiz einheiminoch ausgeprägter als bei Rinderweiden. fitieren zwar von der Vegetationsstruktur sche «Spanische Bläuling» ist auf den Besonders wichtig sind lange Weidepau- und der Vergrasung solcher Schafweiden. Stengellosen Tragant (22) angewiesen; sen, in denen Insekten und Spinnen «rege- Auch weit verbreitete Gras- oder Augenfal- erwiesenermassen ist dieser Schmetnerieren» können. In schwachwüchsigen, ter wie Schachbrett (21), Mohrenfalter oder terling durch unsachgemässe Schafbeblüten- und strukturreichen Trockenweiden Ochsenauge finden noch immer Eiabla- weidung praktisch ausgestorben. entspricht die Fauna in etwa derjenigen geplätze, auch wenn der Blütenhorizont von Rinderweiden. Hier fliegen rotschwarz bescheiden ist. Doch wirkt sich die einseigemusterte Perlmutter- und Scheckenfalter tige Flora im ganzen für die faunistische (19), z. B. der Wachtelweizenschecken- Vielfalt negativ aus. Das grosse Defizit ist falter; auch die eleganten Schmetterlings- das Fehlen von Nektar- und Pollentracht, hafte und Blutströpfchen sind anzutreffen. die sowohl den ausgewachsenen Faltern In thymianreichen Beständen fehlt oft auch wie den blütenabhängigen Wanzen, Wildder «Schwarzgefleckte Moorbläuling» (20) bienen (24) und Schwebfliegen Grundlage nicht – Thymian und Ameisenbrut sind sei- sind. Zudem kommen verschiedenste ne zwingende Raupennahrung. Heuschre- Pflanzen, auf welche Raupen oder Larven cken (Westliche Beisschrecke) (23) zirpen angewiesen sind, in einseitigen Schafwei- 22 und schnarren, Wildbienen runden die In- den nicht mehr vor (s. Kasten).
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Weidemanagement Die Weideführung in Schafweiden mit sigen, gut besonnten und niederschlags- eine naturschutzkompatible Beweidung dem Ziel der Biodiversitätserhaltung ist armen, meist steilen Hanglagen. Der Auf- mit Schafen. Um den Aufwuchs genügend anspruchsvoller als in Rinderweiden. wuchs wird regelmässig abgefressen. Der rasch wegzufressen, sind so viele Tiere Rinderweiden sind nutzungselastischer, Bestand ist ebenfalls nutzungselastisch, notwendig, dass die Weide aus ökolowas unter anderem am unterschiedlichen das heisst er kann über eine längere gischer Sicht überbestossen ist. Sowohl Weideverhalten liegt. Phase beweidet werden, ohne zu verun- Weidedruck, natürliche Nährstoffmobili- Die artenreichsten Schaftrockenweiden krauten. sierung sowie der im feuchteren Milieu werden durchwegs extensiv beweidet und Je heterogener, wüchsiger und frischer wirksamere Schafdung erschweren eine befinden sich in äusserst schwachwüch- der Standort, desto anspruchsvoller ist grosse Artenvielfalt.
Es gibt grundsätzlich zwei Weide- Grössere Weiden (26): Mit einem niederen Ansätze: Tierbesatz sehr extensiv, dafür über eine Kleinere Weiden (25): Bestossungszeit- lange Zeit beweiden. Der Aufwuchs wird punkt und Besatzdichte darauf ausrichten, nicht genügend rasch abgefressen, die dass der Aufwuchs in kurzer Zeit weitge- Gräser werden nicht mehr verbissen und hend (ca. 20% Weidereste) abgefressen überständig. Die Schafe spezialisieren wird. Der erste Weidegang erfolgt früh, sich auf die wieder frisch nachwachsendamit die schnell alternden Gräser über- den Kräuter, welche sie gezielt heraushaupt noch weggefressen werden. Damit fressen. Dadurch entstehen die schaftywerden auch die Kräuter in einem jungen pischen Weideaspekte mit unternutzten Stadium dem Verbiss ausgesetzt; sie und übernutzten Stellen, Dominanz von profitieren vom Licht durch den Wegfall 25 Gräsern und verschmähten Weideunkräuder Gräser, gelangen aber erst viel spä- tern (27). Diese faunistisch interessante ter zur Blüte. Der zweite Umtrieb sollte Vegetationsstruktur erfordert auf lange in solchen Weiden daher erst mit einem Sicht eine gute Weidepflege, um einer grossen Abstand (je nach Höhenlage 8-14 einseitigen Vergrasung und Verunkrautung Wochen) erfolgen, damit sich Blütenpflan- vorzubeugen. Auch hier sollte die Weidezen, Insekten und andere Tiere über einen führung Weidereste ermöglichen und zwar ungestörten Zeitraum entwickeln können. auf den beliebtesten Teilflächen. Einen Ausweg kann hier eine Mahd als In schwachwüchsigen Weiden mit auszweite Nutzung bieten – sie kann so spät gewogenem Pflanzenbestand kann die wie notwendig erfolgen und führt gleich- Beweidung ab und zu ein Jahr ausgezeitig Nährstoffe weg. Allerdings sollten lassen werden, was zu einer Erholung Restflächen stehengelassen werden, geschwächter Arten führt. Auch das damit immobile Kleintiere resp. deren Variieren des ersten Nutzungstermins Entwicklungsstadien – auf Weidenutzung 26 (1 Jahr früh, 1 Jahr spät) bringt interesangepasst - nicht weggemäht werden. sante Resultate. Eine Herbstweide ist nur bei genügendem Aufwuchs durchzuführen. Sonst können die Blattrosetten stark geschwächt wer- 300 den. Besatzleistung Schafe
150 Trend
0 500 1000 1500 2000
Höhe über Meer 27
Besatzleistung von 9 artenreichen TWW – Schafweiden in Abhängigkeit der Höhenlage. Massgebend ist der Ertrag, der je nach Höhe, Standort und Jahresverlauf stark variieren kann. Die Beispiele stammen aus der Fallstudie «Schafe auf Trockenweiden» (Martin, M. et al. 2007); zwei Weiden aus dieser Studie werden auf der folgenden Seite ausführlich vorgestellt.
Foppa, Luzein, Kt GR (Nordalpen) Höhe 1320 m ü.M. Fläche Teilobjekt 1.13 ha Exposition Süd Neigung 40-70% Vegetationsgruppe Halbtrockenrasen Gesamtartenzahl/ 37/27 Anz.Charakterarten Weideform Umtriebsweide
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Besatzzeit A: ab 15.6. 30 Tage; Weidecharakter: gehalten werden. Die gemähten Flächen Okt.: 15 Tage Steiler Halbtrockenrasen mit Bergsegge werden zwischen Mitte August und Ende B: ab 15.7. 15 Tage; und Säurezeigern; durchsetzt mit Feldge- Okt.: 15 Tage September beweidet. Jährliches Ausholhölzen, Hecken und Felsen; auch arten- zen und Entbuschen gegen Einwachsen Besatzdichte A: 3, bzw. 0.6 GVE/ ha/ Auftrieb arme Bereiche und Stellen mit Altgras. von Wald und Feldgehölzen (Asthaufen in B: 3.6, bzw. 0.5 GVE/ ha/ Gehölzen) Auftrieb Nutzung: Ausblick: Tendenziell wird je länger je we- Arbeitsaufwand Zäunen: 15 AT/ Jahr Fläche wird seit über 20 Jahren sehr ex- niger gemäht werden (Aufwand); Besatz Weidepflege: 20 AT/ Jahr tensiv beweidet zwischen Mitte Juni und wird voraussichtlich leicht erhöht werden Mitte August. Bis zur Überweidung im und Ziegen zugelassen. Herbst Weidepause von 10 Wochen. Es Schafweide der steilen, strukturreichen wird abschnittweise gesäubert. Beurteilung: Fläche angepasst. Besatz tendenziell eher Weide ist Teil eines Komplexes von ma- Weiden mehrheitlich sauber abgefressen; erhöhen. Im untersten Teil Rinderweide geren Wiesen und Weiden, auf denen dichte Grasnarbe, eher grasreicher Ein- möglich. 8 Muttertiere insgesamt 90 Tage lang druck (vermutlich trockenheitsbedingt). Seltene Arten: Astlose Graslilie.
Les Viollards, Château-d’Oex, Kt VD (Nordalpen) Höhe 1650 m ü.M. Fläche Teilobjekt 12.9 und 12.9 ha Exposition Ost Neigung 30-70% Vegetationsgruppe Halbtrockenrasen Berggebiet Gesamtartenzahl/ 38/24 Anz.Charakterarten Weideform Teil einer Sömmerungsweide Schlaggrösse 26 ha Besatzzeit Ab 3. Juni: 27 Tage September: 7 Tage Weidecharakter: morgens und abends fressen. Besatzdichte 1 GVE/ ha/ Auftrieb Sehr artenreicher Halbtrockenrasen im Im Frühling und im Hochsommer weiden Arbeitsaufwand Ca. 50 AT für ganze Alp Berggebiet mit Saumarten und Zeigern die Schafe auf einer benachbarten Alp der Blaugrashalde und Rostseggen- bzw. weiter oben auf einer Krete. halde. Stellenweise etwas Vergrasung Ausblick: Aktuell wird nicht entbuscht; (Rotschwingel); strukturarm, nur randlich ohne eine regelmässige Entbuschung verbuscht, stellenweise offener Boden. werden die unteren Randbereiche langsam zuwachsen. Die Zukunft der Weide ist Nutzung: offen, da kein Nachfolger vorhanden. Fläche liegt innerhalb Alp, welche seit 30 Jahren von 300 Muttertieren und Lämmern Beurteilung: (Charollais) während 1 Monat im Juni be- Schafe sind auf dieser steilen Alp zweck- 29b weidet wird. Liegeplätze und Tränkestelle mässig und ermöglichen bei solch exder Tiere befinden sich ausserhalb der tensivem Management eine äusserst ar- finden und ganz ohne Beweidung würden TWW-Weide, in welcher die Tiere vor allem tenreiche Flora; Rinder sind schwierig zu zumindest die unteren Teile zuwachsen.
Empfehlungen für die Beweidung mit Schafen: Allgemeine Voraussetzungen: - Genügend grosse Reserveflächen
Ökologische Einstellung der Schafhal- neben Trockenweide (Ausweichen bei ter: Schafweide als professionelle Pfle- Futterknappheit) geleistung; keine Restflächennutzung - An schwachwüchsigen Standorten mit und zeitsparende Nutzungslösung ausgewogenem Pflanzenbestand ab
Gute Abgeltung der erbrachten und zu ein Nutzungsjahr auslassen Leistungen - Herbstweide: nur bei genügend Auf-
Kein Anspruch an sauber abgewei- wuchs dete, strukturfreie Flächen oder guten - Besonders artenreiche und trittempfind- Fleischzuwachs liche Stellen zeitweise auszäunen
Bewirtschafterwechsel: Weiterführung - Verbuschung regelmässig kontrollieren, der Schafbeweidung muss gut begleitet vor allem am Rande; Weidepflege jährwerden lich und selektiv; Besatz so tief wählen, dass Büsche aufkommen können (bis Literaturhinweis 20%), Steinstrukturen fördern Martin M., Volkart G. et al. (2007); Schafe auf Trockenweiden
Bei hohem Verbuschungsdruck an- (TWW), Fallstudie BAFU. gepasste Rassen einsetzen (Roux du Valais, Heidschnucken) Impressum
Gute Überwachung und Lenkung nötig Herausgeber Bundesamt für Umwelt (BAFU), CH-3003 Bern 30 Das BAFU ist ein Amt des Eidg. Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). AGRIDEA, CH-8315 Lindau und CH-1000 Lausanne 6 Wo? Rechtlicher Stellenwert
Wo schon seit vielen Jahren mit Schafen Diese Publikation ist eine Vollzugshilfe des BAFU als beweidet worden ist und sich ein arten- Aufsichtsbehörde und richtet sich primär an die Vollzugsreicher Bestand erhalten hat behörden. Sie konkretisiert unbestimmte Rechtsbegriffe von Gesetzen und Verordnungen und soll eine einheitliche Voll-
Wo keine Alternativen bestehen zugspraxis fördern. Berücksichtigen die Vollzugsbehörden diese (Mähnutzung, Beweidung mit Rindern) 31 Vollzugshilfen, so können sie davon ausgehen, dass sie das
Zur Offenhaltung von steilen (>60%), Bundesrecht rechtskonform vollziehen; andere Lösungen sind schlecht zugänglichen Standorten aber auch zulässig, sofern sie rechtskonform sind.
Eher auf flachgründigen, trockenen, Schafbeweidung unterlassen: Autorinnen schwachwüchsigen Steillagen - Auf kleinen Restflächen (31), Bö- Corina Schiess, AGRIDEA Lindau; Monika Martin, oekoskop, Basel schungen: Wenn möglich, wieder mä-
Wie? hen; ansonsten bei Flächen <50 Aren Konzept/Redaktion Corina Schiess, AGRIDEA Lindau
Extensive Beweidung: Niedriger Besatz, nur kurzes Abweiden, lange Pausen Mitarbeit und Beratung grosse Weidepausen (8-14 Wochen je - Wo eine Bewirtschaftung mit Rindern R. Benz, AGRIDEA Lausanne; A. Brülisauer, Fachstelle Naturnach Höhenlage); Verzicht auf jegliche oder Mahd möglich ist schutz SG; M. Dipner, oekoskop, Basel; R. Fivian, Caprovis; R. Düngung und Zufütterung - In wechselfeuchtem, coupiertem Gelän- Gilgen, FÖN; Ch. Hedinger, UNA; B. Krüsi, HSW; F. Obrist, Office
Früher erster Nutzungstermin (vor allem de de consultation agricole VS; P. Oser, Steg; A. Perrenoud, Le bei hohem Anteil schlecht verbissener - In niederschlagsreichen Gebieten Foyard; W. Schmid, PÖL; F. Stadler, Büro BSN, Reussbühl; J. Troxler, ACW; G. Volkart, atena; E. Wyss, Naturschutzinspektorat Gräser wie z.B. Fiederzwenke); je nach insbes. auf tiefergründigen Böden (z.B. Bern; Th. Walter, ART Höhenlage ab Ende April/ Mai; bei Or- Moränenböden) Begleitung BAFU chideen erst nach deren Blüte oder ab- - Auf artenreichen Fettwiesen mit Tro- Christine Gubser, Abteilung Artenmanagement wechselnd 1 mal früh 1 mal spät weiden ckenzeigern und Beständen mit Borst- Grafik/Gestaltung
Nicht tief abfressen lassen (20% Wei- gras Michael Knipfer, AGRIDEA Lindau dereste nach jedem Umtrieb und auf - Auf erosionsgefährdeten Standorten Bildnachweis den «beliebtesten» Teilflächen); sobald - Auf bewässerten Flächen: Mobilisierung A. Krebs, Agasul (7, 18b, 19, 23, 24); M. Martin, oekoskop, Schafe wieder ins «Abgefressene» ge- von Nährstoffen Basel (Titelseite, 6, 11); A. Perrenoud, Le Foyard, Bienne (3); C. hen, Weide wechseln! - Auf ehemalige Mähwiesen und Brach- Purro, atena, Fribourg (8, 9); C. Schibli, oekoskop, Basel (26,
Grosse Weideeinheiten vorziehen; wenn flächen: hier sorgfältige Abklärung 28); A. Rey, Zürich (20), C. Schiess, AGRIDEA Lindau (10, 13, 16, 22, 25, 31); J. Troxler, RAC (12); G. Volkart, atena, Fribourg möglich Trockenweide als Teil einer nötig; bei Vergrasung früh beweiden; grösseren Weide (Tränkestelle, Liege- Robustrassen einsetzen Bezug plätze ausserhalb) - Auf Waldlichtungen in stark bewaldeten BAFU, Dokumentation, CH-3003 Bern
Nur in sehr grossen Weideeinheiten Berggebieten (Raubtiere) Internet: www.umwelt-schweiz.ch/publikationen Standweiden Bestellnummer: UV-0814-D
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