Handbuch Moorschutz - Erfolgskontrolle
Erfolgskontrolle Contrôle des résultats Verifica dei risultati
FRIDLI MARTI
Erfolgskontrolle Moorschutz 6.1 Der Moorschutz ist das bisher grösste gesamtschweizerische Unterfan- ANSCHRIFfDES AUTORS gen im Natur- und Landschaftsschutz. Er basiert auf dem "Rothenthurmartikel" der Bundesverfassung. Die Erfolgskontrolle Moor- Fridli Marti schutz soll nun darüber informieren, ob der Verfassungsauftrag erfüllt quadraGmbH Beratungsgemeinschaft für wird und welche Gründe für allfällige Misserfolge verantwortlich sind. Naturschutz und Landwirtschaft Zugleich soll sie Hinweise über Verbesserungsmöglichkeiten in der Klosbachstr. 4 Umsetzung liefern und darüber Auskunft geben, ob die Moore und 8032 Zürich Moorlandschaften grundsätzlich bzw. mit den getroffenen Massnahmen erhalten werden können. Handbuch Die Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz dient vorrangig dem BU- Moorschutz in der Schweiz 1 WAL (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft) als Führungsin- strument zur Qualitätssicherung des Moorschutzes, wie er in der Verfassung und in den Gesetzen formuliert wurde. Es sollen also zu diesem Zweck gesamtschweizerisch gültige Aussagen zu Moorbiotopen (Hoch- und Flachmoore) sowie Moorlandschaften erarbeitet werden, wie sie die Bundesinventare vorsehen. Die Erfolgskontrolle Moorschutz wird so genau wie notwendig und in finanziell vertretbarem Rahmen durchgeführt. Sie dient der Praxis und orientiert sich an den Bedürfnissen der Akteure im Moorschutz. Sie soll daher keine Aufgaben der Grundlagenforschung wahrnehmen. Wesentlich ist, dass die Ergebnisse der Erfolgskontrolle wieder in die Arbeiten im Moorschutz einfliessen. Dies wird die Aufgabe einer angemessenen Berichterstattung sein.
I HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
FRIDLI MARTI
Konzept der Erfolgskontrolle im Moorschutz 6.1.1 1 IUNTERGRUND UND EINGLIEDERUNG
Erste Datenerhebungen zur Erfolgskontrolle Moorschutz sind bereits seit 1997 im Gange. Im Jahr 1998 erfolgt der Start der umfassenden Erhebungen. Anschliessend sind sowohl jährliche Auswertungen als auch umfassendere Zusammenstellungen alle fünf Jahre geplant (vgl. Ziffer 5). Der Datenschutz ist dabei auf jeden Fall gewährleistet. Auftraggeber der Erfolgskontrolle Moorschutz ist das BUWAL. Konzeption und Datenerhebung erfolgen zu einem grossen Teil durch beauftragte Beratungsbüros sowie durch die WSL (Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf). Konzeptionell richtet sich die Erfolgskontrolle Moorschutz nach den Empfehlungen der Konferenz der Beauftragten für Natur- und Landschaftsschutz (KBNL, 1997). Dementsprechend unterscheidet sich die Erfolgskontrolle Moorschutz auch klar von einer reinen Dauerbeobachtung. Die Ergebnisse dieser beiden Instrumente (Erfolgskontrolle und Dauerbeobachtung) können sich jedoch ergänzen und werden daher in der integrierenden Umweltberichterstattung kombiniert (vgl. Abb.1). Die Berichterstattung dient gleichzeitig auch als Verbindungsglied zu Erfolgskontrollen, welche zu anderen Bundesinventaren durchgeführt werden. Zudem werden verschiedene Synergien zwischen den einzelnen Projekten, etwa bezüglich Konzeption, Methodenwahl oder auch Datenerfassung, genutzt.
Abb. 1: Die Integrierende Umweltberichterstattung fasst die Ergebnisse aus Erfolgskontrolle und Dauer- • beobachtung zusammen und dient der Rückkoppelung.
I HAND BUCH MOOR· SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
In mehreren Kantonen sind ebenfalls Erfolgskontrollen zum Moorschutz geplant oder bereits im Gange. Soweit sinnvoll und machbar, sollten Synergien (gemeinsame Projekte oder Datentransfer) zwischen den Kantonen und der Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz genutzt werden. Die konzeptionelle Basis für die Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz stellen die Empfehlungen der KBNL (1997) dar. Danach werden die folgenden drei Dimensionen einer Erfolgskontrolle unterschieden:
Die Wirkungskontrolle beurteilt die Wirkung einer Massnahme auf Arten und Lebensräume. Die Wirksamkeit als Mass für den Erfolg ergibt sich etwa aus der Gegenüberstellung von angestrebter und erreichter Wirkung. Aufwendiger ist der Vergleich der erreichten Wirkung mit Referenzwerten.
Die Umsetzungs- und Verfahrenskontrol1e erlaubt, die Umsetzung einer Massnahme zu beurteilen. Damit kann kontrolliert werden, ob der eingeschlagene Weg die angestrebte Wirkung erzielt. Wesentlich für die Beurteilung sind die Effektivität des Umsetzungsprozesses (Soll-Ist-Vergleich i.S. "Was wurde erreicht?") sowie die Effizienz (Verhältnis Aufwand zu Ertrag i.S. "Welche Mittel wurden wozu eingesetzt?").
Die Zielkontrolle dient dazu, die Zweckmässigkeit und auch die Angemessenheit eines Vorhabens zu überprüfen. In erster Linie wer- Abb. 2: Konzeption und Durchden dabei die formulierten Ziele im Vergleich zu allenfalls geänderten führung der Erfolgskontrolle Moor- Vorgaben und Rahmenbedingungen beurteilt. schutz
Zweck Konzeption und Durchführung der Erfolgskontrolle Moorschutz gliedern Anstoss sich in folgende vier Phasen: t • FragesteUung Fragestellung Zu welchen Fragen soll die Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz Antworten liefern?
• Methoden und Organisation Welche Methoden sind für die Beantwortung welcher Fragen zu verwen- • Methoden Organisation den?, Wer übernimmt wann welche Aufgaben?
• Datenerfassung und -verwaltung Welche Daten werden wo erfasst und wie gespeichert? • Datenerfassung und -verwaltung
• Auswertung und Berichterstattung +- Auswertung In welcher Form werden die Ergebnisse der Erfolgskontrolle Moorschutz Berichterstattung Schweiz präsentiert?
6.1.1 2 FRAGESTELLUNG DER ERFOLGSKONTROLLE MOORSCHUTZ
Die Fragestellung der Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz umfasst sieben Hauptfragen:
1 In welchem Ausmass werden die Schutzziele (Erhaltung von
Moorbiotopen und Moorlandschaften) erreicht?
2 Wo und in welchen Belangen werden die Schutzziele (Wirkungs-
, Zweck Anstoss
Fragestellung
ziele ) nicht erreicht?
3 Stand der Umsetzung?
r-- + Umsetzung beim Bund (v. a. BUWAL)
•
4 Probleme bei der
Umsetzung?
--- , HAND Umsetzung in den Kantonen BUCH ter werden? SCHUTZ
1 In welchem Mass
+ IN DER SCHWEIZ
Schutzziele erreicht? L., Wirkung in den Mooren und Moorlandschaften ... 2 Schutzziele wo nicht erreicht?
7 Wie wirksam ist der Moorschutz samer werden?
Ausgehend von den sieben Hauptfragen sind für die Erfolgskontrolle Moorschutz eine ganze Reihe von Detailfragen formuliert worden.
Auswahl wichtiger Detailfragen der Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz:
Moorbiotope
Wie entwickeln sich die Flach- und Hochmoore gesamtschweizerisch in quantitativer Sicht? Wie ist der Trend der weiteren Entwicklung? Welche regionalen Besonderheiten können aufgezeigt werden?
Wie verläuft die qualitative Entwicklung der Flach- und Hochmoore gesamtschweizerisch? Wie ist der Trend der weiteren Entwicklung?
Wie verläuft die Entwicklung bezüglich Bauten und Anlagen in Flach- und Hochmooren gesamtschweizerisch?
Genügt die Beratung und Unterstützung des Bundes den Bedürfnissen der Kantone? Erfolgt sie kompetent und termingerecht?
Welche landwirtschaftliche Nutzung oder Pflegemassnahmen finden statt? Stimmen Sie mit der Nutzungs- und Schutzplanung überein?
Welches sind die häufigsten und welches die gravierendsten Eingriffe in Flach- und Hochmoore? Sind deren Verursacher direkt Betroffene (Landwirte) oder sonstige Nutzer?
Moorlandschaften
Ist das Festlegen der Schutzziele für die Moorlandschaft X durch den Kanton rechtmässig erfolgt? Wurden die allgemeinen Schutzziele aufgenommen und objektspezifische Ziele festgelegt? Sind diese verordnungskonform?
Wurde die Detail-Abgrenzung der Moorlandschaften korrekt vorgenommen? Welche Kriterien wurden verwendet? Sind massive Abweichungen gegenüber dem Bundesinventar vorhanden? Weshalb und wo?
Werden bzw. wurden in den Moorlandschaften keine neuen Bauten und Anlagen erstellt?
Bleiben die Moore in den Moorlandschaften erhalten? Wie verläuft die Entwicklung der Moore in den Moorlandschaften?
Bleiben die Vorkommen geschützter und gefährdeter Tierarten in den Moorlandschaften erhalten?
Werden die Moorlandschaften forstlich schutzzielkonform genutzt?
Bleiben die Kulturelemente, welche zur nationalen Bedeutung beitragen, in den Moorlandschaften erhalten?
3 ORGANISATION UND METHODEN
3.1 Organisation
Der interne Ablauf der Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz gliedert sich in vier Teil-Erfolgskontrollen, welche sich teilweise aus historischen, teilweise aus technischen und organisatorischen Gründen ergeben haben:
Wirkungskontrolle Moorlandschaften
Wirkungskontrolle Moorbiotope
6.1.1
Umsetzungs- und Verfahrenskontrolle Moorlandschaften Zweck
Umsetzungs- und Verfahrenskontrolle Moorbiotope Anstoss Diese Aufteilung ist nur auf der Ebene der eigentlichen Datenerhebung wesentlich; auf der Ebene der Berichterstattung (vgl. Ziffer 5) werden die Daten und Aussagen zusammengeführt. • Fragestellung
3.2 Methoden
• Methoden Organisation
Den verschiedenen Detailfragen entsprechend sind für die Erfolgs- + Datenerfassung und kontrolle Moorschutz mehrere methodische Ansätze und Vorgehens- -verwaltung weisen geplant. Zu jeder Detailfrage liegt ein Konzept vor, welches das Vorgehen eingehend darstellt. Drei methodische Ansätze sollen J hier beispielhaft vorgestellt werden. Auswertung Berichterstattung
Beispiel 1: Kontrolle der ungeschmälerten Erhaltung der Flach· und Hochmoore anband der Vegetation Eine Kontrolle der Vegetationsentwicklung soll folgende Detailfragen klären:
Wie entwickeln sich die Flach- und Hochmoore gesamtschweizerisch in quantitativer Sicht?
Wie verläuft die qualitative Entwicklung der Flach- und Hochmoore gesamtschweizerisch?
Wie ist der Trend der weiteren Entwicklung?
Um gesamtschweizerisch repräsentative Aussagen machen zu können, die zugleich für einzelne Naturräume sowie für bestimmte Höhenstufen aussagekräftig sind und trotzdem finanzierbar bleiben, wird mit einer stratifizierten Stichprobe gearbeitet. Die Grundgesamtheit besteht aus insgesamt 2'033 Quadratkilometern, innerhalb derer mindestens ein Moor-Teilobjekt von nationaler Bedeutung enthalten ist. Davon wird eine Stichprobe von ca. 100 Elementen (Quadratkilometer) gezogen. Die darin liegenden Objekte und Teilobjekte dienen als "Stichprobenmoore ". In diesen werden mit Hilfe von Luftbildern homogen erscheinende HAND , BUCH Moorflächen abgegrenzt und aufgrund ihrer Farbzusammensetzung MOOR- und -verteilung klassifiziert ("Einheitsflächen"). Von jeder Flächen- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ klasse wird anschliessend nur noch eine Auswahl von Flächen bearbeitet. In Feldarbeiten soll dann für diese ausgewählten Einheitsflächen eine annähernd vollständige Liste der darin vorkommenden Gefässpflanzen- und Moosarten erstellt werden. Die Deckung der Arten wird mit einer groben logarithmischen Skala geschätzt. Wesentlich für
die Erfolgskontrolle sind schliesslich die Auswertungen der Zeigerwerte, die insbesondere Aussagen zu Säuregrad und Nährstoffversorgung sowie der Bodenfeuchte erlauben. Durch die auf diese Art erhobenen Daten sind Aussagen zur Veränderung von Fläche und Qualität der Flach- und Hochmoore, bezogen auf die Erstaufnahme, möglich. Voraussichtlich werden die Aufnahmen alle 5 Jahre wiederholt.
Beispiel 2: Kontrolle der durch die Kantone erstellten Schutzpläne bei der Anhörung Verschiedene Detailfragen können bei der Anhörung geklärt werden. Dazu gehören etwa die Fragen:
Ist das Festlegen der Schutzziele für die Moorlandschaft X durch den Kanton rechtmässig erfolgt?
Wurden die allgemeinen Schutzziele aufgenommen und objektspezifische Ziele festgelegt?
Sind diese verordnungskonform?
Um die Beurteilung möglichst einfach, aber doch nachvollziehbar zu gestalten, steht eine Checkliste für die Anhörung zur Verfügung. Wesentliche Grundlagen für diese Checkliste sind die Bestimmungen in der Hochmoor-, Flachmoor- und Moorlandschaftsverordnung. Die Anhörung gemäss Art. 17 NHV (Verordnung über den Natur- und Heimatschutz) wird bereits seit Jahren durchgeführt. Dieses Verfahren wurde nun in die Erfolgskontrolle integriert, nachdem die Checkliste für die Beurteilung überarbeitet wurde. Die Anhörung gestattet jedoch keine repräsentativen Aussagen über alle Moorobjekte. Sie liefert lediglich Hinweise zum Stand der Umsetzung, erlaubt aber objektspezifische Vorschläge zur Optimierung der Schutzplanung.
Beispiel 3: Kontrolle allenfalls neu erstellter Bauten in Moorlandschaften Die Detailfrage "Werden bzw. wurden in den Moorlandschaften keine neuen Bauten und Anlagen erstellt?" geht einem zentralen Aspekt des Schutzes der Moorlandschaften nach. Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, wurde ein Vorgehen entwickelt, welches sich auf die Landeskarten (1:25'000) stützt. Diese werden alle 6 Jahre erneuert und erlauben damit einen Vergleich mit früheren Referenzjahren. Obwohl alle Moorlandschaften kontrolliert werden sollen (Vollerhebung), ist der Aufwand für diese Kontrolle verhältnismässig gering.
6.1.1
4 DATENERFASSUNG UND ·VERWALTUNG Zweck
Anstoss Das methodische Vorgehen ist in den Detailkonzepten eingehend beschrieben. Zudem liegt eine "Betriebsanleitung" vor, welche weite- . re, v.a. organisatorische Fragen klärt. Mit diesen Unterlagen ist die Fragestellung Datenerfassung im wesentlichen vorstrukturiert. Im Rahmen der Feldarbeiten werden auch Qualitätskontrollen durchgeführt, welche . Methoden eine gleichbleibend hohe Qualität der Daten sicherstellen sollen. Organisation Eine Zusammenarbeit mit einzelnen Projekten zur Erfolgskontrolle, welche von den Kantonen durchgeführt werden, wird angestrebt, . Datenerfassung und soweit dies sinnvoll und möglich ist. -verwaltung Die Datenverwaltung läuft in mehreren Stufen ab: In einem ersten Schritt werden die (Roh-)Daten zu jeder Detailfrage durch die jeweils Verantwortlichen dezentral aufgearbeitet. Anschliessend werden die Daten in einem definierten Format an eine zentrale Datenbank gelie- • Auswertung Berichterstattung
fert. Diese dient der langfristigen Ablage sowie übergreifenden Auswertungen. Alle durch die Erfolgskontrolle erhobenen Daten werden in einem detaillierten Datenkatalog (Meta-Datenbank) beschrieben. Darin sind beispielsweise Angaben zur Erhebungsmethodik, zu Fehlerquellen und Genauigkeit, zur räumlichen Abdeckung enthalten. Eine solche Dokumentation sichert die Verwendbarkeit für zukünftige Auswertungen.
5 AUSWERTUNG UND BERICHTERSTATTUNG Zweck
Anstoss Die gesammelten Daten und die Resultate, die sich aus der Erfolgskontrolle Moorschutz ergeben, müssen einerseits wieder in die techni- . sche und administrative Arbeit im Moorschutz Eingang finden, ande- Fragestellung rerseits zur Information der Öffentlichkeit dienen. Gelingt dies nicht, dann fehlt die Legitimation für den geleisteten Aufwand. . Die Berichterstattung soll die Ergebnisse aus der Erfolgskontrolle Methoden Organisation Moorschutz aufarbeiten und zusammenstellen. Sie hilft, erfolgreiche HAND Vorgehensweisen, aber auch mögliche Fehlerquellen und Stolperstei- . Datenerfassung und BUCH MOOR· ne bekannt zu machen. Sie ist damit ein wesentlicher Bestandteil der SCHUTZ -verwaltung IN DER SCHWEIZ Qualitätskontrolle und -sicherung. + Auswertung Berichterstattung
Eine zweckmässige Berichterstattung soll diese Rückkoppelung gewährleisten. Dabei sind mehrere Ebenen bzw. Produktegruppen zu unterscheiden, welche sich an unterschiedliche Adressaten richten (v gl. Abb. 4): Abb. 4: Die vier Produktegruppen Gezielte Informationen ,----.. für Entscheidungsträger der Berichterstattung:
Information der Entscheidungsträger
Information der Öffentlichkeit Allgemeine Information - Partnerschaftsprojekte Erfolgs- -.. der Öffentlichkeit - Administration Natur und Land- (Stand der Dinge) schaft kontrolle Berichterstattung Moorschutz Schweiz Auswertung mit Partnern -.. zu themenübergreifenden Fragen für die Praxis
Angaben zu Administration ~ und Projektabwicklung (Optimierung/Korrektur)
Die Berichterstattung wird sich ganz unterschiedlicher Medien und Kommunikationswege bedienen. Beispiele sind etwa:
Kurzer Jahresbericht zum Stand der Umsetzung des Moorschutzes in Form einer Übersicht der Ergebnisse der Hauptfragen 3, 4 und 6 (vgl. Ziffer 2).
Fallweise Gespräche mit einzelnen Kantonen über die Optimierung der Schutzplanung eines Objektes aufgrund der Erkenntnisse der Anhörung.
Zusammenstellung von Erfahrungen mit Pufferzonen aufgrund der Erkenntnisse aus der Erfolgskontrolle.
Umfassender Katalog der Daten aus der Kontrolle der Stichprobenmoore (Wirkungskontrolle Moorbiotope ).
Die Berichterstattung wird neben Produkten, die nur das Thema Moorschutz betreffen, auch übergreifende Darstellungen zum Naturschutz liefern. Diese werden in Zusammenarbeit mit den weiteren Erfolgskontrollen des BUWAL bearbeitet.
6.1.1 LITERATUR ANSCHRIFT DES AUTORS
KBNL (Konferenz der Beauftragten Friclli Marti für Natur- und Landschafts chutz) quadra GmbH (1997,): r(olgskonlTolle von Mas - Bera tung gemeinscbaft für nahru.en im Natur- und Landscbafls- Naturschulz und Landwirtschaft chutz: Empfehlungen zur Begriff - Klosbachstr. 4 bildung. Er LeBt von R. Maurer und 8032 Zürich F. Marti , 24 S. Erhältlicb beim Baudepartement des Kantons Aargau, Abteilwlg Handbuch Landschaft LInd Gewässer, Mtillle- Mool'schutz matt tr. 54,5001 Aarau, in der Schweiz 1 Tel. 062 835 34 54, Fax. 062835 459 1/1997
I HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
ANDREAS GRÜNIG
Wirkungskontrolle Moorbiotope 6.1.2 1 EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG
Zentrale Aufgabe von Wirkungskontrollen im Naturschutz ist das rechtzeitige Erkennen von Veränderungen in Raum und Zeit. Insbesondere in Gebieten von hohem Naturschutzwert ist es entscheidend, unerwünschte Entwicklungen so früh wie möglich zu erkennen. Aber auch aus finanziellen und politischen Überlegungen ist es wichtig, dass gerade umfangreiche und kostspielige Naturschutzprogramme möglichst bald nach der Installation hinsichtlich ihrer Wirkung in der Natur überprüft werden.
Grundsätzlich sollten Wirkungskontrollen auch em Instrument zur Beobachtung von eher diffusen Prozessen und langsamen Entwicklun- Voraussetzung für die Gewingen sein. Sie sind deshalb so zu konzipieren, dass auch geringe Verän- nung einer einwandfreien Rohdatenbasis ist ein sauber derungen möglichst zuverlässig entdeckt werden. In der Regel sind erarbeiteter Versuchs- bzw. derartige Vorhaben jedoch besonders anspruchsvoll, so dass Präzision Beobachtungsplan mit und Aufwand sehr sorgfältig gegeneinander abzuwägen sind, um lang- • klar definierter Grundgesamtheit, fristig ihre Durchführbarkeit nicht zu kompromittieren.
hinreichendem Stichprobenumfang, Konzeptionell ist die "Wirkungskontrolle Moorbiotope" ein Modul • sinnvollen Stratifikationsdes Projektes "Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz" (vgl. Band 1, kriterien,
korrekt gezogener Stich- Beitrag 6.1.1; WALDIS, 1998; MARTI / WALDIS, 1998), welches sich probe, an die Empfehlungen der KBNL bzw. MAURER / MARTI (1997) • aussagekräftigen Indikaanlehnt. Kurzfristig, d.h. bis zum Ende der ersten Projektphase im toren,
konsistenten Erhebungs- Jahre 2001, muss die Wirkungskontrolle hinreichend genaue Angaben methoden. über die tatsächlichen Flächenverhältnisse und den aktuellen Zustand der zu schützenden Hoch- und Flachmoore liefern. Mittel- bis langfristig soll das Modul die Frage beantworten, ob die Moore von nationaler Bedeutung sowohl in quantitativer (flächenmässiger) als auch qualitativer (stand örtlicher) Hinsicht ungeschmälert erhalten bleiben. Die raum- und zeitbezogenen Aussagen sollen für die Schweiz und ihre wichtigsten Naturräume, für grosse, mittlere und kleine Moorflächen, für drei Höhenstufen und den Hochmoor- und Flachmoorbestand sowie für jedes einzelne untersuchte Moorobjekt repräsentativ sein. I HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Wäh re nd des ganzen Projektes wird speziell darau f geachtet, dass die Ergebnisse und Erke nntnisse aus de r Wirkungskonlrolle möglichst bald wieder in die Vollzugsa rbeiten zurückni essen. Dafür ist das Modul "Berichterstattung" (vgl. Band 'I, Beitrag 6.1.5) vorgesehen, für welches die Wirkungskontrolle die objektiven, wissenschaftlich einwandfreie n Daten bereitstellen soll. Gestützt da rauf kann be urteilt werden, ob uneVoder inwieweit mit den e rgriffenen Massnahme n und de n eingesetzten Milleln die vorgegebenen Schutzziele erreicht worde n sind.
Eine Absti mmung mit kantonale n Wirkungskonlrollen wi rd angestrebt, sei es auf konzeptione\lcr Ebene in Form von gemeinsamen .. . Projekten ode r loka len Verdichtungen des Stichprobennetzes, sei es auf tec1misch-methodischer Ebe ne in Form von Date ntransfers und logistischer UnlersHitzung. Synergie n zwische n den verschiede nen Projekten we rden gesucht und genutzt.
6.1.2 2 UNTERSUCHUNGSKONZEPT
Die Datenerhebung der "Wirkungskontrolle Moorbiotope" beruht auf einer stratifizierten Zufallsstichprobe, da es zu aufwendig wäre, die quantitative (flächenmässige) und qualitative (vegetationskundliche bzw. standärtliche) Entwicklung der Moore von nationaler Bedeutung mit einer Voller hebung zu beobachten. Zur Optimierung der Organisations- und Wegekosten wird zudem eine leichte geographische Klumpung der Untersuchungsflächen angestrebt. Um den langfristigen Perspektiven des Projektes zu genügen, sollen keine interpretierte oder hergeleitete Daten erzeugt, sondern wohldefinierte und gut reproduzierbare Rohdaten erhoben werden.
Mit der Ersterhebung soll der Ausgangszustand der Moore nachvollziehbar sowie quantitativ und qualitativ hinreichend genau beschrieben werden. Damit wird die Basis gelegt für Folgeerhebungen, mit denen sich allfällige Veränderungen in den geschützten Gebieten rechtzeitig und einwandfrei nachweisen lassen. Die Folgeerhebungen werden grundsätzlich als verbundene Beobachtungen im Abstand von jeweils 4 bis 5 (evtl. 10) Jahren in den gleichen Mooren bzw. Untersuchungsflächen wie bei der Ersterhebung gemacht. Bei den Folgeerhebungen wird jeweils ein Teil (10-12%) der ursprünglichen Stichprobenelemente durch neu auszuwählende ersetzt (sampling with partial replacement) .
Schliesslich sollen zusätzlich zur Stichprobe einige wenige Referenzmoore besonders intensiv beobachtet und/oder in Form von Fallstudien untersucht werden. Mit Entwicklungs- und Prognosemodellen über die Veränderungen in den Referenzmooren liesse sich der Informationsgehalt des Projektes "Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz" wesentlich erweitern.
2.1 Definition von Grundgesamtheit, Stichprobenumfang und
Stichprobenelement HAND , BUCH MOOR- SCHUTZ Zur Ermittlung der Grundgesamtheit wurde von jedem der national IN DER SCHWEIZ bedeutenden und digital erfassten 500 Hochmoorobjekte und der etwa 3'300 Flachmoor-Teilobjekte der Schwerpunkt (bzw. der Ankerpunkt) im Geographischen Informationssystem ArcInfo ermittelt und mit dem N-S-ausgerichteten Landeskoordinatennetz von 1 km x 1 km Maschenweite verschnitten (vgl. Abb. 1). Es resultierte eine Grundge-
samtheit von 2'033 km2-Flächen, die jeweils mindestens 1 Hochmoor- oder Flachmoor-Teilobjekt von nationaler Bedeutung enthielten. Dieses Vorgehen bewirkte die erwünschte Klumpung der Untersuchungsflächen.
Zu einem Stichprobenelement (vgl. Abb. 2) gehören diejenigen Teilobjekte, deren Ankerpunkt innerhalb der 1 km x 1 km-Grenzlinien lie-
Abb. 1: Lokalisierung der 103 Stichprobenelemente der stratifizierten Stichprobe "Wirkungskontrolle Moorbiotope" .
.' . .-
Abb.2: Strukturierung eines Stichprobenelementes (Moorflächen). Die zu untersuchenden Teilobjekte sind grau dargestellt. + Zentrumskoordinate des Stichprobenelementes Grenzlinien des 1 km x 1 km messenden Stichprobenelementes • Ankerpunkt eines Teilobjektes.
6.1.2 gen. Die Teilobjekte werden als Ganzes untersucht, auch wenn ihre Flächen über die Grenzlinien des Stichprobenelementes hinausreichen. Nicht erhoben werden diejenigen Teilobjekte, deren Flächen wohl ins Stichprobenelement hereinragen, deren Ankerpunkt sich jedoch aus se rh alb der Grenzlinien des Stichprobenelementes befindet (vg1. Abb. 2). Teilobjekte von regionaler oder lokaler Bedeutung werden ebenfalls nicht untersucht.
2.2 Beobachtungs- und Stichprobenp1an
Mit einer stratifizierten Stich- Aufgrund des relativ engen finanziellen Spielraumes musste der Stich- probe, bei der verschiedene Kriterien und Gewichtungen in probenumfang auf etwa 100 Stichprobenelemente von 1 km x 1 km die Zufallsauswahl einfliessen, Grösse beschränkt werden. Bei dieser Anzahl hätte eine reine Zufalls- wird erreicht, dass die Stichstichprobe die Forderung nach zumindest gesamtschweizerisch reprä- probe die geforderten repräsentativen Ergebnisse und die sentativen Aussagen nicht erfüllt, da die Moorgebiete sehr ungleichzumindest landesweit gültigen mässig über das Land verbreitet sind und beispielsweise bezüglich Aussagen zu liefern vermag. Flächengrösse eine sehr schiefe Verteilung aufweisen. Deshalb wurde Es ist vorgesehen, bei allen die 2'033 Elemente zählende Grundgesamtheit nach den Kriterien Folgeerhebungen systematisch einen Teil der Stichproben- Naturraum, Höhenstufe, Flächengrösse der nationalen Moorobjekte elemente auszutauschen. Dies bzw. -teilobjekte und Moortyp stratifiziert. Es resultierte eine reprä- erlaubt es, einen allfälligen sentative, stratifizierte Stichprobe mit 103 Stichprobenelementen "Erfolgskon trolle-Effekt" (z.B. infolge der bevorzugten (Geländeausschnitte von 1 km x 1 km; vg1. Abb.1), in denen die Behandlung der einzelnen Ankerpunkte von insgesamt 336 Teilobjekten liegen. Davon sind 91 Stichprobenelemente durch die Hochmoor- und 245 Flachmoor-Teilobjekte, die zu 66 Hochmoor- bzw. Vollzugsbehörden), der langfristig die Repräsentativität der 127 Flachmoorobjekten gehören. Stichprobe in Frage stellen könnte, abzuschätzen und die notwendigen Präventionsmass- 2.3 Wahl der Indikatoren und Verfahren nahmen zu ergreifen.
Zur quantitativen und qualitativen Beobachtung und Beschreibung von Zustand und Entwicklung der Moorbiotope und ihres Umfeldes in Raum und Zeit wurden verschiedene Indikatoren und Verfahren geprüft (GRÜNIG et a1., 1996). Die überzeugendsten Resultate erbrachte die sog. luftbildgestützte Einheitsflächenkartierung, bei der im HAND , BUCH Rahmen der Ersterhebung sowohl geometrische Daten (ab Luftbild) MOOR· SCHUTZ als auch vegetationskundliehe Rohdaten (im Feld) erhoben werden. IN DER SCHWEIZ Die Methode erlaubt es, die Moorbiotope mitsamt ihrem jeweiligen Umfeld sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht gut reproduzierbar und situationsgerecht zu beschreiben.
.. • l
Die "Wirkungskontrolle Moorbiotope" stützt sich hauptsächlich auf folgende Indikatoren: Bei der Ziehung der Stichpro-
Fläche der Moorbiotope bzw. der Einheitsflächen; beelemente wurden
moorarme Naturräume ver-
Zustand und Entwicklung der Vegetation bzw. Struktur und Zu- hältnismässig stärker berücksammensetzung des Pflanzenbestandes; sichtigt als moorreiche;
Zustand und Entwicklung von Bauten und Anlagen; • hohe und tiefe Lagen gegenüber den moorreicheren
Zustand und Entwicklung von Eingriffen und Beeinträchtigungen. mittleren bevorzugt;
Untersuchungsflächen mit Ausschlaggebend für die Wahl der Verfahren und Indikatoren waren hohem Mooranteil förderlicher folgende Erkenntnisse: behandelt als solche mit niedrigem;
Die verschiedenen Arten eines Pflanzenbestandes reagieren sehr • die Hochmoore stärker individuell auf die jeweiligen Standortsveränderungen. Die Vegetation gewichtet als die zahlreicheren bzw. die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes eines Moores wie- und flächenmässig weit grösseren Flachmoore. derspiegelt daher in der Regel verlässlich die vorherrschenden Standortsverhältnisse.
Traditionelle Vegetationskartierungen mit einem Kennartenschlüssel liefern häufig nicht reproduzierbare oder zu wenig informative Ergebnisse (vgl. SAILER / SCHMID, 1995; KELLER, 1992), da z.B. der eigentliche Interpretationsvorgang - die sog. "Vegetationsansprache" - mit einer unkontrollierten Datenreduktion einhergeht. Ähnliches gilt für Erhebungen mit einigen wenigen Indikatorarten.
Für die Wirkungskontrolle, insbesondere für die qualitative Moorbeschreibung, ist die alleinige Gewinnung von interpretierten Befunden im Felde kaum zielführend. Wenn immer möglich sind Rohdaten beizubringen. Die Interpretation und Reduktion der Daten sollte in jedem Fall einer speziellen Auswertung vorbehalten bleiben.
In wohldefinierten Einheitsflächen lassen sich mit vertretbarem Aufwand angenähert vollständige Vegetationsaufnahmen bzw. Listen von Blütenpflanzen und Moosen erheben. Es resultieren Rohdaten, die sich sehr flexibel und bedürfnisgerecht auswerten lassen.
Bei grösseren Moorgebieten mit mehr als 200 Einheitsflächen ist eine qualitative Vollerhebung zu aufwendig. In derartigen Fällen erfolgt die Wahl der einzelnen Erhebungsflächen am besten luftbildgestüzt.
• Luftbilder sind (ziemlich) objektive Abbildungen eines Ausschnittes der Erdoberfläche zum Zeitpunkt der Aufnahme. Im Gegensatz zur Darstellung in einer Karte liegt die geometrische Information im Luftbild in roher Form vor und kann mit geeigneten Mitteln routinemässig ausgewertet werden.
6.1.2 3 VORGEHEN
3.1 Quantitative Entwicklung der Moorflächen
Bei der Beobachtung der quantitativen Entwicklung der Moorbiotopfläche müssen Perimeterveränderungen sicher erkannt werden. Dies setzt voraus, dass anlässlich der Ersterhebung die für die Wirkungskontrolle massgeblichen Perimeter der Moorbiotope in jedem Stichprobenelement hinreichend genau bzw. mit bekanntem Fehler festgelegt werden. Dazu werden die Moorbiotope unter dem Stereoskop auf grossmassstäbigen (= Massstab um 1:10'000 oder grösser) Falschfarben-Infrarot-Luftbildern abgegrenzt. Diese Grenzlinien werden anschliessend im Felde hinsichtlich Plausibilität und Lagerichtigkeit überprüft und nötigenfalls korrigiert. Gleichzeitig werden Bauten und Anlagen sowie eine vereinfachte Situation (Gewässer, Strassen, Drainagegräben, etc.) fotogrammetrisch erfasst.
3.2 Beschreibung des qualitativen Zustandes der Moorbiotope
Für die Beschreibung des qualitativen Zustandes der Moorbiotope werden, ähnlich wie beim Festlegen der Moorbiotopfläche bzw. -perimeter, auf dem Luftbild sogenannte Einheitsflächen ausgeschieden, die bezüglich Farbe, Struktur und Textur möglichst homogen sind (vgl. Abb. 3). In der Natur umfasst eine Einheitsfläche in der Regel ein paar hundert bis ein paar tausend Quadratmeter. Bei grösseren Mooren wird die Zahl der zu untersuchenden Einheitsflächen mit Verfahren der Bildverarbeitung und der Statistik auf ein bewältigbares, aber immer noch repräsentatives Ausmass von etwa 100 bis 200 Flächen reduziert. Es resultieren Kartiergrundlagen in Form eines Orthofotoplanes mit numerierten und zur Erhebung ausgewählten Einheitsflächen (v gl. Abb. 3). Bei kleinen Mooren mit weniger als 100 Einheitsflächen ist in der Regel eine Voller hebung angezeigt. HAND , BUCH Die Feldarbeit besteht im wesentlichen darin, von allen zu untersu- MOOR- SCHUTZ chenden Einheitsflächen Vegetationsaufnahmen zu machen. Während IN DER SCHWEIZ maximal einer halben Stunde werden von jeder Untersuchungsfläche eine angenähert vollständige Artenliste erstellt und die Deckungsanteile der Gefässpflanzen- und Moosarten mit einer logarithmischen Skala geschätzt. Zusätzlich werden 7 Strukturmerkmale, wie Z.B. die Gesamtdeckungsgrade der Torfmoose, der Zwergsträucher oder der
Nekromasse (= Streue) in einer %-Skala notiert (vgl. Erhebungsfor- Übersichten mular im Anhang). Zur Schätzung des Bearbeitergradienten und zur Sicherung der Datenqualität wird eine spezielle Kontrollequipe eingesetzt.
Abb. 3: Ausschnitt aus dem falsch- Tourbieres de la Chaux d' Abel farbigen Orthofotoplan des Stich- SP 14/Kartierung 1999 probenelementes Nr. 14 (Tourbiere Kartiererin: de la Chaux d'Abel, BE).
D Perimeter der für die vegetationskundliche Felderhebung ausgewählten Einheitsflächen
Perimeter der nicht gewählten Einheitsflächen
Umgebungsflächen zur Beschreibung des Moorumfeldes
637 Flächen
186 Selektierte Flächen
32 Umgebungsflächen
Blatt 6/11
© Landestop 1KSL 1 Orthobildherstellung
6.1.2
HAND , BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
.. • 1
4 RESULTATE UND AUSSAGEN
4.1 Zustandsbeschreibung
Die im Rahmen der Ersterhebung der "Wirkungskontrolle Moorbiotope" erhobenen Rohdaten (z.B. Vegetations erhebungen, photogrammetrische Luftbildauswertungen) werden zunächst für jede im Feld erfasste Einheitsfläche systematisch ausgewertet. Mit Hilfe von Bildverarbeitungsmethoden können diese Ergebnisse auf die übrigen, nicht im Feld dokumentierten Flächen übertragen werden. Das Produkt wird mit den Unterlagen der Kantone und weiteren Datenquellen (z.B. Zeigerwerttabellen, Vegetationsdatenbanken, Artenlisten, Ergebnissen der "Erfolgskontrolle Moorlandschaften" , etc.) kombiniert und kartographisch dargestellt. Mittels GIS ist es u.a. möglich, Flächenbilanzen und Grenzlinienlängen zu berechnen oder räumliche Überlagerungen verschiedener Variablen zu analysieren. So kann man z.B. für jede untersuchte Einheitsfläche, für jedes (Teil-) Objekt oder für jedes Stichprobenelement:
Aussagen zum Artenbestand, zum Vegetationstyp oder zur Vegetationsstruktur machen,
die Standortsbedingungen mittels Zeigerwertanalysen beschreiben und entsprechende Karten produzieren (vgl. Abb. 4);
neue Zeigerwerte zu beliebigen interessierenden Fragen und zu Faktorenkomplexen erzeugen, wie Z.B. Beweidungszeigerwerte, einen Verheidungsindex oder einen Index für Hochmoorzugehörigkeit.
Da das System auf Offenheit angelegt ist, können problemlos weitere Variablen wie Z.B. der Verbuschungs- und Bewaldungsgrad aber auch Eingriffe oder Angaben zur Flächennutzung dargestellt werden, falls diese sich den abgegrenzten Einheitsflächen zuordnen lassen. Zudem lässt sich für jede vegetationskundlich dokumentierte Einheitsfläche durch die Berechnung von Artpotentialen aufgrund der floristischen Ähnlichkeit die Wahrscheinlichkeit schätzen, ob eine bestimmte Art vorkommt. Die bisherigen Auswertungen und Erfahrungen im Feld zeigen, dass Darstellungen von Vorkommenspotentialen (KÜCHLER, 1996) das Aufsuchen von bestimmten kleinen oder sonstwie schwer zu erkennenden Arten sehr erleichtern. Dies ist z.B. für die Überwachung von Arten der Roten Listen besonders interessant.
6.1.2 Tourbieres de la Chaux d'Abel; Saint-Imier (BE), Sonvillier (BE) Valeur de reaction selon Landolt I Küchler
"
1 :5000
: 1.2 ·1 .6 . 2.0.2.4
s....!dos.-.u. ....... r. <KI/"'."" •
, ---
Aufgrund der Ersterhebung 1997 - 2001 könnten landesweit gültige Abb. 4: Hergeleitete mittlere Aussagen etwa folgendermassen lauten: Reaktionszahl der untersuchten Einheitsflächen des Stichprobenele-
In 7'670 oder 53 % von total 14'553 untersuchten Einheitsflächen mentes Nr. 14 (Tourbiere de la wurde kein einziger Busch registriert, 2'630 oder 19 % aller Flächen Chaux d' Abel, BE). waren leicht verbuscht, 2'072 Flächen (= 14 %) wiesen einen mittleren Verbuschungsgrad auf und 1'931 Flächen (= 13 %) waren von Büschen dominiert.
Die Analyse sämtlicher 336 Teilobjekte der Stichprobe ergab, dass insgesamt 100 Teilobjekte Drainagegräben mit einer Gesamtlänge von 100 km aufweisen. Bei einer beobachteten Gesamtftäche von 300 ha I ergibt dies eine durchschnittliche Grabendichte von 333 Laufmeter HAND BUCH pro ha Moorbiotop. MOOR· SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Dank der stratifizierten Stichprobenerhebung sollten grundsätzlich auch für die verschiedenen Straten (Naturraum, Höhenstufe, Moortyp, etc.) ähnliche Aussagen möglich sein, allerdings mit reduzierter Präzision.
4.2 Erfassung von Veränderungen I Zeitvergleiche
Das Luftbild ist ein Zeitdoku- Bei Folgeerhebungen kann die teure Feldarbeit effizienter gestaltet ment, das bei neu auftauchenden Fragestellungen wieder werden, indem sich allfällige Veränderungen der Moorbiotope auffrisch interpretiert werden grund eines systematischen Vergleichs alter und neuer Luftbilder kann. Dies ermöglicht es beierkennen und genau lokalisieren lassen. Dazu müssen die ursprüngli- spielsweise bei allfällig auftretenden Zweifeln an der Richtigchen Delinierungen georeferenziert und lagegenau auf das neue Luftkeit einer Grenzlinie, die bild projiziert werden. Hat sich seit der Ersterhebung Lage, Form ursprüngliche Delineation und/oder Grösse (und evtl. der Inhalt) des Moorperimeters oder ver- jederzeit zu überprüfen und schiedener Einheitsflächen verändert, so wird dies mittels GIS direkt gegebenenfalls eine sachgerechtere Grenzlinie zu ziehen. sichtbar und auf Orthofotoplänen verfügbar gemacht. Damit können im Feld die speziell interessierenden (veränderten) Flächen gezielt aufgesucht und die auf dem Luftbild festgestellten Veränderungen rasch verifiziert werden. Alle Veränderungen (auch qualitative) können im Zeitverlauf via Flächenbilanzen quantifiziert werden.
Beispiele für mögliche Aussagen sind etwa:
Bei 10 von insgesamt 336 untersuchten Teilobjekten (= ca. 3%) hat die Moorbiotopfläche eindeutig (d. h. unter Berücksichtigung der Toleranzwerte) abgenommen, während sie bei zwei Teilobjekten grösser geworden ist. Bei den übrigen 324 Teilobjekten (= ca. 96% der Fälle) konnte keine Flächenveränderung festgestellt werden.
In 199 (= ca. 2,5%) von 8'056 untersuchten moortypischen Einheitsflächen hat der Zeigerwert Nährstoffzahl eindeutig (d.h. unter Berücksichtigung der Toleranzwerte ) zugenommen. Die Flächen sind offenbar eutropher geworden.
Auf 279 (= ca. 8 %) von insgesamt 3'415 vergleichend untersuchten Einheitsflächen der Voralpenrnoore hat die Verbuschung eindeutig zugenommen, während im Mittelland auf 51 (= ca. 2,5%) von 2'105 untersuchten moortypischen Einheitsflächen die Büsche abgenommen haben.
6.1.2
4.3 Monitoringeffekte
Die Einheitsflächenkartierung Monitoringeffekte sind unbeabsichtigte und unerwünschte Verände- ist moorschonend. Monitoring- Effekte werden weitgehend verrungen des Untersuchungsgegenstandes, die direkt oder indirekt auf mieden, da: Überwachungs-und/oder Untersuchungsaktivitäten wie z.B. Wir- • Installationen (z.B. Markiekungskontrollen zurückzuführen sind (vgl. z.B. LINDSAY / ROSS, rungen) im Schutzobjekt entfallen; 1994). Die Belastung der zu untersuchenden Gebiete und Flächen ist • die Trittbelastung relativ beim Einsatz der Einheitsflächenkartierung relativ gering. Dies dürfte gering ist, weil die zu erhebenim Hinblick auf die Akzeptanz der Wirkungskontrolle bei Grund- den Einheitsflächen pro Erheeigentümern, bei Bewirtschaftern und in Jägerkreisen, aber auch bei bungsdurchgang nur einmal aufgesucht werden; Naturschützern eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. • nicht alle Einheitsflächen eines Stichprobenmoors begangen und erhoben werden müssen, da sich Befunde (mit bekanntem Fehler) aus untersuchten Einheitsflächen luft-
5 ORGANISATION bildgestützt auf andere, nicht im
Feld erhobene Einheitsflächen übertragen lassen.
5.1 Zeitplan
Für die Durchführung der Ersterhebung der "Wirkungskontrolle Moorbiotope" ist die WSL zuständig. Für gewisse Aufgaben, wie Z.B. Qualitätskontrollen oder Teile der Felderhebungen, werden externe Auftragnehmer beigezogen. Erste Feldaufnahmen für die "Wirkungskontrolle Moorbiotope" sind in einer Pilotphase bereits im Jahr 1997 gemacht worden. Seit Sommer 1998 läuft die "Wirkungskontrolle Moorbiotope" routinemässig. Die Ersterhebung in den insgesamt 103 Stichproben - Quadratkilometern soll im Jahre 2001 abgeschlossen werden. Die ersten Folgeaufnahmen werden voraussichtlich in der Periode 2002 bis 2006 durchgeführt. Erste Zeitvergleiche und Aussagen zur quantitativen und qualitativen Entwicklung der Moorgebiete sind somit ab dem Jahre 2002 zu erwarten. Periodisch wird ein definierter Datensatz der Betriebseinheit Bericht- I erstattung zur Verfügung gestellt, welche für die projektübergreifende HAND BUCH Kommunikation zuständig ist. MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
5.2 Dokumentation
Die einzelnen Arbeitsschritte des Moduls "Wirkungskontrolle Moorbiotope" sind in einem laufend aktualisierten Betriebshandbuch doku-
. 1
mentiert. Das Datenmanagement ist noch im Aufbau begriffen und soll bis Ende 2001 abgeschlossen sein. Schwerpunkt ist dabei die Prozessabbildung, d.h. eine hinreichende Abbildung der Datenerzeugung in der Datenbank. Dies geschieht in enger Absprache und Zusammenarbeit mit dem Datenzentrum Natur und Landschaft (DNL) an der WSL in Birmensdorf. Im Hinblick auf die langfristige Verwendbarkeit der Daten wird besonderes Gewicht auf eine vollständige Dokumentation der Datenerzeugung sowie auf eine nachvollziehbare und klar gegliederte Beschreibung und Definition aller Datensätze in Form einer Metadatenbank gelegt.
5.3 Weiterverwendung der Daten
Die vielfältigen Auswertungsmäglichkeiten erlauben, die Daten auch bei Vorhaben anderer Verwaltungs einheiten (Bund, Kantone, Gemeinden) oder weiterer Interessierter (z.B. Grundeigentümer, Touristiker, Naturschützer) zu verwenden. Dadurch lassen sich kostspielige Doppelspurigkeiten vermeiden und die Belastung der untersuchten Moore reduzieren. Die Flexibilität der Methode gegenüber unterschiedlichen Fragestellungen ist vor allem auch deshalb bedeutsam, weil heute noch nicht abzuschätzen ist, mit welchen Problemen der Moorschutz in 30 oder 50 Jahren konfrontiert sein wird bzw. welche häher aggregierten Datensätze dannzumal für Zeitreihenanalysen zur Verfügung stehen sollten.
6.1.2 LITERATUR SAILER, U. I SCHMID, W. (1995): ANSCHRIFT DES AUTORS Wirkungskontrolle Vertragswiesen in der Landwirtschaft. Kontroll- GRÜNIG, A.I MARTI, K.I WAL- programm Natur 2001. Bericht im Andreas Grünig DIS, R (Red; 1996): Erfolgskon- Auftrag der Abt. Landschaft und FAL trolle Moorbiotopschutz Schweiz. Gewässer des Baudepartementes Reckenholz Teil Wirkungskontrolle. Interner des Kantons Aargau, 40 S. (unver- 8046 Zürich technischer Schlussbericht zum öff.). Pilotprojekt "Methodentests 1994-95". Koordinationsstelle WALDIS, R (1998): Hat der Moor- Handbuch Moorschutz, Bundesamt für schutz seine Pflicht getan? Elf Jahre Moorschutz Umwelt, Wald und Landschaft nach Rothenthurm nimmt die in der Schweiz 1 (BUWAL), Bern, 256 S. (unveröff.). Erfolgskontrolle im Moor- und 1/1998 Moorlandschaftsschutz Gestalt an. KELLER, W. (1992): Aspektwan- Umweltschutz, 4/98: 8-12. del und Differentialartenkartierung. Schweiz. Z. Forstwes., 143: 58-66.
KÜCHLER, M. (1996): Interdisziplinäres Forschungsprojekt Ibergeregg: Freilandvegetation. Ber. Schwyz. Natf. Ges. 11: 65-76.
LINDSAY, RI ROSS, S. (1994): Monitoring of Peat Bog Systems. In: Aubrecht, G., I Dick, G.I Prentice, C. (Red.): Monitoring of Ecological Change in Wetlands of Middle Europe. Proceedings of an International Workshop in Linz, Austria, October 1993. Stapfia 31: 73-92.
MARTI, F. / WALDIS, R (1998): Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz: Konzept und Methoden. Teil 1: Allgemeines. BUWAL, Bern. 37 S. (internes Arbeitspapier).
MAURER, R I MARTI, F. (1997): Erfolgskontrolle von Massnahmen im Natur- und Landschaftsschutz: Empfehlungen zur Begriffsbildung. Ergänzte Fassung eines Manuskrip- HAND , tes vom 28.8.97 z. Hd. der KBNL BUCH (Konferenz der Beauftragten für MOOR- SCHUTZ Natur- und Landschaftsschutz), IN DER 21 S. SCHWEIZ
ANHANG
Formular für Einheitsflächenerhebung
6.1.2 r La Chaux d'Abel BE Flächen-Nr. Datum 9 0
23 6 98 3 7 Autor Moose nachbest. durch ~
Vegetallonsltruktur 0% % Vag atationezuatand Erflebungstyp stark abgefressen Kontrollerhebung iTo"rtrnoose total ~ lübrige Moose total 10 kurz geschnitten Doppelerhebung ZwergsWucher total X Erhebung nicht möglich ISlraucher total 1 Eingriff I Störung Baume total X Gode(s) 82 Neue Grenze Nekromasse f-- f.- offener Torf 1 Zeitangabe sicher Grund: organisatorisch offener Mineralboden X Ze itangabe unsicher offene Wasserfläche X.. _ '- Ze itpunkt unbekannt X
Gefillpflanzen iCf.KSB iCf.K SB iCf.KSB Ac;er pseudoplatanus TI] Deschampsia ces~osa Oreopteris limbospenma Acon~um compactum Drosera rotundifolia Parnassia palustris Agrostis capillaris Dryopteris carthusiana Phyteuma spicalum Agrostis stolonifera Dryopteris filix-mas Picea abies Ajuga reptans Epipactis palustriS Pinguicula vulgaris Alchemilla vulgaris aggr. 2 Equisetum arvense Pinus mugo subsp. uncinala Ainus incana Equisetum p a l u s t r e 1 Plantago lanceolala Angelica sylvestris Equisetum sylvaticum Platanthera bifolia Anthoxanthum odoratum Eriophorum angustifolium Polygala vulgaris subsp. vulg. Polygon um bistorta 3 Athyrium filix-femina Avenena flexuosa Eriophorum latifolium Eriophorum vaglnatum Potentilla erecta Primula elatior subsp. elatior . Bartsia alpina Euphrasia rostk. subsp. rostk. Betula pubescens JJ Festuca rubra aggr. 4 Primula farinosa Blechnum spicant Filipendula ulmans Prunena vulgaris !3rizamedia Fragaria vesca Ranunculus acris subsp. mes. Calamagrostis varia Frangula ainus Ranunculus nemorosus aggr. Calluna vulgaris Fraxinus excelsior Ranunculus tuberosus Ca~ha palustris 2 Galium album Rhinanlhus alectorolophus Calycocorsus stip~atus Galium palustre Rhinanthus minor Campanula rotundifolia Galium uliginosum -2 Rubus fruticosus aggr. Carex davalliana Gentiana asclepiadea Rubus idaeus Carex echinata Geranium sylvaticum Rumex acetosa Carex ferruginea Gymnadenia conopsea Salix aurita Carexflacca Hieracium murorum aggr. Satix cinerea Carex flava Holcus lanatus Sanguisorba officinalis Carex hostiana Homogyne alpina Scirpus sylvaticus Carex nigra 3 Hypericum maculalum subsp. mac. Silene fIos-cuculi Carex pallescens Juncus alpinoarticulalus Solidago virgaurea subsp. minuta Carex panicea Juncus articulatus Sorbus aria Carex paniculata Juncus effusus Knautia dipsacifOlia subsp. dips. - -. I Sorbus aucuparia Carex pilulifera Succisa pratensis Carex pulicaris Lathyrus pratensiS Swertia perennis Carex rostrata Leontodon hispidus Taraxacum oflicinale aggr. Carex sylvatica Leucanthemum vulgare aggr. Tofieldia calyculata Cerastium fontanum subsp. vulg. Chaerophyllum hirsutum Unum catharticum Listera ovala Trichophorum cespKosum Trifolium pralense Trollius europaeus X 2 I Lotus corniculatus aggr. Cirsium oleraceum Cirsium palustre 2 Lotus pedunculatus Tussilago fartara HAND Cirsium rivulare Luzula multiflora Vaccinium myrtillus BUCH
Colchicum autumnale Lysimachia nemarum Vaccinium oxycoccos MOOR- Crepis paludosa Melampyrum pratense Vaccinium uliginosum SCHUTZ Melampyrum sylvatlcum Vacclnium vJtis-idaea IN DER Cynosurus cristatus SCHWEIZ Dactylis glomerata Menyanthes trifoliata Valeriana dioica 2 Oactylorfliza fistulosa Molinia caerulea Veratrum album Dactylorfliza maculata Myosotis scorpioides Vlbumum opulus Danthonia decumbens Nardus stricta Viola palustris
AbeUlaisp!el,m 1606 00
I Ii La Chaux d'AbelBE SP 14 Flächen-Nr. 9037 I.-
Moose Alrichum undulatum
I cl Flor (Probe) - ptatz für Ergänzungen cl K S B Flnr (Probe) r-
Aulacomnlum paiustre 1-- Bazzanla trilobala - Brachytheclum rutabulum CalIiefllOll stramineum - -- CaHiergonel1a cuspidata -- I 1--- .- CirriphyQum piliferum Cllmacium dendroides 2 Cratoneuron commutatumr ------- Cratoneuron filicinum Clenidium rnolIu&cum r Dicranodontium denudalum Dicranum bonjeanii -- - Dicranum poIysetum - .- Dieranum scoparium _ Drepanocladus exannulatus - Orepanocladus revolvens ~ Eurhynchlum striatum - -- -- Fissldens adianllloldes HykK:omium wenaicum
-- HyIocomium splendens I -- Hypnum cupressifonne r I leucoblyum glaucum Plagiochila' asplenioides - Piagiomnium affine
- Piagiomnium unduiatum c--I ~ --- I- - -
- Piagiolhecium undulatum Pleurozium schreberi -
'- -- r- Polytrichum commune PolytrIchum formosum Polytrichum strictum . - PliHum crislxastrensis - - Rhizomnlum punctatum - - Rhytidiadelphu& Ioreus
- Rhytidiadelphus squarrosus 3 I--- - -- - Rhytidiadelphus lriquetrus ---- Scleropodlum purum Sphagnum capilflfoüum r 1 - - Sphagnum oentrele - ,- Sphagnum compactum I - Sphagnum contortum . Sphagnum cuspldatum Sphagnum girgensohnii r Platz fOr Bemerkungen Sphagnum mageHanicum X 1 12 Sphagnum papillosum Sphagnum quinquefarium Sphagnum recurvum L Sphagnum subsecundum Sphagnum lenellum Sphagnum wamstorfli Thuidium recognilum [ Thuidlum IlITlariscinum - Tomentypnum n~ens --- Tortella lortuosa h- - -
DARIUS WEBER
Wi rkungskontrolle Moorlandschaften 6.1.3 1 BEGRÜNDUNG UND ZIEL
Die Erfolgskontrolle Moorschutz dient in erster Linie dem BUWAL (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft) als Führungsinstrument zur Qualitätssicherung des Moorschutzes. Daneben hat aber auch die interessierte Öffentlichkeit Anspruch auf Informationen dazu, ob der Verfassungs auftrag von 1987 (Art. 78 Abs. 5 der neuen Bundesverfassung) erfüllt wird. Das Gesamtkonzept der Moorschutz- Erfolgskontrollen wird in Band 1, Beitrag 6.1.1 erläutert.
1.1 Handlungsbedarf Moorlandschaftsschutz bestimmen
Die Wirkungskontrolle prüft zunächst, ob die reale Entwicklung der Moorlandschaften der Zielsetzung entspricht ("Wirksamkeit"). Das Ziel ist dann erreicht, wenn alle Moorlandschaften dauerhaft in einem Zustand sind, dessen landschaftliche Werte den Vorgaben von Verfassung und Gesetz entsprechen. Der Erfolg des Moorlandschaftsschutzes lässt sich somit als Differenz zwischen einem Soll-Zustand und dem tatsächlichen Zustand der Moorlandschaften messen (das Ziel ist erreicht, wenn diese Differenz null ist). Unerwünschte Abweichungen der Landschaftsqualität vom Soll-Zustand im Sinne der Bundesverfassung können folgende Handlungen auslösen:
Die Umsetzung der von Gesetz und Verordnung verlangten Schutzmassnahmen verbessern.
Zusätzliche bzw. zweckmässigere Schutzmassnahmen beschliessen.
Erst eine gemeinsame Analyse der Ergebnisse der Wirkungskontrolle und der Umsetzungskontrolle (vgl. Band 1, Beitrag 6.1.4) kann aufzeigen, ob die Probleme bei einer ungenügenden Umsetzung der Schutzmassnahmen (ungenügende "Effektivität") oder beim Fehlen zweckmässiger Schutzmassnahmen (z.B. auf Stufe Gesetz oder Verordnung) liegen. I HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
1.2 Erfolge des Moorlandschaftsschutzes ausweisen
Falls die Entwicklung der M orJand chaften den Zielen entspricht, 011 dies nach au en und innerhalb der Verwaltung kommuniziert werden. Aber auch da Verfehlen gewisser Schutzziele heisst nicht unbedingt dass die bj herigen chutzma nahmen wirkungslo waren. In ctiesem Fall muss gezeigt werden inwiefern eine noch negativere Entwicklung verhindert werden konnte bzw. wo der Moorland chaft - schutz einen klar positiven Einfluss auf die Landschaft entwicklung hatte. Und natürlich mus gegebenenfalls auch dargelegt werden in welchen Bereichen der Moorlandschafts chutz bi her allenfaJl versagt hat.
Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Wirkungskontrolle Moorlandchaften den Grad der zielgerichteten Beeinflussung der Landschaftsentwicklung geI ade dort aufzuzeigen wo die Ziele nicht vollständig erreicht wurden. Aus ver chiedenen GIünden wird diese kausale WirkWlg de Moorland cha'ft chutze nicht exakt zu beziffern sein, doch e ollen zumindest wichtige plau ible Zu ammenhänge aufgezeigt werden können.
6.1.3 2 DAS KONZEPT DER WIRKUNGSKONTROLLE MOOR- LANDSCHAFfEN
2.1 Systemabgrenzung
Die Wirkungskontrolle ist auf die vom Bundesrat verordneten Schutzziele und die vom Bundesrat bezeichneten Landschaften begrenzt, also auf die Moorlandschaftsverordnung vom 1. Mai 1996 (MLV):
88 Moorlandschaften gemäss Anhang 1 MLV sowie zusätzlich das noch nicht definitiv bereinigte Objekt 268 Grimsel;
Grenzen dieser Objekte gemäss Anhang 2 MLV (total 87'365ha);
Wirkungsziele ("Schutzziele") gemäss Art. 4-8 MLY.
Aufgrund des Verfassungstextes wäre die Erhaltung einer Landschaftsqualität, wie sie 1983 bestanden hat, die Zielvorgabe für den Moorlandschaftsschutz. Seither haben sich aber in manchen Objekten Veränderungen ergeben, die nur schwer zu datieren und noch schwerer zu quantifizieren sind. Aus praktischen Gründen orientiert sich die Wirkungskontrolle Moorlandschaften daher am Zustand der Objekte um 1996 (Zeitpunkt der Inkraftsetzung der MLV). Zu diesem Zeitpunkt war zudem allen wichtigen Akteuren bekannt, welche Ziele für welche Landschaften in welchen Grenzen gelten. Für die praktische Arbeit stellt der Verzicht auf die Rekonstruktion früherer Verhältnisse eine wesentliche Erleichterung dar.
2.2 Die wichtigsten allgemeingültigen Entwicklungen erkennen
Das allgemeine Schutzziel nach Art. 23c Abs. 1 NHG besteht in der "Erhaltung jener natürlichen und kulturellen Eigenheiten(.. .), die ihre besondere Schönheit und nationale Bedeutung ausmachen". Diese Eigenheiten sind zahlreich, vielfältig und in den einzelnen Moorlandschaften auch relativ individuell. Die Wirkungskontrolle kann deshalb I unmöglich alle Veränderungen von wertgebenden Eigenheiten in HAND BUCH allen Moorlandschaften bilanzieren. Aufgrund ihrer Funktion im Rah- MOORmen der Qualitässicherung des Moorlandschaftsschutzes muss sie dies SCHUTZ IN DER SCHWEIZ aber auch nicht.
Generelle Verbesserungen des Moorlandschaftsschutzes sind bei jenen Typen von zielwidrigen Veränderungen prioritär, die über den Einzelfall hinaus problematisch sind. Dies gilt ganz besonders für Verände-
' .. "
rungen, welche die Landschaftsqualität stark und/oder irreversibel schädigen. Zielwidrige Landschaftsveränderungen müssen erkannt werden,
wenn sie in mehreren Moorlandschaften auftreten (und damit auf ein generelles Problem im Moorlandschaftsschutz hinweisen);
wenn sie Landschaftselemente betreffen, die für die Qualität der Moorlandschaften zentral sind (weil hier Verbesserungen des Moorlandschaftsschutzes besonders viel zur Erhaltung der besonderen Schönheit und der nationalen Bedeutung beitragen);
wenn sie nur schwer reversibel sind (weil hier Verbesserungen des Moorlandschaftsschutzes zeitlich besonders dringend sind).
In der ersten Phase des Moorlandschaftsschutzes gilt ein Zeitraum von 5 Jahren als Vorgabe für den Nachweis allfälliger zielwidriger Entwicklungen (aus praktischen Gründen wird davon in Einzelfällen etwas abgewichen). Falls die ersten Wirkungskontrollen positive Ergebnisse zeigen (keine verstärkten Schutzbemühungen erforderlich), wird dieser Zeitraum zwischen zwei Beobachtungen verlängert werden können.
2.3 Erfassuug relevanter Veränderungen
Anders als bei den Wirkungskontrollen der Moorbiotope (vgl. Band 1, Beitrag 6.1.2) kann bei den Moorlandschaften nicht nur eine Stichprobe der Schutzobjekte bearbeitet werden. Dies hat zwei Gründe: die ausgesprochene Individualität der Schutzobjekte sowie das Problem der seltenen Ereignisse.
Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung sind "in ihrer Art einmalig" oder sie gehören "in einer Gruppe von vergleichbaren Moorlandschaften zu den wertvollsten" (Art. 23b Abs. 2 NHG). Schon diese Einmaligkeit verbietet es, einzelne Moorlandschaften stellvertretend für andere zu betrachten.
Manche der potenziell schutzzielwidrigen Veränderungen sind unabhängig von Schutzmassnahmen selten. So wurden z.B. in nicht besonders geschützten Landschaften des schweizerischen Berggebietes in den achtziger Jahren pro Jahr und Quadratkilometer nur 0.08 Gebäude ausserhalb geschlossener Siedlungen und nur knapp 100 m neue Strassen gebaut (BRP / BUWAL, 1994). Das Bauinteresse in den Moorlandschaften ist zudem - unabhängig von deren Schutzstatus - aufgrund der Lage und Abgrenzung sicher deutlich geringer als in
6.1.3 durchschnittlichen Landschaften der Schweiz. Allenfalls vorkommende zielwidrige Bauten in den Moorlandschaften (nur eine Teilmenge der Neubauten) könnten in einem Beobachtungszeitraum von 5 Jahren daher in einer Stichprobe wohl nur nachgewiesen werden, wenn die Bautätigkeit gegenüber dem ungeschützten Zustand fast unbeeinflusst wäre.
2.4 Abschätzungen kausaler Zusammenhänge
Indikatoren sind messbare Die Indikatoren sind im Hinblick auf Abschätzungen kausaler Zusam- Eigenschaften der Moorlandschaften, die stellvertretend für menhänge nach Möglichkeit so definiert, dass die Veränderungen in die nicht direkt messbaren den Moorlandschaften mit gleichwertigen Daten aus anderen Gebie- Schutzziele zur Erfolgskontrolle ten verglichen werden können. Solche Vergleiche sind aber nur für eingesetzt werden. Solche Indikatoren sind in der Regel nicht wenige routinemässig erfasste Indikatoren (z.B. Bauten) definitiv vorselbsterklärend, sondern verlanausgeplant. gen nach Interpretation. Die Reduktion eines komplexen Für einige Indikatoren wird mangels Vergleichsdaten keine standardi- Schutzzieles wie Z.B. "Erhaltung aller Moore" auf den Indikator sierte Beurteilung der Kausalität vorgenommen werden können und "Veränderung der Fläche aller einige wertvolle Landschaftselemente sind in der Schweiz nur inner- Moore" bedeutet, dass die halb von Moorlandschaften vorhanden (z.B. Vorkommen bestimmter Moorlandschafts-Wirkungskontrolle allfällige Veränderungen Arten), so dass keine Vergleichsmöglichkeit mit der Entwicklung in der unendlich vielen wertvollen Gebieten besteht, die nicht den besonderen Moorlandschaftsschutz Eigenschaften der Moore gar geniessen. nicht erfassen kann. Eine zielwidrige Verarmung der Moorflora wird deshalb nicht erkannt werden, obwohl sie ein Misserfolg 2.5 Wirkungsziele und Indikatoren wäre.
Die Wirkungsziele des Moorlandschaftsschutzes sind in der Verfassung, dem Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG) und der Moorlandschaftsverordnung (MLV) definiert. Es gibt Ziele, die für alle Moorlandschaften gleich gelten (z.B. keine neuen Bauten und Anlagen; Erhaltung aller Moore, geomorphologischen Elemente, Biotope, seltenen und gefährdeten Arten) und zusätzliche Spezialziele in einzelnen Objekten (z.B. für Kulturelemente und Siedlungsmuster). HAND , BUCH MOOR- Die Schutzziele sind mehrheitlich nicht direkt messbar. Deshalb muss SCHUTZ IN DER SCHWEIZ die Wirkungskontrolle Moorlandschaft mit einem Messsystem aus Indikatoren arbeiten, die nur einen Teil der komplexen Schutzziele Tab. 1: Wirkungsziele ("Schutzzieabbilden (vgL Kasten). Die objektive Messbarkeit der Indikatoren ist le") und Indikatoren der Moorlandschafts-Wirkungskontrolle. Kursiv: eine Voraussetzung für die Vergleiche, ohne die eine Wirkungskon- Indikatoren, die aus Kostengründen trolle nicht auskommt. vorläufig nicht erhoben werden.
Wirkungsziele (Rechtsgrundlage ) Indikatoren
Keine neuen Bauten und • Die Zahl der von der Landeskarte 1:25'000 erfassten Veränderungen des Anlagen (Art. 78 Abs. 5 BV) Bestandes der Hochbauten und Infrastrukturanlagen pro km2 Moorlandschaft, soweit es sich nicht um schutzzielkonforme Ausnahmen handelt. • Die Länge der von der Landeskarte 1:25'000 erfassten Veränderungen des Strassennetzes pro km2 Moorlandschaft, soweit es sich nicht um schutzzielkonforme Ausnahmen handelt.
Erhaltung aller Moore • Die Veränderung der Fläche aUer Moorbiotope. (Art. 32b Abs. 1 NHG) • Die Veränderung der Fläche aller nicht beeinträchtigten Moorbiotope. Erhaltung aller geomorphologi- • Die Zahl der von der Landeskarte 1:25'000 erfassten neuen oder erweiterschen Elemente (Art.4 ten Deponie- und Abbauflächen. Abs. 1lit.b MLV) • Die Zahl der von der Landeskarte 1:25'000 erfassten Veränderungen von Dolinen und Böschungen, soweit es sich nicht um natürliche Veränderungen handelt. • Die Fläche der Äcker auf organischen Böden.
Erhaltung der weiteren Biotope • Der Anteil der nicht optimal verjüngten Waldfläche an der Fläche derjenach Art.18 Abs.lbis NHG nigen Waldbiotope, deren Erhaltung Verjüngungseingriffe erfordert. (Art. 4 Abs. 1lit.b MLV) • Der Anteil der Waldbiotopflächen mit forstlichen Eingriffen, soweit es sich um Biotope handelt, deren Erhaltung keine Verjüngungseingriffe erfordert.
Die Veränderung der Fläche der beitragsberechtigten extensiven Wiesen der Landwirtschaftsbetriebe in Moorlandschaften.
Die Veränderung der Gewässerfläche ausserhalb des Waldes.
Die Veränderung der Länge der Fliessgewässer ausserhalb von Wald und Mooren.
Die Veränderung der Fläche der Auenbiotope.
Die Veränderung der Länge der Wald- und Heckenränder.
Erhaltung derjenigen Kultur- • Der Anteil der aktiv zerstörten Kulturelemente (KE) an den inventarisierelemente, welche die nationale ten KE. Bedeutung begründen • Der Anteil der aktiv beeinträchtigten Kulturelemente (KE) an den inven- (Art. 4 Abs. 1lit.b MLV) tarisierten KE. • Der Anteil der (passiv) verfallenen Kulturelemente (KE) an den inventarisierten KE.
Erhaltung derjenigen traditionellen • Die Zahl der neuen Gebäude, die sich in Grösse und Erscheinungsbild Bauten, welche die nationale Be- nicht an die historische Bausubstanz anpassen, pro km 2 Moorlandschaft. deutung begründen (Art. 4 • Die Zahl der um- und ausgebauten Gebäude, die sich in Grösse und Abs. 1lit.b MLV) Erscheinungsbild nicht an die historische Bausubstanz anpassen, pro km2 Moorlandschaft.
Der Anteil verfallener Gebäude an den inventarisierten, historisch wertvollen Gebäuden.
Der Anteil verschwundener Gebäude an den inventarisierten, historisch wertvollen Gebäuden.
6.1.3
Wirkungsziele (Rechtsgrundlage ) Indikatoren
Erhaltung derjenigen traditionellen • Die Zahl der von der Landeskarte1:25'000 erfassten, nicht an traditio- Siedlungsmuster, welche die natio- nellen Siedlungsstandorten erstellten neuen Gebäude/Anlagen pro km2 nale Bedeutung begründen (Art. 4 Moorlandschaft.
Erhaltung der Vorkommen • Die Veränderung der Zahl aller innerhalb der Moorlandschaft überwingeschützter und gefährdeter Tier- ternden Wasservögel (Individuen) im Januar (total und nach Arten). und Pflanzenarten (Art. 4 • Die Veränderung des Anteils aller innerhalb der Moorlandschaft überwin- Abs.1 lit.c MLV) ternden Wasservögel (Individuen) an der gesamten Zahl überwinternder Wasservögel in der Schweiz im Januar (total und nach Arten).
Die Veränderung der Zahl aller Brutpaare ausgewählter Vogelarten innerhalb ausgewählter Moorlandschaften.
Der Unterschied zwischen der relativen Veränderung der Zahl aller Brutpaare ausgewählter Vogelarten innerhalb der Moorlandschaften und der relativen Veränderung in der Schweiz ausserhalb der Moorlandschaften.
Die Veränderung der Zahl von Rasterflächen ii 25 ha innerhalb der Moorlandschaften mit Vorkommen ausgewählter Tagfalter- und Libellenarten (für jede Art einzeln und für die Gesamtheit der Tagfalter und der Libellen.)
Der Unterschied zwischen der Veränderung der Zahl von Vorkommen ausgewählter Tagfalter- und Libellenarten innerhalb der Moorlandschaften und der Veränderung in der Schweiz ausserhalb der Moorlandschaften.
Nachhaltige, nicht -schutzzielwidrige • Die Veränderung der Zahl der Grossvieheinheiten pro ha Landwirtlandwirtschaftliche Nutzung schaftliche Nutzfläche der Betriebe in Moorlandschaften. (Art. 4 Abs. 1lit.d MLV) • Die Veränderung des Anteils der anerkannten IP- und Bio-Betriebe an allen Betrieben in Moorlandschaften.
Die Veränderung der Fläche der beitragsberechtigten extensiven Wiesen und wenig intensiven Wiesen der Betriebe in Moorlandschaften.
Die Veränderung der Zahl rauhfutterverzehreoder Grossvieheinheiten pro Alp in den Moorlandschaften.
Die Veränderung der Fläche der mit Schafen bestossenen Alpen, auf denen nicht alle Moorflächen ausgezäunt sind.
Die Fläche der mit anderem Vieh als Schafen bestossenen Alpen, wo eine Minimalbestossung notwendig ist.
Nachhaltige, nicht -schutzzielwidrige • Der Flächenanteil der neu begründeten, standortheimischen WaIdverforstwirtschaftliche Nutzung jüngungen, gemessen an der gesamten Verjüngungsfläche. Der Flächenanteil der natürlich verjüngten Waldfläche, gemessen an der gesamten Verjüngungsfläche. HAND • Der Flächenanteil der rechtskräftig ausgeschiedenen, mindestens 50 BUCH Jahre gesicherten Waldreservate. MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Spezielle Ziele für einzelne Moor- keine vordefinierten Indikatoren; individuelle Beurteilung relevanter Veränlandschaften gemäss Anhang 2 MLV derungen, die durch die allgemeinen Indikatoren nicht erfasst werden. (Art. 4 Abs. 2 MLV)
Die Indikatoren sind wenn möglich so gewählt, dass zu ihrer Berechnung auf Daten zurückgegriffen werden kann, die unabhängig von der Moorlandschafts-Wirkungskontrolle bereits zur Verfügung stehen. Die Auswahl ist ein Kompromiss zwischen den Ansprüchen bezüglich Vollständigkeit, Genauigkeit, Vergleichbarkeit mit Daten ausserhalb der Moorlandschaften einerseits und Kostengünstigkeit der Erhebung, Einfacheit sowie weiteren Kriterien andererseits. Die grosse Zahl der Indikatoren (vgl. Tab. 1) ist weitgehend durch die komplexe Zielvorgabe begründet.
3 ÜBERSICHT ÜBER DIE INDIKATOREN
Obwohl Umfang und Präzision der Moorlandschafts-Wirkungskontrolle von Anfang an auf das Nötigste beschränkt wurden, musste die Liste der Indikatoren nach Abschluss der Vorbereitungs arbeiten aus Kostengründen nochmals gekürzt werden (vgl. Tab. 1). Mit den verbliebenen Indikatoren konzentriert sich die Wirkungskontrolle nun auf folgende Schutzzie1e:
das Verhindern schutzzielwidriger baulicher Eingriffe (in der Verfassung explizit genannt);
die Erhaltung der Moore (zentrales Landschaftselement der Moorlandschaften) ;
die angepasste land- und forstwirtschaftliche Nutzung (sehr landschaftsrelevant, grosses vermutetes Bedrohungspotenzial).
Im Verlauf der langfristigen Entwicklung der Moorlandschaften, des Moorlandschaftschutzes und der Gefährdungspotentiale werden sich die Schwerpunkte des Informationsbedarfes bezüglich einzelner Ziele und Bedrohungsformen möglicherweise verschieben. Es ist daher zu erwarten, dass nach der ersten Erhebungsperiode einzelne Indikatoren aufgegeben oder nur noch reduziert bearbeitet werden, während andere dafür neu erhoben werden.
6.1.3 4 BEISPIELE VON INDIKATOREN UND ERHEBUNGS- METHODEN Bei allfälligen Bauten und Anlagen muss immer geprüft werden, ob sie (a) der Biotoppflege,
4.1 Bauten und Anlagen (b) einer den Schutzzielen nicht
widersprechenden landwirtschaftlichen Nutzung, Hauptmotiv für die Rothenthurminitiative war das Verhindern von (c) einer den Schutzzielen nicht Bauten und Anlagen. Die Moorlandschafts-Wirkungskontrolle hat widersprechenden forstwirtdaher unbedingt nachzuweisen, ob dieses Ziel erreicht wird. Da aber schaftlichen Nutzung, die Verfassung und Art. 23d Abs. 2 lit.d NHG bzw. Art. 5 Abs. 2 lit. d (d) der Aufrechterhaltung der typischen Besiedlung, MLV schutzzielkonforme Ausnahmen nennen, ist die Wirkungskon- (e) dem Schutz des Menschen trolle für das Ziel "keine Bauten und Anlagen" weniger einfach, als vor Naturgefahren dies auf den ersten Blick scheinen mag (vgl. Kasten). dienen. Bei anderen Zweckbestimmungen von Bauten muss zudem Die Wirkungskontrolle hat zu prüfen, ob und in welchem Ausrnass das geprüft werden, ob sie bis 1996 Ziel "keine neuen Bauten und Anlagen" erreicht wird, bzw. bei wel- gestützt auf Nutzungszonen chen Typen von Bauten und Anlagen oder in welchen Moorlandschaf- gemäss Bundesgesetz über die Raumplanung rechtskräftig ten dies nicht gelingt. Ausserdem ist soweit als möglich abzuschätzen, bewilligt wurden, selbst wenn sie inwiefern die Entwicklung der Bautätigkeit durch den Moorland- erst später gebaut wurden. schaftsschutz positiv (d.h. gemäss Schutzziel) beeinflusst wird. Dazu werden folgende Indikatoren erhoben:
Die Zahl der von der Landeskarte1:25'000 erfassten Veränderungen des Bestandes von Hochbauten und Infrastrukturanlagen pro Quadratkilometer Moorlandschaft, soweit es sich nicht um schutzzielkonforme Ausnahmen handelt.
Die Länge der von der Landeskarte1:25'000 erfassten Veränderungen des Strassennetzes pro Quadratkilometer Moorlandschaft, soweit es sich nicht um schutzzielkonforme Ausnahmen handelt.
Der Zielwert für die beiden Indikatoren ist = o. Jede erfasste Baute oder Anlage ist somit als negative Abweichung vom Schutzziel aufzufassen. Zur Bewertung der Grösse allfälliger Abweichungen vom Zielwert wird die Zahl der gleichartigen Bauten und Anlagen geschätzt, die pro Flächen- und Zeiteinheit in schweizerischen Vergleichsgebie- I ten ausserhalb der Moorlandschaften erstellt wurden. HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Abb. 1: Beispiel der Klassierung von Signatur änderungen der Landeskarte1: 25'000 (das Beispiel stammt aus der Methodenentwicklung; es betrifft nicht den Beobachtungszeitraum der Moorlandschafts- Wirkungskontrolle ).
A = Kartenkorrekturen (keine Bautätigkeit) B = Neubau, zielkonform (bewilligtes Landwirtschaftsgebäude) C = Neubau, zielwidrig (ohne Spezialbewilligung erstellt) D = Neubau, zielwidrig (nicht-landwirtschaftliches Gebäude) E = Ausbau zielwidrig (z. T. durch Moorbiotop gebaut) Reproduziert mit Bewilligung des Bundesamtes für Landestopogra-
Erstmals per Jahresende 2004 werden die Zahlen, differenziert nach unterscheidbaren Typen für jede Moorlandschaft und für die Gesamtheit der Moorlandschaften, bereitgestellt. Es werden jene Veränderungen ausgewiesen, die von den neuesten, bis 2004 publizierten Landeskarten 1:25'000 erstmals erfasst werden.
Zur Erarbeitung der Indikatoren sind die folgenden Arbeitsschritte erforderlich:
1 Ermittlung der potenziellen neuen und erweiterten Bauten und
Anlagen Landeskarte1:25'000 (neue, erweiterte, veränderte, verschobene oder aufgehobene Signaturen bei der alle 6 Jahre stattfindenden Nachführung) . 2 Verifizieren der Signaturänderungen im Gelände (reale Veränderungen von Korrekturen der Landeskarte unterscheiden).
3 Prüfung, ob allenfalls eine schutzzielkonforme Baute, Anlage oder
Bodenveränderung vorliegt (Akten des Baubewilligungsverfahrens; nicht bewilligte Bauten und Bauten in Moorbiotopen von nationaler Bedeutung gelten immer als zielwidrig). Der Entscheid über die Zielkonformität fällt auf der Basis vorgegebener Interpretationsregeln (siehe Kasten). Im Zweifelsfall wird die Beurteilung der zuständigen kantonalen Fachstelle für Natur- und Heimatschutz übernommen.
6.1.3
4.2 Moorfläche
Die Moorfläche ist das entscheidende Kriterium dafür, dass ein Gebiet überhaupt als "Moorlandschaft von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung" geschützt ist (Art. 23b NHG; HINTER- MANN, 1992). Ein Verlust an Mooren würde damit mehr als andere Beeinträchtigungen dem Schutzziel widersprechen. Bei der zu erhaltenden Moorfläche sind ausdrücklich alle Moore gemeint und nicht nur die Biotope von nationaler Bedeutung. Der hier betrachtete Indikator ist deshalb als "Die Veränderung der Fläche aller Moorbiotope" definiert.
Als Erfolg im Sinne des Schutzzieles gilt eine Differenz ~ 0 (Jahr der Zweiterhebung - Jahr der Ersterhebung). Ab 2004 werden folgende Zahlen für die Gesamtheit der Moorlandschaften und für die Regionen (nicht für einzelne Moorlandschaften) produziert:
Die Flächendifferenz über die zurückliegenden 5 Jahre, ausgedrückt in % der Grösse bei der Ersterhebung.
Der 90%-Vertrauensbereich dieser Differenz.
Die Wahrscheinlichkeit einer negativen Differenz in %.
Die Erhebung der Moorflächenveränderung stützt sich auf eine Stichprobe. Die Moorinformation liegt in Form von Geländepunkten mit der Eigenschaft "Moor" bzw. "Nichtrnoor" vor. Die Veränderung der Moorfläche wird anhand der Zahl von Geländepunkten geschätzt, die bei der Zweitaufnahme im Vergleich zur Erstaufnahme von Moor zu Nichtrnoor oder von Nichtrnoor zu Moor gewechselt haben (verbundene Wertepaare ).
Die Zuordnung der Geländepunkte zur Kategorie "Moor" erfolgt anhand der Vegetation mit besonderer Berücksichtigung der Gehölzdeckung. Gehölze ("Nichtrnoor") werden gleich wie für die Arealstatistik des Bundesamtes für Statistik definiert. Der Indikator enthält somit keine Angaben zur Entwicklung von Moorteilen mit hoher I Gehölzdeckung. Dies ergibt einerseits eine gut reproduzierbare Moor- HAND BUCH grenze, andererseits bei Hochmooren eine vom Bundesinventar etwas MOORabweichende Moordefinition. Ausserhalb der Gehölze erfolgt der SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Moor-/Nichtmoorentscheid aufgrund einer Vegetationsaufnahme auf 10m2 Fläche.
Die Definition der Stichprobe ist identisch mit jener der Arealstatistik des BfS. Sie besteht aus rund 87'000 Punkten, die in einem 100 rn-Gitter angeordnet sind. Für jeden dieser Punkte wird entschieden, ob er in einem Moor liegt oder nicht (es ist mit ca. 15'000 Moorpunkten zu rechnen, womit auch die erreichbare Präzision vorgegeben ist). Dazu sind die folgenden Arbeiten nötig: 1 Bezeichnung jener knapp 38'000 Punkte als "Nichtrnoor" , die aufgrund der Luftbildinterpretation der Arealstatistik weder in Mooren liegen noch sich zu Mooren entwickeln können (hauptsächlich Punkte im Wald und Siedlungsgebiet).
2 Bezeichnung weiterer gut 5'000 Punkte an hand der Luftbilder der
Arealstatistik als "sichere Nichtmoorpunkte" (hauptsächlich Punkte in Seen).
3 Die restlichen 44'000 Punkte werden den Kategorien "Moor" und
"Nichtrnoor" im Feld zugeordnet (Lokalisierung auf ca. 1m genau mit RTD-GPS; Vegetations schlüssel für eine Fläche von 10 m2 in enger Anlehnung an die Definitionen, die bei den Bundesinventaren verwendet wurden; Grenzfälle werden auf der Basis vollständiger Artenlisten entschieden). In "klaren Fällen" wird auf die vollständige Artenliste und in grossflächig homogenen Flächen zudem auf die exakte Lokalisierung durch GPS verzichtet.
Die Ersterhebung erfolgt in den Jahren 2000-2003, die Zweiterhebung ist ab 2004 vorgesehen. Erstmals im Jahre 2004 können für einen Teil der Moorlandschaften die Moorflächenveränderungen ausgewiesen werden. Im Jahre 2008 ist dies für die Gesamtheit der Moorlandschaften möglich.
4.3 Bestossung der Alpen
Rund drei Viertel der Moorlandschaften enthalten Sömmerungsgebiete und in etwa zwei Dritteln ist die Viehsömmerung dominierende landwirtschaftliche Nutzung. Mögliche Konflikte zwischen Alpwirtschaft und den Zielen des Moorlandschaftsschutzes sind hauptsächlich übermässige Beweidung (der Moore) oder Düngung (vgl. Band 2, Beiträge 3.1.1 und 3.1.2). Zur Bewertung der Alpwirtschaft wurde ein sehr grober, dafür aber einfach und billig erhebbarer Indikator gewählt: Die Veränderung der Zahl rauhfutterverzehrender Grossvieheinheiten (RGVE) pro Alp in den Moorlandschaften. RGVE ist das Ergebnis einer Standardberechnung, bei der die Zahl verschiedener gesömmerter Tiergruppen (z.B.
6.1.3 Rinder, Milchkühe) und deren unterschiedlicher Futterbedarf berücksichtigt werden. Der Indikator wird für jene ca. 450 Alpen bestimmt, Die maximale zielkonforme die ganz oder zu über 50% innerhalb von Moorlandschaften liegen. Bestossung kann in vielen Fällen den Ergebnissen von alpwirtschaftlichen Nutzungsplanungen In den Moorlandschaften ist eine angepasste Beweidung erwünscht. entnommen werden, wenn diese Deshalb muss für jede Alp zunächst ein Zielwert der maximalen, gewissen Standards genügen. schutzzielverträglichen Bestossung ermittelt werden. Der tatsächlich Solche Planungen wurden und werden für viele Alpen auch interessierende Indikator ist die "Überbestossung", d.h. eine allfällige speziell im Zusammenhang mit positive Differenz zwischen tatsächlicher Bestossung und zielkonfor- dem Moorlandschaftsschutz mer Bestossung. Der Indikator muss daher wie folgt berechnet wer- erstellt (vlg. Band 2, Beiträge 3.1.2 und 3.2.1). Wo (noch) den: keine derartige Planung vorliegt,
1 Berechnung einer linearen Regression der RGVE (Zahlen vom können vorübergehend die
Bundesamt für Landwirtschaft erhoben) über den Betrachtungs- Werte aus dem Alpkataster ("bisherige Nutzung") oder die zeitraum (zum Ausgleich von jährlichen Schwankungen). Werte der Ersterhebung als 2 Berechnung des Verhältnisses zwischen dem Zielwert gemäss den Referenz verwendet werden. alpwirtschaftlichen Planungen (siehe Kasten) und dem errechneten Regressionswert für jede Alp. 3 Bildung des arithmetischen Mittels ("Durchschnitt") der berechneten Verhältnisse für das betrachtete Gebiet (Moorlandschaft, Region). Als Erfolg im Sinne des Schutzzieles gilt ein Wert 2::1.
HAND , BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
5 ORGANISATION UND REALISIERUNG
Die Wirkung kontrolle Moorland chaften wird im Auftrag de BUWAL als G amtpaket von einer Arbeit gemeinschaft erarbeitet. Die er te Pha e läuft bi zum E nde des Jalu:es 2004. Die Resul tate werden vom Auftragnehmer an die "Berichter tattung übergeben, welche si.e, zusammen mit den Ergebnissen der anderen Moorschutz- ErfoJgskol1trollen zuhanden der verschiedenen Zielgruppen a ufbereitet.
eldarbeit i t in erster Linie zur Ermittlung der Moörflächenveränd - rungen und zur Beurteillmg der Waldverjüogung erford rlieh. Di.e ntsprechenden Arbeitspläne werden in Abstimmung mit den WÜDsehen der zuständigen kantonalen Fachstellen und den Plänen der Moorbiotop-Wirkungskontrolle erstellt.
Ebenfa lls in Zusammenarbeit mit den kantonalen FachsteUen erfolgt die Be urteil ung der einzelnen auf der Land karte fe tge teilten Neu- und Ausbauten. Damit ist nicht nur eiDe gewis enhafte Bewertung sicherge teilt, ondern di.e Facbstellen elfahren au erster I and, weiche Bauten hin ichtlicb der Schutv.zie.lkonformität überhaupt geprüft werden.
6.1.3 6 BEISPIELE VON PRODUKTEN DER WIRKUNGS- KONTROLLE MOORLANDSCHAFTEN
Die Produkte der Wirkungskontrolle Moorlandschaften sind fast ausschliesslich Zahlen (Indikatorwerte, Indikatorveränderungen, Vertrauensbereiche, Wahrscheinlichkeiten). Erst die Berichterstattung (vgl. Band 1, Beitrag 6.1.5) formuliert aus diesen Zahlen zielgruppengerechte Botschaften, wobei in der Regel noch weitere Informationen zu verarbeiten sind.
In Tabelle 2 sind zur Illustration mögliche Aussagen der Wirkungskontrolle Moorlandschaften aufgeführt. In der vorliegenden Form sind sie frei erfunden.
Tab. 2: Mögliche Produkte (Zahlen) Zielwidrige Bauten und der Wirkungskontrolle Moorland- Anlagen in den Moor- schaften zur Illustration (in der vorlandschaften 1993 - 2003 jährlich erstellt jährlich pro km2 liegenden Form handelt es sich um -------------------------- fiktive Daten).
Neuerstellte Gebäude 6 0.007 Erweiterte/ausgebaute Gebäude 10 0.011 Neugebaute Strassen und Fahrwege 930m l.Om Ausgebaute Strassen und Fahrwege 1740m l.9m
Jährliche Bautätigkeit in Moorlandschaften und Vergleichsgebieten 1993 - 2003 Moorlandschaften Vergleichsgebiete
Neugebaute Strassen und Fahrwege 3.0 m / km2 18.0m/km2 Ausgebaute Strassen und Fahrwege 6.0 m / km2 16.0m/km2
Schutzzielkonformität der Forstwirtschaft in den Moorlandschaften 1993 - 2003 effektiv (ha) nach Schutzziel
Standortheimische Verjüngungen 650 ha 770 ha I N aturverjüngungen 680 ha 640 ha HAND Fläche Waldreservate 1'320 ha 1'180 ha BUCH MOOR· SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
LITERATUR ANSCIIRIFT DES AUTORS
BRP I BUWAL (1994): Land chafl Dariu Weber unter Druck. Fortschreibung. Zah- Hintermann & Weher A len und Zusammenhänge Ober Ver- Postfach änderungen in der Land. chaft 411 R der dorf Schweiz, Beobacbtung periode 197 -19 9.56 . Handbuch IDNTERMANN U. (1992): lnven- Moor chutz tar deI Mo rlandschaften von in der Schwe.iz 1 besonderer Schönheit und von 2/1998 nationaler Bedeutwlg. BUWALchriftenreihe Umwelt Nr.168. Bern, Bund samt für Umwelt Wall lind LandschaCt.
"
FRIDLI MARTI
Umsetzungs- und Verfahrenskontrolle Moorschutz 6.1.4 1 ZIELSETZUNG
Die Umsetzungs- und Verfahrenskontrolle Moorschutz (UVK MS) hat zum Ziel, die Umsetzung des Moorschutzes aus der Sicht des Bundes anhand einiger ausgewählter Indikatoren zu charakterisieren. Damit werden zwei Dinge verfolgt:
Es soll ein Bild zum Stand der Umsetzung erarbeitet werden, und
es werden Korrektur- und Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Es handelt sich jedoch nicht um eine Kontrolle des Vollzugs auf der Kantonsebene. Auch beispielsweise die Kontrolle der Einhaltung von Die Umsetzungs- und Verfah- Bewirtschaftungsvereinbarungen in Moorflächen von nationaler Be- renskontrolle liefert Angaben, ob, wie und wie erfolgreich Mitdeutung wird damit nicht abgedeckt. tel bzw. Ressourcen eingesetzt wurden und wie effizient deren Erste Auswertungen der Umsetzungs- und Verfahrenskontrolle liegen Einsatz war. Zwei Fragen stehen im Vorderbereits seit dem Herbst 1998 vor, weitere sind im Gange. Die Zielset- grund: a) Wurden die geplanten zung der Umsetzungs- und Verfahrens kontrolle ist relativ offen und Massnahmen überhaupt umgeerlaubt damit eine Anpassung an kurzfristig auftauchende Fragen. Ins- setzt, in welchem Ausmass und auf welchem Weg? Wurden die gesamt ist die Umsetzungs- und Verfahrenskontrolle stark auf den vorgesehenen Verhaltensändeaktuellen Bedarf von Bund und Kantonen ausgerichtet. Damit beste- rungen erzielt (Soll-1st-Verhen viele Parallelen zur laufenden Beratung und Unterstützung der gleich; Effektivität)? b) Wie Kantone im Moorschutz. gross war der entsprechende Mittelverbrauch, um Massnahmen umzusetzen, Produkte zu Im Gegensatz zur Wirkungskontrolle liefert die Umsetzungs- und Ver- erstellen, Verhaltens änderungen fahrenskontrolle eher weniger präzise Aussagen (Tendenzen). Diese bei den Akteuren sowie Zustandsänderungen in der können dafür rasch und mit vertretbarem Aufwand zur Optimierung Natur zu erreichen? (Effizienz). der Umsetzung des Moorschutzes eingesetzt werden. Eine solch handlungsorientierte Vorgehensweise erlaubt die laufend aktualisierte Fokussierung auf kritische Punkte in der Umsetzung. Dagegen sind wissenschaftlich einwandfrei abgestützte Messreihen über längere Zeiträume vor allem Sache der Wirkungskontrolle. Damit ergänzen sich diese beiden Dimensionen der Erfolgskontrolle sehr gut.
I HAND BUCH MOOR· SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
. ,
2 INHALTE
Die Umsetzungs- und Verfahrensk ontrolle behandelt grundsätzlich mehrere A spekte des Moorschutzes. Z entral sind dabei die Best immungen in den verschiedenen Verordnungen. Folgende Problcmreldcr sichen im Vordergrund:
U nmittelbare Probleme und FehlenIwick lungen in ei nzelnen M ooren oder M oorlandschaften (z.B. wesent üche Eingriffe, lI.ti.) sowie entsprechende KorrekturnHlssna hmen.
Sta nd des M oorschutzes in den einzelnen Kantonen im Vergleich mit den Bestim mungen in den entspreche nden Verordnungen, Hinweise auf allenfalls ka ntonsspezifische Probleme und mögliche Korrekturen lind O ptimierungcn.
Unt erstützung de r Kantone bei der Umsetzung durch Hil fe leistungen und Arbeilshilfcn, damit verbunden a uch Beurte il ung der leistungen des BUWAL
Ge ldnüsse im Z us.amme nhang mit de r Umsetzu ng des Moorschutzes und Hi nwe ise auf mögliche Optimierungen.
Wi rksamke it , Kosten und Machbarkeit von e inzelne n Massnahme n, etwa im Be re ich von Regene rationen (in Zusammenhang mit Ergebnissen der Wirkungskoll trolle) .
Akzeptanz des Moorschutzes bei La ndwirte n, Gemeinden, Bevölkerung, Polit ikern , e te. und entsprechende Veriinderungell in de r Nutzung der Moore und Moorlandschaften.
6.1.4 3 AKTUELLE THEMEN DER UMSETZUNGS· UND VERFAHRENSKONTROLLE
Nicht zu allen der genannten Problemstellungen werden Daten erhoben. Die folgenden Verfahren und Instrumente stehen im Vordergrund:
Berichterstattung der Kantone (Art. 10 der MLV) zum Stand der Umsetzung des Moorlandschaft-Schutzes auf der Grundlage eines Fragebogens: Diese Umfrage bei den Kantonen zeigt, wo der Moorschutz gegenwärtig steht und welche Probleme bei der Umsetzung aufgetreten sind. Diese Informationen setzen das BUWAL in die Lage, auf die Probleme zu reagieren und die weitere Planung dem Stand der Umsetzung anzupassen. Der Fragebogen wird anlässlich eines Besuchs von VertreterInnen des BUWAL bei den einzelnen Kantonen gemeinsam besprochen und beantwortet. Dieses Vorgehen hat sich bewährt, da damit einerseits offene Fragen und Probleme gleich besprochen und andererseits mögliche Missverständnisse zur Beantwortung von Einzelfragen weitgehend vermieden werden konnten.
Eingriffsmeldungen: Meldungen von Eingriffen in Moorbiotopen und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung werden von der Koordinationsstelle für Moorschutz des BUWAL erfasst und systematisch aufgearbeitet. Damit will das BUWAL allgemeine Vollzugsprobleme möglichst frühzeitig identifizieren und thematisieren. Die Meldungen stammen aus verschiedenen Quellen, beispielsweise auch aus der Wirkungskontrolle zu den Moorbiotopen und Moorlandschaften. Das BUWAL leitet die Eingriffsmeldungen zur Erledigung an die kantonalen Fachstellen weiter. Das BUWAL verfolgt aber auch den Vollzug und berät die Fachstelle bei Bedarf.
Anhörung des BUWAL gemäss Art. 17 bzw. 22 NHV: Grundsätzlich gibt dieses Instrument Bund und Kantonen die Mög- I lichkeit, die Verantwortung für die Erhaltung der Biotope von natio- HAND BUCH naler Bedeutung stufengerecht wahrzunehmen und bei der Festlegung MOOR· SCHUTZ der Schutz- und Unterhaltsmassnahmen partnerschaftlich zusammen- IN DER SCHWEIZ zuarbeiten. Eine erste Auswertung über die Auswirkungen der Anhörung ist in Vorbereitung.
·'
• Beurteilung d r Lei tungen de BUWAL: 1m Rahmen der ungefähr jährlich , tatlfindenden Kanlon be uche durch VerlreterInnen de BUWAL werden all h die Lei tung n LInd Hilfe tellungen deo BUWAL beurteilt.
Diver e Beurteilungen owie entsprech nde Korrekturen Ulld OptimierungellJaufen im Rahmen der seil m tU'eren Jahren eingeführten Belatllllg im Moorschutz ab. Weitere Th men und Prioritäten für die Umsetzungs- und Verfahrenskontrolle werd n . icb au der zukünftigen Entwicklung des Mo rseh ulzes ergeben.
4 ORGANISATION
Für di e Durchführung der msetzung - und VerfaLuen konlroll e Moor cblltz j, t da BUWAL verantwortlich. Die Anwendung der [- gebnisse in eier Praxi erfolgt in enger Zusammenarbei t mit den b tehenden Beratungs tellen.
6.1.4 AUSGEWÄHLTE ANSCHRIFf DES AUTORS LITERATUR Fridli Marti MARTI, EI WALD! R. (199 ): quadra Gm H Erfolg kontrolle Moorschutz Beratung gemein chaf1 für Schweiz: Konzept und Methoden. Natur chutz und Landwirt 'chafl Teil 1: Allgemeine . Herausgegeben Büchel trasse 7 vom Bundesamt für Umwelt Wal.cI 8753 Molli und Landschaft BUWAL) Bem, 37 . (internel Arbeit papier). Handbucb MAURER, R I MARTf, F. (1999): M rschUlZ Begriff bildung zur E rfolgskonlrol- in d r chweiz 1 le im Na(ur- un.d Land chafl cbulz. 1./199 Empfehlungen. Reih Vollzug Umwelt. Bundesamt für mwelt Wald und Land chaft, Bem, 31 .
HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
FRIDLI MARTI
Berichterstattung zur Erfolgskontrolle Moorschutz 6.1.5 1 ZIEL UND ZWECK DER BERICHTERSTATTUNG
Die Berichterstattung dient im wesentlichen der Aufbereitung und Vermittlung der Ergebnisse der Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz an verschiedene Adressaten. Sie kann als Kommunikationsteil der Erfolgskontrolle verstanden werden und soll den Handlungsbedarf zur Optimierung der aktuellen Situation aufzeigen. Die Berichterstattung
liefert Rückmeldungen zu den geplanten und ausgeführten Massnahmen;
orientiert über Veränderungen in der Landschaft und
informiert über Erfolge und Misserfolge.
Die Datenerhebungen werden in den einzelnen Teilbereichen der Erfolgskontrolle durchgeführt (vgl. Band 1, Beitrag 6.1.4). In der Berichterstattung werden diese Einzelergebnisse schliesslich wieder zusammengefasst.
Die zentrale Aufgabe der Berichterstattung ist die Informationsvermittlung und Kommunikation während der Betriebsphase. Sie trägt vor allem in der Aufbauphase der Erfolgskontrolle Moorschutz auch dazu bei, die Datenerhebung auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Zielgruppen und auf die Anliegen der Erfolgskontrolle abzustimmen.
Datenerhebungen zu: Abb. 1: Stellung der Berichterstattung.
,-----.. Wirkungsskontrolle Moorbiotope ~
Fragestellung Berichterstattung
, Umsetzungs- zur Erfolgskontrolle kontrolle Erfolgskontrolle Moorschutz Moorschutz
Wirkungsskontrolle HAND BUCH Moorlandschaften MOORdiverse SCHUTZ Adressaten IN DER SCHWEIZ
Die Berichterstattung zur Erfolgskontrolle Moorschutz verfolgt somit zwei Wirkungsziele:
Die Ergebnisse der Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz werden durch die Berichterstattung zielgruppengerecht aufgearbeitet und vermittelt. Die Zielgruppen werden über den Stand der Umsetzung des Moorschutzes, Erfolge und Misserfolge sowie mögliche bzw. nötige Optimierungen und Korrekturen informiert.
Die Berichterstattung macht den einzelnen Zielgruppen bewusst, welchen Beitrag sie zu einer erfolgreichen Umsetzung des Moorschutzes beitragen können, und fördert ihre Motivation, diesen Beitrag auch zu leisten. .. ....
Die Qualität der Berichterstattung ist für den Erfolg der gesamten Erfolgskontrolle entscheidend. Eine noch so gute und noch so schöne Darstellung der Ergebnisse führt nicht zum erwünschten Resultat, wenn die Ergebnisse von den Zielgruppen nicht verstanden werden.
Die Berichterstattung zur Erfolgskontrolle Moorschutz weist zwei wesentliche Schnittstellen zu Bereichen auf, welche über das Projekt "Erfolgskontrolle Moorschutz" hinausgehen:
Zur allgemeinen Öffentlichkeits- und Informationsarbeit im Moorschutz: Die Berichterstattung stellt der allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit wesentliche Fakten aus der Erfolgskontrolle zur Verfügung.
Zur Berichterstattung der weiteren Erfolgskontrollen anderer Vorhaben (v.a. zu Inventaren) auf Bundesebene: Die Erfolgskontrollen anderer Projekte liefern Aussagen, welche teilweise die Berichterstattung zur Erfolgskontrolle Moorschutz ergänzen können. Dies ermöglicht umfassendere Aussagen.
6.1.5 2 ABGRENZUNG DER BERICHTERSTATIUNG
Die Aufgaben der Berichterstattung zur Erfolgskontrolle Moorschutz lassen sich entsprechend der nachfolgenden Tabelle von verwandten Tab. 1: Abgrenzung der Berichter- Instrumenten und Verfahren abgrenzen: stattung.
Aspekt Aufgaben der Berichterstattung Nicht Sache der Berichterstattung
Themen / Gegenstand der Vermitteln von Ergebnissen der Information über die Erfolgs- Berichterstattung Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz kontrolle Allgemeine Öffentlichkeitsarbeit
Datenbeschaffung und Mitarbeit beim Festlegen der relevanten Datenerhebungen (Beschaffen Roh- -verwaltung und für die Berichterstattung benötigten daten), Datenverwaltung bei den Daten und Informationen (Präzisierung / Beschaffungsstellen, Datenzentrum Ergänzung), z.B. auf Ebene Meta-Daten Natur und Landschaft (DNL), etc. (Datenbeschreibung) Langfristige Archivierung Verwalten eines Arbeits-Datenbestandes, welcher ausschliesslich für die Berichterstattung verwendet wird
Datenauswertung / Beantworten zentraler Fragen Grundlegende Auswertungen, Stan- -interpretation (z.B. Hauptfragen der Erfolgskontrolle dardisierung und Aufarbeiten der (Roh-) Moorschutz Schweiz) Daten etc.
Weitergehende Auswertungen im Sinne Erstellen von Zeitreihen, Ermitteln von von Synthesen, Übersichten, etc. einzelnen Erfolgsmassen, spezifische Auswertungen in den einzelnen Dimensionen, etc.
Informations- Direkte Information von Kantonen, Politische Aussagen / Wertungen tätigkeit Partnern, div. Zielgruppen (v.a. über (allenfalls nach Absprache mit BUWAL bestehende Kanäle, aber in Zusammen- möglich)
, arbeit mit KommunikationsexpertInnen) Wissenschaftliche Publikationen zur Erfahrungsberichte zu Wirksamkeit und weitergehenden Verwertung der Daten Machbarkeit einzelner Massnahmen
HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
3 PHASEN DER BERICHTERSTATIUNG
Um das Zusammenwirken der Berichterstattung mit den anderen Bereichen der Erfolgskontrolle Moorschutz optimal zu gestalten, ist die folgende Gliederung sinnvoll:
Daten- und Informationsbedarf festlegen;
Angemessene Mittel und Medien zusammenstellen;
Arbeitsplanung auf die Datenerhebung ausrichten;
Ergebnisse aufgreifen und zielgruppengerecht aufbereiten bzw. Bericht erstatten.
3.1 Daten- und Informationsbedarf festlegen
Beim Festlegen des Daten- und Informationsbedarfs sind vor allem die zwei folgenden Schritte wichtig:
Zusammen mit den Verantwortlichen für die Datenbeschaffung ist abzuklären, (a) welche Informationen für die einzelnen Zielgruppen notwendig sind, um die relevanten Fragen zu beantworten, und (b) welche Daten hierzu erhoben werden müssen; die Berichterstattung hilft, die entsprechende Fragestellungen richtig zu formulieren.
Die Fragen müssen formuliert werden, indem (a) die Rechtsgrundlagen analysiert werden (Welche Zustände / Entwicklungen werden verlangt? Wie kann ich diese beurteilen / messen? Welche Daten sind dazu notwendig?) und (b) die Zielgruppen befragt / einbezogen werden (Welche Informationen werden z.B. für einen Fernsehbeitrag benötigt, um in 2 Jahren über den Vollzug des Rothenthurmartikels berichten zu können?).
Für die Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz haben sich die folgenden 4 Stossrichtungen als wesentlich erwiesen:
Projektoptimierungen sowie Vorschläge zu Korrekturen u.ä. für die Umsetzung durch den Moorschutz;
gezielte Informationen für Entscheidungsträger;
allgemeine Informationen ("Stand der Dinge", etc.) für die breite Öffentlichkeit;
Auswertungen mit NutzerInnen und Betroffenen zu themenübergreifenden Fragen für die Praxis.
Diese Ausrichtung muss periodisch auf ihre Zweckmässigkeit überprüft und allenfalls angepasst werden. Die zu erhebenden Daten sowie deren Zusammenhänge und Restriktionen (Modelle) werden im
6.1.5 Betriebshandbuch der einzelnen Bereiche der Erfolgskontrolle (Umsetzungskontrolle, Wirkungskontrolle ) definiert und in die Datenbank übertragen. Diese Beschreibung der Daten sowie allfällige Änderungen werden in Form von Metadaten abgelegt. Eine solche Meta- Datenbank enthält eine exakte und detaillierte Beschreibung der Basisdaten (z.B. bezüglich Erhebungsmethodik, Qualität, Sicherungsort, Georeferenzierung, Zuständigkeit, etc.), welche der Berichterstat- Tab. 2: Mögliche Produkte der tung zur Verfügung stehen. Berichterstattung zur Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz. Die Prioritätensetzung ergibt sich aus dem aktuellen Bedarf und den 3.2 Angemessene Mittel und Medien zusammenstellen vorhandenen Ressourcen.
Zielgruppe Wichtigste Bedürfnisse der Zielgruppen bzw. wichtigste Botschaften an diese Zweckmässige Mitteil Produkte
Kant. Fachstellen Konkrete Informationen und Fakten über Erfolge und Misserfolge im Moorschutz • N+L auf Ebene Schweiz und Kantone; Informationen über den Erreichungsgrad bei den Wirkungszielen (Wurden Ziele erreicht? Wieso nicht?); zeigen, welche Massnahmen neu bzw. ergänzend notwendig sind (Ideen für Vorstösse); Schwergewicht auf technischer, praktischer Ebene (Umsetzungsoptimierung). Mittel: weitgehend etablierte Kanäle BUWAL - Kantone (Gespräche, Ortstermine, Rundschreiben, konkrete kantonsspezifische Analysen, Eingriffsmeldungen); Schriftenreihe Umwelt (v.a. technische Belange); themenspezifische Fachpublikationen.
• andere Dito, aber zugeschnitten auf ihren Politikbereich (z.B. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, etc.).
Beteiligte Bevölkerung; Aufzeigen, welche Vorteile sie aus den Moorbiotopen und Moorlandschaften ziehen Nutzer der ML; betroffene können (Beiträge, "Öko-Tourismus"); Informationen über angepasste Nutzungen; Gemeinden Antworten auf Fragen geben, welche diese Zielgruppe beschäftigt (ev. durch Umfrage in Erfahrung bringen); Informationen über den Erreichungsgrad bei den Wirkungszielen. Mittel: lokale Aktivitäten zusammen mit Kantonen und Gemeinden, ev. lokalen NGOs; Fakten und Unterlagen zu einzelnen ML erarbeiten; Zusammenarbeit mit Schulen vor Ort; Vorträge und Exkursionen mit bzw. bei lokalen Vereinen. Zusammenarbeit mit allgemeiner Öffentlichkeitsarbeit zum Moorschutz nötig.
Bundesämter Informationen und Fakten über den Moorschutz; Informationen über den Errei- I
BUWAL chungsgrad bei den Wirkungszielen; zeigen, welche Massnahmen neu bzw. ergän- HAND zend notwendig sind (Ideen für Vorstösse); Schwergewicht in den Bereichen (a) BUCH
andere Motivationsmöglichkeiten/Einflussnahme auf ausführende kantonale und eidg. Fach- MOOR- SCHUTZ stellen, (b) N aturschutzziele/-strategien auf Bundesebene (Legislaturplanung), (c) IN DER SCHWEIZ Koordinationsbedarf zwischen den verschiedenen Naturschutzprogrammen. Mittel: BUWAL-interne sowie weitere bestehende Kanäle. Zusammenarbeit mit allgemeiner Informationsarbeit zum Moorschutz nötig.
Zielgruppe Wichtigste Bedürfnisse der Zielgruppen bzw. wichtigste Botschaften an diese Zweckmässige Mitteil Produkte
Parlamentarier Informationen über den Stand des Moorschutzes bzw. den Verfassungsauftrag (Bund, Kantone) "Rothenthurm"; Informationen über den Erreichungsgrad bei den Wirkungszielen; Handlungsbedarf und Ideen für Vorstösse zeigen; Sympathie für Moore und Moor- Regierungen landschaften wachhalten bzw. wecken; Nutzen der eingesetzten Mittel ausweisen; (Bund, Kantone) Schwergewicht auf kurze, aussagekräftige Infos (Wo stehen wir heute? Was muss man warum besser machen?). Mittel: permanenter Kontakt (ev. durch BUWAL) mit einzelnen Personen/Gruppen (z.B. UREK); Fakten zusammenstellen; Entscheidungsgrundlagen erarbeiten; gezielte Kontaktaufnahme bei relevanten Geschäften (z.B. Budget, Gesetzesvorlagen). Zusammenarbeit mit allgemeiner Informationsarbeit zum Moorschutz nötig.
"Pressure Groups" Zeigen, welche Vorteile sie aus den MB und ML ziehen können (Beiträge, "Öko-
Bauernverbände Tourismus", Imagegewinn); Informationen über angepasste Nutzungen; Antworten
Tourismus auf Fragen geben, welche diese Zielgruppe beschäftigt (ev. durch Umfrage in Erfah-
etc. rung bringen); Informationen über den Erreichungsgrad bei den Wirkungszielen (Erfolge / Missstände / Verpflichtungen). Mittel: (gemeinsame) Projekte und Publikationen; Tagungen; gemeinsame Information der Öffentlichkeit; Artikel in den Organen dieser Organisationen.
• NS-NGO Keine zusätzlichen Informationen nötig.
Breite Öffentlichkeit Sympathie für Moore und Moorlandschaften wachhalten bzw. wecken; Informationen über den Umsetzungsstand der Rothenthurminitiative und die Erreichung der Wirkungsziele; Wert der Moore und Moorlandschaften aufzeigen. Mittel: Berichte in den Medien (via Medienkonferenzen und/oder direkten Kontakten); populäre und attraktive Publikationen. Zusammenarbeit mit allgemeiner Öffentlichkeitsarbeit zum Moorschutz nötig.
3.3 Arbeitsplanung auf die Datenerhebung ausrichten
Die Arbeitsplanung der Berichterstattung richtet sich nach den Zeithorizonten der verschiedenen Datenerhebungen. Bei der Wirkungskontrolle ist mit Zeiträumen von 5 bis 10 Jahren zu rechnen, bis aussagekräftige Ergebnisse vorliegen. Aus der Umsetzungskontrolle können dagegen erste Ergebnisse bereits nach einigen Monaten vorliegen.
6.1.5 3.4 Ergebnisse aufgreifen und zielgruppengerecht aufbereiten bzw. Bericht erstatten
Die Ergebnisse aus einzelnen Untersuchungen der Erfolgskontrolle werden durch die für die Datenerhebung zuständigen Personen ausgewertet. Aufbauend auf diesen Grundlagen erfolgt eine journalistische und grafische Aufbereitung, deren Umfang und Vorgehen sich nach der Zielgruppe und dem Verwendungszweck richtet.
4 ORGANISATION DER BERICHTERSTATfUNG
Erste Erfahrungen mit der Berichterstattung zeigen die grosse Bedeutung einer zielgruppenspezifischen Aufbereitung der Ergebnisse aus der Erfolgskontrolle. Dabei soll sich die Berichterstattung nicht auf das Erstellen von Berichten beschränken. Sie muss unbedingt die ganze Palette der Kommunikationsformen abdecken und diese flexibel und situationsgerecht einsetzen. So kann ein persönliches Gespräch auf Sachbearbeiterebene weitaus effektiver sein als ein noch so gut gestalteter Bericht.
I HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
AUSGEWÄHLTE ANSCHRIFT DES AUTORS LITERATUR Fridb Marti MARTl, F. / WALDfS, R. (1998): quadrc GmbH ErfoJgsko.1llrolLe M or Chlltz Beratungsgemeinschaft für 1 atur chulz und Landwirt chan cbweiz: Konzept und Methoden. Teil I: Allgem ines. Herausgegeben Büchel {ras e 7 vom Bundesamt für Umwelt, Wald 8753 Molli und Land chaft (BUWAL), Bem 37 . (in lerne Arbeit papier). Handbuch MAURER, RI MARTI f. (1999): Moorschulz Begriff bildu.ng zur Erfolg k nlr 1- in d r Scbweiz 1 le im Natur- und Landschafts chutz. 1/1998 Empfehlungen. Reihe Vollzug mwelt. Bundesamt für mwelt, Wald lind Landschaft Bem 3 L .
CHRISTOPHE LE NEDIC / MICHEL ANTONIAZZA / CHRISTIAN CLERC / ANTOINE GANDER
Erfolgskontrolle in der GranCJe' Cari~aie 6.1.6 1 EINFÜHRUNG
Die Grande Cariyaie ist das grösste Ufermoor der Schweiz. Seit 1982 ist seine Nutzung und Pflege auf das Erhalten der Lebensräume und Arten ausgerichtet (MULHAUSER / CLERC, 1996). Die meisten dieser Arbeiten werden von der Groupe d'etude et de Gestion (GEG) geplant und ausgeführt. Sie ist der Schutzkommission unterstellt (zusammengesetzt aus Vertretern der Kantone Waadt und Freiburg sowie von Pro Natura, WWF und des Bundes), die Kontrollorgan ist und über Pflegeprogramme und Budgets entscheidet. Für andere Aufgaben (Ufererosionsbekämpfung, Forstarbeiten) bleiben die kantonalen Behörden zuständig.
Hauptziel der Pflege ist die Erhaltung der Grösse und Vielfalt der verschiedenen Lebensräume des Uferökosystems. Grosse Aufmerksam- Das Ufer-Ökosystem der keit gilt vor allem den gehölzfreien Mooren, besonders den bedrohte- Grande Caril;:aie umfasst Flachwasserzonen (2'300 ha), sten Lebensräumen in der Schweiz, den Weihern und Röhrichten. gehölzfreie Moore (800 ha), Weil es unmöglich ist, die ökologischen Bedürfnisse aller Pflanzen Auenwälder (800 ha) und (800 bis 1'000) und Tiere (möglicherweise über 10'000; MULHAU- Hartholzwälder (300 ha). SER, 1997) der Grande Cariyaie zu kennen, ist die Zielsetzung allgemein gehalten. Sie postuliert das Erhalten der Artenvielfalt, der ökologischen Nischen sowie auch der Grösse der spezifischen Lebensräume, um das Überleben der Arten zu sichern. Über diesem Hauptziel stehen die Revitalisierung der ökologischen Faktoren (u.a. Überschwemmungshöhe, Revitalisierung von Wasserläufen, Verlandungsdynamik), sowie spezifische Pflegemassnahmen für einzelne besonders bedrohte Arten wie den Laubfrosch (Hyla arborea).
Zum Erreichen dieser Ziele sind seit 1982 folgende Massnahmen ergriffen worden (vgl. Band 2, Beitrag 2.2.3):
Mahd der gehölzfreien Moore mit einem eigens entwickelten Raupenfahrzeug (vgl. Abb. 1): Parzellen von 2-3 ha, alle drei Jahre (durchschnittlich 90 ha pro Jahr).
Schnitt von Kleinseggenrieden in Zusammenarbeit mit den Landwirten der Region: Parzellen von 2-3 ha, alle zwei Jahre (durchschnitt- HAND , BUCH lich 30 ha pro Jahr). MOOR- SCHUTZ
Mechanische Entbuschung von 2 bis 3 km Waldrand pro Jahr. IN DER SCHWEIZ
Entbuschung und / oder manueller Schnitt von Moorflächen in Waldlichtungen in Zusammenarbeit mit Gruppen von Freiwilligen (durchschnittlich 1 ha pro Jahr).
Schaffung von Wasserflächen mit Pioniercharakter, um die Erhaltung von Wirbellosen und Amphibien zu begünstigen, welche an diese
..
Abb. 1: Die Mähmaschine Elbotel wurde zum Mähen grosser Riedflächen entwickelt. Sie hat folgende Merkmale: Breite des Mähbalkens: 6.2 m, Ladekapazität: 6 t, Fahrgeschwindigkeit: 5 km/ho Die Maschine mäht, presst und führt das Schnittgut aus dem Ried hinaus, und das in einem Arbeitsrhythmus von durchschnittlich 1 ha pro Tag. Dank dieser grossen Kapazität können die Mäharbeiten jeweils bis spätestens anfangs Februar abgeschlossen werden, bevor die Wanderung der Amphibien beginnt. Allerdings wiegt die voll beladene Maschine 26 1. Da das Gewicht aber auf zwei Raupen von insgesamt 12 m2 verteilt wird, entspricht der verursachte Bodendruck nur etwa dem eines Menschen.
zeitweise überschwemmten Zonen gebunden sind (3 bis 4 Wasserflächen mit einer Gesamtfläche von 500 m2 pro Jahr).
Revitalisierung verbauter Wasserläufe (durchschnittlich ein Eingriff alle zwei Jahre).
Abtragen verlandeter Schilfröhrichte: Abtragen des Oberbodens, um eine neue Besiedlungsdynamik des Schilfröhrichts anzuregen. Bisher wurden versuchsweise zwei Projekte gestartet.
Neubildung oder Aushub bestehender, tiefer Schilfweiher (wenig praktizierte Variante, weil technisch schwierig und sehr kostspielig).
Lokaler Einsatz von schottischen Hochlandrindern.
Auf der Grundlage langfristiger Pflegepläne, gegliedert nach Art des Lebensraumes, werden die jährlichen Pflege- und Unterhaltspläne erstellt. Diese unterliegen der Genehmigung durch die Schutzkommission. Die Arbeiten werden dann jeweils im darauffolgenden Winter mit einem durchschnittlichen Budget von Fr. 700'000.- pro Jahr ausgeführt.
6.1.6 2 WOZU EINE ERFOLGSKONTROLLE? Die interessantesten Studien, die Bereits die ersten Pflegeversuche im Jahre 1982 waren von einer Wir- von der Arbeitsgruppe GEG durchgeführt wurden, sind: kungskontrolle begleitet. Die wissenschaftlichen Aufgaben wurden im
Untersuchung der Auswirkun- Laufe der Zeit zunehmend erweitert und beinhalten heute auch gen der Mahd auf Vegetation, Aspekte, die über die Wirkungskontrolle hinausgehen. Zum Beispiel Verbuschung, Wirbellose und Brutvögel. werden Basisinventare, Erhebungen von Populationen, ökologische
Erfolgskontrolle der Wieder- Studien bestimmter Arten oder Lebensräume und sogar Untersu- besiedlung durch die Vegetation chungen zur Funktionsweise von Ökosystemen durchgeführt. Die Ar- und die Wirbellosenfauna in beitsgruppe GEG nimmt sich auch Studien an, die im Zusammenhang einem abgetragenen Schilfröhricht (Experiment). mit der Pflege von Nutzen sind. • Dauerbeobachtung des Uferröhrichts Die Erfolgskontrolle in der Grande Caric;aie verfolgt zwei Hauptziele: • Inventar der Fauna; Zusammentragen aller Beobachtungen
Wirkungskontrolle der Pflege- und Unterhaltsarbeiten: Sie dient seit Ende des 19. Jahrhunderts der Überprüfung der Auswirkungen von Pflegemassnahmen und stellt (MULHAUSER, 1997). Diese fest, ob die festgelegte Ziele des erreicht wurden. Unter anderem sol- Daten stammen von Forschern, len dadurch auch mögliche Beeinträchtigungen der Lebensräume lokalen Naturschützern sowie aus der Literatur und aus Inven- oder Arten festgestellt und eventuelle Pflegefehler korrigiert werden. tar-Feldkampagnen der Arbeits-
Kenntnis und Überwachung der Entwicklung der Lebensräume: gruppe GEG. Dieses Inventar Die zuständigen Betreuer eines Schutzgebietes tragen die Verantwor- wird regelmässig nachgeführt.
Inventar der Flora (bis jetzt tung für die langfristige Erhaltung seltener, natürlicher Lebensräume liegt keine mit dem Faunabedrohter Arten und, ganz allgemein, für die Artenvielfalt des Objek- Inventar vergleichbare Publikates. Floristische und faunistische Inventare sowie auch regelmässige tion vor).
Inventar und Erfolgskontrolle Populationserhebungen bedrohter Arten gehören zu den prioritären der Amphibien-Populationen Aufgaben der Betreuer. Sie sind Voraussetzung, um im Falle kritischer und besonders des Laubfrosches Entwicklungen neue Massnahmen vorschlagen zu können. (Hyla arborea).
• Inventar und Erfassung verschiedener Gruppen von Wirbel- Seit der Einführung der gegenwärtigen Pflege (aber auch schon vor- losen (besonders der Heuher) sind in der Grande Caric;aie zahlreiche Studien durchgeführt wor- schrecken, Tagfalter, Libellen). den (eine Literaturliste kann bei der Kontaktadresse angefordert wer- • Inventar und Erhebung der
, Brut- und Zugvogelarten. den). Viele dieser Studien haben langfristigen Charakter. Die erzielten Resultate sind deshalb besonders interessant, weil sie über eine lange Beobachtungszeit erarbeitet wurden (15 Jahre für die ältesten, vgl. u. a. die Wintererhebungen der Wasservögel). Die Wirkungskontrolle der Flachmoore sowie auch die Bestände der HAND BUCH Zug- und Brutvögel innerhalb der Moorlandschaft Grande Caric;aie MOOR- SCHUTZ sind Bestandteil der Erfolgskontrolle Moorschutz Schweiz des Bundes IN DER SCHWEIZ (vgl. Band 1, Beiträge 6.1.1 ff).
3 EINIGE RESULTATE
3.1 Auswirkungen der Mahd auf die Vegetation
Gegenstand der jährlichen Erfolgskontrolle sind u.a. die Auswirkungen, welche der Einsatz der Elbotel (Raupenfahrzeug) sowie die sporadische, mechanische Entbuschung auf die Vegetation und die Brutvögel ausüben. Im Falle der Vegetation wird die Methode der Dauerbeobachtungsfläche angewendet. In drei verschiedenen Sektoren (Cheyres, FR; Chäbles, FR; Chevroux, VD) sind 34 Quadrate (3 mx 5 m) zur Dauerüberwachung bestimmt worden. Dabei wurde auf eine grundsätzliche Ähnlichkeit zwischen gemähten und ungemähten Dauerflächen geachtet. Jedes Jahr werden verschiedene Parameter erhoben: Pflanzensoziologische Aufnahmen, morphologische Messungen des Schilfs (Phragmites australis) und anderer dominanter Arten, Zählen der Stengel, vertikale Stratifikation usw.
Die Ergebnisse können wie folgt zusammengefasst werden (für genauere Angaben vgl. LE NEDIC, 2001):
Die Mahd wirkt sich positiv auf die floristische Artenvielfalt der untersuchten Gesellschaften aus. In den gemähten Sektoren bleibt sie gleich oder nimmt leicht zu, während sie in den nicht gepflegten Sektoren abnimmt (vgl. Abb. 2). Offenbar werden durch die Mahd die dominanten Arten etwas zurückgedrängt und bessere Lebensbedingungen für die konkurrenzschwächeren Begleitarten geschaffen.
Die Mahd ist ein wirkungsvolles Mittel gegen die Verbuschung. In gewissen Sektoren ist jedoch ein Schnittintervall von 3 Jahren zu lang und das Nachwachsen der Schösslinge zu stark, um ein Gleichgewicht zwischen einem wünschbaren Anteil an Pioniergehölzen und der Verbuschung zu erreichen. In diesem Fall sollten die Schnittintervalle verkürzt oder durch Entbuschungen ergänzt werden.
Im gegenwärtigen Stadium der Untersuchungen zeigt die Mahd keine entscheidenden Auswirkungen auf die natürliche floristische Entwicklung der Wasserpflanzengesellschaften. Sie scheint keinen Einfluss zu haben auf das Verlanden von Weihern durch das Röhricht (Schilf, Phragmites australis, Schmalblättriger Rohrkolben, Typha angustifolia) oder durch Arten des Steifseggenrieds (Caricetum elatae). Während der Dauer dieser Studie (1984 - 2000) wurde auch beobachtet, dass sich die Dichte und die durchschnittliche Länge der Halme des Schilfröhrichts (Phragmites australis) verringerten. Die Veränderung trat in den gemähten wie auch in den nicht gemähten Flächen
6.1.6 Artenzahl Abb. 2: Entwicklung der floristischen Artenvielfalt in der gemähten 70 wie auch in der ungemähten Zone. y = 0,5604x - 1058,6 Im gemähten Bereich weist der
- - -- -- - - - - --- - Verlauf der Regressionsgerade auf
--- - - - eine Erhöhung der Artenvielfalt hin. Dagegen zeichnet sich in der 50 ungemähten Zone eine Verringerung der Artenvielfalt ab.
• • • • • 40 • • ... gemähte Flächen
• • • • ungemähte Flächen 30 y = - 0,4835x + 1001,2 - - Entwicklungstendenz R = 0,3188 (gemähte Flächen)
Entwicklungstendenz (ungemähte Flächen
o 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000
auf, was den Schluss zulässt, dass die Mahd keine markante Wirkung ausübt. Die beobachtete Entwicklung könnte mit der allgemeinen Verbesserung der Wasserqualität zusammenhängen (besonders derjenigen des Sees) oder mit der Pflanzensukzession, wobei in diesem Falle das Schilf die Rolle des Zeigers für eine Entwicklung der Gesellschaften in Richtung trockenere Bedingungen spielen würde. Dies konnte bis jetzt noch nicht abgeklärt werden. • Trotz reduziertem Bodendruck hat sich das Befahren mit der Elbotel lokal auf das Nachwachsen der Vegetation ausgewirkt. Das Ausmass der Beeinträchtigungen ist abhängig von der Tragfähigkeit des Bodens und der Anzahl Durchfahrten pro Jahr. Am stärksten sind die Auswirkungen bei Gesellschaften in überschwemmten Gebieten sowie auf den Zufahrtswegen zu den Parzellen. Aufgrund dieser Beobachtung wurde beschlossen, in den Landröhrichten die Mahd aufzugeben. I Als alternative Pflegemethode wurde das Abtragen des Bodens emp- HAND BUCH fohlen (vgl. unten). Parallel dazu hat die Arbeitsgruppe GEG ein MOOR- SCHUTZ Überwachungsprogramm zur Beurteilung der Fahrspuren der Elbotel IN DER SCHWEIZ lanciert, um den Einfluss dieser Beeinträchtigungen auf die Lebensgemeinschaften besser beurteilen zu können. Paradoxerweise sind diese Fahrspuren von sehr hohem biologischem Wert. Sie werden sehr schnell von verschiedenen Pflanzenarten, Wirbellosen und Amphibien besiedelt, die an feuchte Pionierbiotope gebunden sind.
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3.2 Auswirkungen der Mahd auf die Brutvögel
Seit 1985 werden die Brutvögel in 3 Studiengebieten von etwa 15 Hektaren beobachtet, Diese befinden sich in Cheyres (FR), Chrevroux (VD) und Gletterens (FR). 1995 kam eine vierte Zone in Champmartin (VD) dazu. Diese Sektoren wurden so ausgewählt, dass alle Habitate der Wasservögel, von den feuchtesten bis zu den trockensten Bedingungen, abgedeckt sind. Der Schnitt durch Elbotel wird dort im normalen Rhythmus durchgeführt - ausser in Gletterens, wo nur alle Abb. 3: Durchschnittliche Dichte der Brutvögel in Abhängigkeit von vier Jahre gemäht wird. Um einen Vergleich zu ermöglichen, wurde in der Art der Habitate. Letztere werden Sektoren Cheyres, Chevroux und Champmartin jeweils auch eine den nach Überschwemmungshöhe Zone beobachtet, die nicht geschnitten wird. klassiert (abnehmende Feuchtigkeit ... von links nach rechts). Die Ergebnisse der Erfolgskontrolle der Brutvögel können wie folgt zusammengefasst werden (ANTONIAZZA, 1988, 2001): o Höhere Schicht • Die Mahd alle drei Jahre bewirkt keine Veränderung der normalen Nester im Schilf Fortpflanzungshabitate der Riedvögel. Die Vegetations art und die IB Mittlere Schicht Nester in der Streue Überschwemmungshöhe sind nach wie vor die beiden ausschlagge- • Tiefe Schicht benden Faktoren für die Wahl des Habitates (vgl. Abb. 3). Nester auf dem Wasser
Anzahl Brutpaare auf 10 ha
Weiher und Schilfröhrichte Innere Forschungs- Überflutete Forschungs- Trockene Schilfröhrichte Yvonand Schilfröhrichte gebiet Grossseggen- gebiet Grossseggen- Champ-Pittet Chevroux Gletterens riede Cheyres riede
6.1.6 Abb. 4: Verteilung der Fortpflanzungsterritorien zweier Riedvogelarten in Cheyres (FR). Die Vögel verlassen die im Vorjahr (vorhergehender Winter) geschnittenen Parzellen (AN1) und konzentrieren sich auf die Flächen, deren Schnitt zwei und sowie auf die ungemähten Zonen (ZT).
Rohrschwirl Wasserralle (Locustella luscinioides) (Rallus aquaticus)
Innerhalb desselben Habitates hat der Schnitt einen starken Einfluss auf die Verteilung der Brutvögel; sie wird heterogener (vgl. Abb. 4). In den Flächen, deren Schnitt zwei und mehr Jahre zurückliegt sowie in den ungemähten Zonen ist die beobachtete Dichte der Brutvögel deutlich höher als jene, welche vor Aufnahme der Pflegemassnahmen, zu Beginn der achtziger Jahre, gemessen wurde. Diese besondere Verteilung ergibt sich aus der unterschiedlichen Vegetationsdichte, dem bestimmenden Faktor für den Nestbau. Die fehlende Vegetation und das verspätete Wachstum im Frühjahr verhindern den Nestbau in den frisch geschnittenen Parzellen. Die Bedingungen werden mit zunehmendem Alter der Vegetation wieder günstiger. Obwohl sich die Brutvögel auf bestimmte Parzellen konzentrieren, bleibt die Gesamtdichte stabil, und es wurde bisher keine markante Verringerung in der Fortpflanzung verzeichnet.
Schliesslich zeigt die Erfolgskontrolle die starken Schwankungen in der jährlichen Abundanz der Arten auf. Einige unter ihnen weisen allgemein eine steigende Tendenz auf (z.B. Enten, Teichrohrsänger), I andere eine sinkende (z.B. Kiebitz, Feldschwirl). Diese Entwicklungen HAND BUCH entsprechen gleichzeitig auch der allgemeinen Tendenz in der Schweiz MOOR- SCHUTZ und scheinen daher unabhängig von der Mahd zu sein. Hingegen hat IN DER SCHWEIZ die Mahd weder einen Zuwachs noch ein Verschwinden von Arten zur Folge gehabt.
3.3 Erfolgskontrolle der Seeuferröhrichte
Am südlichen Ufer des Neuenburgersees wurde 1993 mit der Erfolgskontrolle in den Uferröhrichten begonnen. Damit werden die nachstehende Ziele verfolgt:
Bestimmung der Entwicklungstendenz (Progression, Regression);
Aufstellen von Hypothesen zu vitalitätsbeeinflussenden Faktoren und
bei Bedarf Vorschlagen von Schutzmassnahmen. Die Erfolgskontrolle stützt sich auf zwei verschiedene Methoden: Die Kartierung auf der Grundlage von Luftaufnahmen und die jährliche Erhebung in etwa hundert Dauerüberwachungsflächen (u.a. Gruppendichte, morphologische Untersuchungen des Schilfes, Topographie). Eine Synthese der ersten Ergebnisse ist von (CLERC, 1999) erstellt worden:
Vor der zweiten Juragewässerkorrektion tauchten während gewisser Niederwasserperioden regelmässig Sandbänke auf. Diese wurden jeweils von Beständen des Uferröhrichts besiedelt. Seit Abschluss der Korrektion im Jahre 1973 wurden jedoch keine besonders tiefen Niederwasser mehr erreicht und deshalb haben sich auch keine neuen Bestände mehr bilden können.
Seeseitig weicht die Linie der Seeuferröhrichte zurück: Durch die mechanische Kraft der Wellen wird der Wurzelteppich zuerst freigelegt und danach zerstört. Möglich ist auch, dass dieselbe Kraft durch subtilere, noch unbekannte Mechanismen auf die Physiologie des Röhrichts wirkt und an exponierten Stellen die Vermehrung der Halme eindämmt. Manchmal wird dieses allgemeine Zurückweichen der Front durch seitliche oder rückwärtige Ausdehnungen des Bestandes kompensiert.
3.4 ErfolgskontroUe nach dem Abtragen eines Landröhrichts
1993 wurde versuchsweise ein Landröhricht auf einer halben Hektare abgetragen. Der Boden wurde in drei verschiedene Tiefen ausgebaggert: 20, 30 und 40 cm, wobei bei der letzten Tiefe nur noch das sandige Substrat übrigblieb. Im Zusammenhang mit diesem Experiment wurde eine Erfolgskontrolle aufgebaut, um festzustellen, welche Eingriffsbedingungen die Rückkehr zum ursprünglichen Zustand des Röhrichts am meisten fördern (GANDER, 2001). Hier einige Schlussfolgerungen:
6.1.6
Die Geschwindigkeit der Wiederbesiedlung durch Schilf von den Rändern aus variiert je nach Tiefe der Ausbaggerung: In der Zone mit 20 cm Tiefe geht die Wiederbesiedlung schneller voran als in der Zone von 40 cm Tiefe, wo das Fehlen des organischen Substrates wahrscheinlich die Wiederbesiedlung verzögert.
Fünf Jahre nach der Beseitigung des Oberbodens sind lediglich 10% der abgetragenen Fläche von Schilf besiedelt (in Form von kleinen Inseln, vor allem in der Zone mit 20 cm Tiefe). Hier ist die floristische Vielfalt höher als in den anderen Flächen. Dies könnte aber auch dazu führen, dass das Erreichen der ursprünglichen Vegetation länger dauert. Eine Rückkehr zum reinen Schilfröhricht könnte durch die tiefere Ausbaggerung gefördert werden, denn nur Schilf besiedelt solche Flächen.
Die Besiedlung durch Wasserinsekten erfolgt bei 20 cm Tiefe deutlich schneller als bei den grösseren Tiefen. Dominant sind pflanzen- und abfallfressende Gemeinschaften. Nach dem dritten Jahr erscheint
als Zeichen der Reife des Lebensraumes - eine fleischfressende Gemeinschaft. Eine Untersuchung der Chironomidae, 4 Jahre nach dem Abtragen, hat jedoch gezeigt, dass im Laufe der Zeit starke Schwankungen in der Anzahl Arten bestehen. Solche Schwankungen sind typisch für einen jungen, noch unstabilen Lebensraum, in dem die Prozesse von Besiedlung und Ausrottung der Arten häufig sind.
Das Abtragen des Bodens in den Landröhrichten ist eine vielversprechende Methode zur Erhaltung dieser Lebensräume. Sie löst eine neue Besiedlungsdynamik aus. Nach der Ausbaggerung konnte eine ganz aussergewöhnliche Artenvielfalt beobachtet werden. Die Erfolgskontrolle soll aufzeigen, ob das angestrebte Ziel, die Revitalisierung der ursprünglichen Gesellschaften, längerfristig erreicht wird. Aus Kostengründen ist diese Methode nicht grossflächig anwendbar ist.
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4 SCHLUSSFOLGERUNGEN UND PERSPEKTIVEN
Die Organisation von Pflege und Unterhalt eines so umfangreichen Gebietes wie der Grande Caric;aie ist ein einzigartiges Experiment, zumindest auf europäischer Ebene. Ein solches Unterfangen benötigt neben den Bemühungen von Pflege und Unterhalt auch Studien zum Verständnis der Funktionsweise des Gebietes. Verschiedene Forschungsarbeiten durch die Arbeitsgruppe GEG oder externe Teams haben zu einem besseren Verständnis einzelner Parameter geführt. Seither können bestimmte Pflegemassnahmen verstärkt werden. Ebenso lässt sich das Interesse der zuständigen Behörden auch für langfristigere Massnahmen zur Erhaltung der Grande Caric;aie wecken (z. B. Wasserstand des Sees, Erosionsbekämpfung).
Dank der Mahd konnte die Verbuschung der Feuchtwiesen und das damit verbundene Verschwinden von Arten gestoppt werden. Zusammen mit anderen Pflegemassnahmen begünstigt die Mahd die Erhaltung einer hohen Artenvielfalt und hat bis jetzt bewirkt, dass der natürliche Wert, der zu Beginn der Pflegemassnahmen bestand, erhalten werden konnte.
Ein paar Fragen bleiben dennoch offen. Die Antworten darauf wird uns die Forschung in den nächsten Jahren bringen. Über zwei Punkte sind die Betreuer der Grande Caric;aie ganz besonders besorgt:
Die zweite Korrektion der Juragewässer und die damit ausbleibenden Seespiegelschwankungen bereiten am meisten Sorgen. Verschiedene, an vorübergehende Überschwemmungszonen gebundene Libellenarten sind bereits verschwunden. Zudem wird vermutet, dass die gegenwärtigen Uferröhrichte nur die Relikte einer Epoche sind, in der aufgrund bedeutend tieferer Wasserstände die Sandbänke zum Vorschein kamen. Das Ausrnass der Auswirkungen dieser neuen hydrologischen Gegebenheiten, insbesondere auf die Verbuschung, die Pflanzensukzession und die Wirbellosen-Gemeinschaften, wird noch kaum erkannt. Die Lösung dieses Problems erfordert eine politische und administrative Debatte über die optimale Regulierung des Seewasserstandes.
Der zweite Punkt betrifft die optimale Pflege der Grande Caric;aie, unter Berücksichtigung ihrer charakteristischen Elemente, ihrer unmittelbaren Umgebung und ihrer Bedeutung im Netz der europäischen Feuchtgebiete. Vereinfacht dargestellt wurde bis jetzt die Erhaltung eines Status Quo angestrebt mit Schwerpunkt auf der Erhaltung der gehölzfreien Moorgebiete. Nun verändern sich aber die verschie-
6.1.6 deneD LebeDsräume der Grande Cari<;aie (Ero ion der Seeufer und der Flachuferzone Verlust de Auencharakters der Wäld r). Jlu' nahes Hinterland verarmt, die europäischen Feuchtgebiete (be ander im o ten) werden eltener. Allfgnmd dieser Entwickl ung ist deutlich erkennbar, da dje Bedeutung der gra en Feuchtgebiete al Zuflucht ort für die typi ehe Artenvielfalt in den nächsten Jahrzehnten noch zunehmen wird. Die Pflege und der Unterhalt der Grande Caric;aie oJiten daher neu überdacht werden im Hinblick auf die regionalen und überregionalen Wechselbeziehungen und Aufgaben dieses Lebensraumes. Die Grande Caric;aie sollte vermehrt ins Netz der europäischen Feuchtgebiete einbezogen werden.
I HAND BUCH MOOR· SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
LITERATUR ANSCHRIFf DER AUTOREN
ANTONIAZZA, M. (1988): Effets Christophe Le Nedic / Michel Antode l'entretien sur l'avifaune nicheuse niazza / Christian Clerc / Antoine du marais, resultats de 1985, 1986 et Gander
1987 Grande Cari<;aie, Groupe Groupe d'etude et de gestion de la
d'etude et de gestion, Yverdon. Grande Caric;aie (GEG) Champ-Pittet ANTONIAZZA, M. (2001): Effets 1400 Yverdon de l'entretien sur l'avifaune nicheuse du marais, resultats de 1985 a2000. Grande Caric;aie, Groupe d'etude et de gestion, Yverdon. AUSKUNFf CLERC, C. (1999): Suivi des roselieres lacustres. Resultats 1993 - 1998. Groupe d'etude et de gestion de la Grande Caric;aie, Groupe d'etude et Grande Caric;aie de gestion, Yverdon. Champ-Pittet
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GANDER, A. (2001): Effets sur les info@grande-caricaie.ch roselieres de leur revitalisation par decapage du sol. Grande Caric;aie, Grande Caric;aie im Internet: Groupe d'etude et de gestion, Yver- www.grande-caricaie.ch don.
LE NEDIC, C. (2001): Effets du fauchage sur la vegetation. Resultats 1984 a2000. Grande Caric;aie, Grou- ÜBERSETZUNG pe d'etude et de gestion, Yverdon. Silvia Sambeth MULHAUSER, B. (1997): Inventai- Claridenstrasse 15 re de la faune de la Grande Caric;aie. 8307 Effretikon Grande Caric;aie, Groupe d'etude et de gestion, Yverdon. Handbuch MULHAUSER, B. / CLERC, C. Moorschutz (1996): Pflege der Grande Caric;aie - in der Schweiz 1 Erkenntnisse nach zehnjähriger 2/1998 Erfahrung. Handbuch Moorschutz in der Schweiz, Band 2, Beitrag 2.2.3, Bern.