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Auerhuhn und Waldbewirtschaftung2001

31.10.2001 9:00 Uhr Seite (Gelb/Process (Cyan/Process (Magenta/Process Yellow Cyan Black Magenta Bogen) Bogen) Bogen) Bogen)

Vollzug Umwelt

Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL)

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2 Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

1 Bestand, Verbreitung und

Bedrohung des Auerhuhns

Das Auerhuhn ist bedroht. Um 1970 balzten in der Schweiz noch mindestens

1100 Hähne; 15 Jahre später wurde der

Frühlingsbestand bloss noch auf 550 bis 650 Hähne geschätzt. Das Verbreitungsgebiet ist geschrumpft. Um 1900 stiess das Auerhuhn bis in die um 1900 grossen Wälder des Mittellandes vor. Heute haben nur noch wenige Vorkommen eine grössere Ausdehnung, darunter jene im Waadtländer Hochjura, in den Berner, Luzerner und Obwaldner Voralpen, in den Schwyzer Voralpen sowie diejenigen im Toggenburg und im Engadin. Das Auerhuhn steht gesamtschweizerisch unter Schutz und wird seit 1971 nicht mehr bejagt. um 1970

Gefährdungsursachen sind:

  • Wald-Erschliessungen und waldbauliche Massnahmen, die den Ansprüchen des Auerhuhns nicht Rechnung tragen.

  • Störungen (durch Wanderer, Pilz- und Beerensammler, Skifahrer, Mountain- Biker, Orientierungsläufer, Fotografen, Ornithologen etc.) 1985 und später

Regnerisches und kaltes Wetter in der Aufzuchtzeit kann den Bruterfolg vermindern. Solche witterungsbedingten Einflüsse führen zu Bestandsschwankungen, aber nicht zum starken Rückgang oder gar zum Verschwinden der Art. Die natürlichen Feinde wie Fuchs, Marder und Habicht stellen normalerweise keine Gefahr für eine Auerhuhn-Population dar; lediglich in sich verschlechternden Biotopen können sie zu einem Auerhenne Problem werden.

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4 Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

2 Biologie des Auerhuhns

Das Auerhuhn ist unsere grösste Raufusshühnerart. Mit Hahn bezeichnen wir den männlichen, mit Henne den weiblichen Vogel. Hasel-, Schnee- Birk- und Auerhuhn sind die einheimischen Vertreter der Raufusshühner. Ihre Läufe sind bei allen Arten zu mindestens 2/3 befiedert; bei Auer- und Birkhuhn sind auch die Füsse, beim Schneehuhn sogar die Zehen von Federn bedeckt.

Hahn Henne

Gewicht 3 – 5,5 kg 1,5 – 2,5 kg Farbe Bauch und Rücken schwarz braun, hell-dunkel gemustert Flügel braun Brust schwarz, metallisch Brust einfarbig rostrot grün glänzend Stimme leiser Balzgesang gackernde Rufe

2.1 Ein Jahr im Leben des Auerhuhns 2.2. Sozialverhalten und Balz

Die Auerhähne versammeln sich in der Hahn Henne Balzzeit morgens an Gemeinschaftsbalz- Januar plätzen, dort, wo ihre Reviere wie Ku- Februar chenstücke aneinanderstossen. Als Hinweis auf eine niedrige Populationsdichte März Balz und deshalb als Alarmzeichen muss ge- April wertet werden, wenn die Hähne nicht ge- Hochbalz Besuch Balzplatz meinsam und an oft wechselnden Orten Mai Eiablage (7–10 Eier) balzen. Juni Brut (26 Tage) Oft übernachten die Hähne auf Bäumen in Balzplatznähe. Schon vor dem Juli Kükenaufzucht Mauser Morgengrauen beginnen sie mit ihrem August Mauser eigenartigen, recht leisen Balzgesang; er September besteht aus doppel- und einsilbigen Lauten, dann einem sogenannten Haupt- Oktober Herbstbalz schlag und schliesslich dem Wetzen, November einem schleifenden Geräusch. Die Strophe lässt sich etwa folgendermassen Dezember wiedergeben: tet-telep, tetelep, tetelep,

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Biologie des Auerhuhns 5

Reviergrenzen Balzplatz

telep, telep, telep telep, pop tschi-teschi- Herbst: Beeren (Heidelbeere, Himbeete-schi-te-schi. Später kommen die re, Vogelbeere, Hagebutten), Heidel- Hähne auf den Boden herunter, wo Re- beertriebe vierkämpfe, aber auch die Paarungen Winter: Nadeln von Weisstanne und stattfinden. Föhre (die Fichte oder Rottanne wird nur wenig genutzt) Frühling: Sobald wie möglich Über-

2.3 Nahrung gang zur Nahrungsaufnahme am Boden

(Heidelbeerknospen und -triebe). Dazu Das Auerhuhn ist fast ausschliesslich (vor allem im Jura) aufbrechende Bu- Vegetarier. Wichtigste und beliebteste chenknospen. Nahrungspflanze ist in den meisten Ge- Vor allem die Winternahrung ist sehr bieten die Heidelbeere. Wenn viel nährstoffarm. Deshalb sind Auerhühner Schnee liegt, wird die Nahrung nicht im Winter darauf angewiesen, Energie mehr in der Zwergstrauchschicht am sparen zu können und möglichst wenig Boden aufgenommen; die Auerhühner gestört zu werden. sind dann gezwungen, auf Baumäsung umzustellen. Zähe, zum Teil verholzte Pflanzenteile werden bei der Verdauung 2.4. Lebensraumansprüche mit Magensteinchen (Grit) zerrieben, die regelmässig neu aufgenommen werden Der Lebensraum des Hahns sind naturmüssen. Auch die beiden langen Blind- nahe, reich strukturierte Bergwälder. Die därme sind eine Anpassung an die Merkmale solcher Wälder sind: schwer verdauliche und nährstoffarme • reichhaltige Baumartenmischung Nahrung; hier wird Cellulose durch Bak- (wertvoll ist ein hoher Anteil von terien aufgeschlossen. Weisstanne und Föhre, je nach Re- Sommer: Heidelbeerblätter, Kräuter, gion auch von Buche) Gräser (Nahrung von Hahn und Henne); • Kronenschluss locker bis lückig Insekten, z.B. Raupen, einzelne Amei- (Deckungsgrad maximal 50–70 %) sen (Nahrung der Küken) • stufiger Aufbau, plenterartige Struktur

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6 Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

Hennen bevorzugen offene Lebensraumteile, z.B. Randbereiche von Mooren und Rieden sowie Stellen mit vielen Hochstauden.

  • gute Befliegbarkeit (Flugschneisen; Die Küken folgen der Henne, die sie stammzahlarmer Bestand) wärmt und bewacht. Sie werden nicht

  • gut ausgebildete Zwergstrauch- von der Henne gefüttert, sondern fressen schicht, vor allem aus Heidelbeere von Anfang an selbstständig. In den ers-

  • hoher Altholzanteil ten Lebenstagen besteht ihre Nahrung

  • stehendes und liegendes Totholz fast ausschliesslich aus Insekten, vor

  • wenig Störungen allem Raupen. Ameisen werden zwar gern genommen, doch wird die unmittel- Gemieden werden: bare Umgebung der Ameisenhaufen of-

  • reine Fichtenbestände fenbar eher gemieden.

  • Bestände ohne Bodenvegetation

  • geschlossene, dunkle Stangenhölzer Zur Grösse des Lebensraums:

  • grossflächige Kulturen (ausgepflanzte Der Aktionsraum eines Hahns beträgt im Flächen) Winter und Frühling etwa 1 km2, die Siedlungsdichte erreicht höchstens 2–3 Hennen bewohnen dieselben Wälder wie Hähne pro km2. Im Sommer verteilen die Hähne. In der Aufzuchtzeit der Küken sich die Hähne über wesentlich grössere (Juni/Juli) bevorzugen sie aber offenere Räume. Je grösser die günstige Wald- Bestände: fläche ist, desto eher kann sie eine lang-

  • kleine Lichtungen und Bestands- fristig lebensfähige Teilpopulation beherlücken bergen. Sie muss mindestens 100 km2

  • Stellen mit Hochstaudenvegetation gross sein.

  • Waldrandbereiche, vor allem Übergänge des Waldes zu Hochmooren, Störungen: Flachmooren, Riedwiesen und leicht Das Auerhuhn reagiert sehr empfindlich bestockten, extensiv genutzten Wei- auf Störungen verschiedener Art. Dieden. sem wichtigen Thema ist das Kapitel 7 gewidmet.

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Ermittlung der Auerhuhn-Verbreitung 7

3 Ermittlung der Auerhuhn- Funde von Federn, Kot und Spuren kön-

Verbreitung nen dem aufmerksamen Beobachter Hinweise auf das Vorkommen von Auer- Förster sind erfahrungsgemäss gern be- hühnern geben: reit, auf das Auerhuhn Rücksicht zu nehmen. Mit Recht wollen sie aber wissen, Federn

  • ob es in ihrem Forstkreis überhaupt Schwanzfedern Auerhühner hat und • 30 cm lang

  • wie man herausfinden kann, welches • gerade abgeschnitten die wichtigsten Teile des Verbrei- • schwarz, meist mit hellen Flecken tungsgebiets (die Kerngebiete) sind und wo ihre Grenzen liegen.

Die Suche nach dem Auerhuhn (Direktnachweis)

  • verursacht Störungen

  • ist zeitaufwendig

  • ist nicht in jeder Jahreszeit erfolgver- Schwanzfeder eines mehrjährigen sprechend und Hahns

  • im Winter und Frühling nur bei günstigen Schnee- bzw. Witterungsverhältnissen möglich. Kleingefieder

  • mit duniger Nebenfeder (zur Isolation) Deshalb: Fragen Sie bei der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach nach. Hier erhalten Sie projektbezogene erste Informationen über Verbreitung, Bestand und lokale Situation des Auerhuhns, wenn erwünscht auch eine Beratung. Die Schweizerische Vogelwarte vermittelt Ihnen soweit möglich auch Kontakte zu regionalen Kennern des Auerhuhns. 1985 wurde mit einer Umfrage ein Auerhuhn-Inventar erarbeitet. Es wird Federn des Körpergefieders mit duniger laufend nachgeführt und damit auf dem Nebenfeder aktuellsten Stand gehalten. In verschiedenen Kantonen wurden zudem regionale Auerhuhn-Inventare mit Schutzkon- Kot zept erstellt, worin Zonen definiert sind, Walzenlosung aus dem Winterhalbjahr in denen der Schutz des Auerhuhns Pri- Durchmesser: orität haben soll. • Hahn: 10–12 mm

  • Henne: 8–9 mm weiss: Harnsäurebelag (am einen Ende, unterschiedlich stark ausgeprägt)

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8 Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

Im Frühling wird der Kot weicher. Seltener findet man: Der Blinddarmkot ist eine dunkle, • Schneehöhlen: Auerhühner können schmierige Masse. sich zum Schlafen in lockeren Schnee eingraben; die Pulverschneedecke muss dazu aber mindestens 50 cm hoch sein. • Sandbadestellen ("Huderpfannen"): flache Mulden in trockenem, sandigem Boden, oft mit Federn.

Winterlosungen Sammeln Sie Kot und Federn ein! Kleine Kunststoffbeutel eignen sich am besten. Bitte mit Datum und Fundort beschriften. Kot soll möglichst rasch gut getrocknet werden. Die Funde können anschliessend von einem Spezialisten bestimmt werden. Sie können das Material an die Schweizerische Vogelwarte, 6204 Sempach, senden. Losungen aus dem Frühjahr

4 Kartierung der

Biotop-Eignung Spuren Die seitlichen Zehen sind stark abge- In der Balzzeit und während Brut und spreizt. Im Winter werden die Zehen Aufzucht (also von Anfang April bis Mitte durch Hornstifte (umgebildete Federn) Juli) soll das Auerhuhn vor Störungen verbreitert. geschützt und nicht gesucht werden. Länge der Trittsiegel: Funde von Federn, Kot und Spuren blei-

  • Hahn: 12,5 cm ben immer zufällig. Deshalb muss man

  • Henne: 9,5 cm sich bei der Festlegung waldbaulicher Massnahmen oft auf die Beurteilung des Waldbestandes beschränken. Im Schwarzwald wurde eine Kartiermethode entwickelt, mit der sich die Lebensraum-Eignung flächendeckend und relativ rasch feststellen lässt. Die Methode wurde bereits in verschiedenen Gebieten der Schweiz erprobt und hat sich bewährt. Regionale Anpassungen des Schlüssels können aber notwendig sein. Fussabdruck eines Hahns im Winter Der Schlüssel enthält 5 Stufen, von 1 (optimal geeignet) bis 5 (ungeeignet).

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Empfehlungen für die Waldbewirtschaftung 9

Kriterien sind: gen für den Zusammenschluss inselartig

  • das Nahrungsangebot, d.h. vor allem verbreiteter Teilpopulationen zu schafder Deckungsgrad der Heidelbeere fen.

  • die Deckung, d.h. der Sichtschutz am Pflegeeingriffe und lnfrastrukturanla- Boden durch Vegetation von mindes- gen sollen die Lebensraumansprüche tens 30 cm Höhe und die Störungsempfindlichkeit des

  • die Bestandsstruktur (von struktur- Auerhuhns optimal berücksichtigen 1). reich bis monoton). Ziel ist ein strukturreicher, locker bis lückig aufgebauter, möglichst stark diver- Trotz der quantitativen Kriterien ist eine sifizierter Wald, der wie jener im Schema gute Einführung in die Kartiermethode auf Seite 8 alle wesentlichen Ansprüche unumgänglich. Bitte setzen Sie sich mit des Auerhuhns erfüllt. der Schweizerischen Vogelwarte in Verbindung, wenn Auerhuhn-Habitate kartiert werden sollen oder wenn Sie sie 5.1. Allgemeine Empfehlungen selbst kartieren möchten.

  • In der Balz- und Aufzuchtzeit, d.h. zwischen Anfang April und Mitte Juli,

5 Empfehlungen für die auf Waldarbeiten in Auerhuhn-Gebie-

Waldbewirtschaftung ten unbedingt verzichten, wenn möglich auch schon gegen Ende des Win- In Auerhuhnlebensräumen kann sowohl ters von Februar bis März (siehe Kader Verzicht auf eine Bewirtschaftung als pitel 7 "Störungen") auch eine angepasste naturnahe Bewirt- • Auf wenig produktiven Standorten wie schaftung in Frage kommen. Wird für z.B. moorigen Flächen, Kreten- und eine Bewirtschaftung entschieden, so Kuppenlagen auf Eingriffe verzichten. können Förster zur Erhaltung des Auer- Auf solchen Standorten ist aufgrund huhns viel beitragen, indem sie mit den der geringen Dynamik kurz- bis mittelnachfolgend aufgeführten Massnahmen fristig nicht damit zu rechnen, dass günstige Biotopstrukturen erhalten oder sich die Bestände schliessen und neu schaffen. damit für das Auerhuhn unbenutzbar Alle vorgeschlagenen Massnahmen werden. sollen auf möglichst ausgedehnten • Altbäume, die als Balz- und Schlaf- Flächen ergriffen werden, da der Raum- bäume benutzt werden, so lange wie bedarf des Auerhuhns sehr gross ist (vgl. möglich schonen Kap. 2.4., S. 4). In den Kerngebieten der Auerhuhnlebensräume (regelmässig besiedelte 1 Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz Waldgebiete gemäss aktuellsten Auer- (NHG) vom 1. Juli 1966:

huhn-Inventardaten) müssen alle im fol- Art. 18

1 Dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflangenden vorgeschlagenen Massnahmen zenarten ist durch die Erhaltung genügend grosser

ergriffen werden. In den angrenzenden Lebensräume (Biotope) und andere geeignete Gebieten soll so weit wie möglich eben- Massnahmen entgegenzuwirken. Bei diesen Massnahmen ist schutzwürdigen landfalls nach diesen Grundsätzen vorgegan- und forstwirtschaftlichen Interessen Rechnung zu gen werden, um günstige Voraussetzun- tragen.

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10 Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

9 12

3 8 2

7 6 Aufnahme von Steinchen an 2 4 6

5 Wurzeltellern

7 geschützter Brutplatz 1 freier Schlafplatz 8 gedeckter Schlafplatz

2 Heidelbeeren 9 Föhren und Weisstanne (Nadeln als

Winternahrung)

3 Balzbaum

10 Sandbadestelle («Huderpfanne»)

4 Bodenbalzplatz

11 Ameisenhaufen

5 Jungfichten (als Deckung, z.T. als

Winternahrung) 12 Buche (Knospen)

  • tote Bäume (Dürrständer) stehen las- wenden bzw. Räumung in schmalen sen Streifen durchführen

  • Bestände mit über 100-jährigen Bäu- • Moore und daran angrenzende Waldmen in den bekannten Auerhuhn- ränder nicht verändern Kerngebieten möglichst lange erhal- • auf Entwässerungen und chemische ten Hilfsstoffe verzichten 2)

  • dunkle Wälder, besonders mittleres

2 Bundesgesetz über den Wald (Waldgesetz WaG)

Baumholz (35–50 cm Brusthöhen- vom 4. Oktober 1991, in Kraft seit 1. Januar 1993: durchmesser BHD) durchforsten Art. 18 Umweltgefährdende Stoffe • Kronenschluss frühzeitig und andau- Im Wald dürfen keine umweltgefährdenden Stoffe ernd unterbrechen, lockere bis lückige verwendet werden. Die Umweltschutzgesetzge- Struktur anstreben (maximal 50–70 % bung regelt die Ausnahmen.

Kronenschluss) Verordnung über den Wald (Waldverordnung WaV)

  • mittleren Holzvorrat (300–400 m3) vom 30. November 1992, in Kraft seit 1. Januar nicht überschreiten, es sei denn, die 1993: betreffenden Bestände befänden sich Art. 26 Pflanzenbehandlungsmittel in einer Alters- oder Zerfallsphase und 2 Die Verwendung von Unkrautvertilgungsmitteln der grosse Teil des Holzvorrats kon- nach Anhang 4.3 der StoV (d.h. Verordnung über umweltgefährdende Stoffe, Stoffverordnung) ist im zentriere sich auf wenige starke Wald verboten. Bewilligt wird jedoch ihre Verwen- Bäume dung in forstlichen Pflanzgärten ausserhalb der

  • stufigen Waldaufbau unter Einbeziehung aller Altersklassen fördern Art. 27 Dünger

1 Die Verwendung von Düngern und diesen gleich-

• im Gebirgswald Gruppenplenterung gestellten Erzeugnissen nach Anhang 4.5 der StoV oder kleinflächigen Femelschlag an- ist im Wald verboten.

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Empfehlungen für die Waldbewirtschaftung 11

  • Extensive und genau kontrollierte jüngung sorgen, dass eine langfristige Waldweide kann die Eignung eines Stabilität des Waldbestandes gewähr- Waldes als Auerhuhn-Lebensraum leistet ist verbessern. Soweit heute bekannt, • Waldlichtungen offen halten trifft dies jedoch nur für Lebensräume • Gleichgewicht zwischen Schalenwildim Jura zu. population und örtlichen Bedürfnissen

  • auf Zäune verzichten, lokale Proble- in Bezug auf Naturverjüngung anstreme mit zu hohen Schalenwildbestän- ben. Wichtig dafür ist die Erhaltung den und mit Wildverbiss gemeinsam ausreichend offener Bestände. mit der Wildhut angehen 3)

5.5 Baumartenwahl

5.2 Femelschlagwald

  • standortgerechte, natürliche Baumar-

  • kleinflächig bewirtschaften bei konti- tenmischung anstreben nuierlicher Erhaltung von Altholzbe- • Föhre und Weisstanne fördern ständen • Buche auf buchenfähigen Standorten

  • lange Verjüngungszeiträume einhalten zumindest als Beimischung erhalten

  • keine reinen Fichtenbestände anlegen

  • den Anbau floren- und standortfrem-

5.3 Plenterwald der Baumarten unterlassen

  • offene Struktur erhalten

  • Uniformität vermeiden (ein Plenter- 5.6. Strauch- und wald soll neben dichteren Stellen Zwergstrauchschicht auch Lücken aufweisen)

  • wenn möglich mit Gruppenplenterung • Heidelbeere und andere Beerensträuoptimale Strukturen für das Auerhuhn cher grossflächig erhalten und durch schaffen genügend Lichteinfall fördern

  • Vogelbeerbaum fördern oder zumindest stehen lassen

5.4 Verjüngung • Verdrängung der Zwergsträucher

durch grossflächige, zu dichte Wald-

  • konsequent mit Naturverjüngung ar- verjüngung verhindern beiten

  • grossflächige bürstendichte Verjüngung vermeiden, aber für soviel Ver- 5.7. Insekten

• Insekten durch Schaffung von ausrei-

3 Waldgesetz vom 4. Oktober 1991:

chendem Lichteinfall und von trocke- Art. 27 Massnahmen der Kantone nen Kleinstandorten am Waldboden

2 Sie regeln den Wildbestand so, dass die Erhaltung des Waldes, insbesondere seine natürliche

fördern Verjüngung mit standortgerechten Baumarten, ohne Schutzmassnahmen gesichert ist. Wo dies nicht möglich ist, treffen sie Massnahmen zur Verhütung von Wildschäden.

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12 Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

5.8 Waldreservate Durchführung notwendiger Massnahmen

(wie Wegegebote, Pilz- und Beeren- Das neue Waldgesetz ermöglicht das pflückverbot), die Nutzungseingriffe, die Ausscheiden von Waldreservaten zur Er- Regelung finanzieller Abgeltungen sowie haltung der Artenvielfalt von Fauna und die Erfolgskontrolle. Flora 4). Wegen der akuten Bedrohung des Auerhuhns sollten an geeigneten Orten möglichst grossflächige Waldreservate ausgeschieden werden. Dort, wo die Lebensraumqualität nur mit gezielten Eingriffen erhalten und verbessert werden kann, ist der Status "Sonderwaldreservat mit besonderer Bewirtschaftung" zu wählen. Wo keine Eingriffe zur Förderung einer vielfältigen Baumartenmischung und der Waldstruktur im Sinne von Kap. 2.4. nötig sind, werden vorteil-

4 Waldgesetz vom 4. Oktober 1991:

haft Naturwaldreservate ohne Nutzungseingriffe gewählt. Art. 20 Bewirtschaftungsgrundsätze

4 Die Kantone können zur Erhaltung der Artenvielfalt

Das Ausscheiden von Reservaten er- von Fauna und Flora angemessene Flächen als leichtert die Planung, die Anordnung und Waldreservate ausscheiden.

Heidelbeeren sind die wichtigsten Zwergsträucher in den meisten Auerhuhn-Lebensräumen; Knospen und Triebe, im Sommer und Herbst auch Blätter und Beeren, werden gern gefressen.

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Konventionelle Erschliessungen 13

6 Erschliessungen tragen. Ist die Ausrichtung auf eine solche auerhuhnverträgliche Bewirtschaf-

6.1 Konventionelle Erschliessungen tung nicht möglich, so muss der getroffene Grundsatzentscheid für eine Bewirt-

Walderschliessungen mit Strassen oder schaftung überdacht und die Option Nut- Wegen werden oft als Grund für das Er- zungsverzicht ins Auge gefasst werden löschen von Auerhuhnpopulationen an- (vgl. dazu Kap. 5.8 "Waldreservate"). gesehen. Sie stellen tatsächlich eine Ge- Zu jedem Strassenbau-Projekt sind fahr dar, da sie wichtige Auerhuhnle- stets alternative Erschliessungsmöglichbensräume verändern oder zerstören keiten gründlich zu prüfen (vgl. Kap. 6.2). können. Sie ermöglichen eine Intensivie- Falls ein kantonales oder regionales rung der Bewirtschaftung und das Ein- Auerhuhn-Schutzkonzept besteht, sind dringen von Störungen in bisher kaum dessen Vorgaben massgebend. Besteht begangene Wälder. kein solches Konzept, so ist vor der Pla- Allerdings muss man Waldstrassen nung neuer oder dem Ausbau bestehenzugute halten, dass sie einförmige Be- der Waldstrassen abzuklären, ob Auerstände auflockern können. An ihren Rän- hühner im oder nahe am Projektperimedern wachsen bald Zwergsträucher, und ter vorkommen. Falls ja, sind die folgenan den Böschungen siedeln sich Amei- den Punkte zu berücksichtigen: sen und andere Insekten an. Sofern die Strassen nicht mit einem Hartbelag ver- • In Kerngebieten des Auerhuhns müssehen werden, können die Hühner auf sen weitere Erschliessungen unterihnen Magensteinchen aufnehmen, und bleiben. Zu diesem Zweck müssen in am Strassenrand können Sandbadege- regionalen forstlichen Planungen Vorlegenheiten entstehen. Diese möglichen ranggebiete für das Auerhuhn und anpositiven Effekte eines Waldstrassen- dere störungsempfindliche Wildtierarbaus können aber die damit verbunde- ten bezeichnet werden. Bei bereits nen Gefahren nicht aufwiegen. Die mög- bestehenden Erschliessungen kann liche Aufwertung eines Auerhuhn-Lebensraums kann deshalb den Bau oder den Ausbau einer Waldstrasse oder eines Maschinenwegs nie rechtfertigen. Sofern in der forstlichen Planung eine Bewirtschaftung vorgesehen ist, gilt deshalb: Für alle nicht erschlossenen Auerhuhngebiete und für solche, in denen Erschliessungen ausgebaut oder saniert werden müssten, soll sich die Bewirtschaftung prioritär auf andere Infrastrukturen als auf Forststrassen und Maschinenwege stützen. Dies gilt selbst dann, wenn die Aufwertung der Lebensräume Waldstrassen und Maschinenwege mit Teil der Bewirtschaftungsziele ist. Eben- dem kleinstmöglichen Ausbaustandard

so müssen auch Basiserschliessungen anlegen; möglichst auf Hartbelag verden Lebensraumbedürfnissen Rechnung zichten.

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14 Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

auch eine Aufgabe oder ein Rückbau • Bestehende und zukünftige Erschliessinnvoll sein. sungen sind mit allgemeinen Fahrver-

  • Ist in speziellen Ausnahmefällen eine boten und abschliessbaren Barrieren neue Erschliessung in Kerngebieten zu versehen, damit der Privatverkehr unumgänglich, so können keine allge- (auch mit Motorrädern) konsequent meinen Empfehlungen abgegeben und kontrollierbar verhindert wird 5). werden. Die Linienführung muss von • Im Rahmen von Erschliessungsmass- Fall zu Fall durch mit den Verhältnis- nahmen sollen auch das Wanderwegsen vertraute Experten beurteilt wer- netz überprüft, Wanderrouten auf den. Es ist deshalb unerlässlich, Waldstrassen verlegt und die Benüteinen Auerhuhn-Experten für die De- zung durch Fahrräder (Mountaintailplanung beizuziehen. Bikes) geregelt oder nötigenfalls ein-

  • Auch für die Erschliessungsplanung geschränkt werden. ausserhalb der Kerngebiete wird drin- • Auf Hartbelag soll verzichtet werden. gend empfohlen, einen mit den Ver- • Wo möglich (z.B. in Naturschutzgehältnissen vertrauten Experten zur bieten) striktes Weggebot erlassen, Planung beizuziehen. sonst in stark begangenen Gebieten

  • In jedem Fall müssen Strassen aus- mit Hinweistafeln (ohne Erwähnung serhalb der Sichtweite von bekannten des Auerhuhns) um Benützung der Balzplätzen im Abstand von mindes- Wege bitten. tens 200 m, je nach lokalen Verhältnissen auch mehr, verlaufen.

  • Rundwege und Zusammenschlüsse von Strassen und Wegen sind zu vermeiden, damit diese für andere Nut-

5 Waldgesetz vom 4. Oktober 1991:

zungen (vor allem Erholung und Sport) nicht attraktiv werden. Art. 15 Motorfahrzeugverkehr

1 Wald und Waldstrassen dürfen nur zu forstlichen

Zwecken mit Motorfahrzeugen befahren werden. Der Bundesrat regelt die Ausnahmen für militärische und andere öffentliche Aufgaben. 2 Die Kantone können zulassen, dass Waldstrassen zu weiteren Zwecken befahren werden dürfen, wenn nicht die Walderhaltung oder andere öffentliche Interessen dagegen sprechen. 3 Die Kantone sorgen für die entsprechende Signalisation und für die nötigen Kontrollen. Wo Signalisation und Kontrollen nicht genügen, können Barrieren angebracht werden.

Waldverordnung vom 30. November 1992:

Art. 13

1 Waldstrassen dürfen zu folgenden Zwecken mit

Motorfahrzeugen befahren werden: a. zu Rettungs- und Bergungszwecken; b. zu Kontrollfahrten der Polizei; Waldstrassen in empfindlichen Gebieten c. zu militärischen Übungen; sollen für nicht-forstlichen Verkehr ge- d. zur Durchführung von Massnahmen zum Schutz vor Naturereignissen; sperrt werden. Verbote allein genügen e. zum Unterhalt von Leitungsnetzen der PTT-Benicht. triebe.

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Andere Holzbringungsmethoden im Vergleich 15

6.2 Andere Holzbringungsmethoden b) Helikopter

im Vergleich Der Helikopter ist eine Alternative zum Seilkran dort, wo dieser aus topografia) Seilkran schen oder anderen Gründen nicht zum Der Holztransport mit Seilkran kann für Einsatz kommen kann, wo aber trotzdem das Auerhuhn Vorteile bringen. In der Nutzungen nötig sind. Das kann z.B. der Regel wird grosszügiger angezeichnet Fall sein in Wäldern mit besonderer und stärker eingegriffen als in Wäldern, Schutzfunktion (BSF) oder wenn Holz welche gut mit Strassen und Wegen er- aus phytosanitären Gründen aus dem schlossen sind. Damit wird viel Licht in Bestand entfernt werden muss. Der den Wald gebracht und oft eine für das Holztransport mit dem Helikopter verur- Auerhuhn günstige Waldentwicklung in sacht eine Störung, die aber keine we- Gang gesetzt. Gleichzeitig bleiben die sentlichen Auswirkungen auf Raufussnegativen Folgen einer Erschliessung hühner haben wird, sofern sie sich auf mit Strassen und Wegen aus. Seilkräne wenige Tage im Herbst beschränkt. Die und Kabelanlagen sollen wegen der Un- Rücksichtnahme auf andere Wildtierfallgefahr nur möglichst kurze Zeit hän- arten und eine diesbezügliche Abspragen gelassen werden. Ein eventueller fi- che mit dem zuständigen Wildhüter bzw. nanzieller Mehraufwand, der durch die mit der lokalen Jagdgesellschaft sollte Bewirtschaftung mit dem Seilkran verur- selbstverständlich sein. sacht wird, kann vom Bund teilweise abgegolten werden 6).

7 Störungen

Das Auerhuhn reagiert sehr empfindlich auf Störungen aller Art. Die Hähne verlassen die Balzplätze schon bei geringfügigen Störungen und suchen sie für einige Zeit, bei regelmässiger Beeinträchtigung schliesslich gar nicht mehr auf. Küken können von der sie führenden Henne weggesprengt werden und an Unterkühlung zugrunde gehen, da sie in den ersten Lebenstagen ihre Körper-

6 Waldgesetz vom 4. Oktober 1991:

Art. 38 Bewirtschaftung des Waldes

2 Er (d.h. der Bund) leistet Finanzhilfen bis zu 50

Prozent der Kosten von Massnahmen wie... b. befristete waldbauliche Massnahmen wie Pflege, Holznutzung und -bringung, wenn die Gesamtkosten nicht gedeckt oder diese Massnahmen aus Gründen des Naturschutzes besonders aufwendig Holzbringung mit Seilkran sind.

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16 Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

temperatur noch nicht selbstständig ten gestört werden, d.h. im Februar und aufrechterhalten können. Störungen März. In dieser Zeit ist der Energiehausmüssen daher von Auerhuhn-Lebens- halt vor allem der Hennen ohnehin schon räumen ferngehalten werden. sehr grossen Belastungen ausgesetzt. Verschiedene Aktivitäten im Wald kön- Grossveranstaltungen im Wald sind nen zu Störungen führen, z.B. Pilze- bewilligungspflichtig, wo es der Schutz oder Beerensammeln, Mountain-Biking von Wildtieren erfordert; zuständig für und Motocross, Langlauf, Skifahren ab- die Bewilligung sind die Kantone 7). In seits der Pisten (Variantenfahren), Orien- Lebensräumen des Auerhuhns müssen tierungsläufe, aber auch Beobachten Grossveranstaltungen unterbleiben. und Fotografieren am Balzplatz. Auch Wo Auerhuhn-Lebensräume an tourisfreilaufende Hunde können ein Problem tisch stark genutzte Räume grenzen, sein. müssen Lenkungsmassnahmen ergriffen Um die scheuen Vögel nicht zu stören, werden, mit denen eine klare räumliche verzichten verantwortungsbewusste Na- Trennung zwischen touristischen Aktiturfreunde deshalb darauf, Auerhühner vitäten und Auerhuhn-Lebensräumen in der Balzzeit zu suchen. Beobachtun- erreicht werden kann. gen, welche zur Bestandskontrolle gemacht werden, müssen aus einem Versteck heraus erfolgen. Dieses soll nicht 8. Vorgehen bei Planungen zu nahe am Balzplatz angelegt und schon vor der Abenddämmerung bezo- Das Planen von Erschliessungen und gen werden. In einigen Kantonen ist das Festlegen von waldbaulichen Zielen dafür eine Bewilligung der Jagdbehörden sind in der Regel Inhalte der überbetrieberforderlich. Auf alle Fälle sind solche lichen forstlichen Planung. Diese wird je Zählungen mit der kantonalen Wildhut nach Kanton "Waldentwicklungsplanung" oder der Jagdverwaltung abzusprechen. oder "regionale Waldplanung" genannt. Waldstrassen erleichtern das Eindrin- Über die Berücksichtigung der Bedürfgen von Störungen in Auerhuhn-Lebens- nisse des Auerhuhns in solchen Planunräume. Jede nicht-forstliche Benutzung gen gibt die Publikation des BUWAL "Aumuss daher mit stabilen, abschliessba- erhuhn und Haselhuhn: Ihr Schutz in der ren (und tatsächlich abgeschlossenen) regionalen Waldplanung" Auskunft. Barrieren verhindert werden. Sie sollen an Stellen stehen, wo sie nicht umfahren werden können. In den Kerngebieten (vor allem an

Balzplätzen, in Gebieten für die Jungenaufzucht sowie in Winter-Aufenthaltsge-

7 Waldgesetz vom 4. Oktober 1991:

bieten) sollten auch Störungen durch Art. 14 Zugänglichkeit Forstarbeiten unterbleiben, besonders in 2 Wo es die Erhaltung des Waldes oder andere öfder Balz- und Aufzuchtzeit (Anfang April fentliche Interessen, wie namentlich der Schutz von bis Mitte Juli). Soweit als möglich sollten Pflanzen und wildebenden Tieren erfordern, haben die Kantone: die Auerhuhn-Lebensräume auch gegen a. für bestimmte Waldgebiete die Zugänglichkeit Ende des Winters nicht durch Waldarbei- einzuschränken; b. die Durchführung von grossen Veranstaltungen im Wald einer Bewilligung zu unterstellen.

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Vorgehen bei Planungen 17

Informationen darüber, ob Auerhühner eines Projektes. Am unangenehmsten im Perimeter eines Waldbau- oder Er- für alle Seiten ist es, wenn erst bei der schliessungsprojekts leben, sind an fol- Prüfung durch das BUWAL die Frage der genden Stellen erhältlich: Auerhuhnverträglichkeit gestellt wird.

  • Schweizerische Vogelwarte, 6204 Sempach, Tel. 041 462 97 00

  • Wildhüter, kantonale Jagd- oder Na- 9. Antworten auf häufige turschutzämter Einwände

  • Kantonsforstämter

  • Bundesamt für Umwelt, Wald und Auerhühner werden gelegentlich auf Landschaft BUWAL, Eidg. Forstdirek- Waldstrassen angetroffen; es wird dann tion, Bereich Wildtiere, 3003 Bern, daraus geschlossen, diese seien offen- Tel. 031 323 03 07 bar für Auerhühner sogar nützlich.

  • in verschiedenen Landesgegenden Eine Studie mit sender-markierten auch bei regionalen Auerhuhn- Auerhühnern im Schwarzwald hat ge- Schutzgruppen oder bei anderen zeigt, dass sich diese umso häufiger an Auerhuhn-Spezialisten (Kontaktadres- und auf Waldstrassen aufhalten, je sen an der Schweizerischen Vogel- schlechter geeignet der umliegende warte erhältlich) Waldbestand ist. Solche Beobachtungen sollen also dazu auffordern, zu dichte Frühzeitige Abklärungen ersparen viel Bestände aufzulichten und optimal struk- Ärger beim Genehmigungsverfahren turierte Lebensräume zu schaffen.

Auerhuhn- Kreisforstamt gruppen

Wildhüter Schweizerische Naturschutz- Vogelwarte ämter

Kantonsforstamt Spezialisten

Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft

Eidgenössische Forstdirektion

Bereich Wildtiere

Wege eines Projektes (Bewilligung) Anfrage wegen Auerhühnern möglich (Abklärung)

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18 Auerhuhn und Waldbewirtschaftung

Immer wieder wird von Auerhähnen be- Wo stabile Populationen dieses Raurichtet, die nicht scheu sind und manch- fusshuhns leben, "ist die Welt noch in mal sogar Menschen angreifen. Dies Ordnung". Der Schutz weiterer Artenkann zur Annahme verleiten, die Stö- gruppen kann zusätzliche Massnahmen rungsanfälligkeit sei nicht sehr gross. nötig machen, z.B. das Stehenlassen Solche aggressiven Hähne treten ge- von Höhlenbäumen für Spechte, aber legentlich auf. Man nennt sie auch "balz- auch für den Raufusskauz. Sich gegentoll". Die Ursachen dafür sind nicht ganz seitig ausschliessende Schutzmassnahklar, doch sind balztolle Hähne nach men für verschiedene waldbewohnende einer finnischen Untersuchung in stark Vogelarten sind also nicht zu befürchten. aufgesplitterten Lebensräumen häufiger. Grundsätzlich nützen Massnahmen zu- Sie sind also ein Alarmsignal. gunsten des Auerhuhns auch vielen anderen wildlebenden Tieren. Im Schweizer Wald brüten 59 Vogelarten; 15 davon sind bedroht. Schadet auerhuhnfreundlicher Waldbau anderen Arten? Muss der Förster für diese Vogelarten Massnahmen treffen, die mit jenen für das Auerhuhn im Widerspruch stehen? Das Auerhuhn ist ein Charaktervogel strukturreicher, naturnaher Bergwälder.

Reich strukturierter Auerhuhn-Lebensraum in der Innerschweiz.

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Andere Raufusshühner 19

10 Andere Raufusshühnerarten bei der Ausscheidung von alp- und waldwirtschaftlich genutzten Flächen keine

harten Grenzlinien entstehen.

Das Haselhuhn bewohnt die frühen Entwicklungsstadien laubholzreicher Wäl- Auch der vierte und letzte Vertreter der der. Reich gegliederte, schwer durch- Raufusshühner in der Schweiz, das Aldringbare, stufig aufgebaute Dickungen penschneehuhn, ist von der menschli- (Stammdurchmesser auf Brusthöhe chen Tätigkeit nicht ganz unbeeinflusst BHD kleiner als 8 cm) und Stangenhölzer geblieben: Durch die künstliche Senkung (BHD 8–20 cm) sowie Bestände mit der oberen Waldgrenze bei intensiverer plenterartiger Struktur sagen ihm beson- Alpnutzung wurden die Flächen der ders zu. Das Haselhuhn gehört also in (fast) baumfreien Zwergstrauchgeselldie Pionierphasen, das Auerhuhn in die schaften, in denen es brütet, vielerorts Endphasen der Waldentwicklung. vergrössert.

Keines unserer Waldhühner kann in einem geschlossenen, reinen Fichtenwald leben. Das Birkhuhn ist im subalpinen Fichtenwald der Nordalpenzone auf den Vogelbeerbaum angewiesen, und das Haselhuhn benötigt verschiedene Laubbäume und Sträucher. Eine vielseitige Baumartenzusammensetzung aus einheimischen Arten nützt daher allen waldbewohnenden Raufusshühnern.

Das Birkhuhn lebt in der "Kampfzone des Waldes", d.h. bei uns in lockeren, sich nach oben allmählich auflösenden Waldbeständen an der oberen Wald- und Baumgrenze. Diese sollen weder durch Holznutzung verändert noch für die Gewinnung von Weideland zerstört werden. Auch innerhalb des Waldgürtels dürfen

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20 Waldwirtschaft und Auerhuhn

11 Weiterführende Literatur MARTI, C. (1992): Vom Inventar zum

Schutz. Ornis Dezember 1992/Nr.6: BADILATTI, B. (1992): Das Auerhuhn in 31–33. einem Hochgebirgstal (1981–1991). MARTI , C., P. MEILE & U. BÜHLER (1988): Ornithol. Beob. 89: 50–55. Forstwirtschaft und Auerhuhn. BLATTNER, M. & A. PERRENOUD (2001): Schweizer Förster 124 (7–8): 17–18. Merkblatt Haselhuhn und Waldbewirt- MÜLLER, W. (1991): Naturschutz im Wald schaftung. BUWAL, Bern. am Beispiel von Vogelarten. Schweiz. DÄNDLIKER, G., P. DURAND, N. NACEUR & Z. Forstwesen 142: 751–771. C. NEET (1996): Contribution à l'étude NEET, C., B. LECLERCQ, C. MARTI, G. et à la protection des Grands Tétras DÄNDLIKER & B. REYMOND (1996): du Jura vaudois. Mém. Soc. Vaud. Quelle stratégie adopter pour la pro- Sci. Nat. 19: 175–236. tection du Grand Tétras? Mém. Soc. EIBERLE, K. (1982): Waldbau und Auer- Vaud. Sci. Nat. 19: 257–261. huhn. Schweizer Förster 118: 68–75. PERRENOUD, A., O. SCHNEIDER & A. BER- KLAUS, S., A. V. ANDREEV, H. H. BERG- NASCONI (2001): Auerhuhn und Hasel- MANN, F. MÜLLER, J. PORKERT & J. huhn: Ihr Schutz in der regionalen WIESNER (1989): Die Auerhühner (Te- Waldplanung. BUWAL, Bern. trao urogallus und Tetrao urogalloi- RUDMANN, F. (1977): Das Auerhuhn im des). Neue Brehm Bücherei, Witten- Toggenburg. Feld Wald Wasser 5 (5): berg Lutherstadt. 280 S. 32–33. LECLERCQ, B. (1988): Le Grand Coq de SCHMID, H., R. LUDER, B. NAEF-DAENZER, Bruyère. Ed. Sang de la Terre, Paris. R. GRAF & N. ZBINDEN (1998): Schwei- LECLERCQ, B. & J. ROCHE (1992): Des zer Brutvogelatlas. Verbreitung der forêts pour le Grand Tétras. Parcs Brutvögel in der Schweiz und im Fürs- Naturels Régionaux des Ballons des tentum Liechtenstein 1993–1996. Vosges et du Haut Jura, Munster & Schweizerische Vogelwarte, Sem- Lajoux. 48 S. pach. 574 S. MARTI, C. (1986): Verbreitung und Be- SCHROTH, K.-E. (1990): Kartierung von stand des Auerhuhns (Tetrao urogal- Auerhuhnhabitaten im Nordschwarzlus) in der Schweiz. Ornithol. Beob. wald. In: Auerwild in Baden-Württem- 83: 67–70. berg – Rettung oder Untergang? Landesforstverwaltung Baden-Württemberg, Stuttgart.

Zur Berücksichtigung des Haselhuhns vgl. das analoge Merkblatt «Haselhuhn und Waldbewirtschaftung» (Bestellnummer VU-7022-D)

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Kontaktadressen 21

Auerhuhn-Lebensraum im Westschweizer Jura zur Balzzeit (Ende April).

Dank Kontaktadressen

Der Herausgeber und die Autoren dan- Wenn Sie generelle Auskünfte über das ken allen, die in irgendeiner Weise zum Auerhuhn brauchen, können Sie sich an Merkblatt beigetragen haben, namentlich die folgenden beiden Stellen wenden. Francis Benoît, Kurt Bollmann, Ueli Sie vermitteln Kontakte zu lokalen Ken- Bühler, Gottlieb Dändliker, Ruedi Hess, nern oder Gutachtern. Peter Meile, Philippe Morier-Genoud, Alain Perrenoud, Franz Rudmann, Jac- BUWAL ques Studer, Philippe Vuilleumier und Eidg. Forstdirektion Reto Zingg. Bereich Wildtiere

3003 Bern

Tel. 031 323 03 07 Fax 031 324 78 66 E-Mail wald@buwal.admin.ch

Schweizerische Vogelwarte

6204 Sempach

Tel. 041 462 97 00 Fax 041 462 97 10 E-Mail info@vogelwarte.ch