Bewirtschaftung von Trockenwiesen und -weiden
Bewirtschaftung von Trockenwiesen und -weiden
Esparsettenwidderchen
Mauereidechse
Was will dieses Merkblatt ? Warum Trockenwiesen und -weiden ten. Ohne Nutzung verbuschen sie, und die
Über Trockenwiesen und -weiden (TWW) fördern ? charakteristischen Arten verschwinden über und deren biologische Vielfalt informieren. Die geringe Wüchsigkeit und die lückige Ve- kurz oder lang. Gefragt sind angepasste
Den Zusammenhang zwischen Bewirt- getation fördern zahlreiche seltene, licht- und Bewirtschaftungsformen, welche den Wert schaftung, Flora und Fauna aufzeigen. wärmeliebende Pflanzen und Tiere: der Trockenwiesen und -weiden nachhaltig
So kommen in TWW ca. 1700, d. h. rund sichern. An wen richtet sich das Merkblatt ? zwei Drittel der schweizerischen Pflan-
An Bauernfamilien, Beratungsfachleute zenarten vor; davon sind 37 % selten und und weitere Personen, welche mit der Bewirtschaftungsbedingungen bedroht. Ausserdem wachsen hier viele Bewirtschaftung von TWW zu tun haben. und Beiträge unscheinbare, aber ebenfalls gefährdete Was sind Trockenwiesen und -weiden ? In den meisten Kantonen kann die Bewirtschaf- Moose und Flechten. tung von Trockenwiesen und -weiden (TWW) TWW sind Graslandflächen, welche aufgrund • TWW sind unersetzbarer Lebensraum für aufgrund der eidgenössischen oder kantonalen des trockenwarmen Standorts wenig Ertrag unterschiedliche Tiergruppen wie Vögel, gesetzlichen Grundlagen vertraglich geregelt liefern, dafür aber viele spezialisierte und Reptilien, Spinnen oder Insekten; fast werden. Die Bewirtschaftungsbedingungen werden durch die kantonalen Naturschutzämter festgelegt; seltene Pflanzen und Tiere beherbergen. Ty- die Hälfte der Schmetterlingsarten lebt in sie berücksichtigen die bisherige Bewirtschaftung, pische Merkmale von TWW-Standorten sind: TWW. die biologischen Eigenheiten und die spezielle
flachgründige, durchlässige Böden; • TWW bilden die klimatische und geogra- Artenvielfalt der Vertragsflächen. Als Gegenlei-
begrenzte Verfügbarkeit von Wasser; stung erhält der Landwirt in der Regel finanzielle fische Vielfalt der Schweiz ab und prägen Abgeltungen. Die Höhe dieses Betrags wird durch
meist Hanglagen, gute Besonnung; Landschaft und Schönheit unseres Landes. den Kanton festgelegt.
extensive Nutzung (wenig Nutzung, in aller Je nach Kanton werden die Bewirtschaftungsbei- Regel keine Düngung). Dieses Kulturgut ist bedroht. Nutzungsin- träge kombiniert oder ergänzt mit den Beiträgen
nach Direktzahlungsverordnung (DZV) und tensivierung, Aufforstung, Überbauung und Ökoqualitätsverordnung (ÖQV), da die meisten Bewirtschaftungsaufgabe haben seit 1945 TWW auf der LN als ökologische Ausgleichsflä- 90 % der Trockenstandorte zum Verschwin- chen angemeldet sind und die Qualitätskriterien der ÖQV erfüllen. den gebracht. Es ist dringend notwendig, In jedem Fall sind die im Vertrag die verbleibenden Flächen unter Einbezug zwischen Kanton und Bewirtschaftenden der bäuerlichen Bewirtschaftungserfahrung festgehaltenen Auflagen und Empfehlungen massgebend. situations- und fachgerecht zu bewirtschaf-
1 4 5
Trockenwiesen für die Fläche vorhanden, sind einzig die dort Ein Mähregime im Dank der regelmässigen Mähnutzung haben festgelegten Bestimmungen massgebend. Interesse der Fauna die Trockenwiesen oft einen gleichmässigen Mit einer Staffelung der Mahd lässt sich ver- Bewuchs 1 . Es kommen zahlreiche Pflanzen Wann und wie oft hindern, dass auf einen Schlag die gesamte vor, welche durch die Schnittnutzung gefördert mähen ? Kleintierfauna geschädigt wird. So können Eine späte Mahd kann im Falle eines Schlangen 6 , Insekten und Spinnen 7 , bzw. werden (z. B. Esparsette 2 , Paradieslilie und mageren Bestandes angezeigt sein, damit deren Larven und Kokons, welche sich nur viele andere bedrohte Arten). Die langen
spätblühende Pflanzen (wie z. B. langsam oder gar nicht bewegen können, die ungestörten Phasen vor und nach der Mahd Spitzorchis 3 ) Samen ausbilden und so ungeschnittenen Flächen als Rückzugs- oder begünstigen den Bruterfolg von bodenbrüzum genetischen Austausch mit Nachbar- Entwicklungsräume nutzen. Ausserdem wertenden Vögeln (z. B. Heidelerche) und die beständen beitragen können; den die Versamungsphase und das Angebot Ausbreitung bestimmter Pflanzen (z. B. Orchi-
bestimmte Tierarten die Vegetation als an Nektar und Pollen verlängert. deen). Trockenwiesen sind zur Hauptblütezeit Deckung, Nahrung oder Strukturangebot vor allem für Insekten eine ausgezeichnete länger nutzen können; dies gilt insbe- • Grössere Flächen oder nebeneinander und ergiebige Nektar- und Pollenquelle. sondere für Vögel, bzw. Spinnen und liegende Parzellen gestaffelt schneiden, Insekten, deren Eier, Raupen, Larven, d.h. nicht alles gleichzeitig mähen 8a . Die Art der Bewirtschaftung ist entscheidend Puppen, Kokons eine lange ungestörte • Nach Möglichkeit einen kleinen Teil , ca. 5 für das Vorkommen dieser Arten. Sie wird im Entwicklungsdauer benötigen (z. B. Roter - 10 % der Gesamtfläche, nicht mähen 8b . Wesentlichen geprägt durch Scheckenfalter 4 / Puppe 5 ). Diesen Teil über den Winter stehen lassen,
den Zeitpunkt des ersten Schnitts; im nächsten Sommer jedoch wieder
die Häufigkeit und Staffelung der Mahd; Eine frühe Mahd kann sinnvoll sein, wenn schneiden und einen andern Teil ste-
die Mähtechnik und Mähmaschinen. • die Vegetation üppig ist (weil der Bestand hen lassen. Die ungemähten Bereiche
sonst lagern kann und sich zu zersetzen müssen jährlich wechseln (rotationsmässig Nachstehend werden verschiedene Bewirt- beginnt); höchstens alle 4 - 6 Jahre am gleichen schaftungsempfehlungen erläutert, welche • die Gräser stark dominieren (ein früher Ort), damit dort die Vegetation nicht infolge die Artenvielfalt fördern können. Je nachdem, Schnitt schwächt die Gräser zugunsten der Verbuschung oder Nährstoffanreicherung welche Tier- und Pflanzenarten auf der Kräuter); verarmt. Fläche vorkommen, sind die Anforderungen • die Entwicklung von Problempflanzen • Ein ungemähter Streifen lässt sich z. B. an die optimale Bewirtschaftung der Flächen eingedämmt werden soll. idealerweise entlang einer Hecke, einer unterschiedlich. Trockenmauer oder im Bereich eines Der niedrige Ertrag von Trockenwiesen wertvollen Waldrandes realisieren. Dies ist Die Kantone berücksichtigen in Verträgen erlaubt in den meisten Fällen kaum mehr als umso wirkungsvoller, wenn der Waldrand- oder Pflegeplänen die jeweiligen «Bedürfnis- eine Mähnutzung jährlich. Auf extrem unpro- bereich zusätzlich ausgeholzt und damit se» der auf der Fläche zu fördernden Fauna duktiven Standorten genügt sogar ein Schnitt gut besonnt wird. und Flora und passen die Bewirtschaftungs- alle zwei Jahre. Fettere Bestände (z. B. bestimmungen entsprechend an. Ist daher trockene Fromentalwiesen) werden meistens ein Bewirtschaftungsvertrag oder Pflegeplan häufiger gemäht.
Wie möglichst fauna- aussen mähen, damit den Tieren der Trockenwiesen und schonend ernten ? Fluchtweg nicht abgeschnitten wird. -weiden:
Wenn möglich Balkenmähwerke einsetzen • Schnittgut am Boden trocknen: die Ver- Besonderheiten und 9 . Beim Schneiden mit Rotationsmähwer- samung erfolgt erst, wenn das Schnittgut Unterschiede ken werden deutlich mehr Tiere erfasst, da trocken ist. Ebenso verlassen Raupen und In Trockenwiesen kommen nicht die gleichen sie nicht mehr ausweichen können. andere Larven die Gräser und Kräuter erst, Tiere und Pflanzen vor wie in Trockenweiden. wenn diese dürr werden. Eingrasen und Nur 40 % der Arten bewohnen beide Lebens- Silieren von artenreichen Flächen vernich- räume, weil sich die meisten Arten an einen tet daher einen Grossteil der Insekten und bestimmten Nutzungstyp angepasst haben Spinnen. und auf dessen Besonderheiten eingestellt sind. Die beschriebenen Massnahmen können unter Umständen zu Mehrarbeit führen und Mischnutzungen, d.h. Kombinationen von sind in der Landwirtschaft noch ungewohnt, Schnitt- und Weidenutzungen, sind aus aber äusserst wichtig für die Erhaltung der biologischer Sicht nicht erwünscht, auch faunistischen Vielfalt. wenn dies futterbaulich Sinn machen kann. Dadurch werden die biologisch wertvollen Darf eine Trockenwiese Besonderheiten der einzelnen Nutzungen beweidet werden ? verwischt und die nutzungstypischen Arten Eine leichte, auf wenige Tage begrenzte zugunsten von anspruchsloseren Arten Herbstweide kann fallweise durch den Kanton zurückgedrängt. festgelegt werden, sofern der Aufwuchs
Auf Mähaufbereiter verzichten. Sie genügend hoch ist und die Wetterverhältnisse Das gleiche passiert, wenn Trockenwiesen schädigen die Fauna erwiesenermassen günstig sind. Bei Vorkommen von Orchideen oder -weiden nicht mehr genutzt werden. sehr stark (35 - 60 % der Bienen werden ist eine Herbstweide heikel, da Rosetten und Durch die Verbrachung werden die charakvernichtet). Knollen durch die Beweidung geschädigt teristischen, lichtbedürftigen Arten verdrängt
Bei Rotationsmähwerken Schnitthöhe werden können. und die Flächen verlieren allmählich ihren anpassen (8 - 10 cm) und von innen nach Wert.
Schlingnatter Im Bundesinventar Trockenwiesen und -weiden sind die landesweit wertvollsten und typischsten Trockenwiesen und -weiden nach einheitlichen Kriterien erfasst. Auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche betrifft dies Mähwiesen, Weiden und Brachen. Im Sömmerungsgebiet sind es Mähwiesen und Weiden und oberhalb der Waldgrenze nur noch Mähwiesen (z. B. Wildheu). Schweizweit enthält das Inventar ca. 22’000 ha, davon ca. 60 % Weiden, 30 % Wiesen und 10 % aktuell nicht genutzte Flächen. Fast die Hälfte der kartierten Fläche (43 %) liegt im Sömmerungsgebiet.
Ausnahme: Extensives Ätzheu als 6 8a besondere Mischnutzung In einzelnen Gebieten der Schweiz (z. B. Graubünden, Emmental) hat dieser besondere
Raubspinne Nutzungstyp Tradition. Nach einer kurzen Frühlingsweide wird der zweite Aufwuchs bis in den Spätsommer stehengelassen und anschliessend geheut. Dadurch werden die Gräser im Wachstum zurückgedrängt und es entstehen blütenreiche Wiesen in einer Zeit, in der die übrigen Trockenwiesen bereits genutzt sind. Für solche Sondernutzungen und deren Entschädigung ist die Zustimmung der Kantone im Rahmen von Bewirtschaftungsverträgen erforderlich.
10 13
Trockenweiden Daher berücksichtigen die Kantone in Verträ- Weidegang); die Weidetiere können nicht Trockenweiden sind meistens sehr struk- gen oder Pflegeplänen die jeweiligen «Be- die gesamte Fläche gleichzeitig abfresturreich dank der Weidereste und Steine, dürfnisse» der auf der Fläche zu fördernden sen: Folge davon sind Weidereste und aufkommender Sträucher oder trittbedingter Fauna und Flora und passen die Bewirtschaf- unterbestossene Bereiche, wo sich idea- Unregelmässigkeiten 10 . Sie weisen aufgrund tungsbestimmungen entsprechend an. Ist ein lerweise die weidetypischen und biologisch der Verlagerung von Nährstoffen eine Bewirtschaftungsvertrag oder Pflegeplan für interessanten Strukturen wie Sträucher etc. mosaikartige Vegetation auf. Hier wachsen die Fläche vorhanden, sind einzig die dort einstellen. zahlreiche tritt- und verbissverträgliche festgelegten Bestimmungen massgebend. • Beweidung mit deutlich mehr Gross- Pflanzen, so etwa Pflanzen mit Blattrosetten vieheinheiten während mehrerer, kürzerer oder Ausläufern wie das Langhaarige Ha- Weideführung und Weideperioden (intensivere Nutzung mit bichtskraut; andere werden ungern verbissen, Beweidungsdruck längeren Weidepausen, in denen sich weil sie auffällig riechen (z. B. Thymian, Dost) Damit sich die erwünschten Pflanzen und Flora und Fauna erholen können). oder Dornen / Stacheln haben (z. B. Silber- Tiere von Magerweiden ausbreiten können, • Eine Kombination der oben erwähnten distel 11 , Dorniger Hauhechel 12 ). Typisch muss eine andauernde Belastung durch Weideführungen. Verbiss und Tritt verhindert werden. Zu sind offene Bodenstellen und die teilweise diesem Zweck müssen Weideführung, Besatz Die Zufütterung auf der Weide hat eine sehr lückige Vegetation, was spezialisierte und/oder Weidedauer der Produktivität und Nährstoffanreicherung zur Folge und damit Tierarten wie Grabwespen 13 oder Sandlauf- Grösse der Fläche angepasst werden. ähnliche Effekte wie eine zusätzliche Dünkäfer fördert. gung. Sie sollte daher unbedingt vermieden Unterhalt und Bewirtschaftung der Trocken- Folgende Modelle der Weideführung werden. weiden sollten der Vielfalt von Pflanzen und haben sich als günstig erwiesen: In der Regel ist der Beweidungsdruck aus Tieren, welche an die Besonderheiten der • Wenige Grossvieheinheiten während der Sicht der Artenvielfalt dann optimal, wenn ...
extensiven Weidenutzung angepasst sind, ganzen Vegetationsperiode (freier Rechnung tragen. Folgende Bewirtschaftungsfaktoren sind dabei massgebend: Übernutzung resultiert aufgrund eines zu ho- Unternutzung ist das Ergebnis eines zu tiefen hen Besatzes oder einer zu langen Weidedauer. Besatzes bzw. einer zu kurzen Weidedauer im
Der Beweidungsdruck, d. h. Besatzstärke, Übernutzung kann zu Nährstoffanreicherung Verhältnis zur Fläche. Einzelne Teile der Weide Weidedauer und Weideführung; und/oder lokal zu übermässiger Tritt- bzw. Ver- werden gar nicht oder unterbestossen. Damit bissbelastung einzelner Bereiche oder Pflanzen steigt vorübergehend das Risiko von Hangrut-
der erste Bestossungszeitpunkt; schen. Setzt sich diese Tendenz über Jahre fort, der Weide führen. Dadurch werden charakteris-
die Art der Weidetiere; tische Arten verdrängt; oft gibt es zudem auch können einzelne Sträucher überhand nehmen
die Weidepflege. Erosionsprobleme. und zur Verbuschung der Weide führen.
Die nachstehenden Bewirtschaftungsempfehlungen zeigen, wie die Artenvielfalt gefördert werden kann. Je nachdem, welche Tier- und Pflanzenarten auf der Fläche vorkommen, sind die Anforderungen an die optimale Bewirtschaftung der 14 15 Flächen allerdings unterschiedlich.
trotz Beweidung eine leichte Verbuschung Wann beweiden? Eine späte Beweidung begünstigt Tiere aufkommt (d. h. gelegentliche Entbu- Die Wahl des «richtigen» Bestossungszeit- oder Pflanzen, welche sich früh entwickeln schungsmassnahmen unerlässlich sind); punktes ist für Flora und Fauna wichtig. und empfindlich reagieren auf eine zu frühe
ein Teil des Aufwuchses (ca. 30 %) nicht In den meisten Fällen empfiehlt sich eine Nutzung (z. B. bestimmte Orchideenarten bodeneben gefressen wird. frühe Beweidung (unterhalb 1000 m je oder Zwiebelgewächse, deren Rosetten, bzw. nach Exposition ab April) zeitlich limitiert. Zwiebeln durch die andauernde Trittbelastung Stellen mit lokaler Über- oder Unternutzung Dadurch beim Austrieb geschädigt werden). gehören zum Charakter von extensiv genutz- • wird das Futterangebot besser genutzt Ausserhalb der Vegetationsperiode sollten ten Weiden und begünstigen die Artenvielfalt. – andernfalls kann die aufwachsende Trockenweiden nicht bestossen werden; die Mithilfe der Erfahrungen aus der bisherigen Vegetation nicht genügend schnell abge- Vegetationsdecke kann geschädigt werden. Bewirtschaftung lässt sich am ehesten ein fressen werden und wird zertrampelt, was Weideregime finden, das die erwünschten die lichtbedürftigen Arten verdrängt; Mit welchen Tieren Pflanzen und Tiere fördert und gleichzeitig • werden die zuerst aufkommenden Gräser beweiden? grossflächige Über- oder Unternutzung weggefressen, was Platz und Licht schafft Die Beweidung wirkt sich je nach Weidetierart verhindert. für die Entwicklung der Blütenpflanzen; unterschiedlich aus. Insbesondere die Art
wird bei schwachem Besatz die Verbu- des Verbisses prägt die Zusammensetzung schung besser im Zaum gehalten. von Flora und Fauna. Ähnlich wie bei einem Wechsel zwischen Schnittnutzung und Be- Eine frühe kurze Beweidung, gefolgt weidung hat eine Umstellung der Weidetierart von einer anschliessenden langen Weide- einen Einfluss auf die Artenvielfalt: Viele chapause (mindestens 8 Wochen), ermöglicht rakteristische Arten sind an einen bestimmten bodenbrütenden Vögeln, welche sich früh im Verbisstyp angepasst und verschwinden mit Jahr entwickeln, nach der Störung nochmals der Änderung der Beweidung. mit Brut und Jungenaufzucht zu beginnen und erfolgreich abzuschliessen (z. B. Baumpieper 16 ).
Rinder Schafe Ziegen Gute Eignung: Achtung – nur geeignet für die Beweidung von ausge- Vor allem für verbuschte Flächen geeignet:
Verbeissen nicht besonders wählerisch; gute sprochen ertragsarmen Standorten: • Sind nicht sehr wählerisch; Voraussetzung für eine hohe Artenvielfalt; • Fressen sehr wählerisch (meiden z. B. Horstgräser • Verbeissen bevorzugt Gehölzpflanzen (Blattwerk
Schädigen Pflanzendecke kaum. und verbeissen andere Pflanzenarten gezielt, und verholzte Teile). insbesondere Schmetterlingsblütler); Besonders geeignet sind die weniger anspruchsvollen • Tragen durch dieses Verhalten zur Verarmung der Zur Verhinderung von zu starkem Verbiss nur und leichteren Jungrinder. Fläche bei. punktuell und im Sinne einer Übergangsbeweidung einsetzen. Eine Beweidung mit Mutterkühen bedingt aufgrund der Um negative Auswirkungen zu mindern: grösseren Trittbelastung eine sorgfältige Weidefüh- • kurze Besatzzeit und lange Ruhepausen (mind. 8 rung (wenige GVE pro Fläche). Wochen) zwischen zwei Weidegängen;
sorgfältige Weideführung beachten (horizontal zäunen, weil Schafe den oberen Teil übernutzen; Mischweiden Pferde und Esel Behirtung); Mischweiden mit Rinder und Ziegen können sich • niedriger Besatz. In einigen Gegenden traditionell, auch in Kombinatieignen bei stetig zunehmender Verbuschung, sofern on mit Rindern; Weideführung anspruchsvoll: die Anzahl der Ziegen, resp. deren Weidedauer • Fressen wählerisch und rasenartig; beschränkt wird. So wird die Weide zwar homogener • Durch das hohe Gewicht und den scharfen Tritt genutzt, der Weidedruck wird aber verstärkt; diese schädlich für Vegetationsdecke; Weidepraxis ist daher gezielt einzusetzen. • Esel geeignet für den Verbiss von Problempflanzen.
Weidepflege Dank bzw. trotz der Weidepflege sollte der Überwinterungsplätze für Kleintiere. Sobald abwechslungsreiche und unregelmässige Verbuschung oder Problempflanzen überhand Charakter der Weide erhalten bleiben. Mit nehmen, sollten jährlich gezielt Säuberungsder Art der Weidepflege lassen sich die schnitte erfolgen. Dies kann mit speziellen verschiedenen Strukturen gezielt fördern faunaschonenden Freischneidegeräten bzw. kann ein bestimmter Verbuschungsgrad 17 erfolgen. Aber auch eine gezielte und gewährleistet werden. In der Regel genügt ein gezielter periodischer Säuberungsschnitt (im kontrollierte Beweidung kann sehr wirksam Durchschnitt ca. alle 3 - 5 Jahre, bzw. jährlich sein. Mittels Unterteilung in kleinere Koppeln ein Drittel bis ein Fünftel). Die verbleibenden können einzelne Bereiche je nach Bedarf Weidereste sind wichtige Rückzugs- oder stärker oder schwächer beweidet werden.
Verbuschung Problempflanzen Sträucher tragen in hohem Mass zum ökolo- Einige Arten können sich unter bestimmten gischen Wert einer sonst offenen Fläche bei Bedingungen unkontrolliert vermehren 18 . Vor allem Dornensträucher und Pionierar- (z. B. Ackerkratzdistel, Adlerfarn, Jakobsten (wie Schwarz- und Weissdorn, Zitterpap- kreuzkraut). Damit ist eine Abnahme der pel, Weiden) sind für die Fauna gleichzeitig biologischen Vielfalt verbunden, gleichzeitig Deckung, Nahrungsquelle und Orte für die aber auch eine Minderung von Ertrag und Jungenaufzucht und Entwicklung der Larven. Futterqualität. Da der Einsatz von che- Bestimmte Straucharten können allerdings mischen Hilfsmitteln in der Regel nicht erlaubt überhand nehmen wie zum Beispiel Brom- ist, ist eine gute Vorsorge umso wichtiger. beeren oder Schwarzdorn und mit der Zeit Das bedeutet, die Vegetation regelmäs- sogar zum Verlust der landwirtschaftlichen sig zu beobachten und Problempflanzen Nutzfläche führen. Die Pflegemassnahmen frühzeitig zu entdecken. Der Aufwand für sollten daher einen Verbuschungsgrad (ohne die Bekämpfung ist im Anfangsstadium am Bäume) von über 20 % der Fläche verhindern. kleinsten und gleichzeitig am wirksamsten. Die nachstehende Tabelle zeigt auf, wie die Übersteigt die Verbuschung dieses Mass, Pflanzen, welche am häufigsten Probleme in sollte die Dynamik mit bestimmten geziel- Trockenwiesen/-weiden bereiten, eingedämmt ten Eingriffen und Massnahmen gebremst werden können. werden. Oft ist ein erster einmaliger Entbu- Bei Problemen in Zusammenhang mit der schungseinsatz notwendig, danach genügen Verbuschung oder dem Überhandnehmen Massnahmen im Rahmen des Weideregimes, von Problempflanzen muss die für den bzw. der Weidepflege (siehe untenstehende- Bewirtschaftungsvertrag zuständige kantona- Tabelle). le Stelle kontaktiert werden.
Pflanzenart Massnahmen
Schwarzdorn • Erste Beweidung im Frühjahr, wenn die Austriebe noch zart sind und – insbesondere von Ziegen – gerne gefressen werden; mit Rindern weniger erfolgreich, • und/oder jährlich einmal säubern während Vegetationsperiode.
Brombeeren, • Mehrere Schnitte während der Vegetationsperiode (vor allem die jungen Ausläufer bei Brombeeren), Heckenrosen, • und/oder Weidedruck erhöhen auf den problematischen Teilflächen, Zitterpappel, • und/oder Pflanzen möglichst tief/vollständig ausreissen. Robinie
In Herden wach- • Säuberungsschnitt durchführen, sobald die Triebe 5 - 10 cm hoch sind. Bei Ackerkratzdistel Versamung sende Disteln, auf jeden Fall verhindern; Verbreitung auch durch Ausläufer. Schnitt kurz vor Regenfällen schädigt Disteln insbesondere allgemein. Ackerkratzdistel Nicht alle Disteln sind problematisch! Es gibt viele nicht in Herden wachsende, seltene Distelarten, welche nicht überhand nehmen und wertvolle Insektenpflanzen sind. Daher lohnt es sich, genau zu prüfen, ob es sich um die Ackerkratzdistel 19 handelt. Ackerkratzdistel: Stängel ohne herablaufende Blattränder. Stacheln höchstens im unteren Teil.
Adlerfarn • 2 - 3 Mal jährlich mähen, sobald sich die Blätter entrollen,
oder junge Triebe im Frühjahr wiederholt ausreissen,
oder betroffene Fläche gezielt mit Ziegen beweiden, möglichst bevor sich die Blatttriebe entrollen.
Fläche regelmässig beweiden. Der Erfolg wird erst nach 5 - 6 Jahren sichtbar.
Jakobskreuzkraut Falls zunehmend: • Säuberungsschnitt oder gezieltes Ausreissen vor dem Aufblühen; Pflanzen danach einsammeln und wegführen, da sie auch nach dem Schnitt versamen und zudem auch in welkem Zustand für Weidetiere giftig bleiben. Das Jakobskreuzkraut ist eine einheimische Art der Trockenwiesen und -weiden.
Flora, Fauna und Literaturverzeichnis Kleinstrukturen • S. Eggenberg, T. Dalang, M. Dipner, C. Mayer, 2001: Kartierung und Bewertung der Trockenwiesen und Trockenwiesen und -weiden überraschen Feuchtstellen zur Struktur- und Lebensraum- -weiden von nationaler Bedeutung. Schriftenreihe oft durch eine ausserordentliche Vielfalt an vielfalt bei. Nicht zwingend feucht brauchen’s Umwelt Nr. 325. Technischer Bericht. BAFU, Bern. Kleinstrukturen 25 . Die augenfälligeren Struk- die spezialisierten TWW-Schnecken 28 , welche • S. Colas, F. Muller, M. Meuret, C. Agreil, 2002. Pâturaturen wie Einzelbäume oder Buschgruppen, sich an hochwachsenden Stengeln in Wind ge sur pelouses sèches : un guide d’aide à la mise en œuvre. Orléans: Espaces naturels de France, 2002, Felsblöcke oder Trockenmauern prägen das und Sonne hängen. 140 p. Landschaftsbild. Sie sind – in Kombination Auch unscheinbare Kleinstrukturen wie • W. Schmid, 2003: Themenbericht extensive Weiden. mit der Trockenvegetation – Voraussetzung kleinere Stellen mit lückiger Vegetation, Sand Relais: Praxis Forschung für Natur und Landschaft. für das Vorkommen vieler Spezialisten. An oder Lehm sind wertvolle Lebensräume: 24 S. Licht- und Pionierbaumarten (z. B. Eiche, Sie ermöglichen versteckten «Erdspezia- • W. Schmid, P. Wiedemeier, A. Stäubli, 2001: Exten- Föhre, Birke) und an Dornensträuchern lebt listen» wie Ameisenlöwen, Sandlaufkäfern, sive Weiden und Artenvielfalt. Synthesebericht BLW / BUWAL. Agrofutura, Frick und Sternenberg, 116 S. das «Gros» der Insektenwelt; der Segelfalter Wegwespen 29 und Wildbienen, ihre Brut zu 26 kann TWW nur besiedeln, wenn für seine • C. Schiess-Bühler, R. Frick, B. Stäheli, 2003: Mähvergraben. technik und Artenvielfalt. Merkblatt LBL, UFA-Revue Raupen kleine Schwarzdorne oder Felsenkir- Auch wenn Strukturen bei Mähnutzung 4/03, 8401 Winterthur. schen gedeihen. Fels- oder Steinstrukturen weniger häufig und schwieriger zu erhalten sind ein Eldorado für Reptilien; hier wachsen sind als in Trockenweiden, ist ihre Förderung aber auch seltene Flechten, Moose oder an- in und angrenzend an Trockenwiesen wichtig. dere «Hungerkünstler» wie der Mauerpfeffer. Viele gefährdete Tierarten können für ihre Fort- Impressum An ihm lebt wiederum die Raupe des Apollo- pflanzung das Nektar- und Pollenangebot der Herausgeber: Bundesamt für Umwelt (BAFU), CH-3003 Bern
falters 27 . Je nach Topografie und Untergrund Trockenwiesen nur in zwingender Kombination Das BAFU ist ein Amt des Eidg. Departements für Umwelt, tragen auch Ameisenhaufen, anstehender mit dem Brut- und Deckungsangebot der Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). felsiger Untergrund, Hochstauden und/oder Strukturen nutzen, so z. B. der Neuntöter 30 . AGRIDEA, CH-8315 Lindau und CH-1000 Lausanne 6 Rechtlicher Stellenwert Diese Publikation ist eine Vollzugshilfe des BAFU als Aufsichtsbehörde und richtet sich primär an die Vollzugsbehörden. Sie konkretisiert unbestimmte Rechtsbegriffe von Gesetzen und Verordnungen und soll eine einheitliche Vollzugspraxis fördern. Berücksichtigen die Vollzugsbehörden diese Vollzugshilfen, so können sie davon ausgehen, dass sie das Bundesrecht rechtskonform vollziehen; andere
30 Lösungen sind aber auch zulässig, sofern sie rechtskonform
26 sind. Autoren: Sarah Pearson, AGRIDEA Lausanne; Corina Schiess- Bühler, AGRIDEA Lindau; Christian Hedinger, UNA; Monika Martin, oekoskop; Gaby Volkart, atena Übersetzungen: D. Veneziani; F. Cheda; S. Lafranchi Konzept/Redaktion: Corina Schiess-Bühler, AGRIDEA Lindau;
28 Sarah Pearson, AGRIDEA Lausanne
Mitarbeit und Beratung: 29 C. Blank, BLW; F. Cheda, Naturschutzfachstelle FR; H.-J. Christ; H.-U. Gujer, BAFU; E. Imfeld-Sigrist, Qualinova; P. Jacot, CNAV; B. Jeangros, RAC; N. Koller, AGRIDEA Lausanne; B. Krüsi, WSL; M. Meisser, AGRIDEA Lausanne; F. Obrist, Office de consultation agricole VS; W. Schmid, Projekte Ökologie Landwirtschaft; T. Schmid, SBV; T. Walter, FAL; A. Zeender, Pro Natura Begleitung BAFU:
25 Christine Gubser, Abteilung Artenmanagement
Grafik/Gestaltung: M. Knipfer-Jørgensen, AGRIDEA Lindau Folgende Bewirtschaftungsmassnahmen lassen sich mit Trockenwiesen und -weiden Bildnachweis: kaum vereinbaren: M. Bolliger, Naturama, Aarau (8b); S. Eggenberg, UNA, Bern (2, 3, 11, 15, 20, 22, 23, 34, 35, 36, 37, 38, 39); A.
Zusätzliche Düngung (N, P, K): Dadurch verändert sich die botanische Zusammensetzung. Die Flächen Krebs, Agasul (Titelseite Mauereidechse, 4, 5, 6, 7, 8a, 12, können zwar einen farbigeren und artenreicheren Eindruck machen; die gefährdeten charakteristischen 13, 26, 27, 28, 29); A. Lüscher, FAL, Zürich (24); C. Schiess, Arten werden jedoch zugunsten von Allerweltsarten verdrängt; AGRIDEA Lindau (Titelseite Esparsettenw.,10, 14, 17, 18,
Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln: Sie sind schädlich für die Fauna und können die Pflanzendecke 21); Schweizer Vogelschutz SVS, Zürich (16, 30); Syngenta nachhaltig beeinträchtigen. Überhandnehmen von Problempflanzen oder Verbuschung sollte frühzeitig AG, Basel (19); Projekt TWW, BUWAL (Titelseite Grosses mechanisch verhindert werden (Mahd, Säuberung, Ausreissen, gezielte Beweidung mit Ziegen oder Bild, 1, 9, 25, 31, 32, 33) Robustrassen). Einzelstockbehandlung nur bei ausserordentlich starkem Auftreten von Problempflanzen Bezug: (z. B. Brombeeren, Disteln, Schwarzdorn); Kantonale Fachstellen Naturschutz
Bewässerungsanlagen: Ähnlich wie die Düngung verändert die Bewässerung die Vegetation zu Unguns- Bestellnummer: UV-0622-D ten der standorttypischen Pflanzen. © BAFU 2006
Vegetationsgruppen TWW Nachstehend sind die wichtigsten Vegetationsgruppen der Trockenwiesen und -weiden vereinfacht abgebildet. Entgegen verbreiteter Vorstellungen stimmt bei den TWW die Gleichung nicht: je farbiger, desto wertvoller. Oft ist die Vielfalt nicht auf den ersten Blick ersichtlich und die Farbtöne wirken gegenüber fetteren Wiesen eher blass. Genaueres Hinschauen zeigt die vielen «versteckten» Werte. Näheres dazu in diesem Merkblatt.
31 32 33
Halbtrockenrasen Trockene Fromentalwiese Artenarme Trockenrasen ✿: Aufrechte Trespe, Esparsette, Echte ✿: Flaumhafer, Wiesensalbei, Kleine Biber- ✿: Fiederzwenke, Aufrechte Trespe Schlüsselblume nelle Empfohlene Nutzung: frühzeitige erste Nutzung: 1 - 2-schürig oder Weide Nutzung: 2-schürig oder Weide Nutzung, vertraglich festzulegen Verbr.: v.a. im Talgebiet, ganze Schweiz Verbr.: v.a. im Talgebiet, ganze Schweiz Verbr.: v.a. im Talgebiet, ganze Schweiz
34 35 36
Blaugrashalde (kalkreich) Rostseggenhalde (kalkreich) Artenreicher Borstgrasrasen (kalkarm) ✿: Blaugras, Frühlingsenzian ✿: Rostsegge, Alpenanemone, ✿: Borstgras, Arnika, Männertreu, Bärtige Nutzung: sehr extensive Beweidung Bergflockenblume Glockenblume Verbr.: vorwiegend im Berggebiet, ganze Nutzung: Mahd alle 1 bis 2 Jahre Nutzung: Mahd alle 1 bis 2 Jahre oder sehr Schweiz Verbr.: vorwiegend im Berggebiet, Alpen extensive Beweidung Verbr.: vorwiegend im Berggebiet, Alpen
37 38 39
Buntschwingelhalde (kalkarm) Trocken- und Steppenrasen Trockenwarme Saumgesellschaften ✿: Buntschwingel, Schwefelanemone ✿: Federgras, Steinnelke, Fetthenne ✿: Blutroter Storchenschnabel, Dost Nutzung: Mahd alle 1 bis 2 Jahre oder sehr Nutzung: jährlich kurze Beweidung und Nutzung: Späte unregelmässige Mahd oder extensive Beweidung fallweise Entbuschung Weide (Ende August) Verbr.: vorwiegend im Berggebiet, Alpen Verbr.: Talgebiet (Steppen v. a. Innerwallis) Verbr.: vor allem im Talgebiet, ganze Schweiz
Legende: ✿ = charakteristische Arten; Verbr.: Verbreitung