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Moorschutz und Landwirtschaft

Moorschutz und Landwirtschaft Protection des marais et agriculture Tutela delle paludi e agricoltura

REDAKTION

Probleme und Lösungsansätze 3.1 So vielfältig wie die Moore und Moorlandschaften sind auch die ak- Handbuch tuellen und potentiellen Nutzungskonflikte zwischen Moorschutz und Moorschutz in der Schweiz 2 Landwirtschaft. Das Spektrum reicht von kl~inflächigen Bewirt- 2/1995 schaftungsproblemen, die sich sehr einfach lösen lassen, bis zu komplexen Konflikten, welche die Existenz der betroffenen Betriebe in Frage stellen können. Lokal begrenzte Trittschäden, die durch eine Verbesserung der Weideführung vermieden werden könnten, sind ein Beispiel relativ einfach zu lösender Probleme. Werden jedoch Moorbiotope grossflächig zu intensiv genutzt, so kann eine Anpassung der Nutzung an den Moorschutz zu gesamtbetrieblichen Problemen führen. Beispielsweise, weil die Anzahl Tiere massiv reduziert werden muss, ohne dass die Möglichkeit besteht, den Einkommensausfall voll auszugleichen.

Bei dieser Vielfalt an Problemen und Situationen gibt es nicht eine einzige Methode zur Lösung der Konflikte, und jeder Fall muss für sich betrachtet werden. Dennoch lassen sich für einzelne Nutzungs- HAND BUCH konflikte erprobte Grundsätze der Konfliktbewältigung aufzeigen. MOOR- SCHUTZ Dies ist die Aufgabe des vorliegenden Kapitels. IN DER SCHWEIZ

BEAT VON WYL / WALTER DIETL / DANIELE WENGER

Zur Beweidung von Hoch- und Flachmooren 3.1.1

HAND BUCH MOOR· SCHUTZ IN DER SCHWEIZ

1 GROSSE ZAHL AN BEWElDETEN MOOREN Abb. 1: Im Flyschgebiet bestehen

oft ganze Alpteile aus Moorweiden. Foto: B. von Wyl Das Flachmoorinventar Schweiz (EIDGENÖSSISCHES DEPARTE- MENT DES INNERN, BUWAL, Hrsg., 1990) führt über 20'000 Hektaren an Flachmooren mit einer Mindestfläche von einer Hektare an. Mehr als die Hälfte der Objekte werden vollständig oder teilweise beweidet. Auch zahlreiche Hochmoore (GRÜNIG et al. , 1986) werden auf diese Weise genutzt. Bei den beweideten Moorflächen handelt es sich hauptsächlich um ausgedehnte Alpweiden in den Flyschgebieten der Voralpen. Hier umfassen die Moore nicht selten mehr als die Hälfte einer gesamten Alpfläche.

2 DIE BEWEIDUNG DER MOORE AUS ALPWIRTSCHAFTLICHER SICHT

Die häufigsten Pflanzen der Moore zählen zu den Sauergräsern (Cyperaceae) wie Seggen (Carex-Arten) , Wollgräser (Eriophorum- Arten), Rasenbinse (Trichophorum caespitosus), Waldsimse (Scirpus silvatica) oder zu den Binsengewächsen (Juncaceae). Ihre harten und oft scharfkantigen Stenge1 liefern ein sehr geringwertiges Futter und können sogar Schleimhäute und Magenwände der Tiere verletzen. Auch die Süssgräser, die manchmal in nassen Wiesen vorherrschen, beispielsweise das Pfeifengras (Molinia coerulea) , liefern nur Streue und kein eigentliches Futter. Werden Moore gedüngt, so vermehren sich meistens giftige Hahnenfussarten (Ranunculus-Arten) und die Sumpfdotterblume (Caltha palustris), aber auch Disteln (Cirsium palustre) oder Spierstauden (Filipendula ulmaria).

Gute Futterpflanzen wie Rotklee (Trifolium pratense), Schotenklee (Lotus corniculatus), Rauher Löwenzahn (Leontodon hispidus), Rotschwingel (Festuca rubra) und Fioringras (Agrostis tenuis) nehmen in Moorwiesen selten mehr als 5 - 10 Prozent Ertragsanteil ein. Deshalb liefern Moore immer nur ein Notfutter für Haustiere, welches oft sogar gesundheitsgefährdend ist. Für die heutigen anspruchsvollen Nutztiere ist dieses völlig bedeutungslos (LEHMANN et a1. , 1985; STÄHLIN, 1971). Flyschalpen werden denn auch nur mehr selten als Kuhalpen genutzt. Die Moorweiden werden also nicht wegen ihrer Produktivität geschätzt, sondern weil sie dem Vieh erlauben, sich auf grosser Fläche zu bewegen: "Weite macht Alp". Bei der Beweidung von Mooren müssen aber auch tiermedizinische Überlegungen beachtet werden. Der Weidegang auf nassen Böden fördert oft bestimmte Klauenkrankheiten. Der Verdauungstrakt wird regelmässig von Leberegeln und anderen Parasiten befallen, die an feuchten Standorten besonders günstige Entwicklungsbedingungen vorfinden. Nur mit einer umfassenden medizinisch-chemischen Gesundheitvorsorge wird die Weidenutzung von Moorgebieten überhaupt möglich.

3.1.1 Moore sind daher aus alpwirtschaftlicher Sicht minderwertige Produktionsflächen, welche im heutigen Zustand eine wirtschaftlich interessante Nutzung nicht zulassen und mit gesundheitlichen Risiken für die Tiere verbunden sind (SCHNEEBERGER, 1985; VOLLRATH, 1973).

Dass die unwirtlichen Moore aufgrund des Naturschutzes plötzlich einen hohen Stellenwert erhalten, widerspricht einer Jahrhunderte alten Wertvorstellung der Älpler. Es versteht sich von selbst, dass die neue Werthaltung gegenüber den Mooren nicht von einem Tag auf den andern kritiklos übernommen wird.

3 VERÄNDERUNG DER MOORE DURCH DIE BEWEIDUNG HAND BUCH MOOR- SCHUTZ In den alpwirtschaftlich genutzten Gebieten mit Mooranteil steht die IN DER SCHW EIZ Frage im Vordergrund, ob die künftige Beweidung der Moore mit der Erhaltung ihrer ökologischen Qualität vereinbar ist. In der schweizerischen Alpwirtschaft steht die Beweidung mit Rindvieh (Kälber, Rinder, Kühe) im Vordergrund, weshalb wir in der Regel von dieser Nutzungsform ausgehen. Daneben wird auch die Schafweide kurz diskutiert. Die Beweidung von Mooren kann mit den folgenden Auswirkungen verbunden sein:

3.1 Schäden durch Trittbelastung

Die Trittbelastung wird eindeutig als stärkste Folge der Beweidung empfunden, weil die Verletzung der Moorvegetation durch Viehtritt nicht nur von Fachleuten, sondern auch vom Laien wahrgenommen wird. Dabei entsteht der Eindruck der Störung des Landschaftsbildes, was u.a. mit dem Bewusstsein verknüpft ist, dass es sich bei den Mooren um ökologisch wertvolle Gebiete handelt.

Die stärksten Trittschäden werden in Durchtriebsflächen beobachtet. Alpen mit zu ho her Bestossung werden auf den meisten Moorflächen stark belastet. Die Bestossung ist dann zu hoch, wenn mehr Tiere auf der Alp weiden, als sich von den guten Weideflächen ernähren können. Bei angepasster Bestossung werden die Moore vom Vieh kaum

genutzt. Kühe und Rinder schätzen die zähen Gräser und Kräuter dieser Flächen nicht und weiden so lange als möglich auf besseren Flächen. Moore bilden innerhalb der Alpweiden also nur Ergänzungsflächen (vgl. Band 2, Beitrag 3.1.2). Zu beachten ist im weiteren die stärkere 1httbelastung bei nasser Witterung. Sie wirkt sich umso stärker aus, je höher die Bestossung ist. In schlechtwüchsigen Sommern weicht das Vieh notgedrungen vermehrt auf die Moorflächen aus. In vielen Gegenden wird ein Teil der beweideten Moore im Herbst zur Streue gewinnung geschnitten. Ein solcher Pflegeschnitt trägt dazu bei, die Bildung von Trittlöchern zu vermindern, da sich eine kompaktere, robustere Grasnarbe bildet. Vor allem in Steilpartien und Bacheinhängen entstehen durch die Beweidung oft kleine Erosionsstellen. Dies kann einen erhöhten Wasserabfluss, Rissbildungen im Gelände oder gar kleine Rutsche nach sich ziehen. Im Interesse des Schutzes vor Naturgefahren empfiehlt es sich in bestimmten Situationen, solche Flächen auszuzäunen.

3.2 Düngung durch das Weidevieh

In den vorwiegend als Dauerweide genutzten Flächen verbringt das Vieh die meiste Zeit im Freien und lässt dabei den grössten Teil des Mistes auf der Weide. Sowohl der Nährstoffeintrag wie auch das Wegführen von Biomasse durch das Vieh bewegen sich aber in bescheidenem Rahmen und spielen hier eine untergeordnete Rolle.

3.3 Beeinflussung der Verbuschung

Moore in tiefen Lagen können innerhalb weniger Jahre vollkommen verbuschen. Die meisten beweideten Moore liegen aber in höheren Lagen. Dadurch wird die Verbuschung zu einem zweitrangigen Problem. Überdies ist sie hier auch dem Verbiss durch Vieh und Wild ausgesetzt. Anderseits bilden in nassen Flächen die Ränder von Trittlöchern oft die einzige Stelle, wo Gehölze ansamen können.

3.1.1

HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER Abb. 2: Torfreiche Moorstandorte, SCHWEIZ

insbesondere Hochmoore, erleiden durch Viehtritt oft nicht reparable Schäden. Foto: B. von Wyl

4 ÖKOLOGISCHE SCHÄDEN DURCH DIE TRITIBELASTUNG

Das Ausmass der Trittschäden ist abhängig von der Intensität der Beweidung, der Witterung und von der Bodenart. Die ökologischen Schäden umfassen in erster Linie negative Veränderungen der Standortsverhältnisse und somit der Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen. Daneben geht es auch um die direkte oder indirekte Zerstörung von Einzelpflanzen.

4.1 Veränderungen des Wasserhaushaltes

Weil der Weidegang den empfind- Bei der Veränderung des Wasserhaushaltes durch Beweidung muss lichen Wasserhaushalt in Hochmooren schwer schädigt, ist die zwischen Hoch- und Flachmooren unterschieden werden. Beweidung von Hochmooren mit dem Moorschutz nicht ver- In Hochmooren (inkl. Übergangsmoore ), welche in der Regel von einbar. einer mächtigen Torfschicht und einem Teppich aus Torfmoosen über- Bei der Beweidung von Flachzogen werden, wirkt sich die Beweidung meistens verheerend auf die mooren ist entscheidend, wie Wasserführung aus. Die wasserspeichernden Torfmoose werden zer- stark das Vieh diese Fläche stört, die Torfschicht aufgebrochen und der Erosion ausgesetzt. Oft begeht. Wird auf eine Alp nur so viel Vieh aufgetrieben, wie es bilden sich grossflächig nackte Torfstellen, welche durch Gewitterre- dem natürlichen Potential der gen und Eis immer stärker erodiert werden. Die Beobachtung zeigt, guten Weideflächen entspricht, dass die Wasserverhältnisse in Hochmooren durch die Beweidung ein- so werden die Flachmoore nur wenig begangen und nicht überdeutig verschlechtert werden, was in zahlreichen Fällen zu einer vollmässig belastet. Die extensive ständigen Zerstörung von Hochmooren führte. Beweidung von Flachmooren in diesem Sinne bezeichnen wir als vereinbar mit dem Moorschutz. Auch Flachmoore können bei intensivem Weidgang durch den Vieh- Fül' stärker belastete oder tritt stark beeinträchtigt werden. Durch die Hufe des TIeres wird der besonders nasse Flächen müssen Oberboden verdichtet. Vor allem bei mineralischem Untergrund führt im Einzelfall geeignete Lösundies zu einer Durchmischung der Bodenhorizonte. Das Regenwasser gen gefunden werden. versickert langsamer, das Wachstum von Binsen wird gefördert. In Die Schafweide ist in der Regel nassen Mooren verursachen Viehtritte eine Zersetzung des Torfes unvereinbar mit den Zielen des (Mineralisierung), was zu einer unerwünschten Eigendüngung dieser Moorschutzes. Standorte führt. Bei Berücksichtigung einer einfachen Grundregel kann aber die traditionelle Beweidung in den meisten Fällen weitergeführt werden: Wird " die Bestossung einer Alp auf das natürliche Potential abgestimmt, so bleibt das Vieh gemäss seiner natürlichen Veranlagung mehrheitlich auf den trockeneren, trittfesten Flächen. Die Flachmoore benützt es

praktisch nur zum Erreichen von mosaikartig verstreuten Futterflächen (siehe Ziffer 6), wodurch die Moorflächen nur wenig belastet werden.

4.2 Zerstörung von Einzelpssanzen

Der Tritt des weidenden Viehs bringt eine klare mechanische Belastung des Bodens mit sich, welche auch einzelne Pflanzen schädigen oder gar zerstören kann. Vor allem bei seltenen Arten kann dadurch ein grosser Schaden entstehen. Im allgemeinen gilt aber die Zerstörung von Einzelpflanzen in Mooren nicht als vordringliches Problem.

3.1.1 5 BEWEIDUNG DURCH SCHAFE

Schafweiden verändern die Vegetation aller Extensivflächen grundlegend. Typische Arten der Moore werden durch ein selektives Abfressen der Pflanzen dicht über dem Boden sowie durch die starke Dünge wirkung des Schafdungs innerhalb weniger Jahre vollständig verdrängt. Deshalb muss die Schafweide generell als unvereinbar mit den Zielen des Moorschutzes bezeichnet werden. Nur ein sehr extensiver, auf den Herbst beschränkter Weidegang kann in begründeten Fällen in Frage kommen.

6 NOTWENDIGE MASSNAHMEN FÜR DEN MOORSCHUTZ AUF ALPWEIDEN 2 HAND BUCH Moorschutz im Alpwirtschaftsgebiet soll nicht in Form isolierter Mass- MOORnahmen erfolgen, sondern in die alpwirtschaftlichen Gesamtpla- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ nungen integriert werden (DIETL, 1972; vgl. Band 2, Beitrag 3.1.2). Die unten aufgelisteten Massnahmen bilden demnach nicht eine abgeschlossene Rezeptsammlung, sondern sollen im Rahmen von Alp- Abb. 3: Ausgesprochen trittempfindwirtschaftsplanungen beachtet werden. liches Übergangsmoor, welches sich nur dank Auszäunung ungestört entwickeln kann. Keine Entwässerungen: Foto: B. von Wyl Der Wasserüberschuss im Boden stellt für alle Moore das wichtigste Merkmal dar. Der Verzicht auf Entwässerungen ist deshalb klar das erste Ziel des Moorschutzes.

Keine Düngung: Die meisten Pflanzengesellschaften und Arten der Moore gedeihen auf ungedüngten Standorten. Magere Standorte sind ohnehin durch Nährstoffeintrag aus der Luft gefährdet. Aus diesen Gründen muss in Flachmooren jegliche Düngung ausbleiben. Diese Forderung ist bereits durch die Stoffverordnung vorgegeben. Vereinzelt kann auf Dotterblumenwiesen (Calthion) eine leichte Düngung durch Phosphor/ Kali oder gut verrotteten Stallmist vertretbar sein. Die Eigendüngung durch Rinder ist im allgemeinen moorschutzverträglich, jene durch Schafe, aufgrund des höheren Nährstoffgehaltes des Schafdungs, hingegen sebr problematisch. Eine allgemeine Förderung von Mist statt Gülle als alpeigener Dünger unterstützt nicbt nur die Anliegen des Moorschutzes, sondern wirkt

gleichzeitig als Vorbeugung gegen die Verunreinigung von Fliessgewässern und Wasserfassungen. Wir empfehlen diesbezüglich eine Überprüfung der Bewilligungspraxis bei Düngeranlagen.

Regelung der Bestossung: Aus der Sicht des Moorschutzes soll die Bestossung eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Diese wird hauptsächlich durch die Ertragsfähigkeit der produktiveren Alpflächen sowie die mittleren klimatischen Verhältnisse bestimmt. Witterungsabhängige Bestimmungen werden als nicht praktikabel erachtet. Oft wechseln Moorflächen in engem Mosaik mit trockeneren Weideflächen. Die kleinflächige Auszäunung jeder einzelnen Moorfläche bietet hier keine praktikable Lösung. Die Begrenzung der Bestossung (d.h. der Anzahl Tiere unter Berücksichtigung der Art des Viehs und der Bestossungsdauer) erreicht die Ziele des Moorschutzes in der Regel ebenso gut und soll auf allen flachmoorreichen Alpen als wichtigste Massnahme umgesetzt werden. Mit dieser Massnahme werden mehrere Ziele gleichzeitig erreicht: Weniger minderwertiges Futter, kleinere Belastung des Viehs durch Parasiten, weniger Klauenkrankheiten, Erhaltung der Flachmoore.

Auszäunungen und Pflegeschnitt: Abb. 4: Besonders trittempfindliche Hoch- und Übergangsmoore müssen in der Regel ausgezäunt werden. nasse, schlenkige Stellen sollen im Rahmen von alpwirtschaftlichen Die meisten Flachmoore können weiterhin beweidet werden, wenn Planungen durch Auszäunungen vor die Bestossung einer Alp auf das Potential der guten Weideflächen der Beweidung geschützt werden. abgestimmt ist. Einzig sehr nasse oder speziell trittempfindliche Flä- Foto: B. von Wyl chen müssen bei zu starker Belastung ausgezäunt werden. Bei Auszäunungen soll darauf geachtet werden, dass nicht andere Flächen zu stark belastet werden. Auszäunungen und Pflegeschnitte stark trittgeschädigter Flächen tragen in der Regel zur Regeneration der Vegetation bei (WENGER, 1994).

Wege für den Viehtrieb: In erster Linie sollen Lösungen gesucht werden, bei denen Viehtriebwege ausserhalb der Moorflächen liegen. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, sollen zum Schutz der Moorflächen wie auch im Interesse der Tiere gut befestigte Wege (z.B. Bohlenwege) erstellt werden. In kalkarmen Mooren muss dabei darauf geachtet werden, dass kein kalkhaltiger Schotter eingesetzt wird.

3.1.1 Nutzung aufrechterhalten: Aus der Sicht des Moorschutzes kann die Beweidung in der Regel weitergeführt werden; auf produktiveren Flächen ist dies sogar ausdrücklich erwünscht. Die extensive Weidenutzung kann den Flachmooren leichte Schäden und auch etwas Nutzen bringen. Eindeutig positiv auf die Qualität der Flachmoore wirkt sich die traditionelle Streuenutzung aus, da der flächige Schnitt vor allem lichtbedürftigen Arten gute Wachstumsbedingungen bietet. In diesem Sinne ist auch der Streueschnitt von Alpweiden im Herbst sehr zu begrüssen. In höheren Lagen muss der Streueschnitt (Pflegeschnitt) nicht unbedingt alljährlich erfolgen.

Lokal entbuschen: Wo die Beweidung den Aufwuchs einzelner Fichten oder anderer Gehölze nicht verhindert, kann ein lokales Entbuschen angebracht sein. HAND BUCH Geeignete Tränken zur Verfügung stellen: MOOR- SCHUTZ Oft werden Moore durch das Vieh nur deshalb betreten, weil einzig in IN DER SCHWEIZ diesen Bereichen Tränkewasser zur Verfügung steht. Indem geeignete Tränkestellen geschaffen oder ausgewiesen werden, lässt sich die Trittbelastung vielerorts vermindern.

7 ZUSAMMENFASSUNG

Die extensive Beweidung von Flachmooren ist im allgemeinen mit den Zielen des Moorschutzes verträglich, vorausgesetzt, die Weiden werden richtig bestossen und weder entwässert noch gedüngt. Hoch- und Übergangsmoore müssen ausgezäunt werden, ebenso einzelne Flachmoorgesellschaften. Die Streuenutzung soll gezielt gefördert werden, auch als Zweitnutzung von Alpweiden.

Auf Alpweiden soll der Moorschutz nicht isoliert durch einzelne Massnahmen erfolgen, sondern im Rahmen von Alpwirtschaftsplanungen, welche die verschiedenen Ansprüche und Nutzungen in einer Gesamtsicht integrieren. Die Regelung der Bestossung bildet dabei das sinnvollste und wichtigste Planungsinstrument.

LITERATUR ANSCHRIFT DER AUTOREN UND AUTORIN DIETL, W. (1972): Die Vegetationskartierung als Grundlage für die Beat von Wyl, dip!. Biologe OeVS Planung einer umfassenden Alpver- UTASAG besserung im Raume von Glauben- Industriestrasse büelen (Obwaiden). Alpwirtschaft 6074 Giswil und Landschaftspflege im Gebiet Glaubenbüelen (Obwaiden), Ober- Dr. Walter Dietl forstamt Obwalden, Sarnen, 153 S. Eidg. Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz EIDGENÖSSISCHES DEPARTE- 8046 Zürich MENT DES INNERN, BUWAL moore von Nationaler Bedeutung Eichholzstrasse 80 (Entwurf für die Vernehmlassung), 3084 Wabern

GRÜNIG, A. / VETTERLI, L. / Handbuch WILDI, 0. (1986): Die Hoch- und Moorschutz Übergangsmoore der Schweiz. Be- in der Schweiz 2 richte EAFV, 281, Birmensdorf, 62 S. 2/1995

LEHMANN, J./MEISTER,E./ DIETL, W. (1985): Nährwert von Wiesenkräutern. Schweiz. Landw. Forschung 24 (3/4), 237-259.

SCHNEEBERGER, H. (Schriftleiter, 1985): Fütterungsnormen und Nährwerttabellen für Wiederkäuer. Landw. Lehrmittelzentrale, Zollikofen, 148 S.

STÄHLIN, A. (1971): Gütezah1en von Pflanzen arten in frischem Grundfutter. DLG-Verlag, Frankfurt, 152 S.

VOLLRATH, H. (1973): Bewertungssysteme für Grünlandbestände und frisches Grundfutter. Bayer. landw. Jb. 50, H.4, 462-495.

WENGER, D. (1994): Einfluss der Beweidung auf Feuchtgebiete. Diss. Uni Bern, 125 S.

FRANZ STADlER Moorschutz in Gebieten mit alpwirtschaftlicher Nutzung 3.1.2 1 AUSGANGSLAGE Land- und Alpwirtschaftskreise Auf Alpen - besonders im Flyschgebiet - bestehen oft sehr grosse An- argumentieren häufig, auf den Alpen sei ein Moorschutz im teile der bewirtschafteten Weiden aus Flachmooren. Zudem sind Wei- Sinne der Gesetze und Verordden und Flachmoore meist eng verzahnt. Auf solchen Alpen wurden nungen unnötig. Die Existenz die Flachmoore schon immer beweidet, so dass sich deren Arten- der Moore und deren Schutzwürdigkeit beweise, dass zusammensetzung entsprechend angepasst hat. Die Artenzusammendie Alpwirtschaft Moore pflege setzung ist durch eine extensive Nutzung (d.h. durch schwache Be- und sachgerecht unterhalte. Wie weidung), durch keine oder eine sehr geringe Nährstoffzufuhr sowie sind solche Argumente zu werten? häufig durch einen zusätzlichen Herbststreueschnitt geprägt und Eine Intensivierung gegenüber erhalten worden. Zu ihrer Aufrechterhaltung ist die alpwirtschaftliche der traditionellen Bewirtschaf- Nutzung nötig. tung ist dann gegeben, wenn die In den letzten 15 bis 20 Jahren sind in der Nutzungsweise vieler Alpen Alp mit mehr oder schwereren Tieren beweidet oder aktiv jedoch bedeutende Änderungen eingetreten, weil ganz andere Bewirt- gedüngt wird. Starke Trittschäschaftungsmittel eingesetzt werden. Deshalb ist die heutige Bewirtschaftung bezüglich ihrer Einwirkung auf die Pflanzenbestände nicht den, Nährstoffanreicherungen, Änderungen im Wasserhaushalt 2 mehr mit der traditionellen Bewirtschaftung vergleichbar. Die Auswirusw. sind häufige Folgen der In- HAND tensivierung. Sie führen zur Ver- BUCH kungen der Nutzungsänderungen können folgendermassen zusam- armung und schliesslich zur Zer- MOOR· mengefasst werden. störung des vormals geschlosse- SCHUTZ IN DER

  • Allgemeine Intensivierung (vgl. Tab. 1), in deren Folge die Trittbe- nen und ausgeglichenen SCHWEIZ Pflanzen bestandes. lastungen unverhältnismässig zugenommen haben. Treten solche Schäden auf, kann

  • Auf sehr vielen Flachmooren wird der traditionelle Herbststreue- nicht mehr von sachgerechter schnitt nicht mehr vorgenommen. Einerseits werden die Rieder als Pflege gesprochen werden, obwohl das Landschaftsbild durch Folge des grösseren Futterbedarfs wesentlich stärker abgeäst. Auf der

die Bewirtschaftung möglicheranderen Seite werden die Flachmoore oft nicht mehr gemäht, weil sie weise kaum verändert wird. nicht mechanisch bearbeitet, d.h. mit dem Motormäher geschnitten und mit dem Ladewagen erreicht werden können.

Tab. 1: Ursachen der Intensivierung Erschliessung: Zubringung von Hilfsstoffen, Futter, Geräten auf Alpweiden erleichtert Weideeinteilung: Konzentrierte Beweidung, auf der Fläche oft mehr Tiere, schwerere Tier mit höherem Futterbedarf Intensivierte Düngung: Neue Ställe, grosse Jauchegruben, vermehrte Stallhaltung, grösserer Düngeranfall, bessere Verteilung Wald-Weidetrennung: Kleinere Gesamtflächen, Tiere auf die offenen Moorflächen konzentriert

2 LANDWIRTSCHAFTLICHES UMFELD

Di,e FUllergrulldlage au( jeder Alp mu gute "tr cken gewachsenes Gra sein. Alle anel re verträgt sich weeler mit elen Prinzipien ueI' Aufzucht v n leistung betontem Nutzvieh noch mit elen Anforderullgen aJ1 das FUlter für Ma ttiere. Vernässt Alpen 'inel Grenzertrag standort , w jJ di Flachmoore im besten Fall ein Notf1Jtt r liefern. Unter den heutigen agrarwirtscha'ftliehen Voraus etzungen (hohe Verwertungsclefizite Notwendigkeit der Brachl.egung gro, s r Flächen) ist es cle halb nicht angezeigt, solche Alpen iiber das vertriigliche Ma hinaus zu nutzen. Auf ein Tnt n ivierung der GrenzertragsstandorLe ist ohnehin zu verzichten. Aufgrund dieser usgangslage kann es in besondere für Flyschalpen mit einem höhen M öranteil notwendig sein Nutzung vorgaben zu erarbeiten. Solche ind auch aus landwirtschaftlicher ieht inl1voll. Wenn die traditionelle Form der Nutzung und deren Bedin,gungen der Bewirt chaftung al allgemeine chutzziel aucrkamtt werden, dann i te nötig, die renzen der Irltensivierung verbindlich aufzuzeigen.

3.1.2 3 WICHTIGE ERKENNTNISSE ZUR BEWIRTSCHAFTUNG VERNÄSSTER ALPEN

Bestimmende Faktoren für den Einfluss der Alpwirtschaft auf die Moorbiotope sind die Bestossungshöhe (Anzahl Tiere auf der Alp bzw. die Höhe des Futterbedarfs) und die Düngung (Menge und Art der Nährstoffe). Weiter beeinflussen das Aufstallungs- bzw. das Hofdüngersystem, die Weideunterteilung sowie die Zaunführung die Art der Nutzung einer Alp.

3.1 Bestossung

Bei mässiger, an das Potential angepasster Bestossung können die guten Futterflächen einer Alp ihre volle Leistung entfalten. Bei zu hoher Bestossung oder zu langer Besatzzeit werden die Flächen völlig über- 2 nutzt und tragen dann meist nur noch sehr leistungsschwache, einseiti- HAND BUCH ge Pflanzenbestände. MOOR· Im Interesse einer nachhaltigen Nutzung ist eine auf das Futterpoten- SCHUTZ IN DER SCHWEI Z tial der Alp abgestimmte Beweidung mit möglichst leichten Tieren anzustreben. Das Futterpotential entspricht dem Futterertrag der trockenen Weideflächen und der wechselnassen Riede (auf Mineralboden oder nur leichtem Moder). Zu dessen Bestimmung ist eine Detailkartierung der Pflanzenbestände nötig. Die alten, traditionellen Bestossungsrechte entsprechen diesen Potentialen oft sehr gut. Für die gleiche Anzahl Tiere ist der Futterbedarf heute aber deutlich höher (grösseres Gewicht, schnellere Jugendentwicklung des Viehs).

3.2 Düngung

Auf die Einrichtung von Vollgüllesystemen soll grundsätzlich verzichtet werden. Stattdessen soll zur Gewinnung von Mist viel Streue eingesetzt werden. Der Mist muss gut anrotten und soll erst überjährig ausgebracht werden. Deshalb sind grosse Mistplatten nötig (ca. 1-1,5 m2 pro GVE). Mist wirkt vorteilhaft auf die Bodenstruktur.

Die Flachmoore mit Ausnahme der Sumpfdotterblumenwiesen (vgl. Abb.l: Der zweckmässige Bau von Band 2, Beitrag 3.1.1) dürfen weder mit Mist noch mit Gülle gedüngt Ställen kann die Düngung mit Mist erleichtern. Dazu trägt u.a. eine gewerden. Den lokalen Verhältnissen entsprechend, sind genügend brei- genüber dem Stallboden tiefer liete Pufferzonen auszuscheiden, denen ebenfalls kein Dünger zugeführt gende Mistplatte (Lagerstelle für wird. Damit sollen Einschwemmungen und Nährstoffanhäufungen in Festmist) bei. Der Festmist kann so am Ende des Scharrgrabens durch den Mooren vermieden werden. eine Öffnung in der Wand nach aus- Den Alpen soll grundsätzlich kein Mineraldünger zugeführt werden. sen auf die Mistplatte gestossen wer- Hiervon ausgenommen sind die abgelegenen, mit dem Mist nicht den. erreichbaren, trockenen Weideteile, auf denen periodisch etwas Kali Der Schorrgraben ist eine Vertiefung hinter dem Viehläger, in dem und Phosphor ausgebracht werden kann. sich Harn und Kot sammeln und mit Einstreu vermischt werden. Mit einer entsprechenden Schorrkelle " kann der Festmist im Graben ver-

3.3 Wege und Zäune

schoben werden. Foto: F. Stadler Falls nötig, sollen Bewirtschaftungswege erstellt werden. Sie müssen jedoch ausserhalb der Moore angelegt werden. Abb. 2: Vollgülle kann in Gebieten Zäune sollen, wenn immer möglich, auf trittfestem Boden erstellt wer- mit intensiver Verzahnung von Weiden und Flachmooren nicht ausgeden, da sich die Tiere bevorzugt längs der Zäune fortbewegen. In Aus- bracht werden, ohne dass Schäden nahmefällen ist zum Schutz der Hoch- und Übergangsmoore oder von entstehen. sehr nassen Stellen der Bau von sogenannten "Prügelwegen" zu prü- Foto: F. Stadler fen.

3.1.2 4 MOORSCHUTZ IN WEIDE GEBIETEN: SCHLÜSSEL ZUR BESTIMMUNG DES GEEIGNETEN VORGEHENS

Der folgende Schlüssel (vgl. Abb. 3) zeigt auf, welche Problemfälle bezüglich Moorschutz in alpwirtschaftlich genutzten Gebieten auftreten können und welche Lösungsprinzipien bestehen. Seine Anwendung erleichtert es, ein konkretes Problem anzusprechen und damit ein geeignetes Vorgehen festzulegen. Der Schlüssel gilt auch auf Alpen, die nicht in Moorgebieten liegen.

Abb. 3: Struktur des Schlüssels zur nennenswerte Konflikte NEIN Ansprache eines konkreten Provgl. Ziffer 5.1 vorhanden? blems und zur Bestimmung des geeigneten Vorgehens im Hinblick IJA auf den Moorschutz in alp wirtschaftlich genutzten Gebieten. Grobbeurteilung vornehmen HAND BUCH MOOR· SCHUTZ I IN DER SCHWEIZ NEIN Dokumentation erstellen Probleme erkennbar? vgl. Ziffer 5.3

IJA Begehung mit Bewirtschaftern

I NEIN Dokumentation erstellen Grosse Probleme erkennbar? vgl. Ziffer 5.4

IJA Alpwirtschaftliche Nutzungsplanung

I NEIN Betriebliche Auswirkungen? vgl. Ziffer 5.5

IJA Voranschlag Gesamtbetrieb

1 Sind Konflikte mit dem Na- Nein: Ja:

turschutz, insbesondere dem Es sind keine grösseren d.h. das Weidegebiet liegt im Moorschutz, mögJich? Untersuch ungen/Pl anungen Bereich von Mooren, ge- Sind schutzwürdige Biotope notwendig. Allfällige Mass- schützten Mager- oder Trokvorhanden? nahmen mit Bewirtschafter kenrasen usw. Es ist eine absprechen. Erläuterungen Grobbeurteilung angezeigt. unter Ziffer 5.1 Erläuterungen unter Ziffer 5.2 ---I.~ zu Frage 2

2 Sind aufgrund der Grob- Nein: Ja:

beurteilung Probleme Evtl. Dokumentation der jetzi- Begehung mit Bewirtschaftererkennbar? gen Bewirtschaftung als Innen, EigentümerInnen und Grundlage und Bestandteil evtl. mit Behördenmitgliedern, eines Vertrages zur Abgeltung um über die Probleme zu oriallfälliger ökologischer Lei- entieren und ein geeignetes stungen erstellen. Vorgehen zu besprechen.

3 Sind grosse Probleme Nein: Ja:

erkennbar, betreffen sie die Die Probleme betreffen nur Ganze Alpen liegen in mehr ganze Alp oder handelt es sich Einzelflächen, und die Lokali- oder weniger dichtem Moorum eine sehr unübersichtliche sierung ist kein Problem. gebiet oder in geschützten Alp? Dokumentation der bestehen- bzw. schutzwürdigen Biotoden Bewirtschaftung erstellen. pen: In diesem Fall ist eine Erläuterungen unter Ziffer 5.4 alpwirtschaftliche N utzungsplanung angezeigt (anstelle einer Schutzplanung über Einzelflächen). Erläuterungen unter Ziffer 5.5 ----1.~ zu Frage 4

4 Sind aufgrund der alpwirt- Nein: Ja:

schaftlichen Nutzungsplanung Die alpwirtschaftliche Nut- Auf der Grundlage der Nut- (oder evtI. der Grobbeurtei- zungsplanung genügt. zungsplanung einen Voran- Jung gesamtbetriebJiche Aus- Erläuterungen unter Ziffer 5.5 schlag Gesamtbetrieb wirkungen zu erwarten? rechnen (d.h. Heimbetrieb mit Alpung) Erläuterungen unter Ziffer 5.6

3.1.2 5 ERLÄUTERUNGEN ZUM SCHLÜSSEL Achtung

Ist die aktuelle Bewirtschaftung

5.1 Vorgehen bei geringem Konfliktpotential (Frage 1, Nein) erst in aUerjüngster Zeit eingeführt worden (z.B. eine Erhö-

Kommen in einem Weidegebiet nur vereinzelt schutzwürdige Biotope hung der Bestossung, oder eine Änderung im Düngungsregime ), vor, stehen die Einhaltung von nicht aktiv gedüngten Randzonen und hat sie sich möglicherweise noch die Beurteilung der Trittschäden im Vordergrund. In solchen Fällen nicht auf den Zustand der Vegesind, ohne grosse Untersuchungen und Planungsaufwendungen, ge- tation ausgewirkt. Bestehen Aneignete Massnahmen meist leicht zu finden. Sehr wertvolle oder sel- zeichen für eine Intensivierung in jüngster Vergangenheit, sollte tene Biotope können in Absprache mit dem Bewirtschafter ausge- eine Gesamtplanung vorgenomzäunt werden. men und die aktuelle Nutzung auf diesem Hintergrund beurteilt werden (vgl. Ziffer 5.4). Andernfalls besteht die Gefahr,

5.2 Hinweise zur Grobbeurteilung (Frage 1, Ja) dass wertvolle Biotope längerfristig geschädigt werden. 2

Das Weidegebiet ist intensiv durchsetzt mit Feuchtbiotopen und Ma- HAND BUCH gerweiden. Durch eine Grobbeurteilung wird abgeklärt, ob zwischen MOORder gegenwärtigen Bewirtschaftung und dem Moorschutz Probleme SCHUTZ IN DER SCHWEIZ bestehen. Die folgenden Merkmale weisen auf allfällige Konflikte hin.

5.2.1 Form der alpwirtschaftlichen Nutzung

  • Ungünstiges Verhältnis zwischen trockenen und vernässten Weiden: Ein solches ist in der Regel gegeben, wenn die Ernährung des Viehs in Normaljahren auf den trockenen Weideteilen nicht gesichert werden kann.

  • Höhere Bestossung: Alte Bestossungsangaben oder alte Bestossungsrechte usw. ergeben sehr gute Vergleichsmöglichkeiten über die Veränderung der Bestossung und damit verbundene Konflikte. Unsere Vorfahren hatten im allgemeinen ein sehr gutes Gespür für das einer Alp angemessene Ertragspotential. Der Alp- bzw. Produktionskataster (erste Aufnahme ca. 1955 bis 1965) gibt sehr gute Hinweise (vorhanden auf den kantonalen Landwirtschafts- und Meliorationsämtern bzw. beim Bundesamt für Landwirtschaft). Nicht in jedem Fall bedeutet eine höhere Bestossung auch eine Überbeanspruchung der Moore. Der Alpbewirtschaftungsplan wird darüber Auskunft geben.

  • Einsatz von Vollgülle: Der Einsatz von Vollgülle ist beinahe in jedem Fall ein Hinweis auf eine Intensivierung. Vollgülle kann auch in einem Stall mit Schorrgräben anfallen. Deshalb ist nicht allein das Entmistungssystem massgebend, sondern die tatsächliche Anwendung.

• Zahl der Weideschläge; Dauer der Stallhaltung: Je mehr Weideschläge und je länger die Stallhaltung, desto intensiver ist das System und desto wahrscheinlicher ist erfahrungsgernäss eine Überbeanspruchung der Flachmoore (Düngung und Trittbelastung). Eine geringe Bestossung pro Hektare, eine einfache Weideeinteilung mit sehr grossen Schlägen und wenig Stallhaltung deuten meist auf Verhältnisse hin, welche den Rindern ein selektives Weiden ermöglicht. Die Riedflächen werden dann kaum vor dem Herbst angegangen.

5.2.2 Zustand der Flachmoore

Der Zustand der Flachmoore selbst liefert wertvolle Informationen über die Verträglichkeit der herrschenden Nutzung. Die folgenden Merkmale weisen auf eine unangepasste Nutzung hin:

  • Deutliche "Verbinsung" der Flachmoore.

  • Stark überbeanspruchte vernässte Stellen, deren Pflanzendecke Abb. 4: Ein beweidetes Flachmoor, nicht mehr geschlossen und zusammenhängend ist. Dieses Merkmal welches auch im August erst schwach angegangen ist, deutet auf sollte nicht nach extremen Niederschlägen beurteilt werden. eine der Alpfläche angepasste

  • Hoher Anteil der Hahnenfuss-Binsenweiden an der gesamten Wei- Bestossung hin. Foto: F. Stadler defläche.

  • Sehr kurz abgeweidete Flohseggenrieder, deren Artenkombination Abb. 5: Extrem übernutzte, trockekaum mehr zu erkennen ist (= Hinweis auf zu wenig Futter). ne Weide auf einer Flyschalp. Wenn trockene Weideteile mehrheitlich

  • Nährstoffreichere Flachmoore auf Moderboden, die schon ab Mit- übernutzt erscheinen, dürften auch te Juli stark angegangen und überweidet sind (Hinweis auf zu wenig die Moore beeinträchtigt sein. Futter). Foto: F. Stadler

  • Flachmoore, die bereits ab ca. Mitte August nur noch wenig Weidereste aufweisen (= Hinweis auf zu wenig Futter).

3.1.2

5.2.3 Zustand der trockenen Weideteile

Verlässliche Hinweise auf die Form der Nutzung liefert auch der Zustand der trockenen Weiden. Das Vieh nutzt die Moore im allgemeinen erst, wenn die guten, d.h. trockenen Weideteile vollständig und sehr tief abgeweidet sind. Geschieht dies regelmässig, so zeigt die botanische Zusammensetzung deutliche Übernutzungszeichen (Poa supina und P annua, Plantago media und P major, evtl. Carex leporina und Glyceria fluitans, Trifolium repens mit sehr kleinen Blättchen). Falls die botanische Zusammensetzung der Fettweiden normal ist (typische Ausprägung, keine Übernutzung), ist die Nutzung den Verhältnissen angepasst. In solchen Fällen kann auch eine Schädigung der Moore ausgeschlossen werden. Es bleibt noch zu kontrollieren, ob entlang von Zäunen oder mangels guter Triebwege Moorschädigungen vorkommen oder ob besonders wertvolle Biotope spezielle Massnahmen erfordern. HAND BUCH MOOR- SCHUTZ

5.3 Es sind keine Probleme erkennbar (Frage 2, Nein) Zur Unterteilung der Vegeta- IN DER

tionseinheiten SCHWEIZ

Sind keine Probleme erkennbar, müssen auch keine Massnahmen getrof- Eine Kartierung auf Verbandsfen werden. Es wird aber empfohlen, die gegenwärtige, dem Moorschutz stufe genügt nicht. Innerhalb der entsprechende Bewirtschaftung genau zu beschreiben. Eine solche Doku- einzelnen Verbände gibt es, in Abhängigkeit von den Bodenmentation kann verschieden eingesetzt werden: verhältnissen, den Ganglinien

  • Sie dient als Grundlage für die Ausarbeitung eines Vertrages. der Vernässung im Ablauf der

  • Sie kann für den alpwirtschaftlichen Bereich die kommunale Nut- Vegetationszeit usw., sehr unterschiedliche Assoziationen. Dies zungsplanung darstellen. wirkt sich auf die in den Flach-

  • Sie kann zusammen mit einer unterschriftlichen Erklärung (Bewirt- mooren anfallende Menge des schafter, Eigentümer, Naturschutzamt) direkt als Vertrag eingesetzt wer- verwertbaren Futters aus und den und so in der Zukunft eine gleichbleibende Bewirtschaftung absichern. muss bei der Bestimmung der Bestossung berücksichtigt wer-

  • Sie kann zur späteren Beurteilung von allfälligen Eingriffen beigezogen den. Andernfalls würden die werden. Viehherden für einen wirtschaft- Zu einer solchen Dokumentation gehören ein kurzer Bericht und eine lichen Betrieb der Alp oft zu klein. Ein Vegetationsschlüssel Kartengrundlage (1:5'000) mit folgenden Angaben: hat demnach die Flächen auszu-

  • Bestossung, Bestossungszusammensetzung: Anzahl Kühe, Kälber, Rin- scheiden, die vom Vieh mehr der 1 bis 2jährig, Rinder> 2jährig, andere Tiere. oder weniger gern und regelmässig angenommen werden. Ein

  • Weideführung: Verlauf Zäune, Tliebwege, Tränkestellen, evtl. Aus- Hinweis darauf, welche Einheiweichmöglichkeiten bei unvorhergesehenen Wetterlagen. ten dies betrifft, liefern auch die

  • Diingung: Hofdüngersystem baulich, Streuegewinnung, Düngeranfall früher durchgeführten Versuche pro Sommer (Menge und Art der Gülle; Mistmenge m 3 oder Tonnen), Art zur Verbesserung von Flachmooren mittels Düngung. der Düngung (wo wird wie gedüngt?), Düngerwege, allfälliger Düngerzukauf (PK).

  • Waldweide-Ordnung

  • Allfällige Verbesserungsvorschläge: Mit Bewirtschafter besprechen und festhalten.

  • Schutzwürdige bzw. geschützte Biotope: Sie müssen möglicherweise als Einzelfall behandelt und geschützt werden. Flachmoore, die vom Bewirtschafter geschnitten werden, einzeichnen, wobei jährlich und periodisch geschnittene Flächen eindeutig zu kennzeichnen sind.

5.4 Nur einzelne Biotope als Problemfälle erkennbar (Frage 3, Nein)

Das Vorgehen entspricht jenem unter Ziffer 5.3, wobei das Einzelproblem lokalisiert und als Einzelfall behandelt wird. Die Situation und mögliche Lösungsansätze werden mit den Bewirtschaftern besprochen. Folgende Lösungsansätze sind denkbar:

  • Überprüfung der Weideführung (Weideeinteilung, Triebwege, Tränkestellen) und der Düngung.

  • Möglicherweise lassen sich die empfindlichen Biotope entlasten, in dem andere Weideteile stärker beansprucht und ohne Nachteile noch etwas intensiviert werden (z.B. wenn sie mit Bewirtschaftungswegen besser erschlossen werden).

  • Allenfalls müssen Pufferzonen oder Flächen mit entsprechend angepasster extensiver Düngung ausgeschieden werden.

  • Geeignete Zaunführung festlegen. In der Regel ist der Bewirtschafter der Ansicht, sein Ertrag oder die Bestossungsmöglichkeiten würden durch die vorgeschlagenen Massnahmen empfindlich vermindert. In diesen Fällen muss eine alpwirtschaftliche Nutzungsplanung durchgeführt werden (vgl. Ziffer 5.5).

5.5 Probleme treten flächenhaft, verteilt über die ganze Alp auf; Verhältnisse sind unübersichtlich (Frage 3, Ja)

Treten die Probleme flächenhaft auf oder sind die Verhältnisse unübersichtlich, ist eine vollständige alpwirtschaftliche Nutzungsplanung zu erstellen. Als Auftraggeber tritt häufig entweder das kantonale Naturschutzamt, das Meliorationsamt oder die betroffene Alpkorporation auf. Unabhängig davon, wer den Auftrag erteilt, sollte die alpwirtschaftliche Nutzungsplanung in enger Zusammenarbeit zwischen Alpbesitzern, Landwirtschaft und Naturschutz durchgeführt werden. Die einzelnen Vorgehensschritte sind in Tabelle 2 aufgeführt.

3.1.2

5.6 Gesamtbetriebliche Auswirkungen sind zu erwarten

(Frage 4, Ja)

Bei Privatalpung oder privat bewirtschafteten Alpen (auf "eigene Rechnung") sind gesamtbetriebliche Auswirkungen möglich. Alp- und Talbetrieb können wirtschaftlich oft nicht getrennt werden. Änderungen der Viehhaltung auf der Alp wirken, falls nur mit eigenem Vieh gealpt wird, sofort auf den Talbetrieb zurück. Am zweckmässigsten werden solche Probleme nach der Methode des Betriebs- oder Teilvoranschlags nach LBL erfasst (LANDWIRTSCHAFTLICHE BERATUNGSZENTRALE LINDAU, 1991; LANDWIRTSCHAFT- LICHE LEHRMITTELZENTRALE ZOLLIKOFEN, 1994). Dabei wird der Ist-Zustand mit bisherigem Alpungssystem erfasst und der Variante mit dem neuen Alpungssystem gegenübergestellt. Die Auswirkungen erstrecken sich auf Tierhaltung, Nährstoffbilanz, Kostenbeiträge, evtl. Direktzahlungen usw. 2 HAND BUCH Bei korporativer oder genossenschaftlicher Alpung mit Anstellung MOOR- SCHUTZ von Alppersonal dürften, vor allem bei Annahme von fremdem Vieh, IN DER SCHWEIZ die Auswirkungen kaum ins Gewicht fallen. Andernfalls ist in der gleichen Weise vorzugehen wie im Falle der Privatalpung. Um aussagekräftige Daten zu erhalten, müssen möglicherweise mehrere Betriebe durchgerechnet werden.

Gelegentlich ergeben sich Ertragsausfälle, weil weniger fremdes Vieh angenommen werden kann. In beinahe jedem Alpungssystem kann ein solcher Verlust über Abgeltungen für den Streueschnitt ausgeglichen werden.

Falls die Auswirkungen so gross sind, dass der Unterhalt der Alpeinrichtungen in Frage gestellt ist, muss die Angelegenheit mit den Korporationsverwaltungen bereinigt werden.

Tab. 2: Vorgehen bei einer alpwirt-

1 Detailkartierung schaftlichen Nutzungsplanung. Sie

Detailkartierung der Pflanzenbestände und der Nutzungseignung (Gelän- soll in enger Zusammenarbeit zwide, Oberflächengestalt, Besonnung, Boden usw.). Die Pflanzenbestände schen Alpbesitzern, Landwirtschaft müssen soziologisch so unterteilt und kartiert werden, dass daraus das Fut- und Naturschutz durchgeführt werterpotential objektiv ermittelt werden kann. Die Kartierung soll zudem zei- den. gen, welche Flächen schutzwürdig sind.

2 Vegetationskarte erstellen

Als Grundlage für die weiteren Arbeiten genügt ein bereinigtes Feldexem- Zur Ermittlung des Ertragspoplar einer Vegetationskarte im Massstab 1:5'000, in der auch die bestehen- tential der einzelnen Einheiten de Zaunführung eingetragen wird. Hinweis: Neue, vergrösserte Infrarot-Luftbilder als Hilfsmittel beiziehen. Die Ermittlung des Ertrags- Ein sehr schnelles und exaktes Arbeiten ermöglichen Infrarot-Orthophotos potentials der einzelnen Flächen 1:5'000 (vgl. auch Band 1, Beiträge 5.2.1 und 5.2.2). ist eine heikle Aufgabe, die im "

3 Planimetrierung Zusammenhang mit den Weide-

Planimetrierung und Zusammenstellung der Vegetations einheiten mit verlusten behandelt werden Flächenangabe. Ab einem Orthophoto kann direkt planimetriert werden; muss. Es gibt sehr viele Faktoalternativ dazu GIS-Bearbeitung (vgl. Band 1, Beitrag 5.2.1) ren, die zu berücksichtigen sind, u.a.: Höhenlage, Steilheit, Ober-

4 Bemessung des Futterpotentials fläche, Lage zur Sonne, traditio-

Unter Berücksichtigung der Nutzungseignung und der Oberflächenausfor- nelle Zusammensetzung der mung wird den einzelnen Einheiten das Brutto-Futterpotential zugeordnet Bestossung, Zugänglichkeit, (nachvollziehbare Abschätzung). Niederschlagshäufigkeit und 5 Abschätzung des Verzehrs und der Verluste Schatten. Abschätzung des Verzehrs der Viehherde und der Verluste. Die Verluste in Weidegebieten betragen mindestens 30% des Brutto-Futterpotentials.

6 Schätzung der möglichen Bestossung

Aus der Abschätzung des Ertragspotentials, dem Verzehr und den Verlusten wird die mögliche Bestossung errechnet. Durch einen Vergleich des Resultats mit alten Rechten und der früheren Bestossungshöhe (Alpkataster) kann das Resultat grob verifiziert werden. Bei grossen Unterschieden werden die Ursachen gesucht und mit den Bewirtschaftern besprochen.

7 Planung der Bewirtschaftung (mit Varianten)

Ausarbeitung von Vorschlägen zur Weideführung, zur Linienführung von Triebwegen, zur Lage von Tränkestellen, zur Zaunführung, zur Wald- Weide-Ordnung und zur Auszäunung schutzwürdiger Biotope. Hinweis: Bewährt hat sich eine Grundkarte mit einer Deckfolie für jede Variante. S Düngungsplanung (mit Varianten) Abschätzung des Anfalls von Gülle und Mist. Bezeichnung der mit Gülle (Harn- und Vollgülle ) und Mist bzw. nur mit Rottemist düngbaren Flächen; Bezeichnung der Flächen, die nicht gedüngt werden sollen oder dürfen sowie der Flächen, die periodisch mit PK-Mineraldünger behandelt werden; Aufzeichnung sinnvoller Düngerwege. Möglichkeiten für zweckmässige technische Einrichtungen bzw. nötige Verbesserungen oder Änderungen bezüglich Handhabung der Hofdünger (Entmistung, Lagerung) aufzeigen.

9 Streueflächen

Abschätzung des Verbrauchs (kg pro GVE bzw. pro Tier je Tag Einstallung). Einschätzung der Gewinnung (wo, in welchem Turnus); evtl. nötige Bewirtschaftungswege, Lagermöglichkeiten.

3.1.2

10 Allfällige finanzielle Auswirkungen abschätzen (nach Varianten)

Bei der Abschätzung der finanziellen Auswirkungen müssen hauptsächlich die folgenden Punkte beachtet werden:

  • Mögliche Viehzahl im Vergleich zum Ist-Zustand.

  • Minder- oder Mehrarbeit für die Zäune.

  • Allfällige Vermietung nicht mehr gebrauchter Hütten (bei Zusammenlegung der Bewirtschaftung von Alpeinheiten in gut erschlossenen Gebieten).

  • Einsparung von Lohnkosten (z.B. bei Einsparung eines Hirten im Falle von Zusammenlegungen).

  • Abgeltungen (Streueschnitt, Auszäunung schutzwürdiger Biotope, Unterhalt der Triebwege, falls sie aus Naturschutzgründen erstellt werden, usw.). Hinweis: Tabelle erstellen, in der die Varianten einander gegenübergestellt werden.

11 Begehung und Besprechung der Ergebnisse

Mit den Bewirtschaftern und Eigentümern wird eine Begehung durchgeführt, an der die Ergebnisse besprochen werden.

  • Erklärung der Bestossungsschätzung mit Hinweis auf mögliche Fehlerquellen (Kartierung, Zuweisung Ertragspotential zu den einzelnen Einheiten, Abschätzung Verzehr). HAND BUCH

  • Vorstellung und Besprechung der Varianten und der wirtschaftlichen MOOR- Auswirkungen. SCHUTZ Hinweis: Vorgängig evtl. Zaunführung der einzelnen Varianten im Gelände IN DER SCHWEIZ markieren.

  • Vertragsentwurf besprechen Hinweis: Möglichst genaue Angaben über die Abgeltungszahlungen vorlegen (nach vorgängiger Absprache mit Naturschutzamt).

  • Zaunführung der durch die Eigentümer und Bewirtschafter bevorzugten und evtl. angepassten Variante im Gelände deutlich markieren und versichern.

12 Vorstellen der Lösung

Lösung bei allfällig nötigen Alpversammlungen vorstellen Ge nach Verhältnissen).

13 Bereinigten Bericht und Plan erstellen

Bereinigten Bericht und Plan erstellen und durch gegenseitige Unterzeichung allenfalls zum Vertrag erheben.

14 Beratung bei der Realisierung

Eine Beratung ist vor allem bei der Düngung nötig, bis sich das "System" eingespielt hat. Beim Bau der Düngerwege sind im Moorbereich angepasste Methoden zu verwenden.

15 Kontrollen

Die Kontrolle der Bestossung ist über die Auszahlung der Alpungsbeiträge gewährleistet. Die Erhebung der Bestossung sollte für die Rinder aber getrennt nach Alterskategorien erfolgen. Hinweis: Mit dem Landwirtschaftsamt absprechen; weil alle Altersklassen von Rindern die gleichen Sömmerungsbeiträge erhalten, gibt die Statistik keine Auskunft über die Bestossung nach Altersklassen.

LlTEIIATUR ADRESSE DES AUTORS

LAN DWllrrSCI-IAFrUCJ-I E Dr. Franz Stndler, ssERATUNGSZENTRA LE Agronom I dip!. Forsting. ETH L1 NDAU (LB L., 199 1): ss ctricbspla· Büro ssSN, Beratung für Standortnung. Undau.30 1S. gerechte Nutzung SchulllauSSlrassc 9 LA N DWI RTSCJ-I A l~rLl C I-I E 6052 Hcrgiswil LEI-IRMITI-ELZENTRA LE ZOL- LI KOFEN (1994): Alpwirlscha fl. ZolJikofcn, 1.50 S. + A nhang. Handbuch Moorschutz in der Schweiz 2

FRANZ STADlER Grundsätze für Weideführung, Stallhaltung und Düngung 3.1.3 1 PROBLEMSTELLUNG Die Ausführungen dieses Unter bestimmten Bedingungen und Auflagen ertragen Flachmoore Beitrages gelten nicht nur für Alpen mit vielen Moorflächen eine Beweidung durch Rinder (vgl. Band 2, Beiträge 3.1.1 und wie sie hauptsächlich in Flysch- 3.1.2). Was moorverträglich ist, hängt jedoch ab von der Bestos- gebieten vorkommen. Sie sind sung, der Art der Weideführung, der Stallhaltung, der Hofdünger- allgemein verwendbar und sollten vor allem auch auf den bereitung und Düngung und damit auch vom Aufstallungssystem. Alpen in den Moorlandschaf- Seit Ende der 60er-Jahre wurden Alpverbesserungen hauptsächlich ten - gemäss den dort geltenüber zwei Schienen verfolgt: den Zielsetzungen - Anwen-

  • Über eine veränderte Bewirtschaftung (z.B. futterbauliche Ver- dung finden. besserungen); im Vordergrund standen dabei vermehrte Düngung und Weideeinteilung (Umtriebsweide gegenüber Standweide).

  • Über technische Massnahmen (Erschliessung und Sanierung der Hofdüngeranlagen). Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen wurde die Vollgüllebereitung bevorzugt, auch dort, wo keine Schwemmentmistung eingebaut wurde. Die tierischen Abgänge werden durch die Kotrinne in den HAND BUCH Jauchkasten gestossen. Dieses System war sehr erfolgreich und MOOR- SCHUTZ fand auch auf Rinderalpen Anwendung. IN DER SCHWEIZ In trockenen, hoch gelegenen Rinderalpen sind damit keine grösseren Nachteile verbunden. Der Düngeranfall bleibt gering. Hinge- Nicht in jedem Jahr sind die gen stellen die Stallhaltung und damit Art und Menge der anfallen- Parasiten gleich aggressiv. Dies ist stark vom Wetter abhängig. de~ Dünger in tief gelegenen, vernässten Flyschalpen ein besonde- Kalte Perioden oder gar kurzres Problem dar. Wegen Massenauftretens von lästigen Fliegen und zeitiger Schneeeinfall dezimie- Bremsen muss bei schönem Wetter lange eingestallt werden. Dabei ren die Insekten. fällt viel Hofdünger an (vgl. Tab. 1).

Für die Abschätzung im konkreten Fall werden die Anzahl ausgebrachter Fässer erfragt und die Grubeninhalte und die Festmiststöcke gemessen.

Tab. 1: Anfall an Hofdüngern pro System Stallhaltung Festmist frisch, Gülle Monat Alpzeit und pro Grossmit Stroh (unverdünnt) vieheinheit (GVE)

Harngülle 1) 5 - 8 Stunden, 0,5m3 0,2 - 0,25 m3 1) Harngülle mit wechselndem und Festmist, meist am Tag Kotanteil Stroh 2) Verdünnungsgrad ist schlecht abzuschätzen Vollgülle 2) 10 Stunden 0,7 - 0,9 m3 3) 3) Nach Angaben der Bewirt- und mehr, schafter schwankt der Anfall meist am Tag praxisüblich verdünnter Gülle bis deutlich über 2 m3 / Monat undGVE Vollgülle Zum Melken 0,3m3 ohne Streue, (max. 4 Stunden) wenig Wasser

2 AUSWIRKUNGEN AUF DIE MOORE

Relativ kleine Weidekoppeln und die Bereitstellung der Nährstoffe als Vollgülle haben auf Sömmerungsweiden mit enger Verzahnung von Flachmooren, wechselfeuchten und trockenen Weideteilen starke Auswirkungen auf die Vegetation:

  • Durch die Unterteilung der Weide in kleinere Koppeln werden die Flachmoore zeitweise intensiver betreten. Da die Rinder nicht mehr auf weitere, trockene Gebiete ausweichen können, müssen auch die Flachmoore zeitlich früher, intensiver und regelmässig abgeweidet werden. Fallen die Beweidungszeiten einer solchen Koppel mit Regenperioden zusammen - vor allem in den regenreichen Flyschgebieten der Voralpen keine Seltenheit - werden die nicht trittfesten Gley- und Moderböden auch mechanisch stark beansprucht.

  • Nach Abweidung der Koppeln wird meist gegüllt, mindestens einmal pro Vegetationsperiode. Ausgenommen bleiben nur die randständigen reinen Moorflächen. Bei der intensiven Verzahnung von Mooren und trockenen Partien kann auch bei grosser Vorsicht nicht verhindert werden, dass Gülle aus- und in benachbarte Moore und Wasserläufe eingeschwemmt wird. Bei den gegebenen Arbeitsverfahren kann auch nicht vermieden werden, dass kleinere Moorflächen direkt begüllt werden.

3.1.3 Als Folge solcher Bewirtschaftung verändern sich, in Abhängigkeit vom Vernässungsgrad und der Neigung, die Pflanzenbestände und Das vermehrte Abweiden der meist auch die Bodenoberflächen deutlich. Dabei sind die folgen- Moorflächen ist u.a. mit ein Grund, dass diese Flächen im den Veränderungen festzustellen: Herbst nicht mehr wie früher

  • Die typischen Flachmoorarten treten zurück. als Streue geschnitten werden.

  • Generell ist eine Zunahme zu verzeichnen bei Binsen (Iuncus Reste von Tristbäumen oder Tristbeeten in vielen Flacheffusus und 1. articulatus, in tieferen warmen Lagen auch 1. inflemooren können als Zeugen xus), Waldsimsen (Scirpus silvaticus), Hahnenfussarten (Ranuncu- einer früher anderen Nutzung lus aconitifolius, R. flammula) , Dotterblumen (Caltha palustris), angesehen werden. Sumpfpippau (Crepis paludosa) , Kreuzkraut (Senecio alpinus), auf trockeneren Stellen auch Rotschwingel, Straussgras, Kammgras, Rot- und Weissklee.

  • Deutlich nimmt auch hochwachsende krautige Vegetation längs von Gräben und Wasserläufen zu.

  • Infolge der durch die Trittlöcher vermehrten kleinstandörtlichen Unterschiede im Entwässerungsgrad nehmen meist auch 2 Sterns egge (Carex echinata) , Borstgras (Nardus stricta) und das HAND BUCH Moos Climacium dendroides zu. MOOR- SCHUTZ

  • Die Gesellschaften der "Kleebinsenweide" (Carici pulicaris- IN DER SCHWEIZ Iuncetum effusi Berset 69; Trifo-lio-Iuncetum effusi, assoz. provo Stadler 79; Violo-Iuncetum effusi Berset 69) sowie viele Calthion- und einseitige Staudenflächen in den Flachmoorgebieten sind ebenfalls auf die veränderte Bewirtschaftung zurückzuführen.

3 GRUNDSÄTZE ZUR ANPASSUNG DER WEIDEFÜHRUNG

Das Gebot nach Erhaltung der Flachmoore in ihrem "natürlichen" Zustande verlangt deshalb auf vielen Weiden mit einem hohen Anteil an vernässter Vegetation eine Überprüfung des Weideregimes und der Düngung. Aus den bisherigen Ausführungen leitet sich ab, dass in Flachmoorgebieten wenige grosse Koppeln einer intensiven Weideeinteilung mit kleinen Koppeln vorzuziehen sind. Den Tieren ist es auf diese Weise möglich, den Mooren auszuweichen. Dies tun sie auch, falls sie nicht durch Zäune gezwun- ... . gen werden, sich darin aufzuhalten und die Flachmoore abzuweiden. Die Tiere streifen zwar ebenfalls durch die Moore und fressen die wechselfeucht-trockenen Erhöhungen und die eingestreuten, guten Teile ab. Sie halten sich aber doch mehrheitlich und vor allem zum Ruhen und Wiederkäuen auf trockenen Stellen auf.

3.1 Grösse der Koppeln

Faustregel für die Festlegung Die Grösse der Koppeln ist abhängig von den örtlichen Gegeben- der benötigten Weidefläche (in eher ungünstigen Fällen): heiten. Als Prinzip gilt: die Rinder müssen auf den trockenen und Anzahl Rinder mal 30 Aren. wechseltrockenen Anteilen der Koppel genügend Futter finden Darin soll das Vieh etwa für 2 können, so dass die Flachmoore nur einen Behelfsausgleich zu lie- bis 3 Wochen genügend Futter finden können. Dies ergibt bei fern haben. Je kleiner der Anteil trockener Weideteile ist, desto einer zweimaligen Nutzung der grösser muss die Koppel sein. Als Faustgrösse gilt, dass die total Koppeln und etwa 100 bis 11 0 benötigte Weidefläche pro Rind und Sommer durchschnittlich 1 Tagen Alpzeit eine benötigte ha, in schlechten Fällen 1,5 ha beträgt. In günstigeren Fällen ver- totale Weidefläche pro Rind von durchschnittlich 1-1,5 ha. ringert sich diese Fläche, in schlechteren Fällen kann die Weide nicht mehr als geeignet bezeichnet werden. Kleine Flachmoorkoppeln können in jenen Fällen eingerichtet werden, wo für die meiste Zeit der Sömmerungperiode genügend gute Weideteile und gute Futterbestände vorhanden sind. Das Vieh wird dann erst relativ spät und nur bei trockenen Verhältnissen in diese Koppeln getrieben und nach einem Wetterumschlag sofort wieder gewechselt.

3.1.3

3.2 Ungeeignete Partien

Grosse Koppeln schliessen immer auch Partien ein, die nicht beweidet werden sollten. Solche Stellen sind zusammenhängende Wälder, Bacheinhänge, steile schattige, nicht trittfeste Flanken, Quellbereiche, grössere zusammenhängende quellnasse oder mit Torfmoos bedeckte Gebiete. Wo immer möglich, sollten die Zäune so geführt werden, dass diese Stellen nicht betreten werden (vgl. Band 2, Beitrag 3.1.1). Einige nicht zu steile, in jedem Fall aber trockene Waldpartien sollen für das Vieh zugänglich bleiben, als Unterstand bei Regen und Gewittern und als Schattenstellen.

3.3 Bestossung und Tränken

Die wesentlichen Aussagen zur Bestossung sind in Band 2, Beitrag 2 3.1.2 aufgeführt (bezüglich Detaillierung der Vegetationskartie- HAND BUCH rung zur Erhebung des Futterpotentials vgl. Beitrag 3.1.2, Kasten MOOR- S.9). SCHUTZ INDER SCHWEIZ

Tränkestellen sollen auf festem Boden zugänglich und rundherum entwässert sein. Das überschüssige Wasser muss in einen Graben abgeleitet werden.

4 GRUNDSÄTZE FÜR DIE STALLHALTUNG

Bezüglich Stallhaltung spielen hauptsächlich drei Aspekte eme Rolle:

  • Grundsätzlich möglichst wenig einstallen, damit wenig Dünger, vor allem keine Gülle, anfällt;

  • bei nassem Wetter sollten die TIere möglichst wenig draussen sein;

  • bei heissem Wetter zwingen die Parasiten (Fliegen und Bremsen) oft zur Stallhaltung.

Daraus folgt, dass in Flachmoorgebieten auf zeitweilige Stallhaltung kaum verzichtet werden kann. Dies trifft vor allem auf tiefere Lagen und Alpen zu, die nicht über trockene, windexponierte Gratlagen verfügen. Der unvermeidliche Widerspruch in diesen drei Aspekten kann in der Praxis etwas gemildert werden, wenn Folgendes beachtet wird:

  • Die Weide einteilung ist so vorzunehmen, dass in jeder Koppel Tränkestellen sowie windexponierte und schattige, möglichst trockene Stellen gut erreicht werden können.

  • Je nach Geländeverhältnissen, Anteil und Verteilung der Flachmoore können Flachmoorteile ausgezäunt werden, in die das Vieh (allenfalls nur ein Teil davon, z.B. die jüngeren leichten Tiere) nur bei trockenen Verhältnissen getrieben wird. Umgekehrt können trockene, weniger empfindliche Teile für nasse Wetterperioden reserviert werden.

  • Dem Stalldrang der Tiere nicht in jedem Fall nachgeben. Die I Tiere drängen sonst auch bei Verhältnissen zum Stall, bei denen dies nicht nötig wäre.

  • Abgeregnete, saubere Tiere werden von Parasiten weit weniger befallen als solche mit intensivem Stallgeruch.

3.1.3 5 GRUNDSÄTZE FÜR DIE DÜNGUNG

Selbst bei zurückhaltender Stallhaltung fällt Dünger an. Dieser ist zudem einer der wesentlichsten Einflussfaktoren auf die Ausbildung der Pflanzenbestände. Der Aufbereitung des Düngers und den dazu erforderlichen baulichen Einrichtungen ist deshalb in Alpen mit einem grossen Anteil an Flachmooren besondere Beachtung zu schenken (vgl. Band 2, Beitrag 3.1.2).

5.1 Ziele

Unter Voraussetzung einer standortangepassten Alpbewirtschaftung können die Ziele für die Düngung folgendermassen umschrieben werden:

  • Unter den herrschenden Boden-, Klima-, Niederschlags-, Expo- 2 sitions-, Neigungs- und Oberflächenverhältnissen dürfen keine be- HAND BUCH wirtschaftungsbedingten Erosionen, Bodenverdichtungen, keine MOOR- Schädigungen anderer Ökosysteme und keine Wasserverschmut- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ zungen vorkommen.

  • Die typischen Alpweidegesellschaften und ihre Artenvielfalt (Pflanzen und Tiere) müssen erhalten bleiben.

  • Die Nutztiere müssen ihren Anforderungen entsprechend er- Angepasste Bestossung nährt werden können. • angepasst an den Futterertrag bei standortgemässer Bewirtschaftung;

  • angepasst an die Steilheit 5.2 Anforderungen an die Bewirtschaftung und Trittfestigkeit des Geländes;

  • die Weiden werden weder Um diese Ziele langfristig erfüllen zu können, müssen die folgen- übernutzt noch mechanisch den Bedingungen gewährleistet sein: geschädigt;

  • Angepasste Bestossung • der anfallende Hofdünger muss verwertet werden kön-

  • Keine Zufuhr alpfremder Dünger (ausser in wirklich begründe- nen (ohne Schädigung oder ten Fällen). unerwünschte Veränderungen

  • Keine Zufuhr von Futter (ausser in wirklich begründeten Fäl- von Pflanzenbeständen und ohne wertvolle Biotope, len) Schutzgebiete, Bäche, Seen

  • Auf Sennalpen: Nur das nötigste Ergänzungsfutter für Schwei- oder die Stabilität der Weiden ne zuführen: (Schweine werden auf Alpen nur zur sinnvollen Ver- zu gefährden). wertung der Milchnebenprodukte gehalten.)

5.3 Düngung mit Stallmist

Unter Einhaltung der Anforderungen an die Bewirtschaftung (vgl. Ziffer 6.2) bietet die Verwertung des alpeigenen, gereiften Stapelmistes in der Regel keine ökologischen Probleme. Unter diesen Voraussetzungen kann der Stallmist auf die trockenen Weideteile verteilt werden. Arbeitsmässig ist dies zwar weit aufwendiger als die Verteilung von Gülle. Dafür bleibt die Beeinträchtigung der benachbarten Standorte minim.

5.3.1 Anforderungen an die Infrastruktur

Die Düngung mit Mist setzt voraus, dass die Infrastrukturen an die heutigen Bedürfnisse angepasst sind. Dazu gehören sogenannte Dünger- oder Bewirtschaftungswege, welche die Ausbringung des Festmistes ermöglichen (vgl. Band 2, Beitrag 3.1.4). Anpassungen sind häufig auch bei der Mistplatte nötig. Wird hauptsächlich Festmist bereitet, sollte ihre Fläche 1,4 bis 2,5 m2 pro Normalstoss nicht unterschreiten. Bei 8 Stunden Stallhaltung und / oder reiner Festmistbereitung werden pro Monat und GVE rund 0,4 m2 gebraucht. Wenn davon ausgegangen wird, dass der Festmist reifen, erst überjährig ausgebracht und höchstens 1,5 m hoch aufgestockt werden soll, müssen die Platten (zumindest bei einstafligen Alpen) entsprechend grösser sein. Der Anfall an Festmist schwankt auch je nach Einstreumenge. Diese ist in vernässten Alpen mit eigener Riedstreueproduktion oft recht hoch.

5.3.2 Anforderungen an die Behandlung des Festmistes

Festmist sollte nicht frisch ausgebracht werden. Diese Anforderung macht oft Probleme, da die Reifungsprozesse im Miststapel auf Alpen wegen der tieferen Temperaturen länger dauern als in Tallagen. Zudem fallen mehr Niederschläge, welche die aeroben Prozesse zusätzlich hemmen. Mit einfachen Mitteln kann die Reifung etwas beschleunigt werden:

  • Einstocken von gelochten Röhren, die seitwärts etwas hinausragen und leichtes Gefälle nach aussen aufweisen.

  • Stapeln des Mistes nicht direkt auf Betonplatten, sondern auf Prügellagen über der Güllegrube oder auf groben Rosten auf der Platte (ungehemmtes Abtropfen).

  • Abdecken der Stapel während des Winters oder während längerer Regenperioden (alte Blachen).

  • Umstocken im folgenden Vorsommer, sofern die Alp erschlossen ist und mit einem Ladegerät gearbeitet werden kann. Even-

3.1.3 tuell Ausstocken des halbfertigen Mistes an emen geschützten, vom Boden her geeigneten Platz und Abdecken. Die Plattengrössen können dadurch reduziert werden.

  • Eintreiben von Löchern, vor allem seitwärts in den Miststapel mit einem "Steckeisen" .

  • Verwendung von viel (und grober) Einstreu.

5.4 Düngung mit Gülle

5.4.1 Gülleverträgliche Weidefläche

Die Verwertung von Gülle (Vollgülle und Harngülle) - je nach Verhältnissen - ist dann problematisch, wenn keine oder zu wenig gülleverträgliche Weideflächen vorhanden sind. Verträglichkeit für eine bestimmte Menge Gülle liegt dann vor, wenn der Alpweidebestand diese Menge (Vollgülle und / oder Harngülle) bzw. die 2 darin enthaltenen Nährstoffe (vor allem der kurzfristig wirksame HAND BUCH N) und deren spezifische Wirkung erträgt bzw. "verarbeiten" kann, MOOR- SCHUTZ ohne dass die bezeichnende Artenzusammensetzung und die IN DER SCHWEIZ mechanische Stabilität (Trittfestigkeit) des Standortes langfristig zerstört oder geschwächt werden. Gülleverträglich sind in der Regel normaldrainierte, sonnige, nicht zu steile Fettweiden mit ausgeglichener Oberfläche und einer gewissen Ausdehnung. In ihrem Zusammenwirken verhindern diese Eigenschaften eine Auswaschung und erlauben eine Vertei- Als nicht gülleverträglich gellung ohne direkte Beeinträchtigung der benachbarten, nicht gülle- ten die Flächen mit folgenden Eigenschaften: verträglichen Standorte. • sämtliche Flachmooreinhei- Nicht gülleverträglich sind insbesondere Feuchtgebiete und deren ten (inkl. Calthioneinheiten); Einzugsgebiete sowie steile Lagen (vgl. Kasten). • alle nötigen Pufferzonen gegenüber diesen Gesellschaften;

5.4.2 Wieviel Gülle erträgt eine Alp? • wasserführende Mulden

Pro Hektare gül1everträglicher Weidefläche wird normalerweise und Gräben und ihre unmittelpro Sommer etwa 15 m 3 Gülle (Verdünnung - Anteil reine Gülle baren Einzugsgebiete; • Waldränder; zu Anteil Wasserzusatz - Vollgülle 1:1,5; Harngülle 1:3) eingesetzt. • entwässerte Weideteile; Nur in Ausnahmefällen werden zwei Gaben verabreicht. Es muss • torfige Böden; also abgeklärt werden, wieviel gülleverträgliche Flächen eine • alle Hangweiden oberhalb 35 bis 45 % Neigung je nach Alpeinheit aufweist. Diese Fläche mal 15 m 3 (inkl. Wasserzusatz) Sonnenlage und Bodenart; ergibt die Güllemenge, die nicht überschritten werden sollte. • allgemein schattige Lagen; Es zeigt sich in der Praxis, dass nach diesen Grundsätzen die mei- • artenreiche Magerweiden (allenfalls noch vorhandene sten Flyschalpen keine Vollgülle bereiten sollten. Harngülle fällt typische Goldpippau- und auch bei Mistproduktion immer an. Oft reicht die gülleverträgliche Milchkrautwiesen). Fläche selbst für die Verwertung dieser Menge nur knapp.

5.4.3 Folgerungen

Auf den meisten Alpen in Flachmoorgebieten scheiden gemäss den genannten Zielen und Anforderungen einseitig auf Güllebereitung ausgerichtete Hofdüngersysteme wie Schwemmentmistungen aus. Für Schorrgrabensysteme sind Lösungen zu wählen, welche an die naturräumlichen Voraussetzungen angepasst sind (vgl. Band 2, Beitrag 3.1.2).

Entspricht die Grösse der gülleverträglichen Fläche nicht der errechneten nötigen Anzahl Hektaren, so muss die Güllemenge eingeschränkt werden. Folgende Möglichkeiten bieten sich an:

  • Einschränkung der Stallhaltungszeit (zugleich vermehrte Pflege der Lägerflächen).

  • Änderung der Hofdüngerbereitung: weniger Vollgülle, mehr Mist und Harngülle; Mist lagern und ausreifen lassen (nur überjährigen Mist ausbringen).

  • Verkleinerung der Herde.

6 WEITERFÜHRENDE HINWEISE

6.1 Empfehlungen

Über die Düngung von Alpen hat eine Arbeitsgruppe Empfehlungen ausgearbeitet, die auch auf Moorgebiete angewendet werden können. Sie liegen in Form einer Zusammenfassung für die Praxis und eines Merkblattes vor. In der Arbeitsgruppe haben der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV), das Eidgenössische Meliorationsamt (EMA) und die Pro Natura mitgewirkt. Der Bericht der Arbeitsgruppe und die Zusammenfassung enthalten Tabellen zur Abschätzung der Düngervertäglichkeit von Alpweiden. Der Eingang in diese Tabellen kann von drei Seiten her erfolgen, je nach Erfahrung und Arbeitsmethode des Beraters:

  • gemäss Geländekategorien (und Pflanzenbeständen);

  • gemäss Pflanzenbeständen (soziologischen Einheiten);

  • gemäss Kartierschlüssel der AGFF (Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus).

3.1.3

6.2 Berechnung der Grossvieheinheiten

Beim Vergleich einer aktuellen Bestossung mit früheren Angaben müssen die geänderten GVE-Faktoren berücksichtigt werden. Es müssen die Tierzahlen (inkl. Alter) der früheren Bestossung erhoben (siehe Alpkataster) und mit den neuen Faktoren umgerechnet werden. Erst jetzt ist ein Vergleich möglich. Die Jungviehfaktoren wurden gegenüber früher deutlich gesenkt. Die Faktoren für Kühe blieben gleich. Die offiziellen Faktoren können bei den Landwirtschaftämtern und bei Landwirtschaftlichen Schulen in Erfahrung gebracht oder der "Begriffsverordnung" bzw. der Homepage der Bundesverwaltung, Bundesamt für Landwirtschaft (www.blw.admin.ch) entnommen werden.

6.3 Sömmerungsbeitragsverordnung HAND

BUCH MOOR- SCHUTZ Die Sömmerungsbeitragsverordnung (SöBV) vom 29. März 2000 IN DER SCHWEIZ und die Verordnung des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) über die Bewirtschaftung von Sömmerungsbetrieben basieren auf den gleichen fachlichen Grundsätzen. Die Verordnung kann bei der Umsetzung des Moorschutzes als zusätzliche Rechtsgrundlage beigezogen werden. Wichtig sind vor allem: SöBV: Art. 6, Art. 8 Abs. 3 Bst. a und b, Art. 10 Verordnung BLW: Art. 1, Art. 2.

ADRESSE DES AUTORS

Franz Stadler BüroBSN Heiterweid 9

AUSKUNFT

Zl1sammenfa ung und Merkblatt zur A lpdtingung können bezogen werden bei: lnforama Berner Oberland H nddchBE Tel.: 033 ! 654 95 45

Handbuch Mool'schutz in der chweiz 2

FRANZ STADlER Interne Erschliessung von Alpen in Moorgebieten 3.1.4 1 EINLEITUNG

Die "klassischen" Flyschgebiete der Voralpen zeichnen sich durch sanfte Geländeformen aus. Vernässte Stellen in Form von Grasflächen und eher lockerem Wald sind hier von Natur aus häufig. Schon sehr früh wurden solche Gebiete zur Sömmerung von Vieh benutzt, wobei ursprünglich auch der Wald flächendeckend be weidet wurde. In diesen Gebieten sind Hoch- und Flachmoore noch relativ häufig. Hochmoore sind selten und haben meistens eine geringe Flächenausdehnung (vgl. Band 1, Beitrag 2.2.7). Sie sind örtlich ziemlich klar begrenzt und bezüglich Futterwert ohne Bedeutung. Meistens können diese Biotope daher ohne grössere Widerstände ausgezäunt werden. Ihnen schadet zudem jegliche Trittbelastung.

Flachmoore und Weidegesellschaften greifen aber meistens so stark verästelt ineinander, dass eine Auszäunung unmöglich ist. Auch aus 2 landschaftsästhetischer Sicht würden Zäune sehr störend wirken. Die HAND BUCH Offenhaltung der Flachmoore durch Beweidung, evtl. kombiniert mit MOOReinem Streueschnitt im Herbst, hat eine lange Tradition. Die Arten- SCHUTZ INDER SCHWEIZ kombinationen sind dieser Nutzung angepasst. Bewirtschaftungsgrundsätze sind geringe Bestossung mit leichten Tieren sowie vollständiger Verzicht auf eine aktive Düngung der Flachmoorflächen.

Wo die Weide tiere häufig zirkulieren, werden trotz Einhaltung dieser Die innere Erschliessung dient Grundsätze Teile von Flachmooren zu stark beansprucht. Der Unter- einer zweckmässigen Verteilung der Hofdünger, der Abfuhr der grund ist hier nirgends tragfähig. Diese Stellen müssen teilweise auch geschnittenen Streue, der Überzum Ausbringen des Hofdüngers auf Nichtflachmoorflächen und zum brückung dauernd vernässter Einsammeln von Streue gequert werden. Dabei hinterlässt der regel- ("bodenloser") Stellen sowie der Verbindung der einzelnen Weimässige Einsatz selbst von leichteren Maschinen oft erhebliche Spudegebiete mit dem Alpzentrum. ren.

Aus diesen Grü nden kann es zweck mässig sein, eine A lp "intern " mit Vieh trieb- und/oder ss cwirlschaflungswegcn zu erschliessen.

Da der Baugrund an vcrnässten Stellen nicht tragfähig ist, sind spezielle Technik en anzuwenden. Ein Wegebau mit Kofferung und Entwässerung des Untergrundes oder gar St abilisierungsmethode n kommen sowohl a us Koslcngründcn als auch aurgrund de r langen Transportwege nicht in Frage. Vielmehr ist mit den an Ort vorhande nen Ma te rialicn und Möglichkeiten auszu kommen. Die Ausführung muss so e rfolgen, dass keine Frcmdsloffe in die Nassbiotope einge tragen sowie die Hydrologie und Ökologie der Moore unterhalb des Weges möglichst nicht verändert werden. Die gecignetc n BauTllcthode n müssen nicht neu e rfunden werden, denn diese Proble me stellten sich auch in [rühere n Zeilen und wurden im allgemeinen viel sorgfältiger gelöst als dies heute der Fall ist.

3.1.4 2 FRAGESTELLUNGEN VOR DER PLANUNG UND AUS- FÜHRUNG

  • Überlegungen zur Nutzung der Alp: Welche Weide einteilung ist vernünftig? Welche Streuflächen sollen gemäht werden? Wo sind die düngbaren Flächen? usw.

  • Wie war die Nutzung früher? Sind Spuren alter Bewirtschaftungswege, ausgebaute Bachübergänge, alte Tristbette vorhanden?

  • Ist eine Erschliessung zur Aufrechterhaltung einer nachhaltigen, angepassten Nutzung notwendig? Wenn ja, welches ist die minimal notwendige Variante?

  • Können trockene Stellen benutzt werden? Auf nicht tragfähigen Böden soll nur gebaut werden, wenn keine andere Linienwahl möglich ist.

  • Wo liegen die schutzwürdigsten Flächen, Elemente oder Teilgebiete, die auf keinen Fall tangiert werden dürfen? 2 HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ

3 GRUNDSÄTZE FÜR DIE LINIENWAHL UND DEN BAU

  • Querung rutschgefährdeter Hänge grundsätzlich meiden.

  • Keine neuen Wege in Hochmooren.

  • Querung von Flachmooren und anderen wertvollen Biotopen nur, wenn keine Umgehungsmöglichkeit besteht. Wegabschnitte im betroffenen Gebiet auf ein Minimum beschränken.

  • Bestehende Viehtriebwege durch Einheiten, die mit Torfmoos bewachsen sind (Deckenmoore, Moorföhrenwälder, Braunseggenried mit Torfmoos usw.), sollen - sofern keine andere Linienführung möglich ist - ausgezäunt werden.

  • Die Linienführung ist konsequent dem Gelände anzupassen.

  • Es muss der bestmögliche Baugrund gewählt werden. Guten Untergrund weisen in der Regel strenge Borstgraswiesen (Nardeten) auf (hier sind meist keine baulichen Massnahmen für Trieb- und Bewirtschaftungswege erforderlich).

  • Wenig geneigtes Gelände benutzen, um den Aushub auf ein Minimum zu beschränken.

4 EINFACHE VIEHTRIEB-, BEWIRTSCHAFfUNGS- UND

WANDERWEGE

Einige Methoden zur Erstellung Die wichtigsten Methoden sind skizzenhaft angeführt (vgl. Tabelle 1, Skizzen Nr. 1 bis 8).

Material Rundholz mit Durchmesser von mindestens 15 cm oder Bohlen (gesägte Trämel) von mindestens 20 cm Dicke. Die Hölzer sollten seitwärts im Lehm oder in der Erde liegen. Andernfalls faulen sie rascher. Längshölzer unten: Ende des einen und Anfang des nächsten Längsholzes sollen sich mindestens 1 m überlappen und dort miteinander

Abb. 1: Einfache "einheimische" Lösung mit Längs- und Querhölzern zur Überwindung einer vernässten Senke Foto: F. Stadler

Abb. 2: "Hochtechnische" Lösung mit imprägniertem Holz. Sie wird weder der praktischen noch landschaftlichen Zielsetzung gerecht Foto: F. Stadler

3.1.4 (Bauklammern) und mit den Querhölzern (Armierungseisen) verbunden sein. Verbindungen: Bauklammern und Reste von Armierungseisen, schräg abgeschnitten, sodass eine Spitze bleibt. Durchmesser je nach Dicke der Hölzer mindestens 0.5 cm. Es muss nicht jedes Querholz genagelt werden.

Wasserfluss Für den Wasserfluss bleiben überall genügend freie Räume. Es müssen keine zusätzlichen Entwässerungen beachtet werden.

Reine Wanderwege Um Holz zu sparen, können bei reinen Wanderwegen zur Querung von Flachmooren und sumpfigen Gräben auch nur drei bis vier Längshölzer nebeneinander gelegt und häufig mit flachen Hölzern quer verbunden werden. Diese oberen Querhölzer geben den Fussgängern bei 2 nassem Wetter zusätzlich Halt. Damit das Niveau aller vier Längshöl- Tab. 1: Konstruktion einfacher HAND Geh-, Viehtrieb- und Bewirtschaf- BUCH zer gleich bleibt können die Längshölzer zudem auf Querhölzer gelegt tungswege (vereinfachte Konstruk- MOORwerden (vgl. Skizze Nr. 9). tionsskizzen ) SCHUTZ IN DER SCHWEIZ

1 Einfache Holzprügellage in Querprofil Aufsicht

ebenem Gelände

  • billig; schnell

  • oft schlipfig, nicht befahrbar (Schlupf der Räder)

anstatt Rundhölzer können Halbrundhölzer oder gesägte dicke Bohlen verwendet werden.

Halbrundholz Bohlen, gesägt

2 Einfache Holzprügellagen mit Querprofil Aufsicht

Längshölzern oben zur Stabilisierung

  • wenig Aushub, schnell

  • recht stabil

3 Holzprügellagen mit Längs- Querprofil

hölzern unten

  • Mehr Aushub; stabiler als 1 und 2; unten können bei starker Belastung 3 Längshölzer verwendet werden.

  • Auch oben können zusätzlich Längshölzer verwendet werden; vor allem in steilerem Gelände zu empfehlen.

  • Diese Art eignet sich für befestigte Plätze um die Tränkestellen.

4 Abdeckungen mit Erde-Kiesge- Querprofil Aufsicht

mischen unter Verwendung von Astlagen aus Fichte (altes System zur Abdeckung von Holz- -- Astlage (Fichte) stegen) Kies, Erde

  • Viel besser begehbar, da bei nassem Wetter nicht schlüpfrig. Äste stabilisieren das Erde-Kiesgemisch.

  • Aufwand höher, aber dafür auch länger haltbar als ungedeckte Hölzer. Bei allen Typen anwendbar, falls Material vorhanden.

5 Holzprügel oder Bohlen in Querprofil

stärker geneigtem Gelände

  • wenig Aushub, stabil Aushubschüttung

  • Talseitig mit Aushub bedecken, soweit vorhanden.

6 Mit Transportern befahrbare Querprofil

Wege

  • Grundsätzlich gleiche Bauart wie 3, aber verstärkt durch Längshölzer unter den Spuren.

  • Auch bei dieser Art können die Hölzer durch ein Erde-Kiesgemisch abgedeckt werden, falls Material vorhanden ist. Die Lebensdauer kann so verlängert werden.

3.1.4

7 Einfache Überquerungen: kJeiner Querprofil Längsprofil

Gräben und sumpfiger Mulden Belastung. • Der befestigte Weg soll im trockenen Gelände vor dem Graben beginnen und bis ins Trockene nach dem Graben führen. Ein oder mehrere Hölzer, je nach Lage

8 Wege, mit Steinen ausgelegt Querprofil Aufsicht

  • Für Vieh nicht geeignet, falls Gelände sehr nass. Steinplatten

  • Nicht geeignet für starke Belastung.

  • Für Wanderwege angenehm.

  • Die Steine der umliegenden Bachläufe dürfen nicht zu stark aus- HAND geräumt werden, sonst vertieft sich BUCH die Sohle. MOOR- SCHUTZ IN DER

9 Querung von trittempfindJichen Längsprofil Aufsicht SCHWEIZ

Flachmooren durch Wanderwege Bei Steigungen Abstand der flachen Querhölzer oben auf Schrittlänge anpassen.

unten

10 ErschJiessungsstrassen Längsprofil

Verschleissschicht Kieskoffer (grob) Querhölzer Längshölzer ( überlappend)

11 Erschliessungsstrassen Querprofil

Raum zwischen Böschung und Querhölzern r--- - mit sauberem grobem Koffer füllen (Handarbeit: sortieren des Koffers mit Schaufel)

Kieskoffer: mittel bis grobe Fraktionen

Schlitz in Rohtrasse, sauberer grober Koffer oder Drainrohr

5 ERSCHLIESSUNGSSTRASSEN

Alle Wege, die nach dem oben beschriebenen Prinzip konstruiert wurden, eignen sich nur sehr eingeschränkt zur Nutzung für Bewirtschaftungszwecke. Trotzdem können auch forst-und alpwirtschaftliche Erschliessungsstrassen (äussere Erschliessungen) nach ähnlichem Muster gebaut werden, also mit einer "Tragplatte" aus Holz. Bei der Querung von Flachmooren sind jedoch einige spezielle Punkte zu beachten, damit der Wasserfluss nicht allzusehr gestört wird. In solchen Fällen können die Aushubarbeiten einen viel grösseren Umfang annehmen. Bei einfachen Konstruktionen von Viehtrieb- und Bewirtschaftungswegen, die nur wenig gebraucht und belastet werden, ist der Durchfluss des Wassers in der Regel kaum ein Problem. Zwischen den Hölzern bleiben immer genügend Durchflussmöglichkeiten. Überall dort aber, wo das Wegtrasse in den Boden eingelassen ist, wird der Wasserfluss unterbrochen. Das Wasser kann bei Steigungen entlang dem Holz oder durch die Kofferung parallel zum Trasse fliessen anstatt wie bei ungestörten Verhältnissen in der Falllinie hangabwärts. Es sind deshalb Querschlitze ins Trasse zu treiben, die bis an den Böschungsfuss reichen. Diese Schlitze sind mit steinigem Material (Grobfraktion des Koffers) zu füllen oder es ist ein Entwässerungsrohr als Durchlass einzulegen. Die Schlitze dürfen nicht mehr mit Lehm oder Erde eingefüllt werden. Dadurch wird der Wasserfluss unter den Querhölzern gewährleistet (vgl. Skizze NI. 10).

3.1.4 Solche Schlitze sind sehr häufig einzulegen, damit das Wasser, das aus den bergseitigen Flachmooren fliesst und vom Weg- oder Strassentrasse aufgefangen wird, nicht längs des Weges wegfliesst und an einem Ort konzentriert wieder in die talseitigen Flachmoore entlassen werden muss. Das Wasser soll die Wege praktisch dort, wo es anfällt, queren und sich wieder flächig verteilen können. Auf diese Art werden die talseitigen Moore am wenigsten beeinträchtigt. Auch bei wichtigeren Forst- und Alpstrassen kann die bergseitige Entwässerung sehr einfach erstellt werden. Bergseits wird etwas breiter ausgehoben, sodass zwischen Böschung und Querhölzern ein Raum bleibt. Diesen füllt man mit Grobanteilen (grobe Fraktion) des über die "Holzplatte" zugeführten Koffers. So entsteht bergseits ein durchlässiger Sickerkörper. Dieser muss mit zahlreichen Schlitzen, wie oben beschrieben, kombiniert werden (vgl. Skizze Nr. 11). Auf diese Weise können auch Lastwagenstrassen durch Flachmoore geführt werden, ohne dass die talseitigen Moorflächen merklich ge- 2 stört werden. Mit dieser Bauart hat man sehr gute Erfahrungen ge- HAND BUCH macht. Alle Arbeitsvorgänge sind schnell und ohne zusätzliche Kosten MOOR· mit dem Bagger in einem Arbeitsgang auszuführen. Lediglich zur Fül- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ lung des Sickerkörpers mit den groben Kofferanteilen braucht es eine zusätzliche Arbeitskraft mit einer Schaufel. Der Bagger arbeitet dafür zu unsorgfältig. Die Füllung der Schlitze geschieht "vor Kopf", also bevor die Querhölzer eingelegt werden. Die Baustelle muss dabei gut organisiert sein.

ANSCHRIFT DES AUTORS

Franz Stadler Brünigstrasse 64

6074 Giswil

Handbuch Moorschutz in der Schweiz 2

.,

REDAKTION

Fallbeispiele 3.2 Die Anforderungen, welche bei der Nutzung der Moore eingehalten Handbuch werden müssen (z.B. Schnittermine oder Pufferzonen), sind weitge- Moorschutz in der Schweiz 2 hend festgelegt. In der Praxis werden viele der entsprechenden 2/1996 Grundsätze eingesetzt und angewendet. Die Schnittstellen Moorschutz - Landwirtschaft sind allerdings so vielfältig, dass die Anwendung dieser Grundsätze allein in vielen Fällen nur eine ungenügende Schutzstrategie darstellt. Um die Reichweite der allgemeinen Verhaltensregeln zu erhöhen, müssen die lokalen Besonderheiten berücksichtigt werden. Sie bestimmen in hohem Masse, wie der Moorschutz im Einzelfall zu lösen ist. Den nachfolgenden Beiträgen kommt die Aufgabe zu, auf dem Hintergrund von konkreten Problemsituationen einige praktische Anregungen zur Behandlung der Schnittstelle Moorschutz - Landwirtschaft zu unterbreiten.

HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ

FRANZ STADlER Fallbeispiel Grosses Moos (SCHWÄNDITAl, Gl) 3.2.1 1 AUSGANGSLAGE Die Entlastung des Moores ist Das Grosse Moos (Objekt Nr. 245 des Inventars der Hochmoore von auch aus alpwirtschaftlichen und tierhygienischen Gründen angenationaler Bedeutung) in der Moorlandschaft Schwändital (Objekt zeigt, denn die Vegetation auf Nr. 55) ist das grösste Hochmoor im Kanton Glarus und auch eines solchen Nassflächen ist als Viehder bemerkenswertesten in den Voralpen der Ostschweiz. Es liegt auf futter sehr geringwertig bis schädlich. Hier leben auch para- 1'250 m Meereshöhe im Talgrund des Oberurner Schwänditales am sitenverbreitende Tiere bzw. ihre Fusse des Tierberges. Es bedeckt eine Fläche von 17 ha und verteilt Zwischenwirte, die ihre kranksich auf die Alpen Schattenstafel der Korporation Vorderschwändi heitsträchtige Fracht auf Rind- (rund 12 ha) und Alt Stäfeli-Stattboden der Korporation Hinter- vieh - vor allem Jährlinge und Kälber - übertragen. Würde man schwändi (rund 5 ha). die Zuwachsentwicklung der Im Hochmoor wurden bis 1994 Rinder eingezäunt. Im Schattenstafel Rinder während der Weidezeit beeinträchtigten zudem frühere tiefe Entwässerungen das Moor sehr auf dem Hochmoor überprüfen, könnte der negative alpwirtstark. Aufgrund des "Rothenthurmartikels" in der Bundesverfassung schaftliche Ertrag des Moores und gestützt auf die Hochmoorverordnung ist dieses Moor zu entlasten und zu schützen. sehr schnell nachgewiesen werden. Dennoch ist immer wieder 2 Die kantonale Naturschutz-Fachstelle hatte für das Grosse Moos klare festzustellen, dass nicht der tieri- HAND sche Ertrag (Gewichtszuwachs, BUCH Entwicklungsvorstellungen: Milchertrag u.a.) als Kriterium MOOR-

  • Das Grosse Moos darf nicht mehr beweidet werden. SCHUTZ beigezogen wird. Vielmehr wird IN DER der "Erfolg" an den Tagen SCHWEIZ

  • Die Aussichten allfälliger Regenerationsmassnahmen sollen abgegezählt, an denen die Tiere die klärt werden. guten Weiden nicht belasten und deshalb das bessere Futter Beide Alpeinheiten (Schattenstafel und Alt Stäfeli-Stattboden) haben "gestreckt" werden kann. Anteil an der Beweidung des Grossen Mooses. Bezüglich Moorschutz bestanden deshalb auf beiden Alpen grundsätzlich die gleichen Probleme, die nach ähnlichen Mustern gelöst werden konnten.

Die Ausführungen beschränken sich deshalb auf die Alp Schattenstafel. Sie zeigen auf, wie vorgegangen wurde, um das Grosse Moos aus dem beweideten Perimeter zu entlassen (vgl auch Band 2, Beitrag 3.1.2).

2 SITUATIONSANALYSE

2.1 Erfassung des Problems

Die Alp Schattenstafel ist keine "Flyschalp" . Der grösste Teil der Weiden ist nicht vernässt und auch nicht mit Flachmooren verzahnt. Das grosse Hochmoor ist, neben einem quelligen nassen Flachmoor in der "Ortwiti", dem südöstlichen Zipfel der Alp, ein Einzelobjekt. Gemäss Schlüssel zur Bestimmung des geeigneten Vorgehens in alpwirtschaftlich genutzten Gebieten (vgl. Band 2, Beitrag 3.1.2) müsste in diesem Fall eine Dokumentation erstellt werden, auf deren Grundlage Schutzmassnahmen für das Hochmoor als Einzelobjekt anzugeben bzw. zu verfügen wären. Da die beweidete Hochmoorfläche eine grosse Ausdehnung hat (rund 12 ha) und die Rinder eine beträchtliche Zeit ausschliesslich darauf gehalten werden, ist es angezeigt, die gesamte Alporganisation und das Weidemanagement zu betrachten. Zudem sind die Bewirtschafter auf Verbesserungen aufmerksam zu machen, die den Ausfall der bisherigen Weidetage auf dem Hochmoor kompensieren könnten. (Lösungsansatz einer alpwirtschaftlichen Nutzungsplanung).

2.2 Bisherige Bestossung und Weideführung (vgl. Plan 1)

Begründung für das bisherige Die Alp darf gemäss gültigem "Urbar" (vom Regierungsrat festge- Regime der Vorsommerweide: setzte Bestossungszahlen für alle Glarner Alpen) mit 38 Grossviehein- Gemäss dem Bewirtschafter heiten (GVE) bestossen werden. In der Regel werden 30 bis 31 Kühe wurde die bisherige Form der und 10 bis 12 Rinder gehalten. Nach dem 15. März geborene Kälber Vorsommerweide gewählt, um werden nicht gezählt. das grosse Futterangebot gleichmässig nutzen und eine Überal- Die Weideführung erfolgte bisher nach folgendem Muster: terung des Futters verhindern zu Vorsommer: Rinder 5-6 Wochen auf dem Hochmoor; übrige Weiden können. ohne Unterteilung den Kühen freigegeben. Der Bewirtschafter war der Meinung, bei einer Unterteilung der Mittsommer: Drei grosse Teile für die Kühe; Rinder in den Planggen Weide würde die Futterqualität (steile Hangweiden) und mangels Wasser in diesen Hangweiden auch der spät genutzten Teile abnehim Hochmoor. men. Nachsommer: Rinder weiden in den Kuhteilen nach den Kühen ("nachweiden").

3.2.1

HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ

Plan 1: Bisherige Bewirtschaftung Alp Schattenstafel Massstab 1:10'000 -- Grenze Planungsperimeter

Rinderweiden (z.T. Wald- Alpersch Iiessungsstrasse weiden; R1-R2) Bach

Kuhweiden (K1-K3, im Vorsommer nicht unterteilt) 0 15 Rinder 5-7 Wochen eingezäunt

Abgrenzung einzelner Weideteile e Rinder: Hang- und Waldweiden, kein Wasser

2.3 Zustand der Pssanzenbestände

Eine pflanzensoziologische Detailkartierung wurde nicht durchgeführt, da die Grobbeurteilung sofort zeigte, dass

  • die Verhältnisse übersichtlich sind,

  • die Höhe des Viehbesatzes nicht das Problem darstellt,

  • die Lösung durch eine verbesserte Weideführung gefunden werden kann. Grosse Weideteile, vor allem die am Rande gelegenen, sind unternutzt und zum Teil "vergandet". Dies bedeutet, dass entweder das Borstgras grosse Anteile einnimmt, an nährstoffreicheren Orten Mähwiesenarten (u.a. Waldstorchschnabel, Knaulgras, Grossrispiger Wiesenschwingel) oder Unkräuter (u.a. Weisser Germer) stark vertreten sind, obwohl die Nutzungseignung vielfach als gut eingestuft werden muss. Auch der Farn ist vor allem an den schattigen und steileren Seiten stark vertreten. Umgekehrt scheinen die näher dem Zentrum gelegenen Bereiche mit günstigem Futterangebot sowie die flachen Stellen, wo sich das Vieh gerne aufhält, übernutzt. Fett sind die hütten- und stallnahen Weideteile, soweit sie trocken sind. Die steilen, entfernteren Hangweiden werden nicht mehr regelmässig genutzt, obwohl sie sich als Rinderweide noch sehr gut eignen. Der Besatz ist mit rund einer Grossvieheinheit (GVE) pro ha offener Weidefläche (ohne Moor und ohne Planggenweiden) relativ gering. Die Bewirtschaftung muss gemäss dem Bild, das die Pflanzenbestände bieten, als traditionell bezeichnet werden.

2.4 Infrastrukturen

StaU: Herkömmlicher Doppellängsstall mit Mittelgang und beidseitigen Schorrgräben; Mistplatte ausserhalb des Stalles ca. 8 m 2 ; Jauchegrube ca. 3 m 3 • Einstreumaterial genügend vorhanden. Tränkestellen: Das Vieh trinkt aus dem Bach. Bezeichnend ist das Fehlen von Wasser in den Hangweiden. Wege: Als Bewirtschaftungsweg ist nur ein kurzes Stück ausgebaut. Es scheint, dass in früheren Zeiten mehr Wege vorhanden und unterhalten wurden. Die Erschliessung der Alp nach aussen ist sehr gut.

3.2.1

2.5 Beurteilung der Bewirtschaftung im Hinblick auf ungenutzte

Kapazitäten

Die Weideorganisation im Vorsommer ist nicht dem Vegetationsrhythmus angepasst. Die Rinder beweiden das Hochmoor und seine nähere Umgebung, während die Kühe auf den übrigen (trockenen) Flächen das Futter nicht zu bewältigen vermögen. Es herrscht deutlich selektive Unter- bzw. Überbeweidung. Die Kühe bevorzugen die näher zum Stall gelegenen Flächen und weiden hier das schmackhafteste Gras ab. Auf den übrigen Flächen wird das Futter nicht genutzt. Auf den unbeweideten Stellen oder Weideteilen können sich Pflanzen, die vom Vieh nicht geschätzt werden (z.B. Borstgras), ungehindert breit machen. So nehmen solche Pflanzen mit der Zeit grosse Flächen ein. Das Wachstum auf den nahegelegenen, guten Weiden genügt im Normalfall, um die Kühe im Vorsommer zu ernähren. Nur im Spätsommer, bei knappem Futterangebot werden auch die abgele- 2 generen Teile beweidet. Die naturgegebenen Zuwachsmöglichkeiten HAND BUCH der Vegetation werden durch diese Organisation nicht ausgenutzt. Die MOOR- SCHUTZ Weideführung muss dem Vegetationsrhythmus besser angepasst wer- IN DER SCHWEIZ den, sonst geht viel Nachwuchskraft verloren.

3 MASSNAHMEN (vgl. Plan 2)

3.1 Weideführung

  • Das Moor ist auszuzäunen, um eine weitere Beweidung zu verhindern. Den Rindern sind im Vorsommer die entfernteren, trockenen Weideteile zuzuweisen, die von den Kühen nicht genutzt werden. Eine solche Weideführung muss sogar unabhängig vom Moorschutz und von weidehygienischen Überlegungen vorgeschlagen werden. Sie ist die wichtigste Massnahme zur langfristigen Erhaltung des Weidepotentials und guter Weidebestände auf diesem Stafel.

  • Für die Kühe ist ein intensiverer Weideumtrieb einzurichten. Damit werden die Tiere gezwungen, das Futter möglichst vollständig zu nutzen, bevor sie in einen frischen Weideschlag getrieben werden. In den abgeätzten Teilen kann das Gras ungehindert nachwachsen. Nur auf diese Weise kann eine geeignete botanische Zusammensetzung der Weiden erreicht und längerfristig erhalten werden. Dies ist eine Voraussetzung, um bei möglichst geringem Aufwand bezüglich Weidepflege und Unkrautbekämpfung anhaltend gute Leistungen der Tiere zu erreichen.

  • Der erste Aufwuchs einzelner Weideschläge oder von Teilen davon muss geschnitten werden, um den Vorsommerfutterberg ohne Nachteile für die botanische Zusammensetzung zu bewältigen. Die günstige Topographie im Schattenstafel erlaubt es, für diesen Zweck jene Weideteile auszusparen, die mechanisch bearbeitet werden können. Das Schnittgut kann im Nachsommer zum knapper werdenden Weidefutter zugefüttert werden, als Beifutter zum sehr jungen Vorsommergras des nächsten Alpsommers dienen und / oder als Reserve für Schlechtwettereinbrüche gelagert werden.

  • Die Hangweiden sollen wieder besser genutzt werden. Voraus set - zung dazu ist die Lösung der Wasserfrage.

  • Die Rinder verbleiben zuerst im Teil Kl (ziemlich steile Hänge gegen den Stafel "Sonnenstafel"). Sie weiden auch die flacheren Teile vollständig ab, nachdem dort die Kühe vorgeweidet haben (sofern der erste Aufwuchs dieser flachen Teile nicht gemäht wird). Danach beweiden die Rinder die Teile K2 und K3, welche bis zu diesem Zeitpunkt von den Kühen nicht benötigt wurden. Aufgrund regelmässiger Unternutzung sind diese Flächen teilweise stark "vergandet". Sie liefern trotzdem noch besseres Futter als das Hochmoor. Durch regelmässige, nicht zu späte Nutzung werden sich die Futterbestände wieder deutlich verbessern.

3.2.1

HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ

Plan 2: Alpbewirtschaftung und Moorschutz Alp Schattenstafel Massstab 1:10'000

Schutzgebiet (ausgezäun- - Nicht düngen

FM: Nicht beweiden; jedes 3. Jahr schneiden Abgrenzung elektrisch (Teilparzellen)

Neuer Bewirtschaftungsweg tes Hochmoor) Wald/Weide-Grenze ~ Viehtriebweg

• Kuhweiden(K1-K6) Auszäunung Hochmoor Neuer Tränkeplatz Rinderweide (R1-R4) Grenze Kuhweide-Rin-

- Vorweide mit Kühen (1-2 Tage)

Nicht düngen, nicht beweiden; nur schneiden derweide

Feste Abzäunungen (Hauptparzellen) -- Grenze Planungsperimeter

Alperschliessungsstrasse

Bach

·'

Nach dem Abweiden dieser beiden Teile sind die Hangweiden soweit entwickelt, dass auch sie bestossen werden können. • Verbleibt auf den gut gedüngten Kuhteilen nach der Vorweide mit den Kühen ein Futterüberschuss, kann dieser als Heu geerntet oder von den Rindern genutzt werden.

3.2 Verbesserung der Infrastruktur

3.2.1 Tränkestellen

Im Weideteil K4 muss eine Tränkestelle errichtet werden. Das Wasser kann vom nahen Campingplatz zugeleitet werden. In den steilen Planggenweiden besteht keine Tränkestelle. Die Rinder waren deshalb gezwungen, zur Tränke alle 2 - 3 Tage das Hochmoor aufzusuchen. Bei Schönwetterperioden gingen sie gar nicht mehr in die Planggen zurück. In den Planggen ist kein Quellwasser vorhanden, so dass ein Wassertank aufgestellt werden muss. Mit Hilfe einer Pumpe wird der Tank periodisch aufgefüllt. Das Wasser wird aus dem Bach neben dem Stall entnommen. Der Tank muss an einem steinschlagsicheren Ort stehen, der zudem nicht zu steil ist und auch bei nasser Witterung fest bleibt. Ein solcher Platz befindet sich an der im Plan bezeichneten Stelle. Er hat den Vorteil, relativ nah zu liegen (Unterhalt und Kontrolle). Von ihm aus sind die Planggen gut zu erreichen. Teile von K5 sollen mit der Zeit ebenfalls zu R4 geschlagen werden, um eine zweckmässige Tränkemöglichkeit zu schaffen.

3.2.2 Bewirtschaftungsweg

Voraussetzung für eine optimale Weidebewirtschaftung ist ein Viehtriebweg (vgl. Plan 2). Dadurch können die einzelnen Weideteile erreicht werden, ohne dass die Kühe durch bereits abgeätzte und nachwachsende Teile getrieben werden müssen. Der Weg muss ebenfalls als DÜllgerweg benutzt werden können. Der Plan zeigt die ungefähre Linienführung.

3.2.3 Jauchegrube

Vorteilhaft wäre eine grössere Jauchegrube, wobei der Hauptdünger nach wie vor Rottemist sein sollte (gilt allgemein für Gebiete mit vielen Mooren oder Wasserläufen). Der Ausbau der Jauchegrube ist aber nicht zwingend und wäre eher als allgemeine Verbesserung zu bezeichnen. Auf dieser Höhenlage kann die anfallende Gülle (Harn-

3.2.1 gülle neben Festmist) noch sehr vorteilhaft während der Vegetationszeit eingesetzt werden und zwar auf den gülleverträglichen Weideteilen gemäss Empfehlungen des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes (AVS; AVS/SBN, 1994) für die Alpdüngung.

3.2.4 Auszäunung des Hochmoors

Das Hochmoor muss ausgezäunt werden. Anders sind bei dieser Flächenausdehnung und Lage des Moores die Tiere nicht fernzuhalten. Der Zaun sollte zudem durchgehend auf trockenem Boden geführt werden, weil sich die Tiere bevorzugt längs des Zaunes bewegen.

4 ABWICKLUNG DES PROJEKTES Vereinbarung Das Projekt Schattenstafel wurde nach den folgenden Ablaufschritten HAND Die Vereinbarung regelt die BUCH abgewickelt: Rechte und Pflichten der beteilig- MOOR- SCHUTZ

  • Information der Alpeigentümer und der Bewirtschafter durch die ten Partner sowie die Abgeltun- IN DER SCHWEIZ N aturschutz-Fachstelle. gen für spezielle Moorschutzarbeiten (Zaunerstellung, Schnei-

  • Frühe Kontaktnahme mit dem Bewirtschafter der Alp. Es wurde den von Flachmooren usw.). Sie ihm erklärt, dass nach Möglichkeiten gesucht werden müsse, das Hoch- wurde von der Naturschutz-Fachmoor von der Beweidung zu entlasten. stelle in Zusammenarbeit mit

  • Begehung aller Weiden, um deren Eigenschaften zu erfassen. Nut- dem Eigentümer und dem Bewirtschafter ausgearbeitet. zungsrelevante Bemerkungen wurden in die Karte eingetragen und allfällige Fragen an den Bewirtschafter aufgelistet.

  • Erneutes Gespräch mit dem Bewirtschafter über die jetzige Bewirtschaftung und Weideführung. Dabei wurden die Gründe für das bisherige Vorgehen in Erfahrung gebracht, Unklarheiten beseitigt und mögliche Lösungsansätze diskutiert.

  • Bereinigung des Feldplanes; Erarbeitung eines Konzeptentwurfes mit Darstellung auf einem Plan. Für die einzelnen Massnahmen wurde eine Kostenschätzung erstellt.

  • Begehung auf der Alp, an der die Eigentümer, der Bewirtschafter, Vertreter der Naturschutz-Fachstelle und der Sachbearbeiter teilnahmen. Das Konzept wurde den Anwesenden vorgestellt und mit ihnen diskutiert. Vom Bewirtschafter vorgebrachte Einwände und gewünschte Änderungen wurden aufgenommen, sofern sie mit der Zielsetzung (Schutz des Hochmoors) verträglich waren.

  • Sitzung mit dem Eigentümer und dem Bewirtschafter. Vorstellung des bereinigten Konzeptes und des Bewirtschaftungsplanes; Bespre-

chung des Vereinbarungsentwurfs. An dieser Sitzung wurde auch über die Realisierung der Massnahmen gesprochen. • Einverständnis der Bodeneigentümer sowie der Korporation Vorderschwändi zum Vertrag mit der Naturschutz-Fachstelle. Genehmigung des Vorhabens bzw. der Kosten für die Anpassung der Installationen und für die Einzäunungen durch den Kanton und das BUWAL.

5 REALISIERUNG

Die Realisierung wurde im folgenden Frühjahr an die Hand genommen, wobei die Naturschutz-Fachstelle und der Forstdienst eng zusammenarbeiteten. Die Tränkestelle für die Hangweiden mit Wasserzuleitung mittels Pumpe aus dem Bach neben dem Alpstall plante und organisierte der Sachbearbeiter zusammen mit einem geübten Bauern. Bei der Installation halfen zwei Forstwarte mit. Die Zäune für die Weideunterteilung innerhalb der Weidegrenzen musste der Bewirtschafter selber erstellen. Die Auszäunung der Wälder und des Moores besorgte der Forstdienst. Er erstellte auch den Bewirtschaftungsweg.

Bei solchen Projekten ist es nötig, den Bewirtschafter bei der Umstellung seiner langjährigen Weideführung zu beraten. Unsicherheiten über die Tauglichkeit der vorgeschlagenen Massnahmen können nur durch die praktische Bewährung ausgeräumt werden. Im Schattens tafel wurde den Bedenken des Bewirtschafters teilweise nachgegeben; die Zäune wurden nicht ganz plangemäss erstellt. Die gewählte Zaunführung bewährte sich aber nicht und musste im zweiten Jahr berichtigt werden. Auch drängte der Bewirtschafter im ersten Jahr darauf, das Flachmoor in der Ortwiti beweiden zu müssen. Nach den ersten Erfahrungen gelangte er jedoch selbst zur Überzeugung, dass dies nicht mehr nötig sei. An zwei Stellen am Rande des Hochmoors, an denen auf Durchgänge nicht verzichtet werden konnte, wurden nachträglich kurze Prügelwege erstellt. Stellenweise mussten die Auszäunungen des Hochmoores auch gegenüber der alpwirtschaftlichen Planung leicht angepasst werden. Alle diese Fragen wurden nicht nur mit dem Bewirtschafter, sondern auch mit dem Alpeigentümer im Felde behandelt.

3.2.1 6 AUSBLICK

Die Realisierung eines solchen Projektes erfordert sowohl eine fachlich kompetente Begleitung wie auch eine intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten. Dennoch vergehen immer einige Jahre, bis sich ein neues Bewirtschaftungssystem eingespielt hat und bis alle "Kleinigkeiten" ausgeräumt und bereinigt sind. In der Praxis ist mit rund fünf Probejahren zu rechnen, während derer das Wetter, das Verhalten der Älpler (Bewirtschafter) und des Viehs, die Futtersituation usw. genau beobachtet werden müssen. Daraus können sich schon im ersten Jahr der Umstellung gewisse Korrekturen des Weidemanagements oder der Zaunführungen abzeichnen. Unter der Voraussetzung, dass Konzept und Planung sach- und praxisgerecht erfolgten, sollen die Korrekturen immer nur in kleinen, sicheren Schritten vorgenommen werden. Weitere Anpassungen können in den Folgejahren an die Hand genommen werden. Im vierten und fünften 2 Jahr zeigt sich dann meist, dass die Zielsetzung erreicht wurde und die HAND BUCH Bewirtschafter Sicherheit gefunden haben und zufrieden sind. MOOR- SCHUTZ Das vorgeschlagene Vorgehen hat sich auch im Falle heikler Vorha- IN DER SCHWEIZ ben, etwa bei Realteilungen von Miteigentum, Aufteilung von grossen gemeinsamen Weiden auf die einzelnen berechtigten Bestösser oder bei Weidkreiseinteilungen auf sehr grossen Alpen bewährt.

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L1TERATt)R ANSCHRIFT DES AUTORS

SCHWEIZERI eHER Or. Franz tadler ALPWffi.T CFlAFTLICJ- R Agronom I dipl. For ting. ETB VERBAND I SCHWEIZERI- Bür B , Beratung nir tand- SC IERBUND F " RNATUR- orlgerechte Nutzung CH TZ (SAV / B ,1994): Pro- chulhaus tras e 9 jekt Alpdüngung. Empfehlung zur 6052 Hergi "\ViI Hofdüngerbereitung auf Alpen, Hondrich ,33 . Handbuch Moorschutz in der Schweiz 2