Handbuch Moorschutz - Fachliche Grundlagen
Fachliche Grundlagen Eléments de base Elementi di base
REDAKTION
Defi nitionen 2.1 Die Moore begleiten den nutzenden Menschen seit langer Zeit. Ent- Handbuch sprechend selten sind denn auch die Moore, welche keinen Namen Moorschutz in der Schweiz 1 besitzen, wobei sich in der Namensgebung viele regionale Besonder- 1/1994 heiten herausbildeten. Auch die erst später einsetzende Forschung, die oft an bestimmten Objekten oder unter besonderen Gesichtspunkten erfolgte, vermochte sich nicht ganz von den regionalen Bezügen zu lösen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Moorbegriff unterschiedlich definiert und auch verwendet wird. Hierauf sind u.a. auch einzelne Verständnisschwierigkeiten zurückzuführen, die sich im Rahmen der Vernehm- I lassung zu den Bundesinventaren ergaben. HAND BUCH Der Vollzug des Moorschutzes, der eine landesweite Aufgabe dar- MOOR· stellt, ist auf eine einheitliche Begriffsverwendung angewiesen. Dies SCHUTZ IN DER SCHWEIZ bedingt aber, dass regionale und sektorale Moordefinitionen aufgegeben werden. Es ist die Aufgabe der folgenden Beiträge, die Basis für ein landesweit gemeinsames Verständnis einzelner Begriffe zu schaffen.
KARIN MARTI
ZU den Begriffen «Hochmoor»I «Flachmoor» und «Moorlandschaft» 2.1.1 1 MOORE - VON WASSER GEPRÄGTE LEBENSRÄUME
Moore sind von Wasser geprägte Lebensräume (Biotope), in denen ständig oder zum überwiegenden Teil des Jahres ein Wasserüberschuss herrscht. Der erschwerte Wasserabfluss über einem wenig durchlässigen Untergrund führt zu Sauerstoffmangel im Boden, welcher die Zersetzung der abgestorbenen Pflanzen hemmt. Das organische Material häuft sich daher in vielen Mooren in Form von Torf an. I Innerhalb der Moore werden verschiedene Typen unterschieden, HAND BUCH wobei auf der einen Seite des Spektrums die Flach-, am anderen Ende MOOR- SCHUTZ die Hochmoore anzusiedeln sind. Die Übergangsmoore nehmen eine IN DER SCHWEIZ Stellung zwischen den Hoch- und den Flachmooren ein.
Neben den Moorbiotopen gibt es noch weitere Lebensräume mit feuchtigkeitsgebundenen Pflanzengemeinschaften, welche von den ersteren abgegrenzt werden müssen. Dazu zählen die Auenwälder, Schwimmblattgesellschaften, Unterwasserfluren und Quellfluren.
Abb.1: Entstehungs- und Entwicklungsreihen von Flach- und Hochmooren, ausgehend von verschiedenen naturräumlichen Voraussetzungen: 1: Verlandungsmoor an Seen 2: Übergangsmoor mit Bult- Schlenken-Komplexen 3: Typische aufgewölbte Hochmoore der See- und Gletscherzungenbecken 4: Versumpfungsmoore aufgrund undurchlässiger Schichten 5: Überflutungsmoore in Auen 6: Hochmoore auf Kuppen
Wasser
Entwicklung
Flachmoor- und Quellmoortorf
Übergangs- und Hochmoortorf Mineralischer, undurchlässiger Untergrund
Quelle: Verändert nach KAULE (1986)
2.1.1
1.1 Hochmoore
Die Torfschichten der Hochmoore wachsen äusserst langsam in die Höhe. In der Schweiz ist eine Zuwachsrate von etwa 1 mm pro Jahr festzustellen. Hochmoore mit Torfmächtigkeiten von mehreren Metern weisen deshalb ein Alter von einigen tausend Jahren auf.
Charakteristisch für die Hochmoore ist, dass ihre Oberfläche infolge des Torfwachstums über den Grundwasserspiegel hinausgestiegen ist. Die Pflanzen der Hochmoore, welche in der obersten Torfschicht wur- zeln, werden allein durch nährstoffarmes Regenwasser gespiesen. HAND BUCH MOOR- SCHUTZ Typischer Bestandteil der Vegetation sind die Torfmoose, welche ein IN DER SCHWEIZ grosses Wasserspeicherungsverrnögen aufweisen und starke Säuren ausscheiden. Daneben gibt es nur wenige Spezialisten unter den Pflanzenarten, welche an diese extrem nährstoffarmen Bedingungen angepasst sind und im Hochmoor ihren einzigen Lebensraum finden (vgl. Abb.2).
1.2 Flachmoore
Flachmoore werden zusätzlich zum Regenwasser auch durch andere Wasserquellen, z.B. Hangwasser, Grundwasser oder temporäre Überflutungen, beeinflusst.
Die Pflanzen der Flachmoore erreichen mit ihren Wurzeln das Grund- oder Hangwasser, welches sie etwas reichlicher mit Nährstoffen versorgt. Entsprechend den unterschiedlichen chemischen Eigenschaften des Wassers und den grösseren Schwankungen des Wasserspiegels ist die Vegetation der Flachmoore produktiver und vielfältiger als diejenige der Hochmoore.
2 KRITERIEN FÜR DIE AUFNAHME IN DIE MOOR· INVENTARE
2.1 Aufnahmebedingungen
Die Hochmoor- und Flachmoor-Biotope, welche der Bund zur Durchsetzung des Biotopschutzes inventarisieren liess, wurden allein aufgrund ihres Pflanzenbestandes in die Moorinventare aufgenommen.
Bedingungen für die Aufnahme ins Hochmoorinventar (vgL GRÜNIG et al., 1986):
Es müssen Torfmoose vorkommen.
Zusätzlich müssen entweder mindestens eine von vier klassischen hochmoorzeigenden Gefässpflanzen (die Rosmarinheide, Andromeda polifolia; die Moosbeere, Vaccinium oxycoccos; der Rundblättrige Sonnentau, Drosera rotundifolia und das Scheidige Woll- Abb. 2: Typische Hochmoorgras, Eriophorum vaginatum; vgL Abb. 2) oder drei von 17 weiteren Pflanzen hochmoorbewohnenden Arten vorkommen. Die entsprechende
1 Moosbeere (Vaccinium oxy-
Artenliste wurde einheitlich für die ganze Schweiz festgelegt (vgL coccos); 2 Scheidiges Wollgras Anhang 1). (Eriophorum vaginatum); 3 Rund- • Die zusammenhängende Hochmoorfläche muss mindestens 625 m2 blättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia); 4 Rosmarinheide umfassen. Im Massstab 1:25'000 der Landeskarte der Schweiz, die (Andromeda polifolia) als Kartierungsgrundlage verwendet wurde, entspricht dies einer Fläche von 1 mm2 • Quelle: HESS et al. (1976-80)
2 3 4
2.1.1 Bedingungen für die Aufnahme ins Flachmoorinventar: Abb. 3: Ausgewählte Pflanzen der
Auf einer Fläche von 20 m2 müssen 10 Flachmoorarten vorkom- Flachmoore men oder die Deckung der Flachmoorarten muss grösser sein als Röhricht: 1 Schilf (Phragmites austradiejenige der übrigen Arten. Die entsprechende Liste der Flach- lis); 2 Breitblättriger Rohrkolben moor-Pflanzenarten wurde einheitlich für die ganze Schweiz festge- (Typha latijolia) legt (vgl. Anhang 2). Grosseggenried: 3 Steife Segge
Die Objektfläche muss mindestens 1 ha umfassen. (Carex elata); 4 Blasen-Segge (Ca rex vesicaria)
HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
1 2 4
IJlJ
Kalk-Kleinseggenried: 5 Davalls Saures Kleinseggenried: 9 Igel- Segge (Ca rex davalliana); 6 Mehl- früchtige Segge (Ca rex echinata = primel (Primulafarinosa); 7 Breit- Carex stellulata); 10 Sumpf-Veilchen blättriges Wollgras (Eriophorum (Viola palustris); 11 Braune Segge latifolium); 8 Kelch-Liliensimse (Carexfusca = C. nigra) (Tofieldia calyculata) Übergangsmoor: 12 Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris = Comarum palustre); 13 Fieberklee (Menyanthes trifoliata)
2.1.1
I Pfeifengraswiese: 14 Sibirische HAND Schwertlilie (Iris sibirica); 15 Blaues BUCH Pfeifengras (Molinia caerulea); 16 MOOR- Weiden-Alant (Inula salicina) SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Nasswiese und Hochstaudenried:
17 Moor-Spierstaude (Filipendula
ulmaria); 18 Sumpf-Pippau (Crepis paludosa); 19 Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris)
15 16 Quelle: HESS et al. (1976-80)
2.2 Vegetationstypen
Im Rahmen der Inventali ierung wurden die Moor-Biotope weiter differenziert. Im Hochmoor-Inventar wurden folgende Vegetationseinheiten auskartiert:
1 Röluicht (Phragmition)
2 Gro seggenried (Magnocaricion)
3 Kalk-Kleinseggenried (Caricion davallianae)
4 alU"es Kleinseggenried (Caricion nigrae)
5 Nasswiese und Hochstaudenried (Calthion und FiLipenduLion)
6 Pfeifengraswie e (Molinion)
7 Übergangsmoor (Scheuchzerietalia)
"
2.1.1
3 WAS IST EINE MOORLANDSCHAFf?
3.1 Von Moor-Biotopen geprägte Landschaft
Eine Moorlandschaft ist eine von Moor-Biotopen geprägte Landschaft. Sie muss schön und naturnah sein und in der Regel Weite, landschaftliche Einheit und Geschlossenheit aufweisen, darf also keinen willkürlichen Landschaftsausschnitt darstellen. I HAND BUCH
3.2 Enge Beziehungen zur moorfreien Umgebung MOOR-
SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Moore und moorlandschaftstypische Elemente bilden das Schwergewicht in der Moorlandschaft, doch können auch andere Landschaftselemente, etwa Wald und Gewässer, aber auch landwirtschaftlich intensiv genutztes Grünland oder sogar Siedlungen in einer Moorlandschaft enthalten sein. Von Bedeutung ist, dass zwischen der moorfreien Umgebung und den Mooren eine enge ökologische, biologische, kulturelle, visuelle oder geschichtliche Beziehung besteht. So muss die Umgebung z.B. ein moorlandschaftstypisches Besiedlungs- oder Erschliessungsmuster, typische Kulturelemente, charakteristische Landschaftsformen und geomorphologische Elemente oder eine moorlandschaftstypische Nutzung aufweisen. Für manche Moorlandschaften sind Torf- oder Streuehütten charakteristisch, welche von einer früheren Nutzung dieser Landschaft zeugen. Andernorts wiederum prägen K1einseen die Moorlandschaft oder diese erhält ihr charakteristisches Erscheinungsbild durch einen engen Kontakt mit einer Flussaue.
3.3 Begrenzung durch markante Landschaftsstrukturen Abb. 4: Mögliche Landschaftsstrukturen zur Abgrenzung der Moorlandschaften. Da sich die Moorlandschaft über die Moor-Biotope hinaus erstreckt (z.B. über eine ganze Ebene oder über ein ganzes Tal), lassen sich ihre Quelle: EIDGENÖSSISCHES Grenzen nicht durch das Vorkommen einzelner Vegetationstypen DEPARTEMENT DES INNERN, BUWAL (Hrsg., 1991) oder Pflanzenarten bestimmen. Sie wird daher in der Regel durch markante Landschaftsstrukturen abgegrenzt. Dies können Bergkuppen, Waldränder, Flüsse, Strassen und ähnliches sein (vgl. Abb. 4; nähere Ausführungen vgl. BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFf, BUWAL, 1992).
2.1.1 LITERATUR ANSCHRIFT DER AUTORIN
BUNDESAMT FÜR UMWELT, Dr. Karin Marti WALD UND LAND SCHAFf, topos - Beratung, Planung und BUWAL (Hrsg., 1992): Inventar der Forschung in Umweltfragen Moorlandschaften von besonderer Idastrasse 24 Schönheit und von nationaler Be- 8003 Zürich deutung, Schriftenreihe Umweltschutz, Nr. 168, Bern, 215 S. + Anhang Handbuch
EIDGENÖSSISCHES Moorschutz in der Schweiz 1 1 DEPARTEMENT DES INNERN, 1/1992 (rev. 94) HAND BUWAL (Hrsg., 1990): Inventar der BUCH Flachmoore von nationaler Bedeu- MOOR- SCHUTZ tung, Entwurf für die Vernehmlas- IN DER sung, Bern, 79 S. SCHWEIZ
EIDGENÖSSISCHES DEPARTEMENT DES INNERN, BUWAL (Hrsg., 1991): Die Moorlandschaften der Schweiz, Bern,
GRÜNIG, ANETTERLI, L.I WILDI, O. (1986): Die Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz - eine Inventarauswertung, EAFV- Berichte 281, Birmensdorf, 62 S.
HESS, H./LANDOLT, E./HIRZEL, R. (1976-80): Flora der Schweiz und angrenzender Gebiete, 2. Aufl., Birkhäuser Verlag, Basel, 3 Bde., 2690 S.
KAULE, G. (1986): Arten- und Biotopschutz, Ulmer Verlag Stuttgart, 461 S.
ANHANG 1
Liste der Gefässpflanzen der Hochmoore
1 = seilen Andromeda polifolia 1 * 2 = häufig Bell.lla nana 1 * = typische Hochmoorart CallufitL vulgaris 2 Quelle: GRÜNIG et aJ. (1986) Carex ümostL 2 Carex magellanica Carex pauciflora 2 Drosera anglica Drosera intermedia/obovata Drosera rotundifolia 1 * Empetrum nigrum/hermaphroditum Eriophorum vaginalum 2 *
Lepidolis inundata MelampYI'um pratense 2 Pinus montana 2 Rhynchospora alba L Schellchzeria palustris Scirpu cespito u 2 Vaccinium myrtillus 2 Vaccinium,oxycoccos/microcalpum 2 * Vaccinium uliginosum 2 Vaccinium vitis-idaea 2 "
2.1.1 ANHANG 2
Liste der Sporen- und Blütenpflanzen der Flachmoore (Flachmoor-Zeigerpflanzen; Nomenklatur nach Flora europaea)
Arten Achillea ptarmica Aconitum napellus P M Vegetationseinheiten C C C Mo Mo D N S Vegetationseinheiten:
P M C Phragmition Magnocaricion Calthion + Filipendulion HAND , Acorus calamus P M Mo = Molinion BUCH Alisma lanceolatum P M mo D Caricion davallianae MOOR- Alisma plantago-aquatica P M N Caricion nigrae SCHUTZ IN DER Allium angulosum p m Mo S Scheuchzerietalia SCHWEIZ Allium suaveolens Mo Angelica sylvestris C mo X: Charakter- oder Differentialart Aster bellidiastrum D x : Begleitart der Vegetationseinheit Bartsia alpina D n Bromus racemosus C Quelle: EIDGENÖSSISCHES Butomus umbellatus P DEPARTEMENT DES INNERN, Calamagrostis stricta m S BUWAL (Hrsg_, 1990) Caltha palustris p m C d n Calycocorsus stipitatus c D N Cardamine palustris P M Ca rex acuta M c Carex acutiformis M c Ca rex appropinquata M Carex atrofusca D Carex bicolor D Carex buxbaumii m C Mo Carex capillaris D Carex chordorrhiza S Carex curta N s Carex davalliana c mo D Ca rex diandra n S Carex dioica D N s Carex disticha M Carex echinata c N Carex elata p M c mo Carexflava c D n Carex hartmanii C Mo carex heleonastes S Carex hostiana roo D Carex lasiocarpa m S Carex limosa S Carex magellanica N Carex maritima D Carex microglochin D Carexnigra c roo d N s Carex panicea c mo D n
Vegetationseinheiten Arten P M C Mo D N S Carex paniculata M C Carex pseudocyperus P Carex pulicaris mo D N Carex riparia M Carex rostrata M d n S Carex tomentosa C Mo Carex vesicaria M Carex vulpina M Cicuta virosa P M Cirsium helenioides C Mo Cirsium oleraceum C .: . Cirsium palustre C Mo d n Cirsium rivulare C Cirsium tuberosum Mo Cladium mariscus p M mo d s Colchicum autumnale C Mo Crepis paludosa C Dactylorhiza incarnata c mo D n Dactylorhiza majalis C Mo d n Dactylorhiza traunsteineri c mo D N Dianthus superbus Mo Drosera anglica S Drosera intermedia S Drosera x obovata S Eleocharis mamillata m S Eleocharis palustris P M c Eleocharis quinqueflora D Eleocharis uniglumis M Epilobium hirsutum C Epipactis palustris m c mo D Equisetum fluviatile P m n s Equisetum palustre C Mo cl n s Eriophorum angustifolium d N s Eriophorum gracile S Eriophorum latifolium D n Eriophorum scheuchzeri N Euphorbia palustris m C mo Filipendula ulmaria m C mo d n Fritillaria meleagris C Galium boreale c Mo Galium palustre M c mo n s Galium uliginosum C Mo n s Genista tinctoria c Mo Gentiana asclepiadea Mo Gentiana pneumonanthe Mo Gentiana utriculosa c D Geranium palustre C Geum rivale C mo n Gladiolus palustris Mo Glyceria maxima P Gymnadenia conopsea C Mo d
2.1.1 Vegetationseinheiten Arten P M C Mo D N S Hammarbya paludosa S Hippuris vulgaris P M Hydrocotile vulgaris m c mo D N Hypericum tetrapterum p m C Inula salicina Mo Iris pseudacorus P M Iris sibirica c Mo Juncus alpinus D n s Juncus arcticus Juncus conglomeratus C Mo D n 1 J uncus effusus C Mo HAND BUCH Juncus filiformis C N MOOR· Juncus stygius S SCHUTZ Juncus subnodulosus m C IN DER SCHWEIZ J uncus triglumis D N Kobresia simpliciuscula D Laserpitium prutenicum Mo Lathyrus palustris M Lepidotis inundata S Linum catharticum C Mo d Liparis loeselii D s Lotus uliginosus C mo Lychnis flos-cuculi C mo n Lycopus europaeus P M Lysimachia thyrsiflora P M Lysimachia vulgaris M C Mo Lythrum salicaria p m C mo M entha aquatica P M c Menyanthes trifoUata m n S Minuartia stricta S Molinia caerulea Mo D N S Myosotis laxa s. caespitosa P M Myosotis scorpioides p m C Oenanthe aquatica P Oenanthe fistulosa M Ophioglossum vulgatum Mo Parnassia palustris mo D n Pedicularis palustris d n S Peucedanum palustre M Phalaris arundinacea p M c Phragmites australis P m c mo d Pinguicula alpina D Pinguicula vulgaris D Poa palustris P M c Polemonium caeruleum C Polygala amarella Mo d Polygonum bistorta C mo n Potentilla palustris n S P rimula farinosa mo D R anunculus aconitifolius C R anunculus fl ammula c d
Vegetationseinheiten Arten P M C Mo D N S Ranunculus lingua P M Rhynchospora alba S Rhynchospora fusca S Rorippa amphibia P Rumex aquaticus p M c Rumex hydrolapathum P M Sagittaria sagittifolia P m Salix repens Mo d n Sanguisorba officinalis C Mo d n Scheuchzeria palustris S Schoenus ferrugineus D Schoenus nigricans mo D Scirpus cespitosus D N S Scirpus hudsonianus d n S Scirpus lacustris P Scirpus pumilus D Scirpus sylvaticus C Scirpus triqueter P Scorzonera humilis Mo Scutellaria galericulata M Selaginella selaginoides D Selinum carvifolia c Mo Senecio aquaticus C Senecio helenitis Mo Senecio paludosus M Serratula tinctoria Mo Silaum silaus C Mo d Sium latifolium P m Sparganium emersum P Sparganium erectum P Spiranthes aestivalis D Stachys officinalis c Mo Stachys palustris C mo Stellaria palustris m c D N Succisa pratensis c Mo d n Swertia perennis c mo D n Tetragonolobus maritimus Mo d Teucrium scordium M Thalictrum flavum C mo Thalictrum simplex Mo Tofieldia calyculata c D Tofieldia pusilla D Trifolium spadiceum C Mo n Triglochin palustris D N S Trollius europaeus C mo d Typha angustifolia P Typha latifolia P Valeriana dioica C Mo d n Valeriana officinalis C mo Viola palustris N s
KARIN MARTI / REGULA MÜLLER
Pufferzonen für Moorbiotope - Begriffsdefinitionen 2.1.2 1 AUSGANGSLAGE
Nach Art. 3 der Verordnung über den Schutz der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung (1991) sowie gleichlautend im Vernehmlassungsentwurf der Flachmoorverordnung sind die Kantone verpflichtet, für die Hoch- und Flachmoorbiotope "ökologisch ausreichende Pufferzonen" auszuscheiden. Diese Pufferzonen haben die Moorbiotope vor schädlichen Einwirkungen aus angrenzenden Gebieten abzuschirmen. In der Folge soll die Bedeutung verschiedener Begriffe für Zonen im 1 Übergangsbereich zwischen Moorbiotop und Nutzfläche, insbesonde- HAND BUCH re der Begriff der Pufferzone, geklärt werden. MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
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Flachmoor Hoc.hsl:aud·Hi Inten'";,iv kulfurl antl -----7 I Störung:;zone Näh rstoH puffer- ZOhe '
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2 GEFÄHRDUNG DER MOORE DURCH BENACHBARTE NUTZFLÄCHEN
Im Zusammenhang mit den Pufferzonen stehen die schädlichen Einwirkungen aus den angrenzenden Nutzflächen im Vordergrund. Die grössten Gefährdungen für Moorbiotope gehen von Veränderungen des Wasserhaushaltes und/oder von Düngungseinwirkungen aus.
Ursachen für die Beeinflussung des Wasserhaushaltes von Mooren sind etwa Gewässerverbauungen, der Bau von Strassen, Flughäfen oder anderen Anlagen und landwirtschaftliche Meliorationen. Schon .: .. eine leichte Entwässerung bewirkt, dass die charakteristischen Torfmoose der empfindlichen Hochmoore keine geeigneten Lebensbedingungen mehr vorfinden. Grössere Entwässerungen führen zu einer Belüftung des Oberbodens der Hoch- und Flachmoore, wodurch grosse Nährstoffmengen freigesetzt werden (PRESLER / GYSI, 1989). Dies fördert das Aufkommen von nährstoffzeigenden Pflanzen, welche die an die Nährstoffarmut angepassten Moorpflanzen verdrängen.
Der Eintrag von Nährstoffen ins Moor kann auf verschiedene Weise erfolgen:
über das Grundwasser, das Sickerwasser oder Drainagegräben;
durch Überflutung mit nährstoffreichem See- oder Flusswasser;
durch die oberflächliche Ausschwemmung oder Auswehung von Düngemitteln aus dem Intensivkulturland;
durch trockene oder nasse Deposition aus der Luft.
Stickstoffdüngungen aus der Luft stellen vor allem für die nährstoffarmen (oligotrophen) Moore eine Gefährdung dar (DUSSEX / HELD, 1990). Solchen Einflüssen kann nicht mit der Ausscheidung von Pufferzonen begegnet werden.
2.1.2
3 VERSCIssEDENE BEGRIFFE FÜR DEN ÜBERGANGS-
BEREICH MOORBIOTOP - NUTZFLÄCHE
3.1 Störungszone
Häufig kann vom Moorrand gegen das Biotopinnere eine Nährstoffabnahme festgestellt werden (BOLLER-ELMER, 1977; WARNKE- GRÜTTNER, 1990). Dabei treten am Rand des Moores Pflanzenarten auf, die Warnarten für Nährstoffeinwirkungen in Moorbiotope 1 darstellen (=Nährstoff-, Düngungszeiger; EGLOFF, 1986). Für diesen HAND BUCH beeiträchtigten Randbereich innerhalb des Moorbiotopes verwenden MOORwir den Begriff "Störungszone", um eine Verwechslung mit den aus- SCHUTZ INDER SCHWEIZ serhalb von Moorbiotopen anzulegenden Pufferzonen auszuschliessen.
3.2 Pufferzone
Verwendung der Begriffe
"Pufferzonen" sind Flächen, die Moorbiotope oder andere Lebens- Im Sinne einer gesamtschweizeriräurne von besonderer Schutzwürdigkeit vor einer Gefährdung durch schen Vereinheitlichung der Beumgebende Nutzungen und den davon ausgehenden Belastungen griffe sind "Puffenonen" als ökologisch ausreichende Pufferzoschützen sollen. Sie sind ausserhalb der Moorbiotope anzulegen. nen im praktischen und juristischen Sinne zu verstehen, falls sie Eine "ökologisch ausreichende Pufferzone" im Sinne des Art. 3, Abs. in ihrer Funktion nicht näher (z.B. als Nährstoff-Pufferzonen) spezifi- 1 der Hochmoorverordnung bzw. des Entwurfs zur Flachmoorziert sind. In der französischspraverordnung umfasst die Funktionen einer Nährstoff-Pufferzone, einer ehigen Schweiz ist der entsprehydrologischen Pufferzone und einer Pufferzone gegenüber weiteren chende Begriff "zone-tampon" zu Gefährdungen für die biotopspezifische Pflanzen- und Tierwelt. Ein verwenden. In der italienischsprachigen Schweiz ist für die Pufferweiteres Ziel der ökologisch ausreichenden Pufferzone ist die Schaf- zone der Begriff "zona tampone" fung und Erhaltung eines Übergangsbereiches zwischen Naturschutz- gebräuchlich. zone und der intensiv genutzten Umgebung mit seinen charakteristischen Arten. Diese Übergangszone ist als Nahrungs-, Aufzuchts- und Überwinterungsgebiet zahlreicher seltener und gefährdeter, moortypischer Tierarten von Bedeutung (vgl. z.B. Moorgelbling, Band 1, Beitrag 3.4.1).
Über 80% der kartierten Flachmoore und annähernd 90% der Hochmoore sind zumindest teilweise von Wald umgeben. Im Bereich der Pufferzonen darf die forstliche Bewirtschaftung dem Schutzziel der Moore nicht widersprechen (HAAB, 1991). Dies ist auch für den ausserhalb der Pufferzone gelegenen Wald in der Umgebung von Mooren wünschenswert (möglicher Schutz durch das Waldgesetz). Auch ge-
gen über anderen an Moorbiotope angrenzende Nutzflächen wie Parkplätzen, Golfplätzen, Gärt en. Parks elc. sind Pufferzonen einzurichten. Veränderungen des Wasserhaushaltes in de n die Moorbiotope umgebe nden R ächen können zu einer Gefä hrdung der Moorvegetation führe n. Den " hydrologischen Pufferzonen" kommt die Aufgabe zu, solche Beeinträchtigungen zu vermeiden. In dieser Zone sind dahe r dem Schutzziel widersprechende Eingriffe in den Wasserhaushalt unzulässig. Aufgru nd von Literaturangaben sind für Hoch- und Flachmoore - in Abhängigkeit vom Bodentyp und dem Ge lände - hydrologische Pufferzo nen zwischen 30 und 350 m vorzusehen (z.B. EGGELSMANN , 1985; detailliertere Angaben zur Breite von Pufferzonen sind in einem separaten Beitrag vorgesehe n).
Die "Nährstoff·PlIffcrLonc" verhinde rt die indirekte Düngung der Moore a us der Umgebung. Die Breite von in der Literatur vorgeschlagenen Nährstoff-Puffenonen fü r Moorbiotope variiert von 2 m bis zu mehre ren hundert Metern (vgL z.B. KRÜSl. 1986; fü r detailliertere Angaben vgl. BUWAL-Puffenonen-Schlüsscl; folgt in einem separaten Beitrag). Untersuchungen zur längerfrist igen Wirksamkeit von Nährstoff-Pufferzonen fehlen jedoch weitgehend. Als Nährstoff-Pufferzone wird ein Streife n landwirtschaftlichen Kulturlandes mit Nutzungsauflagen oder ein Waldgürtel ausserhalb des Moorbiotopes ausgeschieden.
1m Hochmoorinventar wurde zusätzl ich zu den Hochmooren gutachtlich ein Hochmoorumfeld a usgeschieden. Dieses übt e ine wiChtige hydrologische Puf(er(unktion fü r den Schutz der Hochmoorbiotope
Abb. 'I : Schematische D arstel lung Pufferzone (PZ) VOll H ochmoor und H ochmoorumfeld, das nach i nnen durch das PZ Hochmoorbiolop begrenzt wird. Die Pufferzone grenzt an H och· und Hochmoor-Umfeld (inklUSive Flachmoor; HU) Flachmoorbiotop.
HU .... Hochmoor I HU HU
Flachmoor PZ ..
2.1.2 aus. Da es oft naturschützerisch wertvolle Biotope, vor allem Flachmoorbiotope enthält, sollte jedoch die rein funktionale Bezeichnung "Pufferzone" vermieden werden (Abb. 1). In der französischsprachigen Schweiz sind für Übergangszonen zwischen Hochmoorbiotop und intensiv genutzten Agrarflächen die Begriffe "zones de transition" und "zones de contact" gebräuchlich (GOBAT, 1984; MULHAUSER / MATTHEY, 1992). Für Pufferzonen im praktischen und juristischen Sinne, die ausserhalb der Hochmoor- und auch Flachmoorbiotope liegen, soll die Bezeichnung "zone-tampon" verwendet werden. I HAND BUCH MOOR-
3.3 Weitere Begriffe SCHUTZ
IN DER SCHWEIZ
"Umgebungsschutzzone" ist ein raumplanerischer Begriff, der in Schutzverordnungen und in den dazugehörigen Schutzgebietsplänen anzutreffen ist. Die Umgebungsschutzzone dient dem Schutz der
Abb. 2: Schematische Darstellung Umgebungsschutzzone A Umgebungs- eines Schutzgebietes mit abgestufter schutzzone B Pufferzone. Ein Flachmoorbiotop ist durch eine Naturschutzzone ge- Naturschutzzone: schützt. Die Pufferzone wird von der Flachmoorbiotop Umgebungsschutzzone A und B mit verschiedenen Auflagen gebildet.
Abb. 3: Schematische Darstellung Umgebungsschutzzone eines Schutzgebietes mit abgestufter Pufferzone. Die Pufferzone ist Teil der Naturschutzzone und der Umgebungsschutzzone, wo weniger Naturschutzzone: Pufferzone strenge Auflagen gelten.
Naturschutzzone:
Flachmoorbiotop
Umgebung eines Naturschutzgebietes und ist mit Auflagen verbunden. Sie kann einer Pufferzone entsprechen, aber auch noch weiterreichende Funktionen erfüllen, z.B. die Erhaltung des moortypischen Umfeldes eines Moorbiotopes. Sie kann ein Mehrfaches der Biotopfläche umfassen. Pufferzonen können bei der Schutzplanung als Umgebungsschutzzonen, als Teil der Umgebungsschutzzone (vgl. Abb. 2) oder auch als Bestandteil der Naturschutzzone (vgl. Abb. 3) ausgewiesen werden. Sie liegen aber auf jeden Fall ausserhalb der zu schützenden Hoch- und Flachmoorbiotope.
.: .. "Landschaftsschutzzonen" sind im Gegensatz zu den Umgebungsschutzzonen nicht direkt auf einzelne Biotope bezogen, sondern dienen nach RPG Art. 17 der Erhaltung u.a. besonders schöner sowie naturkundlich oder kulturgeschichtlich wertvoller Landschaften. Hinsichtlich des Moorbiotopschutzes kommt den Landschaftsschutzzonen nur eine indirekte Bedeutung zu, z.B. durch Abwendung landschaftlicher Eingriffe, welche im Nahbereich von Moorbiotopen auch zu ökologischen Schäden führen könnten.
Mit Hilfe von ökologischen AusgleichsOächen sollen nach Art. 18 NHG u.a. isolierte Biotope miteinander verbunden und die Artenvielfalt gefördert werden. Bei der Umsetzung von Vernetzungsmassnahmen sind aber nicht nur linienförmige Korridore zwischen den Naturvorrangflächen zu bilden, sondern die einzelnen naturnahen Biotope sind mittels solcher Ausgleichsflächen grossräumig zusammenzuschliessen. Die Anliegen des ökologischen Ausgleichs sollten zusammen mit der Ausscheidung von Pufferzonen ganzheitlich behandelt werden. In den Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung ist die Erhaltung von bestehenden Vernetzungselementen zwischen Moorbiotopen verbindlich gesichert, so dass dafür nicht auf freiwillig anzulegende Ausgleichsflächen zurückgegriffen werden muss.
2.1.2 LITERATUR PRESLER, J.I GYSI, eh. (1989): ANSCHRIFf DER Organische Böden des schweizeri- AUTO RINNEN schen Mittellandes. Bericht 28 des BOLLER-ELMER, K. (1977): Stick- Nationalen Forschungsprogrammes stoff-Düngungseinflüsse von Inten- Dr. Karin Marti, Dr. Regula Müller "Boden", Liebefeld-Bern, 148 S. siv-Grünland auf Streu- und Moor- topos - Beratung, Planung und wiesen. Veröff. Geobot. Inst. ETH, Forschung in Umweltfragen WARNKE-GRÜTTNER, R. (1990): Stiftung Rübel, Zürich 63, 103 S. Idastrasse 24 Ökologische Untersuchungen zum Nährstoff- und Wasserhaushalt in 8003 Zürich DUSSEX, N. I HELD, T. (1990): Niedermooren des westlichen Bo- Atmosphärischer Nährstoffeintrag in denseegebietes. Dissertationes Botavoralpine Hochmoore. Lizentiatsarbeit. Syst.-Geobot. Inst., Univ. Bern. nicae 148, 214 S. + 9 Tab. Handbuch Moorschutz I in der Schweiz 1 HAND EGGELSMANN, R. (1985): Öko- 2/1994 BUCH hydrologische Aspekte für den MOOR- SCHUTZ Schutz und Erhalt von Feuchtbioto- IN DER SCHWEIZ pen. Verhandl. d. Ges. f. Ökologie (Bremen 1983) 13, 165-167.
EGLOFF, T. (1986): Auswirkungen und Beseitigung von Düngungseinflüssen auf Streuwiesen. Veröff. Geobot. Inst. ETH, Stiftung Rübel, Zürich 89, 183 S.
GOBAT, J.-M. (1984): Importance des bordures de tourbieres pour la protection des hauts-marais: exemple de deux tourbieres du Jura suisse. Bull. Soc. Neuchät. Sc. Nat. 107, 25 - 38.
HAAB, R. (1991): Moorschutz, Wald und Forstwirtschaft. Schweiz. Z. f. Forstw. 142/12,955-978.
KRÜSI, B. (1986): Schlüssel zur Festlegung der Breite und Ausdehnung von Pufferzonen bei Naturschutzgebieten. Gutachten BfÖ, im Auftrag des Amtes für Raumplanung, Zürich, 27 S.
MULHAUSER, G.I MATTHEY, Y.. (1992): Definition des "zones-tampons" autour des hauts-marais neuchätelois. Vortrag am 6. Schweizerischen Moorkolloquium, 31. März 1992 in Zürich.
ERWIN LEUPI
Müssen Flachmoore einen Torfboden aufweisen? 2.1.3 1 AUSGANGSLAGE UND AUFGABENSTELLUNG Definitionen der Moortypen, wie sie den Moorinventaren zu- In der Abstimmung vom 6. Dezember 1987 wurde die Volksinitiative grunde liegen zum Schutz der Moore und Moorlandschaften (Rothenthurm-Initiative) angenommen. Die neue Verfassungsbestimmung (Art. 24sexies Flachmoor Abs. 5 BV) erklärt die Moore und Moorlandschaften von besonderer Unter Flachmoor versteht man
, jenes Grünland, das wegen sei- Schönheit und von nationaler Bedeutung zu Schutzobjekten. nes Überflusses an Grund- undl Als Grundlage für die Bezeichnung der national bedeutsamen Moore oder Hangwasser eine auf wurden zwei gesamtschweizerische Inventare erhoben: das Inventar Feuchtigkeit angewiesene Pflanzendecke aufweist. Unter der Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz und das Flachmoorindem Einfluss der unterschiedventar der Schweiz. Beide Inventare verstehen die Moore als Lebens- lich starken Bodenfeuchtigkeit HAND BUCH räurne (Biotope) von speziellen Pflanzen- und Tierarten und deren und der extensiven Bewirt- MOOR· Lebensgemeinschaften. Folglich stützen sich die verwendeten Moor- schaftung bilden sich verschie- SCHUTZ dene Pflanzengemeinschaften: IN DER SCHWEIZ definitionen massgeblich auf die vorhandene Pflanzendecke (Vegeta- Schilfröhricht, Grosseggenried, tion) mit der entsprechenden Artenzusammensetzung ab (vgl. Ka- Kleinseggenried, Pfeifengrassten). wiese, Sumpfdotterblumenwiese, Hochstaudenried. Der gleiche Ansatz hat sich auch in den Verordnungstexten niedergeschlagen. So sind gemäss Verordnung über den Natur- und Heimat- Übergangsmoor schutz (NHV) vom 16. Januar 1991 schutzwürdige Biotope insbeson- Unter Übergangsmoor versteht man den entwicklungsgeschichtdere durch Zuhilfenahme von Pflanzenlisten ökologischer Kennarten lichen Übergang vom Flachzu bezeichnen und zu bewerten (Art. 14 Abs. 3 NHV). moor zum Hochmoor. Das Flachmoor kann durch das Auf- Im Rahmen der Vernehmlassung zum Flachmoorinventar wurde von wachsen der Torfschicht aus dem Einflussbereich des Miner- Kritikern u.a. gefordert, die Flachmoore müssten nicht bloss eine albodenwassers herauswachsen. entsprechende Pflanzendecke, sondern ebenfalls eine minimale Torf- Das Moor durchläuft verschieschicht aufweisen. Der Flachmoorschutz bezweckt den Schutz von dene Stadien, in denen Flachmoor- und Hochmoorbedin- Lebensräumen (Biotopen). Unter dieser Voraussetzung kann die gegung gleichzeitig und nebeneinforderte Berücksichtigung der Torfschicht nur unter den folgenden ander vorkommen. Gesichtspunkten zweckmässig sein:
Sie stellt bei der Bestimmung schutzwürdiger Flächen eine wesent- Hochmoor Unter Hochmoor versteht man liche Erleichterung dar. ein Torfmoor, dessen oberste,
Sie gibt Hinweise auf schutzwürdige Biotoptypen, die aufgrund der von den lebenden Pflanzen
angewandten Kriterien nicht hätten erkannt werden können. durchwurzelte Torfschicht ausschliesslich mit Regenwasser Aufgrund der geäusserten Kritik wurde dieser, bereits in der Vorbereiversorgt wird und durch das tung zum Flachmoorinventar behandelten Frage, nochmals nachge- Grundwasser unbeeinflusst gangen. Hierzu wurde eme typische und weit verbreitete bleibt. Die Pflanzendecke wird von Torfmoosen dominiert: Pflanzengesellschaft der Flachmoore mit der Torfverbreitung vergli- Bultgesellschaft, Rasenbinsenchen, um darzustellen, inwieweit die bodenkundlichen Zusatzkriterien moor, Heidernoor, Moorschlenfür die Flachmoor-Inventarisierung relevant sind. ken.
'.
2 DIE BEDEUTUNG VON "MOOR" UND "TORF" IN DER BODENKUNDE
In der Bodenkunde bezeichnet der Begriff "Torf' eine Humusform und der Begriff "Moor" einen Bodentyp, welcher eine Torfschicht von 30 cm Mächtigkeit und mehr aufweist (teilweise liegt die Grenze bei 20 cm). Für die Eingrenzung unterschiedlicher Humusformen ist ausser dem Ort und der Geschichte der Torfbildung auch der Anteil der organischen Substanz von Bedeutung. Torf beispielsweise enthält über 30% organische Substanz, Anmoor als Humusform zwischen 15% und 30%, während beim Mull weniger als 15% organisch sind. Hieraus kann Folgendes geschlossen werden:
Es können auch Bodentypen eine Torfschicht aufweisen, die gemäss bodenkundlicher Definition nicht als Moor gelten, nämlich dann, wenn die Torfauflage weniger als 20 cm mächtig ist.
Bei Anwendung des bodenkundlichen Moorbegriffs können auch Flächen als Moor angesprochen werden, welche vegetationskundlich nicht als Moor gelten.
Die Forderung nach einer Torfschicht bewirkt, dass die Bodentypen mit einem Anmoor- oder Mullhorizont nicht als Moor angesprochen werden können, obwohl sie möglicherweise von Moorvegetation bedeckt sind.
2.1.3 Abb. 1: Übersichtskarte zur Lage der ausgewählten Untersuchungen in Davallseggenrieden in der Schweiz. Autoren: E: ETH Zürich (1989); F: FISCHER / LOOSER (1987); G: GIUGNI (1991);
, J: JUTZ (1990); K: KERST (1990); ---- --- Y: YERLY (1970).
-
Quelle: Darstellung des Autors
--- -- HAND BUCH MOOR- = SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
3 KLEINSEGGENRIEDE DER SCHWEIZ UND IHRE BÖDEN
3.1 Fragestellung und Untersuchungen
Zu den typischsten und verbreitetsten Pflanzengesellschaften der Flachmoore gehören die Kopfbinsen- und Davallseggenriede aus dem pflanzensoziologischen Verband der Kalk -Kleinseggenriede (Caricion davallianae). Um die Bedeutung von bodenkundlichen Zusatzkriterien zu erfassen, wurde die Frage gestellt, auf welchen Bodentypen der Schweiz die typischen Flachmoore vorkommen. Aus der Literatur wurden 18 Vegetationsaufnahmen aus Davallseggenrieden an verschiedenen Standorten in den westlichen, zentralen und östlichen Voralpen miteinander verglichen (vgl. Abb. 1). Die untersuchten Davallseggenriede liegen zwischen 500 und 1'700 m ü.M. Zu jedem Standort wurden eine Vegetationsaufnahme und die zugehörigen Angaben zum Boden ausgewertet.
Autor: GGGGGGGGGYEKKJ J F F F Höhe Ü. Meer in 100 m 17 17 14 15 17 13 17 9 13 15 11 5 5 8 8 14 15 14 Humusform: TTTAAA MoMuT T T T MulMo Artenzahl: 27 20 18 29 26 24 31 22 20 23 37 41 34 57 52 39 42 32
Fläche Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
Charakterarten Caricetalia davallianae Aster bellidiastrum 2 1 1 1 2 3 2 2 2 1 2 Alpenmasslieb Bartsia alpina 1 1 1 1 1 1 1 2 Alpen - Bartschie Carex capillaris 1 Haarfeine Segge Carex davalliana 2 1 1 5 4 3 3 4 4 3 2 2 1 2 1 1 1 2 Davalls Segge Carexf1ava 1 1 1 1 1 1 1 2 1 1 1 Gelbe Segge Carex hostiana 1 1 1 1 1 1 2 2 2 2 1 Horst - Segge Carex panicea 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 2 1 1 1 1 Hirsenfrüchtige Segge Epipactis palustris 1 1 1 1 1 2 1 Weisse Sumpfwurz Eriophorum latifolium 1 2 1 2 1 1 2 2 1 2 1 1 2 1 Breitblättriges Wollgras Juncus alpinus 1 Alpen - Simse / Binse Parnassia palustris 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Sumpf - Herzblatt Pinguicula alpina 1 Alpen - Fettblatt Pinguicula vulgaris 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Gewöhnliches Fettblatt Primula farinosa 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Mehl - Primel Spiranthes aestivalis 1 Sommer - Wendelorchis Swertia perennis 1 1 2 Ausdauernder Moorenzian Tofieldia calyculata 1 1 1 1 1 1 1 Kelch - Liliensimse
Anzahl Arten 7 118 10 7 8 9 5 9 14 5 8 8 7 6 8 1111
Der Beizug des Davallseggenriedes zur Beantwortung der aufgewor- Tab. 1: Liste der Charakterarten fenen Frage hat folgende Gründe: von 18 ausgewählten Davallseggenrieden der Schweiz Das Davallseggenried Autoren
entspricht einer Kartiereinheit des Flachmoorinventars, E: ETH Zürich (1989)
ist in vielen Flachmooren bestandesbildend, F: Fischer (1987)
bedeckt einen Drittel der gesamtschweizerischen Flachmoorfläche, J: Jutz (1990)
hat seine grösste Verbreitung im Naturraum der Nordalpen, Y: Yerly (1970) G: Giugni (1991)
und sein Erscheinungsbild ist auch im Volksverständnis typisch für K: Kerst (1990) den Begriff "Flachmoor". Humusform A: Anmoor Mu:Mull
3.2 Resultate Mo: Moder
T: Torf
3.2.1- Vegetation (POanzendecke) Quelle: Darstellung des Autors Aus den Vegetationsaufnahmen (vgl. Tab. 1) wird ersichtlich, dass sich alle untersuchten Davallseggenriede der Voralpen durch eine ähnliche
2.1.3 Nr. Autor Höhe Humus- Boden- Mächtigkeit organischer Grundwasserstand pH üM. typ typ organischer Gehalt unter Flur im Boden Mittel Oberem % min mittel max boden
1 G 1700 Torf Histosol > 100 41 -7 -25 -55 6.1
2 G 1700 Torf Histosol > 100 45 -5 -6 -10 6.3
3 G 1400 Torf Histosol > 100 43 -5 -7 -30 6.8
4 G 1500 Anmoor Gley 40 15 -20 -35 -50 6.4
5 G 1700 Anmoor Gley 40 24 0 -7 -20 5.9
6 G 1300 Anmoor Gley 50 21 -5 -6 -10 7.7 I
7 G 1700 Gley 18 10 -5 -15 -45 5.7 HAND
8 G 900 Gley 12 10 -5 -15 -45 6.3 BUCH
MOOR-
9 G 1300 Gley 60 11 -5 -6 -10 7.5 SCHUTZ
IN DER
10 Y 1500 Moder 30 0 -25 6.7 SCHWEIZ
11 E 1100 Mull Gley 20 8 -25 6.1
12 K 500 Torf
13 K 500 Torf
16 F 1400 Torf Bundgley 70 58 -5 -70 6.2
17 F 1500 Torf Histosol 120 67 -5 -20 5.8
18 F 1400 Torf Fahlgley 60 28 6.7
Kombination der Charakterarten auszeichnen. Von den 28 Charak- Tab. 2: Übersicht über die Bodenterarten der Davallseggenriede, die in der Schweiz vorkommen kön- angaben zu den ausgewählten Davallseggenrieden (Nummern der Venen, wurden in den Aufnahmen insgesamt 17 gefunden. getationsaufnahmen vgl. Tab. 1). Damit stammen sämtliche Aufnahmen aus Flächen, welche auch nach Quelle: Darstellung des Autors dem im Flachmoorinventar angewendeten Vegetationsschlüssel als Kalk -Kleinseggenried (Caricion davallianae) angesprochen werden.
3.2.2 Boden und Grundwasserstand
Im Zusammenhang mit der Torffrage interessieren vor allem der organische Gehalt des Bodens und der Säuregrad (vgl. Tab. 2). Der organische Gehalt im Oberboden beträgt durchschnittlich zwischen 10 und 70%. Nur für 7 von 18 Vegetationsaufnahmen wird die Rumusform mit Torf bezeichnet. Die Standorte zeigen im Oberboden Werte zwischen pR 5,7 und pR 7,7. Es handelt sich um neutrale bis schwach saure Böden. Der Grundwasserstand liegt im Mittel zwischen 6 - 25 cm unter Flur, schwankt unterschiedlich stark und steigt an allen Standorten praktisch bis an die Oberfläche.
Abbau- ZUNEHMENDE BIOLOGISCHE BODENAKTIVITÄT ZUNEHbedingungen
Durchlüftung
Feuchtigkeit . MENDE FEUCHTIG- KElT
sehr trocken
gut trocken ROHHUMUS MODER gut frisch
MULL gut feucht
@ 8) ungenügend nass (anmoorig) ungenügend CD ® gesättigt TORF ANMOOR 00 anaerob gesättigt @@ ®® ®® ® überschwemmt
3.3 Diskussion Abb. 2: Verteilung der ausgewählten Davallseggenriede aufgrund der
Standortangaben zu Humusforrn Davallseggenriede sind typische Flachmoore. Verschiedene punktuelle und Grundwasserstand in einem Untersuchungen aus dem Voralpenraum ergeben, dass die Davall- Humustypogramm (vereinfacht seggenriede mit der gleichen Zusammensetzung an Pflanzenarten auf nach LÜSCHER 1988). Die Zahlen beziehen sich auf die Nummern der unterschiedlichen Böden, mit und ohne Torf, wachsen (vgl. Abb. 2). Vegetationsaufnahmen in Tab. l. Für die Ausbildung der Davallseggenriede scheint die Bodenfeuchtig- Quelle: Darstellung des Autors keit bedeutsamer zu sein als die Bodenbeschaffenheit oder die Humusform. Jedenfalls ist die Bodenfeuchtigkeit ein wesentliches gemeinsames Merkmal aller Davallseggenriede.
2.1.3 4 DAVALLSEGGENRIEDE UND IHRE BÖDEN IN EINEM MOOROBJEKT
4.1 Fragestellung und Untersuchungen
Kann bei einem Vergleich einer Vegetationskarte mit einer Bodenkarte nachgewiesen werden, dass in einem Moorobjekt die gleiche Pflanzendecke auf unterschiedlichen Böden erscheint?
Um diese Frage beantworten zu können, wurde auf das Gebiet Eigen- HAND , BUCH ried auf dem Walchwiler Berg im Kanton Zug zurückgegriffen, für das MOOR· gen aue Vegetations- und Bodenkarten im Massstab 1:5'000 bestehen. SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Die Hochmoore des Eigenried sind im Bundesinventar der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung als Objekt Nr. 170, die Flachmoore im Flachmoorinventar der Schweiz als Objekt Nr. 2842 aufgeführt. Aus dem Gebiet wurde eine quadratische Fläche von rund einem Quadratkilometer ausgewählt, in welcher die Kleinseggenriede stark vertreten sind.
Aus der Vegetationskarte lassen sich die einzelnen Vegetationstypen nachvollziehen, wie sie im Flachmoorinventar verwendet werden. Die Flächen mit Davallseggenried wurden auf die Bodenkarte übertragen.
Die Bodenkarte beschreibt den Wasserhaushalt und die pflanzennutzbare Gründigkeit der Böden. Die Böden im betreffenden Quadrat umfassen die drei Kategorien: stauwassergeprägte Böden, grund- oder hangwassergeprägte Böden und organische Böden. Die weitere Differenzierung der Kategorien erfolgt anhand der Porensättigung. Die Bodentypen werden mit Buchstaben weiter präzisiert.
Abb. 3: Vorkommen der Davallsegbis zur Stauwasser- Grund- oder organische genriede auf einem Kartenausschnitt Oberfläche geprägte Hanwasser- Böden mit einer Fläche von einem Quaporengesättigt Böden geprägte dratkilometer, bezogen auf die kar- Böden tierten Bodentypen und aufgeschlüsselt nach vier Stufen der Porenwasselten sersättigung bis zur Oberfläche. Quelle: Darstellung des Autors häufig _ Davallseggenried: gut vertreten meist wenig vertreten dauernd nicht vertreten
4.2 Resultate
Im ausgewählten Quadratkilometer befinden sich rund 1'800 Aren mit Flachmoorvegetation, wovon 700 Aren dem Davallseggenried zugerechnet werden. Die Davallseggenriede gedeihen im Gebiet auf Flächen mit den Bodentypen Pseudogley (Stauwasserboden), Fahlgley (Mineralboden ohne Überflutung) und Histosol (organische Böden). Beim Vergleich, auf welchen Böden das Davallseggenried flächenmässig stark, schwach oder nicht vertreten ist (Abb. 3), zeigt sich, dass die Wassersättigung im Boden für das Vorkommen von Davallseggenrieden viel bedeutender ist als der Bodentyp. Auf mineralischen wie auf organischen Böden bedarf es einer Porenwassersättigung, die meist bis zur Oberfläche reicht.
4.3 Diskussion
Der Vergleich von Vegetations- und Bodenkarte bestätigt in der Fläche, was in der Untersuchung in Kapitel 2 für punktuelle Aufnahmen ausgesagt wird. Der vegetationskundliche Moorbegriff deckt sich nicht mit dem bodenkundlichen.
2.1.3 5 ZUSAMMENFASSUNG UND FOLGERUNGEN
Das Ziel dieser Darstellungen ist, anhand von Beispielen die Frage zu prüfen: Müssen Flachmoore einen Torfboden aufweisen?
Der in der Schweiz verbreitetste Vegetationstyp der Flachmoore wird in der Pflanzensoziologie unter dem Begriff Kalk-Kleinseggenried oder Davallseggenried (Caricion davallianae) zusammengefasst.
Untersuchungen zeigen, dass das Davallseggenried nicht nur in verschiedenen Regionen der Schweiz, sondern auch innerhalb des glei- HAND , BUCH chen Flachmoors auf unterschiedlichen Bodentypen und Humusfor- MOORmen vorkommen kann. Aus dem Vergleich von Vegetations- und Bo- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ denkarten geht hervor, dass die Vegetationsgrenzen häufig nicht mit dem Wechsel des Bodentyps oder der Humusform übereinstimmen.
Für das Vorkommen einer Flachmoorvegetation entscheidender ist die Wassersättigung der Bodenporen über eine längere Zeit im Jahr bis zur Oberfläche. Dies gilt sowohl in Mineral- wie auch in Humusböden.
Aufgrund der Pflanzendecke kann nicht auf eine bestimmte Humusform geschlossen werden. Eine minimale Torfschicht kann nur mit Bodenproben und ergänzenden Laboruntersuchungen festgestellt werden. Die Suche nach Grenzen bedingt zusätzlich aufwendige Bodenkartierungen. Für den gesetzlich verankerten Moorschutz steht die Erhaltung von Biotopen, also von Lebensräumen mit ihrer gesamten Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren, im Vordergrund. Bei den Flachmoorbiotopen handelt es sich zudem weitgehend um extensiv genutztes Kulturland. In der Praxis orientieren sich sowohl die Umsetzung des Schutzauftrages wie auch die Bewirtschafter an der Fläche, die eine bestimmte Pflanzendecke aufweist. Bei konsequenter Anwendung des bodenkundlichen Moorbegriffs müssten hingegen auch intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen (z.B. Berner Seeland, St.Galler Rheintal, Broye-Ebene) ins Flachmoorinventar aufgenommen werden.
.- . ....
Die Forderung nach einer minimalen Torfschicht kann für den Abb. 4: Rieter bei Oberrickenbach: Flachmoorschutz nicht gelten. Die strikte Anwendung dieser Forde- Flachmoorobjekt Nr. 2747, Gemeinde Wolfenschiessen, NW. rung würde innerhalb vieler Moorobjekte unsinnige nnd unpraktika- Foto: 1. Elber ble Abgrenzungen ergeben, die sich weder in der Pflanzendecke noch in den Bewirtschaftungsflächen nachvollziehen lassen.
2.1.3
I HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Abb. 5: Gross Moos im Schwendital Die Abbildungen 4 und 5 zeigen je schen Oberboden: Ein Flachmoor (Ausschnitt): Flachmoorobjekt Nr. einen Landschaftsausschnitt mit stockt fast vollständig auf Torf, das 1840, Gemeinde Oberurnen, GL. grossen Flachmooren (innerhalb der andere nicht. Foto: I. Elber punktierten Linien). Beide Flachmoorobjekte befinden sich in einer Berglandschaft, sind mit Gehölzen reich strukturiert und weisen eine sehr ähnliche Zusammensetzung der Pflanzenarten (vorwiegend Kleinseggenriede) auf. Sie unterscheiden sich aber aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte deutlich im organi-
LITERATUR KERST, R. (1990): Vegetationskar- ADRESSE DES AUTORS tierung und Standortsuntersuchungen in Feuchtgebieten in der Umge- BAUDIREKTION DES KAN- Dipl Natw. ETH Erwin Leupi bung von Eschenbach und Wagen TONS ZUG (1979): Vegetations- ANL- AG Natur und Landschaft (SG). Diplomarbeit. Geobotanisches kalte Eigenried 1.003/10.001 Zug / Postfach 7044 Institut der ETH Zürich, 61 S. Walchwil, Massstab 1:5'000. Bear- 6000 Luzern 7 beitung Fornat, Peter Voser. LÜSCHER, P. (ca. 1988): Übersichtstypogramm Humusformen. BAUDIREKTION DES KAN- Handbuch Vorlesungsunterlagen, Polykopie. TONS ZUG (1990): Bodenkarte Moorschutz Bodenphysik ETH, Zürich. Blatt Walchwil Nord, Massstab in der Schweiz 1 1:5'000. AGBA AG, Ebikon. 2/1994 WYSS, A. (1988): Düngereinflüsse in Streuland von Altzellen und EDI, BUWAL (1991): Inventar der Oberrickenbach (NW). Diplomar- Flachmoore von nationaler Bedeubeit. Philosophische Fakultät lIder tung, Entwurf für die Vernehmlas- Universität Zürich, 76 S. sung. Bern, 79 S. YERLY, M. (1970): Ecologie com- ETH, Zürich (1989): Übungen in paree des prairies marecageuses Bodenkunde und Pflanzensoziolodans les Prealpes de la Suisse occigie. Fachbereich Bodenchemie und dentale. Veröff. Geobotanisches Bodenphysik, Geobotanisches Insti- Institut der ETH Zürich, Heft 44: tut ETH. Exkursionsunterlagen Zürich, 122 S. Zugerberg.
FISCHER, l. / LOOSER E. (1987): Moore in der Gemeinde Flühli (Kanton Luzern). Lizentiatsarbeit, Systematisch-Geobotanisches Institut der Universität Bern, 175 S.
GIUGNI, G. (1991): Etude phytoecologique des bas-marais et marais de pente (Caricion davallianae) des Prealpes chablaisiennes, Beitr. Geobot. Landesaufn. Schweiz 67, IV + 289 S. + 1 Karte, Lausanne.
GRÜNIG, A. / VETTERLI, L. / WILD I, O. (1986): Die Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz, EAFV-Berichte 281, Birmensdorf,
lUTZ, X. (1990): Vegetationskartierung und Standorts untersuchungen in Feuchtgebieten auf der Ricken- Passhöhe. Diplomarbeit. Geobotanisches Institut der ETH Zürich, 66 S.
REDAKTION
Beschreibung der Pflanzengesellschaften der Moore 2.2 Im vorliegenden Kapitel werden die Pflanzengesellschaften der Moo- Handbuch re unter den Gesichtspunkten ihrer pflanzlichen Zusammensetzung, Moorschutz in der Schweiz 1 ihrer Ökologie und ihrer Verbreitung beschrieben. 1/1995
In je einem Beitrag werden die Einheiten des Flachmoorinventars bzw. des Inventars der Hoch- und Übergangsmoore im Überblick dargestellt. Zum besseren Verständnis der nachfolgenden Beiträge enthält der einleitende Beitrag auch einige pflanzensoziologische Anmerkungen. In den weiteren Beiträgen wird vertieft auf die Einheiten der Flach- 1 sowie der Hoch- und Übergangsmoore eingegangen. Die Darstellung HAND BUCH der Vegetationstypologien kann bei der Detailkartierungen für MOOR· SCHUTZ Schutz- und Pflegepläne hilfreich sein. IN DER SCHWEIZ
Die Nutzungs- und Pflegemassnahmen für die einzelnen Pflanzengesellschaften der Moore sind in Band 2 dargestellt.
BENOIT BRESSOUD / PATRICK CHARLIER
Übersicht über die Vegetationseinheiten des Flachmoorinventars 2.2.1 1 BEGRIFFE DER PFLANZENSOZIOLOGIE Zur Namensbildung in der Bestimmte Pflanzenarten sind an einzelne Lebensräume (Biotope) Pflanzensoziologie gebunden, und die Lebensräume, in denen sie vorkommen, weisen In der Pflanzensoziologie ereine ähnliche floristische Zusammensetzung auf. Gestützt auf diese folgt die Bildung der Namen, Beobachtung entstand Ende des 19. Jahrhunderts der Begriff Assozia- indem den Gattungsnamen einer oder zweier der repräsentation. Hierauf aufbauend wurde von Botanikern die Pflanzensoziologie tivsten (charakteristische oder - die Lehre der Assoziationen und von deren floristischer Zusammen- überwiegende Arten) die nachsetzung - entwickelt. Dabei spielten Schweizer Botaniker (u.a. C. stehenden Endungen hinzuge- Schröter, J. Braun-Blanquet) eine wichtige Rolle. Laut BRAUN- fügt werden. Gleichzeitig wird der Artname in den Genitiv BLANQUET (1964) ist die Assoziation eine mehr oder weniger stabi- HAND gesetzt (vgl. MANN / MORA- BUCH le PflanzengeseUschaft, die durch eine bestimmte floristische Zusam- VEC / RAUSCHERT, 1986): MOORmensetzung charakterisiert ist. Einzelne Arten (Charakter- und Diffe- Subassoziation: -etosum; SCHUTZ IN DER z.B. Caricetum davallianae SCHWEIZ rentialarten) zeigen eine besondere Ökologie an. swertietosum Assoziation: -etum; Der Aufbau der Pflanzensoziologie lehnt sich an die Systematik an. So z.B. Caricetum davallianae wie die Systematik nahe verwandte Arten in Gattungen zusammen- Verband: -ion; z.B. Caricion davallianae fasst, werden Gesellschaften nahe verwandter Lebensräume und mit Ordnung: -etalia; ähnlicher floristischer Zusammensetzung in Verbänden zusammenge- z.B. Caricetalia davallianae zogen. Die Verbände werden wiederum in Ordnungen und die Ord- Klasse: -etea; z.B. Scheuchzerio-Caricetea nungen in Klassen gruppiert. nigrae Eine Assoziation kann weiter in Subassoziationen, Varianten und Fazies unterteilt werden.
2 VEGETATIONSEINHEITEN IM FLACHMOORINVENTAR Verschiedene Typen von Arten in der Pflanzensoziologie
2.1 Inventar auf Stufe des Verbandes a) Charakterarten
Eine Art ist für eine Assozia- Im Inventar der Flachmoore von nationaler Bedeutnng (EDI, tion charakteristisch, wenn sie mehr oder weniger ausschliess- BUWAL, Hrsg., 1990) wurden die Vegetationseinheiten auf der Stufe lieh an diese gebunden ist. Die des Verbandes kartiert. Der Verband in der Pflanzensoziologie ent- Art kann allgemein, regional spricht der Gattung in der Systematik, ist also allgemeiner als die oder lokal charakteristisch sein. Assoziation. Wie lässt es sich begründen, dass auf dieser Stufe kartiert b) Differentialarten Eine Art (Unterart, Rasse) gilt wurde? als Differentialart, wenn sie die
Die Stufe des Verbandes genügt, um die grossen Moortypen in Unterscheidung nahe verwandeinem Inventar auf nationaler Ebene zu unterscheiden. ter Assoziationen (oder Subassoziationen) ermöglicht, ohne
Der Verband kann durch homogene, relativ einfache und in der besonders an die Assoziation ganzen Schweiz geltende Kriterien bestimmt werden. gebunden zu sein, in der sie vor-
Aufgrund einer Auswahl von Kennarten kann ein Verband mit kommt. Hilfe von Bestimmungsschlüsseln schnell bestimmt werden. Meistens c) Begleitarten Begleitarten sind Arten (Unterist keine vollständige Aufnahme der vorliegenden Arten nötig. arten, Rassen), die weder cha-
Die zur Verfügung stehende Zeit war begrenzt (2 Vegetationspe- rakteristisch sind noch als Differioden). Die Ausbildung von Kartierern zur Bearbeitung des Inventars rentialarten gelten. d) Zufällige Arten auf einer feineren Stufe als der des Verbandes (Stufe Assoziation), Arten, die nur sehr selten in hätte wesentlich mehr Zeit und Aufwand in Anspruch genommen. einer Assoziation vorkommen.
Der Zweck des Inventars der Flachmoore von nationaler Bedeutung besteht darin, die Flachmoore auszuscheiden und diese Biotope kurz zu beschreiben. Hierfür ist der Massstab 1:25'000 ausreichend. Weitere Differenzierungen, etwa die Darstellung der Vegetation auf Stufe der Assoziation erfordert aber eine Pflanzenkartierung in einem grossen Massstab. Für jeden der drei grossen Naturräume des Landes
Jura,
Mittelland und kolline Stufe der Voralpen und Alpen sowie
Voralpen und Alpen (montane bis subalpine Stufe) wurde ein Vegetationsschlüssel erarbeitet (EDI, BUWAL, Hrsg., 1990). Den Schlüsseln liegen folgende Kriterien zugrunde:
floristisch: Vorkommen von Charakter- oder Differentialarten von
Gefässpflanzen, die während der ganzen Vegetationsperiode ansprechbar sind. • ökologisch und naturräumlich: Höhe der Vegetation, Mikrorelief, Wasserstand usw.
2.2.1
Pflanzensoziologische Aufnahmen (Höhe ü.M., Hangneigung, Expo- 3 = Deckungsgrad 25% - 50%; sition, usw.) ; 4 = Deckungsgrad 50% - 75%; Eine pflanzensoziologische den Deckungsgrad der verschie- 5 = Deckungsgrad > 75%. Aufnahme entspricht einem sehr denen Pflanzenschichten (Baum-, Soziabilität (nur in einigen Legenauen floristischen Inventar Busch-, Kraut-, Moosschicht), d.h. bensräumen), mit der die räumlialler Gefässpflanzenarten und den Anteil (in %) der durch diese che Verteilung der Art in der Aufmanchmal auch der Moose, Pilze Schicht bedeckten Fläche, gemes- nahme qualitativ ausgedrückt wer- und Flechten, die auf einer gege- sen an der Gesamtfläche; den kann. Folgende Skala wird benen, repräsentativen und flori- die Siedlungsdichte und Dominanz dazu verwendet: stisch homogenen Fläche vorkommen. Quantitative und qualitative der verschiedenen Arten der Aufnahrne, ausgedrückt mit einem 1 = Einzelindividuen, mehr oder weniger verstreut; I Angaben zu jeder Art vervollstän- Koeffizient, der Deckungsgrad 2 = Art in kleinen isolierten HAND digen die Aufnahme. Die Fläche und Individuenzahl kombiniert. Büscheln wachsend; BUCH einer Aufnahme hängt vom Vege- r = Individuum mit unbedeuten- 3 = Art in Gruppen wachsend und MOOR· SCHUTZ tationstyp ab und kann von 0,2 - dem Deckungsgrad; grosse Büschel, Teppiche oder IN DER SCHWEIZ 1m2 für Felsspaltengesellschaften + = einige Individuen, Deckungs- kleine Flecken bildend; bis 100-400 m2 für Wälder der grad kleiner als 1%; 4 = Art in Gruppen wachsend gemässigten Zonen reichen. 1 = zahlreiche Individuen oder oder grössere Teppiche bildend; Deckungsgrad 1% - 5%; 5 = Art, die einen praktisch die Eine Aufnahme enthält: 2 = sehr zahlreiche Individuen ganzen Fläche deckenden Bestand die Eigenschaften des Ortes oder Deckungsgrad 5% - 25%; bildet.
2.2 Kartierung auf Stufe der Assoziation
Die von den Kantonen ausgearbeiteten bzw. noch zu erarbeitenden Schutz- und Pssegepläne zeigen den aktueUen Stand der Moorvegetation auf und halten die notwendigen Pflegemassnahmen (Mahd, Weide, Regeneration, usw.) fest. Voraussetzung hierfür ist eine Kartierung auf Stufe Assoziation oder eventuell noch detaillierter (Subassoziationen, Varianten, Fazies). Eine solche Kartierung ermöglicht es,
eine genaue Vegetationskarte zu erstellen (Massstab 1:1'000 - 1:5'000),
Veränderungen der Vegetation festzuhalten, indem Varianten und Fazies unterschieden werden (beispielsweise zeigt eine Fazies mit Brennesseln, Urtica dioica, eine Stickstoffanreicherung an),
allfällige Entwässerungskanäle korrekt zu lokalisieren, um deren Pflege möglichst gut auf die Vegetation abzustimmen (z.B. Verbuschung der Moore nach Austrocknung durch Entwässerung). Nach Ausführung der geplanten Pflegemassnahmen kann deren Wirkung auf die Entwicklung der Vegetation abgeschätzt werden (unter anderem durch periodische Kartierung des Moores, einiger Sektoren oder Dauerbeobachtungsflächen). Gestützt hierauf lassen sich auch allenfalls nötige Verbesserungen vorschlagen.
3 ÖKOLOGIE DER ERFASSTEN VEGETATIONS- EINHEITEN
Der vorliegende Beitrag enthält eine vergleichende Vorstellung und Übersicht über die sieben Einheiten des Flachmoor-Inventars. In den folgenden Beiträgen werden sie noch vertieft behandelt.
Rodung und anschliessend regelmässige Mahd
Abb. 1: Das klassische Schema zur Zonation der Pflanzengesellschaften im Verlandungsbereich eines Sees, mit oder ohne menschlichen Eingriff dient dem Verständnis der generellen Ökologie der Vegetationseinheiten des Flachmoorinventars. Quelle: Verändert nach 1MB ODEN (1976)
2.2.1 Die Verlandungseinheiten Schilfröhricht (Phragmition) und Grossseggenried (Magnocaricion) können primär oder sekundär gebildet Folgende an Feuchtigkeit geworden sein. Die meisten sind natürlichen Ursprungs; einige sind als bundene (hygrophile) Pflanzengesellschaften werden im Flach- Folge von Abholzungen entstanden. Die Kolonisationskraft dieser moor-Inventar nicht berücksichbeiden Verbände zeigt sich an der Bedeutung, die sie im Laufe eines tigt: Jahrhunderts, nach der Senkung des Wasserspiegels der Juraseen, am • Bruch- und Auwälder (Salicetea purpureae, Alnetea gluti- Südufer des Neuenburgersees erreicht haben. nosae, Alno-Ulmion, Berberidion p.p.) Die meisten basischen (Caricion davallianae) oder sauren (Caricion • Unterwasser- und Schwimmnigrae) Kleinseggenriede sind durch den Menschen und in der Folge blattfluren (Lemnetea gibbae, I Charetea fragilis, Potamogetone- HAND von Abholzungen entstanden. Sie werden häufig beweidet oder als tea, Utricularietea intermedio- BUCH Streueried genutzt. minoris, Sparganio-Glycerion MOORfluitantis ) SCHUTZ IN DER
Quellfluren (Montio-Carda- SCHWEIZ Die Pfeifengraswiesen (Molinion) sind wechselfeuchte Wiesen. Sie minetea) sind sehr feucht im Frühjahr, können-aber im Sommer zeitweilig aus- • hygrophile Ruderalfluren trocknen. Die meisten werden als extensive Streuewiesen genutzt. (Agropyro-Rumicion p.p. und Die Aufgabe der Nutzung führt schnell zur Verbuschung. Die Inten- Aegopodion podagrariae p.p.)
hygrophile Pionierfluren sivierung der Nutzung (Entwässerung, Düngung) verursacht das Ver- (Isoeto-Nanojuncetea). schwinden der charakteristischen Arten.
Die Feuchtwiesen des Calthion werden gemäht oder beweidet. Die Hochstaudenriede des Filipendulion hingegen werden meist nicht landwirtschaftlich genutzt. Pflanzensoziologisch sind sie sich ähnlich, weshalb sie im Flachmoor-Inventar zusammengezogen wurden. Die Hochstaudenriede nehmen die Standorte abgeholzter Bruchwälder (Erlenwald, Weidenwald) ein. Die Wiesen des Calthion entstanden einerseits als Folge der Intensivierung der Kleinseggenriede und andererseits durch die Nutzung der Hochstaudenriede.
Die Übergangs- oder Zwischenmoore (Scheuchzerietalia) werden sowohl von mineralhaltigem Grundwasser als auch von Meteorwasser gespiesen. Aufgrund dieses Wasserhaushaltes und ihrer pflanzlichen Zusammensetzung bilden sie einen Übergang zwischen den Flach- und den Hochmooren. Im Flachmoorinventar sind nur jene Flächen aufgeführt, die nicht bereits im Inventar der Hoch- und Übergangsmoore enthalten sind.
4 VERTEILUNG DER VEGETATIONS EINHEITEN
Von der gesamten kartierten Flachmoorfläche von 20'938 ha entfallen Abb. 2: Regionale Verteilung der 66% auf die Alpennordseite, 18% auf das Mittelland, 12% auf die Flachmoore von nationaler und re- Zentralalpen und und je 2% auf die Regionen Jura und Alpensüdseite gionaler Bedeutung. Die grau unterlegten Flyschzonen zeigen deren Be- (vgl. Tab. 1 und Abb. 2). Der Flächenanteil der einzelnen Vegetationsdeutung für die Verteilung der einheiten ist sehr verschieden. Mit Abstand die grösste Fläche bedeckt Flachmoore in der Schweiz. das Kalk -Kleinseggenried (Caricion davallianae). Quelle: EDI, BUWAL (Hrsg., 1990)
N
+ Tab. 1: Verteilung der Flachmoor- Alpen- Zen- Alpen- flächen von nationaler und regiona- Mittel- nord- tral- süd- ler Bedeutung nach verschiedenen Jura land seite alpen seite eH % Regionen (Flächen in ha). Quelle: Datenbank der WSL (Stand Phragmition 15 845 151 32 60 1'104 5 15.3.1995) Magnocaricion 47 1'063 252 52 27 1'442 7 Caricion davallianae 37 582 6'259 1'420 94 8'392 40 Caricion nigrae 61 124 3'071 770 254 4'280 20 Molinion 1 420 164 7 2 594 3 Calthion-Filipendulion 256 720 3'811 134 36 4'958 24 Scheuchzerietalia 8 57 80 21 4 169 1
Total 426 3'811 13'789 2'436 476 20'938 100
in % 2 18 66 12 2 100
2.2.1 Die Abbildungen 3-9 (vgl. EDI, BUWAL, Hrsg., 1990) geben einen Überblick über die gesamtschweizerische Verteilung der sieben Flachmooreinheiten auf der Grundlage eines 100 km2 - Rasters.
I HAND BUCH Abb. 3: Verteilung des Schilfröh- Abb. 4: Die Verteilung der Grosseg- MOOR· richts (Phragmition). Der Verband genriede (Magnocaricion) ist jener SCHUTZ IN DER hat seine Hauptverbreitung im Mit- des Schilfrährichts ähnlich. Die SCHWEIZ telland (Südufer des Neuenburger- Grosseggenriede kommen wegen sees, am Bodensee, am Oberen der bis über 2'000 m ü.M. aufstei- Zürichsee und am Ufer des Langen- genden Schnabels egge (Carex sees). rostrata) auch in den Alpen vor.
Abb. 5: Die basenreichen Kleinseg- Abb. 6: Die sauren KIeinseggenriegenriede (Caricion davallianae) bil- de (Caricion nigrae) sind ebenfalls den den in der Schweiz am meisten vor allem in den Voralpen verbreiverbreiteten Flachmoortyp. Sie tet. In der alpinen Stufe sind sie die kommen vor allem in den Flyschge- wichtigste Flachmooreinheit, gefolgt bieten und im Bereich der Bündner vom Caricion davallianae. Kaum Schiefer vor. Sie sind dagegen in den vertreten sind die sauren Kleinsegkristallinen Gebieten der Zentralal- genriede im Mittelland. Im Jura pen und der Alpensüdseite sowie im befinden sich grässere Flächen in Jura selten und bilden nur vereinzelt der Umgebung von Hochmooren. grässere Flächen im Mittelland (vor allem am Südufer des Neuenburgersees).
. .
. ... ............ . ': . :: :1:" :: : . .. ....•..•.. .. ..... Abb. 7: Die Pfcifcngrllswicscn Abb.8: Die llöhrslolTrcichcn (MoU"ion) liegen in der Regel FcuehlwicsclI (Calthioll) und die unterhalb von 1'000 m ü.M. und sind HochsfaudCllricdc (FilipeIl(Juliol/) ausscrhalb des Mjtteltandes sehen kommen verbreitet in den Voralpen anzutrC[fen. Die schwache Vertre- vor. Im Jura beschränken sie sich tung des Verbandes im westlichen hauptsächlich aur die Übcrschwem- Mittcltand ist auf die Trockenlegung mungsbereichc der Orbe in der der grossen Feuchtgebiete zurück· Vallee de Joux. sseide Verbändc zufUhren, insbesondere im Grossen sind it!l Mittelland und in den Zen- Moos und im Broye-Tal. tratatpen eher selten.
Abb. 9: Der kleinste F1ächenallleil enUa llt aur die Übergllngsmoore (Scheltcllzerietalia). Am häufigsten sind sie aur der Alpcnnordseitc und im Mittelland (Die Darstellung berUcksichtigl nicht die Übergangsmoorc im Hochmoorinventar).
2.2.1 LITERATUR ADRESSE DER AUTOREN
BARKMA ,J.-J./MORAVEC,J./ Dr.13enolt Bressoud RAUSCHERT S. (1986): Code der BW'eau d'etudes ec logiques pflanzensoziologischen Nomenkla- RuedeCorde tur. Vegetatio 32 (3): 131-185. 1957 Ardon
BRAUN-BLANQUET, J. (1964): Patrick Chadier Pflanzensoziologie. 3. Auflage, Av. Ste Clotilde, 22 Springer. Wien. XIV + 865 S. 1205 Geneve
EDI, BUWAL (Hrsg. 1990): Inven- 1 tar der Flachmoore von nationaler HAND Bedeutung. BUWAL, Bem 79 S. BUCH MOOR· IMBODEN, C. (1976): Leben am SCHUTZ IN DER Wasser Einführung in die Leben ge- SCHWEIZ ÜBERSETZUNG meinschaften der Feuchtgebiete. SBN Basel, 240 S. llsegret Messerknecht bioJ. lic. sc. / traduct:rice agreee ASTI En Colachoz
1426 Corcelles-Conci e
Handbuch in der cbweiz 1
THOMAS B. EGLOFF
Beschreibung der Pfeifen- • graswIesen (MOLINION) 2.2.2 1 EINLEITUNG
1.1 Wirtschaftliche Stellung
"Pfeifengraswiesen ausserhalb der reinen Grünlandgebiete sind landwirtschaftliche Fossilien ohne Daseinsberechtigung", hielten STÄHLIN / SCHWEIGHART im Jahre 1960 fest (S. 20). Einen ganz anderen landwirtschaftlichen Stellenwert besassen diese Wiesen keine 100 Jahre früher: Ende des letzten und anfangs diesen Jahrhunderts, als we- I gen des Mangels an Getreidestroh für die Stalleinstreu sogar Futter- HAND BUCH wiesen in Streuwiesen zurückgeführt und Pfeifengraswiesen künstlich MOOR· SCHUTZ angelegt wurden (z.B. STEBLER 1898, VOLKART 1919), erfreuten INDER SCHWEIZ sich gerade die Pfeifengraswiesen wegen ihrer feinhalmigen Streu bei den Landwirten besonderer Beliebtheit. Eine mittelfristige Renaissance der (Pfeifengras-)Streuwiesen ist nicht auszuschliessen: Für HAMPICKE (1993) ist "die behauptete Überlegenheit des Güllesystems" gegenüber Einstreuställen "vermutlich stark übertrieben" (S. 46).
1.2 Stellung in der Naturlandschaft: wechselfeuchte Standorte
Pfeifengraswiesen bzw. -artige Vegetationsbestände kämen in der Naturlandschaft in folgenden Bereichen vor (vgl. OBERDORFER, 1983; QUINGER et al., 1995):
in stark grundwasserbeeinflussten Flutrinnen (entlang der Fliessgewässer);
an wechselfeuchten Hängen über Mergel und anderen tonreichen Böden, welche periodisch rutschen;
an Seeufern;
am Rande von Hochmooren und gehölzarmen Flachmooren.
In der Kulturlandschaft traten die Pfeifengraswiesen in der Hartholzaue der Flussalluvionen an die Stelle von Ulmen-Eschenwäldern (Ulmo- und Pruno-Fraxinetum), in den trockeneren Bereichen an diejenige von Eichen-Hagebuchenwäldern (Querco-Carpinetum) . Wenn nach der Rodung noch entwässert wurde, lösten sie Erlen-Eschenwälder ab (vgl. KLÖTZLI 1969). Für wechseltrockene Pfeifengraswiesen in Hanglagen nennt KLÖTZLI ferner Buchenwälder als korrespondierende Waldgesellschaften.
1.3 Pflanzensoziologische Stellung
Der pflanzensoziologische Verband Molinion gehört gemäss der pflanzensoziologischen Hierarchie zur Klasse Molinio-Arrhenatheretea, dem Wirtschafts grünland. Die standörtliche Nähe zu den Kleinseggen- und Binsen-Gesellschaften (v.a. der Verband Caricion davallianae aus der Klasse Scheuchzerio-Caricetea nigrae), die sich in der Natur in fliessenden Übergängen äussert, kommt dabei nicht zum Ausdruck. Beschrieben wurden diese Übergänge jedoch bereits im Jahre 1897 von STEBLER, z.B. eine Kopfbinsen-Besenriedwiese (Schoeneto-Molinietum). Eine solche Gesellschaft hat nach wie vor ihre Berechtigung: Denn GÖRS (1974, in OBERDORFER, 1977) stellt die Frage in den Raum, ob das Orchio (palustris)-Schoenetum nigricantis nicht "vielleicht sogar besser als nasse, randliche Ausbildungsform zum Molinion zu stellen" sei (S. 250).
Für die aktuellen Verhältnisse in unserer Kulturlandschaft und für die Naturschutzpraxis ist die Gruppierung in der Lebensraum-Typologie von GALLAND et al. (1990), bei welchen Molinion und Caricion davallianae zum Komplex (zur Klasse) Nr. 2 "Ufervegetation, Sümpfe, Moore und Feuchtwiesen" gehören, bedeutend sinnvoller und praktikabler. (Dieser Komplex ist u.a. unterteilt in Nr. 2.2 Flach- und Übergangsmoore und Nr. 2.3 Nasswiesen.) In der Tat bilden Z.B. Kalk-Pfeifengraswiesen häufig Komplexe mit Kalk-Kleinseggenriedern und -Binsenriedern (Caricion davallianae). Im Feld, beim einzelnen Objekt treffen wir zusätzlich nicht selten auch auf Übergänge zu Calthion- und Filipendulion-Gesellschaften (Calthion = nährstoffreiche Feuchtwiesen; Filipendulion = Hochstaudenrieder).
1.4 Heutige Verbreituug: drei Schwerpunkte
Die Verbreitungsschwerpunkte der Pfeifengraswiesen in der Schweiz sind
das östliche Mittelland und die Nordostschweiz als Hauptverbreitungsgebiet,
die Zentralschweiz und
das Vorderrheintal (vgl. vor allem EDI / BUWAL, 1990, Abb. 17f, sowie auch HEGG et al., 1993, S. 70).
2.2.2 2 BESCHREIBUNG DER PFLANZENGESELLSCHAFTEN
2.1 Vorbemerkung zur standörtlichen Variabilität
Bezüglich Wasserhaushalt und Bodenreaktion decken die Pfeifengraswiesen ein breites ökologisches Spektrum ab (vgl. Abb. 1). Das Diagramm zeigt ferner die standörtliche und damit auch floristische Nähe der trockenen Kalk-Pfeifengraswiesen zu den Halbtrockenwiesen (Mesobromion) und diejenige der sauren Pfeifengraswiesen zu den I Borstgraswiesen (Nardetalia). Ebenso breit ist das Spektrum der HAND BUCH Bodentypen, auf denen die in der Literatur beschriebenen Pfeifen- MOOR· graswiesen stocken: Basische und saure Mineralböden gehören eben- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ so dazu wie Anmoore ("Humusböden"). Ausserdem kommt zur grossräumigen geographischen Variation noch die kleinräumige Höhendifferenzierung hinzu. Überlagert wird das Ganze schliesslich noch von der Bewirtschaftung. Die zahlreichen beschriebenen Molinion-Gesellschaften sind für ELLENBERG (1978) "ein Musterbeispiel geographischer Differenzierung von Pflanzengesellschaften" (S. 760). Pflanzensoziologisch beson-
UNGEDÜNGT
sehr trocken Felsfluren Abb. 1: Ökogramrn der Verbände trocken (Corynephorion) l Trockenrasen Xero-Bromion in der submontanen Stufe Mittel- I europas. mässig Quelle: ELLENBERG (1978) trocken Borstgras- Halbtrockenrasen Meso-Bromion rasen mässig frisch .......... .............................................. Nardofrisch Galion ÜBERGANGS.BEREICH (meist gedüngt oder beackert) mässig feucht .. ..... .... ... ... ......... .. ... .... ... .............. .... , I feucht I saure Pfeifengraswiesen, Kalkmässig I Molinion nass I I I I nass
···G;össeg·genricder····J1agnoctirlciöii· ·... Caricion fuscae Kleinseggenrieder C. davallianae .. . ............ sehr nass Röhrichte PhraRmition Wasser Wasserpflanzen gesellschaften
Stark sauer sauer mässig sauer schwach sauer neutral alkalisch
"
ders intensiv untersucht sind die badische Oberrheinebene (PHILIPPI, 1960; GÖRS 1974) und das nördliche Schweizer Mittelland (KLÖTZ- LI, 1969). GÖRS dokumentiert für das Taubergiessengebiet den vom Schnittzeitpunkt abhängigen fliessenden Übergang zwischen wechseltrockenen Pfeifengraswiesen (mit dominierendem Rohr-Pfeifengras, Molinia arundinacea) und dem Mesobrometum alluviale (Stromtal- Halbtrockenwiese) mit der Aufrechten Trespe (Bromus erectus) als dominierendem Gras. Die starke regionale Variabilität erschwert das Festlegen von grösserräumig gültigen Gesellschaftsnamen und Charakterarten. Zahlreiche Charakterarten für den (süd)westdeutschen Raum (vgl. OBER- DORFER, 1967) sind gemäss KLÖTZLI (1969) bereits für die Nordschweiz ungeeignet (vgl. Ziffer 2.3). Dieser Hinweis ist auch als Vorbehalt zu den komprimierten Ausführungen unter der folgenden Ziffer 2.2 zu verstehen.
2.2 Charakterisierung der Molinion-Gesellschaften
Probleme mit der Charakterisierung hatte bereits KOCH (1926): "Molinietum" werde in der Literatur oft gebraucht, doch das einzige Gemeinsame sei Molinia caerulea selbst, welche aber auch in Juncus- und Cyperaceen- Wiesen häufig stark vertreten sei. Unter Berücksicktigung der Aussagen unter Ziffer 2.1 ist bei einem für die Schweiz einigermassen gültigen Molinion-Kurzporträt die folgende Dreiteilung gerechtfertigt. Die Ausführungen basieren zur Hauptsache auf OBERDORFER (1983); die Namengebung der Gesellschaften wird kurz kommentiert.
2.2.1 Die "reine Pfeifengraswiese" der Hänge der submontanen und
montanen Stufe Als wissenschaftliche Gesellschaftsbezeichnungen werden Molinietum caeruleae und Gentiano asclepiadeae-Molinietum (Schwalbenwurzenzian-Pfeifengraswiese) verwendet. Die zweite Bezeichnung ist jedoch ungeeignet, da der Schwalbenwurzenzian auch im Cirsio tuberosi- Molinietum (vgl. 2.2.2) vertreten ist und am Alpenfuss nicht einmal mehr als signifikante Molinion-Art angesprochen werden kann (OBERDORFER, 1983).
2.2.2 Die Pfeifengraswiese der Stromtäler und lieflagen
Der wissenschaftliche Name für diese Gesellschaft ist Cirsio tuberosi- Molinietum arundinaceae (Knollendistel-Pfeifengraswiese). Er ist
2.2.2 nach KLÖTZLI (1969) für die Schweiz ungeeignet, da Cirsium tuberosum hier nur im Gentiano-Molinietum (vgl. 2.2.1) vorkommt. KLÖTZLI entschied sich deshalb für die Gesellschaftsbezeichnung Stachyo (officinalis)-Molinietum.
2.2.3 Die saure Pfeifengraswiese
Der wissenschaftliche Name für die Saure Pfeifengraswiese, welche auch Borstgras-Pfeifengraswiese genannt wird, ist Junco effusi-Molinietum. Sie ist wesentlicher seltener als die beiden genannten Kalk- Pfeifengraswiesen (wobei "Kalk-" nur bedingt richtig ist, da das Moli- I nietum caeruleae sowohl basenreiche wie basenarme Ausbildungen HAND BUCH umfasst). MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
2.2.4 Nomenklaturprobleme und Folgerung daraus
Die Zweiteilung der Kalk-Pfeifengraswiesen (vgl. 2.2.1 und 2.2.2) soll lediglich als grobe Richtschnur betrachtet werden, denn sie ist in der Literatur nicht frei von Widersprüchen:
OBERDORFER (1983) führt Stachyo-Molinietum als Synonym für das Molinietum caeruleae an.
Der auf KOCH (1926) zurückgehende Name Molinietum caeruleae basiert auf einer Untersuchung in einer Flussebene (Linthebene, Ostschweiz).
Viele Autoren unterscheiden gemäss OBERDORFER (1983) nicht zwischen Molinia caerulea und Molinia arundinacea. Diese Hinweise bekräftigen die unter Ziffer 2.1 genannten Vorbehalte aufgrund der geographischen und standörtlichen Variabilität. Doch die reine Zweiteilung in kalkreiche und saure Pfeifengraswiesen würde noch weniger befriedigen, weil damit die Pfeifengraswiesen auf schwach sauren bis neutralen Böden nicht erfasst würden. Für die Naturschutzpraxis ist die differenzierte Ansprache von Pfeifengraswiesen-Gesellschaften nur von sehr geringer Bedeutung. Entscheidend sind vielmehr
das Auseinanderhalten von "echten" Pfeifengraswiesen und den Pfeifengrasbeständen auf degenerierten Mooren als Grundlage für das Festlegen der Schutz- und Entwicklungsziele,
die naturschützerische Bewertung der Pfeifengraswiesenanteile innerhalb eines Moor- bzw. Streuwiesenkomplexes,
die floristische Bewertung im Einzelfall mit entsprechenden Konsequenzen für das Schnittregime.
2.3 Motinion-Charakterarten
2.3.1 Vorbemerkungen
Infolge der starken geographischen Variation wird hier darauf verzichtet, den drei Pfeifengraswiesen-Gesellschaften Charakterarten zuzuweisen. Dies ist im Rahmen dieses Handbuchs gerechtfertigt, weil bei der Schutz- und Pflegeplanung keine differenzierte Ansprache notwendig ist. Für das Festlegen von Schnitthäufigkeit (alljährlich oder alle zwei Jahre) und frühestem Schnittzeitpunkt (ab Anfang oder Mitte September bzw. ab Anfang Oktober) sind andere Kriterien massgebend (vgl hierzu u.a. Band 2, Beitrag 1.1.2 und Band 2, Beiträge 2.2.1 bis 2.2.3):
Produktivität, Grad der Verhochstaudung;
floristische Artengarnitur, z.B. Spätblüher;
faunistische Schutzziele.
2.3.2 Charakteristische Arten der Pf'eifengraswiesen
HEGG et al. (1993) nennen als charakteristische Arten für die Pfeifengraswiesen das Pfeifengras selbst (Molinia caerulea), die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica), die Färberscharte (Serratula tinctoria), das Fleischrote Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), die Natternzunge
Tab. 1: Grundarten der Streuwie- Carex davalliana Davall-Segge sen, Riedwiesen, Quellmoore und Carex eiata Steife Segge Quellsümpfe. Ca rex [lava s. str. Gelbe Segge Quelle: QUINGER et al. (1995) Carexfusea (= c. nigra) Braune Segge Carex panieea Hirse-Segge Equisetum palustre Sumpf-Stachel halm Eriophorum angustifolium Schmalblättriges Wollgras Eriophorum latifolium Breitblättriges Wollgras Galium boreale Nordisches Labkraut Galium uliginosum Moor-Labkraut Linum eathartieum Purgier-Lein Lysimaehia vulgaris Gewöhnlicher Gilbweiderich Molinia eaerulea Pfeifengras Parnassia palustris Herzblatt Peueedanum palustre Sumpf-Haarstrang Potentilla ereeta Blutwurz Salix repens Kriech-Weide Sehoenus ferrugineus Rostrotes Kopfried Selinum earvifolia Kümmelblättrige Silge Serratula tinetoria Färber-Scharte Staehys officinalis Heil-Ziest Suecisa pratensis Teufelsabbiss Valeriana dioiea Sumpf-Baldrian
2.2.2 Tab. 2: Arten basenreicher Pfeifen- Allium angulosum Kanten-Lauch graswiesen. Die mit einem Stern (*) A llium carinatum Gekielter Lauch bezeichneten Arten zeigen eine Allium suaveolens Wohlriechender Lauch deutliche Bindung an die heute sehr Carex tomentosa Filz-Segge selten gewordenen Komplex-Le- Cirsium tuberosum Knollen-Kratzdistel bensräume aus Kalk -Pfeifengraswie- Dianthus superbus Pracht-Nelke sen, Kalk-Halbtrockenrasen Epipactis palustris Sumpf-Weichwurz (Mesobromion) und Kalk-Quell- Gladiolus palustris* Sumpf Gladiole mooren (Caricion davallianae). Gymnadenia conopsea Gewöhnliche Händelwurz Quelle: QUINGER et al. (1995) Inula salicina Weiden-Alant Iris sibirica Sibirische Schwertlilie I Laserpitium prutenicum Preussisches Laserkraut HAND Ophioglossum vulgatum Natternzunge BUCH Selinum carvifolia Kümmelblättrige Silge MOOR- Senecio helenites Spatelblättriges Greiskraut SCHUTZ IN DER Serratula tinctoria Färber-Scharte SCHWEIZ Silaum si/aus Wiesen-Silge Tetragonolobus maritimus Spargelschote Thalictrum simplex subsp. galioides* Labkrautblättrige Wiesenraute
Tab. 3: Arten kalkarmer, mehr oder Arnica montana Arnika, Bergwohlverleih weniger saurer Pfeifengraswiesen. Agrostis capillaris (= A. tenuis) Rot -Straussgras Die mit einem Stern (*) bezeichne- Calluna vulgaris Heidekraut ten Arten treten nur in Feuchtaus- Carex echinata (= c. stellulata) Stern-Segge bildungen auf, die zu Seggenriedern Carexfusca (= C. nigra)* Braune Segge überleiten. Die mit zwei Sternen Carex pallescens Bleiche Segge (**) versehenen Arten kommen Danthonia decumbens Dreizahn vorwiegend in Feucht-Streuwiesen Drosera rotundifolia** Rundblättriger Sonnentau auf Hochmoortorfen vor. Eriophorum angustifolium* Schmal blättriges Wollgras Quelle: QUINGER et al. (1995) Galium pumilum Niedriges Labkraut Hieracium lactucella Öhrchen-Habichtskraut Hieracium umbellatum Doldiges Habichtskraut Hypericum maculatum Geflecktes Johanniskraut Luzula campestris Hain-Simse Nardus stricta Borstgras Polygala vulgaris Gewöhnliche Kreuzblume Pedicularis sylvatica Wald-Läusekraut Rhynchospora alba** Weisses Schnabelried Vaccinium oxycoccos** Moosbeere Viola canina Hunds-Veilchen Viola palustris* Sumpf-Veilchen
(Ophioglossum vulgatum) und - mit Einschränkung - den Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe).
Lediglich folgende vier Arten sind für KLÖTZLI (1969) gute Molinion- Verbandscharakterarten: Carex tomentosa (Filzfrüchtige Segge), Inula salicina (Weidenalant), Serratula tinctoria (Färberscharte) und Silaum silaus (s. selinoides; Silgenähnlicher Rosskümmel). KLÖTZLI verneint beispielsweise die Eignung von Gentiana pneumonanthe (Lungen-Enzian), da diese vor allem in den Kalk-Kleinseggenriedern auftrete. Das Pfeifengras schliesslich ist auch in den Kalk-Kleinseggen- und Kopfbinsenriedern sehr häufig und deshalb keine Charakterart im pflanzensoziologischen Sinn. QUINGER et a1. (1995) gehen in ihrer das gesamte Bundesland Bayern abdeckenden Arbeit vom Streuwiesen-Lebensraumkomplex aus, definieren dafür eine typische Grundartengarnitur (vg1. Tab. 1) und listen anschliessend die charakteristischen Arten basenreicher und basenarmer Pfeifengraswiesen auf (v g1. Tab. 2 und 3).
Abb. 2: Pfeifengras oder Besenried (Molina caerulea) Quelle: HESS et a1. (1967)
2.2.2 3 DAS PFEIFENGRAS - EIN KURZPORTRÄT
Die Namen Pfeifengras und Besenried, wie Molinia caerulea auch genannt wird, erinnern an die frühere Verwendung dieses Grases zum Pfeifenreinigen und zur Herstellung von Besen (vgl. KLAPp, 1974). Zum Reinigen von Pfeifen ist es deshalb geeignet, weil die Halme scheinbar knotenlos sind: Statt Halmknoten finden wir am Grunde des Halms eine zwiebelartige Verdickung. Diese ist zentrales Speicherorgan des Pfeifengrases, welches sich durch eine ausgeprägte Nährstoffökonomie auszeichnet. Der gegenüber anderen Pflanzenar- I ten viel stärkere Mineralstoffrückzug am Ende der Vegetationsperio- HAND BUCH de in die bodennahen und unterirdischen Organe ermöglicht - bei MOOR· Streuenutzung - jährlich gute Biomasseerträge, ohne dass jemals eine SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Düngung erfolgen müsste. Dass das Pfeifengras zum Streuwiesengras par excellence (ELLENBERG, 1978, S. 727) geworden war, verdankte es ferner seiner relativ feinen Streu, welche es bei den Landwirten beispielsweise gegenüber den Seggen oder dem Schilfrohr wohl zur beliebtesten Streuepflanze machte.
Ob es gerechtfertigt ist, das Rohr-Pfeifengras (Molinia arundinacea; = M. litoralis) als eigenständige Art zu bezeichnen, bleibe dahingestellt: Für ELLENBERG (1978) und OBERDORFER (1983) ist M. arundinacea eine Kleinart. Auf jeden Fall gibt es zwischen M. caerulea und M. arundinacea, welche in allen Fällen grösser, aber ohne Blütenstand nicht sicher unterscheidbar ist (KLAPP 1974), Übergangsformen. Bei den ökologischen Zeigerwerten von LANDOLT (1977) hebt sich M. litoralis vor allem bei der Reaktionszahl von M. caerulea ab. Während M. caerulea aufgrund seiner breiten Amplitude nicht in die 5er-Skala eingeteilt wurde (Kategorie x), wird M. litoralis als Basenzeiger klassiert (R-Zah14).
4 BEDEUTUNG FÜR DEN ARTENSCHUTZ
Sinnvoller und aussagekräftiger als eine auf die Pfeifengrasstreuwiesen beschränkte naturschützerische Wertung wäre die artenschützerische Bewertung des Streu- / Moorwiesenkomplexes, besonders für die Fauna, wie dies HÖLZINGER et al. (1987) sowie QUINGER et al. (1995) tun. Dennoch soll versucht werden, einige Besonderheiten des Molinion hervorzuheben.
4.1 Flora
Stark gefährdeter Bewohner der Pfeifengraswiesen ist die Sumpf-Gladiole (Gladiolus paluster); gefährdete Pflanzen art nach LANDOLT (1991) ist z.B. die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica), welche die Position der Galionsfigur der Pfeifengraswiesen einnimmt, auch im benachbarten Süddeutschland. Die Liste liesse sich um weitere Arten erweitern, deren Vorkommen nicht auf das Molinion beschränkt sind z.B. der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), der Schweizerische Alant (Inula helvetica) oder die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum) .
4.2 Fauna
Zwei Tagfalter sollen hier für die Pfeifengraswiesen Porträt stehen, der Blauäugige Waldportier (Riedteufel, Blauauge; Minois dryas) und der Kleine Moorbläuling (Lungenenzian-Ameisenbläuling; Maculinea alcon). Die Raupen des Riedteufels, welcher in der Roten Liste (GONSETH 1994) in die Kategorie 2 eingeteilt wurde, leben auf Gräsern und Sauergräsern, wobei das Pfeifengras die wichtigste Futterpflanze seiner Raupen ist (BLAB et al., 1987; QUINGER et al., 1995). Noch stärker gefährdet (Rote Liste-Kategorie 1) ist der Kleine Moorbläuling, dessen Raupen auf Lungen- und Schwalbenwurz-Enzian fressen. Einen Teil ihrer Entwicklungszeit verbringen sie als Parasiten im Nest von Ameisen der Gattung Myrmica (SCHWEIZERISCHER BUND FÜR NATURSCHUTZ, 1987).
2.2.2 LITERATUR HESS, E.I LANDOLT, E. I HIR- PHILIPPI, G. (1960): Zur Gliede- ZEL, R (1967): Flora der Schweiz rung der Pfeifengraswiesen im südli- und angrenzender Gebiete. Band 1, chen und mittleren Oberrheingebiet. BLAB,1. I RUCKSTUHL, TH. I Birkhäuser Verlag, Basel und Stutt- Beitr. naturkdl. Forsch. Südwest-Dtl. ESCHE, TH. I HOLZBERGER, R gart, 858 S. 19(2), 138-187. (1987): Aktion Schmetterling, so können wir sie retten. Otto Maier HÖLZINGER, J. (1987): Die Vögel QUINGER, B.I SCHWAB, U. I Ravensburg, 191 S. Baden-Württembergs. Gefährdung RINGLER, AI BRÄU, M. I und Schutz, Teil 1: Artenschutzpro- STROHWASSER, RI WEBER, 1. EIDGENÖSSISCHES DEPARTE- gramm Baden-Württemberg, (1995): Lebensraumtyp Streuwiesen. MENTDES INNERN (EDI) I Grundlagen Biotopschutz (Kapitel Landschaftspflegekonzept Bayern BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT Nass-, Ried- und Streuewiesen von S. Bauer), Eugen Ulmer, Stuttgart. 11.9, Hrsg. StMLU Bayern und ANL LaufeniSalzach, München, 369 S. (BUWAL, 1990): Inventar der HAND Flachmoore von nationaler Bedeu- BUCH KLÖTZLI, E (1969): Die Grund- SCHWEIZERISCHER BUND tung. Bern, 79 S. wasserbeziehungen der Streu- und FÜR NATURSCHUTZ (Hrsg. , MOOR- SCHUTZ Moorwiesen im nördlichen Schwei- 1987): Tagfalter und ihre Lebensräu- IN DER ELLENBERG, H. (1978): Vegeta- SCHWEIZ zer Mittelland. Beitr. Geobot. Lan- me. Arten, Gefährdung, Schutz, tion Mitteleuropas mit den Alpen, in desaufn. Schweiz 52, 269 S. + Tab. Basel, 516 S. ökologischer Sicht. (2. Aufl.), Eugen Ulmer, Stuttgart, 982 S. KLAPP, E. (1974): Taschenbuch der STÄHLIN, AI SCHWEIGHART, Gräser. (10. Aufl.), Paul Parey, Ber- 0. (1960): Verbreitete Pflanzenge- GALLAND, P. I GONSETH, Y. I lin/Hamburg, 260 S. sellschaften des Dauergrünlandes THEURILLAT, J.-P. (1990): Typolo- der Äcker, Gärten und Weinberge. gie der Lebensräume der KOCH, W. (1926): Die Vegetations- BLV München, 67 S. SchweizlTypologie des milieux de einheiten der Linthebene. Jb. Suisse. Hrsg. SBNILSPN Basel und St.Gall. Natw. Ges. 61, 144 S. STEBLER, EG. (1897): Die Streue- CSCF/SZKF Neuchätel, 26 S. wiesen der Schweiz. Beitr. zur LANDOLT, E. (1977): Ökologische Kenntnis der Matten und Weiden GONSETH, Y. (1994): Rote Liste Zeigerwerte zur Schweizer Flora. der Schweiz XI, Landw. Ib. Schweiz der gefährdeten Tagfalter der Ver. Geobot. Inst. ETH, Stift. Rübel 11,1-84. Schweiz, in DUELLI, P. (Red.) Rote 64, Zürich, 208 S.
Listen der gefährdeten Tierarten in STEBLER, EG. (1898): Die besten der Schweiz, S. 48-51, BUWAL- LANDOLT, E . (1991): Gefährdung Streuepflanzen. Schweiz. Wiesen- Reihe Rote Listen, Bern, 97 S. der Farn- und Blütenpflanzen in der pflanzenwerk IV, Wyss, Bem, 148 S. Schweiz, mit gesamtschweizerischen GÖRS, S. (1974): Die Wiesengesell- und regionalen roten Listen. VOLKART, A (1919): Anbau von schaften im Gebiet des Taubergies- BUWAL-Reihe Rote Listen, Bern, Besenriedstreue. Gutachten, sen. Die Natur- und 185 S. Schweiz. Samenuntersuchungs- und Landschaftsschutzgebiete Baden- Versuchsanstalt, 12 S. Württembergs 7, 355-399. OBERDORFER, E. (1967): Systematische Übersicht über die Pflan- HAMPICKE, U. (1993): Ausge- zengesellschaften Westdeutschlands. wählte ökonomische Probleme des Schr.R Veg.kde 2,7-62. Naturschutzes auf Grünlandflächen in Baden-Württemberg. Beitr. OBERDORFER, E . (Hrsg., 1977): Akad. für Natur- und Umweltschutz Süddeutsche Pflanzengesellschaften Baden-Württemberg 14, 37-56. I. (2. Aufl.), Gustav Fischer, HEGG, 0. I BEGUIN, C. I ZOL- LER, H. (1993): Atlas schutzwürdi- OBERDORFER, E . (Hrsg., 1983): ger Vegetationstypen der Schweiz. Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Hrsg. BUWAL, Bern, 160 S. Teil III, 2. Aufl., Gustav Fischer,
.'
ANSCHRIFf DES AUTORS
Dr. Thomas B. Egloff Sonnmatt 32
5400 Baden
Handbuch Moorschutz in der Schweiz 1
, ...., .
PATRICK CHARLIER
Beschreibung der Nasswiesen (CALTHION) und der Hochstaudenriede (FILlPENDULlON) 2.2.3 1 EINLEITUNG
Die zwei Verbände Calthion und Filipendulion umfassen die meso- bis eutrophen Nasswiesen und zählen zu den Vegetationseinheiten des Flachmoorinventars (vgl. Band 1, Beitrag 2.1.1). Sie entstehen entweder auf natürliche Weise (z.B. an Flussufern), oder häufiger durch menschliche Nutzung (Abholzung von Feuchtwäldern, Düngung anderer MOOftypen, usw.).
Sie weisen botanisch wie (syn)ökologisch enge Beziehungen zu ande- I ren Flachmooreinheiten (Caricion davallianae und nigrae) auf, wobei HAND BUCH die Grenzen oft fliessend und die verschiedenen Einheiten mosaikar- MOORtig verzahnt sind. Das Calthion und das Filipendulion stehen auch in SCHUTZ INDER SCHWEIZ enger Beziehung zu den frischen Wiesen und Weiden der Arrhenatheretalia. Die grosse Anzahl feuchtigkeitsliebender Arten ist zwar oft durch die Dominanz der Wiesenarten verdeckt, die je nach Intensität der Entwässerung und der Düngung sehr stark variieren kann, was wiederum die Abgrenzung der Nasswiesenflächen erschwert.
Da der Stand der Kenntnisse über die Ökologie der Calthion- und Filipendulion-Gesellschaften unterschiedlich ist, bleiben manche der nachfolgenden Beschreibungen lückenhaft. Genauere ökologische Studien sind dringend notwendig. Ein ausführliches Literaturverzeichnis findet sich in OBERDORFER (1983) und in BALATOVA-TU- LACKOVA (1987 a und b).
In den beiden folgenden Kapiteln werden nur jene Pflanzengesellschaften der beiden Verbände detaillierter beschrieben, deren Ökologie gut bekannt ist und die sich aufgrund ihres häufigen Auftretens bei der Erstellung eines Schutz- und Pflegeplanes als nützlich erweisen. Die übrigen Pflanzengesellschaften sind in den Tabellen 1 (Calthion) und 3 (Filipendulion) aufgeführt. Es wurde zudem darauf verzichtet, jene Subassoziationen zu nennen, über die in der Schweiz noch zu wenig bekannt oder deren geographische Verbreitung sehr beschränkt ist. Es werden nur jene Einheiten beschrieben, die ökologische Besonderheiten aufweisen und daher bei der Erstellung eines Schutz- und Pflegeplanes speziell ausgewiesen werden sollten.
Tab. 1: In der Schweiz bekannte Art / Assoziation 1 2 3 4 5 6 Calthion-Assoziationen. Assoziationen:
1 Angelico sylvestris - Cirsietum
Charakterarten der Assoziationen oleracei
2 Scirpetum sylvatiei
Cirsium oleraceum V - - II IV - 3 Trollio europaei - Cirsietum Scirpus sylvaticus - V II II II I salisburgensis Cardamine amara - III - - - - 4 Chaerophyllo hirsuti - Ranunculuncus effusus - I V I - V letum aconitifolii Cirsium palustre - V IV I - III 5 Epilobio palustris - luncetum Epilobium palustre - - III - II - effusi Nardus stricta - - - - - II 6 Cirsio palustris - luncetum effusi Ranunculus aconitifolius - I - V II - Die Aufnahmen (mindestens 10 pro Chaerophyllum hirsutum - - I IV - I Assoziation) stammen von Cirsium rivulare - - - - IV II GALLANDAT (1982) und OBER- Trollius europaeus - II I - IV II DORFER (1983). Geum rivale II - II II IV III Caltha palustris IV IV III V V IV Die Häufigkeitsklassen sind: I Arten vorhanden in weniger als 21 % der Aufnahmen Charakterarten des Verbandes, II in 21 bis 40 % der Aufnahmen der Ordnung und der KJasse III in 41 bis 60 % der Aufnahmen IV in 61 bis 80 % der Aufnahmen Angelica sylvestris III III Il III II II V in mehr als 81 % der Aufnahmen. Cardamine pratensis IV V II II IV -
Crepis paludosa I I II III III I Charakterarten der Deschampsia cespitosa III II II II IV IV Assoziation Festuca pratensis IV I I I III IV Differentialarten der Festuca rubra III IV III II IV - Assoziation Filipendula ulmaria III III I IV V IV Galium uliginosum III III III I II - Die Arten der höheren Einheiten Holcus lanatus V V II III I - sind alphabetisch aufgeführt. Lathyrus pratensis IV II II - IV I Lotus uliginosus I IV Il II - - Lychnis flos-cuculi V III III II IV IV Myosotis scorpioides IV IV IV IV IV IV Poa pratensis III I II I III III Poa trivialis IV I I III IV III Polygonum bistorta III V III IV V V Ranunculus acris V IV III III V IV Ranunculus repens IV III III II II III Rumex acetosa II IV II III III -
Sanguisorba officinalis II II III I IV III Trifolium repens III I II - IV V Valeriana dioica II V III II IV IV Vieia cracca 11 I II - IV -
2.2.3 2 NASSWIESEN (CALTHION PALUSTRISTX.1937) Assoziationen und Gesellschaften der nährstofIreichen Nasswiesen (Calthion palustris) in
2.1 AUgemeines der Schweiz
Es handelt sich um wechsel- oder dauerfeuchte Wiesen oder Weiden. • Angelico sylvestris-Cirsietum oleracei Tx. 37 em. Tx. in Tx. Sie kommen häufig in den Voralpen vor, hauptsächlich auf Flysch (un- und Preising 1951 durchlässiger Untergrund) und paradoxerweise im Jura (vorwiegend • Scirpetum sylvatici Maloch im westlichen Teil), wo sie sich über Gletscherablagerungen auf Bö- 1935 em. Schwickerath 1944 den mit unterschiedlichem Torfgehalt entwickeln können. (Cardamino-Scirpetum Berset I 1969 inbegriffen) HAND
Trollio europaei-Cirsietum BUCH Sie können am Anfang der Saison beweidet und einmal pro Jahr im salisburgensis (Kuhn 1937) MOOR· Herbst gemäht werden, oder umgekehrt. Trotz einer grossen botani- Oberd.1957 SCHUTZ IN DER
Chaerophyllo hirsuti-Ranun- SCHWEIZ schen Vielfalt - Zeichen einer ziemlich guten Futterqualität - wird das culetum aconitifolii Oberd. 1952 Calthion häufig Opfer der Entwässerung, einer zu intensiven Düngung • Epilobio palustris-Juncetum oder der Überweidung. effusi Oberd. 1957
Cirsio palustris-Juncetum effusi Gallandat 1982 Die Charakter arten der Calthion-Gesellschaften bzw. der höheren • Sumpf-Dotterblumen- (Calpflanzensoziologischen Einheiten (Verband, Ordnung, Klasse) sind in tha palustris) und Bach-Nelkender Tabelle 1 aufgeführt. Die Tabelle 2 fasst die wichtigsten ökologi- wurz- (Geum rivale) Gesellschaft
Rasenschmielen-Gesellschaft schen Parameter dieser Assoziationen zusammen. Die gegenwärtigen (Deschampsia caespitosa). Angaben sind jedoch oft lückenhaft. In der Schweiz unterscheidet man folgende Assoziationen und Gesellschaften.
2.2 Scirpetum sylvatici Maloch 1935 em. Schwickerath 1944
Diese Assoziation ist auf Flysch in der montanen bis subalpinen Stufe der Voralpen gut entwickelt (BERSET, 1969; YERLY, 1970). Der Boden ist basisch und trocknet im Sommer häufig aus. Damit diese Assoziation sich halten kann, genügen unregelmässige Überschwemmungen des Bodens. Sie ist typisch für die Randbereiche der sehr stickstoffreichen Alpweiden, wo die Wald-Simse (Scirpus sylvaticus) als Charakterart bis zu 1,30 m gross wird. Es werden zwei Vegetationsschichten unterschieden, wobei die höhere von der Simse und die niedrigere von anderen Arten beherrscht wird. Diese Assoziation ist oft artenarm, weil die Simse dominiert. Sie wird selten gemäht. Es wird angenommen, dass sie nach Rodung des Equiseto sylvatici-Abietetum (Schachtelhalm-Tannenmischwald) auf feuchten Tonböden entstanden ist.
. 1
Tab. 2: Wichtigste ökologische Para- Angelico sylvestris - Cirsietum oleracei meter der aus der Schweiz bekannten Calthion-Gesellschaften. Höhenstufe KoUin bis montan Naturräumliche Verbreitung MitteUand und (hauptsächlich östliche und zentrale) Voralpen Standort periodisch überschwemmte Fluss- und Bachufer Boden Anmoor-Gley, humusreich, tiefgründig und gut durchlüftet pH des Bodens im Mittel 7,5 Düngungs- und Natürliche und anthropogene Eutro- Degradationszeichen phierung der Flussufer
Scirpetum sylvatici
Höhenstufe Montan bis subalpin Naturräumliche Verbreitung Voralpen Standort Lehmreiche Ablagerungen der Flüsse, feuchte Lägerstellen Boden Gley mit feuchter Humusform (z.T. anmoorig) pH des Bodens 5,7 bis 6,7 Düngungs- und Eutrophierung durch das Vieh; Scirpus Degradationszeichen sylvaticus wird durch Viehtritt begünstigt.
Trollio europaei - Cirsietum salisburgensis
Höhenstufe Montan bis subalpin Naturräumliche Verbreitung Voralpen und Jura Standort Überschwemmte Flussufer, Torfmoorrandbereiche und feuchte Senken in Fettweiden Boden Auenboden anmoorig und/oder torfig. Kalkhaltiges, schluffreiches Wasser. pH des Bodens unbekannt Düngungs- und Eutrophierung durch das Vieh und Degrada tionszeichen Düngung der gemähten Wiesen und der extensiven Weiden
Chaerophyllo hirsuti - Ranunculetum aconitiJolii
Höhenstufe Montan bis subalpin Naturräumliche Verbreitung Voralpen und Jura Standort Ufer, Bäche und Quellen; sekundär in den Sickerquellen der Mähwiesen Boden Gley, nährstoff- und humusreich, mit geringem Ca-Gehalt pH des Bodens unbekannt Düngungs- und Eutrophierung der frischen Mähwiesen Degradationszeichen durch Düngung; (schwache) natürliche Eutrophierung
2.2.3 Epilobio palustris - Juncetum effusi
Höhenstufe Montan bis subalpin Naturräumliche Verbreitung Zentraljura und östliche Voralpen Standort Quellfluren und am Rande von Hochmooren und sauren Flachmooren Boden Anmoor-Gley, humus- und nährstoffreich (N und P), aber Ca-arm pR des Bodens unbekannt Düngungs- und Degradationszeichen Eutrophierung durch das Vieh; Überweidung der Moorrandbereiche (Jura), was I funcus effusus begünstigt HAND BUCH MOOR- Cirsio palustris - Juncetum ef usi SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Höhenstufe Montan Naturräumliche Verbreitung östlicher Jura Standort Quellfluren und am Rande von Hochmooren, sauren und, seltener, basischen Flachmooren Boden Anmoor-Gley, humus- und nährstoffreich (N und P), aber Ca-arm pR des Bodens unbekannt Düngungs- und Eutrophierung durch das Vieh; Überbe- Degradationszeichen weidung der Moorrandbereiche (Jura), was funGus effusus begünstigt
Deschampsia cespitosa - Gesellschaft
Höhenstufe Subalpin bis alpin Naturräumliche Verbreitung Alpen Standort Senken feuchte Hänge mit Wasseraustritten, Sicker- und Quellfluren Boden unbekannt pR des Bodens sauer Düngungs- und Eutrophierung der feuchten Extensiv- Degradationszeichen weiden durch das Vieh
Caltha palustris - und Geum rivale - Gesellschaft
Höhenstufe Subalpin bis alpin Naturräumliche Verbreitung Alpen Standort Quellufer Boden Böden schwach sauer, mittlere N-Gehalte pR des Bodens unbekannt Düngungs- und Eutrophierung der feuchten Extensiv- Degradationszeichen weiden durch das Vieh
2.3 Trollio europaei - Cirsietum salisburgensis (Kuhn 1937)
Oberd.1957 In der montanen Stufe der Schweiz häufige Subassoziationen des Trollio europaei - Cirsietum Diese Assoziation bevorzugt Auen- und Torfböden sowie kalkhaltiges, salisburgensis (Kuhn 1937) mit Lehm und Nährstoffen angereichertes Wasser. Die Nährstoffe Oberd.1957 können dabei aus natürlicher oder menschlicher Düngung stammen. Im Jura (GALLANDAT, 1982) wird diese Assoziation häufig zweimal • caricetosum paniculatae Gallandat 1982 jährlich gemäht. In der montanen und subalpinen Stufe ersetzt sie das Differentialarten: Carex panicula- Angelico sylvestris-Cirsietum oleracei (Kohldistelwiese ). In der Schweiz ta, Carex acutiformis, Ranunculus gibt es vier Subassoziationen, wovon drei in der montanen Stufe ziem- repens, Carex disticha, Mentha aquatica und Pedicularis palustris. lich häufig vorkommen. Die Gesellschaft besiedelt periodisch überschwemmte Flussufer und Mäander. Voraussetzung für das Gedeihen der Gesellschaft
2.4 Chaerophyllo hirsuti - Ranunculetum aconitifolii Oberd. 1952
sind nährstoffreiche Lehmböden und der Einsatz von organischen Diese Assoziation kommt ziemlich häufig vor, hauptsächlich in den oder mineralischen Düngern. Die Voralpen. Sie ist Indikator für zeitweiligen oberflächlichen Wasserab- Gesellschaft wird regelmässig gemäht. fluss, der mit organischem Dünger aus Jauche oder Mist befrachtet ist. • potentilletosum erectae Gallandat 1982 Differentialarten: Potentilla erecta, Galium uliginosum, Viola pa-
2.5 Epilobio palustris - Juncetum effusi Oberd. 1957
lustris, Carex echinata, Agrostis capillaris, Epilobium palustre, Diese Assoziation bevorzugt Humusböden, die aber immer mit Nähr- Swertia perennis und Carex flava. Die Gesellschaft entwickelt sich stoffen angereichert sind. Sie wird durch kalkarmes, nährstoff- und auf basischen und sauren Flachbasenreiches Wasser durchströmt. mooren (Caricion nigrae und Man findet diese Assoziation meistens in der Umgebung von sauren davallianae), die infolge Bewei- Flachmooren (Caricion nigrae) und Quellfluren (Cardamino-Mon- dung oder Entwässerung degradiert wurden. tion). Sie entwickelt sich ebenfalls am Rande von Torfmoos-Fichten- • colchicetosum Gallandat 1982 wäldern im zentralen und östlichen Jura. Die Assoziation ist typisch Differentialarten: Colchicum für Hochmoorränder mit starkem Viehtritt, wie es eine ihrer Charak- autumnale, Leucanthemum vulgare, Cerastium fontanum ssp. triviaterarten, die Flatter-Binse (luncus effusus), anzeigt. Sie kommt kleinle, Dactylis glomerata, Campanula flächig und oft nur fragmentarisch vor. rhomboidalis und Rhinanthus alectorolophus. Die Gesellschaft ist in Fettweiden anzutreffen, wo die natürliche
2.6 Cirsio palustris - Juncetum effusi Gallandat 1982 Entwässerung gehemmt ist, Z.B. in
Senken und auf Hangverflachun- GALLANDAT (1982) hat diese neue Assoziation von der vorherigen gen. Von den drei Gesellschaften ist es die trockenste und die einer (Epilobio palustris-Iuncetum effusi) aufgrund der Tatsache abgetrennt, gedüngten Mähwiese ähnlichste dass sie im westlichen Hochjura eine grössere Anzahl Arten aus den Subassoziation. Molinio-Arrhenatheretea (Grasland-Gesellschaften) enthält. Es gibt Übergangsstadien zum Epilobio palustris-Iuncetum effusi, die man hauptsächlich im Zentraljura antrifft (FELDMEYER, 1990).
2.2.3 Die Ökologie dieser Gesellschaft ist jener des Epilobio palustris-]uncetum effusi sehr ähnlich.
2.7 Sumpf-Dotterblumen- (Caltha palustris) und Bach-Nelkenwurz-
(Geum rivale) Gesellschaft
Es existiert noch keine Synthese des Calthion in den Alpen. Zusätzlich zu dem Chaerophyllo hirsuti-Ranunculetum aconitifolii und der nachfolgenden Gesellschaft kann eine Sumpf-Dotterblumen- (Caltha palustris) und Bach-Nelkenwurz- (Geum rivale) Gesellschaft unterschie- HAND , BUCH den werden, über deren Verbreitung und Ökologie noch wenig MOORbekannt ist. Sie scheint in der subalpinen Stufe in Flachmooren und SCHUTZ IN DER SCHWEIZ entlang von Rinnsalen ziemlich verbreitet zu sein, bedeckt jedoch immer nur kleine Flächen. Die Rispen-Segge (Carex paniculata) kann lokal dominant werden.
2.8 Rasenschmielen- (Deschampsia cespitosa) Gesellschaft
Das Calthion scheint in den oberen subalpinen und den unteren alpinen Höhenlagen mit einer noch wenig bekannten Rasenschmielen- Gesellschaft (Deschampsia cespitosa) auszuklingen. Ihre charakteristischen Arten sind die Rasenschmiele (Deschampsia cespitosa), der Gemeine Frauenmantel (Alchemilla vulgaris, manchmal sehr häufig), die Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) und der Rot-Schwingel (Festuca rubra). Diese Gesellschaft bildet häufig den Übergang zwischen den basischen Kleinseggenrieden (Caricetum davallianae) und den Alpen-Fettweiden (Po ion alpinae). Diese Gesellschaft ist in der Tabelle 1 wegen mangelnder Vegetationsaufnahmen nicht aufgeführt.
"
3 HOCHSTAUDENRIEDE (FILIPENDULION ULMARIAE SEGAL1966) Assoziationen und Pflanzengesellschaften der Hochstalldenriede (Filipendlllion lI/mariae) in der Schweiz
3.1 Allgemeines
Geranio-Filipenduletum ulmariae W. Koch 1926 Dieser Verband umfasst die Assoziationen der feuchten und nitrophi-
Valeriano-Filipenduletum len Hochstaudenfluren. Sie werden sehr selten gemäht und zeugen ulmariae Siss. in Westhoff et a1. häufig von der Aufgabe der Nutzung als Weide oder Streuwiese. 1946 In der Schweiz unterscheidet man folgende Assoziationen und Gesell- • Moor-Spierstauden- (Filipendula ulmaria) Gesellschaft oder schaften. Stadium ("Filipendula-Stadium" Die drei ersten Assoziationen oder Gesellschaften sind sich ökolo- bei deutschen Autoren) "
gisch sehr nahe. Deshalb wurden sie auf Vorschlag von F. Klötzli in • Polemonio caeruleae-Filipenduletum ulmariae Richard 1973 der Tabelle 4 in einer einzigen Assoziation zusammengefasst. (=Aconito pyramidali-Filipendu- Die botanische Zusammensetzung der verschiedenen Assoziationen letum Gallandat 1982, n. inva1.) kann der Tabelle 3 entnommen werden, und die wichtigsten ökologi- • lunco inflexi-Filipenduletum schen Parameter sind in Tabelle 4 wiedergegeben. ulmariae Berset 1969 (luncus injlexus-Gesellschaft Gallanda t 1982 inbegriffen) • Aconito pyramidalis-Chaero-
3.2 Valeriano ofJicinalis-Filipenduletum ulmariae Siss. in Westhoff phylletum cicutaria Gallandat
1982. et al.1946
Unter diesem Namen werden die drei folgenden Assoziationen oder Gesellschaften zusammengefasst:
Geranio-Filipenduletum ulmariae W. Koch 1926
Valeriano-Filipenduletum ulmariae Siss. in Westhoff et a1. 1946
Moor-Spierstauden- (Filipendula ulmaria) Gesellschaft oder -Stadium
Diese Einheit entwickelt sich auf Humus- und Torfböden mit hohen Tonanteilen, vorzugsweise wenn sie sauer und nährstoffreich sind. Man findet sie von der kollinen bis zur unteren subalpinen Stufe (BOLLER-ELMER, 1977; KLÖTZLI, 1969 und 1973).
In Abhängigkeit vom unterschiedlichen Säure- und Nährstoffgehalt des Bodens wurden verschiedene Untereinheiten beschrieben. Auf nicht kalkhaltigen Böden ersetzt das Valeriano-Filip enduletum ulmariae das Geranio-Filipenduletum ulmariae. Beide Gesellschaften haben in höheren Lagen Varianten, die reich an Berg-Kerbel (Chaerophyllum cicutaria) sind.
2.2.3 Tab. 3: In der Schweiz bekannte Arten / Assoziationen 1 2 3 4 5 6 Filipendulion-Assoziationen. Assoziationen:
1 Valeriano- Filipenduletum
Charakterarten der Assoziation ulmariae
2 Geranio-Filipenduletum
Valeriana officinalis (eingeschlossen V IV III II ulmariae V repens) 3 Filipendula ulmaria-Gesellschaft Geranium palustre V 4 Polemonio caeruleae-Filipen- Aconitum napellus III III duletum (=Aconito pyramidalis - Polemonium caeruleum IV Filipenduletum ulmariae) Filipendula ulmaria funcus inflexus V V V V V V 5 funco inflexi-Filipenduletum ulmariae mit der funcus inflexus- Cratoneuron filicinum V Gesellschaft HAND BUCH Chaerophyllum hirsutum V 6 Aconito pyramidali - Chaerophylletum hirsuti MOOR· Carex sylvatica IV SCHUTZ IN DER Die Aufnahmen (mindestens 10 pro SCHWEIZ Charakterarten des Verbandes, Assoziation) stammen von GALder Ordnung und der Klassen LANDAT (1982) und OBERDOR- FER (1983). Angelica sylvestris IV V III Die Häufigkeitsklassen sind: Caltha palustris III III IV IV 11 I Arten vorhanden in weniger als Calystegia sepium II 11 11 21 % der Aufnahmen Cardamine pratensis I 11 I I IV 11 in 21 bis 40 % der Aufnahmen Cirsium oleracum III IV II V III III in 41 bis 60 % der Aufnahmen Cirsium rivulare IV II IV in 61 bis 80 % der Aufnahmen Deschampsia cespitosa III II III 11 IV V in mehr als 81 % der Aufnahmen. Epilobium hirsutum II III 11 Galium palustre 11 III 11 Charakterarten der Geum rivale 11 11 11 11 IV Assoziation Knautia dipsacifolia IV Lysimachia nummularia I III Die Arten der höheren Einheiten Lythrum salicaria IV IV 11 II sind alphabetisch aufgeführt. Mentha longifolia III V IV Polygon um bistorta I IV III Sanguisorba officinalis 11 I III I Scirpus sylvaticus III III I IV Trollius europaeus 11 III Urtica dioica I 11 I II Vicia cracca I 11 IV 11
Im Mittelland und in den Voralpen kommt dieser Assoziation eine wichtige Rolle als Puffer gegen Nährstoffeinträge zu. Sie bildet einen Schutzgürtel um die oligotrophen Flachmooreinheiten (Caricion nigrae und davallianae) , indem sie Stickstoff und Phosphor aufnimmt. Vor allem in den Tallagen ersetzt sie häufig nach menschlichen Eingriffen das Molinion (Pfeifengras wiese ) 1m Kontaktbereich zum Magnocaricion (Grosseggenriedern; Klötzli, pers. Mitt.).
Tab. 4: Wichtigste ökologische Para- Geranio-Filipenduletum ulmariae, Valeriano-Filipenduletum ulmariae meter der in der Schweiz bekannten und Moor-Spierstauden-GeseUschaft oder -Stadium Filipendulion-Gesellschaften.
Röhenstufe Kollin bis montan Naturräumliche Verbreitung Mittelland und östliche Voralpen Standort Flussufer Boden Gley oder vergleyte Braunerde, anmoorig, basisch oder sauer, reich an N und P pR des Bodens 5 bis 7,4 Düngungs- und Natürliche und anthropogene Eutrophie- Degradationszeichen rung der Flussufer
Polemonio caeruleae - Filipenduletum
Röhenstufe Montan Naturräumliche Verbreitung östlicher Jura Standort Mäander und Flussufer, Wiesen und Weiden entlang von Bächen Boden Gley mit Torf, stickstoffreich pR des Bodens 6 bis 7 Düngungs- und Natürliche und anthropogene Eutro- Degradationszeichen phierung der Flussufer, sowie der +/- aufgelassenen Wiesen und Weiden
Junco inJlexi-Filipenduletum ulmariae
Röhenstufe Montan bis subalpin Naturräumliche Verbreitung östliche Voralpen Standort Feuchte Rangwiesen mit Wasseraustritten und Bachablagerungen Boden Mullgley, gut durchlüftet, immer feucht pR des Bodens 6,9 bis 7,3 Düngungs- und Eutrophierung der Gewässer und der Degradationszeichen Böden, oft beweidet; Vieh tritt durch Tiere die funcus inflexus meiden
Aconito pyramidalis - Chaerophylletum hirsuti
Höhenstufe Montan Naturräumliche Verbreitung östlicher Jura Standort Flussufer und Schluchtwälder Boden unbekannt pR des Bodens > 4,5 Düngungs- und Natürliche oder anthropogene Eutrophie- Degradationszeichen rung der Waldbäche
2.2.3 Die Moor-Spierstauden- (Filipendula ulmaria) Gesellschaft entspricht einer Variante oder einer verarmten Ausbildung der vorhergehenden Assoziation. Man findet diese Gesellschaft ebenfalls in feuchten Schluchtwäldern, die durch einen nährstoffreichen Bach gespeist werden. Die Moor-Spierstaude (Filipendula ulmaria) ist dort sehr dicht und kann eine Höhe von 1,50 bis 1,80 m erreichen. Unter normalen Umständen, das heisst im Randbereich von Mooren, zeigt diese Gesellschaft eine seit mehreren Jahren (10 Jahre und mehr) aufgegebene Mahd und eine ergiebige und kontinuierliche Nährstoffzufuhr (Stickstoff und Phosphor) an. 1 HAND BUCH MOOR- SCHUTZ
3.3 Aconito pyramidalis-Filipenduletum ulmariae Gallandat 1982 IN DER
SCHWEIZ
Man trifft diese Pflanzengesellschaft im Jura, hauptsächlich in der montanen Stufe zwischen 800 und 1 '000 m ü. M, an (RICHARD, 1973). Sie entwickelt sich entlang von Mäandern auf sehr stickstoffreichen, regelmässig von Hochwasser überschwemmten Auen- und Torfböden. Diese Überflutungen spielen somit die Rolle einer "natürlichen Mahd", indem sie die angehäufte Streue entfernen. Man begegnet dieser Gesellschaft ebenfalls in Wiesen und Weiden am Ufer von Bächen, die hohe Stickstoff- und Phosphorkonzentrationen aufweisen. Aus ökologischer Sicht befindet sie sich im Zentrum von mehreren Gesellschaften oder Assoziationen. GALLANDAT (1982) hat mehrere Sub assoziationen beschrieben, die mit Austrocknung (Tendenz zum Arrhenatheretum), Nährstoffverarmung (Tendenz zum Molinion und zum Caricion davallianae) oder Verlandung von Grosseggenriedern (Tendenz zum Magnocaricion) in Zusammenhang stehen.
GOBAT (1984) unterstreicht die grosse Produktivität dieser Assoziation, die im Mittel bei 500 g TS (Trockensubstanz)/ m2 / Jahr liegt und am Ufer von eutrophen Flüssen 790 g TS / m2 / Jahr erreichen kann. Ähnlich wie das Geranio-Filipenduletum ulmariae spielt sie als Puffervegetation eine unentbehrliche Rolle zum Schutze nährstoffärmerer Hoch- und Flachmooreinheiten (BOLLER-ELMER, 1977).
3.4 Junco injlexi-Filipenduletum ulmariae Berset 1969
Diese Assoziation entwickelt sich auf von Mull überlagerten Gleyböden über Moränen. Sie befindet sich unterhalb von Quellen mit schwacher Wasserführung und mit zeitweiligem oberflächlichem Was-
serabfluss. Es ist eine sehr homogene Assoziation, die auf wenig geneigten Hängen bei allen Expositionen vorkommt. Sie scheint sel- Juncus inflexus- und Carex ten zu sein und ist in den Voralpen zwischen 750 und 1'160 m anzutref- hirta-Gesellschaft im Jura fen (BERSET, 1969; YERLY, 1970). GALLANDAT (1982) beschreibt eine luncus inflexus- Charakteristisch für diese Assoziation ist das Vorhandensein von zwei und eine Ca rex hirta-Gesellschaft im Jura ohne eine Vegeta- Grundwasserspiegeln. Der obere ist oberflächennah und vom Regen tionstabelle beizulegen und abhängig und damit temporären Schwankungen unterworfen; der rechnet sie zum Calthion. Sie untere und permanente befindet sich in einer bestimmten TIefe. Der scheint aber zum Mentho longi- Boden trocknet also an der Oberfläche nie aus, sondern bleibt nass foliae-luncetum inflexi Lohm. 1953 zu gehören, das mit dem (YERLY, 1970). Diese Dauerfeuchtigkeit könnte für die Keimung Agropyro-Rumicion verwandt einer der Charakterarten, der Blaugrünen Binse (Juncus inflexus) , ist. Gallandat erklärt, dass diese unentbehrlich sein, wobei die ausgewachsenen Pflanzen zeitweise an Gesellschaft infolge der Abnahme der Beweidungsintensität allder Oberfläche austrocknende Böden problemlos ertragen. mählich zum Polemonio caerulae-Filipenduletum ulmariae Diese Assoziation gedeiht auf ehemaligen Eschenwaldstandorten. übergeht. Ähnlich wie im lunco Man trifft sie in Weiden an, wo sie kaum gefressen werden, da das inflexi-Filipenduletum ulmariae ist die Moor-Spierstaude (Fili- Vieh die harten und borstigen Stengel der Simsen meidet. Der Weide- pendula ulmaria) nur schwach gang begünstigt die vegetative Vermehrung von Juncus inflexus. vertreten.
2.2.3 4 BEDEUTUNG FÜR DEN NATURSCHUTZ
4.1 Pufferwirkung
Aufgrund ihrer Lage im Randbereich der Moore übernehmen die Gesellschaften des Calthion und des Filipendulion eine sehr wichtige Pufferfunktion. Sie puffern das aus der mit Jauche oder Mist gedüngten Umgebung abfliessende stickstoff- und phosphorreiche Wasser ab, indem sie die Nährstoffe aufnehmen. Damit vermeiden oder vermin- 1 dern sie den Eintritt von Dünger in die feuchten, an magere Standorte HAND BUCH gebundenen Vegetationseinheiten, wie z.B. K1einseggenriede (Carici- MOORon davallianae und nigrae) und Hochmoore. SCHUTZ INDER SCHWEIZ Calthion und Filipendulion besitzen somit funktionell eine Pufferwirkung für empfindlichere Moorbereiche. Ihre Ausbreitung, vielerorts auf Kosten nährstoffarmer Moorvegetation, ist auch ein Zeugnis für Nährstoffeinträge aus der Umgebung. Beide Verbände sind als Flachmooreinheiten des Bundesinventares erfasst und sind wie alle anderen Einheiten mit ökologisch ausreichenden Pufferzonen vor Nährstoffeinträgen zu schützen (vgl. Band 1, Beitrag 2.1.2). Die Existenz dieser Vegetationseinheiten im Randbereich eines Moores entbindet daher keinesfalls von der Ausscheidung einer Pufferzone.
4.2 Botanische Bedeutung
Eine grosse botanische Vielfalt (25 bis 30 Arten / 25 m 2 für das Calthion und manchmal mehr) und das Vorkommen von sehr seltenen Arten (z.B. Duftendes Mariengras; Hierochloe odorata; vgl. GALLANDAT, 1975) sind ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und zur Schönheit der Landschaften. Wie andere Pflanzengesellschaften sind die Nasswiesen im Jura und in den Voralpen Zeugen einer traditionellen Landwirtschaft. Sie sind die produktivsten Moorstandorte. Das Aconito pyramidalis-Filipenduletum ulmariae (Filipendulion) und das Trollio europaei-Cirsietum salisburgensis (Calthion) enthalten die wichtigsten botanischen Seltenheiten (vgl. Tab. 5) beider Verbände.
4.3 Zoologische Bedeutung
Obwohl die faunistischen Daten sehr lückenhaft sind, gibt es doch eine ziemlich grosse Vielfalt an Vogel- und Falterarten, sowie einige
Tab. 5: Seltene oder gefährdete Hierochloe odorata Arten, die im Calthion oder Filipendulion vorkommen. Assoziationen • Trollio europaei - Cirsietum salisburgensis • Caricetum davallianae
Gefährdungsstufen nach • Caricetum nigrae In der Schweiz stark gefä hrdet (E) Landolt (1991) (6 bekannte Fundorte oder Fundortgruppen)
Fritillaria meleagris
Assoziationen • Aconito pyramidalis - Filipenduletum u/mariae • Trollio europaei - Cirsietum salisburgensis Gefährdungsstufen nach In der Schweiz stark gefährdet (E) , kommt Landolt (1991) einzig im Jura vor
Iris sibirica
Assozia ti onen • Aconito pyramidalis - Filipenduletum ulmariae • Molinion Gefährdungsstufen nach Gesamtschweizerisch gefährdet (V) Landolt (1991)
Calamagrostis lanceolata
Assoziationen • A conito pyramidalis - Filipenduletum ulmariae Gefährdungsstufen nach Gesamtschweizerisch gefährdet (V) Landolt (1991)
Spinnen arten, die an die beiden Verbände gebunden sind (GON- SETH, 1987; SBN, Hrsg., 1987; Mulhauser, pers. Mitt.). Die Produktivität bei den Tieren ist ebenfalls hoch, wie die grossen Populationen von pflanzenfressenden Dipteren- und Orthopteren- Arten zeigen. Zugleich ist diese Produktivität für die Räuber dieser Insektengruppen günstig, die einen Teil ihres Lebenszyklus in den beiden Verbänden oder in deren Umgebung verbringen (z.B. in Hochmooren und den landwirtschaftlich genutzten Wiesen; Arrhenatherion, Polygono-Trisetion). Die hohe und dichte Struktur sowie die botanische Zusammensetzung machen aus dem Filipendulion ein für die Fauna wichtiges Rückzugsgebiet und eine Nektarquelle.
2.2.3 Die Spinnen Einige Piratenspinnen (Dolomedes- und Pirata-Arten) leben in den Hochmoorschlenken und jagen im Calthion. Micromata virescens ist eine Spinne, die das Hochstaudenried (Filipendulion) entlang der Hochmoore besiedelt.
Die Falter Wenn sie dichte Bestände am Rande der Flüsse und auf feuchten Brachflächen bildet, ist die Moor-Spierstaude (Filipendula ulmaria Wirtspflanze für den Violetten Silberfalter (Brenthis ino). Er gilt in 1 der Schweiz als gefährdet. HAND BUCH Der N atterwurzperlmutterfalter (Clossiana titania) ist eine Art der MOOR· SCHUTZ montanen und subalpinen Stufe. Hauptwirtspflanze ist der Schlangen- IN DER SCHWEIZ Knöterich (Polygon um bistorta). Diese Art verträgt die jährliche Mahd der Wiesen, in denen sie lebt, gut. Die Art gilt in der Schweiz als gefährdet. Der Blauschillernde Feuerfalter (Lycaena helle) hat als einzige Wirtspflanze den Schlangen-Knöterich. Er lebt nur im Jura und auf der Alpennordseite. Die Entwässerung und der Viehtritt stellen die wichtigsten Gefahren für seine Populationen dar. Er gilt in der ganzen Schweiz als stark gefährdet. Der Dunkle Moorbläuling (Maculinea nausithous) hat den Grossen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis; Calthion und weitere Wiesenverbände) als Wirtspflanze. Um ihren Lebenszyklus abzuschliessen, muss die Raupe von einer Roten Waldameise, (Formica sp.), die in den umgebenden Wiesen lebt (Arrhenatherion, Polygono- Trisetion ) ernährt werden. Die Art gilt in der ganzen Schweiz als stark gefährdet.
Die Vögel Zum Nisten sucht der Feldschwirl (Locustella naevia) die Hochstaudenriede (Filipendulion) auf (GLAYRE und MAGNENAT, 1984). Der Wiesenpieper (Anthus pratensis) ist eine Hochmoor-Art. Er ernährt sich aber von Schnaken (Tipulidae) , die sich in bestimmten Calthion- Pflanzenarten entwickeln. Der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) lebt zwischen den umgebenden Weiden (Salix, verschiedene Arten) und dem Filipendulion. Das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) nistet oft in den Hochstaudenrieden des Filipendulion. Es bevorzugt hohe Stauden, die es als Beobachtungsposten und Singwarte nützt.
LITERATUR GONSETH, Y. (1987): Atlas de dis- DANK tribution des papilIons diurnes de Suisse (Lepidoptera, Rhopalocera). BALATOVA-TULACKOVA, E. Der Autor dankt folgenden Perso- Doc. faun. helv. 5, 242 S. (1987a): Ecologie des milieux nen für ihre Informationen: humides: prairies et mai-ais. Giorn. Dr. B. Bressoud, Dr. W. Dietl, KLÖTZLI, F. (1969): Die Grund- Bot. !tal. 121: 87-99. Prof. I-D. Gallandat, Prof. F. Klötzli, wasserbeziehungen der Streu- und Moorwiesen im nördlichen Schwei- Dr. K. Marti, G. Mulhauser, BALATOVA-TULACKOVA, E. Dr. I-P. TheuriHat und B. von Wyl. zer Mittelland. Mat. Leve Geobot. (1987b): Beitrag zur Kenntnis der de la Suisse 52, 296 S. Feuchtwiesen des Gebirges. Hostynske vrchy, Tüxenia 7, KLÖTZLI, F. (1973): Waldfreie 199-213. Nassstandorte der Schweiz. Veröff. Geobot. Inst. ETH Stiftung Rübel, .. BERSET, I (1969): Päturages, .'. Zürich, 51: 15-39. ADRESSE DES AUTORS prairies et marais montagnards et subalpins des Prealpes fribour- LANDOLT, E. (1991): Gefährdung geoises. Editions universitaires, Patrick Charlier der Farn- und Blütenpflanzen in der Fribourg, 55 S. Av. Ste-Clotilde 22 Schweiz, BUWAL-Reihe Rote Listen, EDMZ, Bern, 185 S. 1205 Genf BOLLER-ELMER, K. (1977): Stickstoff-Düngungseinflüsse von SBN (Hrsg. 1987): Tagfalter und ihre Intensiv-Grünland auf Streu- und Lebensräume. Basel, 512 S. Moorwiesen. Veröff. Geobot. Inst. Stiftung Rübel, 63, Zürich, 103 S. OBERDORFER, E. (Hrsg., 1983): Süddeutsche Pflanzengesellschaften. FELDMEYER, E. (1990): Etude Teil III, 2. Aufl., Gustav Fischer, ÜBERSETZUNG phyto-ecologique des tour bieres des Franches-Montagnes (cantons du Jura et de Berne, Suisse). Mat. Leve Ilsegret Messerknecht RICHARD, I-L. (1973): Apropos Geobot. de la Suisse, 66, 163 S. biol. lic. sc.!traductrice agreee de la sociologie de la Fritillaire pin- Chante-Brise tade (Fritillaria meleagris L.) dans le GALLANDAT, I-D. (1975): 1891 Verossaz Jura. Bull. Soc. Neuchätel. Sci. Nat. Apropos de la sociologie de 96: 5-15. Hierochloe odorata ala Vallee de Joux (Jura suisse). Bull. Soc. Handbuch YERLY, M. (1970): Ecologie com- Neuchätel Sci. Nat. 98, 113-123. Moorschutz paree des prairies marecageuses in der Schweiz 1 dans les Prealpes de la Suisse occi- GALLANDAT, I-D. (1982): 2/1996 dentale. Veröff. Geobot. Inst. Stif- Prairies marecageuses du Haut-Jura. tung Rübel, Zürich, 44,119 S. Mat. Leve Geobot. de la Suisse, 58,
180 pp. + annexes.
GLAYRE, D.! MAGNENAT, D. (1984): Oiseaux nicheurs de la hau.te vallee de l'Orbe. Nos oiseaux, fasclcule special du volume 37,130 S.
GOBAT, I-M. (1984): Importance des bord ures de tour bieres pour la protection des hauts-marais: exemple de deux tourbieres du Jura suisse. BuH. Soc. Neuchätel, Sci. Nat. 107: 25-38.
BENOIT BRESSOUD / GIANFRANCO GIUGNI
Beschreibung der Pflanzengesellschaften der Kleinseggenriede (CARICION DAVALLIANAE / CARICION FUSCAE) 2.2.4 1 EINLEITUNG Im Inventar der Flachmoore Die Klasse der Kleinseggenbestände (Scheuchzerio-Caricetea fuscae (vgl. Band 1, Beitrag 2.2.1) wird das Caricion davallianae vom (Nordh. 1937) Tx. 1937) umfasst drei Ordnungen: Caricion fuscae auf Grund der • Scheuchzerietalia palustris Nordh. 1937: Übergangsmoor- und zwei folgenden Kriterien unter- Schlenkengesellschaften (vgl. Band 1, Beitrag 2.2.6) schieden:
,
es kommen mindestens 5
Caricetalia fuscae Koch 1926 em. Nordh. 1937 basiphile Arten der Kleinseg-
CaricionJuscae Koch 1926 em. Klika 1934 genriede auf 4 m2 vor (in der
Caricetalia davallianae Br.-BL 1949 alpinen Stufe reichen 3 basiphile
Caricion davallianae Klika 1934 Arten, um dem Kriterium zu entsprechen, weil sie hier von HAND
Caricion atroJusco-saxatilis Nordh. 1943 Natur a us selten sind). BUCH
Deckungsgrad dieser glei- MOOR- Die hygrophilen Pioniergesellschaften des Caricion atrofusco-saxatilis chen Arten ist höher als der SCHUTZ IN DER Deckungsgrad der anderen SCHWEIZ sind selten und nehmen nur kleine Flächen in den Flachmooren der Arten. subalpinen und alpinen Stufen, vor allem in den inneren Alpen, ein. Sie werden daher in diesem Beitrag nur kurz besprochen.
2 BASISCHES KLEINSEGGENRIED (CARICION DAVALLIANAE Klika 1934) Verbreitung des Caricion davallianae Es werden nur die wichtigsten Literaturangaben zitiert. Ein vollständi- Dieser Verband kommt in der ges Literaturverzeichnis findet sich in GIUGNI (1991) . Schweiz von den Tallagen bis 2'300 m Ü. M vor, mit einer maximalen Konzentration zwischen 1 '200 und 1'600 m. Flächenmäs-
2.1 Ökologie und Soziologie des Verbandes sig liegt er an erster Stelle im
Inventar der Flachmoore von Das Caricion davallianae Klika 1934 (= Eriophorion Latifolii Br.-Bl. & nationaler Bedeutung (vgl. Tab. 1, Band 1, Beitrag 2.2.1). Er ist Tüxen 1943) umfasst Pflanzengesellschaften der Flachmoore und der hauptsächlich in den Flysch- Hangmoore, die sowohl auf kalkhaltigen Mineralböden als auch auf Voralpen und auf Tonböden der Silikatböden über Gley, auf Anmoor oder anderen Humusarten, auf Bündner Alpen verbreitet. mesotrophen Torfböden oder seltener auch auf sauren Torfen mit Torfmoosen vorkommen.
Die meisten Caricion davaLlianae-Gesellschaften sind durch hohe Grundwasserstände oder an die Oberfläche reichendes Grundwasser charakterisiert, das neutral bis alkalisch, oligo-mesotroph und arm bis sehr arm an gelöstem Sauerstoff ist.
Die Hauptparameter, die eine ökologische Unterscheidung der Vege- Tab. 1: Liste der Charakterarten tationseinheiten des Caricion davallianae erlauben, sind mit abneh- des Caricion davallianae mender Bedeutung folgende: das Substrat, die Höhenlage, die Mine- 1 Caricetum davallianae ralelemente des Bodens und der Grundwasserstand (GIUGNI, 1991). Dutoit 1924 1a galietosum uliginosi Giugni 1991 Die örtliche Topographie spielt ebenfalls eine Rolle. 1b caricetosum flaccae Gallandat Das Caricion davallianae umfasst in der Schweiz 8 Assoziationen. 1c typinun Görs 1963 1d caricetosum elatae Klötzli 1969 Eine Liste der Charakter- und Differentialarten des Verbandes, der 3 1e caricetosum ferruginei (Höhn Hauptassoziationen und deren Subassoziationen in der Schweiz ist in 1936) Giugni 1991 Tabelle 1 aufgeführt. 1f scirpetosum cespitosi Beger 1922
2 Schoenetum nigricantis
Koch 1926 em. Oberdorfer 1957
2.2 Davallseggengesellschaft - Caricetum davallianae Dutoit 1924 3 Primulo farinosae-Schoenetum
ferruginei (Beger 1922) Oberdorfer 1957
2.2.1 Soziologie
3a typicum Oberdorfer 1962 Das Caricetum davallianae ist eine sehr komplexe Assoziation. Eine 3b equisetosum variegati Gallandat ausführliche Synthese für die Schweiz steht noch aus. GÖRS (1963) 1982 hat eine Synthese auf mitteleuropäischer Ebene skizziert, die die 3c caricetosum elatae (Voll. 1947) Klötzli 1969 Komplexität dieser Gemeinschaft nach zwei Hauptachsen darlegt: eine geographische Achse (geographische, an klimatische oder geschichtliche Bedingungen gebundene Rassen) und eine Höhenachse. Beachtet man das praktische Ziel dieses Beitrages, so können die wichtigsten Subassoziationen des Caricetum davallianae in der Schweiz provisorisch nach dem Modell der Höhenunterteilung von Dietl (DIETL, 1972 und 1975) zusammengefasst werden: Verbreitung des Caricetum
kolline und untere montane Stufe: galietosum uliginosi Giugni davallianae 1991, Das Caricetum davallianae
montane Stufe: caricetosum flaccae Gallandat 1982, kommt in ganz Mitteleuropa
montane und subalpine Stufe: typicum Görs 1963, vor. Man trifft es in der Schweiz zwischen 400 und 2'330 m Ü. M.
kolline bis subalpine Stufe: caricetosum elatae Klötzli 1969, an (Joatapass, GR).
obere montane bis subalpine Stufe: caricetosum jerruginei (Höhn In den Voralpen und in den Al- 1936) Giugni 1991, pen ist die Assoziation vor allem auf Flysch gut repräsen-
obere montane bis alpine Stufe: scirpetosum cespitosi Beger 1922, tiert. Sie fehlt hingegen in den
subalpine und alpine Stufen: kobresietosum simpliciusculae (Hartl Kalk-Voralpen, wo die Hänge 1974) Bressoud 1989. steil und die Böden durchlässig sind. In Graubünden ist sie relativ selten und im Tessin (Ge-
2.2.2 Ökologie gend zwischen Gotthard und
Dem floristischen Kontinuum des Caricetum davallianae entspricht Lukmanier) selten. Sie kommt ein ökologisches Kontinuum. Die ökologischen Ansprüche der 3 ver- im Mittelland selten und nur vereinzelt vor, ist dafür im Jura breitetsten Subassoziationen sind folgende: zwischen 860 und 1'070 m Ü. M. • typicum (sehr unterschiedliche mittlere Höhe der Vegetation: von häufiger. 35-40 cm bis über 100 cm): entwickelt sich genau so gut auf kalkhalti-
2.2.4 km m ms ks ms ma km ms k m
Charakterarten Carex davalliana X X X X X X x x x Eriophorum latifolium X X X X X X x X x Carexflava X x X X Sehoenus nigrieans X x x Spiranthes aestivalis V X Sehoenus ferrugineus x X X x I Carex hostiana X X X x X x Daetylorhiza inearnata X x HAND Epipactis palustris X x x BUCH Pinguicula vulgaris (x) X X X X x X MOOR· SCHUTZ Tofieldia ealyeulata X x X x X IN DER Carex lepidocarpa x SCHWEIZ Differentialarten der geographischen Verbreitung funeus artieulatus x X X x X funcus alpinus x X x x Swertia perennis x x X Calyeocorsus stipitatus x Differentialarten der Höhenstufen Galium uliginosum X x Primula farinosa X X x X X X x X Bartsia alpina X x X X x Selaginella selaginoides X X x Aster bellidiastrum X X X X x funGus triglumis x Differentialarten der Untereinheiten Carex flaeea X X X x Ca rex puliearis X Rhinanthus minor X x Blysmus compressus x Trifolium pratense X (x) X Carex elata x X X Carex ferruginea X Seirpus cespitosus X Scirpus hudsonianus (x) Carex echinata x Drosera angliea V X Orchis laxiflora ssp. palustris E x Equisetum variegatum X
k: kollin ma: montan alpin S: Gefährdung (nach km: kollin bis montan X: häufige bis sehr häufige Art LANDOLT,1991): ks: kollin bis subalpin x: häufige Art E stark gefährdet m: montan (x): gelegentliche Art V gefährdet ms: montan bis subalpin
.. .
gem, organischem Untergrund wie auf torfigen Böden (pH des Wasser schwankend von 5,0 bis 7,0).
caricetosum jerruginei (mittlere Höhe der Vegetation: 40 cm): sie entwickelt sich auf Torf in der montanen Stufe, fast immer nordexponiert.
scirpetosum cespitosi (mittlere Höhe der Vegetation: 20-35 cm): es handelt sich um die häufigste Subassoziation der subalpinen Stufe. Sie bildet dichte und durchgehende Rasen der Rasigen Haarbinse (Scirpus cespitosus), ist gelb-braun gefärbt, artenarm, und kommt ausschliesslich auf torfigen Böden vor.
2.3 Gesellschaft der Schwarzen Koptbinse - Schoenetum nigricantis
Koch 1926 em. Oberd. 1957 Verbreitung des Schoenetum nigricantis
2.3.1 Soziologie Diese Assoziation ist im Mittel-
Der pflanzensoziologische und ökologische Unterschied zwischen land und in den tieferen Lagen Schoenetum nigricantis und Primulo-Schoenetum jerruginei ist oft der Voralpen weit verbreitet (KLÖTZLI, 1969). Sie ist aber schwierig auszumachen, zumal sich die Verbreitungsgebiete der aus der Rhoneebene verschwun- Schwarzen Kopfbinse (Schoenus nigricans) und der Rostroten Kopf- den (GIUGNI, 1985). In Graubinse (S jerrugineus) und ihrer Bastarde (Schoenus x intermedius) bünden ist sie selten und kommt überlappen. Eine Synthese dieser beiden Gesellschaften in der zwischen 600 und 1'250 m Ü. M. vor (BRAUN-BLANQUET, Schweiz steht noch aus. 1971). Auf der Alpensüdseite sind nur noch einige hundert Das Schoenetum nigricantis wird durch eine einzige Art charakteri- Quadratmeter in stark degradiertem Zustand vorhanden. siert: Schoenus nigricans. Die häufigsten Differentialarten in der Schweiz sind Sommer-Wendelähre (Spiranthes aestivalis) , Langblättriger Sonnentau (Drosera anglica) und Breitblättriger Sonnentau (D. obovata).
2.3.2 Ökologie
Das Schoenetum nigricantis (Vegetationshöhe: 35-45 cm, bis 65 cm) ist typisch für nährstoffarme, kalk reiche Lebensräume. Es entwickelt sich sowohl auf durchlässigem, sandigem Substrat als auch auf sehr feuchtem, kalkhaltigem Tuff, oft fein zersetzt und von zahlreichen Muscheln angereichert, aber nie auf Torf. Die von dieser Assoziation besiedelten Hangmoore werden häufig von Oberflächenwasser durchflossen.
2.2.4
2.4 Primulo Jarinosae-Schoenetum Jerruginei (Beger 1922) Oberdorfer 1957 Verbreitung des Primulo farinosae-Schoenetum felTUginei
2.4.1 Soziologie
Diese Assoziation trifft man bis Die in der Schweiz beschriebenen wichtigsten Sub assoziationen sind zur oberen Grenze der subalpifolgende: nen Stufe an (ZOBRIST, 1935). Sie ist im Mittelland am besten
(kolline), montane und subalpine Stufe: typicum Oberdorfer 1962 repräsentiert (KLÖTZLI, 1969).
kolline Stufe: caricetosum elatae (Vollmar 1947) Klötzli 1969 und In den Voralpen und in den stachyetosum officinalis Klötzli 1969 Alpen (montane und subalpine
montane Stufe (lac de Joux): equisetosum variegati Gallandat 1982. Stufe) ist sie gut repräsentiert. I Sie ist im Jura selten und fehlt im HAND Süden der Alpen. BUCH
2.4.2 Ökologie MOOR·
Das Primulo farinosae-Schoenetum ferruginei besiedelt Standorte mit SCHUTZ IN DER SCHWEIZ kalkhaltigem Oberboden. Der Grundwasserspiegel reicht immer an die Oberfläche, wodurch es eine der wenigen Primärgesellschaften des Caricion davallianae ist. Es gibt Oberböden (Subassoziation equisetosum variegati) oder Torfböden. Die Schwarze Kopfbinse (Schoenus nigricans) wächst nie auf Torf mit kalkhaltiger Oberfläche (GIUGNI, 1991).
2.5 Juncus subnodulosus-Gesellschaften (Juncetum subnodulosi
(Allorge 1922) Koch 1926)
2.5.1 Soziologie
DIERSSEN (1982) rechnet das funcetum subnodulosi zum Caricion davallianae, wobei er einräumt, dass der Status dieser Pflanzengesell- Verbreitung der Juncus subschaft nicht geklärt ist. In der Schweiz findet man die Knoten-Binse nodulosus-Gesellschaften
(funcus subnodulosus) im Caricion davallianae, im Magnocaricion, im Die Juncus subnodulosus-Ge- Molinion, im Calthion, im Filipendulion und im Phragmition. Es ist sellschaften kommen im Tal bis also besser von funcus subnodulosus-Gesellschaften zu sprechen. auf ca. 1'000 m Ü. M. vor. Sie sind sehr häufig im Mittelland, KLÖTZLI (1969) schlägt vor, mit diesem Taxon jene von Nährstoff- relativ selten in den westlichen einträgen beeinflussten Ausbildungen von Assoziationen zu benennen. Voralpen und abwesend im Süden der Alpen.
2.5.2 Ökologie
Die luncHs subnodulosus-Gesellschaften bilden relativ dichte, sehr oft artenarme Wiesen (häufig trifft man nur Binsen an), auf sehr feuchten, kalkreichen Böden. In den Hangmooren entwickeln sie sich nur auf kalkhaltigem Untergrund oder in Gegenwart von Quellwasser, das sehr basenreich ist.
2.6 Eleocharis quinquejlora- und Triglochin palustris-Gesellschaft
(Eleocharitetum pauciflorae Lüdi 1921)
Diese seltene Gesellschaft stellt ein Initialstadium des Caricion davallianae in den subalpinen und alpinen Stufen dar. Sie entwickelt sich auf unterschiedlich torfhaitigen Böden, im Kontakt mit kalkhaltigem Wasser (pH 6,5 - 8.9). Charakteristisch für die dichte Moosschicht ist das Vorkommen typischer arktisch-alpiner Arten. Die Gesellschaft ist aus dem Berner Oberland, dem Wallis, dem Tessin und dem Jura bekannt.
2.7 Kaltseggengesellschaft - Caricetumfrigidae Rübel19U
Das Caricetum jrigidae Rübel1912 kommt auf saurem oder kalkhaltigem Substrat in der subalpinen und alpinen Stufe entlang von Quellrinnsalen und Schmelzwasserbächen vor. Es weist Ähnlichkeiten mit den Pioniergesellschaften des Caricion atrofusco-saxatilis und den Quellfluren des Cratoneurion commutati auf. Die Kalt-Segge (Carex jrigida) ist die einzige Charakterart dieser Assoziation.
2.8 Juncetum alpini (Oberd.1957) 1960
Das Juncetum alpini ist eine montane Pioniergesellschaft sandiger oder kiesiger Auen der voralpinen und alpinen Gewässer. Charakterarten sind die Alpen-Binse (Juncus alpinus) und der Bunte Schachtelhalm (Equisetum variegatum).
2.9 Equiseto variegati-Typhetum minimae Br.-Bl. apud Volk 1940
Diese Pflanzengesellschaft besiedelt feinkörnige und kalkhaltige Alluvionen der Voralpen und der Alpen. Die früher verbreitete Gesellschaft ist wegen der Gewässerkorrektionen und der Wasserentnahmen selten und lokal geworden. Der Kleine Rohrkolben (Typha minima) ist die einzige Charakterart.
2.2.4 3 HYGROPHILE PIONIERFLUREN MIT KLEINSEGGEN (CARICION ATROFUSCO-SAXATILIS Nordhagen 1943)
Das Caricion atroJusco-saxatilis Nordhagen 1943 (= Caricion maritimae Br.-Bl. (in Volk 1940) 1971, Caricion bicolori-atroJuscae (Nordh. 1936) de Molenaar 1976) besitzt eine arktisch-altaisch-alpine Verbreitung. Seine Charakterarten sind seltene oder gefährdete Glazialrelikte (LAN- DOLT, 1991). Die Tabelle 2 präsentiert die Liste der Charakterarten des Verbandes und der vier Assoziationen in der Schweiz. Ein vollständiges Literaturverzeichnis wird in BRESSOUD (1989) aufgeführt. 1 HAND BUCH MOOR· Gattung s 1 2a 2b 3a 3b 3e 4 Tab. 2: Liste der Charakterarten des SCHUTZ IN DER Caricion atrofusco-saxatilis SCHWEIZ
funcus arcticus v x x 1 Juncetum arctici (Gams 1927) Carex maritima V x x Bressoud 1989 Ca rex bicolor V x x x x x Carex microglochin V x x x x 2 Junco triglumis-Caricetum bico- Tofieldia pusilla x x x loris Doyle 1952 Scirpus pumilus x x 2a. caricetosum maritimae Bressoud Kobresia simpliciuscula V x 1989 Carex atrofusca R x 2b. caricetosum bicoloris (Lid 1954) Bressoud 1989
3 Caricetum microglochinis Nordhagen 1928
Das Caricion atrofusco-saxatilis ist im gesamten Alpenraum selten. Seine Vorzugsbiotope sind Auen, fluvio-glaziale Terrassen, Flachmoo- 4 Caricetum atrofusco-vaginatae Nordhagen 1943 re und Hangmoore. Es handelt sich um Lebensräume, die als Folge von Überschwemmungen, Verschiebungen, Wassereinflüssen oder S: Gefährdung (nach LAN- Bodenbewegungen dynamisch sind. Der Relikt-Charakter des Ver- DOLT (1991): E: stark gefährdet bandes ist zugleich historisch und ökologisch. V: gefährdet R: selten Mit dem Bau von Staudämmen sind zahlreiche alpine Standorte des Caricion atroJusco-saxatilis durch Überflutung zerstört worden. Weitere Beeinträchtigungen rühren von der tiefgreifenden Veränderung des Wasserhaushaltes durch Gewässerkorrektionen, Wasserentnahmen, Entwässerungen und Kiesgewinnung her oder gehen auf die Einrichtung von Freizeitzonen zurück.
Wegen der geringen Flächen, die vom Verband eingenommen werden, konnte er im Flachmoorinventar nicht vom Caricion davallianae unterschieden werden. Der Verband und seine Charakterarten sind so selten, dass für Falchmoore und Auen mit entsprechenden Vorkommen ein ganz spezieller Schutz angezeigt ist.
4 SAURES KLEINSEGGENRIED (CARICION FUSCAE Koch
1926 em. Klika 1934)
4.1 Ökologie und Soziologie des Verbandes
Das Caricion fuscae (= Caricion canescenti-fuscae (Koch 1926) N ordh. 1936, Eriophorion scheuchzeri Hadac 1939) umfasst die Pflanzengesellschaften der sauren Flachmoore. Man trifft es vor allem in der subalpinen und alpinen Stufe auf Silikat. In der Schweiz steht es hinter dem Caricion davallianae und dem Calthion-Filipendulion flächenmässig an dritter Stelle der Einheiten, die im Flachmoorinventar unterschieden werden. Seine Vorkommen sind lokal sehr ungleichmässig verteilt (vgl. Tab. 1, Band 1, Beitrag 2.2.1).
In der Schweiz gibt es drei Assoziationen des Caricion fuscae:
Caricetum goodenowii Br.-Bl. 1915
Carici curto-Agrostietum caninae Tx. 1937
Eriophoretum scheuchzeri Rübel1912.
Die Charakterarten des Verbandes und der Assoziationen sind in Tabelle 3 aufgeführt.
Tab. 3: Liste der Charakterarten des Gattung 1 2 3 Caricion fus cae
1 Caricetum goodenowii Br. BI. 1915
Carex curta x x
2 Carici curto-Agrostietum caninae
Ca rex echinata x Tx.1937 Carex magellanica x Ca rex nigra x x x 3 Eriophoretum scheuchzeri Rübe] Drepanocladus aduncus x 1992 Eriophorum angustifolium x x x Eriophorum scheuchzeri x funcus filiformis x x Phleum alpinum ssp. alpinum x Viola palustris x x
DifferenziaIarten Agrostis canina x x Carex lachenalii x Drepanocladus exannulatus x x
2.2.4
4.2 Braunseggengesellschaft - Caricetum goodenowii Br.-BI.1915
Verbreitung des Caricetum goo-
4.2.1 Soziologie denowii
Die Braune Segge (Carex nigra), die der Assoziation ihren Namen ge- Das Caricetum goodenowii ist in geben hat, (= C. fusca, C. goodenowii) hat wegen ihrer grossen ökolo- arktisch-alpinen Gebieten angegischen Spannweite nur einen geringen Indikationswert. Das Carice- siedelt. In der Schweiz ist seine Verbreitung unterschiedlich. In tum magellanici Osvald 1923 ist im Caricetum goodenowii inbegriffen. den Freibergen bedeckt es ziemlich grosse Flächen. Im hohen Das Scirpetum cespitosi Rübel1912 der Alpen und der Voralpen stellt Kalkjura ist es eher schlecht enteinerseits ein durch Weide oder Mahd bedingtes Degradationsstadium wickelt. Im Norden der Alpen I ist clie Assoziation wesentlich HAND der basischen (Caricetum davallianae) oder sauren (Caricetum goode- weniger verbreitet als das Cari- BUCH nowii) Flachmoore dar. Andererseits kann es ein Übergangsstadium cetum davallianae und kommt MOORdieser Flachmoore zu subalpinen Borstgrasrasen (Nardetum alpige- vor allem in den subalpinen Stu- SCHUTZ IN DER fen vor (1'200-1'500 m ü. M.). SCHWEIZ num) oder zu Hochmooren (Sphagnion magellanici) darstellen. Es ist Sie ist gewöhnlich in den inneren also gerechtfertigt, das "Scirpetum cespitosi", mit BRAUN-BLAN- Alpen und im Süden der Alpen QUET (1971) als heterogen zu bezeichnen und eine Sub assoziation in den montanen, subalpinen und alpinen Stufen (1'600-2'600 Scirpetosum cespitosi im Caricetum davallianae und im Caricetum m ü. M) zu finden. Es ist die mit goodenowii zu unterscheiden. Die Rasige Haarbinse (Scirpus cespito- Abstand am meisten verbreitete sus) ist ebenfalls in den Hochmooren verbreitet. Flachmoorgesellschaft der alpinen Stufe. Das Caricetum davallianae und Caricetum rostratae
4.2.2 Ökologie kommen auf dieser Stufe sehr
Das Caricetum goodenowii bildet dichte, artenarme Rasen von 15 - 20 selten vor, und Eriophoretum cm Höhe auf sauren, torfhaitigen Böden. scheuchzeri ist nur lokal vorhanden. Im Jura oft beweidet, ist diese Assoziation auf die Umgebung der Hochmoore begrenzt oder ersetzt sie auf flachen oder leicht geneigten Böden nach einer Entwässerung oder einer Torfnutzung als sekundäre Gesellschaft. GALLANDAT (1982), BUTTLER et al., (1983) und FELDMEYER-CHRISTE (1990) haben mehrere Subassoziationen unterschieden. Der Aspekt und die floristische Zusammensetzung (Dominanz von Rot-Schwingel, Festuca rubra; Schlangen-Knöterich, Polygonum bistorta; Pfeifengras, Molinia caerulea; Rasen-Schmiele, Deschampsia cespitosa und Wohlriechendes Geruchgras, Anthoxanthum odoratum) auf abgetorften Flächen können sich sehr stark von denen der übrigen sauren Flachmoore unterscheiden.
In den Alpen und Voralpen findet sich die Assoziation in kleinen Senken mit stehendem Wasser oder an leicht geneigten Hängen, wo die ständige Wassersättigung eine relativ mächtige Torfschicht entstehen lässt. Sie folgt öfters auf das Caricetum rostratae und/oder das Eriophoretum scheuchzeri. Die Assoziation findet man auch im Kontakt mit Hochmooren. BRAUN-BLANQUET (1971) unterscheidet die zwei Subassoziationen typicum und scirpetosum cespitosi.
4.3 Carici curto-Agrostietum caninae Tx. 1937 (Junco-Caricetum
goodenowii Tx. (1937) 1952 Verbreitung des Carici curto- Agrostietum caninae Das Hunds-Straussgrass (Agrostis canina) und die Graue Segge (Ca- Es ist die einzige Assoziation des rex curta) sind die Charakterarten. Caricion fuscae im Mittelland. Dort ist sie sehr selten und nur im Norden der Schweiz lokal Im Mittelland bildet diese sehr seltene Pflanzengesellschaft lokal verbreitet (KLÖTZLI, 1969 und Komplexe mit dem Caricetum rostratae und dem Caricetum diandrae 1973). in mittels auren Senken (KLÖTZLI, 1969). Agrostis canina findet man hauptsächlich im Agropyro-Rumicion (Pioniergesellschaften von gestörten Feuchtbiotopen).
Im Jura bildet die Pflanzengesellschaft einen dünnen Gürtel um die Moorweiher der Freiberge (KRÄHENBÜHL, 1966 und 1968) im Bereich der maximalen Feuchtigkeitsvariationen. Sie bildet den Übergang zwischen dem Caricetum goodenowii und anderen Pflanzengesellschaften.
4.4 Eriophoretum scheuchzeri Rübel1912
Diese arktisch-alpine Pflanzengesellschaft, von Scheuchzers Wollgras (Eriophorum scheuchzeri) dominiert, ist sehr artenarm. Sie trägt zur Verlandung von kleinen Seen und sauren glazialen Schlenken in der oberen subalpinen und alpinen Stufe bei, die im Sommer austrocknen können (saurer Gley). Diese Assoziation ist im ganzen Alpenraum verbreitet, ohne jedoch häufig zu sein.
2.2.4 5 BEDEUTUNG FÜR DEN NATURSCHUTZ
Die basischen und sauren Flachmoore tragen wesentlich zur ökologi.- sehen Vielfalt bei. ie sind zudem ein bedeutender Faktor dc Landscbaftsbilde weil ie ich mit ihr m im Jahre ablauf reichen arbspektrum deutlich von der Umgebung ab heben.
Di basi chen Flachmoore ind reich an harakterarteo. Von diesen s,ind mebJere Jten oder wegen de Rückgang ihres Leben raumes gefä hrdet (vgl. Tab. 1). j ind reicb an Blütenpflanzen und bilden I eine wichtige NektarqueJle in be onde!" auch für die In eklen nahe- HAND BUCH gelegener H chmoore. MOOR- SCHUTZ INDER SCHWEIZ In cl r alpinen Stufe bilden die aur 11 Flachmo re (earl elllm goodel10wii lind E riophorelum scheuchzeri) mit QuellEluren und fe uchten Schneetälchen c1i einzigen Feuchtbiotope so dass sie trolz. ihrer fl riti chen Armut und iJ)fer oft bescheidenen Ausdehnung einen gros en biologisch n und landschaftlichen Wert aufwei en.
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BARBARA LEUTHOLD
Beschreibung der Röhrichte (PHRAGM 1TI0N) und der Grossseggenriede (MAGNOCARIClON) 2.2.5 1 EINFÜHRUNG
Röhrichte und Grosseggemiede gehören zu den wichtigsten Verlandungsgesellschaften stehender und langsam fliessender Gewässer. Sie sind vielfach natürlich entstanden, teilweise aber auch durch den Menschen geschaffen. Röhrichte kommen ab einer mittleren Wassertiefe von maximal 2 m vor und können bis auf Böden vordringen, welche zeitweilig trockenfallen. Grosseggemiede sind gegen Überschwemmung empfindlicher. Sie schliessen landeinwärts an die Röhrichte an. In der Regel stehen I sie jährlich höchstens einige Wochen unter Wasser. Das Grundwasser HAND BUCH liegt jedoch meist sehr hoch, nur knapp unter der Bodenoberfläche. MOOR· Da die Röhrichte und die Grosseggenriede zahlreiche Pflanzenarten SCHUTZ IN DER SCHWEIZ gemeinsam haben, werden die beiden Verbände zur gleichen Ordnung (Phragmitetalia Koch 1926) gestellt. Sowohl die Röhrichte als auch die Grosseggenriede sind eher artenarme Vegetationstypen, die von einzelnen Pflanzenarten dominiert werden. Dies erschwert ihre systematische Gliederung. Im folgenden sind die in der Literatur gebräuchlichsten Röhricht- und Grosseggengesellschaften aufgeführt. Auf eine Liste der Charakterarten wird verzichtet, da neben den namengebenden Charakterarten meist nur wenige andere Arten vorkommen.
· .
2 RÖHRICHTE (PHRAGMITION COMMUNIS KOCH 1926)
2.1 Phragmitetum communis (Gams 1927) Schmale 1939
(Schilfröhricht)
Das Schilfröhricht (Phragmitetum communis) weist eine sehr grosse ökologische Amplitude auf. Es wächst sowohl an oligotrophen als auch an eutrophen Standorten und ist an kalkarmen wie an kalkreichen Stellen zu finden (KRAUSCH, 1965). Von der eingangs erwähnten Wasserstandsamplitude für Röhrichte vermag das Schilfröhricht die ganze Breite auszunützen. Dabei ist der Schilf (Phragmites australis, Syn. Ph. communis) so konkurrenzstark, dass andere Pflanzenarten oft kaum mehr aufkommen können. Das Schilfröhricht ist gewissermassen eine natürliche Monokultur. In der Schweiz ist es die am stärksten verbreitete Röhrichtgesellschaft.
2.2 Scirpetum lacustris (Chouard 1924) Schmale 1939
(Teichbinsenröhricht)
Über sandig-kiesigem Untergrund in eutrophen Gewässern kann ein Teichbinsen-Röhricht (Scirpetum lacustris) wachsen. Es kommt in Wassertiefen von 50 bis 70 cm vor (OBERDORFER, 1992). Oft ist es dem Schilfröhricht (Phragmitetum communis) vorgelagert. Das Teichbinsen-Röhricht ist allerdings nur an ruhigen Stellen zu finden, denn die Teichbinse (Scirpus lacustris) ist mit ihrem von schwammigem Gewebe erfüllten Mark wenig knickfest und erträgt keinen starken Wellenschlag oder Wind (ELLENBERG, 1986). Nach OBERDORFER (1992) ist das Auftreten von Arten aus den Laichkraut- und Schwimmblattgesellschaften kennzeichnend. So kommen hier neben der namengebenden Teichbinse Arten wie die Weisse Seerose (Nymphaea alba) oder das Schwimmende Laichkraut (Potamogeton natans) vor. LANG (1967) hingegen beschreibt vom Bodensee sehr artenarme Einheiten, in welchen neben der Teichbinse meist nur noch Schilf gedeiht. Das Teichbinsen-Rähricht ist in der Schweiz ziemlich verbreitet, in der Regel aber nur kleinflächig vorhanden.
2.2.5
2.3 Typhetum angustifolio-latifoliae (Eggler 1933) Schmale 1939
(Rohrkolbenröhricht)
Während einzelne Autoren zwei Typhetum-Gesellschaften unterscheiden, fasst KLÖTZLI (1973) diese zu einer einzigen zusammen. Dieses Typhetum bevorzugt schlammige Böden eutropher Gewässer in Wassertiefen um 20 bis 50 cm. An vom Menschen geschaffenen Standorten (z.B. Kiesgruben, Torflöcher) wächst neben den Rohrkolbenarten (Typha sp.) meist auch Schilf (Phragmites australis). Das Rohrkolbenröhricht ist wie das Teichbinsen-Röhricht (Scirpetum 1 lacustris) bei uns ziemlich verbreitet, aber meist nur in geringer HAND BUCH Flächenausdehnung vorhanden. MOO R- SCHUTZ INDER SCHWEIZ
2.4 Glycerietum maximae Hueck 1931 (Wasserschwaden-Röhricht)
In stark eutrophierten Gewässern kann das Wasserschwaden-Röhricht (Glycerietum maximae) das Schilfröhricht (Phragmitetum communis) ersetzen (ELLENBERG, 1986). LANG (1967), der die Ufervegetation des Bodensees untersuchte, fand die Gesellschaft an Gräben sowie im Mündungsbereich der grässeren Flüsse. Wie Schilf (Phragmites australis) bildet der Wasserschwaden (Glyceria maxima, auch Grosses Süssgras genannt) oft Reinbestände. In der Schweiz hat das Glycerietum maximae seinen Verbreitungsschwerpunkt im Nordosten, aber auch da ist es eher selten anzutreffen (KLÖTZLI, münd!.).
2.5 Acoretum calami Schulz 1941 (Kalmus-Röhricht)
Das Kalmus-Röhricht (Acoretum calami) wird durch einzelne Gruppen von Kalmus (Acorus calamus) gebildet (OBERDORFER, 1992). Die Gesellschaft wächst gerne in langsam strömenden Flüssen bis in 1 m Tiefe und bevorzugt schlammige, eutrophe bis mesotrophe Standorte. In der Schweiz ist das Acoretum calami vorwiegend an stehenden Gewässern zu finden. Seine Verbreitung ist ähnlich derjenigen des Glycerietum maximae (KLÖTZLI, münd!.).
2.6 Cladietum marisci Allorge 1921 (Schneidebinsen-Röhricht)
Die charakteristische Verlandungsgesellschaft kalkhaltiger, nährstoffarmer Gewässer ist das Schneidebinsen-Röhricht (Cladietum marisci). Nach KLÖTZLI (1969) besteht der Untergrund, auf dem diese Gesellschaft wächst, meist aus Seekreide. Pflanzensoziologisch gesehen steht das Schneidebinsen-Röhricht zwischen den Röhrichten (Phragmition) und den Grosseggenrieden (Magnocaricion). Es kann mit anderen Arten vergesellschaftet sein, unter anderem mit der Teichbinse (Scirpus lacustris), Schilf (Phragmites australis) oder der Knotenbinse (funcus subnodulosus; SCHLÄFLI, 1972). Neben der typischen Ausbildung als Verlandungsgesellschaft stellt sich das Cladietum marisci auch gerne in verbrachenden Grosseggen- und Kopfbinsenrieden ein. Das Cladietum marisci ist eine ziemlich häufige Gesellschaft; sie fehlt allerdings im Tessin (WELTEN/SUTTER, 1982).
2.7 Cicuto-Caricetum pseudocypel'i Boer 1942 (Wasserschierling-
Zypergrasseggenried)
Das Cicuto-Caricetum pseudocyperi kann dem Schilfgürtel vorgelagert sein. Während die Zypersegge (Carex pseudocyperus) vereinzelt an Ufern zu finden ist (zum Beispiel eingestreut in Schilfröhrichte im Jura), ist das eigentliche Cicuto-Caricetum pseudocyperi in der Schweiz sehr selten. Der Wasserschierling (Cicuta virosa) fehlt in der "
Regel.
2.8 Rorippo-Oenanthetum aquaticae Lohm 1950 (Wasserkressen-
Gesellschaft)
Besonders entlang unkanalisierter Fliessgewässer kann das Rorippo- Oenanthetum aquaticae geeignete Bedingungen vorfinden. Die Gesellschaft liebt trockengefallene, nährstoffreiche Schlickflächen eutropher Gewässer. Innerhalb der Röhrichte nimmt die Wasserkressen-Gesellschaft eine Sonderstellung ein. Von gewissen Autoren wird sie in eine eigene Ordnung gestellt. Sie ist in der Schweiz selten. Letzte Standorte sind in der Nordschweiz zu finden (KLÖTZLI, mündL).
2.2.5
2.9 Sparganium erectum-Röhrichte
Bei Sparganium erectum-Röhrichten handelt es sich in der Regel um Ersatzgesellschaften von Schilfröhrichten. Sie sind in stehenden bis langsam fliessenden Gewässern in Tiefen von 20 bis 50 cm über schlammigem Grund zu finden. Gemäss LANG (1967) wächst in dieser Gesellschaft meist auch Schilf (Phragmites australis). Die Gesellschaft ist bei uns verbreitet, aber nicht häufig.
2.10 Scirpetum maritim i (Br.-BI. 31) Tx. 1937 (Meerbinsen-Röhricht) HAND
BUCH MOOR- Das Scirpetum maritimi ist ein Pionierröhricht in flachem, besonders SCHUTZ IN DER SCHWEIZ salzhaltigem Wasser auf Schlamm und Schluffrohböden (OBER- DORFER, 1992). Es ist zum Beipiel am Rand von Kiesgrubentümpeln oder Gräben zu finden. Das Meerbinsen-Röhricht bevorzugt wärmere Gegenden. Während die Meerbinse (Scirpus maritimus) in der Schweiz in Einzelexemplaren vorkommt, fehlt das Scirpetum maritimi als Gesellschaft ganz.
2.11 Equisetum fluviatile- Röhricht SteHen 1931
Der Teich- oder Schlamm-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile) kann als Verlandungspionier bezeichnet werden (HESS et al., 1976). Er bevorzugt Torfschlamm-Böden, zum Beispiel von Tümpeln oder Waldweihern. Das Equisetum fluviatile-Röhricht ist in der Schweiz verhältnismässig häufig.
2.12 Sagittario-Sparganietum emersi Tx. 1955 (Pfeilkraut-Röhricht)
In schwach strömendem, seltener auch stehendem, nährstoffreichem bis verschmutztem Wasser kann von 20 cm bis über 1 m Wassertiefe das Pfeilkraut-Röhricht (Sagittario-Sparganietum emersi) gedeihen (OBERDORFER, 1992). Auch diese Gesellschaft liebt schlammige Böden. Die Gesellschaft steht in direkter Nachbarschaft zu den Laichkrautgesellschaften; sie liesse sich auch dort einreihen. Das Sagittario-Sparganietum emersi ist bei uns sehr selten und nie in grosser Ausdehnung zu finden. LANG (1967) fand diese Röhricht- Gesellschaft vereinzelt am Bodensee.
3 GROSSEGGENRIEDE (MAGNOCARICION ELATAE Abb. 1: Bulten der Steifen Segge im
KOCH 1926) Kaltbrunner Riet. Foto: P. Bolliger
3.1 Caricetum elatae Koch 1926 (Steifseggenried)
Die Steife Segge (Carex elata) erträgt grosse Wasserstandsschwankungen - grössere als die übrigen Grosseggen und auch als das Schilf (KLÖTZLI, 1969; MARTI, 1994). Sie ist eine äusserst effektive Verlandungspflanze. Das Steifseggenried (Caricetum elatae) wächst vorwiegend auf nährstoffreichen, schlammigen oder torfigen Böden nahe der Mittelwasserlinie (OBERDORFER, 1992). In seiner typischen Ausbildung ist es stark bultig. Neben der Steifen Segge sind meist weitere Pflanzenarten anzutreffen, so zum Beispiel das Sumpflabkraut (Galium palustre) , der Blutweiderich (Lythrum salicaria) oder die Wunders egge (Carex appropinquata). Auch Schilf (Phragmites australis) ist weit verbreitet. In der Schweiz ist die Steife Segge die häufigste Grossegge in Verlandungszonen des Mittellandes (HESS et al. , 1976). LANG (1967) bezeichnet das Caricetum elatae neben einigen anderen Gesellschaften als die wichtigste der Verlandungszonen. Ausgedehnte Steifseggenriede sind an verschiedenen Orten zu finden, z.B. am Lützelsee, im Neeracher Ried oder am Südufer des Neuenburgersees.
2.2.5
3.2 Caricetum appropinquatae (Koch 26) S06 1938
(Wunderseggenried)
Das Wunderseggenried (Caricetum appropinquatae) besiedelt nur mässig nährstoffreiche Torf- und Anmoorböden. Oft steht es in Kontakt mit dem floristisch ähnlichen Steifseggenried (Caricetum elatae), mit dem es nicht selten Übergangsgesellschaften bildet (OBERDOR- FER, 1992). Während die genannten Übergangsgesellschaften häufig sind, kommen Reinbestände der Wundersegge (Carex appropinquata) in der Schweiz eher selten und nur kleinflächig vor. HAND , BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
3.3 Caricetum paniculatae Wangerin ex von Rochow 1951
(Rispenseggenried)
Nach MARTI (1994) ist das Rispenseggenried (Caricetum paniculatae) stand örtlich sehr nahe beim Steifseggenried (Caricetum elatae) anzusiedeln. Offensichtlich bevorzugt die Rispen-Segge (Carex paniculata) aber Standorte mit einer ständigen Wasser- und Nährstoffzufuhr, z.B. Gräben und Bäche oder quellige Stellen. Das Caricetum paniculatae ist in höheren Lagen häufig, im Mittelland jedoch nur vereinzelt ausgebildet (KLÖTZLI, 1969). An künstlichen Seen wie dem Klingnauerstausee oder dem Flachsee bei Unterlunkhofen sind in jüngster Zeit neue Rispenseggenbestände entstanden (MARTI, 1994).
3.4 Caricetum rostratae Rüb. 1912 (Schnabelseggenried)
Das Schnabelseggenried (Caricetum rostratae) weist eine breite standörtliche Amplitude auf. Es kann basenhaltige und basen arme, mineralische und torfige Böden besiedeln und wird deshalb teils zu den Grosseggenrieden, teils zu den Übergangsmooren gestellt (vgl. Band 1, Beitrag 2.2.6). Die Schnabel-Segge (Carex rostrata) kann bis in Wassertiefen von 1 m vordringen (HESS et al., 1976) und dabei, insbesondere in höheren Lagen, als bestandesbildende Verlandungspflanze auftreten. Sie bevorzugt wenig nährstoffreiche Standorte. In der Schweiz ist das Caricetum rostratae verbreitet, im Mittelland ist es allerdings nur an wenigen Stellen gut ausgebildet (KLÖTZLI, 1969).
3.5 Caricetum gracilis Almquist 1929 (Schlankseggenried)
Das Caricetum gracilis ersetzt im Nordosten Mitteleuropas das Steifseggenried (ELLENBERG, 1986). KLÖTZLI (1969) beschreibt den Standort des Caricetum gracilis als nass-eutroph. Die Gesellschaft ist oft mit der Sumpfsegge (Carex acutiformis) vermischt. In Reinbeständen ist die Schlanke Segge (Carex acuta; Syn. C. gracilis) bei uns selten zu beobachten (z.B. bei Altenrhein, SG; Bolle di Magadino, TI).
3.6 Caricetum vesicariae Chouard 1924 (Blasenseggenried)
Die Blasen-Segge (Carex vesicaria) kommt nach HESS et al. (1976) auf kalkreichen, sandigen oder schlammigen Böden, aber auch auf sauren Torfschlammböden vor. Sie ist verbreitet, aber sie tritt selten in grösseren Beständen auf (MARTI, 1994).
3.7 Caricetum acutiformis Eggler 1933 (Sumpfseggenried)
Die systematische Zuordnung des Sumpfseggenriedes (Caricetum acutiformis) ist umstritten. OBERDORFER (1992) beschreibt das Sumpfseggenried als schwach charakterisierte Gesellschaft nährstoffreicher, feuchter Böden. Andere Autoren halten Sumpfseggenbestän- ,. de nicht für eine eigene Assoziation. Hingegen führt der Kartierungsschlüssel der Nassstandorte im Kanton Zürich das Sumpfseggenried als eigene Einheit auf. Die Gesellschaft ist oft an stark eutrophierten Standorten zu finden. Carex acutiformis bildet dort nicht selten Reinbestände.
3.8 Caricetum ripariae S06 ex Balatova-Tulackova 1968
(Uferseggenried)
Die Ufersegge (Carex riparia) wächst auf humosen, nährstoffreichen, meist kalkhaltigen Böden (MARTI, 1994). Nach OBERDORFER (1992) stockt das Uferseggenried auf feuchteren Böden als das Sumpfseggenried (Caricetum acutiformis). Bei uns ist die Gesellschaft verbreitet, aber nicht häufig.
2.2.5
3.9 Caricetum vulpinae Nowinski 1928 (Fuchsseggenried)
Das Caricetum vulpinae wächst in periodisch überschwemmten Flutmulden auf nährstoffreichen, lehmigen oder sandigen Böden. Es ist regelmässig mit Flutrasen (Agropyro-Rumicion) verzahnt (OBER- DORFER, 1992). In der Schweiz gibt es zwar vereinzelte Fuchsseggenbestände, als typische Fuchsseggenriede sind sie aber nicht ausgebildet (KLÖTZLI, mündl.).
I
3.10 Carex vulpinoidea-Bestand (Bestand der Fuchsseggenähnlichen HAND
BUCH Segge) MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Die Fuchsseggenähnliche Segge (Carex vulpinoidea) ist eine nordamerikanische Pflanze, welche bei uns eingeschleppt wurde. An einigen wenigen Stellen hat sie sich ansiedeln können. KLÖTZLI (1969) beschreibt Z.B. einen Bestand im Moos bei Wallisellen, in welchem neben dem Neubürger u.a. verschiedene Binsen- (Juncus) und Weidenröschenarten (Epilobium) sowie das Scharfkantige Johanniskraut (Hypericum tetrapterum) vorkamen. An diesem Standort ist Ca rex vulpinoidea inzwischen jedoch wieder verschwunden.
3.11 Phalaridetum arundinaceae Libb. 31 (Rohrglanzgras-Röhricht)
Das Phalaridetum arundinaceae tritt im allgemeinen flussbegleitend auf. In Mündungsbereichen kann es auch an Seen angetroffen werden. Seine bevorzugten Standorte sind nährstoffreiche, meist kalkhaltige, sandig-kiesige bis scWuffige Böden, welche starke Wasserstandsschwankungen aufweisen (OBERDORFER, 1992). Die Gesellschaft erträgt Hochwasser gut und kann sich auf frischen Alluvionen, aber auch nach Störungen durch den Menschen rasch einstellen. Typische Ausbildungen sind sehr artenarm. Häufig kommen aber auch Arten wie die Steife Segge (Carex elata) oder die Blasen-Segge (Carex vesicaria) im Rohrglanzgras-Röhricht vor. Schilf (Phragmites australis) ist, wie in den meisten Röhricht- und Grosseggengesellschaften, oft vertreten. Innerhalb der Grosseggenriede (Magnocaricion) nimmt das Phalaridetum arundinaceae eine Sonderstellung ein.
4 BEDEUTUNG FÜR DEN NATURSCHUTZ
4.1 Botanische Bedeutung
Röhrichte und Grosseggenriede sind in der Regel artenarme Einheiten. Einige von ihnen werden von seltenen Pflanzenarten wie Kalmus (Acorus calamus) oder Wasserschierling (Cicuta virosa) dominiert. Vielfach werden sie aber von Pflanzenarten gebildet, welche relativ häufig sind (z.B. Phragmites australis, Carex elata). Trotzdem können hat zum Beispiel der Strauss-Gilbweiderich (Lysimachia thyrsifiora) , eine gemäss der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen der Schweiz (LANDOLT, 1991) gesamtschweizerisch stark gefährdete Art, seine Vorkommen hauptsächlich in Grosseggenrieden. Der ebenfalls gefährdete Zungenblättrige Hahnenfuss (Ranunculus lingua) kommt als weiteres Beispiel praktisch ausschliesslich in Grosseggen- oder Röhrichtgesellschaften vor.
4.2 Zoologische Bedeutung
Der zoologische Wert von Grossegggenrieden und insbesondere Röhrichten liegt hauptsächlich in der Bedeutung, welche diese Pflanzengesellschaften für verschiedene, gemäss der Roten Liste von DUELLI (1994) zum Teil gefährdete Vogel arten haben. Etliche Wasservögel brauchen grossflächige Röhrichte als Brut- und Nahrungsplätze und als Rückzugsgebiete. So sind zum Beispiel grosse ungestörte Röhrichte der Lebensraum der seltenen Rohrdommel. Einige Singvögel wie der Rohrschwirl oder der Teichrohrsänger sind nur in dichten Röhrichten zu finden. Die Wasserralle, welche auf Nahrungssuche Verlandungszonen durchstreift, erreicht ihre grössten Dichten in Schilfgürteln und bultigen Grosseggenrieden. Da die Kuppen der Bulten von Grosseggenrieden im allgemeinen auch bei Hochwasser aus dem Wasser ragen, bieten sie für verschiedene Vögel ideale Nistplätze. Die Lachmöve, die in der Schweiz nur in wenigen Kolonien brütet, nutzt dies zum Beispiel aus.
2.2.5 LITERATUR OBERDORFER, E. (1992): ANSCHRIFT DER AUTORIN Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Teil I, 3. Auflage, Fischer, Jena, DUELLI, P. (Hrsg., 1994): Rote Dr. Barbara Leuthold 314 S. Listen der gefährdeten TIerarten in FÖN, Fachgemeinschaft Ökologie der Schweiz. BUWAL-Reihe Rote und Naturschutz SCHLÄFLI, A. (1972): Vegetations- Listen, Bern, 97 S. Zurlindenstr. 55 kundliche Untersuchungen am Bar-
8003 Zürich
chetsee und weiteren Toteisseen der ELLENBERG, H. (1986): Vegeta- Umgebung Andelfingens. Mitt. tion Mitteleuropas mit den Alpen. Thurg. Naturf. Ges. 40, 20-84.
4 Auflage, Ulmer, Stuttgart, 989 S. Handbuch
HESS, H. / LANDOLT, E. / HIR- WELTEN, M. / SUTTER, R. (1982): Verbreitungs atlas der Farn- und Blü- Moorschutz in der Schweiz 1 I ZEL, R. (1976): Flora der Schweiz tenpflanzen der Schweiz. Vo12, 2/1996 HAND und angrenzender Gebiete. Band 1, BUCH Birkhäuser, Basel, 698 S. (2. Aufl.), Birkhäuser, Basel, 858 S. MOOR- SCHUTZ IN DER KLÖTZLI, F (1969): Grundwasser- SCHWEIZ
beziehungen der Streu- und Moorwiesen im nördlichen Schweizer Mittelland. Beitr. Geobot. Landesaufn. Schweiz, 52, 296 S.
KLÖTZLI, F (1973): Waldfreie Nassstandorte der Schweiz. Veröff. Geobot. Inst. ETH, Stiftung Rübel, 51,15-39, Zürich.
KRAUSCH, H.D. (1965): Zur Gliederung des Scirpo-Phragmitetum medioeuropaeum W. Koch 1926. Limnologica 3,17-22.
LANDOLT E. (1991): Gefährdung der Farn- und Blütenpflanzen in der Schweiz, mit gesamtschweizerischen und regionalen roten Listen. BUWAL-Reihe Rote Listen, Bern, 185 S.
LANG, G. (1967): Die Ufervegetation des westlichen Bodensees. Archiv f. Hydrobiologie, SuppI, Band XXXII, 29-574.
MARTI, K. (1994): Zum Standort von Magnocaricion-Gesellschaften in der Schweiz (Caricetum elatae, Caricetum paniculatae, Caricetum ripariae, Caricetum vesicariae). Veröff. Geobot. lnst. ETH, Stiftung RübeI, 120, Zürich, 97 S.
STEPHAN ZIMMERLI
Beschreibung der ~flanzengesellschafh~n der Ubergangsmoore (SCHEUCHZERIETALIA PALUSTRIS) 2.2.6 1 EINFÜHRUNG
Übergangsmoore umfassen sowohl die oligotrophen Schlenkengesellschaften des Rhynchosporions als auch die mesotrophen Seggenrieder des Caricion lasiocarpae. Soweit sie nicht bereits im Inventar der Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz als Einheiten 2 (Schlenken) und 4 (Übergangsmoore ) kartiert worden waren, wurden sie im Inventar der Flachmoore erfasst.
Die Pflanzengesellschaften der Übergangsmoore sind oft als Schwing- I rasen ausgebildet (vgl. Abb. 1). Sie entwickeln sich an oligo- bis meso- HAND BUCH trophen Gewässern bei stark reduziertem Wasserfluss (immobiles MOOR· SCHUTZ Wasser). So findet man Schwingrasen in Toteiskesseln, Toteisseen, IN DER SCHWEIZ Gletscherschliffwannen, kleinen Bergseen ohne Zu- und Abfluss sowie in Moorseen und Torfstichen.
Die Ordnung der nordischen Übergangsmoor- und Schlenkengesell- Abb. 1: Fadenseggen-Schwingrasen schaften (Scheuchzerietalia palustris Nordhagen 1937) umfasst zwei (Caricetum lasiocarpae) - ein schematischer Schnitt (vgl. VAN- Verbände: die Schlenkengesellschaften (Rhynchosporion albae Koch DEN BERGHEN, 1952): 1926) sowie die Schwingrasen- und Übergangsmoorgesellschaften 1 Schachtelhalm (Equisetum (Caricion lasiocarpae Vanden Berghen apud Lebrun et a1. 1949 = fluviatile)
2 Sumpfblutauge (Potentilla
Eriophorion gracilis Preisg. apud Oberd. 1957). Tabelle 1 gibt einen palustris) Überblick über die Systematik und die charakteristischen Arten der 3 Fadensegge (Carex lasiocarpa) Übergangsmoore (Scheuchzerietalia palustris) in der Schweiz. 4 Fieberklee (Menyanthes trifoliata)
t ,/ .. I,..", /
, ,
Moosschicht
Einheiten Farn- u. Blütenpflanzen Moose
SCHEUCHZERIETALIA Drosera anglica Calliergon trifarium PALUSTRIS NORDHAGEN 1937 Menyanthes trifoliata Meesia triquetra Potentilla palustris Sphagnum contortum Scirpus hudsonianus Sphagnum platyphyllum
Rhynchosporion albae Koch 1926 Drepanocladus fluitans Sphagnum cuspidatum Sphagnum majus
• Caricetum limosae Osvald 1923 Carex limosa (0) em. Dierssen 1982 Scheuchzeria palustris (A)
• Rhynchosporetum albae Drosera intermedia (A) Koch 1926 Lepidotis inundata (A) Rhynchospora alba (A) Rhynchospora fusca (A)
Caricion lasiocarpae Vanden Calamagrostis neglecta Bryum neodamense Berghen apud Lebrun ef al. 1949 Eriophorum gracile Calliergon giganteum funcus stygius Cinclidium stygium Sphagnum teres
• Caricetum lasiocarpae Koch 1926 Ca rex lasiocarpa (0) Sphagnum obtusum (A)
• Caricetum diandrae Jon. 1932 Carex diandra (A) em. Oberd. 1957
• Caricetum chordorrhizae Paul Carex chordorrhiza (A) und Lutz 1941
• Caricetum heleonastae (Paul und Ca rex heleonastes (A) Lutz 1941) Oberd. 1957
• Caricetum rostratae Osvald 1923 Carex rostra ta em. Dierssen 1982
Tab. 1: Liste der Charakterarten der A Zugleich Verbandscharakterart Übergangsmoore (Scheuchzerietalia (Caricion lasiocarpae) palustris) in der Schweiz o Zugleich Ordnungscharakterart (Scheuchzerietalia)
2.2.6
2 SCHLENKENGESELLSCHAFfEN
(RHYNCHOSPORION ALBAE Koch 1926)
DIERSSEN und REICHELT (1988) befassen sich ausführlich mit der Gliederung des Rhynchosporion albae Koch 1926 in Europa. Die Gesellschaften des Rhynchosporion albae sind bezeichnend für Schlenken sowie Schwingrasen an Moorseen, Torfstichen und nährstoffarmen, kleineren Bergseen. Es handelt sich um niederwüchsige Gesellschaften, die in tieferen Lagen fast nur noch im Bereich von Torfstichen vorkommen und stark gefährdet sind. HAND , BUCH MOOR·
2.1 Caricetum limosae Osvald 1923 em. Dierssen 1982 SCHUTZ
IN DER SCHWEIZ
OBERDORFER (1992) charakterisiert das Caricetllm limosae als Schwingrasengesellschaft nasser Schlenken. Alle durch die beiden Charakterarten Schlammsegge (Carex limosa) und Blumenbinse (Schellchzeria palustris) dominierten Bestände werden zur Assoziation des Caricetum limosae zusammengefasst. Einen Überblick über das Caricetum limosae auf Schwingrasen in der Schweiz vermittelt ZIMMERLI (1988). Der Verbreitungsschwerpunkt der Hoch- und Übergangs moore (GRÜNIG et al. , 1986) und der Schwingrasen (ZIMMERLI, 1989) befindet sich heute in der hochmontanen und subalpinen Stufe der Schweizer Alpen. Die höchstgelegenen Fundorte des Caricetum limosae liegen dabei auf über 2'400 m Ü. M.
2.2 Rhynchospol'etum albae Koch 1926
Die Schnabelriedgesellschaft (Rhynchosporetum albae) ist eine atlantisch-subatlantische Gesellschaft auf nackten, nährstoffarmen Torfböden. Sie ist in der Schweiz nach heutigem Wissen nur in anthropogen gestörten Mooren anzutreffen und auf die kolline und montane Stufe beschränkt. Bezeichnend ist die Gesellschaft für Schwingrasen an Torfstichgewässern. Charakterarten sind die Weisse Schnabelbinse (Rhynchospora alba) , seltener die Braune Schnabelbinse (Rhynchospora fusca), der Mittlere Sonnentau (Drosera intermedia) und der Überschwemmte Bärlapp (Lepidotis inundata).
3 SCHWINGRASEN UND ÜBERGANGSMOORGESELL- SCHAFfEN (CARICION LASIOCARPAE Vanden Berghen apud Lebrun et al. 1949)
In diesem Verband werden mesotrophe Übergangsmoore zusammengefasst, die bei höherer Produktivität die Rhynchosporion-Gesellschaften ablösen. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in der borealen Zone. In der Schweiz kommen sie im Verlandungsbereich von (einst) nährstoffarmen Kleinseen und Moorgewässern von der koHinen bis in die subalpine Stufe vor. Die Vorkommen im Alpenvorland können z.T. als Glazialrelikte .. gedeutet werden und sind stark im Rückgang begriffen (OBERDOR- . ' -.
FER, 1992). Die fünf Assoziationen sind durch die bestandesbildenden und namengebenden Kennarten, die Behaartfrüchtige Segge (Carex lasiocarpa) und die Zweistaubblättrige Segge (Carex diandra), charakterisiert. Bezeichnend ist, dass einige nordische Arten wie der Fieberklee (Menyanlhes trifoliata) und das Sumpfblutauge (Potentilla palustris), die sonst als Ordnungskennarten gelten, in diesen Übergangsmoorgesellschaften einen deutlichen Schwerpunkt ihres Vorkommens aufweisen.
3.1 Caricetum lasiocarpae Koch 1926
OBERDORFER (1992) charakterisiert das Caricelum lasiocarpae als Gesellschaft über nassen, mässig nährstoffreichen, anmoorigen bis torfigen Böden, die oft als Schwingrasen ausgebildet ist. Eine detaillierte Beschreibung von Vegetation und Standort der Carex lasiocarpa-Schwingrasen der Nordschweiz findet sich bei KLÖTZLI (1969). In den hochmontanen und subalpinen Lagen der Schweizer Alpen fehlt das Caricetum lasiocarpae weitgehend. Die wohl höchst gelegenen grösseren Bestände von Carex lasiocarpa erscheinen in den Nordalpen am Jaunpass auf 1510 m ü. M. und in den Zentral alpen am Stazersee im Engadin auf 1810 m ü. M.
3.2 Caricetum diandrae Jon. 1932 em. Oberd. 1957
Nach KLÖTZLI (1969) handelt es sich beim Caricetum diandrae um eine in der Schweiz sehr seltene Gesellschaft mit drei einzigen Beständen in der Nordschweiz. BRAUN-BLANQUET und RÜBEL (1932) geben Carex diandra als sehr zerstreut vorkommender Seen-
2.2.6 Verlander im äussersten Gürtel von Schwingrasen in der subalpinen Stufe an. Bei ZIMMERLI (1988) finden sich Vegetationsaufnahmen aus dem Caricetum diandrae von fünf verschiedenen Lokalitäten, die zwischen 1'230 m Ü. M. und 1'980 m Ü. M. liegen. Die Gesellschaft wurde jeweils nur kleinflächig als schmaler Gürtel an der Schwingrasenfront mesotropher Bergseen angetroffen.
3.3 Caricetum chordorrhizae Pani und Lutz 1941
Diese Assoziation, die dem Caricetum limosae nahe steht, ist in der HAND BUCH Schweiz ein sehr seltenes Glazialrelikt. Die Charakter art (Carex chor- MOO Rdorrhiza) kommt nur noch an ganz wenigen Stellen im Jura, in den SCHUTZ INDER SCHWEIZ Voralpen und im östlichen Mittelland vor.
3.4 Caricetum heleonastae (Paul und Lutz 1941) Oberd. 1957
Diese Assoziation ist nahe verwandt mit dem Caricetum diandrae und in der Schweiz sehr selten. Die Charakterart (Carex heleonastes) ist nur noch an ganz wenigen Stellen im Jura und in den Voralpen zu finden.
3.5 Caricetum rostratae Osvald 1923 em. Dierssen 1982
Aufgrund seiner breiten ökologischen Amplitude wird diese Assoziation von manchen Autoren zu den Gross-Seggenriedern (Magnocaricion) gestellt, von anderen zu den Übergangsmooren (Caricion lasiocarpae). Im Flachmoorinventar figuriert das Caricetum rostratae unter dem Magnocaricion, im Inventar der Hoch- und Übergangsmoore im Caricion lasiocarpae (Einheit 4). Carex rostra ta ist charakteristisch für Rüllen im Bereich der Hoch- und Übergangsmoore und spielt vielerorts eine wichtige Rolle bei der Schwingrasen-Verlandung. Dabei bildet sie in gewissen Stadien Reinbestände.
4 BEDEUTUNG FÜR DEN NATURSCHUTZ
Übergangsmoore und vor allem Schwingrasen kommen meist nur kleinflächig vor und sind von hohem naturschützerischem Wert. Sie sind stark gefährdet, sei dies durch direkte Biotopzerstörung, Nährstoff- oder Trittbelastung.
4.1 Botanische Bedeutung
Alle Charakterarten der Hoch- und Übergangsmoore sind in diesem Jahrhundert stark zurückgegangen und regional bereits ausgestorben. Eine häufige und klassische Ausbildungsform der Übergangsmoore, der Schwingrasen, ist sowohl an dystrophen Moorseen wie auch an kalkreichen, mesotrophen Bergseen anzutreffen. Schwingrasen sind dank ihrer besonderen Standortbedingungen innerhalb eines Moorkomplexes von besonderer Bedeutung für verschiedene seltene und gefährdete Pflanzenarten wie:
die Zweistaubblättrige Segge (Carex diandra), die an der Front von Schwingrasen mesotropher Bergseen zur Dominanz gelangt,
die Blumenbinse (Scheuchzeria palustris), mit einen Schwerpunkt ihres Vorkommens auf Schwingrasen im Bereich von Hochmooren oder
den Langblättrigen Sonnentau (Drosera anglica), der auf Schwingrasen zu Massenvorkommen neigt (ZIMMERLI, 1988, 1989). Charakterarten der Schnabelriedgesellschaft (Rhynchosporetum albae) wie die Braune Schnabelbinse (Rhynchospora fusca) und der Mittlere Sonnentau (Drosera intermedia) gelten gesamtschweizerisch als stark gefährdet (LANDOLT, 1991). Auch im Alpenraum noch weiter verbreitete Arten wie die Schlammsegge (Carex limosa), das Sumpfblutauge (Potentilla palustris) und der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) sind im Mittelland selten geworden und regional bereits ausgestorben.
Übergangsmoore zeichnen sich zudem durch eine sehr spezialisierte Moosflora aus. Auf Schwingrasen konnten 35 verschiedene Moosarten, darunter seltene wie das Lebermoos Cladopodiella fluitans, das Laubmoos Calliergon sarmentosum und das Glazialrelikt Calliergon trifarium nachgewiesen werden (ZIMMERLI, 1988, 1989). Alle in der Schweiz ausserhalb des Waldes verbreiteten Torfmoosarten kommen in den Pflanzengesellschaften der Übergangsmoore vor.
2.2.6
4.2 Zoologische Bedeutung
Einige sehr seltene und gefährdete Libellenarten sind zur Fortpflanzung auf Moorseen oder andere nährstoffarme Kleingewässer angewiesen, so die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica), die Alpen- Mosaikjungfer (Aeshna caerulea), die Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastalutum), die Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) und die Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica; vgl. Band 1, Beitrag 3.3.2). Die oft im Bereich von oligo- oder mesotrophen Kleinseen gelegenen Übergangsmoore sind dank ihres amphibischen Charakters günstige HAND , BUCH Libellenbiotope. So nennt beispielsweise WILDERMUTH (1987) als MOOR· Entwicklungsstandorte für die Arktische Smaragdlibelle Schlamm- SCHUTZ IN DER SCHWEI Z seggenfluren (Caricetum limosae) und das Drahtseggenmoor (Caricetum diandrae). Am Stelsersee im Prättigau (1'670 m ü. M.) mit seinen ausgedehnten Schwingrasen und Schlenken konnte WILDERMUTH (1986) eine für diese Höhenlage beachtliche Anzahl von 11 Libellenarten nachweisen. Darunter waren ausgesprochene Kostbarkeiten wie die Speer-Azurjungfer, die Alpen-Mosaikjungfer, die Arktische Smaragdlibelle und die Kleine Moosjungfer.
" .
LITERATUR ZIMMERLI, S. (1988): Vegetation ANSCHRIFf DES AUTORS und Standort von Schwingrasen in der Schweiz. Veröff. Geobot. Inst. BRAUN-BLANQUET, J./ RÜBEL, Dr. Stephan Zimmerli ETH, Stiftung Rübel, Zürich, 102: E. (1932): Flora von Graubünden. Ökologe/Oe VS 105 S. (Diss. ETH Nr. 8701).
1 Lief. Veröff. Geobot. Inst. ETH, oekovera
Stiftung Rübel, Zürich 7, 382 S. Retterswilerstrasse 5 ZIMMERLI, S. (1989): Das Inventar der Schwingrasen der Schweiz. 5703 Seon DIERSSEN, K./ REICHELT, H. Ber. Geobot. Inst. ETH, Stiftung (1988): Zur Gliederung des Rübel, Zürich, 55: 51-68. Rhynchosporion albae W. Koch 1926 Handbuch in Europa. Phytocoenologia 16 (1), Moorschutz 37-104. in der Schweiz 1 GRÜNIG, A./ VETTERLI, LI '. WILD!, O. (1986): Die Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz. Ber. Eidg. Anst. Forst!. Versuchswes. 281,62 S.
KLÖTZLI, F. (1969): Die Grundwasserbeziehungen der Streu- und Moorwiesen im nördlichen Schweizer Mittelland. Beitr. Geobot. Landesaufn. 52, 269 S.
LANDOLT, E. (1991): Gefährdung der Farn- und Blütenpflanzen in der Schweiz. BUWAL-Reihe Rote Listen, EDMZ, Bern, 185 S.
OBERDORFER, E. (1992): Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Teil I, (3. Aufl.), Fischer, Stuttgart New York, 314 S.
VANDEN BERGHEN, C. (1952): Contribution al'etude des bas - marais de Belgique. Centre Cart. phyt. et Centre Rech. eco!. phyt. Gembloux, Commun. 16. Bull. Jard. Bot. de l'Etat 22, 1-64.
WILDERMUTH, H. (1986): Die Libellenfauna des Stelsersee-Gebietes im Prättigau. Jber. naturf. Ges. Graubünden 103, 153 - 163.
WILDERMUTH, H. (1987): Zur Habitatwahl und zur Verbreitung von Somatochlora arctica (Zetterstedt) in der Schweiz (Anisoptera: Corduliidae). Odonatologica 15 (2), 185 - 202.
ELiZABETH FELDMEYER-CHRISTE
Übersicht über die Vegetationseinheiten der Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz 2.2.7 1 EINLEITUNG
Die Grundeinheit des Inventars der Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz (GRÜNIG et al. , 1986) ist das Hochmoorobjekt, das aus mehreren Teilobjekten zusammengesetzt sein kann. Jedes Objekt wird beschrieben durch eine Vegetationskarte, einen Satz von Inventarblättern sowie ein Kurzgutachten (Moorbericht). Das Inventar enthält also Daten über die Lebensräume, die Vegetation, die morphologische Ausbildung und den Erhaltungszustand der Hochmoore. Alle im Rahmen des Inventars erhobenen Daten sind in der WSL-Da- 1 tenbank (TOPOSKOpTM, vgl. Band 1, Beitrag 5.2.5) in Birmensdorf HAND BUCH enthalten. MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
2 DIE VEGETATIONSEINHEITEN DES INVENTARS DER HOCH- UND ÜBERGANGSMOORE Aufnahmekriterien für das Hochmoorinventar (vgl. Band 1, Beitrag 2.1.1) Die Hochmoore wurden allein aufgrund ihres Pflanzenbestandes ins Inventar aufgenommen und kartographisch erfasst. • Anwesenheit von Torfmoosen (Sphagnum sp.) • Zusätzlich mussten entweder Erfüllt eine fragliche Hochmoorfläche drei entscheidende Selektions- mindestens eine von 4 für Hochkriterien (vgl. Band 1, Beitrag 2.1.1), so werden die verschiedenen Ve- moore charakteristischen Gefässgetationstypen des Moores mit Hilfe eines dichotomen Kartierungs- pflanzenarten (Rosmarinheide, Moosbeere, Rundblättriger Son- Schlüssels (vgl. Tab. 1) und im Massstab 1:25'000 kartiert. Dabei richtet nentau, Scheidiges Wollgras) sich die Kartierung nach der dominanten Vegetation. Eine gerade noch oder 3 von 17 weiteren hocherreichbare Flächenauflösung von ca. 1 mm 2 auf der Karte entspricht in moorbewohnenden Arten vorder Natur einer Mindestfläche von 625 m 2• Im Kartierungs-Schlüssel kommen. Die entsprechende Artenliste wurde einheitlich für werden zur Schätzung der Flächenanteile der verschiedenen Arten und die gesamte Schweiz festgelegt. Artengruppen Deckungsgrade verwendet, die sich an der Schätzungs- • Die zusammenhängende skala für die Artmächtigkeiten von Braun-Blanquet 0l1entieren (BRAUN- Hochmoorfläche musste mindestens 625 m2 umfassen. Dies ent- BLANQUET 1964; vgl. Band 1, Beitrag 2.2.1). spricht 1 mm2 auf den Landes- Zusätzlich wird von jedem Hochmoorobjekt der aktuelle Zustand karten der Schweiz im Massstab festgehalten. Er kann entweder naturnah (primäres Hochmoor) oder 1:25'000, die als Kartierungsgrundlage verwendet wurden. degradiert sein (sekundäres Hochmoor).
2.2.7
3 KARTIERUNG DER HOCHMOORE VON NATIONALER Tab. 1: Dichotomer Kartierungs-
BEDEUTUNG schlüssel zum Hochmoorinventar der Schweiz. Deckungsgrad nach BRAUN-BLANQUET 1964: Bei der Kartierung wird nur das aktuelle Vegetationsmosaik berück- 1 Deckungsgrad 1 % - 5 % sichtigt. Jegliche Interpretation aufgrund potentieller oder vergange- 2 Deckungsgrad 5 % - 25 %
3 Deckungsgrad 25 % - 50 %
ner Vegetation muss vermieden werden. Die Karte eines Modellobjektes ist im Inventar der Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz aufgeführt (GRÜNIG et a1., 1986, vg1. Anhang). Die rote Farbe bezeichnet die primären, die gelbe Farbe die sekundären Hochmoorflächen. Als primär gelten Hochmoore, die nicht HAND , BUCH genutzt oder fast intakt sind bzw. von denen angenommen werden MOORkann, dass sie sich selbst regenerieren können, wenn allfällige Bela- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ stungen wegfallen. Hingegen werden die vom Menschen beeinflussten und teilweise genutzten Hochmoore als sekundär betrachtet, sofern sie noch die hochmoortypische Vegetation aufweisen. Im Inventar werden künstlich entwässerte oder gedüngte Hochmoore stets als sekundär, nur trittbelastete Hochmoore in der Regel als primär eingestuft. Die grüne Farbe stellt das Hochmoorumfeld dar. Darunter wird jener Bereich verstanden, welcher das Hochmoor gegen Einflüsse aus der Umgebung schützt. Das Hochmoorumfeld kann land- und forstwirtschaftlich extensiv bewirtschaftet werden, sofern das Hochmoor dadurch keinen ökologischen Schaden, hauptsächlich bezüglich seines Wasser- und Nährstoffhaushaltes, erleidet. Die braune Farbe kennzeichnet vegetationslose, genutzte Torffelder und die blaue Farbe offene Wasserflächen.
Die Kartierung basiert auf 20 Einheiten, die auf dem Inventarblatt aufgelistet sind. Für jede Einheit wird die ermittelte Flächenausdehnung in Hektaren angegeben (GRÜNIG et al., 1986, vgl. Anhang). Da sich die Kartierung nach der dominanten Vegetation richtet, werden kleinflächige oder nicht dominierende Vegetationstypen nicht kartiert. Dabei kann es sich zum Beispiel eine Schlenkenvegetation in einer von Bulten dominierten Hochmoorfläche handeln. Im Inventar werden zwei Arten von Einheiten kartiert. Die 6 Hochmooreinheiten (Nr. 1 - 6) erlauben eine relativ feine Differenzierung und entsprechen, zumindest im Falle der mehr oder weniger natürlichen Hochmoore, im allgemeinen den Pflanzengesellschaften. Die 14 Einheiten des Hochmoorumfeldes (Nr. 7 - 20) ermöglichen dagegen nur eine grobe Unterscheidung. Sie umfassen die Vegetationstypen, die nicht zu den Hochmooren zählen sowie verschiedene Boden-
nutzungsarten (Wald, Waldweide, Weiden, Büsche, Flachmoore, offene Wasserflächen, gedüngte Torffelder, Wiesen, Ackerland, Siedlungszonen, Deponien, Hochstaudenfluren, Mischvegetation auf Mineralböden, usw.).
4 ERGEBNISSE DES INVENTARS
Im Inventar der Hoch- und Übergangsmoore (Version 1986) sind 514 Objekte von nationaler Bedeutung aufgelistet. Diese umfassen eine Hochmoorfläche von 1'471 Hektaren, was 0,035 % der gesamten Praktische Informationen Fläche der Schweiz entspricht. Alle Angaben des Inventars der Zwischen 1987 und 1993 wurden bei neuen Feldbegehungen 85 neue Hoch- und Übergangsmoore der Objekte kartiert. Ihre mittlere Fläche ist mit 0,5 ha eher klein Schweiz liegen bei der Eidgenös- (GRÜNIG et a1. , 1993). Die nationale Bedeutung dieser neuen sischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft Objekte muss noch durch den Bundesrat bestätigt werden. (WSL) in Birmensdorf in digitaler Form vor. Für einen einfachen Zugriff auf diese Daten wurde das Computerprogramm
4.1 Allgemeine Verbreitung der Hochmoore
TOPOSKOP™ für Macintosh- Computer entwickelt. Das Pro- In der Schweiz sind die Hochmoore sehr ungleichmässig verteilt (vg1. gramm ist ein Arbeitsinstrument Abb. 1).70 % der Objekte liegen zwischen 850 und 1'450 m Ü. M. Sie für die Behörden, die sich mit Natur- und Landschaftsschutz konzentrieren sich in den nördlichen Voralpen und im französisch- beschäftigen. Es ist nicht im sprachigen Jura, wo die Moorentwicklung durch die geologischen und Handel erhältlich. Zur Zeit bieklimatischen Bedingungen begünstigt ist. Im Mittelland sind die mei- tet die WSL den zuständigen Behörden und deren Beauftragsten Hochmoore infolge Torfnutzung, Meliorationen und Bodenverten eine regelmässig aktualisierbesserungen verschwunden. Ausserdem weisen die niedrigen Lagen te Gratisversion an (vgl. LONeinen sehr hohen Anteil degradierter Hochmoore auf. Die geringe GATTI, 1996 oder http://www.wsl.ch/land/B rochu- Hochmoordichte in den Zentral- und Südalpen beruht auf natürlichen geomorphologischen und klimatischen Bedingungen.
4.2 Erhaltungszustand
Der Anteil der in der Schweiz erhaltenen primären Hochmoorflächen beträgt nur 35 %, was einer Fläche von 497 ha entspricht. In den (Vor-)Alpen weisen vorwiegend Hang- und Deckenmoore primäre Hochmoorbereiche auf. Diese Hochmoortypen benötigen meist eine breite Pufferzone als Schutz gegen das nährstoffhaltige Hangwasser. Im Jura hingegen hat sich die primäre Hochmoorvegetation in der
2.2.7 Regel in (klassisch) aufgewölbten Hochmooren erhalten. Hier bietet eine relativ schmale Pufferzone hinreichend Schutz gegen Fremdeinflüsse. Da das Gelände zur Verkarstung neigt, liegen die Hochmoore häufig im Bereich von Dolinen, die eine natürliche hydrologische Schranke darstellen (vgl. Band 1, Beitrag 3.2.2). Zwei Drittel der Hochmoorflächen der Schweiz sind sekundär, das heisst durch den Menschen beeinflusst. Sie bedecken 973 ha. Es handelt sich um Flächen, die nach einer Entwässerung für die Land- oder Forstwirtschaft genutzt werden, oder einfach brach liegen und der Verbuschung ausgeliefert sind. Es kann sich dabei aber auch um Torf- 1 flächen handeln, die zum Zweck des Torfabbaus zwar entwässert, HAND BUCH dann aber sich selbst überlassen wurden. Sekundäre Hochmoore bil- MOORden, insbesondere für die Fauna, wertvolle Ökosysteme. SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
4.3 Hochmoorvegetation
Die relative Häufigkeit der verschiedenen Vegetationstypen ist unterschiedlich, je nachdem ob es sich um primäre oder sekundäre Hochmoore handelt. Unter natürlichen Bedingungen sind in der Schweiz die Bergföhrenhochmoore verbreitet, wogegen die Bult- oder Schlenkenvegetation sehr selten vorkommen. In den sekundären Hochmooren überwiegt die Mischvegetation. Sie widerspiegelt die peripheren Einflüsse wie die durch menschliche Eingriffe bedingte Ansiedlung fremder Arten. Die oft vorkommende sekundäre Bultvegetation sowie das ebenfalls häufige Birken- und Fichtenmoor sind eine Folge der häufigen Entwässerungsmassnahmen.
4.4 Verteilung einiger Hochmoortypen
Die Lebensbedingungen für die Pflanzenarten der Hochmoore werden vorwiegend durch einen hohen Säuregehalt, begleitet von minimalen Nährstoff- und Sauerstoffanteilen, bestimmt. Nur eine kleine Artengruppe, hauptsächlich Moose (Torfmoose, Lebermoose) und einige Gefässpflanzen, konnten sich an diese extremen Bedingungen anpassen. Wegen ihres hohen Spezialisierungsgrades können diese Arten jedoch nicht ausserhalb der Hoch- und Übergangsmoore überleben. Dies erklärt, weshalb ein hoher Anteil der Moorflora in der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen der Schweiz (LANDOLT et al. , 1991) oder in der Roten Liste der gefährdeten und seltenen Moose (URMI, 1991) als gefährdet oder selten aufgeführt ist.
Abb. 1: Verbreitungskarte der Hochmoore von nationaler Bedeutung in der Schweiz.
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Abb. 2: Verbreitungskarte von Sphagnum magellanicum nach dem Bundesinventar der Hochmoore von nationaler Bedeutung.
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Die Verbreitung einiger Charakterarten der Hochmoore geht aus den aufgeführten Karten hervor (Abb. 2 bis 7). Diese Verbreitungskarten sind nicht vollständig, da sie ausschliesslich aufgrund der im Rahmen des Hochmoorinventars gesammelten Daten erstellt wurden. Sphagnum magellanicum (Abb. 2) ist eine typische Art der oligotrophen Hochmoore, wo sie grössere Bulten bildet. Da sie in mehr als
2.2.7 Abb. 3: Verbreitungskarte von Sphagnumjuscum nach dem Bundesinventar der Hochmoore von nationaler Bedeutung.
HAND , BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Abb. 4: Verbreitungskarte von Sphagnum compactum nach dem Bundesinventar der Hochmoore von nationaler Bedeutung.
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90 % der Objekte vorkommt, stimmt ihre Verbreitungskarte mit der gesamtschweizerischen Hochmoor-Verbreitungskarte grässtenteils überein (Abb. 1). Sphagnum fuscum (Abb. 3) ist eine Art der oligotrophen Hochmoore, die meist auf offenen Flächen grässere Bulten bilden kann. Die Art kommt in der Schweiz hauptsächlich im Jura und im zentralen Teil der
Abb. 5: Verbreitungskarte von Sphagnum tenellum nach dem Bundesinventar der Hochmoore von nationaler Bedeutung.
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Abb. 6: Verbreitungskarte der Rosmarinheide (Andromeda pali/alia) nach dem Bundesinventar der Hochmoore von nationaler Bedeutung.
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Alpen, seltener in den Voralpen, vor. Im Jura und in den Voralpen ist die Art jedoch selten. Sie bildet in von Sphagnum magellanicum dominierten Hochmooren klar abgegrenzte Bulten. In den Zentralalpen (Oberengadin) ist sie das Hauptelement der Hochmoore und kann Sphagnum magellanicum vollkommen verdrängen.
2.2.7 Abb. 7: Verbreitungskarte der Zwerg-Birke (Betula nana) nach dem Bundesinventar der Hochmoore von nationaler Bedeutung.
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--- - - - I HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Sphagnum compactum (Abb. 4) und Sphagnum tenellum (Abb. 5) haben die gleiche Ökologie. Man findet sie in nährstoffarmen Lebensräurnen in feuchten Heiden oder auf nacktem Torf, hauptsächlich in Schlenken. Im Jura kommt Sphagnum compactum jedoch nur an einen einzigen Standort im Tal von Ponts-de-Martel vor, Sphagnum tenellum kommt dagegen in der ganzen Schweiz vor. Von den typischen Hochmoor-Gefässpflanzenarten ist die Rosmarinheide (Andrameda palifaUa; Abb. 6) recht weit über die ganze Schweiz verbreitet. Hingegen ist die Zwerg-Birke (Betula nana; Abb. 7) ausser einer einzigen Station in den Voralpen auf die Jurahochmoore begrenzt.
LITERATUR ADRESSE DER AUTORIN:
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Beilage 2
Inventarblatt und Moorkarte zum Musterobjekt Nr. 0
Bericht Nr. 281 Eidg. Anstalt für das forstliche Versuchswesen, 8903 Birmensdorf
Inventar der Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz Objekt-Nr.: o Karte zum Musterobjekt Lokalität: Les Tourbieres Anzahl Teilobjekte : 3 Koordinaten: 534000/234910 LK: 1103,221 Höhe, m: 940 Kanton(e): XV Autor der Erhebung: Peter Muster Datum: 27.2.1986 Gemeinde-Nr.: 0 Ausschnitt aus der Landeskarte 1: 50 000, Blatt 221 Objekt Nr.: 0 Hochmoorfläche total (ha) .. . . . . . . . . . . . . 34,0 Objektumfeld (Kontaktzone ) Hochmoorumfeld (ha) .. . .........• . ... 35,2 (1 = kleinflächig, 2 = grossflächig) Objektgesamtfläche (ha) ....... . ....... 69,2 Wald . ... .... . . . ... . .. . . . . . . . . . . . Weide . . . . . . . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . Ausbildungsform (in haI Waldweide . . ..... . .. . . . . ... . ...... . A zentrisches Hochmoor . . . . . . . 5,3 Gebüsch, Aufforstung .. • . . . . . . . . . . . . . . B Decken- und Kuppenmoor . . . . . . . . .. 0,0 Dauerwiese, Matte .... • . . . . .. . ....•. _ 2 C Sattelhochmoor ...... .... , 0,0 Acker, Kunstwiese . ..... . . . . . . . . . . . . . D Hanghochmoor .. . . .. .. .... . . ... 3,3 Siedlung, Garten ... . ...... . . . . . . . . . . . E Hochlagenhochmoor . . . . . . . . 0,0 Aufschüttung, Deponie ... _ ... _ .... ... . 2 A-E primäres Hochmoor ... .. ..... .... 8,6 Verkehr, Tourismus, Sport ... ... . .•....• F sekundäres Hochmoor ... . . . . . . . . . . 25,4 Drainage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • 2 Hochmoorelemente. Zustand (+ = vorhanden) Pflanzenarten Schlenken .. . ...... . .. ...... .. .. .. . + Gefässpflanzen: Rüllen . . .. • . .. .... . . ... . ..... . ... + (1 = selten, 2 = häufig) Blänke . . . . . . . . . . . . .. ...... ... . .. . + Andromeda polifolia __ . _ _ . __ _ _ . 1 Schwingrasen . .. ....... ... . ..... . .. . Betula na na .. ... .... . .... _ .. •....•. 1 Randwald .... . .. . .. . . ............. . + Calluna vulgaris . . . ___ ... _ .... ... _ •.. 2 Randsumpf, Lagg ....... . . . . . . . . . . . __ + Carex limosa . . . . . . . . . . . . . . . . .. . _ .•. 2 Drainagegräben . ... . ... _ •. . ..•. _ . . __ + Carex magellanica . . . . . . . . . . . . . . _ . ... . - mit Rüllenvegetation ... ... . .... _ ... _ + Carex pauciflora ....... ... .... . _ .. _ . _ 2 Trampelpfade . . .. . ... . . .•...... _ .. _ • + Drosera anglica _ . . _ ... __ ... _ . _ •..•.•. hydrologische Barriere _ ... __ _ . _ _ . ... __ _ 233
Regenerationsflächen .... .....••.....• + Drosera rotundifolia . _ ..... ____ . _ ...•. beweidete Flächen . ... . . . . . . . . . . . ... . Empetrum nigrum/hermaphroditum . . _ • _ . .. verheidete Flächen ...... .. . ...... ... . + E riophorum vaginatum ... _ .. ... __ •.... * 2 Torferosion • ...... .. .. .....•......• + Ausschnitt aus der Landeskarte 1: 25000, Blatt 1103 Lycopodium inundatum ..... _ .. . . abgeto rfte F Iäch en .. . . .. . . . . . . . . . . .. . + Melampyrum pratense .. . .... . .. ...... . 2 - davon vegetationslos ... . . . . . . . . . . . . . + o xycoccus q uad ri pe ta Ius/m icrocarpus ..... . 2 Pinus montana . . . . . . . . . . . .. .. ...••.• 2 Rhynchospora alba . ... .. . . . . . . ... ___ . 1 Torfstichweiher .. . . . .. . _ . _ ... _ . _ . __ . + Scheuchzeria palustris ...... . . . . .....•. Torfstichkanten .. _ . __ .. ___ . __ .. _ .. __ Trichophorum caespitosum ...... ...... . 2 + Vaccinium myrtillus • . . .... .. .. •....•. 2 entwaldete Flächen ... . .. .•. . . . . . . . . . . Vaccinium uliginosum ...... . ... _ .• __ .. 2 gemähte Flächen ....... . . . . . . . . . . . . • Vaccinium vitis-idaea ..... . .... . . . . . . . . 2 Bewaldung und Verbuschung .....•.....• + neue oder andere Störungen . __ ... __ .. .• . + Torfmoose: (+ = vorhanden) Kartiereinheiten (in haI Sphagnum angustifolium . . . . . . . . . . • . . . . Primäre Hochmoorvegetation (rot): Sphagnum centrale . . .. . . . . . . . . ... ... .
1 Bultgesellschaften .... .. ... ......•. 0,6 Sphagnum compactum . . . . . . . . . . . . ... . +
2 Schlenkengesellschaften . .. . ... . . 0,0 Sphagnum contortum . . .. __ . ... _ .•. _ ..
3 Bergföhrenhochmoor .. •. .... ... .. .• 7,8 Sphagnum cuspidatum .. . . . . . . . . . .. .... *
4 Rüllengesellschaften . ... . .. . . ...... . 0,2 Sphagnum dusenii ..... ••.•..•....... . 5 Birken- und Fichtenmoore .... ... ... . 0,0 Sphagnum fallax ... .. . .••..••...•.... 6 Hochmoormischvegetation .... . ..... . 0,0 Sphagnum fimbriatum . . . . . . . . . . . . . . .. . Sekundäre Hochmoorvegetation (gelb) : Sphagnum flexuosum .. . . . • . . . • . . . . . . . Sphagnumfuscum .... . . . . . . . . . . _ ... .
1 Bultgesellschaften . . . . . . . . . . ... . .•. 2,0
Sphagnum girgensohnii .. __ . .. _ ... . ... .
2 Schlenkengesellschaften .. . ... ...•... 0,3
3 Bergföhrenhochmoor ........ ...... . 0,0 Sphagnum magellanicum .•...••...•.... • +
4 Rüllengesellschaften . ........ .. . . .. . 0,7 Sphagnum nemoreum . . . . . . . . • . . . . _ .. . Sphagnum obtusum ... ...... _ . _ ..... .
5 Birken- und Fichtenmoore .... .•..... 19,4
6 Hochmoormischvegetation .... . __ .. _ 3,0 Sphagnum pal ustre .. . . . . . . . . . • . . . . . . . +
Sphagnum papillosum . . . . . . . . . . . . . . . . . Hochmoorumfeld (grün): Sphagnum platyphyllum .... ... . ...... . 7 Wald . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . .•. 3,7 Sphagnum plumulosum . .....••...... . .
•
8 Waldweide .. • . . . . . . . . . . . . ..••... 8,1 Sphagnum pulchrum ... ..... __ . __ ... _ _
9 Weide . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,0 Sphagnum quinquefarium . . _ .....••.... • primäre Hochmoorflächen Objektzentrum
10 Gebüsch, Aufforstung . ... . ... ...... . 1.7 Sphagnum recurvum . . . . . . . . . . . . . . _ . _ . + (im Kartenausschnitt 1: 50 000)
11 Niedermoor, Verlandung ...... ...... . 12 Wasserflächen (blau) ........ ...... . 8,5 0,3 Sphagnum robustum ... .... , .. _ • _ . ... . Sphagnum rubellum ... .. .. .•• .. .•.... • + D sekundäre Hochmoorflächen 13 Torffelder (braun) ..... . .... . .... . . 1,9 Sphagnum subsecundum . . . . . • . . . . . . . . .
14 Dauerwiese, Matte . . ..... . . . , ..... . 5,2 Sphagnum tenellum .. . . . . . . . • . . . . . . . . Hochmoorumfeld
15 Acker, Kunstwiese .. . . . . . ... .. . . . . . 0,0 Sphagnum tenerum .. . . .. __ . __ .... . . . .
16 Siedlung, Garten ... . . . ..... ... ... . 0,0 Sphagnum warnstorfii .. ..•..••........ +
17 Dolinen ....... _ ..... _ ... ...... . 0,0 offene Wasserflächen 1-3 Teilobjekte
18 Mischvegetation . . . . . . . . . . . .•. . ... 0,0
19 Hochstaudenfluren . . . . . . . . . . ..... . 0,0 * typische Hochmoorarten • vegetationslose Torffelder 1-20 Kartiereinheiten gemäss Inventarblatt
20 Deponie, Aufschüttung ....... . ..... • 0,8 (maximale Anzahl = 7) ..... ___ ... _ ... _ 6
Kartengrundlagen reproduziert mit Bewilligung des Bundesamtes für Landestopographie vom 21 .2,1 986
PHILIPPE GROSVERNIER / ALAIN LUGON / YVAN MAnHEY
Der Vegetationskomplex der Hochmoore 2.2.8 1 WARUM "VEGETATIONSKOMPLEX"?
Hochmoore werden durch typische Pflanzengemeinschaften charakte- Die Nomenklatur für die Moose risiert (vgl. Band 1, Beiträge 2.1.1 und 2.2.7). Aufgrund der sehr spezi- orientiert sich an SMITH (1980). ellen Bedingungen des Hochmoors (vgl. auch Band 1, Beiträge 2.1.1 und 3.1.2) entsteht eine Vegetationsform, die sich durch einen hohen Spezialisierungsgrad und eine geringe Artenvielfalt auszeichnet. Pflanzensoziologisch gesehen sind einige der vorkommenden Assoziationen nahe mit den Übergangsmooren verwandt (vgl. Band 1, Beiträge 2.2.6 und 2.2.7). Abb. 1: Schema eines naturnahen Hochmoores. I In der Natur bilden diese Assoziationen ein sehr feines Mosaik von a Bult HAND BUCH Mikrohabitaten, das sich aus verschiedenen Strukturelementen (Abb. b Schlenke MOOR- 1) zusammensetzt. Dazu zählen auch bewaldete Standorte (Föhren- SCHUTZ c Moorweiher IN DER SCHWEIZ und Randwälder). In ihrer Gesamtheit bilden die Hochmoor- und d Schwingrasen Übergangsmoor-Gesellschaften sowie die Randwälder den Hoch- e Rülle moorkomplex. f Bergföhrenhochmoor Bei der näheren Betrachtung der Vegetationseinheiten der Hochmoo- g Randwald re muss man sich auch bewusst sein, dass die Veränderung der abioti- h Randsumpf, Lagg schen Bedingungen bedeutend sein kann. Je nach Standort können Flachmoor solche Veränderungen innerhalb von einigen Metern oder sogar eini- Quelle: verändert nach GRÜNIG et gen Dezimetern auftreten. al. (1986)
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mnlr Torf r·- mineralischer
L._J Untergrund
2 DIE HABITATE DES PRIMÄREN HOCHMOORS Abb. 2: Primäres Hochmoor: Vegetationsabfolge vom Bulten-Schlenken-Komplex im Vordergrund bis
zum lichten Föhrenwald im Hinter- 2.1 Die Mikrohabitate des Hochmoorzentrums grund. Foto: NATURA Analog zu den Höhenstufen der Landschaft, denen verschiedene Vegetationsformen zugeordnet werden können, kann man die Mikrohabitate von der Spitze der Bulte bis in die Tiefen der Moorweiher auf einer Skala darstellen. Die von SJÖRS (1948), LINDSAY et al. (1985) und STEINER (1992) beschriebenen Haupttypen der Hochmoor- Mikrohabitate werden dabei vor allem von zwei Faktoren bestimmt: von der Tiefe des Grundwasserspiegels und vom Säure- und Nährstoffgehalt (vgl. Abb. 2). Es werden nachfolgend die von LINDSAY et al. (1985) beschriebenen Haupttypen von Mikrohabitaten übernommen (vgl. Abb. 3).
2.2.8 Abb. 3: Schnitt durch einen Bult und T4 eine Schlenke und Verteilung der 1 verschiedenen Torfmoos-Arten T3 längs dieses Profils. Jede Art besetzt eine genau bestimmte Nische, die 1'2 vom Abstand zum Grundwasserspiegel definiert wird. Die Buchsta- Tl ben T und A bezeichnen die terrestrischen bzw. aquatischen Mikro- Sphagnum imbricatum Sphagnum rubellum I ;;. 3 Sphagnum magellanicum HAND §'/ BUCH 00 4 Sphagnum papillosum MOOR· # 5 Sphagnum pulchrum SCHUTZ INDER / SCHWEIZ
6 Sphagnum cuspidatum
/ Quelle: Verändert nach LINDSAY et. al. (1985)
2.2 Die bewaldeten Habitate
Gegen den Rand des Hochmoors erscheinen die bewaldeten Bestände. Das Bergföhrenhochmoor (Einheit 3 des Inventars der Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz, HMI) gehört noch zum Hochmoor- Vegetationskomplex. Es wird im Mittelland von der Waldföhre (Pinus sylvestris) und in den Gebirgen von der Bergföhre (Pinus mugo s. l.) dominiert. Die Bestände sind in der Regel so licht, dass die Entwicklung der für Hochmoore charakteristischen Pflanzenarten nicht behindert wird.
Am Rande des Hochmoors, wo der Boden plötzlich abfällt und wo die natürliche Entwässerung intensiver ist, erscheinen die Randwälder (Birken- und Fichtenmoore, Einheit 5, HMI). Wenn diese keine charakteristischen Arten des Hochmoors mehr aufweisen, werden sie den anderen Wäldern gleichgestellt (Einheit 7, HMI) und als dem Hochmoorumfeld zugehörig betrachtet.
Bulte, Torfmooshügel (T3ff4) Aufgewölbte, von Torfmoosen dominierte Strukturen von (französisch: buttes, buttes hautes; 0,3 bis 1 m Höhe (1 - 2 m bei T4) und einem Durchmesenglisch: hummocks, high hummocks) ser von 1 bis 2 m. Man findet aber häufig auch Flechten, Zwergsträucher und kleinwüchsige Föhren.
Bultflächen (T2) Mehr oder weniger flache, von Torfmoosen bedeckte (französisch: hauts replats; Zonen, die sich zwischen 10 und 30 cm oberhalb des englisch: high ridges) Grundwasserspiegels befinden und dicht von Zwergsträuchern bewachsen sind.
Bultfussflächen, Teppichhorizonte (Tl) Relativ flache Zonen, die bis zu 10 cm oberhalb des (französisch: bas replats; Grundwasserspiegels liegen. Sphagnum magellanicum englisch: lawns, low ridges) oder S. papillosum dominieren die Moosschicht. Das Bild der Pflanzengemeinschaften wird durch das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) bestimmt.
TorfmoosscIdenken (Al) Kleine Senken von 0 bis 10 cm Tiefe, durch Torfmoos- (französisch: gouilles asphaignes; rasen besetzt. englisch: carpet, Sphagnum hollows)
Torfschlammschlenken (A2) Kleine temporäre Schlammwasserflächen von 0 bis 20 cm (französisch: bourbiers, gouilles; Tiefe, die im Sommer austrocknen. Sie sind durch einen englisch: mud-bottom hollows) geringen Torfmoosbewuchs und eine lückige Krautschicht gekennzeichnet.
Periodische Kolke (A3) Wasserstellen, die periodisch austrocknen können, aber (französisch: mares temporaires; zum grössten Teil vegetationslos sind. englisch: drought-sensitive pools)
Kolke (A4) Dauernd wassergefüllte Moorseen, die mehrere Meter (französisch: mares; Tiefe und Durchmesser erreichen können, mit schwimenglisch: permanent pools) menden Torfmoosen. Mit Rhizomen versehene Sumpfpflanzen wachsen vom Rand her in die offenen Wasserflächen ein.
Rüllen (TA2) Kleine, natürlich entstandene Rinnen, in denen das über- (französisch: combes d'ecoulement) schüssige saure Wasser vom Hochmoor zum Rand fliesst. Die Vegetation wird von Seggen (Carex lasiocarpa, C. rostrata) und von Sphagnum fallax dominiert.
Tab. 1: Übersicht über die Mikroha- schlammschlenken (A2) in der Einbitate eines Hochmoors. heit 2 (Schlenkengesellschaften) und Im Bundesinventar der Hoch- und die Rüllen (TA2) in der Einheit 4 Übergangsmoore werden die Bulte, zusammengefasst. die Bultflächen und die Teppichhorizonte (T3 bis Tl) in der Einheit 1 (Bultgesellschaften), die Torfmoosschlenken (Al) und die Torf-
2.2.8
I HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
3 DIE SEKUNDÄREN HABITATE Abb. 4: Sekundäres Hochmoor; der
Vegetationskomplex im Vordergrund ist durch eine Drainage beein- In der Schweiz befinden sich nur noch 35 % der Hochmoore im flusst. Bei der Fläche im Mittelprimären Zustand (GRÜNIG et al. 1986). Die Nutzung der Moore grund handelt es sich um einen gros- (vgl. Band 1, Beitrag 3.2.4) hat auch die Hochmoore tiefgreifend verän- sen Torfstich, auf dem sich in der Zwischenzeit wieder ein Übergangsdert (Entwässerung, Änderung der Topographie, Eutrophierung, usw; moor eingestellt hat. vgl. Abb. 4). Die verschiedenen sekundären Standorte (vgl. Abb. 5) Foto: NATURA haben sich ausgedehnt. Hochspezialisierte Hochmoor-Lebensgemeinschaften sind dadurch benachteiligt.
Abb. 5: Schema eines sekundären Hochmoors. nITilll Torf a Torfhügel LJ mineralischer Untergrund b Abgetorfte Fläche c Torfschlammschlenken d Überrieselungsflächen e Erosionsrinnen f Drainagekanal g Drainagegraben b Torfstichkante Torfstich
2.2.8 Torfhügel (T4, TS) Nicht bewirtschaftete, stark ausgetrocknete Zonen, die (französisch: tertres; als Folge des Torfabbaus die Umgebung um 1 bis 4 m englisch: hags) überragen.
Abgetorfte Flächen (Tl, A2) Mehr oder weniger flache Zonen von abgetragenem, (französisch: surfaces rach~es; nacktem Torf (Gewinnung von Gartentorf). englisch: rnilled peat fields) Die Einstrahlungs-, Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen unterliegen extremen Schwankungen.
Torfschlammschlenken (A2) (französisch: depressions bourbeuses; Temporäre und wenig tiefe Wasserstellen auf abgetorften Flächen. I englisch: mud-bottom hollows) HAND BUCH MOOR- Überrieselungsflächen (TA2) Nackte Torfflächen am Hang, die, bedingt durch den SCHUTZ IN DER (französisch: surfaces de ruissellement; Wasserabfluss an der Oberfläche, einem Wechsel von SCHWEIZ englisch: runnels, overflows) trockenen und nassen Perioden unterliegen.
Erosionsrinnen (TA2) Rinnen von einigen Dezimetern bis mehr als 1 m TIefe, (französisch: rigoles d'erosion; die durch lokale Erosionseinwirkungen infolge von englisch: erosion channels) Abtorfung oder Beweidung entstanden sind. Die Bodenbedingungen sind denen der Rüllen ähnlich.
Drainagekanäle, Drainagegräben (TA2, A3, A4) Drainagekanäle messen in Breite und Tiefe nur einige (französisch: fosses, canaux de drainage; Zentimeter und werden nur zeitweilig von Wasser durchenglisch: drainage ditches) flossen. Drainagegräben können 2 bis 3 m breit und mehr als 1 m tief sein. In ihnen kann das Wasser an einigen Stellen permanent stehen.
Torfstichkante (T4, TS) Ränder der ehemaligen Torfabbauflächen, die nackte, 3 (französisch: murs d'exploitation de tourbe) bis 4 m hohe Torfwände bilden können.
Torfstiche (TA2, A2, A3, A4) Gruben, die durch den Abbau von Torf als Brennmaterial (französisch: creuses, fosses de tourbage; entstanden sind. Manche dieser einige Meter tiefen Torfenglisch: peat pits) stiche erstrecken sich über mehrere Aren, andere sind nicht grösser als einige Quadratmeter.
Tab. 2: Übersicht über die sekundären Mikrohabitate.
4 DIE VEGETATIONSEINHEITEN DER PRIMÄREN HOCHMOORE
4.1 Die Vegetation der aquatischen Standorte
4.1.1 Kolke und Schlenken des Rhynchosporion albae Koch 1926
Diese Pflanzengesellschaften sind im Band 1, Beitrag 2.2.6 genauer beschrieben. Nachfolgend sollen kurz einige wichtige Details im Zusammenhang mit ihrem Vorkommen in den Hochmooren erläutert werden. In der Assoziation des Caricetum limosae Osvald 1923 em. Dierssen 1982 werden mehrere Subassoziationen unterschieden, die auf sauren oligotrophen bis subneutroklinen mesotrophen Wasserstand orten der Typen A1-A3 vorkommen. Reicher in der Artenzusammensetzung, erlangt das Rhynchosporetum albae Koch 1926 selten einen vollen Deckungsgrad. Die Torfmoose (Sphagnum cuspidatum, S. tenellum neben anderen Differentialarten von Subassoziationen) vertragen nur schlecht die sehr starken Feuchtigkeitsschwankungen der von der Assoziation bedeckten Schlenken vom Typ A2.
4.1.2 RüDen des Caricion lasiocarpae Vanden Berghen in Lebrun
et al.1949 Die Assoziationen Caricetum lasiocarpae und Caricetum rostratae Osvald 1923 em. Dierssen 1982 sind typisch für die RüBen (Typ TA2). Man findet sie aber auch in den oligotropheren Schlenken, wo die Torfmoose einen durchgehenden Teppich bilden (Typ Al).
4.2 Die Vegetation der terrestrischen Standorte
4.2.1 Bultflächen und Hügel des Oxycocco-Empetrion hermaphroditi
Nordhagen ex Tüxen 1937
Empetro hermaphroditi-Sphagnetum fusci (Du Rietz 1925) em. Dierssen 1982 Diese relativ seltene Assoziation, für die Betula nana, Empetrum hermaphroditum und Vaccinium oxycoccos typisch sind, ist durch die Dominanz von Sphagnum fuscum (Differentialart) geprägt. Sie weist jedoch auch die für Sphagnetum magellanici charakteristischen Pflanzenarten auf (vgl. Ziffer 4.2.2).
2.2.8 Diese Assoziation bildet oft sehr hohe Bulte (T3) mit steilen Flanken (T4) und mehr oder weniger feuchte Bultflächenffeppichhorizonte mit zahlreichen Zwergsträuchern (Typen 1'2 und Tl). Die Dominanz von Sphagnum fuscum beruht auf dem Einfluss eines kontinentaleren Klimas. Deshalb findet man diese Assoziation hauptsächlich in den östlichen Zentralalpen, wo sie aber immer noch selten ist.
Scirpo cespitosi-Sphagnetum compacti Waren 1926 em. Dierssen 1982 Das Bild dieser relativ arten armen Assoziation, die häufig grössere I Flächen bedeckt, wird dominiert von Scirpus cespitosus und Spha- HAND BUCH gnum compactum im Wechsel mit vegetationslosen Torfflächen. Diese MOORbeiden Arten sind jedoch nur Differentialarten der Assoziation, da sie SCHUTZ IN DER SCHWEIZ auch in anderen Pflanzengesellschaften zur Dominanz gelangen können. Diese Assoziation kann als in der Höhe mit dem Sphagnetum magellanici vikarüerend betrachtet werden. Sie besiedelt Bultfussflächen (Typ Tl), seltener Torfschlammschlenken (Typ A2) und bildet kaum Torf, entweder aufgrund ungünstiger klimatischer Bedingungen oder als Folge einer Entwässerung. Jedenfalls braucht sie reichliche Niederschläge, die zumindest zeitweilig eine optimale Bodenfeuchtigkeit sicherstellen. Jede grössere Entwässerung ist für sie verhängnisvoll. Zudem ist diese Assoziation charakteristisch für zu stark beweidete Flächen mit vegetationslosen TorfsteIlen und Erosionserscheinungen. Das Scirpo cespitosi-Sphagnetum compacti ist in den (Vor-)Alpen häufig, im Jura selten bis fehlend.
4.2.2 TorfmoosschJenken, Bultflächen und Hügel des Sphagnion magellanici Kästner & FIössner 1933 em. Dierssen in Oberdorfer et aI. 1977 nom mut. (= Sphagnion medii)
Sphagnetum magellanici Kästner & FIössner 1933 nom. mut. (= Sphagnetum medii) Das Sphagnetum magellanici ist wohl die typischste Pflanzengesellschaft der Hochmoore. Obwohl sie keine charakteristische Pflanzenarten enthält, zeichnet sie sich durch eine typische Kombination von Differentialarten aus wie Sphagnum magellanicum, S. capillifolium, Polytrichum strictum, Eriophorum vaginatum, Ca rex pauciflora, Vaccinium oxycoccos, V. uliginosum, Andromeda polifolia, Drosera rotundifolia. Calluna vulgaris tritt hier häufig auf und obwohl Pinus mugo s. 1. in Form von einzelnen Bäumen vorkommen kann, bleibt das Sphag-
netum magellanici ein vorwiegend waldfreier Pflanzenbestand, der oligotrophe und saure Standorte bevorzugt. Diese Pflanzengesellschaft besiedelt hauptsächlich Bultflächenffeppichhorizonte (Typen Tl und TI). Sie erstreckt sich aber auch auf die minerotrophen Torfmoosschlenken (Typ Al; Scheuchzeria palustris- Subassoziation mit Ca rex limosa) und auf die Bulte (Typen T3 und T4; Sphagnum jUscum-Subassoziation). Sphagnetum magellanici kommt in der Schweiz häufig vor, hauptsächlich in den Voralpen und im Jura.
Eriophoro vaginati-Scirpetum cespitosi Rübel1933 nom. mut. (= Scirpetum austriaci Osvald 1923 em. Stein er 1992) Diese Assoziation ersetzt das Sphagnetum magellanici in der subalpinen Stufe. Charakterisiert durch das Vorhandensein von Scirpus cespitosus, neben typischen Arten der Oxycocco-Sphagnetea, werden häufig die gleichen Mikrostandorte (T4 bis Tl, Al) besiedelt. Je nach trophischen Verhältnissen oder Feuchtigkeitsgrad des Lebensraumes können mehrere Subassoziationen unterschieden werden. Man findet die Assoziation aber auch auf nackten, wechselfeuchten Torfflächen (Überrieselung auf Hängen, Viehtritt, Typ TA2). Das Eriophoro vaginati-Scirpetum cespitosi ist in den Alpen und Voralpen zu finden. Im Jura ist diese Pflanzengesellschaft nur auf französischem Gebiet gut entwickelt, wo sie auf gleicher Höhe in der Nähe des Sphagnetum magellanici vorkommt.
PitlO mugo-Sphagnetum magellanici (Kästner & Flössner) Neuhäusl 1969 nom. mut. Das Pino mugo-Sphagnetum ist die typische Wald-Assoziation der Hochmoore. Sie ist durch Pinus mugo agg. (inbegr. P mugo Turra s.str., P uncinata Mill. ex Mirb. s.str. und P rotundata Link) und das Vorhandensein von Differentialarten des Sphagnion magellanici gekennzeichnet. P mugo hat nur in den östlichen Zentralalpen eine liegende Form (niedriger Busch, die Äste flach auf dem Boden ausgebreitet); für die Voralpen und den Jura sind die aufrechten Formen typisch. Diese Assoziation entwickelt sich im Randbereich der Hochmoore rund um den Zentrumskomplex Bult-Bultfläche/Teppichhorizont- Schlenken der Typen Tl bis T3, an weniger feuchten, aber immer sauren Stellen. Gegen das Zentrum des Hochmoores ist die typische Subassoziation sehr offen und enthält nur kleine, kümmerliche Bäume. Im Unterholz dominieren Vaccinium uliginosum und Eriophorum vaginatum. Die
2.2.8 Torfmoose (Sphagnum magellanicum, S. capillifolium) bilden einen durchgehenden Teppich. Gegen den Rand des Moores zeigt die Cladonia arbuscula-Subassoziation ein geschlosseneres Bild, und die Föhren wachsen aufrecht und hoch. Andromeda polifolia, Vaccinium oxycoccos und Drosera rotundifolia verschwinden und V myrtillus dominiert über V uliginosum. Der Torfmoosteppich ist häufig aufgelockert, und die Bulten-Schlenken-Struktur schwächt sich ab. Diese Assoziation ist in den Hochmooren der Schweiz häufig. Die Rodungen für den Torfabbau haben die Ausdehnung dieser primären Moorwälder stark reduziert. Anderseits dürften Entwässerungen, 1 wenn sie nicht zu intensiv waren, die Ausbreitung von Föhren auf HAND BUCH ansonsten unbewaldeten Hochmooren gefördert haben (vgl. Ziffer 5). MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
4.3 Die Vegetation der Randwälder; Gürtel-Fichtenmoor des Vaccinio-Piceion Braun-Blanquet 1939 em. Kielland-Lund 1967
Bazzanio-Piceetum Braun-Blanquet 1939 Picea abies bestimmt das Bild dieser von Bazzania tri/obata, Sphagnum girgensohnii und von Dicranum scoparium als Differentialart sowie der Fichte charakterisierten Assoziation. Unter anderen prägenden Arten der Pflanzengesellschaft ist Lycopodium annotinum eine Charakterart der Klasse (Vaccinio-Piceetalia) und des Verbandes (Vaccinio-Piceion), wogegen Vaccinium myrtillus, V vitis-idaea, Pleurozium schreberi und Hylocomium splendens Charakterarten der Ordnung (Vaccinio-Piceetea) sind. Der Torfabbau im Randbereich der Hochmoore und die landwirtschaftliche Nutzung haben diese Art Randwald oft verändert oder gar zerstört. In der Schweiz gibt es daher keine grossflächigen primären Bestände mehr.
5 DIE VEGETATIONS EINHEITEN DER SEKUNDÄREN falt der sekundären Standorte genügt die klassische Pflanzenso- Die Beschreibung der sekundären Vegetationstypen beruht auf flori- ziologie nicht mehr, um die stischen, aber vor allem auch auf physiognomischen oder strukturellen Standorte genügend charakteri- Kriterien (biologische Typen, Stratifikation, Habitat). Sie geht damit sieren zu können (zu kleine und zerstückelte Flächen, Fehlen weiter als die einfache Bestimmung eines pflanzensoziologisch becharakteristischer Artenkombikannten Bestandes. nationen, faziesbildende Domi- Jeder Vegetationstyp gehört im allgemeinen zu einer Sukzession, nanzarten). Um diesen Nachteil deren Anfangspunkt von der Art und Intensität der menschlichen auszugleichen, haben GROS- Störungen bestimmt wird (Abb. 6). Die korrekte Pflege eines Typologie der sekundären Torf- Hochmoores, v.a. im Hinblick auf die Wiederherstellung gestörter standorte vorgeschlagen. Der Lebensräume, setzt voraus, dass die Herkunft und das Entwicklungs- Hauptvorteil dieser Typologie liegt darin, dass sie erlaubt, die potential einer Pflanzengesellschaft bekannt sind. meisten sekundären Standorte als Stadien verschiedener Pflanzensukzessionen darzustellen 5.1 Heiden und Kraut- oder Moosfazies (MATTHEY, 1996).
Heiden sind Pflanzenbestände, in denen Zwergsträucher dominieren. Man unterscheidet je nach dominanter Art verschiedene Heidetypen. Die häufigsten sind die Calluna vulgaris-Heiden. Das seltene Vorkommen von Torfmoosen zeigt, dass diese Standorte am Ende einer Entwicklung stehen und unnatürlich entstanden sind (Torfhügel und Torft Sphagnetum magellanici I Sphagnetum magellanici II Abb. 6: Darstellung der Stadien einer Sukzession mit Eriophorum vaginatum- Fazies.
". '-~. '',.'" Eriophorum vaginatum-Fazies, , Es sind hier nicht alle Typen und
l ~j l Torfmoose und Chamaephyten /, Sukzessionswege dargestellt.
~~ H~den mit Calluna vulgaris Sekundäre fFöhrenwälder Wl und ErioPhor.u m vaginatum ...,Jfauf Eriophorum vaginatum- .1'8 , ~l Eriophorum vaginatum- Fazies Nackter Torf
2.2.8 Sind die hydrologischen Bedingungen nicht allzu ungünstig (abgetorfte Flächen, Nutzungsgräben, Typ A2), so kann sich ein Torfmoosteppich entwickeln, auf dem sich charakteristische Arten der Oxycocco- Sphagnetea ansiedeln können. Es handelt sich dabei um Evolutionsstadien, die durch eine fortschreitende Sukzession zur Wiederherstellung von Pflanzengesellschaften führen, die nahe mit dem Sphagnetum magellanici verwandt sind (MATTHEY, 1996). Wird das Bild eines solchen Evolutionsstadiums von einer oder wenigen Arten dominiert, spricht man von einer Fazies. Auf saurem oligomesotrophem Torf bestehen die dominanten Fazies aus Hemikrypto- I phyten (überdauernde, horstbildende Krautpflanzen) wie Eriophorum HAND BUCH vaginatum, Scirpus cespitosus oder Molinia caerulea, die dichte Horste MOORbilden. SCHUTZ INDER SCHWEIZ Günstige Habitate, wie Torfschlammschlenken (A2), Drainagegräben oder Torfstiche (Typen Al bis A3), erlauben eine schnelle Rückkehr Vor allem die horstartige Strukder Torfmoose (Sphagnum fallax ist eine häufige Pionierart). Ande- tur des Eriophorum vaginatum trägt zur Bildung spezieller rerseits fehlen in ungünstigeren Habitaten wie Torfhügeln (T5 und mikroklimatischer Bedingungen T4), abgetorften Flächen (Tl), Überrieselungsflächen oder Erosions- am Boden bei (MATIHEY, rillen (TA2) die Torfmoose generell. Durch eine Förderung der Ent- 1996). Die relativ erhöhte Umgebungsfeuchtigkeit unter wicklung der Eriophorum vaginatum-Fazies kann man indirekt zur der Grasdecke kann entschei- Wiederherstellung von Torfmoosgemeinschaften beitragen (vgl. dend zum Wiederauftreten von Kasten). Torfmoosen beitragen und dies Die bestentwickelten Stadien der Fazies mit Eriophorum vaginatum selbst bei fehlendem Anstieg des Grundwasserspiegels (GROS- und Sphagnum recurvum S.l. haben die Tendenz, Pflanzengesellschaf- VERNIER, 1996). ten zu bilden, die aus pflanzensoziologischer Sicht dem Sphagnetum magellanici nahe verwandt sind. Sie formen eine in der Schweiz weit verbreitete sekundäre Pflanzengesellschaft. Die Scirpus cespitosus- Fazies weist Elemente des Eriophoro vaginati-Scirpetum cespitosi oder des Scirpo cespitosi-Sphagnetum compacti auf. Die trockensten Habitate wie abgetorfte Flächen (Tl), Torfhügel oder bestimmte Torfstichkanten (T4, T5) bieten teilweise ungünstige Standortbedingungen für Gefässpflanzen und werden oft von sehr dichten
Moosrasen wiederbesiedelt. Polytrichum strictum ist die Hauptpionierart. Sie bereitet sozusagen den Boden vor für die Rückkehr der Torfmoose und der höheren Pflanzen. Das Wiederauftreten von Chamaephyten wie Vaccinium uliginosum, Calluna vulgaris oder seltener Betula nana, Vaccinium oxycoccos und von Sphagnum magellanicum zeigt die zunehmende Rückkehr zu Bedingungen an, die für Heiden günstig sind und bei fortschreitender Evolution zum Sphagnetum magellanici führen. Die Polytrichum strictum-Fazies kann während mehrerer Jahrzehnte stabile Stadien bilden, bevor insbesondere die hydrologischen Bedin-
gungen eine Wiederansiedlung der Torfmoose erlauben. Innerhalb von 40 bis 50 Jahren ist sogar die Wiederherstellung eines sekundären Sphagnetum magellanici möglich (MATTHEY, 1996).
5.2 Sekundäre Wälder
Auch wenn keine Rodung oder Torfgewinnung stattfindet, kann eine Absenkung des mittleren jährlichen Grundwasserspiegels um 10 bis 20 cm ausreichen, um einen Rückgang der Sphagnion magellanici-Gesellschaften und der Föhrenwälder des Vaccinio-Piceion zu bewirken. Zuerst profitiert die Föhre (Pinus mugo s. 1.) von dieser Trockenlegung und besiedelt das ganze Hochmoor (SCHULTHESS, 1990). Wenn sich die Austrocknung weiter verstärkt, verschwinden die charakteristischen Arten des Hochmoores. Die Föhrenwälder des Hochmoorumfeldes erfüllen dann nicht mehr die Kriterien, die gemäss Bundesinventar die Vegetation der Hochmoore definieren. Sie gehören jetzt zur Subassoziation Cladonia arbuscula des Pino mugo- Sphagnetum magellanici. Schliesslich beobachtet man in den letzten Stadien der Entwicklung eine zunehmende Verdrängung der Föhren durch Fichten (Picea abies), die diese Pflanzengesellschaft in sekundäre, dem Bazzanio-Piceetum verwandte Fichtenwälder verwandelt. An hydrologisch günstigen Standorten, namentlich in den grösseren Torfgräben des Typs TA2, führt der Verlauf der Sukzession zur Bildung von Laubmischwäldern (vor allem BetuLa pubescens, B. pendula) und Nadelwäldern (Picea abies, Pinus sylvestris). Dort kommen Torfmoose regelmässig vor mit Sphagnum fallax, S. magellanicum und S. capillifolium sowie anderen Arten der Oxycocco-Sphagnetea, (z.B. Scheidiges Wollgras, Eriophorum vaginatum oder Moosbeere, Vaccinium oxycoccos). Je nachdem ob Pinus sylvestris, BetuLa pubescens oder B. pendula dominiert, sind die Pflanzengemeinschaften mit dem Vaccinio uliginosi-Pinetum sylvestris Kleist 1929 em. Matuskievicz 1962 oder dem Vaccinio uliginosi-BetuLetum carpaticae Lohm & Bohm 1972 em. B. & K. Dierssen 1984 (Verband des Phyllodoco-Vaccinion Nordhagen 1936) verwandt.
5.3 Sekundäre azidokline F1aclunoore
Da, wo die Torfschicht durch Abbau stark abgetragen wurde, müssen die Pflanzen mit weniger dicken und stärker minerotrophen Torfböden vorliebnehmen. So entwickeln sich bis ins Zentrum des ehemali-
2.2.8 gen Hochmoores pnanzengeseJ lschaften, die von charakteristischen Arten der Flach- oder Übergangsmoore dominiert werden, (vgl. Band l , Beit räge 2.2.3 bis 2.2.7). Die Arten der Oxycocco-Sphagnetea sind hier häufig, da diese sekundären pnanzengesellschaften Sukzessionsstad ien auf dem Weg zur Wiederherstellung von zunehmend sauren und oligotrophen pnanzengeseUschaften bi lden . Am Ende steht dann die Bildung sekundärer Assoziationen des Sphagllion magellllnici. Die Unterscheidung dieser seku ndären Flachmoore von Flachmooreinheiten auf nicht torfigen Böden hat eine grosse Bedeutung, wenn es um POcge und Wiederherstellu ng von Hochmooren geht. I HAND BUCH MOOR. SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
.' .:
6 BEDEUTUNG FÜR DEN NATURSCHUTZ
6.1 Botanische Bedeutung
Die Hochmoore stellen den einzigen Lebensraum von verschiedenen hochspezialisierten Pflanzenarten (z.B. Drosera rotundifolia, Andromeda polifolia, Eriophorum vaginatum oder Vaccinium oxycoccos; vgl. Band 1, Beiträge 2.1.1 und 2.2.7) sowie gewissen Moos- und Flechtenarten dar.
6.2 Zoologische Bedeutung
Verschiedene Tierarten sind ebenfalls strikt an Hochmoore gebunden. Libellen wie die Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) oder die Moosjungfern (Leucorrhinia pectoralis, L. dubia) nutzen die kleinen primären oder sekundären Wasserlebensräume wie auch bestimmte Spinnen und Wasserkäfer (vgl. Band 1, Beiträge 3.3.2 und 3.4.2) Verschiedene Schmetterlinge hängen für die Entwicklung ihrer Raupen von charakteristischen Pflanzenarten der Hochmoore ab, beispielsweise der Hochmoorperlmuttfalter (Boloria aquilonaris) oder der Hochmoorgebling (Colias palaeno; vgl. Band 1, Beitrag 3.4.2). Durch die Zerstörung der Hochmoore sind diese Arten stark bedroht. Verschiedene Arten, deren ursprünglicher Lebensraum durch menschliche Aktivitäten (insbesondere Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung feuchter Wiesen) gestört wurde, treffen nur noch in den Mooren Ersatzlebensräume an. Der Wiesenpieper (Anthus pratensis) hat hier Zuflucht gefunden wie auch zahlreiche Schmetterlings arten. Die zunehmende Aufgabe extensiver landwirtschaftlicher Nutzungsformen, wie sie Z.B. noch in der Region Rothenthurm vorhanden sind, führen zur Bildung von Brachflächen, deren dichter Pflanzenwuchs zum Verschwinden der erwähnten Arten führen kann (vgl. auch Band 1, Beitrag 3.3.1).
2.2.8 LITERATUR SJÖRS, H. (1948): Myrvegetation i ANSCHRIFf DER AUTOREN Bergslagen. Acta Phytogeogr. Suec. 21: 1-299. GROSVERNIER, Ph. (1996): Philippe Grosvernier Strategies et genie ecologique des SMITH, A.1.E. (1980): The moss Dr es sc. nat. sphaignes (Sphagnum sp.) dans la flora of Britain and Irland, Cambrid- NATURA, Etudes en biologie restauration spontanee des marais ge University Press, Cambridge, appliquee jurassiens suisses - une approche Le Saucy 17 experimentale. These, Universite de 2722 Les Reussilles Neuchätel, Suisse, 349 S. STEINER, G.M. (1992): Österreichischer Moorschutzkatalog. Alain Lugon GROSVERNIER, PH. / MAT- THEY, Y. / MULHAUSER, G. Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie, Wien, 509 S. Lic. es sc. nat. ECOCONSEIL Cartographie et I (1992): Typologie des milieux tour- analyses du territoire et de l'envi- HAND beux de l'arc jurassien. Actes 1992, ronnement SA BUCH Societe Jurassienne d'Emulation, S. Rue D. Jeanrichard 44 MOOR- SCHUTZ 145-186. 2300 La Chaux-de-Fonds IN DER SCHWEIZ GRÜNIG, A. / VETTERLI, L. / Yvan Matthey WILDI, 0. (1986): Die Hoch- und Dr es sc. nat. Übergangs moore der Schweiz. Be- ECOCONSEIL Cartographie et richt WSL, Birmensdorf, 281: 62 S. analyses du territoire et de l'environnement SA LINDSAY, R. / RIGGALL, 1. / Rue D. Jeanrichard 44 BURD, FH. (1985): The use of 2300 La Chaux-de-Fonds small-scale surface patterns in the classification of British peatlands. AQUILO 21: 69-79.
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REDAKTION
Erläuterungen zu den Inventaren 2.3 Die Bundesinventare der Hoch- und Flachmoore sowie der MOOf- Handbuch landschaften sind erstellt. War die Gruppe der involvierten Personen, Moorschutz in der Schweiz 1 Amtsstellen und Institutionen bei der Durchführung der Inventare 2/1994 eng begrenzt, wächst die Zahl der Ansprechpartner und der Betroffenen mit der Vernehmlassung und der nachfolgenden rechtlichen Umsetzung der Inventare rasch an. Gleichzeitig eröffnen sich neue Probleme und ergeben sich neue Fragen. Ebenso hat sich im Zuge der Vernehmlassungen gezeigt, dass ein Bedarf nach weiteren Klärungen besteht. Diesem Umstand wird Rechnung getragen, indem im vorliegenden Kapitel Fragen beantwortet und Probleme erörtert werden. Es wird eröffnet mit einer Serie von Erläuterungen zu Fragen, welche HAND , BUCH in der Vernehmlassung zum Flachmoorinventar aufgeworfen wurden. MOOR- SCHUTZ Nach Bedarf folgen weitere Beiträge, und zwar zu allen drei Inventa- IN DER SCHWEIZ ren.
MARIO F. BROGGI
Fragen und Antworten zum Flachmoorinventar 2.3.1 1 EINLEITUNG
Nach der Erarbeitung des Flachmoorinventars wurden breite Kreise, namentlich die Kantone, zur Vernehmlassung eingeladen. Seitens der Vernehmlasser wurden viele Fragen und Forderungen gestellt, aber auch Vorschläge unterbreitet. Dabei stellte sich heraus, dass den Stellungnahmen einige Missverständnisse zugrundelagen und verschiedene Rahmenbedingungen für die Inventarisierung wie auch der nachfolgenden Schritte der Umsetzung unklar sind. Der vorliegende Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen. 1 HAND BUCH MOOR· SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
2.1 Perimeter der Flachmoore im Bundesinventar
Frage: Was wird im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung auf der Landeskarte dargestellt?
2.1.1 Ausgangslage
Mit dem Bundesinventar der Flachmoore gemäss Art. 18a Abs. 1 NHG bezeichnet der Bundesrat die Biotope von nationaler Bedeu- .. tung, bestimmt deren Lage und legt das Schutzziel fest. .'. Feststellungsverfahren: Das Flachmoorinventar wurde nach gesamtschweizerisch einheitlichen Kriterien erhoben und im Massstab 1:25'000 kartiert. Es stellte vorerst eine Bestandesaufnahme von Biotopen von voraussichtlich nationaler Bedeutung dar (zu den Grundlagen hierzu vgl. BUWAL, 1991). Nichtflachmoorflächen innerhalb der Flachmoore wurden auskartiert, wenn sie grässer als 0.25 ha waren. Dies ist die Grenze der Darstellbarkeit auf der Landeskarte1:25'000. Kleinere Flächen innerhalb der Biotope, deren Vegetation nicht den Kriterien der Flachmoorkartierung entsprach, wurden dem Flachmoor zugeschlagen. Ihr geschätzter Anteil an der Biotopfläche wurde auf dem Inventarblatt in Prozent festgehalten. Flachmoore, deren Fläche 1 ha unterschreitet, wurden weder kartiert noch bewertet. Pufferzonen wurden im Rahmen der Inventarisierung nicht ausgeschieden. Deren Festlegung bedarf weiterer Abklärungen im Rahmen der Umsetzung des Moorschutzes, was Aufgabe der Kantone ist.
2.1.2 Antwort
Im Bundesinventar wird somit einzig festgestellt, wo und in welcher Ausdehnung ein Flachmoorbiotop von nationaler Bedeutung vorliegt. Die Genauigkeit der Darstellbarkeit im Kartierungsmassstab von 1:25'000 liegt bei rund 10-20 m, so dass das Bundesinventar noch keine Parzellenschärfe erlangt. Es bildet somit lediglich die Grundlage für die spätere Umsetzung des Moorschutzes durch die Kantone. Die Ergebnisse des Flachmoorinventars wurden den Kantonen zur Vernehmlassung unterbreitet. Wo es fachlich notwendig ist, wird in Zusammenarbeit mit den Kantonen der Perimeter angepasst oder die Bewertung überprüft. In einigen Kantonen bzw. für einzelne Biotope ist diese Bereinigung in der Zwischenzeit erfolgt.
2.3.1 Während die Feststellung der Flachmoore von nationaler Bedeutung eine Aufgabe des Bundes ist, obliegt der Schutz dieser Moore gemäss Art. 18a, Abs. 2 NHG den Kantonen. Alle über die Feststellung hinausgehenden Massnahmen wie die parzellenscharfe Abgrenzung, die Festlegung de~ Pufferzonen, der Einbezug von tatsächlichen wie potentiellen Regenerationsflächen, geplante Entbuschungen ehemaliger Flachmoorparzellen u.ä.m. sind nicht im Bundesinventar dargestellt, sondern sind eine Angelegenheit der Umsetzung, also Sache der Kantone. Die Umsetzung des Moorschutzes gemäss Art. 18a, Abs. 2 NHG erfordert neben der parzellenscharfen Abgrenzung u.a. die Ausschei- HAND , BUCH dung einer ökologisch ausreichenden Pufferzone und die Darstellung MOORder Schutz- und Pflegemassnahmen, welche zur Erhaltung des Flach- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ moors nötig sind. Hierfür muss in einem grösseren Massstab, in der Regel im Massstab 1:5'000, gearbeitet werden.
Abb. 1: Das Schutzobjekt besteht aus dem Biotop von nationaler Bedeutung (Inventarobjekt), erweitert um die Pufferzonen. Das spätere allfällige Schutzgebiet des Kantons kann weitere naturnahe Biotoptypen und Revitalisierungsflächen enthalten.
Objekt; Inventarobjekt: Flachmoor von nationaler Bedeutung = Perimeter im Bundesinven-
- tar Flachmoor
Pufferzone
Pufferzone mit abgestufter Nutzung
Revitalisierungsfläche
- Grenze eines allfälligen Schutzgebietes
Das im Feststellungsverfahren bezeichnete Flachmoor von nationaler Bedeutung (= Objekt oder Inventarobjekt), erweitert um die aus der Umsetzung resultierenden ökologisch ausreichenden Pufferzonen, allfälligen Revitalisierungsflächen und anderen naturnahen Flächen, bilden zusammen das Schutzgebiet.
Hinweise zu den Anforderungen, welche an die Schutz- und Pflegemassnahmen gestellt werden, sind dem Moorhandbuch zu entnehmen (vgl. z.B. Band 2, Beitrag 1.1.2).
2.2 Pufferzonen
Frage: Was sind "ökologisch ausreichende Pufferzonen" um Moorbiotope?
2.2.1 Ausgangslage
Wie in der Hochmoorverordnung vom 21. Januar 1991 ist auch im Entwurf der Flachmoorverordnung vorgesehen, dass die Kantone angrenzend an die Moorbiotope ökologisch ausreichende Pufferzonen ausscheiden. Beide zusammen bilden das Schutzobjekt. Die Notwendigkeit von Pufferzonen wird kaum bestritten, hingegen gibt es Unklarheiten über Abgrenzung und Bewirtschaftung.
2.2.2 Antwort
Analog zur Hochmoorverordnung soll auch bei den Flachmooren die Pufferzone Bestandteil des Schutzobjektes sein. Die Bestimmungen für die Pufferzone sind somit auch in der entsprechenden Verordnung aufgeführt. Daraus erwachsende Nutzungseinschränkungen sollen abgegolten werden. Pufferzonen haben vor allem die Funktion, Nährstoffeinwirkungen aus dem angrenzenden, intensiv genutzten Kulturland aufzufangen und andere schädliche Einwirkungen abzuhalten. Die Ausscheidung soll insbesondere auch auf tierökologische Ansprüche Rücksicht nehmen. Hierzu liefern die kantonalen und gesamtschweizerischen Inventare (Amphibien, Libellen, Tagfalter etc.) wertvolle Grundlagen. Die Pufferzonen sind als Schutzgürtel um das Flachmoorbiotop herum anzulegen. Bei deren Ausscheidung sind vor allem die Lage des Flachmoores im Gelände, die Grundwasser- und die Bodenverhältnisse, die Bewirtschaftungsweise in der Umgebung und die Empfindlichkeit der Moor-Vegetation zu berücksichtigen.
2.3.1 Die hydrologische Pufferzone besteht aus einer an das Moorbiotop angrenzenden Fläche, in der keine Veränderungen am Wasserhaushalt durchgeführt werden dürfen, welche die zur Erhaltung der Moore notwendige Wasserzufuhr gefährden.
Die Nährstoff·Pufferzone ist ein Streifen landwirtschaftlichen Kulturlandes, der ausserhalb des zu schützenden Moorbiotopes liegt und Nutzungsauflagen unterworfen ist. Die Nährstoff-Pufferzone hat die Aufgabe, die indirekte Düngung der nährstoffarmen Moore zu verhindern. HAND , BUCH Die ökologisch ausreichende Pufferzone umfasst die Funktionen einer MOOR· Nährstoff-Pufferzone, einer hydrologischen Pufferzone sowie einer SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Pufferzone gegenüber weiteren Gefährdungen der biotopspezifischen Pflanzen- und Tierwelt. Dies kann über die Ausscheidung ganzer Parzellen oder Bewirtschaftungseinheiten mit einer abgestuften Nutzung verwirklicht werden oder aber durch einen Pufferstreifen, der wegen entsprechend grosser Dimensionierung alle Anforderungen erfüllt, ohne dass differenzierte Bestimmungen notwendig sind.
Für die Realisierung sind je nach Lage des Biotopes mehrere Möglichkeiten denkbar. In den intensiv genutzten Gebieten des Mittellandes haben die Pufferzonen im allgemeinen grösser und differenzierter auszufallen. Demgegenüber können sie im Berggebiet, wo der Nutzungsdruck geringer ist, kleiner bemessen sein. Im Falle umgebender naturnaher Biotope wie Magerweiden oder Wälder können sie gar wegfallen (vgl. Band 1, Beitrag 2.1.2).
Als konkrete Hilfe zur Dimensionierung hat das BUWAL einen Pufferzonen-Schlüssel erarbeiten lassen. Die Ergebnisse werden im Moorhandbuch veröffentlicht.
Heute werden die Pufferzonen seitens der Landwirtschaft noch als Betriebsrestriktion aufgefasst. Dies könnte sich in den kommenden Jahren ändern, wenn die Pufferzonen als Bestandteil des ökologischen Ausgleichs betrachtet und entschädigt werden bzw. aus Gründen der Marktentlastung als Extensivierungsflächen ausgeschieden werden. Die Bewirtschaftungserschwernisse werden abgegolten.
... '.
3 HINWEISE ZUR ABGRENZUNG DES FLACHMOOR· PERIMETERS
3.1 Präzisierungen znr F1achmoor-Definition
Frage: Müssen Flachmoore einen Torlboden aufweisen?
3.1.1 Ausgangslage
Die neue Verfassungsbestimmung Art. 24sexies Abs. 5 BV erklärt Die systematische Erforschung der Moore begann mit Abhand- Moore und Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von na- lungen über die Möglichkeiten tionaler Bedeutung zu Schutzobjekten. Das Flachmoorinventar der ihrer Nutzbarmachung, insbe- Schweiz ist ein Biotopinventar nach Art. 18a NHG. sondere für den Torfabbau. Moore ohne abbauwürdigen Die Ausdehnung der Flachmoore wurde anhand der aktuellen Vege- Torfkörper, das heisst weniger tation zum Zeitpunkt der Feldaufnahmen (Vegetationsperioden 1987 als 30 cm Torf, waren aus die- und 1988) festgehalten. Die Vegetation (Pflanzendecke ) ermöglicht ser Sicht nicht von Interesse eine Kartierung nach einheitlichen und leicht nachvollziehbaren Kri- (vgl. Deutsche Industrienorm 4047). Auch für die Pollenterien. analyse, einem Wissenschaftszweig, der seit den 20-er Jahren Im Rahmen der Vernehmlassung wurde teilweise gefordert, dass die unseres Jahrhunderts einen starken Aufschwung erlebte, Flachmoore nicht bloss eine entsprechende Vegetation, sondern auch stand Torf im Vordergrund eine Torfschicht aufweisen müssen. (vgl. Band 1, Beiträge 3.2.1 und 3.2.2).
3.1.2 Antwort
In der Umgangssprache der Zur allgemeinen Moordefinition: Deutschschweiz werden für Es bestehen grundsätzlich zwei verschiedene Ansätze, eine Fläche als "Moor" meist die Begriffe Moor anzusprechen - der lagerstättenkundliche (geologisch-boden- "Moos" und "Ried" verwendet. Will man speziell den Torf kundliehe ) und der geobotanisch-ökologische Ansatz. Für den Torfabansprechen, so ist die Rede von bau ist in erster Linie die Mächtigkeit des abbauwürdigen Torfkörpers "Turbenried" oder auch "Turvon Interesse. Entsprechend ist im Hinblick auf diese Nutzung die benmoos", ähnlich ist die Unterscheidung auch im Franzö- Abgrenzung der Moore nach lagerstättenkundlichen Kriterium durchsischen mit "marais" für Moor aus zweckmässig. Für vegetationskundliche Belange ist dieses Ab- und "tourbiere" für Torfmoor. grenzungskriterium jedoch ungeeignet (RÜBEL, 1930).
Die beiden Betrachtungsweisen des Moors haben in der Folge zu unpräzisen Definitionen geführt. So wird in der Botschaft über die Volksinitiative "Zum Schutz der Moore - Rothenthurm-Initiative" eine Moordefinition zitiert, welche den Begriff Torf beinhaltet. Es wird auf WILDERMUTH (1978) verwiesen, wonach "ein Moor oft sumpfiges, vegetationsbedecktes Gelände auf Torfboden " sei.
2.3.1 Die Problematik mit der Moordefinition wurde erkannt, als man im Jahre 1986 die Kartierung der Flachmoore in Angriff nahm. Entsprechend war die Definition bereits im Zuge des Vorprojektes für das Flachmoorinventar Schweiz ein wichtiger Diskussionspunkt. Eigens zur Bearbeitung dieser Frage wurde ein Arbeitspapier erstellt, welches sich auf intensive Literaturrecherchen stützte. Dieses wurde mit weiteren Experten diskutiert. Diese aufwendige Auseinandersetzung mit dem Thema machte klar, dass zur Inventarisierung der Flachmoore ein Moorbegriff anzuwenden ist, der die Lebensgemeinschaften berücksichtigt. Konkret bedeutet das, dass ein geobotanisch-ökologischer und I nicht ein lagerstättenkundlicher Moorbegriff zu verwenden ist. HAND BUCH MOOR- Die Verordnung über den Natur- und Heimatschutz (NHV) vom 16. SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Januar 1991 bestätigt diese Vorgehensweise, indem für die Umschreibung schutzwürdiger Biotope - namentlich erwähnt sind die Hoch-, Übergangs- und Flachmoore - Listen von ökologischen Kennarten (Art. 14 Abs. 3 NHV) verwendet werden. Einschränkungen dieses Biotop-Feststellungs-Verfahrens aufgrund geologischer Gegebenheiten werden in der NHV nicht genannt.
Nachträgliche Überprüfung: Die Überprüfung kartierter Moore bezüglich ihres Bodens ergab, dass typische Flachmoorgesellschaften - wie etwa das Davallseggenried - nicht zwingend an organische Böden gebunden sind. Andere Faktoren wie der Bodenwasserhaushalt und die damit zusammenhängenden Faktoren (pH, Basen- und Nährstoffverhältnisse, Bodentemperatur, 02-Verfügbarkeit) sind von grösserer Bedeutung. So zeigen auch Vegetations- und Bodenkartierungen, dass Kleinseggenrieder im gleichen Gebiet auf Pseudogley und Fahlgley ohne Torf wie auch auf Torfböden wachsen (vgL hierzu auch Band 1, Beitrag 2.1.3). Die strikte Anwendung der Forderung nach einer minimalen Torfschicht in einem Flachmoor könnte unsinnige und unpraktikable Abgrenzungen ergeben, die sich weder in der Vegetationsdecke noch in den Bewirtschaftungseinheiten nachvollziehen liessen (vgL Band 1, Beitrag 2.1.3, Abb. 4 und 5). Diese Forderung würde zudem den Vollzug des Moorschutzes stark erschweren, weil zur Abklärung der Torfmächtigkeit ein dichtmaschiges Netz von Bodenproben erforderlich wäre. Vor allem aber würde ein solcher Ansatz im Widerspruch zum gesetzlich verlangten Artenschutz (vgL Anhang zur NHV) stehen, da für viele dieser Arten der Torf eine untergeordnete Rolle spielt.
Für den Biotopschutz ist demnach die Kartierung der Flachmoore anhand der Vegetations decke die einzig richtige Lösung, da der Erhalt der Biotope mit ihren gefährdeten Lebensgemeinschaften und nicht die Abbaumöglichkeit von Torfkörpern gefordert ist. Der Verzicht auf die Berücksichtigung bodenkundlicher Kriterien hat aber eine weitere Konsequenz. So sind all jene Flächen nicht im Flachmoorinventar enthalten, die zwar auf Tortböden liegen, aber deren Vegetation nicht den Flachmooreinheiten entspricht.
3.2 Nasswiesen als Bestandteil der Flachmoore
Frage: Gehören nährstoffreiche Nasswiesen und Hochstaudenssuren (Calthion und Filipendulion) zu den Flachmoor-Vegetationseinheiten?
3.2.1 Ausgangslage
Das Flachmoorinventar der Schweiz berücksichtigt folgende Vegetationseinheiten: Röhrichte (Phragmition) , Grosseggenrieder (Magnocaricion), die basischen und sauren Kleinseggenrieder (Caricion davallianae und nigrae), Pfeifengras-Streuwiesen (Molinion) , Übergangsmoore (Scheuchzerietalia), sofern sie nicht bereits im Hochmoorinventar erfasst sind sowie die nährstoffreichen Nasswiesen und Hochstaudenfluren (Calthion und Filipendulion). Die beiden letzten wurden zusammengefasst und bilden eine der insgesamt sieben erfassten Vegetationseinheiten. Im Zuge der Vernehmlassung des Flachmoorinventars stellten vor allem Stimmen aus der Landwirtschaft diesen Einbezug in Frage.
3.2.2 Antwort
Es dürfte unbestritten sein, dass die beiden Vegetationseinheiten Calthion und Filipendulion auf feuchten bis nassen Standorten vorkommen. Dort entstehen sie natürlicherweise durch Eigendüngung, noch häufiger als Folge menschlicher Aktivitäten (Andüngung, Einschwemmung von Düngern oder Rückstau von überdüngtem Grabenwasser). Nasswiesen sind somit in vielen Fällen angedüngte Flachmoore. Beide Vegetationseinheiten sind in der Regel auch mit den anderen Flachmoorgesellschaften vollständig venahnt, besitzen wesentliche ökologische und floristische Gemeinsamkeiten und können auch seltene Arten der Roten Liste enthalten. Sie liefern zudem einen Beitrag zur Diversität und damit letztlich auch zur Schönheit der Moore. Folgerichtig wurden diese beiden Vegetationseinheiten mitkartiert und bei der Bewertung berücksichtigt.
2.3.1 Der Miteinbezug der Nasswiesen - so die Ansicht der Kritiker - beeinflusst andere Bewertungskriterien (z.B. die Grösse und die Entfernung einzelner Moore untereinander) und begünstigt damit die Einstufung als Biotop von nationaler Bedeutung. Eine statistische Überprüfung dieser Ansicht zeigte auf, dass ein Verzicht auf den Einbezug der Nasswiesen die Zahl der Biotope von nationaler Bedeutung kaum beeinflusst.
3.2.3 Schlussfolgerungen
Die Gründe, welche für den Miteinbezug der Nasswiesen bei der 1n- 1 ventarisierung der Flachmoore sprechen, sind ausgewiesen: HAND BUCH Die nährstoffreichen Nasswiesen sind in der Regel Teil von Flach- MOOR-
moor-Vegetationskomplexen. SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Nährstoffreiche Nasswiesen besitzen eine hohe Pufferkapazität ge-
gen Ausseneinflüsse.
Die Meinung, der Miteinbezug der Nasswiesen ergäbe ein zu optimimistisches Bild, trifft nicht zu. Die Nichtberücksichtigung der nährstoffreichen Nasswiesen im Bundesinventar brächte vor allem keine flächenmässige Entlastung der stark betroffenen Kantone.
3.3 Die Stellung der Bruchwälder im Flachmoorinventar
Frage: Warum sind Bruchwälder nicht Bestandteil des Bundesinventars der Flachmoore?
3.3.1 Ausgangslage
Bruchwälder stocken auf nassen Torf- oder Anmoor-Böden, in denen das Grundwasser dauernd nahe der Oberfläche steht. Sie bilden oft das Endstadium einer Verlandung an Stillgewässern. Durch niederwaldartige Nutzung oder Wiederbewaldung von Streuwiesen können Bruchwälder entstehen, in denen die Krautschicht der Flachmoore noch dominiert. Da Bruchwälder von ähnlichen Standortbedingungen abhängig sind wie gehölzfreie Flachmoore, treten oft beide miteinander verzahnt auf. Aus dieser Sicht lässt sich der Einbezug der Bruchwälder in das Flachmoorinventar diskutieren.
3.3.2 Antwort
Bei der Abgrenzung der Flachmoore gegenüber anderen Vegetationseinheiten wurden neben Wasserpflanzengesellschaften, Quellfluren und Hochmooren auch nasse Gehölze und Wälder ausgeschlossen.
Ein Kriterium für die Inventarisierung der Flachmoore bildete der Deckungsgrad (betrachtet als Projektion der Gehölzkronen auf den Boden). Flächen mit einem Deckungsgrad durch Gehölze von mehr als 50% genügten in der Regel den Kriterien für eine Inventarisierung nicht.
Unterhalb der Waldgrenze sind natürlicherweise nur Röhrichte sowie nasse Gross- und Kleinseggenrieder gehölzfrei. Die meisten Flachmoore sind durch Rodung entstanden und können nur durch eine regelmässige Bewirtschaftung erhalten werden. Der Schutz der Flachmoore beinhaltet auch ihre Erhaltung als extensives, naturnahes Kulturland, das nach traditioneller Art bewirtschaftet wird. Die vollständige Verbuschung und Bewaldung von Flachmooren ist dagegen kein Schutzziel, weil damit ein Rückgang der lichtliebenden Pflanzenarten und damit der Artenvielfalt zu erwarten ist. Einmal vollständig verbuschte und bewaldete Flachmoore sollen in der Regel so belassen bleiben, weil auch diese Lebensgemeinschaften gefährdet und daher erhaltenswert sind. Im Sinne dieser Zielsetzung liegt das Schwergewicht des Inventars auf jenen Flachmooren, die während der letzten Jahre noch landwirtschaftlich genutzt wurden und ohne gros sen Zusatzaufwand weiterhin eine Bewirtschaftung erlauben. Die meisten dieser Biotope sind vor allem durch eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung oder durch andere Nutzungen gefährdet.
Bruchwälder sind zumindest teilweise als gesonderte Vegetationseinheit im Aueninventar von nationaler Bedeutung enthalten. Sie wurden dort kartiert, wo sie im Perimeter von Auenwaldgebieten vorkommen. Auch ausserhalb dieser Gebiete kommt den Bruchwäldern ein gewisser Schutz zu, da sie generell dem Waldgesetz unterstehen.
2.3.1 4 IDNWEISE ZUR NATIONALEN BEDEUTUNG
4.1 Zum Verhältnis nationale Bedeutung - besondere Schönheit
Frage: ErfüUen Flachmoore von nationaler Bedeutung auch gleichzeitig das Erfordernis der besonderen Schönheit?
4.1.1 Ausgangslage
Nach Art. 24sexies Abs. 5 der Bundesverfassung sind Moore von I besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung Schutzobjekte. HAND BUCH Gemäss Entwurf der Flachmoor-Verordnung erfüllen die Flachmoore MOORvon nationaler Bedeutung gleichzeitig das Erfordernis der besonderen SCHUTZ INDER SCHWEIZ Schönheit. In der Gesetzgebung ist die "besondere Schönheit" nirgends definiert. Auch die Gleichsetzung von nationaler Bedeutung und besonderer Schönheit ist in den Gesetzestexten nicht speziell begründet. Eine inhaltliche Überprüfung der Gleichsetzung fand hingegen beim Vorprojekt zum Flachmoorinventar sowie bei der Festlegung des Bewertungsverfahrens statt.
4.1.2 Antwort
Schönheit eines Moores: Die Schönheit oder der ästhetische Eindruck eines Moores wird subjektiv erlebt. Deswegen sind ganz unterschiedliche Auffassungen möglich, ob ein bestimmtes Moor besonders schön ist. Ein Moor wirkt schön, wenn es erwünschte Eigenschaften aufweist. Was in der jeweiligen Situation gewünscht wird, hängt von der beobachtenden Person ab, von ihrem Wissensstand über Moorbiotope und von ihrer Einstellung zur Natur usw. Dabei spielt auch der Zeitgeist eine gewisse Rolle (vgl. etwa Anbauschlacht Wahlen während des 2. Weltkrieges; damals galten Moore nicht als "schön", sondern wurden als Produktionsnachteil empfunden). Der Begriff der Schönheit lässt sich nicht quantitativ festlegen. Es können nur Elemente genannt werden, welche zur Schönheit beitragen. Aus der heutigen Sicht sind folgende Elemente für die "besondere Schönheit" eines Moores wichtig: Weite (z.B. ein grossflächiges Moor an einem Seeufer oder ein ausgedehntes Kleinseggenried in den Voralpen) Kleinräumigkeit, die Geborgenheit ausstrahlen kann (z.B. ein Waldmoor) Vielfalt, z.B. verschiedene Vegetationsabfolgen und Strukturen
Monotonie, im Sinne von Schlichtheit Färbung, etwa ein grosses, blühendes Trollblumenfeld, fruchtende Wollgräser, Herbstfärbung Unversehrtheit (keine massiven baulichen Eingriffe)
Bewertung des Moorbiotopes: Der Bewertungsansatz für die Festlegung der nationalen Bedeutung stützt sich auf die beiden mess- und nachvollziehbaren Kriterien Fläche und Vegetation. Somit können sowohl grossflächige und einförmige als auch kleine und vielfältige Moore eine ausreichende Punktzahl erreichen. Die oben erwähnten Elemente der Schönheit sind über die Vegetationseinheiten und die Grösse weitgehend erfasst.
Die Umgebung des Moorbiotopes: Bei der Bewertung der Flachmoorbiotope wurde die Verzahnung mit anderen Biotopen nicht berücksichtigt. Ein Flachmoor darf nicht abgewertet werden, nur weil es nicht mit weiteren, wertvollen Biotoptypen verzahnt oder nicht von einer naturnahen, strukturreichen Landschaft umgeben ist. Mit dem Flachmoorinventar werden nur die Biotope bewertet. In Übereinstimmung damit bezieht sich auch die Flachmoorverordnung auf die Biotope und nicht auf ihre Umgebung. Eine beeinträchtigte Umgebung ist somit kein Argument gegen die Schönheit eines Moores.
Erhaltungszustand: Der Erhaltungszustand beeinflusst die Schönheit eines Biotopes. Flachmoore in schlechtem Zustand wurden nicht als national bedeutsam eingestuft. In den Nordalpen wurden angesichts der relativ hohen Dichte der Flachmoore höhere Ansprüche gestellt. Die aktuelle Nutzung war dabei nicht massgebend.
4.1.3 Zusammenfassung
Die Schönheit eines Flachmoores hängt von drei Kriterien ab - der Grösse, der Reichhaltigkeit und dem Erhaltungszustand. Sie bilden auch die Grundlage zur Beurteilung der nationalen Bedeutung. In der Regel erfüllen die national bedeutsamen Flachmoore somit auch das Erfordernis der besonderen Schönheit gemäss Art. 24sexies Absatz 5 der Bundesverfassung.
2.3.1
4.2 Moorgrösse als Kriterium der nationalen Bedeutung
Frage: SoDen k1einOächige Flachmoore ins Bundesinventar aufgenommen werden?
4.2.1 Ausgangslage
In der Flachmoorkartierung der Schweiz wurden Moore kleiner als 1 ha nicht kartiert, in der Annahme, dass diese in der Regel nicht national bedeutend eingestuft werden können. Kleinere Objekte können jedoch auf Antrag des Kantons in besonderen Fällen als Singularität ebenfalls ins Bundesinventar aufgenommen werden. In der Flach- HAND , BUCH moorvemehmlassung wurde angeregt, Flachmoore kleiner als 3 ha in- MOORfolge der zu geringen Ausdehnung nicht zu berücksichtigen, da solch SCHUTZ IN DER SCHWEIZ kleine Biotope kaum von nationaler Bedeutung sein können. Die Anzahl der rund 1'000 Biotope wird als zu hoch erachtet.
4.2.2 Antwort
Eine Auswertung aller erfassten Biotope des Inventarentwurfes der Flachmoore von nationaler Bedeutung unterhalb der drei Hektar- Grenze zeigt folgendes Ergebnis: Von den insgesamt 1'084 vorgeschlagenen Biotopen von nationaler Bedeutung haben deren 105 eine Fläche zwischen 1-3 ha. Gemäss den Bewertungskriterien gelten alle Flachmoorbiotope, die an ein Hochmoor von nationaler Bedeutung grenzen und mindestens 1ha grass sind, als national bedeutend. Schliesst man diese aus, so verbleiben noch 66 Flachmoore, die zwischen 1 und 3 ha grass sind und nicht mit einem Hochmoor in Verbindung stehen. Das sind 6% aller Flachmoor-Biotope von nationaler Bedeutung. Diese sind in der überwiegenden Mehrheit auf Mittellandkantone verteilt und verdanken ihre nationale Bedeutung der grossen Reichhaltigkeit. Dort tragen sie zur Vielfalt und notwendigen Vernetzung bei. Hieraus wird folgendes deutlich:
Eine Erhöhung der Minimalfläche von 1 ha auf 3 ha brächte namentlich in den moorreichen Flysch-Voralpen weder eine nennenswerte Reduktion der Anzahl Objekte, noch eine spürbare Verringerung der schutzwürdig eingestuften Fläche.
Umgekehrt haben die noch verbliebenen Flachmoore gerade im Mittelland, wo mit 95 % die grösste Verlustrate an Moorfläche zu verzeichnen ist, eine wichtige Funktion im Naturhaushalt. Eine Erhöhung der Mindestfläche wäre hier ökologisch falsch.
Die gewählte Mindestgrösse von 1 ha für die Felderhebungen erweist sich auch im nachhinein als geeignet, ist doch das kleinste eigenständige Flachmoor von nationaler Bedeutung 1,67 ha gross.
4.3 Moordichte und Austauschfunktion
Frage: Weshalb werden viele kleine Moore nicht zu einem Objekt zusammengefasst, und weshalb werden keine weiteren naturnahen Biotope mitberiicksichtigt?
4.3.1 Ausgangslage
In vielen Fällen bilden kleinere, voneinander getrennte Moorflächen eine geographische und meist auch populationsbiologische Einheit. Ebenso können Moore, Magerwiesen und lichte Wälder miteinander ein schutzwürdiges Mosaik bilden, dessen Einzelflächen aber zu kleinflächig sind, um in die entsprechenden Bundes-Inventare aufgenommen zu werden. Zusammengefasst wären sie aber möglicherweise von nationaler Bedeutung. Mooranhäufungen und die Austauschfunktion zu weiteren naturnahen Strukturen sind wichtige Naturschutz-Argumente, welche für eine allfällig höhere Bewertung dieser Moore in Betracht zu ziehen wären.
4.3.2 Antwort
Diese Argumente wurden im Vorprojekt und in den Bewertungsgesprächen geprüft. Die Ergebnisse können wie folgt zusammengefasst werden:
Zum Vorgehen: Die Qualifizierung der nationalen Bedeutung musste in den meisten Fällen aufgrund einer einzigen Begehung vorgenommen werden. Deshalb mussten Bewertungskriterien verwendet werden, die mit wenig Aufwand während der ganzen Vegetationszeit erkennbar sind. Damit fallen beispielsweise sämtliche Kriterien des Artenschutzes (Tiere und Pflanzen) weg. Ebensowenig kann die Umgebung, z.B. für die Ausscheidung einer notwendigen Pufferzone, beurteilt werden.
Zusammenfassung vieler kleiner Flächen zu einem Objekt:
1 Mit der gutachtlich gewählten Maximal-Entfernung von 100 m zwischen Moor-Teilbiotopen soll in erster Linie verhindert werden, dass
durch landwirtschaftliche Intensivierung aufgebrochene Moorparzellen, die in einem natürlichen Zusammenhang bestanden, weiter auf-
2.3.1 getrennt werden. Diese Regelung ist auch im Berggebiet wegen der kleinräumigen Strukturierung des Geländes angebracht. Der gewählte lOO-m-Abstand erlaubt zudem für viele Lebewesen noch einen genetischen Austausch.
2 Teil-Biotope mit einer Mindestgrösse von 0.25 ha (Mindestdarstellungsmöglichkeit im M 1:25'000), die im lOO-Meter Bereich zu einem
Biotop von mindestens 1 ha liegen, wurden diesem zugeschlagen.
3 Die Möglichkeit, benachbarte Biotope (Abstand> 100 m) zu I
Gruppen zusammenzufassen, wurde geprüft. Es liess sich keine ein- HAND BUCH fach erklärbare Regel zur Gruppenbildung finden, die erst noch für MOOR· die ganze Schweiz gültig ist, da die regionalen Besonderheiten sehr SCHUTZ INDER SCHWEIZ ausgeprägt sind. Die Vernetzung muss in diesem Fall unter dem Titel "ökologischer Ausgleich" (Art.l8b NHG) beachtet werden.
4. Für Moore, die als Folge der 100 m-Regel definitionsgemäss isoliert sind, obwohl über andere naturnahe Biotoptypen ein Zusammenhang vorliegt, kann die nationale Bedeutung als Singularität beantragt werden. Die Fälle sind einzeln aufgrund eines vorgegebenen Kriterienkataloges zu begründen (vgl. Band 1, Beitrag 2.3.2).
5 Moorlandschaften sind definitionsgemäss Gebiete, die von Moorbiotopen geprägt sind. Entsprechend ist ein Grossteil der Moore im
Inventar der Moorlandschaften eingeschlossen. So liegen 38% aller Flachmoor-Biotope von nationaler Bedeutung mit 61 % der gesamten kartierten Flachmoorfläche in den 91 im Inventar ausgeschiedenen Moorlandschaften (Stand Vernehmlassung). Ebenso kommen 19% der vermutlich regional bedeutsamen Flachmoore mit insgesamt 23% der gesamten Flachmoor-Fläche im Perimeter der Moorlandschaften von nationaler Bedeutung vor. Somit fallen Gebiete mit grosser Moordichte flächenmässig zu rund 84% mit den ausgeschiedenen Moorlandschaften zusammen. Darin eingeschlossen sind u.a. auch viele Biotope, die weder nationale noch regionale Bedeutung erlangen.
Berücksichtigung weiterer naturnaher Biotope:
1 Um die Naturnähe der Umgebung von Flachmooren beurteilen zu
können, wurde im Gelände die Austauschfunktion als eine von fünf ausgewählten Bewertungsgrundlagen erhoben. Aufgrund einer nachträglichen Analyse erwies sich das Kriterium "Austauschfunktion" als das subjektivste. Es liess sich überdies feststellen, dass das Kriterium "Austausch" hinsichtlich der Einstufung "nationale Bedeutung" am
wenigsten relevant war. Dieses Kriterium wurde deshalb bei der Schlussbewertung fallengelassen.
2 Eine Berück icbtigung weiterer naturnaher Biot pe kann nicht im
Rahmen der Moorbiotop-Inventare erreicht werden. Dies war auch nie vorge ehen, weil sich damit ganz neue Dimension.en methodi eher Prob.leme er"ffnet hätten. Eine Abstimmung mit d.em HochmooI"inventar i t hingegen erfolgt indem die Flachmoore welche an Hochmoore von nationaler Bedeutung grenzen unbesehen ihr r Grö se ebenfall nationale Bedeutung erlangen. .,
2.3.1 5 HINWEISE ZUR ZULÄSSIGEN NUTZUNG
5.1 Beweidung
Frage: Düden Flachmoore beweidet werden?
5.1.1 Ausgangslage
Mehr als die Hälfte der kartierten Flachmoore wird vollständig oder teilweise beweidet. Dies betrifft zur Hauptsache die ausgedehnten Alpweiden der Flyschgebiete. Früher wurden auch noch Moore der HAND , BUCH Talsohlen beweidet, meist in Form einer extensiven Al1meindnutzung MOOR- (vgl. zur Nutzung auch Band 1, Beitrag 3.2.3). Dabei gilt es festzuhal- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ ten, dass das durchschnittliche Lebendgewicht eines Rindes vor hundert Jahren rund ein Viertel geringer war als heute. Das heutige Mehrgewicht kann für Trittschäden mitverantwortlich sein. Aus futterbaulicher Sicht bedeuten Flachmoore für das weidende Vieh höchstens Ergänzungsflächen. Dieses geringwertige Futter wird vermutlich erst gefressen, wenn das wertvolle von den Flächen ausserhalb der Moore abgeweidet ist bzw. diese Flächen aus verschiedenen Gründen nicht zugänglich sind.
Im Entwurf der Flachmoorverordnung ist festgehalten, dass "die Moore vor Trittschäden geschützt werden". Diese Aussage ist interpretationsbedürftig.
5.1.2 Antwort
Die Flachmoore der Tieflagen sind von der Beweidung auszuschliessen, da die für eine Extensivbeweidung notwendige Grösse der Fläche kaum zur Verfügung steht und eine Standweide zu starke Trittschäden verursachen würde (vgl. hierzu auch Band 2, Beitrag 3.1.5). In Alpweiden jedoch ist die extensive Beweidung von Flachmooren im allgemeinen mit den Zielen des Moorschutzes verträglich, vorausgesetzt die Weiden werden angepasst bestossen und weder entwässert noch gedüngt. Während Hoch- und Übergangsmoore von der Beweidung auszuzäunen sind, stellt diese Massnahme bei den Flachmooren eine Ausnahme für speziell empfindliche Vegetationsgesellschaften in exponierten Lagen dar. Da Schafe die Vegetation grundlegend verändern, ist die Schafweide generell nicht mit den Zielen des Moorschutzes vereinbar. Der Moorschutz auf Alpweiden soll weniger in Form einzelner, isolierter Massnahmen erfolgen, als vielmehr im Rahmen einer integra-
len Alpwirtschaftsplanung, welche die verschiedenen Ansprüche und NUlzungen in einer Gesamtschau integriert. Die Regelung der Bestossung aufgrund der Ertragsfähigkeit der produktiven Alpflfichen bildet dabei das sinnvollste und wichtigste Planungsinstrument.
Zusammenfassend kann (estgehaJten werden, dass eine ex tensive Rinderwcide in Flachmooren der A lpweiden mi t dem Moorschutz vereinbar ist, wenn sie von Massnahmen begleitet wird, die in der Regel auch im Interesse der Alpwirtschaft liegen.
Weitergehende Ausführungen zum Thema finden sich im Moorhandbuch, Band 2, Beitrag 3.1.5 "Zur Beweidung von Hoch- und Flachmooren".
"
2.3.1 LITERATUR ANSCHRIFT DES AUTORS BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT Dr. Mario F. Broggi (BUWAL 1991): Flachmoorinven- Büro rür Siedlungs- wld Umwelttar der Schweiz 1986-89, TecJmischer planung (BS ) Belieht zu Vorbereitung, eldarbei t OJga tras e8 Begriffe Bewertung Bern ,19 . + 8001 Zürich AnJlaog.
MART! K. I MÜLLER R. (1993): Pufferzon n für Moorbiotope, Lite- I ratmrecherche im Auftrag des HAND BUWAL, Schriftenreihe Umwelt BUCH 213, Bem 28 S. AUSKUNFT MOOR- SCHUTZ IN DER RÜBEL, E. (1930): Die Pflanzenge- BUWAL, Koordinationsstelle SCHWEIZ sellschaften der Erde, Bero. Moor chutz Hallwylstra se 4 WILDERMUTH, H. (1978): Natur 3003 Bem als Aufgabe, Schweizerischer Bund für Natur chutz, Ba el, 29 S. Handbuch Moorschutz in der chweiz 1
MARIO F. BROGGI
Kriterien zur Behandlung von Flachmoor-Singularitäten 2.3.2 1 ZUM BEGRIFF
Unter Singularitäten werden Besonderheiten oder Seltenheiten und ausserordentliche Einzelerscheinungen verstanden. Beim Flachmoorinventar fehlt die detaillierte Betrachtung eines Moores mit dem gesamten Artenspektrum, dem Vorkommen seltener Arten, dem Vegetationsmosaik und seiner Verzahnung mit anderen Biotoptypen. Für die Beurteilung dieser Aspekte sind zusätzliche Kriterien anzuwenden. Die nachfolgende Auflistung illustriert mögliche Argumentationen, die für die Bezeichnung eines Biotops als Singularität sprechen I und umschreibt die Inhalte eines einzureichenden Gutachtens. HAND BUCH MOOR· SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
2 MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER VERWENDETEN BEWERTUNGSMETHODIK IM RAHMEN DES FLACHMOOR- INVENTARS SCHWEIZ
2.1 Rechtliche Ausgangslage
Artikel i8a des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz beauftragt den Bundesrat, nach Anhören der Kantone Biotope von nationaler Bedeutung zu bezeichnen und die Lage dieser Objekte sowie die Schutzziele festzulegen. Als Grundlage für diese Bezeichnung wurde eine gesamtschweizerische Erfassung der Flachmoore durchgeführt.
2.2 Zur angewendeten Methodik
Eine gesamtschweizerische Kartierung und Bewertung, die innert nützlicher Frist auszuführen war, konnte nur rasterartig, also in einem "Holzschnitt" erfolgen, so dass für "Filigranarbeit" keine Zeit blieb. Die logistische Übung "Flachmoorinventar Schweiz" erlaubte - nach einer vorgängigen Eingrenzung der Potentialgebiete für Moore - nur einen einzigen Feldbesuch innerhalb der Vegetationszeit von Mai-Oktober. Damit schied eine Ansprache einzelner TIer- und Pflanzenarten zum vornherein aus, da sich diese bekanntlich meist nicht während der ganzen Vegetationsperiode präsentieren und somit auch nicht durchgehend und repräsentativ erfassen liessen. Zudem konnte bei der landesweiten Aufnahme nicht überall auf den Wissensstand der gut bekannten Mittelland-Moore zurückgegriffen werden. Es musste berücksichtigt werden, dass viele Moore der Voralpen und Alpen kaum oder noch gar nicht bekannt waren. Es war daher der Mut zur Vereinfachung gefragt, ohne dass das Resultat verfälscht werden durfte. Des weiteren sollten die Kartierung und die Bewertung nachvollziehbar und leicht verständlich dargestellt sein.
In der landesweiten Kartierung wurden fünf Kriterien zur möglichen Beurteilung einer nationalen Bedeutung aufgenommen, nämlich:
die Grösse des jeweiligen Objektes,
die Anzahl der erfassten Vegetationseinheiten (Vielfalt)
die Seltenheit der Vegetationseinheiten
der Erhaltungszustand sowie
die Austauschfunktion. Bereits vorgängig wurde gutachtlich festgelegt, dass ein Objekt mit einer Fläche unter einer Hektare in der Regel nicht von nationaler Bedeutung sein wird. Es wurde deshalb beim Inventar auf deren Erfassung verzichtet, um so den Kartieraufwand wesentlich zu vermindern. Nach Abschluss der Kartierung wurden verschiedenste Bewertungstests in allen Naturräumen durchgeführt und statistische Gesetzmässigkeiten verglichen. Die Bewertung über die Merkmale "Fläche" und "Vegetation" (unterteilt nach Vegetationstypen und Vegetationsgruppen) erwies sich letztlich als ausreichend.
So wurde mit einer einfachen Methode ein Resultat erzielt, auf welches sich eine aufwendigere Methode nur in Einzelfallen verändernd ausgewirkt hätte. Es war allerdings von vornherein klar, dass mit einer groben Ansprache Feinheiten und Spezialfalle durch den "Rost" fallen würden. Es muss deshalb möglich sein, aufgrund eines besonderen Pflanzen- oder Tierreichtums oder sonstiger naturwissenschaftlicher Interessen, auch nachträglich noch Objekte von nationaler Bedeutung zu beqennen. Derartige Objekte werden als Singularitäten bezeichnet. Anträge zu. deren Berücksichtigung sollten mit gutachtlicher Begründung nachgereicht werden können. Andererseits dürfte es trotz Plausibilitätstests auch Objekte geben, die selbst nach einer individuellen Abklärung die nationale Bedeutung nachträglich nicht erreichen. Eine erste diesbezügliche Limitierung erfolgt generell bei einem schlechten Erhaltungszustand sowie in den Voralpen. In diesen Gebieten mit grösserer Moordichte sind die Qualitätsansprüche generell höher anzusetzen. Diese Objekte wurden in einem zweiten Bewertungsdurchgang aus den nationalen Listen entnommen.
2.3.2 3 AUSWERTUNG DER VERNEHMLASSUNG IM IDNBLICK AUF DIE SINGULARITÄTENFRAGE
Die über 60 von den Kantonen, Bundesstellen und interessierten Organisationen eingereichten Stellungnahmen zum Flachmoorinventar wurden auch im Hinblick auf die Singularitätenfrage ausgewertet. Je nach Absender fielen die Wünsche und Anregungen unterschiedlich aus. Eine höhere Einstufung von Objekten wurde häufig von Kantonen, die eher wenig Flachmoore besitzen und von Naturschutzverbänden vorgeschlagen. Ebenso wurden später im Rahmen der kantonalen 1 Vernehmlassungen zunehmend auch Anträge von Gemeinden aus HAND BUCH Gebirgskantonen nachgereicht. Damit sind derzeit insgesamt rund 250 MOOR- Meldungen zu beurteilen. SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Die vorgetragenen Argumente lassen sich in zwei Gruppen bündeln.
3.1 Argumente mit Hinweis auf Besonderheiten von Naturwerten
Da bei der Bewertung der Objekte keine seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten berücksichtigt wurden, behandeln die eingereichten Anträge
Vorkommen seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten mit Verweis auf Rote Listen oder geschützte Arten,
Hinweise auf reliktische Vorkommen, Standorte am Rande des Verbreitungs gebietes sowie in besonders tiefen oder hohen Lagen,
besonders grosse Populationsvorkommen.
Häufig erscheint das generelle Argument der Vielfalt, sei dies bezogen auf Arten oder auf Pflanzengesellschaften.
Ebenso finden sich Hinweise auf besonders seltene Pflanzengesellschaften oder auf sonstige naturkundliche Besonderheiten.
Schliesslich wird auf letzte Objekte im Mittelland oder im Talgrund verwiesen (Frage der Repräsentanz).
3.2 Argumente mit Hinweis auf Objekte, die durch den gegebenen
Bewertungsansatz aus der Betrachtung faUen
• Die gutachtlich festgelegte Maximaldistanz verlangt, dass Biotope als einzelne Objekte zu betrachten sind, wenn ihre Distanz zum nächsten Biotop mehr als 100 m beträgt. Diese "lOO-Meter-Regel" nimmt in einigen Fällen auf naturräumliche Rahmenbedingungen keine Rücksicht, indem natürliche wie anthropogen verursachte Aufsplitte-
rungen zu aufgetrennten und eigenständig bewerteten Objekten führen. Auch Moorverdichtungen mit kleineren Objektflächen erhalten teilweise keine nationale Bedeutung, weil jedes Objekt getrennt bewertet und gewichtet wird. Kleinere Objekte gelten dann trotz ihrer Verdichtung mit ihrer geographischen wie populationsbiologischen Einheit als weniger wertvoll, ausser sie lägen in einer Moorlandschaft von nationaler Bedeutung. Dies ist für ein Viertel aller erfassten Moorobjekte mit über der Hälfte der gesamtschweizerischen Moorfläche der Fall.
Flachmoorobjekte sind teilweise mit anderen naturnahen Biotopen (z.B. trockene Magerwiesen, Feuchtwälder) mosaikartig vernetzt. Einzeln betrachtet, sind die Biotope zu klein, um in die jeweiligen Bundesinventare aufgenommen zu werden. Gesamthaft würden sie ab er als natürliche Einheit wirken und durch ihren kumulativen Naturwert eine Aufwertung verdienen. Es besteht damit die Gefahr, dass diese Objekte mit ihrer Vielfalt an Biotopen naturschützerisch zwar einen hohen Wert besitzen, aber als Einzelobjekt betrachtet aus der höheren Bewertung herausfallen.
Oftmals sind Flachmoorobjekte zusammen mit den vernetzten Biotopen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es soll deshalb der ganze Schutzperimeter berücksichtigt werden.
Mangels Pflege verbuschte Moorflächen wie auch ganz allgemein Regenerationsflächen sollten ebenfalls als Flachmoore angesprochen werden können.
Alle weiteren Fälle, die sich auf gewünschte Änderungen des Flachmoorperimeters beziehen bzw. Hinweise auf allenfalls übersehene Objekte enthalten und dadurch zu Korrekturen in der Bewertung führen könnten, werden hier nicht behandelt. Sie sind Gegenstand einer gesonderten Überprüfung.
2.3.2 4 VORSCHLÄGE ZUR BEURTEILUNG VON SINGULARITÄTEN
4.1 Allgemeine Anforderungen
Die Fest1egung und Anerkennung des Singularitäten-Status soll sich, wie die übrige Flachmoorbewertung, nachvollziehbar gestalten und mit klaren Argumenten ausdrücken. Die Kriterien für Singularitäten sollten möglichst quantifizierbar sein, gesamtschweizerisch anwendbar 1 sein und die subjektiven Einschätzungen minimieren. Wie für die ver- HAND BUCH wendeten Inventar-Kriterien, soll auch für Singularitäten möglichst MOOR· eine plausible Abgrenzung zwischen nationaler und regionaler SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Bedeutung gesucht werden. Die häufig verwendeten pauschalen Argumente Vielfalt und Schönheit genügen hierfür nicht. Die Basis bildet der gesetzliche Auftrag, welcher einerseits den Schutz der einheimischen Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume verlangt und andererseits die Bezeichnung der Biotope von nationaler Bedeutung vorschreibt. Nachfolgend werden die Argumente unterbreitet, welche die Einstufung "von nationaler Bedeutung" aufgrund des Singularitätenprinzips bewirken können.
4.2 Vorkommen von gefährdeten Tier- und POanzenarten
Die Bezeichnung und Bewertung schutzwürdiger Biotope erfolgt gemäss Natur- und Heimatschutzverordnung (NHV) Art. 14, Abs. 3 u.a. nach den vom BUWAL erlassenen oder anerkannten Roten Listen gefährdeter oder seltener Pflanzen- und Tierarten. Wenn die Roten Listen der gefährdeten und seltenen Lebewesen eine wichtige Basis der Beurteilung bilden, muss die damit verbundene Problematik bewusst sein. Die Roten Listen quantifizieren etwas, was sich eigentlich nicht quantifizieren lässt. Es werden bewusst bekanntere Arten zu Lasten weniger bekannter bevorzugt, und es werden Arten bewertet, die allenfalls wegen der Trägheit der Biozönose gerade noch da sind. Das Herausheben von Leitarten hat deshalb eine gewisse Komponente der Willkür. Dennoch dürfte zumindest die Stossrichtung zutreffen. Zudem muss in der Naturschutzarbeit damit gelebt werden, dass noch keine geeigneteren Grundlagen vorliegen.
4.2.1 Vorkommen seltener und gefährdeter Pflanzenarten
Wichtigste Grundlage für die nachträgliche Beurteilung, ob eine nationale Bedeutung vorliegt, bilden die Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen (LANDOLT, 1991) sowie diejenige für die gefährdeten und seltenen Moose (URMI, 1992).
Die Bezeichnung der Gefährdungsgrade folgt der IUeN-Abstufung, und diese werden wie folgt gewichtet:
Endangered (stark gefährdet); E = 4 Punkte (8 Punkte bei grösseren, vital erscheinenden Populationen)
Vulnerable (gefährdet); V = 2 Punkte
Rare (selten); R = 1 Punkt.
In der Gefässpflanzenliste von LANDOLT (1991) sind 2'696 Arten aufgeführt. Davon sind gesamtschweizerisch 223 mit R, 247 mit V und 332 mit E bezeichnet.
SoU ein Objekt nationale Bedeutung erlangen, muss es, gestützt auf die vorgeschlagene Gewichtung und aus der Summe beider Roten Listen mindestens 12 Punkte erhalten, wobei im Falle der Gefässpflanzen die Einstufung der Region gilt. Es erhält diesen Wert senbestände von in der Regel 500 bis 1'000 Exemplaren einer vom Aussterben bedrohten Art sollen einen höheren Wert erhalten (E = 8 Punkte). Bei erweitertem Kenntnisstand mit weiteren Roten Listen (z.B. flech- .'
ten) bleibt auch das Singularitäten-Argument für neue Erkenntnisse weiter offen.
Für Arten mit nur ganz wenigen Vorkommen in der Schweiz (Mindest-Voraussetzung: Endangered auf nationaler Ebene) ist eine spezielle Begründung auszufertigen, und hier kann ausnahmsweise eine nationale Einstufung aufgrund dieses einen Kriteriums begründet werden, falls die Population der vom Aussterben bedrohten Art am Standort überlebensfähig scheint. Auf die Verwendung der in den Anhängen 1-4 der Natur- und Heimatschutzverordnung aufgelisteten Pflanzen- und Tierarten (Kennarten sowie geschützte Arten) wird hier verzichtet, weil deren Auflistung zum Teil andere Beweggründe besitzt, so z.B. den Schutz besonders attraktiver Arten. Hingegen bringen Kenntnisse über Flechten, Pilze und Algen weitere Hinweise. Für den botanischen Artenschutz sind auch kleinere, isolierte Vorkommen in der Regel überlebensfähig.
2.3.2
4.2.2 Vorkommen seltener und gefährdeter Tierarten
Es wird vorgeschlagen die Roten Listen für die lierarten analog den- In DUELLI, P. (1994) sind die folgenden Roten Listen von gejenigen für die Pssanzenarten zu verwenden (vgl. Literatur) fährdeten Tierarten der Schweiz In der Regel sind die ökologischen Zusammenhänge für das Überle- enthalten: ben der Tierarten allerdings komplexer und nur eingeschränkt in gleichem Masse wie bei den Pflanzenarten zu quantifizieren. Ebenso feh- AGOSTI, D. I CHERIX, D.:
, Ameisen, 45-47 len häufig Kenntnisse über Minimumareale. Es wird deshalb vorge- AMIET, E: Bienen, 38-44 schlagen, die bestehenden Roten Listen der gefährdeten und seltenen BRANCUCCI, M.: Wasserkä- Tierarten zu verwenden bzw. den Wissensstand über weitere Tiergrup- fer (nur Hydradephaga), 60-63 DUELLI, P.: Netzflügler, 64-65 pen zu nutzen und darzustellen. Im Falle der seltenen und gefährdeten DUFOUR, c.: Schnaken, 52-54 Tierarten wird, neben der reinen Biotopbindung, auch die strukturelle GONSETH, Y.: Tagfalter, 48-51 HAND BUCH Ausstattung von erhöhter Bedeutung sein. Sinnvollerweise ist deshalb GROSSENBACHER, K I MOOR- HOFER, u.: Reptilien, 31-32 SCHUTZ zusätzlich eine verbale Begründung beizulegen, wobei vor allem die IN DER GROSSENBACHER, K: Am- SCHWEIZ Abhängigkeit dieser gefährdeten Arten vom Moorbiotop eingehender phibien, 33-34 zu erläutern ist. Für Arten mit wenigen Vorkommen in der Schweiz KIRCHHOFER, A I ZAUGG, gelten die gleichen Anforderungen wie bei den Pflanzen. B./ PEDROLI, J.-c.: Fische und Rundmäuler, 35-37 MAIBACH, A I MEIER, c.: Beispiel Libellen, 69-71 Antrag um Aufnahme der Flachmoore im Gebiet "Engen" am Walenstadter- MARGGI, w.: Laufkäfer und berg (Kanton St.Gallen). Sandlaufkäfer, 55-59 NADIG, A I THORENS, P.: Das Engenried wurde in der Flachmoorkartierung Schweiz als Objekt Nr. 625 Heuschrecken, 66-68 erfasst und mit regionaler Bedeutung bezeichnet (Punktezahl 13, mit 7 Flä- NIEVERGELT, B. I HAUSchenpunkten, 4 Diversitätspunkten sowie 2 Punkten für Vegetationseinhei- SER, J.IMEYLAN, AI ten). Die Gesamtfläche beträgt knapp 5 ha. Eine Nachkartierung (bei aller- RAHM, U./SALVIONI, M./ dings ungleichen Bedingungen der Aufnahmekriterien) ergab, dass es sich VOGEL, P.: Säugetiere (ohne um ein Kalk- Hangried mit Pfeifengraswiese, Davallseggenried, Kopfbinsen- Fledermäuse),20-21 ried und lockerem Schilfbewuchs handelt. Das eingereichte Gutachten betont SARTORI, M. I LANDOLT, P. I die grosse Artenvielfalt, das Vorkommen einer aussergewöhnlichen Vielzahl ZURWERRA, A: Eintagsflievon seltenen, bedrohten und geschützten Pflanzenarten und das kleinflächige gen, 72-74 Mosaik verschiedener Flachmoor-Pflanzengesellschaften mit Übergängen zu SCHWEIZERISCHE KOORwechseltrockenen Vegetationen (Magerwiesen). Es werden insgesamt 17 DINATIONSSTELLEN FÜR POanzenarten der Roten Liste nach LANDOLT (1991) aufgeführt, darunter FLEDERMAUSSCHUTZ
die Sommer-Wendelähre (Spiranthes aestivalis) und der einzige Nachweis für OST UND WEST: Fledermäudie Bienenragwurz (Ophrys apijera) in der Region Sarganserland-Walensee. se, 22-23 Des weiteren werden vier Heuschreckenarten aufgelistet, die in der Roten TURNER, H. I WÜTHRICH, Liste als gefährdet eingestuft werden und Hinweise auf das Vorkommen des M./ RÜETSCHI, J.: Weichtiere, Baumpiepers, des Braunkelchens, des Neuntöters und des Grünspechts im 75-79 Gebiet aufgezeigt. ZBINDEN, N. I GLUTZ VON Alleine das Vorkommen von acht V-Arten und einer R-Art der Gefässpflan- BLOTZHEIM, U.N.I zen ergibt 17 Werte-Punkte gemäss Darlegung in Ziffer 4.2.1. Diese botani- SCHMID, H./ SCHIFFERLI, schen Angaben werden durch zoologische Aspekte ergänzt. Die weiteren L.: Brutvögel mit Gefährdungs- Umschreibungen der Expertise unterstreichen dieses Urteil und rechtfertigen grad in den einzelnen Regiodie Einstufung aJs Objekt von nationaler Bedeutung. nen, 24-30.
4.3 Die Vielfalt und Seltenheit von Pflanzen- und TIergesellschaften
Es darf davon ausgegangen werden, dass eine Vielfalt von Vegetationseinheiten in der Regel auch eine Vielfalt von Arten nach sich zieht. Die Argumente des Artenschutzes, welche die Vielfalt betreffen, sind daher häufig über den Biotopschutz abgedeckt. Als FaustzaW einer besonders vielfältigen Moorflora wird ein Vorkommen von über
200 Gefässpflanzenarten in einem Objekt betrachtet. Diese Grösse
kann als Hinweis für eine mögliche Anerkennung für eine nationale Bedeutung dienen. Eine entsprechende Vielfalt faunistischer Arten ist verbal zu umschreiben.
Vorkommen seltener, besonders schöner Ausformungen bzw. reich vernetzter Vegetationseinheiten sind als Argumentation für eine mögliche nationale Bedeutung in Form eines ökologischen Gutachtens darzulegen, und die Besonderheit ist zu begründen. Beispielsweise ist das Vorkommen von Übergangsmooren in den Tieflagen eine Seltenheit und kann mit ein Beweggrund für die Ausweisung eines national bedeutsamen Objektes sein. Das Vorkommen eines einzigen Moores in einer Talschaft ist allerdings für sich allein noch kein Grund für die Ausweisung eines national bedeutsamen Objektes. Hierfür ist am ehesten die Kategorie des regional bedeutsamen Objektes zu wählen.
4.4 Weitere naturwissenschat~liche Gründe
Es ist an dieser Stelle kaum möglich, alle weiteren möglichen Gründe des naturwissenschaftlichen Interesses für die Benennung von national bedeutsamen Flachmooren aufzuzählen. Hierzu könnten beispielsweise eine besondere geologische Entstehungsgeschichte, eine besondere kulturelle Nutzungsgeschichte etc. zählen, welche für die Schweiz einmalig sind. Auch derartige Argumentationen sind durch eine Expertise zu untermauern.
4.5 Sinnvolle Aufwertungen auf der Grundlage der gegebenen Bewertungsmethodik
4.5.1 Zur 100 rn-Regel
Damit allfällige Einbrüche, z.B. von landwirtschaftlichen Intensivkulturen, die Objekte nicht willkürlich zweiteilen, wurden alle Teilobjekte, die maximal 100 Meter voneinander entfernt sind, zu einem Objekt
2.3.2 zusammengefasst. Ebenso kann die Geländemorphologie, vor allem in alpinen Lagen, eine natürliche Auftrennung von Feuchtbiotopen mit sich bringen. Innerhalb des tolerierten Abstandes von rund 100 Metern zwischen den Teilobjekten wird auch noch ein intensiverer Austausch der Arten erwartet. Diese gutachtliche Festlegung kann in der Praxis fallweise zu starr ausfallen und ist dann in diesen Einzelfällen auf ihren Sinngehalt zu überprüfen. Beispiele für Objekte, die eine Aufwertung erfahren können, sind etwa ein längerer, aufgetrennter und verlandeter Altlauf eines Gewässers, Moore beidseits von stehenden Gewässern (Weiher und Kleinseen) oder Häufungen vieler kleinerer Moore. HAND , BUCH MOOR- Bedingungen der Aufnahme sind: SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Einbezug von Gewässern (Altläufe, Kleinseen, Weiher) am Rande von Flachmoorobjekten in das Objekt, und damit Aufhebung der 100 rn-Regel, falls der Anteil der Wasserflächen im Gesamtobjekt kleiner als 50 Prozent ist und dadurch die nötigen Wertepunkte erreicht werden können.
Gehäuft auftretende, kleinere Moorflächen werden für die Erhaltung von seltenen und gefährdeten Pflanzen- und TIerarten als überlebensnotwendig betrachtet.
4.5.2 Zusammenhängende, naturnahe Biotopabfolgen
In diesem Zusammenhang kann auf Art. 18, Abs. 1bis NHG verwiesen werden, wo explizit folgende Biotope als besonders schützenswert bezeichnet werden: "Uferbereiche, Riedgebiete und Moore, seltene Waldgesellschaften, Hecken, Feldgehälze, Trockenrasen und weitere Standorte, die eine ausgleichende Funktion im Naturhaushalt erfüllen oder besonders günstige Voraussetzungen für Lebensgemeinschaften aufweisen. " Die naturräumlichen Abfolgen - etwa in der Verlandungszone eines Sees oder in einem hochalpinen Talkessel- enthalten häufig, zonal gegliedert oder reich vernetzt, andere natürliche oder naturnahe Biotoptypen. Dieser naturschützerisch kumulative Effekt dürfte in einigen Fällen - vor allem wenn er nicht grossflächig auftritt - durch sektorale Biotop-Inventare nicht erfasst werden. D.h. es fehlt vorläufig ein integraler Betrachtungsansatz. Für augenscheinliche Fälle mit hohem Naturwert und bei gegebener Dominanz des Flachmoors, sollten derartige Fälle mitberücksichtigt werden können. Voraussetzung ist allerdings, dass der Kontakt mit anderen naturnahen Biotoptypen (Bruchwälder, Auen, QueUfluren, Hochmooranflüge, Magerwiesen, Gewässer etc.) stattfmdet und nicht mit Intensivkulturland, Bauten oder son-
stigen Anlagen. Ein Indiz hierfür ist die im Rahmen der Flachmoorkartierung erhobene Austauschfunktion, die den Wert 5 (= ausgeprägt vernetzt) oder 4 (= grenzt an zwei oder mehr naturnahe Strukturen) besitzen muss.
4.5.3 Erhaltungszustand des Objektes
Der Erhaltungszustand umschreibt das Ausmass der sichtbaren Beeinträchtigungen der Vegetation eines Objektes. Gut erhaltene Flachmoore sollen eine Aufwertung erfahren. D.h. wenn dem Erhaltungszustand des Objektes in der F1achmoorkartierung der Wert 5 (keine Beeinträchtigung) zugeordnet wurde, ist eine weitere Bedingung zur Aufnahme erfüllt.
4.5.4 Grenzbereich national- regional
Objekte mit 13 und 14 Punkten gemäss dem im Flachmoor-Inventar Schweiz verwendeten Bewertungsmassstab sind im Übergangsbereich von regionaler zu nationaler Bedeutung anzusiedeln. Das nur knappe Verfehlen der Anforderungen der nationalen Bedeutung kann die Entscheidung zur Aufnahme als Singularität begünstigen.
4.6 Kontakte mit anderen Biotopen von nationaler Bedeutung
In den Erläuterungen zur Hochmoorinventar-Verordnung wird festgehalten, dass ein Flachmoor im Pufferbereich eines Hochmoores von nationaler Bedeutung ebenfalls von nationaler Bedeutung ist. Auch zu anderen naturnahen Biotopen bestehen vielfältige Wechselbeziehungen, die vor allem für den zoologischen Artenschutz von erhöhter Bedeutung sind. Wichtige Argumente für die Ausweisung eines Flachmoores von nationaler Bedeutung können deshalb aus anderen Biotop-Bundesinventaren entnommen werden. Vor allem mit Auen von nationaler Bedeutung liegen häufiger mosaikartige Vernetzungen vor. Grenzt somit ein anderer Biotoptyp von nationaler Bedeutung an ein Flachmoor, so kann dieses ebenfalls nationale Bedeutung erlangen.
4.7 Eintretende Veränderungen im Objekt
Ein mögliches Regenerationspotential von verbuschten oder sonst beeinträchtigten Mooren ist im Bewertungsansatz nicht berücksichtigt. Es ist darauf hinzuweisen, dass Art. 16 Abs. 2 der Natur- und Heimatschutzverordnung (NHV) festhält: "die Inventare sind nicht abschlies-
2.3.2 send, sie sind regelmässig zu überprüfen und nachzuführen". Somit können positive Veränderungen in Objekten, die eine neue Einstufung zur Folge haben, in einer nächsten Revision des betreffenden Inventars berücksichtigt werden.
5 ZUSAMMENSTELLUNG DER AUSSAGEN I Die nachfolgende Zusammenfassung der Kriterien steDt eine Check- HAND BUCH liste eines Beurteilungsrasters dar. Eine Einstufung nach mehreren MOORder dargelegten Kriterien puffert den Unsicherheitsbereich etwas ab. SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Der hier dargelegte Ansatz wird wohl nie vollständig sein, so dass die konkrete Beurteilung des Einzelfalles immer notwendig bleiben wird. In begründeten Einzelfällen ist es möglich, die Einstufung eines Flachmoores als von nationaler Bedeutung aufgrund eines einzelnen Tatbestandes vorzunehmen. Darum soD jede Meldung einer Singularität mit einer Expertise begründet werden. Diese steDt die naturrämnIiche Ausgangslage dar, umschreibt die herrschenden Naturwerte und gibt Tab. 1: Kriterien und Bedingungen gemäss TabeDe 1 eine Beantwortung und Begründung. bei Singularitäten - Überblick
SinguIaritäten-Kriterien Überprüfung anband Bedingungen
1. Seltene und gefährdete Rote Listen 12 Wertepunkte (E=4, V=2, Pflanzenarten R=l Pkt.) Ausnahmsweise E=8 Pkt., bei Massenbeständen von E-Arten (nationale Listen).
2 Seltene und gefährdete Tier- Rote Listen analog Pflanzen mit zusätzlicher
arten Begründung der Abhängigkeit der Art vom Biotop "Moor"
3 Arten mit wenigen Vorkommen Artenliste Objekt ? Begründen
in der Schweiz
4 Artenvielfalt Gefässpflanzen Artenliste Objekt mindestens 200 Arten ausweisen
5 Artenvielfalt Tiere Artenliste Objekt ? Begründen
6 Seltene Pflanzengesellschaften Gutachten ? Begründen
(schöne Ausformung, reiche Vernetzung)
7 Andere naturkundliche Gutachten ? Begründen
Besonderheiten
8. "Reliktobjekte" Gutachten ? Begründen
'.
SinguJaritäten-Kriterien Überpröflmg anltand Bedingungen
9 Einbezog von GewäSSern Ulld Gutachten Unter Aufhebung der 100 m -
Verdichtung kleiner Objekte 'der Sinnhaftigkeit ' Regel erhält Objekt nötige Wertepunkte für NB, FM-Anteil mind. 50% 10.Biotopkomp]exe Gutachten Dominanz FM Austausehfunk- M-Inveotar Cf{ tion 4 u. 5 ? Begründen
11 Erhaltungszustand FM-Inventar CH Erhaltung: nicht beeinträchtigt
12 Grenzbereich national-regional FM-Inventar Wertepunkte 13 u. 14 FM-
Inventar
13 Flachmoor im Kontakt mit Biotop-Bundesinventare falls anderer Biotoptyp national:
anderen national bedeutsamen FM = national Biotopen
Ein Flachmoor kann die nationa- Es ist schwierig, für die einzelnen Kriterien eine sinnvolle Grenze für den le Bedeutung erlangen, falls es Übergang regionale - nationale Bedeutung festzusetzen. Dort, wo eine im Kontakt mit anderen national Quantifizierung möglich scheint, wurde dies versucht. Dort, wo die Kritebedeutsamen Biotopen steht rien nicht quantifizierbar sind (versehen mit einem Fragezeichen), wird oder wenn es mindestens drei eine schriftliche Begründung verlangt. der Singularitäten-Kriterien 1-12 erfüllt.
2.3.2 6 AUSBLICK
Was verspricht man sich von einer Heraufstufung eines Objektes in die nationale Bedeutung:
Eine verbesserte PR-Wirkung für das Objekt und damit mehr Unterstützung für Schutzabsichten bzw. den intakten Erhalt des Objektes sowie
eine erhöhte Bundessubvention für die Schutz- und Unterhaltsmassnahmen.
Es ist in diesem Zusammenhang klarzustellen, dass es neben den na- HAND , BUCH tional bedeutsamen Mooren auch regional und lokal bedeutsame ge- MOOR- SCHUTZ ben soll. Es ist also nicht sinnvoll und richtig, alles möglichst in die IN DER SCHWEIZ höchste Hierachie zu setzen. Mit jedem zusätzlichen Bundesinventar ergibt sich zudem ein höherer Koordinationsbedarf zwischen den einzelnen Inventaren. Eine Überlagerung der vollständigen Inventare (inkl. aller erfassten Objekte) kann uns dann die geeignete Übersicht über die schützenswerten naturnahen Biotope von erhöhter Bedeutung geben. Es werden allfällige Lücken im Netzwerk eher erkannt. Darum wird eine Aggregation in Form eines "Bundes-Naturschutzinventars" (das Inventar der Inventare) bedeutsam, weil sie die Übergänge zwischen den sektoralen Biotopinventaren besser ersichtlich macht.
LITERATUR DANK ANSCHRIFf DES AUTORS DUELLI P. (1994) : Rote LisLen der Der Autor dankt den Mitarbeiterillgefahrdeten Tierarlen der Schweiz, neo und Mitarbeitern der Projekllei- Dr. Mario F. Broggi BUWAL-Reihe Rote Listen, tung Flachm or (.8 . Br soud , Büro für iedlungs- und EDMZ, Bero, 93 . E. Leupi, K. Marti B. v. Wyl) der mweltplanung Koordinationsstelle Moorschutz Olgastrass 8 ANDOLT E. (1991): Gefährdung beim BUWAL, dem Koordinations- 8001 Zürich der am- und Blüteopflanzen in der au. schuss Moorschutz sowie Prof. chweiz, BUWAL-Reihe Rote Li- Dr. F. Klötzli für die Durchsicht der ten, EDMZ, Bern t 5 . Entwürfe. Eine Revi ion dieser Kriterien wird dann vorgen mmen, URMJ, E. (1992): Die gefährdeten wenn sich wesentliche neue Er- ADRESSE FÜR und eltenen Moose der Schweiz, kennlni se ergeben. .BUWAL-Reihe Rote Listen RÜCKFRAGEN EDMZ Bem, 56 S. KoorclinaUonsstelle Moor chutz BUWAL, Abteilung Nattu'schutz Hallwylstrasse 4
3003 Bem
Handbuch Moor cllutz in eier Schweiz 1
MARIO F. BROGGI
Kriterien zur Definition der Flachmoore von regionaler und lokaler Bedeutung 2.3.3 1 AUSGANGSLAGE
Der Bundesrat bezeichnet nach Anhören der Kantone die Biotope von nationaler Bedeutung. Er bestimmt die Lage und legt die Schutzziele fest (Art. 18a NHG). Für die Biotope von regionaler und lokaler Bedeutung sind die Kantone verantwortlich (Art. 18b NHG). An deren Finanzierung für Schutz und Unterhalt beteiligt sich der Bund ebenfalls (Art. 18d NHG). Besonders zu schützen sind gemäss Art. 18 NHG u.a. die "Uferbereiche, Riedgebiete und Moore". Die Verpflichtung zum Schutz besteht somit für alle Kategorien von I Flachmooren. Unterschiedlich sind einzig die Zuständigkeiten und die HAND BUCH Interessenabwägung. MOOR- Im Rahmen der Inventarisierung der Flachmoore von nationaler Be- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ deutung wurden all jene Flachmoore beurteilt, deren Fläche mehr als 1 ha umfasst. Insgesamt mussten mehr als 3'300 Objekte beurteilt werden, von denen schliesslich gegen l' 100 Flächen nationale Bedeutung erlangten. Rund 2'200 Objekte erfüllten die Kriterien der nationalen Bedeutung nicht. Nach Schätzungen von DALANG/FISCHBA- CHER (1992) bestehen darüber hinaus gesamtschweizerisch weitere 52'000 Flachmoore, deren Fläche 1 ha unterschreitet. Das Inventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung hat sich zur Definition der Flachmoore von regionaler und lokaler Bedeutung und zu deren Unterscheidung nicht ausgesprochen. Aus der Praxis ist nun der Wunsch nach entsprechenden Richtlinien an das BUWAL herangetragen worden. Mit dem vorliegenden Beitrag soll diesem Wunsch entsprochen werden. Er enthält ein Entscheidungsschema zur Beurteilung von Flachmooren, die nicht nationale Bedeutung haben. Dem Schema liegt die gleiche Methodik zugrunde, wie sie für das Flachmoorinventar des Bundes verwendet wurde. Die Festlegung der Schwellenwerte der nationalen Bedeutung ist ausführlich und nachvollziehbar im technischen Bericht zum Flachmoorinventar der Schweiz 1986-89 (BUWAL, 1991) beschrieben. Da für die damalige Feldkartierung jede detaillierte Betrachtung eines Moores mit dem gesamten Artenspektrum und dem Vorkommen seltener Arten entfallen musste, wurde die Möglichkeit der nachträglichen Bezeichnung als Singularität von nationaler Bedeutung ermöglicht. Die Kriterien zur Behandlung von Flachmoor-Singularitäten für diese nachträgliche Benennung sind im Moorhandbuch (Band 1, Beitrag 2.3.2) veröffentlicht.
2 ENTSCHEIDUNGSKRITERIEN FÜR DIE EINSTUFUNG LOKAL I REGIONAL
Als wesentliche Entscheidungskriterien für die Einstufung gelten:
die Wertepunkte gemäss Methodik des Flachmoorinventars
die Grösse sowie
der Erhaltungszustand des Objektes. Auch für bisher nicht bewertete Objekte können diese Entscheidungskriterien nachträglich ermittelt werden.
2.1 Wertepunkte
Der Schwellenbereich für eine nationale Bedeutung lag für wenig beeinträchtigte Flachmoore bei 15 und mehr Wertepunkten. Für stark beeinträchtigte Flachmoore sind die Schwellenwerte vom Naturraum abhängig (Details vgl. BUWAL, 1991). Die Wertepunkte ergeben sich aus den Kriterien "Fläche" und "Vegetation" des einzelnen Objektes. Flachmoore mit 12 und mehr Wertepunkten, die somit die nationale Bedeutung knapp verfehlten, sollen als von regionaler Bedeutung eingestuft werden. Flachmoore, die 5 oder weniger Wertepunkte erreichen, sind von lokaler Bedeutung. Der Übergangsbereich von 6 - 11 Wertepunkten soll differenziert betrachtet werden, wobei die Kriterien "Objektgrösse" und "Erhaltungszustand " massgeblich werden.
2.2 Fläche
Voraussetzung für die Erreichung der regionalen Bedeutung ist eine Mindestfläche von 1 ha. Kleinere Flachmoore können nur lokale Bedeutung erlangen. Dieser gutachtlich getestete Schwellenwert kann im Falle flachmoorarmer Kantone auf 0,5 ha gesenkt werden. Alle Flachmoore der Schweiz wurden den einzelnen Naturräumen (Jura, Mittelland, Nord-, Zentral- und Südalpen) zugeteilt. Innerhalb der total erfassten Moorfläche im jeweiligen Naturraum wurde eine Werteskalierung vorgenommen (vgl. BUWAL, 1991). Nach der Fläche geordnet, wurden die Objekte in 13 gleich grosse Klassen aufgeteilt. Die grössten Objekte erhielten 12, die kleinsten 0 Flächenpunkte. Demzufolge sind bei der Zuteilung der Flächenpunkte die naturräumlichen Rahmenbedingungen der Naturräume Jura, Mittelland, Nord-, Zentral- und Südalpen berücksichtigt.
2.3.3 Unter Ausschluss der Flachmoore von nationaler Bedeutung sollen Objekte mit 5 und mehr Flächenpunkten vorerst regionale Bedeutung erhalten (siehe mögliche Veränderung dieser Aussage durch Erhaltungszustand). Mit dieser Grenze wird allein aufgrund der Fläche rund die Hälfte der Objekte über 1 ha als regional und die andere als lokal eingestuft. Die Grösse der Objekte wird nach den Kriterien des Flachmoorinventares im Massstab 1:25'000 erhoben.
2.3 Erhaltungszustand
HAND , BUCH Der Erhaltungszustand umschreibt das Ausmass der sichtbaren Be- MOOReinträchtigungen der Vegetation eines Objektes. Dieser wurde im Feld SCHUTZ IN DER SCHWEIZ mittels einer fünfteiligen Skala bewertet (BUWAL, 1991). Die Bewertungen für die Fläche und den Erhaltungszustand werden nun verknüpft. Ist ein Objekt mittelstark bis stark beeinträchtigt (Erhaltungszustand 1 oder 2), so kann es nur lokale Bedeutung erlangen. Nicht bis leicht beeinträchtigte Objekte (Erhaltungszustand 3, 4 oder 5) sollen bei mehr als 5 Flächenpunkten als regional bedeutsam eingestuft werden. Aufgrund ihrer Seltenheit werden im Naturraum Mittelland Flachmoore auch dann in der regionalen Bedeutung ein- 11 11
gestuft, wenn sie weniger als 5 Flächenpunkte aufweisen.
2.4 Entscheidungsbaum für die Einstufung
Die Einstufung erfolgt nach folgendem Entscheidungsschema:
unter 1 ha lokal bedeutsam
Achtung! Dieser Schwellenwert kann für Kantone mit einer geringen Flachmoorfläche auf 0.5 ha gesenkt werden.
Erhaltungszustand = Erhaltungszustand = Erhaltungszustand = Mittelland: Erhaltungs- 3,4 oder 5, d.h. nicht, lader 2, d.h. mittel- lader 2, d.h. mittel- zustand = 3, 4 oder 5, lokal oder leicht stark bis stark beein- stark bis stark beein- d.h. nicht, lokal oder beeinträchtigt trächtigt trächtigt leicht beeinträchtigt
3 SINGULARITÄTEN VON REGIONALER BEDEUTUNG
Die Bewertung der einzelnen Objekte aufgrund des vorliegenden Entscheidungsbaums bleibt grob. Für Flachmoore von lokaler Bedeutung kann aufgrund von Besonderheiten allenfalls eine regionale Einstufung gerechtfertigt sein. Entsprechend soll auch nachträglich noch die
2.3.3 Möglichkeit bestehen, ein Objekt als regional bedeutsam einzustufen. Dazu müssen aber 11 gute 11 Gründe bzw. Besonderheiten vorliegen. Es muss mindestens eines der nachstehenden Kriterien erfüllt sein.
Austauschfunktion Die Austauschfunktion umschreibt die Beziehung des Flachmoorobjektes zu seiner unmittelbaren Umgebung. Sie wurde im Feld mittels einer fünfteiligen Skala bewertet (BUWAL, 1991). Ausgeprägt vemetzte, ungestörte Flachmoore und Flachmoore, die an zwei oder mehrere naturnahe Strukturen angrenzen, sind vor allem im I Mittelland als besonders förderungswürdig zu betrachten. Eine Aus- HAND BUCH tauschfunktion von 4 und 5 kann in diesem Naturraum auf eine regio- MOOR· SCHUTZ nale Bedeutung hinweisen. IN DER SCHWEIZ
Flachmoor im Kontakt mit Objekten aus anderen Inventaren Ein Flachmoor liegt in der Nachbarschaft von Objekten anderer Biotopinventare. Hieraus kann sich eine Kumulation von Naturwerten ergeben. Die Einstufung des Flachmoores sollte dabei nicht tiefer ausfallen als die des angrenzenden Objektes (vgl. auch die Kriterien zur Behandlung von Flachmoor-Singularitäten).
Artenvielfalt und seltene Arten Ein Flachmoorobjekt zeichnet sich durch eine ausgesprochene Artenvielfalt oder einen hohen Anteil an seltenen Tier- und Pflanzenarten aus (vgl. auch NHV Art. 14, Abs. 3). Die Anwendung erfolgt analog den Kriterien zur Behandlung von Flachmoor-Singularitäten (vgl. Band 1, Beitrag 2.3.2):
mehr als 100 Gefässpflanzenarten nachgewiesen = hohe Artenvielfalt
mind. 12 Rote-Liste-Punkte (endangered = 4, vulnerable = 2, 11 11
Die Basis bilden die vom BUWAL anerkannten Roten Listen (URMI, 1992; DUELLI, 1994; LANDOLT, 1991).
Weitere naturkundliche Besonderheiten Weitere naturkundliche Aspekte, die eine höhere Einstufung rechtfertigen (z.B. geomorphologischer Art), sind im Einzelfall durch eine Expertise zu belegen.
Die Begründung des Singularitäten-Status von regionaler Bedeutung erfolgt mit Vorteil in einem kurzen Bericht, der die dargestellten Argumente mitberücksichtigt.
LITERATUR ADRESSE DES AUTORS
BUWAL (1991): Flachmoorinventar Dr. Mado F. B1'oggi der Schweiz 1986-89. Technischer Broggi und Partner GmbH Berichl zu Vorbereitung Feldarbeit, Olgastrasse Begriffe Bewertung, 9 S. mit An- 8001 Zürich hang.
BROGGI M.F. (1994): Kriterien zur Behandlung von FJachmoor-SinguJaritäten: Handbuch Moorscbutz in der Schweiz, Band 1 Beitrag 2.3.2 13 S. AUSKUNFT DALANG TI FISCHBACHER, U. (1992): Fraktale Geometrie der BUWAL Flachmoore.lnf.bl. For ch.bereich Koordinations teile Moorschutz Land eh. WSL r. 12, 3, Birmen - Hallwyl tra se4 dorf. 3003 Bero
DUELLI P (1994): Rote Listen der gefährdeten Tierarten der chweiz. Handbuch BUWAL-Reihe Rote Listen, Moorschutz EDMZ Bern, 97 . in der Schweiz 1 LANDOLT, E. (1991): Gefährdung der Farn- und Blütenpflanzen in der Scbweiz. BUWAL-Reibe Rote Listen, EDMZ Bem, 185 S.
URMl, E. (1992): Die gefährdelen und seltenen Moos der Schweiz. BUWAL-Reihe Rote Li ten, EDMZ Bem, 56 S.