Nutzung, Pflege und Gestaltung
Nutzung, Pflege und Gestaltung Exploitation, entretien et aménagement Utilizzazione, gestione e organizzazione
REDAKTION
Zweckmässige Nutzung, Pflege und Gestaltung 2.1 Moore sind meist feuchte bis nasse Grünlandgesellschaften von unterschiedlicher Bewaldungsfähigkeit. Im ozeanischen Klima meist baumfrei, sind die kontinentaleren Hochmoore der Schweiz stärker bestockt. Auf ungestörten Hochmoorflächen ist jedoch auch in unserem Land das Zentrum natürlicherweise oft baumfrei oder der Zuwachs der Gehölze ist gering. Gegen den Moorrand hin nimmt die Gehölzdichte in der Regel zu. In ihrem Wasserhaushalt gestörte (sekundäre) Hochmoore sowie Flachmoore sind der Gefahr zunehmender Bewaldung stärker ausgesetzt. Lediglich drei der sieben im Flachmoorinventar erfassten Vegetationseinheiten - und dies auch nur 2 in ihrer nassesten Ausbildung - sind über alle Höhenstufen hinweg HAND BUCH waldfrei. Sie umfassen lediglich rund 10% der kartierten Fläche MOOR- (HAAB, 1991). Der grösste Teil der Flachmoore unterhalb der alpi- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ nen Waldgrenze ist also durch Rodung entstanden und konnte nur dank einer dauernden Bewirtschaftung - zur Hauptsache Streuenutzung oder Beweidung - über Jahrhunderte gehölzfrei gehalten werden. Im Laufe dieser Zeit sind viele lichtbedürftige Arten in diese Lebensräume eingewandert und konnten sich hier halten. Heute zählen die Sumpf- und Wasserpflanzen gesamtschweizerisch zu den am stärksten gefährdeten ökologischen Pflanzengruppen. Die gefährdeten Arten machen, gemessen an der Gesamtzahl der in der Schweiz vorkommenden Pflanzen der jeweiligen ökologischen Gruppen, 42% bzw.46% aus (LANDOLT, 1991).
Zu diesem hohen Anteil gefährdeter Arten hat in erster Linie der grosse Verlust an Moorflächen beigetragen. Nicht unbedeutend sind daneben die qualitativen Veränderungen innerhalb der verbliebenen Moorbiotope. Diese können vielfach auf eine unangepasste Pflege, den Nutzungsverzicht oder die Veränderung des Moorwasserhaushaltes zurückgeführt werden. Eine angepasste Nutzung oder Pflege von Flachmooren und sekundären Hochmooren sowie geeignete Gestaltungsmassnahmen wirken weiteren unerwünschten Vegetationsveränderungen entgegen und können einen Beitrag zum Artenschutz leisten.
Den folgenden Beiträgen kommt die Aufgabe zu, die Bedingungen für eine im Hinblick auf das Schutzziel optimale Bewirtschaftung, Pflege und Gestaltung aufzuzeigen.
LITERATUR Handbuch Moorschutz in der Schweiz 2 HAAB, R. (1991): Moorschutz, Wald und Forstwirtschaft, Schweiz. Z. Forstws., 142, 12, 955-978.
LANDOLT, E. (1991): Gefährdung der Farn- und Blütenpflanzen in der Schweiz, Bern, 185 S.
THOMAS EGLOFF
Grundsätze zur Bewirtschaftung und Pflege von Flachmooren der Tieflagen 2.1.1 1 ERHALTUNG UNTER GESAMTHEITLICHER BETRACHTUNG
Moore sind Lebensräume mit vielen Lebensgemeinschaften. Als meist waldfähige Standorte bedürfen sie der Bewirtschaftung, um als Grünland erhalten zu bleiben. Die Pflege soll vorrangig dieses Ziel verfolgen. Nur in begründeten Ausnahmefallen soll sie sich nach einzelnen Arten oder Artengruppen (z.B. Orchideen, Amphibien oder Libellen) richten. Wir müssen uns hierbei bewusst sein, 2
dass selbst ein später Schnitt für gewisse Arten(gruppen) vorerst HAND BUCH einmal negative Auswirkungen hat, MOOR· SCHUTZ
dass Gebiete von lediglich durchschnittlichem botanischem Wert IN DER SCHWEIZ für die Fauna ausserordentlich wertvoll sein können, und
dass es den optimalen Lebensraum für alle im Flachmoor vorkommenden Arten nicht gibt. Das Ziel von Bewirtschaftung und Pflege soll es darum sein, den biologischen Gesamtwert zu erhalten. Dabei kamen die faunistischen Aspekte in der bisherigen Betrachtung häufig zu kurz.
2 TRADmONELLE BEWIRTSCHAFTUNG HAT VORRANG
VOR PFLEGE
Streuwiesen sind eine traditionelle landwirtschaftliche Nutzungsform. Auch in Gebieten, wo das Streuland keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat, sollen die Bewirtschaftung und die Pflege wenn immer möglich durch Landwirte edolgen, sofern sie über das erforderliche Verständnis und über die geeigneten Geräte verfügen. Wo die Landwirte die Streuenutzung in jüngerer Vergangenheit nicht mehr durchführten, sollten sie im Rahmen einer modemen Betriebsplanung als extensiv bewirtschaftete Flächen wieder in den Landwirtschaftsbetrieb integriert werden können (Modell der abgestuften Nutzung). "Bewirtschaftung" steht darum bewusst vor "Pflege". Nur dort, wo die traditionelle Bewirtschaftung nicht mehr möglich ist, hat "der Naturschutz" die "Pflege" zu übernehmen.
.'
3 WESENTLICHE VORAUSSETZUNGEN: ENTWICKLUNGSZIELE, FACHLICHE BEGLEITUNG UND (Red.) Warum soDen Flachmoore möglichst spät gemäht ÜBERWACHUNG werden? Bei der traditionellen Nutzung In allen Fällen, wo von der bisherigen Nutzung abgewichen werden wurde die Streue aus praktischen soll (z.B. Umwandlung bisher intensiver genutzter Parzellen, Aufga- Gründen spät gemäht:
Im Herbst ziehen die Moorbe des Grabenunterhalts), müssen vorgängig klare Entwicklungsziele pflanzen die Nährstoffe aus den festgelegt werden. In vielen Fällen ist dabei eine fachliche Beglei- ober- in die unterirdischen Orgatung bzw. eine daran anschliessende Überwachung notwendig. ne zurück. Dies garantiert auch ohne Düngung jedes Jahr gute Streueerträge. Dieser Vorgang Dies gilt insbesondere dann, wenn nicht nur der aktuelle biologische setzt jedoch nicht vor September .. . ', Wert erhalten, sondern auch - sofern nötig, möglich und/oder er- ein. wünscht - eine Wertsteigerung erreicht werden soll. Eine Erfolgskon- • ·Im Spätsommer fanden die Bauern in der Regel keine Zeit trolle der durchgeführten Massnahmen gehört deshalb ebenfalls zu für die Streuemahd. den Anforderungen des Moorschutzes. Beide Gründe sind für die heutige Landwirtschaft nicht mehr von Bedeutung, so dass der Schnitttermin heute oft früher angesetzt wird. Aus der Sicht des Naturschutzes 4 BEWIRTSCHAFTUNG UND PFLEGE STAFFELN sprechen folgende Gründe für einen späten Schnitt: Zeitweise nicht gemähte Bereiche erfüllen für die lokale Tierwelt • Erhaltung der Spätblüher und für durchziehende Arten eine Vielzahl von Funktionen: • Erhaltung des für den Lebenszyklus vieler Insekten notwendi-
Nahrungsangebot gen Strukturangebotes (z.B. Blü-
Unterschlupf, Deckung tenhorizont; vgl. Abb. 1).
Sitzwarten
Überwinterung (von Wirbellosen, z.B. in Bodennähe oder in den Halmen)
Nistplätze (z.B. für Rohrsänger und Bodenbrüter)
Wo früher viele Bewirtschafter zahlreiche eher kleine Parzellen zu unterschiedlichen Zeitpunkten - und in gewissen Jahren gar nicht - mähten, wird heute, wo private oder staatliche Equipen die Bauern zum Teil ersetzen, grossflächig zum gleichen Zeitpunkt abgeräumt. Dies ist gleichbedeutend mit einem Strukturverlust.
Der heutige, durch die grossflächige Bewirtschaftung bedingte und für die Fauna nachteilige Strukturverlust kann durch eine entsprechende Planung und Ausführung des Unterhalts gemildert werden. Teilflächen sollen alternierend nicht gemäht werden (einjährige Brache, Rotationsbrache; vgl. dazu das Rotationsmodell von WILDER- MUTH, 1983).
2.1.1
gemäht ---~·verbr8cheV}d -
HAND BUCH SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Abb.1: Modell zur extensiven, zeitlich gestaffelten Pflege von grösseren anthropogenen Grünlandbiotopen (hier am Beispiel der Halbtrockenrasen). 1 bis 4: Sukzessionsstadien. Die Spalten der Rasterflächen zeigen das Muster (räumliches Nebeneinander) der Flächen in unterschiedlichen Sukzessionsstadien zu verschiedenen massnahmen werden nacheinander in verschiedenen Jahreszeiten ausgeführt. Quelle: Verändert nach WILDER- MUTH(1983) zeitliches Nacheinander (Sukzession)
5 KEINE MAHD OHNE ENTFERNUNG DES SCHNITTGUTES
Liegengebliebene Streue fördert die Entstehung von Blössen und damit die Ansiedlung unerwünschter Arten (z.B. Goldruten). Deshalb muss das Schnittgut nach jedem Schnitt weggeführt werden. Handelt es sich um eher nährstoffreiche Moore, muss dies möglichst bald nach der Mahd geschehen, bevor die Nährstoffe aus dem Schnittgut ausgewaschen werden. Als Grundsatz gilt: Nur so viel mähen, wie auch abgeräumt werden kann! Streuhaufen, welche für Reptilien belassen werden, sind an Stellen zu errichten, von denen aus keine Nährstoffe ins Gebiet eingeschwemmt werden.
6 KEINE GESTALTUNGSMASSNAHMEN OHNE KLARE ERHALTUNGS- UND ENTWICKLUNGS ZIELE
Gestaltungsmassnahmen dürfen nicht in intakten oder aus anderen Gründen für den Moorschutz bereits wertvollen Bereichen vorgenommen werden. Förderungsmassnahmen, z.B. für Watvögel, sollen nicht auf Kosten anderer schutzwürdiger Artengruppen gehen, ausser wenn die unter Abwägung aller Aspekte festgelegten Schutzziele dies verlangen. Je grösser ein Gebiet ist, desto mehr Naturschutzziele lassen sich verwirklichen. Gleichzeitig gilt aber: Kleinere Gebiete sollen nur zurückhaltend um weitere Strukturen ergänzt werden; so braucht z.B. nicht jedes Gebiet einen Weiher. Auch wenn Gestaltungsmassnahmen ergriffen werden, sind - wie bei der Bewirtschaftung - in jedem Falle die Erhaltungs- und Entwicklungsziele festzulegen. Dabei ist z.B. "Vielfalt erhöhen" ein zu undifferenziertes Ziel, welches zu einer unerwünschten Gestaltungseuphorie führen kann.
2.1.1 LITERATUR WEITERFÜHRENDE ANSCHRIFT DES AUTORS LITERATUR WILDERMUTH, H. (1983): Siche- Dr. Thomas Egloff rung, Pflege und Gestaltung beson- BUNDESAMT FÜR FORSTWE- Baudepartement des Kantons Aargau ders gefährdeter Biotope (Ökosyste- SEN, ABTEILUNG NATUR- UND Sektion Natur + Landschaft me), in: Jb. Natursch. Landschaftspfl. HEIMATSCHUTZ (Hrsg., 1983): Mühlemattstr. 54 33: 68-91, Bonn. Unterhalt von Feuchtgebieten in der 5001 Aarau Schweiz, Bem, 75 S. + Anhänge
EGLOFF , TH. B. (in Vorb.): Weg- Handbuch leitung zur Bewirtschaftung und Pflege von Riedem und Mooren im Moorschutz in der Schweiz 2 2 Sinne des Naturschutzes, überarbei- 2/1994 HAND tete Fassung von Richtlinien zur BUCH Bewirtschaftung und Pflege von MOOR· SCHUTZ Riedem und Mooren im Sinne des IN DER SCHWEIZ Naturschutzes (1984), im Auftrag des Schweiz. Bundes für Naturschutz (Hrsg.).
HÖLZINGER,1. (1987): Die Vögel Baden-Württembergs, Gefährdung und Schutz, Teil 1: Artenschutzprogramm Baden-Württemberg, Grundlagen Biotopschutz (Kapitel Nass-, Ried- und Streuewiesen von S. Bauer), Eugen Ulmer, Stuttgart.
WILDERMUTH, H. (1984): Biotoppflege - eine Form von Gärtnern? Veröff. Naturschutz Landschaftpflege Baden-Württ. 57/58: 11-18, Karlsruhe.
BEAT VON WYl/ FRANZ STADlER / ERWIN lEUPI Minimalpflege von Mooren in Hochlagen 2.1.2 1 AUSGANGSLAGE UND ZIELSETZUNG
Das Flachmoorinventar der Schweiz weist eine Gesamtfläche von 19'186 ha von nationaler Bedeutung aus (BUWAL, 1998). Rund 11'700 ha bzw. 61 % der Flachmoore liegen oberhalb von 1'200 m ü.M. Diese Flächen werden hier als Flachmoore der Hochlagen bezeichnet. Nach den Angaben der Datenbank zum Flachmoorinventar der Schweiz werden von den Flachmooren der Hochlagen 61 % beweidet, 26 % geschnitten, und 13 % liegen brach. Die genauere Betrachtung der beweideten Flachmoore zeigt, dass lokal grosse Flächen zwar dem 2 Vieh zugänglich sind, in Wirklichkeit aber kaum begangen und abge- HAND BUCH fressen werden. Wir schätzen, dass in den Hochlagen daher 20 - 30 % MOOR- SCHUTZ der Flachmoorflächen nicht oder kaum genutzt werden. Dies ent- IN DER SCHWEIZ spricht einer Fläche von 2'500 - 3'500 ha. Die meisten Flachmoortypen in den Tieflagen verbuschen ohne Nutzung innert weniger Jahre (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.5) . In den Hochlagen verläuft die Verbuschung langsamer. Es stellt sich die Frage, ob der Pflegeaufwand bei zunehmender Höhenlage deutlich vermindert oder die Pflege gar unterlassen werden kann, ohne die ungeschmälerte Erhaltung der Moore zu gefährden.
Im Folgenden werden Empfehlungen für eme Minimalpflege zum Schutz der Moore in Hochlagen dargestellt und begründet. Mit der Nutzung und Pflege werden die folgenden Ziele verfolgt:
Erhalten der Qualität der Moore: Keine Anreicherung von Nährstoffen im Boden; gutes Lichtangebot auf dem Boden; Artenreichtum erhalten; keine Verfilzung einer überalterten Pflanzendecke.
Erhalten der waldfreien Moorfläche: Verhinderung einer flächigen Verbuschung im Interesse von lichtbedürftigen Pflanzen, Kleintieren sowie von speziellen Vogelarten der moorgeprägten Landschaften.
Erhalten des Landschaftsbildes: Pflegen einer reich gegliederten Landschaft mit offenen und bewaldeten Flächen.
2 DIE LANGFRISTIGE ENTWICKLUNG VON MOOREN IN HOCHLAGEN
2.1 Untersuchung
Informationen über die langfristige Vegetationsentwicklung von Mooren in der Schweiz liegen spärlich vor. Detaillierte Untersuchungen im Rahmen von wissenschaftlichen oder projektbezogenen Arbeiten sind vorwiegend Momentaufnahmen oder dokumentieren lediglich eine Zeitspanne von wenigen Jahren. Aus diesem Grund wurde versucht, durch Befragung von Ortskennern Erkenntnisse über die frühere Nutzung von Mooren zu gewinnen. Im Zentrum stand die Beantwortung der Fragen: Wann wurde eine brachliegende Fläche das letzte Mal genutzt? Wie sehen diese Flächen heute aus? Die Umfrageergebnisse wurden mit Angaben aus der Literatur, mit Erkenntnissen aus verschiedenen Diskussionen und mit eigenen Beobachtungen in verschiedenen Landesgegenden ergänzt. Im Pilotversuch "Streuschnitt ohne Abtransport" werden in einem Moorgebiet in Giswil OW Möglichkeiten zum Belassen des Schnittgutes auf der Moorfläche selber getestet. Die Streue wird liegen gelassen, in Walmen angelegt und auf sogenannten Tristen geschichtet, wo sie der natürlichen Verrottung überlassen wird oder der Wildfütterung dient.
2.2 Resultate
Aus der Befragung konnten zuverlässige Angaben zu 21 Moorflächen gewonnen werden.
Kanton Graubünden Gemeinde Castrisch: 3 Teilflächen auf 1'570 - 1'610 m ü.M. Gemeinde Valendas: 3 Teilflächen auf 1'300 - 1'380 m ü.M.
Die 6 Flächen wurden vor 10 - 35 Jahren das letzte Mal gemäht. Bei allen Flächen handelt es sich um Davallseggenrieder mit mehrheitlich schwachem Massenwuchs. Das Pfeifengras (Molinia caerulea) erreicht nur in einer Fläche eine Deckung von mehr als 25 %. In einer zweiten Fläche überdauerte ein reicher Orchideenbestand. Die Verbuschung ist bis auf eine Fläche sehr gering bis schwach. Laubsträucher werden ab und zu vom Wild verbissen. Gehölze: Fichte (Picea abies), Birke (Betula pendula), Schwarzwerdende Weide (Salix nigricans) , Stink-Weide (Salix foetida), Grün-Erle (AInus viridis) , Vogelbeerbaum (Sorbus aLlCUparia).
2.1.2 Kanton Glarus Gemeinde Engi 2 Teilflächen auf 1'640 - 1'850 m ü.M. Gemeinde Matt 2 Teilflächen auf 1'800 m ü.M.
Die vier Flächen liegen innerhalb des Weidezauns, werden aber vom Vieh nur wenig begangen und liegen somit brach. Eine Fläche zeigt heute eine schwache Verbuschung, die anderen sind gehölzfrei. Gehölze: Fichte (Picea abies), Weiden (Salix-Arten), vereinzelt Zwergsträucher.
Kanton St. Gallen Gemeinde Amden 2 Teilflächen auf 1'480 m ü.M. HAND Eine Fläche wurde vor 10 Jahren zum letzten Mal gemäht. Die Gehölze ha- BUCH ben in diesem Zeitraum nur wenig zugenommen. MOOR- SCHUTZ Die andere Fläche wurde bis vor etwa 40 Jahren regelmässig, und seither nur IN DER SCHWEIZ mehr sehr unregelmässig gemäht. Die Verbuschung hat deutlich zugenommen, insbesondere in Kuppenlagen.
Kanton Obwalden Gemeinde Sarnen 6 Teilflächen auf 1'260 - 1'460 m ü.M.
Zwei Flächen wurden bis vor 25 Jahren im offenen Weidgang extensiv genutzt; seither sind sie ausgezäunt. Die Verbuschung vom Waldrand her ist zum Teil recht stark, in der Fläche aber wachsen nur vereinzelt Fichten auf. Zwei Flächen wurden bis vor 45 Jahren regelmässig gemäht. Sie bestehen nebst Flachmooren auch aus frisch-feuchten Extensivwiesen. Verbuschung: Himbeere und Grün-Erle haben sich stark entwickelt, mehrheitlich aber ausserhalb der Moorflächen. Die Fichte gedeiht in beiden Flächen gut. Eine Fläche wurde vor 37 Jahren zum letzten Mal gemäht. Die Vel'buschung ist gering. Eine weitere Fläche wurde vor 40 Jahren zum letzten Mal geschnitten und anschliessend bis 1992 beweidet. Die Verbuschung mit Fichten erfolgt nur sehr langsam. Gehölze: Fichte (Picea abies), Grün-Erle (Ainus viridis), Grau-Erle (Alnus incana), Himbeere (Rubus idaeus).
Gemeinde Giswil 3 Teilflächen auf 1'250 -1'800 m ü.M.
Die Flächen liegen im Rorwald und wurden vor über 50 Jahren zum letzten Mal gemäht. Verbuschung: Eine Fläche zeigt einen üppigen Pflanzenwuchs und wächst vom Waldrand her mit Grau-Erle ein. Die Fichte hat auf den meisten Moorflächen grosse Mühe. In Hochmooren und ähnlichen Flächen treten Berg- Föhre und Moor-Birke auf. Alle beobachteten Flächen wurden um 1955 definitiv vom Weidgang ausgezäunt. Gehölze: Fichte (Picea abies), Berg-Föhre (Pinus mugo), Grau-Erle (Ainus incana), Moor-Birke (Betula pubescens), Ohr-Weide (Salix aurita), Sal-Weide (Salix caprea), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus).
... .
Erste Erfahrungen aus dem Pilotversuch "Streuschnitt ohne Abtrans- Abb. 1: Deutliche Spuren an einer port" zeigen, dass das Wild die Tristen regelmässig aufsucht, pro Jahr zwölf Monate alten Triste, welche dem Wild als Winterfutter dient. aber nur einen kleinen Teil der Streumenge frisst; beobachtet wurden Gemeinde Giswil OW Hirsch, Reh und Gemse. Eine Einzelbeobachtung aus früheren Jahren Foto: Beat von Wyl besagt, dass infolge Wildfrass und Verrottung nach etwa zehn Jahren von einer Triste nichts mehr zu sehen ist.
2.1.2 3 BEURTEILUNG
3.1 Geschwindigkeit der Verbuschung
Die gen aue Betrachtung der Verbuschung von aufgelassenen Flachmoorflächen bestätigt die Annahme, dass die Verbuschungsgeschwindigkeit mit zunehmender Höhenlage abnimmt. Es zeigt sich aber auch, dass in gleicher Höhenlage die Verbuschungsgeschwindigkeit je nach Standort sehr unterschiedlich verläuft. 2
Verbuschung extrem langsam: In sehr nassen oder mit dichten HAND BUCH Hochstauden bewachsenen Flächen beobachtet man praktisch keine MOOR- SCHUTZ jungen Gehölze. IN DER SCHWEIZ
Verbuschung langsam bis mittel: In vielen ungenutzten Flachmooren kann vereinzelt die Ansamung von Gehölzen beobachtet werden. Sie entwickeln sich aber nur langsam.
Verbuschung schnell: In wechselfeuchten Flachmooren und auf trockeneren Flächen in der Nachbarschaft können die Fichte sowie Laubhölzer leicht ansamen. Sie entwickeln sich bei fehlendem Schnitt schnell. Besonders rasch verläuft die Verbuschung durch die Grauerle, die auch vernässte Flächen besiedelt. Sie gedeiht in den Voralpen nur bis etwa 1'400 m ü.M.
Verschiedene Mechanismen erschweren eine genaue Vorhersage der Verbuschungsanfälligkeit eines Moores:
Häufig verläuft die Besiedlung von Mooren durch Gehölze vom Waldrand oder einer Gebüschgruppe aus. Hier trocknet der Boden schneller ab, und der Schneedruck wird von höheren Bäumen gemildert.
In einem Mosaik von nassen und trockeneren Flächen werden zuerst die trockenen Kuppen von Gehölzen besiedelt. Die Beweidung schränkt in diesem Fall den Aufwuchs der Gehölze stark ein.
Das Wachstum der Gehölze verläuft nicht linear. Die Pflanzen entwickeln sich in der ersten Phase nur sehr langsam und beschleunigen das Höhenwachstum nach Erreichen einer bestimmten Höhe.
In nassen, trittempfindlichen Flächen können am Rande von Trittlöchern Gehölze ansamen.
Die Dynamik des Einwachsens hängt auch ganz wesentlich davon ab, welche Gehölzarten potentiell in einem Gebiet auf Moorstandorten gedeihen können. Die wichtigsten Gehölze sind Fichte und Grau- Erle. Stellenweise können auch Weiden-Arten zur Verbuschung nasser Flachmoore beitragen.
Im ganzen Voralpenraum spielt die Fichte (Picea abies) die wichtigste Rolle, da sie bis zur Waldgrenze vorkommt. Als Lichtbaumart mit einem weitreichenden Samentransport bringt sie gute Voraussetzungen mit, um Grünlandflächen zu besiedeln. Auf nassen Standorten jedoch entwickelt sie sich nur mit grösster Mühe. Eine Fichte in einem Davallseggenried auf 1'450 m ü.M. wies auf der Stammscheibe von 12 cm Durchmesser 163 Jahrringe auf.
Abb. 2: Einwachsen der Fichte in einem Flachmoor auf 1'620 m ü.M.: In der Fläche ist ein Aufkommen kaum und vom Waldrand her nur stellenweise erkennbar. Gemeinde MattGL Foto: Beat von Wyl
Abb. 3: Einwachsen von Laubhölzern in einem Flachmoor auf 1'500 m ü.M. Die Ausdehnung der Büsche verläuft schnell und flächenwirksam. Gemeinde Matt GL Foto: Beat von Wyl
In Höhenlagen, wo die Grau-Erle (Ainus incana) noch gedeiht, kann sie Flachmoore auf mineralischen Böden flächig besiedeln und schnell überwachsen.
2.1.2
3.2 Einfluss der Beweidung auf die Verbuschung
Die Beweidung von Moorgebieten wird oft als Garant für die Offenhaltung von Alpgebieten und damit auch von ausgedehnten Moorweiden angeführt. Vier Aspekte sind dabei von Bedeutung:
In den meisten Moorflächen kann weder eine starke Entwicklung von Gehölzen noch ein regelmässiges Abfressen der Streue durch das Vieh beobachtet werden. Hier bleibt der Einfluss der Beweidung sehr ne bensächlich.
Die meisten Gehölze entwickeln sich an trockenen Standorten be- 2 sonders rasch, und die gleichen Flächen werden auch vom Vieh bevor- HAND BUCH zugt abgefressen. Der positive Effekt der Beweidung ist hier offen- MOOR- SCH UTZ sichtlich. IN DER SCHW EI Z
Oft werden bestimmte Weideteile nur wenig begangen. In solchen Gebieten dämmt das Vieh die Verbuschung nur unbedeutend ein. Weil aber die Weideflächen von den Alpbesitzern gesäubert werden, ergibt sich auf indirekte Weise eine Offenhaltung. Allerdings sind die Flachmoore, insbesondere in Waldnähe, nicht die vorrangigen Flächen für dieses "Alpwerk".
Auf nassen Flächen kann die Beweidung die Entwicklung von Gehölzen begünstigen. Am Rand von Trittlöchern bilden sich trockene Kleinstandorte, die erst die Ansiedlung von Gehölzen ermöglichen.
Im allgemeinen spielt die Beweidung für die Offenhaltung von nassen Moorflächen eine untergeordnete Rolle. In Gebieten mit einem deutlichen Mosaik von nassen und trockenen Flächen wirkt sie sich positiv auf die Offenhaltung aus. Durch die Trittwirkung in den nassen Mooren entstehen aber auch gegenläufige Effekte. Für die grossflächige Offenhaltung von Moorgebieten war in der vergangenen Jahrhunderten wohl mehrheitlich eine gemischte Weide-Schnitt-Nutzung verantwortlich.
3.3 Nährstoffanreicherung
Für die ungenutzten Moore ist neben der Verbuschung auch die Tatsache von Bedeutung, dass der Boden durch Auteutrophierung infolge des jährlichen Massenzuwachs zunehmend nährstoffreicher wird. Dadurch gehen vor allem die mageren Kleinseggengesellschaften zu Gunsten von Hochstaudenbeständen mehr und mehr zurück.
Die nachfolgenden Betrachtungen zum Nährstoffhaushalt von Moorböden beschränken sich auf den Stickstoff als ein wesentliches, das Pflanzenwachstum limitierendes Element.
3.3.1 Gesamtgehalt
In Riedwiesen im Mittelland wurden Stickstoff-Gesamtmengen von 2 - 5 g N / I Oberboden gemessen. Der Stickstoff in Moorböden liegt vorwiegend in organisch gebundener Form vor. Die Nitratwerte liegen mit 0 - 2 mg N / I sehr tief, und die Ammoniumwerte können 5 - 15 mg N / I erreichen. Bezogen auf den Gesamtgehalt sind diese Werte vernachlässigbar. Der Stickstoffgehalt wird im wesentlichen durch die Mächtigkeit des organischen Oberbodens bestimmt. Die Flachmoore höherer Lagen weisen im Profil 10 - 30 cm Oberboden auf. Daraus resultiert ein Totalgehalt an Stickstoff von 20 - 150 kg N / a.
3.3.2 Eintrag
Der Eintrag in ungenutzte Flachmoorflächen besteht vor allem aus dem Eintrag aus der Luft (Deposition) und aus der Zersetzung der abgestorbenen Pflanzen. Die jährliche Deposition wird für die ganze Schweiz mit 84 Mio kg N angegeben (BUWAL, 1993). Bei gleichmässiger Verteilung auf die Fläche der Schweiz ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Deposition von 200 g N / a. Langjährige Messungen in den mutmasslich wenig belasteten Voralpen bei AlpthaI (südlich von Einsiedeln) ergaben eine jährliche Deposition von 140 g N / a (WSL, 1997).
Die symbiontische Fixation von Stickstoff ist in ungedüngten Moorgebieten praktisch ohne Bedeutung, da der Anteil an Leguminosen sehr klein ist. In einem Riedgebiet im aargauischen Reusstal wurden anhand von Fixationsmessungen pro Vegetationsperiode Werte von 100 - 200 g N / a berechnet (KUHN et al., 1978). Ebenso spielt die Einschwemmung von Stickstoff aus oberhalb liegenden Flächen nur lokal eine Rolle.
Für Riedwiesen wurde eine Biomassen-Jahresproduktion von 10-75 kg Trockensubstanz (TS) pro Are bestimmt (YERLY, 1970; eigene Messungen). Die absterbenden Pflanzen enthalten im Durchschnitt 16 g Stickstoff pro kg TS (BOLLER-ELMER, 1977; YERLY, 1970). Dies ergibt pro Vegetationsperiode einen Anfall von 160 - 1'200 g N / a.
2.1.2
3.3.3 Austrag
Der Austrag von Stickstoff aus ungenutzten Moorböden kann durch Auswaschung ins Grundwasser, durch Abgabe in die Luft und durch die Aufnahme von Pflanzen erfolgen. Die wasserlöslichen Anteile des Stickstoffes in Moorböden sind sehr klein und die Auswaschung ins Grundwasser daher sehr niedrig. Für die Abschätzung der Stickstoffabgabe in die Luft ist vor allem die Denitrifikation zu beachten. Diese findet generell in wassergesättigten Böden gute Voraussetzungen. Zwei andere Bedingungen sind in Moorböden hoher Lagen hingegen nur selten erfüllt. Einerseits muss 2 eine Lufttemperatur von rund 30 oe erreicht werden und andrerseits HAND BUCH sind hohe Nitratkonzentrationen im Boden nötig. Die Denitrifikation MOOR· kann deshalb hier vernachlässigt werden. SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Der Entzug durch die wachsende Vegetation ist zu berücksichtigen. Da in Flachmooren weder die Fixation aus der Luft (siehe 3.3.2) noch die Düngung eine Rolle spielen, entspricht der Entzug im wesentlichen dem Gehalt, der in der Vegetation gemessen wird.
3.3.4 Bilanz
Im Vordergrund steht die Feststellung, dass in Flachmooren der Hochlagen der Kreislauf zwischen absterbender und nachwachsender Vegetation sowie der Eintrag aus der Luft (Deposition) von Bedeutung sind.
Wir gehen davon aus, dass in ungenutzten Flachmooren durch die absterbende und wieder nachwachsende Vegetation eine ausgeglichene Stickstoffbilanz besteht (Abb. 4). Der bedeutendste Faktor in der Beziehung des Stickstoffkreislaufes der Flachmoore mit der Umgebung ist der Eintrag aus der Luft (Deposition), welcher mit rund 200 g N / a * y vor allem in nährstoffarmen Mooren zu einer Anreicherung führt. Da der eingetragene Stickstoff von den Pflanzen rasch aufgenommen und somit in Vegetation und Boden eingebunden wird, bleibt die Auswaschung gering.
Um diese Anreicherung mittels Schnittnutzung oder Pflegeschnitt vollständig auszugleichen, können je nach Stickstoffgehalt der Flachmoore unterschiedliche Schnittfrequenzen vorgeschlagen werden. Magere Flachmoore mit einem Gehalt von 200 g N / a in der Streue müssten jedes Jahr geschnitten werden. Für reichere Flachmoore mit 1'200 g N / a in der Streue können die Schnittfrequenzen auf 5 - 10 Jahre veranschlagt werden.
Eintrag aus der Luft Verlust in die Luft Abb. 4: Stickstoffbilanz in einem 200gN/hY «100 g N / a * y Flachmoor der Hochlagen.
absterbende Pflanzen
Verlust ins Grundwasser « 100 g N / a * y
In Bezug auf den Gesamtstickstoffgehalt der Flachmoore in Hochlagen von 20 - 150 kg / a bewirkt der Eintrag aus der Luft eine Anreicherung von maximall %.
3.4 Pilotversuch "Streuschnitt ohne Abtransport"
Die Verwertung des Schnittgutes im Moorgebiet selber hat in abgelegenen, aber sehr wertvollen Mooren grosse Vorteile bezüglich Mitteleinsatz. Es kann mit schonender Handarbeit gepflegt und auf Erschliessungen oder aufwendige Transporte verzichtet werden. Die Belastungen der Landschaft um die Moore sind gering und die Pflegekosten tief. Nachteilig könnte sich auf die Dauer die Konzentration von Nährstoffen an den Lagerstellen der Streue ergeben. Es ist auch ein Ziel des Pilotversuches, die Rahmenbedingungen für Lagerplätze noch weiter zu präzisieren.
2.1.2 4 EMPFEHLUNGEN
4.1 Schnittintervalle
Heute verfügen wir noch über wenig gesichertes Detailwissen, wie sich Moore in Hochlagen langfristig verändern, wenn sie nicht mehr genutzt werden. Aus den vorliegenden Informationen und Überlegungen lassen sich jedoch provisorische Empfehlungen formulieren (Tabelle 1). 2 HAND BUCH Tab. 1: Minimale Nutzungsinlervalle MOOR. Moortyp Schnitt I Pflege Gehölze für Moore in Hocblagen in Abhän- SCHUTZ IN DER gigkeit von Höhenlage und Moor- SCHWEIZ typ. untere sub- obere sub- Veralpine Stufel) alpine Stufe 2) buschung
wechselfeuchte Flachmoore eingestreute Flächen: alle 1 - 3 Jahre alle 2 - 5 Jahre rasch trocken von Grauerlen bestockt
Kleinseggenrieder alle 2 - 5 Jahre alle 5 - 10 Jahre mittel
nasse Flachmoore dichte Hochstaudenrieder alle 5 -10 Jahre 3) nur ausholzen langsam Hochmooranflüge
Hochmoore evtl. ausholzen evtl. ausholzen keine
l)Für die untere subalpine Stufe 3)Vor allem saure, sehr nährstoffgelten folgende Höhenlagen: arme Kleinseggenrieder werden Nordalpen 1'200 - 1'600 stellenweise von einem dichten Zentralalpen 1'300 - 1'900 Teppich von Torfmoosen, verge- Süd alpen 1'500 -1'700 sellschaftet mit Rasenbinsen (Scirpus cespitosus), überwachsen, 2) Für die oberen subalpinen ohne dass eigentliche Hochmoor- Nordalpen: pflanzen vorkommen. Werden sol- Nordalpen 1'600 -1'900 che Flächen gemäht, so wird der Zentralalpen 1'900 - 2'400 Torfmoosteppich oft aufgerissen Südalpen 1'700 - 2'000 und in seiner Entwicklung gestört. Da diese Flächen ohnehin nur ein geringes Massenwachstum aufweisen, empfehlen wir, sie generell nicht zu mähen.
Die Empfehlungen gelten für die subalpine Höhenstufe (Gebirgsstufe), die in den verschiedenen Naturräumen der Schweiz unterschiedliche Meereshöhen umfasst (nach HESS et al., 1967).
Bei den Empfehlungen in Tabelle 1 handelt es sich um Richtwerte für minimale Schnittintervalle, mit welchen die Ziele des Moorschutzes erreicht werden können: Erhalten der Qualität der Moore, der offenen Moorfläche und des Landschaftsbildes. Zur Verhinderung der Verbuschung wären im Einzelfall auch längere Abstände für die Schnittintervalle möglich. In Bezug auf Nährstoffanreicherung, Verfilzung der Pflanzendecke und Verdrängung von lichtbedürftigen Pflanzen und Tieren hingegen sind sie eher grosszügig gesetzt. Als Ausnahme kann es im Einzugsgebiet von Wildbächen sinnvoll sein, dem Einwachsen erosionsgefährdeter, steiler Bacheinhänge aus Stabilitätsgründen nicht entgegenzuwirken. Für die Anwendung empfehlen wir pro Kanton eine Auflistung aller Gebiete, welche für die "Minimalpflege" vorgesehen sind. Für jede Teilfläche soll provisorisch ein Schnittintervall festgelegt werden. Da die Nutzung in den fraglichen Gebieten ohnehin nicht jedes Jahr stattfindet, ist kein hoher Differenzierungsgrad notwendig. Zur Absicherung sind begleitende Erhebungen durchzuführen. Sie umfassen das Bezeichnen der tatsächlich gemähten Teile in einem Plan sowie ein systematisches Protokollieren der Pflegemassnahmen und der Entwicklung der Flächen. Konsequente Erhebungen sind Voraussetzung für die langfristige Beurteilung des gewählten Schnittintervalls. ,.
Darauf gestützt können, falls nötig, Anpassungen veranlasst werden. Die Minimalpflege von Mooren in Hochlagen betrifft eine Moorfläche von rund 3'000 ha. Mit einem deutlich verlängerten Schnittintervall liegt der Aufwand massiv tiefer als bei einer alljährlich flächendeckenden Nutzung. Die Empfehlungen entsprechen somit insbesondere auch dem Grundgedanken, die vorhandenen Mittel effizient einzusetzen.
4.2 Streuschnitt ohne Abtransport
In unerschlossenen Gebieten, aus denen der Abtransport der Streue nicht möglich ist, kann aufgrund erster Beobachtungen die Lagerung der Streue an Ort eine sinnvolle Alternative sein. Sie sichert die Qualität von arten- und strukturreichen Flachmoorgebieten und wird unter folgenden Bedingungen empfohlen:
2.1.2
Da Flachmoor wird mit einem Schnittintervall von 5 bis 10 Jahren gemäht und liegt in der subalpinen Stufe aL 0 unterhalb der Waldgr nze.
Da ' Iacbmoor umfasst vorwiegend kleinere Flächen, z.B. Waldlichtungen, mit e iner Ausdehnung von maximal 5 Hektaren.
Die trelle kann mit keinem praktikabJen Transp rtmittel abgeführt werden. Helik ptcrtJansporte ind au zu cbHe eIl.
Die g chnittcnc Streue wird auf der gemähten Fläche auf Tristen g ch ichtet und nicht ei.nfach li gen gela en.
DeI treu chnitt obne Abtran port wird au drücklich als Au nahme angewa ndt lind in inern begleit"llden Protok II g nau dokumen- 2 tiert: ssezeichnwlg der Fläche auf einem Plrur Datieren der chnitte· HAND BUCH Lage und Anzahl der Tri tcn; Spezielle Beobachtungen. MOOR- SCHUTz IN DER SCHWEIZ
LITERATUR ANSCHRIFf DER AUTOREN
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BENOIT BRESSOUD / PATRICK CHARLIER / THOMAS B. EGLOFF
Bewirtschaftung und Pflege verschiedener Pflanzengesellschaften der Flachmoore 2.1.3 1 AUSGANGSLAGE
1.1 Einleitung
Der vorliegende Beitrag präzisiert die allgemeinen Anforderungen der Beiträge 1.1.2 und 2.1.1 in Band 2 für die verschiedenen Einheiten des Flachmoorinventars. Berücksichtigt werden dabei die Daten aus der Literatur (BRESSOUD / CHARLIER, 1998) sowie auch die Resultate einer 1997 bei den Kantonen durchgeführten Umfrage über den 2 Zeitpunkt des ersten Schnittes (GELPKE, 1998). HAND BUCH Die Moore des Mittellandes und der tieferen Lagen sollen aufgrund MOOR- SCHUTZ ihrer Seltenheit und der Gefährdungen, denen sie ausgesetzt sind, von IN DER SCHWEIZ strengen Schutzmassnahmen profitieren können (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.1). In den Hochlagen erfolgt der Moorschutz häufig durch Anpassung der landwirtschaftlichen Nutzungsplanung (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.2). Nationale Grundlage für die Abgeltung der landwirtschaftlichen Nutzungsbeschränkungen bildet die Direktzahlungsverordnung (DZV; vgl. auch SRVA / LBL, 1997). Alle Flächen der Flachmoore zählen, wenn sie als Streueflächen periodisch geschnitten werden, zur landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN). Flächen ausserhalb der landwirtschaftlichen Nutzfläche (z.B. Sömmerungsweiden) sind nicht Gegenstand von Beiträgen der DZV, unterstehen aber dem Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG). Die Finanzierung von Pflegemassnahmen für nicht von Landwirten bewirtschaftete Flächen wird ebenfalls durch dieses Gesetz geregelt. Daneben bestehen noch verschiedene kantonale Regelungen für zusätzliche Beiträge an ökologische Ausgleichsflächen auf dem Landwirtschaftsbetrieb.
1.2 Gefährdungen
Die hauptsächlichsten Beeinträchtigungen der Moore sind auf eine unangepasste Bewirtschaftung oder Pflege zurückzuführen:
Drainagen und Wasserentnahmen verändern die hydrologischen Bedingungen.
Die Eutrophierung bewirkt eine Veränderung des Pflanzenbestandes und führt zu einer biologischen Verarmung (Flora, Fauna).
Die Aufgabe oder Intensivierung der traditionellen landwirtschaftlichen Nutzung hat ebenfalls eine Veränderung des Pflanzenbestandes und eine biologische Verarmung zur Folge (Flora, Fauna).
Ein zu früh angesetzter Schnitt von Streuwiesen hindert spät blühende Arten daran, ihren Lebenszyklus und den Nährstoffrückzug in ihre unterirdischen Organe zu vollenden. Gleichzeitig schadet dies verschiedenen Tierarten (u.a. Insekten und Vögeln), die an diese Pflanzen gebunden sind.
Die Verbuschung aufgrund von Nutzungsaufgabe oder ungenügender Pflege führt zum Rückgang offener Moorflächen und zu einer Abnahme der Artenvielfalt (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.5).
1.3 Ziele der Bewirtschaftung und/oder der Pflege
Für die Bewirtschaftung und/oder Pflege von Mooren gelten folgende Ziele:
Erhaltung der Unversehrtheit von Mooren;
Erhaltung oder Erhöhung der Vielfalt;
Schutz seltener oder bedrohter Arten und Vegetationseinheiten;
Schutz der Flächen, mit oligotrophen Gesellschaften und m bestimmten Fällen Extensivierung von Flächen mit eutrophierten Pflanzen beständen.
Die traditionelle Nutzung ist der Pflege vorzuziehen. Als optimal gilt das Modell einer extensiven und gestaffelten Bewirtschaftung und/oder Pflege (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.1 und Band 1, Beitrag 3.2.3). Bevor Änderungen in der Bewirtschaftung oder Pflege vorgenommen werden, müssen klare Entwicklungsziele festgelegt werden. Mit einer Erfolgskontrolle sollen anschliessend die durchgeführten Massnahmen überwacht werden (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.1).
2.1.3
1.4 Gegenwärtige Nutzung von Flachmooren
Die in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Daten geben die aktuellen Nutzungsarten von Flachmooren an:
Tab. 1: Prozentualer Anteil einzel- Brache Schnitt Beweidung ner Vegetations gesellschaften in Abhängigkeit von der Nutzungsart. Quelle: GELPKE (1998) Phragmition 81 19 0 Magnocaricion Molinion Filipendulion und Calthion 15 36 49 HAND BUCH Caricion davallianae 16 30 54 MOOR- Caricion fuscae 11 23 66 SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Zwischen 190 und 800 m ü. M. sinkt mit zunehmender Höhe der Anteil an nicht genutzten Flächen von 90 auf 25% und jener der gemähten Moore steigt von 10 auf 75%. Der Grund dafür liegt in der Abnahme des Phragmition und des Magnocaricion, die tendentiell weniger bewirtschaftet werden, und in der Zunahme des Calthion. Von 800 bis 2'600 m ü. M. steigt der Anteil an beweideten Flächen von 10 auf 95%. Begründen lässt sich dies durch die Zunahme des überwiegend beweideten Caricion davallianae und des Caricion fuscae auf Kosten nicht genutzter oder gemähter Flächen. Die Beweidung ist die häufigste Nutzung der Moore oberhalb 1'200 m ü. M. In den nördlichen Alpen bringt der Übergang zu einer reinen Beweidung häufig eine Extensivierung mit sich.
2 ALLGEMEINE GRUNDSÄTZE ZUR BEWIRTSCHAFTUNG ODER PFLEGE
2.1 Schnitt
Die Mahd ist die häufigste Nutzung der Moore unterhalb 1'200 m Höhe (GELPKE, 1998). Zum Schutz bestimmter seltener Arten und Gesellschaften ist das regelmässige Mähen unumgänglich. Zwischen 1939 und 1985 sind in der Schweiz die Flächen mit Streueschnitt von 26'156 auf 4'246 ha gesunken. 1995 waren es 6'076 ha (Bundesamt für Statistik). Im Beitrag 1.1.2, Band 2 wird der 1. September als frühester Schnittzeitpunkt für ausschliesslich gemähte Flachmoorgebiete der Voralpen und Alpen bezeichnet und der 15. August für die Sumpfdotterblumenwiesen. Der auch in der Direktzahlungsverordnung erwähnte 1. September ist jedoch zu früh für Streuwiesen und sollte nicht generell angewendet werden. Der Schnittzeitpunkt sollte regional festgelegt werden, indem Höhe, Exposition, Vegetationsmosaik und das Vorkommen von Spätblühern berücksichtigt werden. Ebenfalls berücksichtigt werden müssen:
die Verfügbarkeit und das Interesse der betroffenen Landwirte;
die für den Schnitt zur Verfügung stehenden technischen Mittel;
die klimatischen Bedingungen (Tragfähigkeit des Bodens, Möglichkeit, das Heu oder die Streue zu trocknen);
die Parzellengrenzen und Traditionen (z.B. Schnitt vor dem Alpabzug).
Ideal ist, wenn in einer bestimmten Region die Moorflächen gestaffelt geschnitten werden. Dies dient besonders der Erhaltung der Fauna (vor allem der Insektenfauna). Kann hingegen der Schnittzeitpunkt unter den momentanen Gegebenheiten nicht genügend spät angesetzt werden, darf lediglich alle zwei Jahre gemäht werden.
Wenn nicht alle Moorflächen jedes Jahr geschnitten werden können, ist es von Vorteil, abwechslungsweise jeweils nur eine Hälfte zu schneiden, anstatt alle zwei Jahre das gesamte Moorgebiet. Mit zunehmender Höhe und Feuchtigkeit nimmt die Produktivität eines Moores im allgemeinen ab. Je tiefer die Produktivität ist, desto grösser können die Abstände zwischen den einzelnen Schnitten werden (2 bis 5 Jahre). In extremen Fällen kann man sogar ganz auf den Schnitt verzichten (alpine und obere subalpine Stufe) und unterhalb der Baumgrenze lediglich die Verbuschung unter Kontrolle halten. Die Schnitthäufigkeit
2.1.3 sollte auf ein Minimum reduziert werden. In schlecht erschlossenen oder zur Zeit brachliegenden Gebieten ist eine minimale Schnitthäufigkeit sicherzustellen (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.2). Die Streue muss generell nach jedem Schnitt weggeführt werden. Dadurch können eine Nährstoffanreicherung im Boden, die Ansammlung von nicht zersetztem Material, die Bildung von Blössen oder das Ansiedeln unerwünschter Arten vermieden werden (PFADEN- HAUER, 1988). Lokal kann in Betracht gezogen werden, das Schnittgut aufzuschichten. Das Abbrennen von Flachmoorflächen ist in jedem Fall zu untersagen. 2 HAND BUCH MOOR- SCHUTZ
2.2 Extensive Beweidung IN DER
SCHWEIZ
Normalerweise ist eine Beweidung mit Schafen unvereinbar mit den Zielen des Moorschutzes (vgl. Band 2, Beitrag 3.1.1). Nur ein sehr extensiver, auf den Herbst beschränkter Weidegang kann in Ausnahmefällen in Frage kommen. Bei Flachmooren in Hochlagen, die durch Rinder beweidet werden, ist der Moorschutz in die alpwirtschaftliche Gesamtplanung zu integrieren (vgl. Band 2, Beitrag 3.1.1). Während Hoch- und Übergangsmoore in der Regel ausgezäunt werden müssen, ist dies bei Flachmooren nur dann sinnvoll, wenn sie direkt an Hochmoore grenzen oder besonders empfindlich sind. Dies gilt vor allem für sehr nasse, trittempfindliche oder torfige Böden. Der Schutz der weniger empfindlichen Flachmoorflächen kann durch eine Anpassung der Bestossung an die Kapazität der Futterproduktion nicht-mooriger Flächen oder durch das Bestossungsregime geregelt werden. Wege für den Vieh trieb sollen in erster Linie ausserhalb der Moore liegen (vgl. Band 2, Beitrag 3.1.4). Beweidete Flachmoorflächen dürfen weder entwässert noch zusätzlich gedüngt werden. Unterhalb der Waldgrenze hat die extensive Beweidung von Flachmooren Beeinträchtigungen zur Folge, ermöglicht aber gleichzeitig, die Verbuschung einzuschränken, ohne besondere Pflegemassnahmen ergreifen zu müssen. Die Bilanz kann also als positiv beurteilt werden. Durch einen jährlichen oder periodischen Pflegeschnitt der vom Vieh gemiedenen Pflanzenbestände ("Weidputzete") im Herbst können unerwünschte Stauden und junge Büsche entfernt werden.
3 RICHTLINIEN ZUR BEWIRTSCHAFfUNG UND PFLEGE
DER EINZELNEN VEGETATIONSEINHEITEN
3.1 EinJeitung
In den nachfolgenden Abschnitten werden die Bewirtschaftungs- und Pflegemassnahmen für jede einzelne Einheit des Flachmoorinventars diskutiert. In der Tabelle 2 sind die wichtigsten Bewirtschaftungs- und Pflegemassnahmen für Moore zusammengefasst.
Die Moorgebiete sind häufig mosaikartig und in komplexer Weise mit Die meisten der im Text erwähnmoorfreien Flächen verzahnt. Ebenso bilden die verschiedenen Vege- ten bibliographischen Hinweise (BRIEMLE et al., 1991; tationseinheiten häufig auch untereinander Mosaike, die nicht immer EGLOFF, 1984; MEISTEReinzeln behandelt werden können. Die Schutzziele eines Moorbioto- HANS, 1983; PFADENpes müssen auf der Grundlage einer Gesamtbetrachtung all seiner HAUER, 1988) sind kritische Komponenten festgelegt werden. In jedem konkreten Fall sollten die Betrachtungen von Literaturangaben. Ebenfalls einbezogen vorgeschlagenen Massnahmen jeweils den biologischen und landwirt- wurden die Resultate der schaftlichen Gegebenheiten angepasst werden. In landwirtschaftlich Umfrage bei den Kantonen über intensiv genutzten Gebieten setzt der Moorschutz eine betriebsüber- den Zeitpunkt des ersten Schnittes bei Flachmooren. greifende Gesamtplanung voraus (vgl. Band 2, Beiträge 3.1.1 und 3.1.2).
3.2 Röhrichte (Phragmition)
Die Verlandungsröhrichte kommen im allgemeinen ohne Pflege aus (MEISTERHANS, 1983; PFADENHAUER, 1988). Ein später Schnitt (Herbst oder Winter) ist nur im Hinblick auf besondere Ziele notwendig, zum Beispiel zur Förderung des Nestbaus bestimmter Vogelarten (BRIEMLE et al., 1991). Möchte man bestimmte Streuwiesenarten fördern, werden die sekundären Schilfbestände (Landröhrichte ) anfangs zweimal jährlich (im Juni und Ende September) geschnitten, später jährlich (nach Ende September) und schliesslich nur noch alle zwei bis drei Jahre nach Ende September (BRIEMLE et al., 1991).
2.1.3
3.3 Grosseggenriede (Magnocaricion)
Die primären (oder nassen) Grossseggenriede müssen nicht unbedingt gepflegt werden. Sie können jedoch, höchstens alle vier bis fünf Jahre, nach dem 15. September, wenn möglich bei gefrorenem Boden, geschnitten werden (EGLOFF, 1984; BRIEMLE et a1., 1991).
Die sekundären, trockeneren Grosseggenriede müssen im allgemeinen alle zwei bis drei Jahre nach dem 15. September, wenn möglich bei gefrorenem Boden, geschnitten werden, um einer Verbuschung vorzu- 2 beugen (MEISTERHANS, 1983; EGLOFF, 1984; BRIEMLE et a1. , HAND BUCH 1991). MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
3.4 Nasse Hochstaudenriede (Filipendulion)
Ohne Bewirtschaftung Die Gesellschaften des Filipendulion werden nur selten beweidet oder geschnitten. Sie erfüllen eine wichtige Pufferfunktion für Vegetationstypen, die empfindlicher auf Eutrophierung reagieren. Stabile Flächen benötigen keine Pflege (PFADENHAUER, 1988, BRIEMLE et a1. , 1991).
Streueflächen Wenn die Artenvielfalt erhöht werden soll, ist ein jährlicher Pflegeschnitt nach Mitte September vorzunehmen. Zum Schutz der Insektenfauna soll darauf geachtet werden, dass nicht alle Flächen gleichzeitig geschnitten werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, alle zwei Jahre, abwechslungsweise jeweils die Hälfte der Fläche zu schneiden. Filipendulion-Hochstaudenflächen mit Pufferfunktion sollen entsprechend erhalten bleiben; sie können in gleicher Weise gepflegt werden (BRIEMLE et a1., 1991). Bei starker Eutrophierung sollen zwei Schnitte pro Jahr ausgeführt werden, einer im Juni und der zweite nach Mitte September.
Umwandlung in Nasswiese Möchte man die Ausbreitung der Spierstaude (Filipendula ulmaria) eindämmen, kann man zwei Schnitte jährlich durchführen (einen im Juni und den andern nach Mitte September) und dies während zwei bis drei Jahren. Danach genügt ein jährlicher Schnitt ab Mitte September (BRIEMLE et a1., 1991).
3.5 Nährstoffreiche Feucht- und Nasswiesen (Calthion)
Die Wiesen des Calthion entstehen durch eine Umwandlung aus anderen Moortypen (Magnocaricion, Filipendulion, Molinion, Caricion davallianae, Caricion fuscae) , durch Entwässerung und/oder Düngung und durch ihre Nutzung als Mähwiese oder Weide. Je nach den Zielen des Moorschutzes einer bestimmten Region wird entweder ein Erhalten aller Calthion-Flächen durch Weiterführen der traditionellen Bewirtschaftung angestrebt (als extensiv oder wenig intensiv genutzte Wiesen) oder es kann ein Teil durch Extensivierung wieder in einen oligotropheren Moortyp zurückgeführt werden. .: .
Extensiv genutzte Wiesen, oder wenig intensiv genutzte Wiesen Mähwiesen (PFADENHAUER, 1988; BRIEMLE et al., 1991) können genutzt werden als:
extensiv genutzte Wiesen: mindestens ein jährlicher Schnitt (Schnittermin ist abhängig von der landwirtschaftlichen Produktionszone, Talgebiet 15. Juni, Bergzone I und 11 1. Juli und Bergzone 111 und IV 15. Juli) . Weder Düngung noch Entwässerung sind erlaubt.
wenig intensiv genutzte Wiesen: ein oder zwei Schnitte pro Jahr (Schnitttermin des ersten Schnittes ist gleich wie bei extensiv genutzten Wiesen). Eine mässige Düngung in der Regel ohne Gülle ist möglich (vgl. Band 2, Beitrag 1.1.2). Ein zurückhaltender Unterhalt der existierenden Entwässerungsgräben ist erlaubt, wenn er sich mit den festgelegten Schutzzielen vereinbaren lässt. Hingegen dürfen keine neuen Gräben ausgehoben werden. Eine Beweidung nach dem 15. September ist möglich. In Anbetracht des landwirtschaftlichen Wertes dieser Wiesen kann der Zeitpunkt des ersten Schnittes nicht ohne Folgen später angesetzt werden. Derzeit fehlen Vergleichsdaten über die landwirtschaftlichen und biologischen Auswirkungen eines früher oder später angesetzten Schnittzeitpunktes.
Extensiv genutzte Weiden Die Weiden dürfen in einer extensiven Art und Weise genutzt werden (vgl. Ziffer 2.2).
Umwandlung in Streuefläche Das Calthion entstand häufig durch landwirtschaftliche Melioration aus Molinion-Wiesen. Meist ist es möglich, letztere wiederherzustellen, doch dauert dies sehr lange. Das Düngen wird dabei vollständig aufgegeben, und solange die Produktivität nicht unter 35 t Trockenmaterial pro ha und Jahr sinkt. werden die Wiesen zweimal pro Jahr
2.1.3 gemäht (Mitte Juli und Ende September). Die Streue wird abgeführt. Danach wird die Bewirtschaftung entsprechend der Molinion-Streuwiesen durchgeführt. Ausserdem besteht die Möglichkeit, charakteristische Arten des Molinion auszusäen, um die Rückentwicklung zu initiieren und zu beschleunigen (BRIEMLE et al., 1991). Eine Umwandlung von Calthion- in Filipendulion-Bestände ist im allgemeinen einfach, indem die Nutzung aufgegeben wird. Eine solche Massnahme kommt dann in Frage, wenn eine Nährstoff-Pufferzone erweitert werden soll oder wenn dieser Vegetationstyp lokal untervertreten ist. 2 HAND BUCH MOOR-
3.6 Pfeifengraswiesen (Molinion) SCHUTZ
IN DER SCHWEIZ
Mit Pflegeschnitt Das eher seltene Primär-Molinion muss nur gelegentlich gemäht oder alle vier bis fünf Jahre entbuscht werden, um einer Verbuschung oder einer Ausdehnung des Schilfs vorzubeugen.
Streuefläche Die typischen Streuewiesen des Molinion müssen jedes Jahr oder alle zwei Jahre im Herbst, nach dem 15. September gemäht werden. Das Molinia caerulea sammelt seine Reserven in seinen unterirdischen Speicherorganen, kurz bevor die Pflanze gelb wird. Ein später Schnitt ist daher unumgänglich, damit die Vitalität der Art und die natürliche Produktivität (ohne Dünger) des Pfeifengrases nicht vermindert werden (vgl. Band 1, Beitrag 2.2.2). Wenn spätblühende Arten vorkommen, die oft selten oder bedroht sind (z.B. der Schwalbenwurz-Enzian, Gentiana asclepiadea; der Lungen-Enzian, G. pneumonanthe; der Wohlriechende Lauch, Allium suaveolens oder das Abbisskraut, Suceisa pratensis), soll möglichst spät, d.h. nach dem 1. oder 15. Oktober gemäht werden, damit die Pflanzen ihren jährlichen Lebenszyklus be enden können (EGLOFF, 1984; PFADENHAUER, 1988; BRIEM- LE et al., 1991). Ebenfalls sollen die Ansprüche bedrohter Schmetterlingsarten wie Maculinea nausithous und Minois dryas berücksichtigt werden. Bei Mooren mit geringer Produktivität genügt ein Schnitt alle zwei bis drei Jahre (BRIEMLE et al., 1991). In Gebieten, in denen sich das Mähen schwierig gestaltet, könnte man auch Weideversuche mit leichtem Vieh (z.B. Schottische Hochlandrinder oder Rhätisches Grauvieh) in Betracht ziehen (PFADENHAU- ER, 1988). Diesbezügliche Versuche sind derzeit in der Schweiz im
Gange (z.B. Schottische Hochlandrinder im Wauwilermoos im Kanton LU). Eine Wirkungskontrolle ist notwendig. Zur Nährstoffaushagerung eutrophierter Molinion-Flächen (vgl. Ziffer 3.5.) werden anfangs während zwei bis drei Jahren zwei Schnitte jährlich durchgeführt. Erst danach wird das klassische Schnittregime angewendet. Wenn nötig beginnt man mit einer Entbuschung.
3.7 Kalk-Kleinseggenriede (Caricion davallianae)
Ohne Bewirtschaftung Primäre basische Flachmoore benötigen keine Pflege (PFADEN- HAUER, 1988; BRIEMLE et al., 1991).
Streuefläche Sekundäre basische Flachmoore anthropogenen Ursprungs müssen gepflegt werden. Entsprechend der Produktivität, dem Fortschreiten der Verbuschung oder dem Überhandnehmen von Schilf, sollen diese Flächen, alle ein bis drei Jahre, jeweils nach dem 15. September und bei nicht zu nassem Boden gemäht werden (MEISTERHANS, 1983; EGLOFF, 1984; PFADENHAUER, 1988; BRIEMLE et al. , 1991). Ein jährlicher Sommerschnitt wirkt sich langfristig nachteilig aus, da der Nährstoffrückzug Ende Sommer verhindert wird. Das Datum kann der Höhenlage des Gebietes und den örtlichen Gegebenheiten entsprechend angepasst werden. Wenn nicht jedes Jahr ein Schnitt durchgeführt wird, kommt das Rotationsmodell zur Anwendung (vgl. ,.
Band 2, Beitrag 2.1.1, Abbildung 1) Es muss regelmässig gemäht werden, sonst kann die Knoten-Binse (Juncus subnodulosus) schnell dominant werden, zum Beispiel in einem Kopfbinsenried (Schoenetum nigricantis) , wenn der Schnitt unregelmässig stattfindet oder die Streue nicht abgeführt wird. Eine solche Entwicklung führt zu einer Verarmung des Pflanzenbestandes des Moores. In einem verbuschten Flachmoor beginnt man vorerst mit einer Entbuschung und schneidet dann jährlich während zwei bis drei Jahren. Zur Streue gewinnung gemähte Flachmoore dürfen weder entwässert noch gedüngt werden.
Extensiv genutzte Weiden Die Weiden dürfen in einer extensiven Art und Weise genutzt werden. (vgl. Ziffer 2.2).
2.1.3
3.8 Saure Kleinseggeuriede (Caricion fuscae)
Mit Pflegeschnitt oder gar keine Nutzung Die primären sauren Flachmoore der alpinen Stufe benötigen keine Pflege (PFADENHAUER, 1988; BRIEMLE et al., 1991). Auf den anderen Höhenstufen wird hingegen ein Schnitt alle zwei bis Tab. 2: Massnahmen zur Bewirtdrei Jahre nach dem 15. September empfohlen (EGLOFF, 1984; schaftung und Pflege von Mooren PFADENHAUER, 1988; BRIEMLE et al., 1991). D = Drainage
Extensiv genutzte Weiden M = Stallmist o= nicht erlaubt 2 Die Bemerkungen in Ziffer 2.2. gelten ebenfalls für das Caricion fus- a = Unterhalt existierender HAND Gräben erlaubt BUCH cae. Unter den sehr empfindlichen Gesellschaften dieses Verbandes ist b = Beschränkter Stall- MOOR- SCHUTZ besonders das Eriophoretum scheuchzeri zu erwähnen. mistaustrag erlaubt IN DER SCHWEIZ
Schnitt- Schnitt- Bemerkungen Einheiten Typen häufigkeit Termin Weide D M über Schnitt ---- Phragmition primäre kein Schnitt 0 0 0 (Schilfbestände ) sekundäre 2-3 Jahre >30.9. 0 0 (Landröhricht ) ----
Magnocarcion primäre oder kein Schnitt >15.9. 0 0 0 bei gefrorenem (Grosseggenriede ) nasse oder 4-5 Jahre Boden sekundäre oder 2-3 Jahre >15.9. 0 0 0 bei gefrorenem leicht nasse Boden --- Filipendulion stabil kein Schnitt 0 0 0 (nasse Hochstauden) nicht stabil 1-2 Jahre >15.9. extensiv 0 0 Flächenrotation (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.1, S.2-3) ---
Calthion extensiv ge nutz- 1 >15.9. extensiv 0 0 (N asswiesen ) te Wiesen wenig intensiv 2 15.6./1.9. eventuell a b genutzte Wie- Herbst sen --- Molinion primäre 4-5 Jahre >15.9. 0 0 0 > 1. od. 15.10. (Pfeifengras- wenn Spätwiesen) blüher ---- Caricion davallinae primäre kein Schnitt 0 0 0 undfttscae sekundäre 1-3 Jahre >15.9. extensiv 0 0 Flächenrota- (Kleinseggenriede ) ti on
LITERATUR ANSCHRIFf DER AUTOREN
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ERWIN LEUPI / ROMAN VON SURY
Grundsätze zur Bewirtschaftung und Pflege von Flachmooren in Hochlagen 2.1.4 1 EINLEITUNG
Die Auswertung des Flachmoorinventars hat ergeben, dass die Abnahme der Flachmoorfläche in den Hochlagen viel geringer ist als in Verteilung der Flachmoorfläche in der Schweiz den tiefen Lagen. Heute befinden sich fast 80% der Flachmoorfläche der Schweiz in den Hochlagen. In Zukunft werden diese Flachmoore • Tieflagen 20% hauptsächlich von drei Seiten bedroht sein: durch touristische Bauten unter 1'000 m Ü. M.
Hochlagen 78% und Anlagen, durch landwirtschaftliche Meliorationen und durch die 1'000 bis 2'200 m Ü. M. Aufgabe der Nutzung. Die Verbrachung sowie die unangepasste Nutzung haben nachteilige
Hochlagen über 2'200 m Ü. M. 2% Auswirkungen auf den Bestand der Flachmoore: Verkleinerung der HAND BUCH Fläche durch Verbuschung und Verwaldung, Verminderung der Bio- MOOR· SCHUTZ top-Qualität infolge Trivialisierung der Artenzusammensetzung und IN DER SCHWEIZ Nährstoffanreicherung in den Böden.
Rund 15'000 ha oder zirka 80% aller Flachmoore von nationaler Bedeutung liegen in Hochlagen, d.h. oberhalb von 1'000 m ü.M. Die sechs Vertiefungsstudien Davon werden gesamtschweizerisch rund 20% geschnitten und 65% des BUWAL zu den ungenutzten Flachmooren der Hochbeweidet. 15% sind ganz aus der Nutzung entlassen worden. In Wirk- lagen: lichkeit wird aber auch ein Teil der beweideten Flächen kaum genutzt. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass bis zu 30% der Flach- • BROGGI, M. F. / URBAN, B. (1995, ergänzt 1997): Möglichmoore in Hochlagen entweder brach liegen oder nicht wirksam beweikeiten einer extensiven Beweidet werden. Dies entspricht einer Fläche von schätzungsweise 2'500 - dung von Moorflächen. 3'500 ha. • FRUTIG, F. (1996): Unterhalt nicht erschlossener Moore: Streuetransport mit Vor diesem Hintergrund stellen sich im Hinblick auf die Schutzziele Seilkran. WSL. der Flachmoorverordnung (Art. 4: "Die Objekte müssen ungeschmä- • GELPKE, G. (1998): Nutlert erhalten bleiben") folgende Fragen: zung von Moorbiotopen und Nutzungsaufgabe.
Ist für ungenutzte Flachmoore in Hochlagen die ungeschmalerte
LEUPI, E. / BRESSOUD, B. / Erhaltung gewährleistet? GELPKE, G. / MARTI, K. / Und falls nicht: SCHLÄPFER, B. / STADLER,
Wie müssen aus Sicht des Moorschutzes die Flachmoore der Hoch- F. / VON WYL, B. (1998): Flachmoore in Grenzertragslalagen genutzt oder gepflegt werden, damit die Forderung nach unge- gen: Aktuelle Bewirtschaftung, schmälerter Erhaltung erfüllt werden kann? Verwaldung und Erschliessung in Flachmooren der Hochlagen.
VON WYL, B. (1997): Flach- Mit den ungenutzten Flachmooren der Hochjagen befassen sich sechs moore in Grenzertragslagen: Vertiefungsstudien, welche vom Bundesamt für Wald, Natur und Streueschnitt ohne Abtrans- Landschaft (BUWAL) seit 1995 in Auftrag gegeben und Ende 1997 port.
VONWYL,B./STADLER,F. abgeschlossen wurden. In der Folge werden wichtige Erkenntnisse aus (1997): Flachmoore in Grenzerden Vertiefungsstudien dargestellt. Detailinformationen zu den Me- tragslagen: Minimalpflege von thoden und weitere Resultate können den jeweiligen Berichten ent- Mooren in Hochlagen. nommen werden.
2 AKTUELLE NUTZUNG DER FLACHMOORE IN HOCHLAGEN
GELPKE (1998) analysiert mit Hilfe der Datenbank zum Flachmoor- Inventar die wichtigsten Nutzungstypen der Flachmoore in der Schweiz. Daraus geht hervor, dass in der Schweiz die Flachmoore zu rund 30% geschnitten und zu 50% beweidet werden. 20% der heute noch offenen Fläche liegen brach (vgl. Tab. 1 bzw. Abb. 1). Bezüglich der Nutzung ergeben sich zwischen Flachmooren unterschiedlicher Höhenlage auffällige Unterschiede: • Eine Streuenutzung erfolgt nur in den Tief- und Hochlagen bis 2'200 m, kaum jedoch in den alpinen Hochlagen (über 2'200 m). Dabei ist die Gesamtfläche der geschnittenen Flachmoore in den Tief- und Hochlagen etwa gleich grass (je ca. 15% oder 3'800 ha). Auch die brachliegenden Flachmoore verteilen sich mit je ca. 10% gleichmässig auf die beiden Höhenlagen (vgl. Tab. 1).
Hochlagen (vgl. Tab. 1). - • Gesamtschweizerisch werden rund 50% der Flachmoorfläche beweidet, und diese Weiden befinden sich fast ausschliesslich in den
• Bezieht man die Nutzungsanteile innerhalb einer Höhenlage nur auf die jeweilige Flachmoorfläche, so zeigen sich frappante Unterschiede (vgl. Abb. 1). Während in den Tieflagen fast 60% der Flachmoorfläche geschnitten werden, sind es in den Hochlagen nur wenig mehr als 20%, in den alpinen Lagen gar nur 1 %. Umgekehrt dominiert die Weidenutzung in den Hochlagen (66 %) und v.a. in den alpinen Lagen (92%). Auffällig ist auch, dass sich in den Tieflagen vergleichsweise die meisten brachliegenden Flachmoore befinden (38%) , die entsprechenden Zahlen für die Hochlagen und die alpinen Lagen liegen um mindestens zwei Drittel tiefer.
Tab. 1: Verteilung der Gesamt- Höhenlagen Tieflagen Hochlagen fläche der Flachmoore aus der mü.M. bis 1'000 1'000 - 2'200 über 2'200 total Flachmoorkartierung Schweiz auf die Höhenlage und die Nutzungsart (alle Angaben in % der Gesamt- Schnitt 15.6 14.9 0.0 30.5 fläche). Quelle: GELPKE (1998) Weide 0.7 46.7 2.3 49.7
Brach 10.1 9.5 0.2 19.8
total 26.4 71.1 2.4 100.0
2.1.4 100 % - - - - •• - •• - • • • • • • • • • • • • - • • • - • - • "91.9 " . " . - - -. --... . - - Abb.1: Flächenanteile der Hauptnutzungen bezogen auf die Gesamtfläche der Flachmoore aus der
65.7 Flachmoorkartierung Schweiz in
59.1 der jeweiligen Höhenlage. 50% Quelle: GELPKE (1998) 38.1 D Schnitt !fi'l Weide 6.9 • Brache 1.1 bis 1'000 1'000-2'200 über 2'200 mÜ.M. HAND BUCH Ein Vergleich der Nutzungsangaben aus dem Flachmoor-Inventar mit MOOR· SCHUTZ dem Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen der Schweiz IN DER SCHWEIZ (WELTEN / SUTTER, 1982) zeigt, dass für das Vorkommen seltener Pflanzen arten und -gemeinschaften nicht nur die Moorfläche sondern auch die Form ihrer Bewirtschaftung entscheidend ist. Dieser Befund wird von verschiedenen Untersuchungen bestätigt (v gl. u.a. Band 1, Beitrag 3.3.4). Deshalb sollte zur Verhinderung eines weiteren Artenschwundes bei den FlachmoorpOanzen die Schnittnutzung mindestens auf dem heutigen Niveau gehalten werden. Dies gilt insbesondere für die Ostschweiz, dem Hauptverbreitungsgebiet vieler Flachmoorarten.
In den übrigen Regionen der Schweiz ist die Schnittnutzung im Rahmen von Arterhaltungsprogrammen aktiv und gezielt zu fördern.
Tab. 2: Der Anteil ungenutzter LEUPI et al. (1998) analysieren anhand einer geographisch differen- (d.h. brachliegender oder nicht zierten Betrachtung die aktuellen Nutzungen, die Verwaldung und wirksam beweideter) Flächen in den Erschliessungsgrad der Flachmoore in den Hochlagen. Sie stützen den Flachmooren von nationaler Bedeutung in verschiedenen sich auf die zahlreichen Informationen, welche sich seit der Vernehm- Regionen der Alpen. lassung zum Flachmoor-Inventar im Jahre 1990, d.h. während der sog. Quelle: LEUPI (1998) Umsetzungsphase, in den Kantonen angesammelt haben. In 12 Bergkantonen wurden für 4'669 ha oder 70% der gesamten Flachmoorfläche in Hochlagen (nur nationale Bedeutung) die genannten Para- Nordalpen Ostschweiz 13% meter bestimmt. Von den untersuchten Flachmooren liegen 540 ha Zentralschweiz 19% Westschweiz 15% brach, und 290 ha werden nicht wirksam beweidet. Dies ergibt total 830 ha oder 18% ungenutzte Flachmoorfläche, wobei sich deutliche Südalpen Tessin 33% regionale Unterschiede zeigen (vgl. Tab. 2).
Die Analyse der Verwaldung und Erschliessung ungenutzter Flachmoore ergab im Wesentlichen folgende Resultate:
Die aktuelle Verwaldung der ungenutzten Moore zeigt regional grosse Unterschiede. Während im Kanton Glarus die Flachmoore mit 14% am stärksten verwaldet sind, weisen die untersuchten Flachmoore in den Kantonen Graubünden, Nidwalden, Schwyz und Tessin eine Verwaldung von lediglich etwa 1,5% auf. Im Kanton Uri wird keine Verwaldung festgestellt, da die Flachmoore der Hochlagen meist über der Waldgrenze liegen.
Regional bedeutsame Unterschiede zeigen sich auch bei der Erschliessung der Gebiete mit nationalen Flachmooren. Im untersuchten Gebiet befinden sich rund 1'210 ha oder 26% nicht erschlossene und 1'110 ha oder 24% nur teilweise erschlossene Flachmoore. Diese schwer zugänglichen Moore liegen vor allem in der Zentralschweiz. Die Kantone Obwalden und Schwyz liegen dabei mit zusammen 840 ha nicht erschlossenen und 620 ha teilweise erschlossenen Flachmooren klar an der Spitze.
Die Auflassung der Nutzung weist keinen erkennbaren Zusammenhang mit der Erschliessung auf. Im Untersuchungsgebiet sind die genutzte und die ungenutzte Moorfläche praktisch zu gleichen Teilen auf die erschlossenen und die unerschlossenen Gebiete verteilt. So liegen 400 ha oder 48 % der Moorfläche ohne wirksame Nutzung in erschlossenen Gebieten. Diese Zahl macht deutlich, dass hier eine Wiederbelebung der angepassten Nutzung ohne Ausbau einer Erschliessung realisierbar ist.
2.1.4 3 NUTZUNGS ALTERNATIVEN FÜR UNGENUTZTE FLACHMOORE
Da mit den heutigen Mitteln weder das Ausmass noch die Art und Weise der Nutzung im 19. Jahrhundert wiederhergestellt werden können, sind naturschützerisch wirksame Alternativen zu suchen. In den nachfolgend vorgestellten vier Studien von BROGGI / URBAN (1995, ergänzt 1997), FRUTIG (1996), VON WYL (1997) und VON WYL / STADLER (1997) werden Alternativen zur herkömmlichen Nutzung unter den heutigen landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen darge- 2 stellt und diskutiert. Aus all diesen Arbeiten geht hervor, dass die HAND BUCH diesbezüglichen Überlegungen immer in einen regionalen Zusammen- M OOR· hang zu stellen sind. Entsprechend soll die Wahl des Lösungsansatzes SCHUTZ IN DER SCHWEIZ für die Wiederaufnahme der Nutzung an die regionalen Verhältnisse angepasst sein.
Die Studie von VON WYL / STADLER (1997) befasst sich mit der Minimalpflege von Mooren in Hochlagen. Sie enthält die folgenden Hauptaussagen (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.2):
Die Ausbreitung von Gehölzen in hoch gelegenen Mooren verläuft im allgemeinen sehr langsam, doch bestehen grosse Unterschiede zwischen verschiedenen Standorten.
Die Beweidung spielt für das Offenhalten von nassen Moorflächen eine unbedeutende Rolle. Wenn in den vergangenen Jahrhunderten viele Moorgebiete grossfiächig offengehalten werden konnten, so war dafür wohl mehrheitlich eine gemischte Weide-Streue-Nutzung verantwortlich.
Abb. 2: Streueernte im Oktober, Oberiberg SZ. Foto: R. von Sury
• Bei ungenutzten Flachmooren besteht die Gefahr, dass durch den jährlichen Massenzuwachs und den atmosphärischen Stickstoff-Eintrag die Böden mit der Zeit nährstoffreicher werden und dass dadurch vor allem die mageren Kleinseggenriede zunehmend seltener werden.
Die Studie enthält Richtwerte zu den Schnittintervallen, wobei in Abhängigkeit von Moortyp und Höhenstufe (vgl. Band 2, Beitrag 2.1.2) Intervalle zwischen einem und zehn Jahren empfohlen werden. Somit können bei reduziertem Mitteleinsatz die Qualität der Moore gesichert und die offenen Moorflächen sowie das typische Landschaftsbild erhalten werden.
Während die Arbeit von VON WYL / STADLER (1997) eher breit angelegt ist, bezieht sich das Pilotprojekt von VON WYL (1997) auf ganz spezielle Flachmoorstandorte. In einem Testgebiet mit zahlreichen unerschlossenen, aber weitgehend intakten Flachmooren wird die Frage untersucht, unter welchen Bedingungen nach dem Pflegeschnitt auf den Abtransport der Streue verzichtet werden kann. Die Untersuchung zeigt, dass der Streueschnitt ohne Abtransport nur dort in Frage kommt, wo die Schnittfrequenz bei fünf und mehr Jahren liegt. Diese besonders extensive Nutzungsform wird nur unter den folgenden Voraussetzungen empfohlen:
Das Gebiet liegt oberhalb 1'200 m ü. M.
Das Gebiet kann mit einem Transporter nicht erreicht werden.
Aneinander grenzende Flächen sind nicht grösser als fünf Hektaren.
Abb. 3: Zerfallende Triste in einem seit vielen Jahren nicht mehr genutzten Streuried, Vorderthal SZ. Foto: E. Leupi
2.1.4
Der Schnitt erfolgt nicht häufiger als alle fünf Jahre.
Die Flächen werden im voraus gen au ausgewählt und bezeichnet.
Über Schnittermine, Ort und Anzahl Tristen wird Buch geführt.
Die Entwicklung wird periodisch dokumentiert.
Der Abtransport der Streue ist auch das Thema einer Fallstudie von FRUTIG (1996). Darin wird für ein grossräumiges, unerschlossenes Flachmoorgebiet die technische und wirtschaftliche Machbarkeit eines Streuetransports mittels Seilkran untersucht. Der Bericht kommt zu folgenden Erkenntnissen:
Da das Gebiet ein Einstandsgebiet für Rauhfusshühner ist, kommt HAND BUCH die Errichtung einer festen Seilbahn nicht in Frage. Die Seilkrananla- MOOR- SCHUTZ ge müsste deshalb nach Beendigung des Streuetransport vollständig IN DER SCHWEIZ abgebaut und für die nächste Nutzung wieder montiert werden.
Aufgrund der erheblich kürzeren Installationszeiten wäre ein Mobilseilkran zumindest beim vorliegenden Fall besser geeignet. Seine Einsatzdistanz ist jedoch auf 600 Meter beschränkt.
Für die Kostenberechnung muss die Streuenutzung in vier Phasen unterteilt werden: Streue mähen; Streue unter die Seillinie bringen (beides durch Landwirte); Streuetransport mit Seilkran inkl. Montage / Demontage des Seilkrans (Forstunternehmer); Streue transport vom Abladeplatz an den Bestimmungsort (Landwirte).
Die WSL beurteilt den Streuetransport mit Seilkran 1m Untersuchungsgebiet als technisch machbar. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre im vorliegenden Fall eine Nutzung dieser Art aber nicht gerechtfertigt. Der 'Erlös aus der Streue vermöchte nur 1/7 der auflaufenden Kosten zu decken, so dass im konkreten Fall kostengünstigere Alternativen zur Moorpflege gesucht werden müssen. Es gibt hingegen zahlreiche Gebiete, welche aufgrund eines weniger problematischen Geländes und einer besseren Erschliessung wesentlich günstigere Voraussetzungen für eine wirtschaftlich vertretbare Streuenutzung bieten.
Die Literaturstudie von BROGGI / URBAN (1995, ergänzt 1997), welche sich auf über 80 Veröffentlichungen abstützt, zeigt die Rahmenbedingungen einer extensiven Flachmoorbeweidung auf und beschreibt die Konsequenzen für Flora und Fauna. Bis ins ausgehende 18. Jahrhundert stellte die Beweidung eine typische Nutzungsform der Moore dar. Die Streuenutzung kam erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf, dies im Zusammenhang mit einer verstärkten Milchproduktion und einem entsprechend höheren Bedarf an Stalleinstreu.
Die Flachmoore liefern nur ein geringwertiges Futter und sind zudem überaus trittempfindlich (vgl. Band 2 Beitrag 3.1.1). Aufgrund dieser Umstände scheint eine Moorbeweidung mit den heute verbreiteten Hochleistungs-Viehrassen zum Vornherein ausgeschlossen. Nach heutigem Kenntnisstand sind vor allem verschiedene Extensiv-Rinderrassen, in bestimmten Gebieten aber auch angepasste Schafrassen wie die Moorschnucke, gut für die extensive Weidewirtschaft in Mooren geeignet. Unter den besonders förderungswürdigen alten mitteleuropäischen Rassen sind insbesondere das Hinterwälder-Rind, das Rätische Grauvieh und das Murnau-Werdenfelser Rind zu nennen. Ebenfalls erwähnenswert sind drei ausserordentlich robuste und bewährte nordeuropäische Rassen: Schottisches Hochlandrind, Galloway-Rind, Fjäll-Rind.
Die Beweidung sollte auf Gleyböden und auf wechselfeuchte Vegetationstypen beschränkt werden. Voraussetzung ist ein geeignetes Weidemanagement unter Beachtung von Besatzdichte, Weidezeitpunkt, Weideform. Praktikable Richtlinien gehen aber aus der Literatur keine hervor. Gesamthaft ist der Erfolg einer extensiven Beweidung mit Rindern noch nicht eindeutig erwiesen. Eine Beweidung mit Extensivrassen soll nur als Alternative zur Brache, nicht aber als Alternative zur Schnittnutzung betrachtet werden. Eine extensive Moorbeweidung erfolgt sinnvollerweise im Rahmen einer gesamtbetrieblichen Umstellung, indem beispielsweise ein Landwirt im Flyschgebiet seinen Betrieb auf Landschaftspflege mit Robustrindern umstellt. In einen solchen spezialisierten "Moorschutzbetrieb" wären auch Nichtmoor-Standorte einzubeziehen. Ebenso sind Überlegungen zu einer natur- und tierfreundlichen Fleischproduktion anzustellen.
2.1.4 4 FOLGERUNGEN
4.1 Schnittnutzung I Brache
Die Schnittnutzung bildet für die Qualität der Flachmoore in HochJagen nachweisbar die optimale Nutzungsform und ist für die Erreichung der flächenbezogenen Moorschutzziele besonders wirksam (Artenschutz, Bodenschutz, Gewässerschutz); sie muss deshalb weiterhin so wirksam als möglich unterstützt werden. 2
In stark von Verbrachung betroffenen Regionen sind aus Gründen HAND BUCH des Arten- und Biotopschutzes naturschutzorientierte Förderpro- MOOR- SCHUTZ gramme zur Wiederaufnahme der Streuenutzung angezeigt. IN DER SCHWEIZ
Von den brachliegenden Flachmooren der Hochlagen ist nur rund die Hälfte nicht erschlossen. Eine Wiederbelebung der angepassten Nutzung könnte daher auf einer Fläche von 400 ha ohne Ausbau einer Erschliessung verwirklicht werden. Deshalb sollten nirgends, einzig um die Schnittnutzung zu ermöglichen, neue Strassen gebaut werden. Vielerorts können mit punktuellen Massnahmen wirksame Verbesserungen erreicht werden.
Der Schnitt der Streue ohne Abtransport bietet in kleineren, unerschlossenen Gebieten eine geeignete Möglichkeit zur Erhaltung naturschützerisch besonders wertvoller Flachmoore.
Sorgfältige Vorabklärungen vorausgesetzt, kann der Einsatz eines Seilkrans für den Transport von Streue aus ausgedehnten, unerschlossenen Moorgebieten sinnvoll sein.
Der Aufwand für den Streueschnitt kann über die Schnittfrequenz optimiert bzw. minimiert werden. Die Richtwerte für diese sogenannte MinimalpOege hängen vom Moortyp und von der Höhenlage ab.
4.2 Beweidung
Die Gebiete mit traditioneller Beweidung liegen überwiegend in der Zentralschweiz. Sie bieten nur ein kleines Potential für eine Ausdehnung bzw. Wiederaufnahme der Schnittnutzung, da sie im Vergleich am schlechtesten erschlossen sind.
Die extensive Beweidung mit Robustrindem in Grenzertragslagen bildet für die Erhaltung der Moorflächen kaum eine alpenweit realisierbare Alternative zur Streuenutzung. Sie eignet sich auch nicht durchwegs für die Wiederbelebung in Gebieten mit aufgelassener Weidenutzung. Eine Realisierung kann aber in einzelnen Gebieten
0 .
durcha us Si nn machen. Sie soll gesamlbclrieblich unter Umstellung eines landwirlschaftlichen Betriebes auf Landscha flspnege mit Robuslrindcrn und Flcischproduk lion mit regionalem Absa tz erfolgen.
4.3 VerwIIldung
Di e aktuelle Verwald ung ist regional unterschiedlich stark fortgeschritten. In den H ochJagen - mit Ausnahme einzelner Gebiete - ist das Problem aurgrund des langsa men Verlaufs offenbar weniger gravierend als anfä nglich vermutet. Die Verwaldung ist am wirksa msten durch Schnil1 oder selektives Ausholzen zu verhindern .
2.1.4 LITERATUR BEZUG DER BERICHTE ANSCHRlFI' DER AUTOREN
EROO T, M. F.I URS N, B. Di C1ufgeführten B.e richle k"nnen Erwi n Leupi (1995 ergänzt 1997 : Möglichk iten be.i folgender Adre e bezogen wer- ANL AG alu r und Land chafl einer exlen iven B weidung von t! n: Hir chellgraben 52 MoorfJächen. BUWAL. Bem , 63 S. 6000 Luzern 7 ( ullveröff.) . B WAL Koordinationsstelle 1oOl'schutz R man von ury FRUTI , ". (1996): 3003 Bem NL AG atur und Landschaft UnterhalL nicht er chi sener Hir eh ngrab n 52 Moore: SLreuelran port mit Seilkran. BUWAL. Be rn. 8 . +
6000 Luzern 7
Anhänge (unveröJf.) . HAND Handbuch BUCH ELPF ., .( [99'): utzungvoll Moor chulz MOOR- SCHUTZ Moorbi [open und Nutzu.ngsauiga- in der chweiz 2 IN DER be. Re L ". L up'i. B WA Bem, 1/1998 SCHWEIZ 44 S. (un eröff.).
LEUPl, E. / BRESSOUD B. / G • LPr - G.I MAR I, K. / lLÄPFER, ss, / ADLER , F.I VQ WYL. B. (1 98): lach- 111 ore in Grel zertrag lagen: A I tuelle Bewirt chalLlIllg, Vcn·"aldung lind Er 'chli S lIog iJl Flnchmooren der Hoch lagen. BUWAL Sem, 18 . (LUlYCröff.).
VON WYL B. (1997): Flachmoore in renzertragslagen: I'reue chni\! ohne Abll'an p rl. BUWAL Sem, 12 S. (uoverörf.).
VON WYL B. I S ADLER, F. (1997): Flachmoore in renzerl.ragslagen: . IinimalpFlege von Mooren in H chl agen. B WA Bern, 11 S. (unverörf.).
THOMAS EGLOFF
Entbuschung von Flachmooren 2.1.5 1 VORBEMERKUNG ZUR VERBUSCHUNG
Dieser Beitrag ist auf die spezifische Situation der Streuewiesen der Tieflagen zugeschnitten. Es handelt sich um einen Vorabdruck von EGLOFF (in Vorb.). Auf die Flachmoore der höheren Lagen, die häufiger beweidet werden, sowie auf die Hochmoore wird in gesonderten Beiträgen eingetreten.
Von den 1'084 im Entwurf des Flachmoorinventars Schweiz als national bedeutsam ausgewiesenen Flachmooren sind 81 Objekte voll- 2 ständig und 459 teilweise verbracht. Dies entspricht annähernd der HAND BUCH Hälfte aller Objekte (EIDGENÖSSISCHES DEPARTEMENT DES MOOR· INNERN, BUWAL, 1990). SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Wenn im folgenden von Verbuschung die Rede ist, dann ist eine grossflächige Bedeckung mit Gehölzen gemeint, die nicht im Interesse der Flachmoorerhaltung liegt. Die Ausführungen betreffen also nicht kleine Gehölzgruppen oder als Säume ausgebildete, linienförmige Gehölzstrukturen. Deren Erhaltung, beispielsweise als Stützpunkte für die Tierwelt, ist häufig erstrebenswert. Damit ist angesprochen, dass auch vorgängig einer Entbuschung das Schutzziel jeweils im Einzelfall klar definiert werden muss.
Abb. 1: Fortgeschrittene Verbuscbung in einem Flachmoor im KantonZüricb. Foto:WSL
2 WANN IST DIE ENTBUSCHUNG VON FLACHMOOREN SINNVOLL?
Generell ist eine Entbuschung dort sinnvoll,
wo die bisherige Bewirtschaftung der nicht oder nur leicht verbuschten Moorbereiche weiterhin gewährleistet ist,
wo nach einer Entbuschung die Wiederaufnahme der traditionellen Nutzung gesichert ist,
wo im Gebiet selbst oder in der Nachbarschaft die Flachmoorpflanzen noch vertreten sind und
wo der Wasserhaushalt noch intakt ist (vgl. Abb. 3).
wo der Grundwasserspiegel nicht kurz- bis mittelfristig angehoben werden kann.
Zur Verbuschung kommt es vor allem
in vorher nur punktuell mit Gehölzen bestockten Mooren, wenn infolge von Entwässerungsmassnahmen in der Umgebung auch der Wasserstand im schutzwürdigen Moorgebiet gesunken ist und/ oder
wenn die Flachmoore über längere Zeit nicht oder nur mangelhaft bewirtschaftet oder gepflegt worden sind.
Abb. 2: Seit längerer Zeit nicht mehr gepflegte Fläche eines Flachmoors, deren Sukzession zum Bruchwald schon beinahe vollständig abgeschlossen ist. Foto:WSL
2.1.5 Ist die Bewirtschaftung und Pflege der nicht oder nur Abb. 3: Hilfreiche Fragen zur Beleicht verbuschten Bereiche sowie der mehr oder weni- urteilung, ob eine Entbuschung ger intakten benachbarten Moore gewährleistet? sinnvoll ist.
Ist die anschliessende Wiederaufnahme einer regelmässigen Streuenutzung gewährleistet bzw. sind die Mittel (Personal, Finanzen, Gerät) für die periodische Wiederholung der Entbuschungsaktion gewährleistet?l) 2 HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER Ist die ursprüngliche Vegetation noch gut vertreten, SCHWEIZ eventuell auf angrenzenden Flächen? Oder: Kann angenommen werden, dass das Samenpotential auf der Fläche noch ausreichend ist? Oder: Sind die Voraussetzungen gegeben, dass es zu einem Sameneintrag kommt? Sind zwischen den Gehölzen nur wenige Goldruten anzutreffen?
Ist der Wasserhaushalt intakt? Kann er kurz- bis mittel- 1) Stockausschläge und Wurzelfristig verbessert werden?2) schösslinge können eine nur einmalige Entbuschung zu einer kontraproduktiven Aktion machen.
2) Ein Nein braucht nicht zwangs- Entbuschung gemäss den nachstehenden Kriterien pla- läufig zum Verzicht auf die Entnen buschung zu führen. Es sind jedoch eingehende Abklärungen nötig.
3 RAND BEDINGUNGEN UND PLANUNG VON ENTBUSCHUNGEN
• Bevor Pflegepläne für Moore mit bestockten Flächen erstellt oder Pflegeeingriffe auf eingewachsenen (oder evtl. auch aufgeforsteten) Moorflächen in die Wege geleitet werden, ist unbedingt durch die kantonalen Forstbehörden (zuständiger Kreisoberförster, ev. Kantonsoberförster) abklären zu lassen, ob es sich bei den bestockten Moorflächen forstrechtlich um Wald handelt. Frühzeitiger Kontakt und Absprache
der Pflegemassnahmen mit dem Forstdienst sind einer reibungslosen Abwicklung des Biotopunterhalts generell förderlich. Etweist sich ein verbuschtes Moor forstrechtlich als Wald, sind Art und Stärke der Entbuschung nach Absprache mit dem Kreisoberförster derart vorzunehmen, dass der Eingriff nicht als Rodung taxiert werden muss, sondern als Pflege, starke Durchforstung oder Auslichtung bezeichnet werden kann.
Die Anhebung des Grundwasserspiegels soll in Betracht gezogen werden, wenn sie bezüglich der Schutzziele sowie der Bewirtschaftbarkeit des Gebietes vertreten werden kann und wenn sie technisch machbar ist (z.B. durch Grabeneinstau). Sie vermindert in der Regel die Vitalität der Gehölze und schränkt deren weitere Ausbreitung ein. Damit kann der Pflegeaufwand in vielen Fällen gesenkt werden.
Entbuschungen sollen nicht schematisch vorgenommen werden. Es empfiehlt sich, Gehölzgruppen insbesondere dann stehen zu lassen, wenn sie Schutzgebiete abgrenzen, Besucher abschirmen oder den Erholungsverkehr lenken, Windimmissionen vom Kerngebiet fernhalten, eine überdurchschnittliche faunistische oder ökologische Bedeutung besitzen, seltene Arten enthalten oder eine optische Bereicherung darstellen.
In jedem Falle ist die mehrfache Bedeutung der Gehölze für die Fauna zu berücksichtigen: Einzelbüsche und Einzelbäume sind wichtig als Ansitz- und Singwarten. Kümmerliche Büsche haben oft eine hohe Bedeutung für Schmetterlinge. Junge Verbuschungsstadien sind für verschiedene Insektengruppen besonders wertvoll. Neben den alten Hecken und Baumgruppen müssen deshalb auch Bereiche im jungen Verbuschungsstadium toleriert werden. Einige tote Bäume sollen stehen bleiben können.
Trotz Entbuschung muss die Strnkturvielfalt auf der Moorfläehe erhalten bleiben.
Unter anderem sollen bevorzugt diejenigen Gehölzgruppen entfernt werden, mit deren Beseitigung die Besonnung von Wasserfläehen (ehemalige Torfstiche, Weiher, Gräben) verbessert werden kann.
Gehölzgruppen, welche stehen gelassen werden, dürfen die Streuenutzung nicht oder dann nur geringfügig behindern.
2.1.5
4 IssNWEISE ZU EINSATZPLANUNG UND
DURCHFÜHRUNG
Bei Entbuschungsaktionen sind folgende Punkte zu beachten:
Ausmass: Nur soviel schneiden, wie auch abtransportiert bzw. geordnet deponiert werden kann.
Schnittgut aus dem Gebiet wegführen. Holz nur in Ausnahmefällen im Moor verbrennen; dann Asche wegführen. Wenn möglich, soll das Holz sinnvoll verwendet werden (z.B. Kompostierung). Allenfalls am Moorrand Depots als Reptilienbiotop oder als Unterschlupf für Kleinsäuger anlegen. HAND BUCH
Geeigneten Zeitpunkt ausserhalb der Vegetationszeit wählen (Ok- MOOR- SCHUTZ tober bis Februar, wenn möglich bei gefrorenem Boden). Bei Birken IN DER SCHWEIZ wurden gute Erfahrungen mit dem Schlagen kurz vor dem Saftfluss im Frühjahr gemacht; die Stöcke bluten anschliessend aus.
Geeignete Fahrzeuge einsetzen, um Trittschäden und Verletzungen der Vegetation durch Maschinen zu vermeiden. (Hierzu finden sich gute Hinweise in BUNDESAMT FÜR FORSTWESEN, 1983.)
Geeignete Form der Pflege wählen: Anflüge/junge Individuen ausreissen oder ausstechen. Mit Rücksicht auf die spätere Streumahd Gehölze möglichst tief abschneiden. In Torfböden erleiden die Kettensägen dadurch keine Schäden. Eventuell muss die Fläche nach der Entbuschung mit einer Stockfräse nachbehandelt werden. Auch alte Hecken und Baumgruppen sollen regelmässig verjüngt werden. Das Astmaterial soll z.T. zu Haufen aufgeschichtet werden.
Kontrollbegehung der Flächen in den kommenden Vegetationsperioden, vor allem wegen Stockausschlägen und Goldrutenansiedlung.
LITERATUR ANSCHRDIT DES AUTORS
EID JENÖSSI HE D "PARTE- Dr. hom as -glorf MENTD SINNERN BUWAL Baudepartement des Kantons Am'gau, (Hrsg. 1990): Inventar der Flach- ektion atur + Land chart moore von nationaler Bedeutung, MUhlemall tr.54 Entwurr für die Vernehmla ung, 5001 Aara u Bern 79 .
BUNDESArvITFÜR FORSTWB- Handbuch N (Hr g. 1983): Unter,hall von Moor chutl Feucblwie: en in der ,chweiz eine in der Schweiz 2 Wegleitung zur Bewirtschaftung von 2/1994 treuewiesen und Verwertung von Streu, Bern, 75 . + Anhänge
EGLOFF TH. B. (in Vorb.): Wegleitu ng zur Bewirt chaftung und Pfl.ege von Riedern und Mooren im Sinne des Nalurscbutzes überarbeitete Fassung von Richtlinien zur Bewirt chaftung und Pflege von Riedern und Mooren im lnlle de Natur chut7..es (19 4), im Auelrag de Schweiz. Bundes (ür Naturebutz (Hr g.).
HANSRUEDI WILDERMUTH
Pflege von Kleingewässern in Mooren 2.1.6 1 DIE GEWÄSSER SIND EINER ENTWICKLUNG UNTERWORFFEN
Wie alle Landschaften, so sind auch die Moore mit ihren Kleingewässern einem dauernden Wandel unterworfen - selbst dann, wenn der Mensch nicht eingreift. In Mooren spielt sich die landschaftliche Dynamik meist langsam und weit weniger dramatisch ab als in Flussauen oder Kiesgruben. Am augenfälligsten ist die Verlandung von Torfstichen in tieferen Lagen. Im Gegensatz dazu verändern sich die Kleingewässer im zentralen Bereich eines lebenden Hochmoores sehr 2 langsam. HAND BUCH Bei der Verlandung eines Torfstiches stossen pflanzliche Verlan- MOOR· SCHUTZ dungspioniere - z.B. Fieberklee oder Sumpfblutauge - vom Rand her IN DER SCHWEIZ auf die freie Wasserfläche vor. In ihrem Geflecht von Sprossen und Wurzeln setzen sich weitere Pflanzen fest, so etwa Schachtelhalme, Seggen und Torfmoose. Sie bilden im Laufe der Zeit einen dichten, schwimmenden Filz (Schwingrasen). Der Vegetationsteppich überzieht schliesslich die ganze Wasserfläche. Nur der schwankende Boden verrät noch, dass es an dieser Stelle einmal ein offenes Gewässer gab. Die Art und Weise der Verlandung ist abhängig von Grösse, Tiefe, Beschaffenheit des Untergrundes, Nährstoffgehalt und Höhenlage. Während die Verlandungsvegetation der Hochmoortorfstiche in der subalpinen Stufe nur sehr langsam vorrückt, sind kleine Flachmoorgewässer mit mineralischem Untergrund in milder klimatischer Lage oft schon innert weniger Jahre völlig zugewachsen. Am raschesten verkrauten nährstoffreiche Weiher und Gräben, die gut belichtet sind. Die Verlandung kann selbst im gleichen Moor unterschiedlich ablaufen (vgl. Abb. 2). Dabei spielt auch eine Zufallskomponente mit, indem es darauf ankommt, durch welche Pflanzen ein frisch entstandener Weiher in der Pionierphase besiedelt wird.
Jede Pflegemassnahme ist ein Eingriff in die Landschaft und in das Naturgeschehen. Es stellt sich daher ganz allgemein die Frage, ob Abb.1: Fieberklee Kleingewässer in Mooren überhaupt unterhalten werden sollen. Quelle: Darstellung des Autors
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2.1.6 2 WELCHE KLEINGEWÄSSER BRAUCHEN PFLEGE?
Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die natürlichen Kleingewässer in naturbelassenen Mooren keinerlei Pflege brauchen. Primäre, vom Menschen strukturell nicht oder kaum beeinflusste Moore gehören in der Schweiz zu den Resten der Naturlandschaft. Sie sind derart selten, dass in ihnen jegliche Manipulation zu unterlassen ist. In Bezug auf die Kleingewässer gilt dies für Kolke, Rüllen, Schlenken, Mit der Verlandung von Gewäs- Randsumpfgewässer, Tümpelquellen, natürliche Moorbäche und Quellmoor-Rinnsale sowie für Tümpel mit Moorcharakter in der subsern wandern die Tiere ab, während Pflanzen allenfalls noch alpinen und alpinen Stufe (vgl. Band 1, Beitrag 3.3.2). Anders können längere Zeit in der geschlosse- HAND nen Vegetationsdecke als BUCH sich die Probleme in denjenigen Mooren stellen, die zur Torf- oder Kümmerformen, Rhizome oder MOOR· Streuegewinnung genutzt wurden oder immer noch werden. In sol- SCHUTZ Samen überdauern können. Zu IN DER SCHWEIZ chen Mooren finden sich sekundäre Kleingewässer wie Torfstiche, entfalten vermögen sie sich erst dann wieder, wenn freies Was- Abzugsgräben und über verdichtetem Torf teilweise Schlenken. Sie ser vorhanden ist. So zeigte sich stellen in vielen Fällen einen Ersatz für natürliche Moorgewässer dar in einem ehemaligen Torfab- und sind in mancher Gegend für Wasserpflanzen und Wassertiere die baugebiet des Zürcher Oberlaneinzigen Refugien. Sobald sich die Pflanzendecke über der offenen des, dass nach dem Abtragen des schwimmenden Pflan- Wasserfläche geschlossen hat, kommt der Standort als Lebensraum zenfilzes im darunter liegenden für aquatische Pflanzen und Tiere nicht mehr in Frage. Falls es einigen nackten Torfbrei unverhofft Organismen möglich ist, siedeln sie um. Andernfalls gehen sie zugrun- kräftige Stöcke des Nickenden Zweizahns (Bidens cernua) de. aufwuchsen - eine Pflanzenart, Abklärungen (vgl. Ziffer 4.1, Grundsatz) werden zeigen, ob es auf- die bis anhin im Gebiet als vergrund dieser Situation erforderlich ist, die bestehenden offenen Was- schollen gegolten hatte. serstellen zu bewahren und nötigenfalls zu regenerieren.
Abb. 2: Verlauf der Verlandung an 1-5: Sukzessionsstadien; punktierte Torfstichen. Flächen: Torfschlamm; schwarze Links: Mesotrophe Verhältnisse; Flächen: mineralischer Untergrund. Gewässergrund und Wurzelraum Quelle: Darstellung des Autors der Pflanzen vollständig im Torf. Rechts: Leicht eutrophe Verhältnisse: Wurzeln der Pflanzen reichen bis in den mineralischen Grund. a: Verlandungsreihe mit Schlammschachtelhalm und Schwingrasen b: Verlandungsreihe mit Schwimmblattfluren und Schnabelsegge; c: Eindringen von Schilf. d: Verlandungsreihe mit Breitblättrigem Rohrkolben und Ästigem Igelkolben;
3 PFLEGEZIELE
Allgemeines Ziel der POegemassnahmen ist die Erhalhmg offener Wasserflächen al Lebensraum für Pflanzen und Tiere, die ihr Leben ganz oder teilweise im Wasser verbringen. Zi.e lobjekte sind im Normalfall ganze Lebensgemeinschaften und weniger einzelne Arten. Allerdings können im Hinblick auf bedrohte Pflanzen- und Tierarten die nur noch regional oder lokal vorkommen, spezifische Massnahmen durchaus gerechtfertigt sein. Um den Lebensraumansprüchen möglichst vieler der für Moorgewä er typi ehen Pflanzen und Tiere gerecht zu werden, ollten im gleichen Raum ver chiedene Kleingewä sertypen in unterschiedlichen Verlandwlg stadien zur Verfügung stehen. Strukturdiversität (Zonen unterschiedlicher Was ertiefe, Pflanzendichte, Besonnung u,nd Uferbeschaffenheit) fördert die Artenvielfalt.
2.1.6 4 HINWEISE ZUR PFLEGE VON KLEINGEWÄSSERN
4.1 Grundsatz
Bevor Eingriffe in Kleingewässer von Mooren vorgenommen werden, sind die übergeordneten Ziele für das entsprechende Gebiet festzulegen (Moorlandschaft, Naturschutzgebiet, Biotopkomplex). Die Pflege und eine allfällige Revitalisierung von Gewässern haben sich diesen Zielen unterzuordnen. Dabei dürfen bezüglich Wasserhaushalt und Nährstoffhaushalt keine negativen Begleiterscheinungen auftreten. HAND BUCH Ebenso ist zu vermeiden, dass gewachsene Sedimente zerstört werden. MOOR- SCHUTZ Entsprechend sorgfältig sind die Grundlagen abzuklären. IN DER SCHWEIZ
4.2 Zeitpunkt und Häufigkeit der Pflegeeingriffe
Während der Vegetationszeit sollten Pflegeeingriffe unterbleiben. Die Störungen würden dann mit der aktiven Phase der meisten Lebewesen zusammenfallen. Als optimale Jahreszeiten für Unterhaltsmassnahmen erweisen sich Herbst und Winter, solange die Gewässer nicht vereist sind. Der Vorfrühling ist weniger gut geeignet, weil dann die ersten Tiere (z.B. Grasfrosch) bereits mit dem Fortpflanzungsgeschäft beginnen. Die Häufigkeit der Pflegeeingriffe richtet sich nach der Geschwindigkeit der Verlandung. Während tiefere, nährstoffarme Torfstiche auch nach zwei oder drei Jahrzehnten noch nicht verlandet sind, benötigen kleine Flachgewässer oder Gräben manchmal schon nach fünf Jahren eine Pflege. Es ist besser, einmal rigoros einzugreifen und das Gewässer wieder Abb.3: Grasfrosch längere Zeit in Ruhe zu lassen, als laufend daran zu manipulieren. Quelle: Darstellung des Autors
4.3 Pflegemodus für stehende Kleingewässer
Gibt es in einem Moor nur einen einzigen Weiher, sollte man einen Teil der Verlandungsvegetation, zum Beispiel auf einer Schmalseite, von der Pflege ausnehmen. So bleiben notwendige Verstecke für manche Wassertiere und einzelne Zellen einer erneuten Wiederausbreitung für die Wasserpflanzen bestehen (gestaffelte Pflege innerhalb des Gewässers). Im Falle mehrerer vorhandener Gewässer (vorteilhaft sind mindestens 5) eignet sich als Pflegemodus das "Rotationsmodell" (vgl. Abb. 4).
Die damit erreichte zeitliche Staffelung der Pflegeeingriffe erlaubt es, die Arbeit über Jahre zu verteilen (gestaffelte Pflege im Verband). Wo die Massnahmen von Hand ausgeführt werden müssen (z.B. im Zentrum von Mooren), ist dies in Bezug auf den Arbeitsaufwand von Vorteil. Bei der Pflege sind die folgenden Grundsätze zu beachten: • Bei kleinen Torfgewässern soll die Regeneration womöglich In schonender Handarbeit durchgeführt werden.
.. räumliches Nebeneinander (Stadien-Mosaik)
Weiher 1 Weiher 5 '.
~ Pflegeeingriff Abb. 4: Als Pflegemodus für einen Weiher in einem anderen Stadium te Verlandungsstadien bevorzugen, Kleingewässerkomplex eignet sich der Entwicklung. Die dicken Pfeile ständig die notwendigen Lebensbedas Rotationsmodell. Damit wird markieren den Zeitpunkt des Pfle- dingungen. ein Mosaik angestrebt, das sich aus geeingriffes, durch den das Gewäs- Quelle: Verändert nach: WILDER- Weihern in verschiedenen Sukzes- ser in das Pionierstadium zurückver- MUTH / SCHIESS (1983) sionsstadien zusammensetzt. Man setzt wird. Durch diesen Pflegemolässt in jedem der Kleingewässer die dus sind jeweils gleichzeitig alle Suknaturgernässe Sukzession solange zessionsstadien vorhanden. Diese ablaufen, bis es verlandet ist. Nach- rotieren im Verlauf der Zeit im Weiher wird es ausgeräumt und damit herkomplex. Mit diesem Pflegemoins Pionierstadium zurückversetzt. delllassen sich für die Entwicklung Zu einem bestimmten Zeitpunkt aquatischer Lebensgemeinschaften (z.B. dargestellt durch die unterste optimale Voraussetzungen schaffen. Zeile) befindet sich jeder der fünf So finden Organismen, die bestimm-
2.1.6
Zum Abtrocknen lässt man das ausgeräumte Material am Weiherrand liegen, damit allenfalls gefangene Molche, Libellenlarven und Praktische 'fips andere Wassertiere den Weg zurück ins Wasser finden.
Totes oder locker sitzendes
Nach dem Abtrocknen muss das ausgeräumte Material abgeführt Pflanzenmaterial wird mit werden. Die Frist soll vorgängig festgelegt werden und sollte mög- langstieligen Rechen und kräftilichst kurz sein. gen Hacken entfernt.
Schwimmende, stark verfilz-
Der Einsatz von Baumaschinen empfiehlt sich nur bei grösseren te Vegetationsteppiche werden Weihern, die stark verwachsen und so gelegen sind, dass die schweren zunächst gemäht, mit einer Handsäge stückweise abge- Maschinen von festem Boden aus (nicht über einer Torfunterlage) arbeiten können. schnitten und mit Hacken aus dem Wasser gezogen. HAND
Ist der Weiher mit Schilf BUCH oder Rohrkolben besetzt, müs- MOORsen auch die Wurzelstöcke SCHUTZ
4.4 POegemodus für Oiessende Kleingewässer IN DER
(Rhizome) entfernt werden, da SCHWEIZ diese Röhrichtpflanzen den Mit der Aufgabe der Streuenutzung wird häufig auch die regelmässige Weiher sonst allzu rasch wieder Pflege der Gräben eingestellt. Soll die Vegetation aus Naturschutz- überwuchern. • Schwieriger ist die Entfergründen weiterhin gemäht werden, müssen auch die Gräben unterhal- nung von feinem Torfbrei. ten werden. Dabei ist unbedingt auf die Lebensgemeinschaften Rück- Manchmal sammelt er sich nach sicht zu nehmen, insbesondere dann, wenn es sich um dauernd wasser- Tagen an der Oberfläche an und kann dann abgeschöpft führende Fliessgewässer (" Moorbäche ") handelt. werden.
Bei der Pflege sind die folgenden Hinweise zu beachten:
Gräben mit Sohlenerosion sollen nicht unterhalten werden.
Es ist darauf zu achten, dass die Sohle nicht über das ursprüngliche Niveau abgetieft wird und nicht im mineralischen Untergrund verläuft.
Zur Schonung der Tierpopulationen soll die Grabenreinigung abschnittsweise und über mehrere Jahre verteilt erfolgen.
An biologisch besonders wertvollen und empfindlichen Abschnitten soll die Arbeit von Hand ausgeführt werden (Schwemrnholz entfernen, randliehe Seggenstöcke abstechen, Wasserpflanzen ausreissen).
Strukturelemente wie Uferhöhlungen, Wurzelwerk von Bäumen oder Sträuchern, Steinblöcke und Wasserpflanzenteppiche müssen in genügendem Ausrnass belassen werden. Sie dienen als Kleinrefugien, von denen aus sich die rigoroser behandelten Abschnitte wieder besiedeln können.
Abzugsgräben sollen selbst in relativ flachem Gelände nicht nur entlang der Fallinie und nicht mit rechteckigem Normalprofil geführt werden; regelmässige Hochwasser verhindern die Bildung heterogener Sohlenstrukturen und damit die dauerhafte Ansiedlung artenrei-; eher Fliessgewässer-Lebensgemeinschaften.
Gewisse Fliessgewässerorganismen (z.B. die Prachtlibellen) brauchen sonnenbeschienene Wasserflächen. Einzelbäume oder Gehölzgruppen entlang von Abzugsgräben sind daher einer dichten Uferbestockung, wie sie manchmal von ornithologischer Seite gefordert wird, vorzuziehen.
Der Abraum soll einige Zeit liegengelassen werden (Rückwanderung von Tieren). Spätestens nach einigen Wochen ist er abzuführen.
Abb. 5: Maschinell gereinigter Abzugsgraben in einem Flachmoor mit sehr dünner Torfschicht. Der Graben ist zu stark in den mineralischen Untergrund (Seebodenlehm) eingetieft. Foto: H. Wildermuth
2.1.6
4.5 Pflegemodus für periodisch überschwemmte Flachmoorwiesen
Aufgrund seiner Untersuchungen im Wollmatinger Ried (Bodensee) empfiehlt SCHMIDT (1990) für periodisch überschwemmte Streuwiesen am Seeufer folgende Pflegemassnahmen:
In grösseren Herden der Sumpfschneide (Cladium mariscus) sollte alle zwei Jahre mit dem Mähbalken (140 cm breit) eine Schneise geschnitten werden. Dies fördert Kleinlibellen.
In Pfeifengraswiesen sind Stellen mit Binsenbeständen an quelligen Standorten nur alle zwei Jahre zu mähen. Die in den Halmen,überwinternden Eier der Binsenjungfern (Lestes sp.) können HAND BUCH so besser überleben. MOOR- SCHUTZ
In das verschilfte Steifseggenried sind im Rhythmus von zwei bis IN DER SCHWEIZ drei Jahren einzelne, ca. 3 m breite Schneisen bis an den Rand der dichten Schilfzonen (Röhricht) zu mähen. Die Schneisen sollten nicht senkrecht, sondern schräg zur Uferlinie verlaufen. Dadurch werden gefährdete Libellenarten wie die Frühe Mosaikjungfer (Brachytron pratense), die Keilflecklibelle (Aeshna isosceles) und die Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) gefördert.
Es ist darauf zu achten, dass die Bulten der Steifsegge (Carex elata) nicht ganz abgemäht werden.
5 PERSONELLE UND FINANZIELLE ASPEKTE
Für Pflegearbeiten an Kleingewässern kommen neben staatlichem Personal für grössere Vorhaben auch Landwirte und Bauunternehmer in Frage, wobei die Kosten in der Regel nach Aufwand verrechnet werden. Bewährt haben sich auch Gruppen von Freiwilligen (Vereine, Schulklassen und Jugendgruppen). In diesem Fall muss seitens des Auftraggebers geeignetes Werkzeug zur Verfügung gestellt werden. Die Pflegearbeiten müssen unter der Leitung von fachkundigen Personen durchgeführt werden. Diese sollten auch die Bauausführung vor Ort begleiten.
LITERATUR ANSCHRIFf DES AUTORS
SCHMIDT, B. (1990): Faunisti ch- PD Dr. H. Wildermulh ökologische Untersuchungen zur Haltberg tra e 43 Libellenfauna (Odonata) der StJeu- 8630 Rüti wie en im NSG Wollmatingerried bei Kon tanz. Naturschutzforum 3/4: 39-80. Handbuch Moor cbutz WJLDERMUTH H.I SCHlESS, in der Schweiz 2 H. (1983): Die Bedeutung prakti- 1/1995 eber Natur cbutz:ma nahmen für die Erhaltung der Libellenfauna in Mitteleuropa. Odonatologica 12(4): 345 - 366.
YVAN MATIHEY / ALAIN LUGON PHILIPPE GROSVERNIER / ANDREAS GRÜNIG
Regeneration von Hochmooren 2.1.7 1 EINFÜHRUNG
Zwei Drittel der gesamten Hochmoorflächen (953 ha) sind sekundär, das heisst ziemlich stark beeinträchtigt (GRÜNIG et a1., 1986). Die am häufigsten auftretenden Probleme sind auf Störungen des Moorwasserhaushaltes zurückzuführen. Quantitativ gesehen verursacht das Ableiten des Wassers durch Gräben oder Drainageröhen ebenso viele Probleme wie die qualitativen Störungen, die durch das Zuführen von Nährstoffen (Düngemittel oder Mineralisierung des Torfes) entstehen. Diese beiden Aspekte beeinflussen die Pflanzen- und Tierwelt und 2 führen zu teilweise drastischen Veränderungen der charakteristischen HAND BUCH Lebensgemeinschaften. Viele dieser Störungen können rückgängig MOOR- SCHUTZ gemacht werden. IN DER SCHWEIZ Auf diesem Hintergrund ist das Regenerationsprinzip in die Hochmoorverordnung (HMV) vom 21. Januar 1991 aufgenommen worden:
Artikel 4: Die Regeneration in gestörten Moorbereichen soll gefördert werden, um die Entwicklung der standortheimischen Pflanzen- und Tierwelt zu begünstigen.
Artikel 5 e: Der Gebietswasserhaushalt soll erhalten und. soweit es der Moorregeneration dient, verbessert werden.
Artikel 8: Bereits bestehende Beeinträchtigungen von Objekten sollen bei jeder sich bietenden Gelegenheit rückgängig gemacht werden.
Der vorliegende Beitrag verfolgt mehrere Absichten; er will:
Begriffe klären, die im Zusammenhang mit der Regeneration auftreten;
die Ziele präzisieren, die mit den Regenerationsmassnahmen angestrebt werden;
einen Einblick in die Planung von Massnahmen geben (Kenntnis der Bedingungen, Regenerationspotential) ,
die verschiedenen technischen Massnahmen zur Hochmoorregeneration vorstellen und
die vom BUWAL veröffentlichten Merkblätter bekannt machen.
2 WICHTIGE BEGRIFFE
In den gesetzlichen Grundlagen (Art. 4 und 5 der HMV) werden die Begriffe "Wiederherstellung" und "Regeneration" unterschieden (vgl. u.a. WHEELER, 1995 und KUNTZE / EGGELSMANN, 1981):
Die Regeneration (franz. regeneration I engl. regeneration) zeigt sich am Wiedereinsetzen des Hochmoorwachstums durch die Torfbildung der Torfmoose. Sie strebt die vollständige Wiederherstellung aller Eigenschaften des Ökosystems Hochmoor an. In den meisten Fällen ist dies ein langfristiger Prozess. Die Bedeutung des gesetzlich festgehaltenen Ausdrucks von "Regeneration" schliesst auch die Gesamtheit aller Interventionsmöglichkeiten em.
Mit der Wiederherstellung gemäss Art. 5 Abs. 1 lit d HMV ist die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes im Falle von Bauten oder Anlagen gemeint, die nach dem 1. Juni 1983 erstellt wurden (v gl. Band 2, Beitrag 1.1.1).
Beide Aspekte verfolgen das Ziel, in gestörten Lebensräumen erneut stabile ökologische Bedingungen zu schaffen, die denjenigen eines primären Hochmoors möglichst ähnlich sind.
Das Wiederherstellnngskonzept (franz. restauration I engl. restoration) zeigt auf, wie die Regeneration erreicht werden kann. Dazu sind drei Schritte erforderlich:
Wiederherstellung der ökologischen, besonders der hydrologischen Bedingungen, welche die eigentliche Basis für die Bildung und die Existenz eines Hochmoors darstellen. In diesem Zusammenhang wird von Wiedervernässung gesprochen (franz. remise en eau oder rehumidification / engl. rewetting).
Wiederherstellung der hochmoortypischen Pflanzen- und TIerwelt durch gezielte Schaffung von Habitaten oder die Verbesserung ihrer Struktur. Beispiele solcher Eingriffe sind die Entbuschung, die Bildung von Wasserflächen, das Umgestalten von Gräben, die Bepflanzung nackter Torfflächen oder von Gräben und Wasserflächen mit bestimmten Pflanzenarten.
Wiederherstellung der funktionellen Aspekte des Ökosystems, besonders der Struktur des Diplote1ms (siehe Ziffer 3), welches für das Wachstum des Hochmoors verantwortlich ist. Pflege und Unterhalt der Habitate sollen so gestaltet werden, dass ihre Funktion als Nahrungsquelle, Brutstätte und Schutz für die von den Hochmooren abhängigen Pflanzen und Tiere gewährleistet ist.
2.1.7 Wenn die Regeneration eines Hochmoores nicht mehr möglich ist und andere Arten von Lebensräumen gestaltet werden (zum Beispiel eine Feuchtwiese ), wird von Revitalisierung oder Renaturierung (franz. revitalisation I engl. renatuI'ation oder rehabilitation) gesprochen.
3 GRUNDLAGEN UND ZIELE DER REGENERATION Das Hochmoor ist ein dynami- Die träge Dynamik des Hochmoors hängt mit dem Aufbau der Torf- sches Ökosystem, dessen Verän- HAND derungen nur über einen länge- BUCH schicht zusammen (vgl. Band 1, Beitrag 3.1.1). Das Acrotelm ist die ren Zeitraum (mehrere Jahr- MOOR- SCHUTZ belüftete, oberste Schicht, in der das Wachstum der Torfmoose statt- hunderte) messbar sind. Über IN DER den Zeitraum eines Jahrzehnts SCHWEIZ findet. Im Catotelm wird die Masse des verdichteten Torfes angesamgesehen, erscheint das Hochmelt. Diese Schicht ist mit Wasser gesättigt und dient als Reservoir moor hingegen als ein sehr und Unterlage für die Vegetation (INGRAM, 1978). ausgeglichenes Ökosystem. Die verschiedenen Eingriffe in die Hochmoore führen zu einer Funk- Diese Evolution führt zu einer tionsstörung der Diplotelm-Struktur (Wasserbewegungen, Sättigungs- regelmässigen und fortschreitenden Veränderung der grad, Bodenqualität). Dies äussert sich, in einer Zerstörung des Acro- Lebensbedingungen innerhalb telm, indem charakteristische Arten verschwinden (besonders der des Moors und zwingt die Arten Torfmoosteppich). Diese Beeinträchtigungen können direkter Natur dazu, sich ständig neu anzupassen (vgl. Band 1, Beitrag 3.1.1). sein (Freilegen und Abbau des Torfes) oder indirekt (Entwässerung durch Gräben und Drainageröhren, Eutrophierung der Wasserzufuhr).
Ziel der Regeneration (einschliesslich der Wiederherstellung) ist der Wiederaufbau einer Diplotelm-Struktur (Vorhandensein des Acrotelm und des Catotelm, Stabilisieren der dynamischen und hydrologischen Beziehungen), um für das Wachstum der Torfmoose erneut möglichst günstige ökologische Voraussetzungen in bezug auf Wasserhaushalt, Boden und Mikroklima zu schaffen.
4 PLANUNG DER REGENERATIONSMASSNAHMEN
Zu den Aufgaben der Planung gehört es:
das Ausmass der Störung zu beurteilen,
herauszufinden, welche Stadien der Sukzession zur Hochmoorbildung geführt haben
und zu entscheiden - unter Berücksichtigung des Regenerationspotentials - zu weIchem Stadium der Sukzession die Rückentwicklung führen soll.
Um diese Wahl treffen zu können, müssen die Schutzziele festgelegt werden (Seltenheit der Arten und der Habitate). Weiter muss die Durchführbarkeit des Projektes geprüft werden, und zwar im Hinblick auf bestehende Beeinträchtigungen des Lebensraumes (Störungen des Wasserhaushaltes, Mineralisierung des Torfes).
4.1 Erkennen der Ausgangssituation
Die Analyse verschiedener thematischer Karten (Topographie, Bodenmächtigkeit, Wasserabflüsse, Vegetation, Deckungsgrad der Torfmoose, Art der Bewaldung, Grad der Eutrophierung) erlaubt eine ziemlich klare Beurteilung der Lage sowie der Art und der Bedeutung der zu lösenden Probleme (Band 2, Beitrag 1.1.1). Bei der Beschreibung der Ausgangssituation müssen insbesondere die folgenden Punkte berücksichtigt werden:
Beschreibung der normalen Bedingungen des Objektes, um die Art, das Ausmass und die Rückentwicklung der Störungen beurteilen zu können (Regenerationspotential).
Kenntnisse zur Geomorphologie, denn sie ermöglicht eine gen aue Beurteilung der potentiellen Ausdehnung des Objektes in bezug auf seine Merkmale (zentrisches Hochmoor, Hanghochmoor, Deckenhochmoor; vgl. Band 1, Beitrag 3.1.1).
Beschreibung der Topographie des Moors und seiner Umgebung, weil sie Aussagen über Zu- und Abflüsse des Wassers hinsichtlich Menge und Qualität ermöglicht. Die Topographie eines sekundären Hochmoors steht in direktem Zusammenhang mit dem Torfabbau, welcher für die lokale oder grossräumige Verringerung der Bodenmächtigkeit verantwortlich ist (vgl. Band 1, Beitrag 2.2.8). Auf diese Weise werden auch die Richtung und die Menge der Abflüsse (durch Haupt- und Seitengräben) näher bestimmt.
2.1.7
Weiter sollte auch der Grad der Mineralisierung des Torfbodens bestimmt werden, da die qualitativen Veränderungen des Torfes (veränderte Durchlässigkeit) die Wasserabflüsse ebenfalls beeinflussen.
Zustand der Vegetation beurteilen, indem die Verschlechterung, oder sogar das Verschwinden von primären Gesellschaften sowie auch eine eventuelle "spontane" Wiederansiedlung neuer Torfmoosteppiche aufgenommen werden (Ausdehnung und Vielfalt).
Mit diesen Daten kann eine Bilanz über die Bewegungen des Wassers gezogen werden. Die Flächen mit Wasseransammlungen lassen sich 2 von entwässerten Zonen unterschieden. HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
4.2 Einschätzung des Regenerationspotentials (grossräumig und
lokal)
Die Beurteilung des Regenerationspotentials ist eine wichtige Grundlage zur Etappierung der Massnahmen und macht gleichzeitig transparent, welche aufwendigen praktischen Arbeiten notwendig sind. Wir unterscheiden zwischen drei verschiedenen Potentialebenen: 1) Auch mit hohem Mitteleinsatz erweist sich eine Regeneration als nicht realisierbar. Das Objekt ist zu stark gestört, die verbleibende Grösse ist zu gering oder die Situation des Wasserhaushaltes ist zu ungünstig. In einem solchen Fall ist es empfehlenswert, Pflegemassnahmen zu planen, um die interessantesten Lebensräume zu revitalisieren und ihren Fortbestand zu sichern. 2) Eine Regeneration ist in Teilbereichen möglich. In diesen Bereichen kann eine Wiederherstellung vorgenommen werden. 3) Die Regeneration des gesamten Hochmoors ist realisierbar. In diesem Fall ist es möglich, Massnahmen vorzunehmen, welche einerseits das Wachstum des Hochmoors wieder anregen und andererseits frühere Anlagen aufzuheben. Auf diese Weise kann das Moor relativ schnell zu seinem funktionellen Gleichgewicht zurückfinden.
4.3 Lenkung der Regenerationsmassnahmen
Planung, Ablauf und Organisation der Regenerationsmassnahmen sind entscheidend für den Erfolg. Daher ist es ratsam, vor Beginn der Ausführungsphase, die Ziele klar festzulegen, die gegenseitigen Einflüsse der verschiedenen Massnahmen zu beurteilen und den Ablauf der Bauphasen mit den dazugehörenden Arbeiten zu planen.
Die Vielfalt der Regenerationsmassnahmen ist sehr gross. Sie können in die folgenden drei Gruppen eingeteilt werden (LUGON et al., Beispiel für die Notwendigkeit 1998): einer frühzeitigen Ablaufplanung: 1) Eingriffe in den Wasserhaushalt des Moores durch Verfüllen von Die Überschwemmung einer Entwässerungsgräben mit Torf oder durch den Bau von mehr oder ausgedehnten Zone erlaubt weniger komplizierten Holzplattendämmen: keine spätere Zufahrt mehr mit Maschinen, um die Bäume weg- Damit soll versucht werden, am Hochmoorrand wieder möglichst günzuführen, die im Rahmen einer stige hydrologische Verhältnisse zu schaffen. Die Grösse der zu reali- anderen Massnahme gefällt sierenden Bauwerke wie auch die Topographie, das Volumen und die werden sollen. Qualität des Torfes bilden die wesentlichen Rahmenbedingungen und grenzen das Spektrum der Möglichkeiten ein. Alle Massnahmen innerhalb des Hochmoors (z.B. rund um die Entwässerungskanäle oder -gräben) können ihre Wirkung erst dann entfalten, wenn die grundlegenden hydrologischen Verhältnisse am Rand des Moors auch tatsächlich wiederhergestellt sind. 2) Die Regeneration erfordert häufig auch Massnahmell im Bereich der Vegetation (Eliminieren der Baum- und Strauchschichten). Bei erodierten oder freigelegten nackten Torfflächen kann eine Bepflanzung des Geländes mit strukturierenden Arten (Wollgräsern, Heidekrautgewächsen) vorgenommen werden. Diese Pflanzen schützen den Boden, stabilisieren die mikroklimatischen Verhältnisse und schaffen so günstige Voraussetzungen für die Torfmoose. 3) Für die vielen Hanghochmoore ist die Erosion der nackten Torfböden ein Hemmfaktor für die Regeneration. Dieses Problem muss manchmal durch aufwendige Mittel unter Kontrolle gebracht werden, bevor andere Arbeiten in Angriff genommen werden können. In sehr stark geneigtem Gelände (schon über 3-5%), sind Massnahmen zur Verminderung der Erosion unerlässlich.
Damit bei der Durchführung eines Regenerationsprogrammes (oder Wiederherstellung) ein optimaler Erfolg gewährleistet werden kann, muss bei den meisten Objekten eine Kombination der drei Formen von Massnahmen angewendet werden.
Schliesslich sollten bei der Wahl von Pflegemassnahmen die konzeptionellen Vorstellungen zur Anordnung von Trittsteinen und zur Vernetzung (vgl. u.a. HINTERMANN et al., 1995) berücksichtigt werden, um die Funktionen des Hochmoors optimal regenerieren zu können.
2.1.7 5 TECHNISCHE MASSNAHMEN ZUR REGENERATION VON HOCHMOOREN: MERKBLÄTTER DES BUWAL
5.1 Einfühurng
Um den Verantwortlichen die Arbeit etwas zu erleichtern, hat das BUWAL Merkblätter zum Thema Regeneration von Hochmooren veröffentlicht (LUGON et al., 1998, ergänzt 1999). Sie beschreiben das praktische Vorgehen bei der Durchführung technischer Massnah- men. Diese Merkblätter stellen eine Praxishilfe dar und richten sich an HAND BUCH Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eidgenössischer und kantonaler MOOR- SCHUTZ Naturschutzfachstellen, an Umweltbüros und an Personen, welche die IN DER SCHWEIZ Regenerationsmassnahmen durchführen (z.B. Förster).
5.2 Inhalt der Merkblätter
In einem kurzen Vorwort sind die Interessen und gesetzlichen Grundlagen zusammengefasst, welche eine Regeneration von Hochmooren rechtfertigen. Die Merkblätter selbst sind in zwei Teile gegliedert, welche sich den beiden am häufigsten angewandten Gruppen von Eingriffen in der Schweiz widmen:
Der erste Teil beschreibt die Massnahmen zur Bepflanzung nackter Torfflächen (ebenes sowie schwach und stark geneigtes Gelände).
Der zweite Teil befasst sich mit verschiedenen baulichen Eingriffen in den Wasserhaushalt entwässerter Hochmoore.
Die Merkblätter beschreiben die Techniken und das praktische Vorgehen bei der Durchführung von Massnahmen (z.B. Wasserrückhaltung durch die Bildung von Wasserflächen für die Fauna). Sie verweisen aber auch auf die Grenzen, welche diesen Techniken aufgrund der Topographie, der Bodenbeschaffenheit und der Physik gesetzt sind. Schliesslich helfen sie, jene Massnahmen auszuwählen, welche den lokalen Gegebenheiten und den Schutzzielen am besten entsprechen. Die Merkblätter liefern hingegen keine "pfannenfertigen" Lösungen, welche ohne gen aue re Kenntnisse des zu regenerierenden Hochmoors anwendbar wären.
5.3 Die Bepflanzungstechniken
Ganz allgemein wird mit einer Bepflanzung die Regeneration von Bereichen angestrebt, deren Vegetationsdecke beschädigt oder vollständig zerstört wurde. Auf solch ausgetrockneten und häufig unbeschatteten Flächen sind Torfmoose nicht mehr anzutreffen. Unter diesen ungünstigen mikroklimatischen Verhältnissen ist auch eine spontane Wiederansiedlung ausgeschlossen. Aus diesem Grund empfehlen die Merkblätter Bepflanzungstechniken mit weniger anspruchsvollen Pflanzen, welche über Pioniereigenschaften verfügen (z.B. das Scheidige Wollgras, 6 • • .., •
Eriophorum vaginatum). Das Wachstum dieser Pflanzen wird mittelfristig günstige Voraussetzungen schaffen, unter denen die Torfmoose wieder Fuss fassen können; dadurch wird auch das Torfwachstum auf diesen Flächen wieder einsetzen.
Bei der am häufigsten angewandten Methode werden Horste des Scheidigen Wollgrases zerteilt und verpflanzt. Durch die grosse Anzahl von Setzlingen, die ein einzelner ausgegrabener Horst ergibt, können ausgedehnte Flächen bepflanzt werden, ohne grosse Beeinträchtigungen am Entnahmeort zu verursachen.
Diese Methode eignet sich besonders gut für flaches Gelände. Auf geneigtem Gelände ist es hingegen wichtig, den Boden vorher terrassenförmig zu strukturieren, damit eine maximale Wassermenge zurückgehalten werden kann und die Erosion an der Oberfläche begrenzt wird. Dadurch steigen die Überlebenschancen der verpflanzten Setzlinge, Zur Entwässerwlg von und ihr Wachstum wird angeregt. Hochmooren werden verschiedene Systeme angewandt. Sie können grob in folgende zwei Gruppen unterteilt werden:
5.4 Wassereinstau • Zur oberflächlichen Entwässerung gehören alle in die
Bodenoberfläche gegrabenen Die Merkblätter beziehen sich nur auf Eingriffe, die den Wasserab- Vertiefungen, in denen sich das fluss in oberflächlichen Entwässerungssystemen unterbinden. Haupt- Wasser ansammelt und nachher ziel ist hier, den Wassersättigungsgrad des Bodens zu erhöhen und den aus dem Hochmoor abgeleitet wird. Wasserspiegel möglichst nahe an die Oberfläche zu bringen. Auf die • Die zweite Gruppe von Aspekte tiefliegender Drainagen wird nicht eingegangen. Drainagesystemen beinhaltet Bevor die Organisation der Arbeiten und das geeignete Vorgehen im die Gesamtheit aller baulichen Werke (Rohre, Kanäle), die Detail erklärt werden (einschliesslich Material und Werkzeuge), sollen häufig sehr tief in den Torfkördie Merkblätter den Verantwortlichen bei der Wahl geeigneter Tech- per eingegraben wurden. niken helfen, die den physikalischen Eigenheiten des Hochmoors
2.1.7 (GeUiJld ' neigung 11 rf ]ualiläl) und der Art d r aufzuhebenden Entwä erungss teme am be len ent prechen (Brei le, Tief ). s w rden drei Arten von Mas nahmen vor e teilt, di j h in der Praxis bewährt h<ben und je, eil d 11 lokal.en B dingungen und den Sehutzzielen nt pr eh nd einge. tzt w rd n:
der Bau von HolzpJau odämmen;
da. vollstä ndige VerfüJlen voo Drainagegräb .n mit festge tal11pfauwerke zur Regulierung der Stau höhe (Holzka ten cl r
die ReguLier ehacht mit Oberlauf). 2 HAND BUCH Die hier vorg teHten Techn.iken haben ich ewällrl. Mis erfolge .MOOR- SCHUTZ wurden in den m i ten Fällen analy iert und erlauben es die Grenzen IN DER SCHWEIZ der eil1z Inen Meth elen genau festzul egen.
5.5 Ausblick
Die Publikation i t nicht abschliessend. Si rotzt ich auf rfa hrungen bi 1997 lind kann aufgrund neuer rk nntnis e und Techniken (z.B. Aufheben tiefli gend r Drainag n) r gelmässig ergänzt und au( den neusten tand gebracht werden.
LITERATUR BEZUG DER ANSCHRIFf DER AUTOREN MERKBLÄTIER GRÜNIG, A. / VETTERLI, L. / Yvan Matthey WILDI, O. (1986): Die Hoch- und Die Merkblätter sind in Deutsch Dr. es sc. nat. Übergangsmoore der Schweiz. und in Französisch erschienen und ECOCONSEIL Eidg. ForschungsanstaIt für Wald, sind beim Dokumentationsdienst Rue de la Paix 33 Schnee und Landschaft (WSL), des BUWAL, 3003 Bern, unter 2300 La Chaux-de-Fonds Bericht 281,62 S. folgendem Titel erhältlich: Alain Lugon INGRAM, H.P.A. (1978): Soil LUGON, A. / PEARSON, S. / Dip!. es sc. nat. layers in mires: Function and termi- MATTHEY, Y. / GROSVERNIER, ECOSONSEIL nology. Journal of soi! science 29: P. (1998, ergänzt 1999): Technische Rue de la Paix 33 224-227. Massnahmen zur Regeneration von 2300 La Chaux-de-Fonds Hochmooren. BUWAL-Reihe Voll- KUNTZE, H. / EGGELSMANN, zug Umwelt, Bern. Philippe Grosvernier R. (1981): Zur Schutzfähigkeit Dr. es sc. nat. nordwestdeutscher Moore. Telma NATURA 11: 197-212, Hannover. Le Saucy 17
2722 Les Reussilles
LUGON, A. / PEARSON, S. / MATTHEY, Y. / GROSVER- AUSKUNFf Andreas Grünig NIER, P. (1998): Technische Eidgenössische Forschungsanstalt Massnahmen zur Regeneration von für Agrarökologie (FAL) Hochmooren. BUWAL-Reihe BUWAL Reckenho}z Vollzug Umwelt, Bern. Koordinationsstelle Moorschutz 8046 Zürich
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HINTERMANN, U. / BROGGI, M.F. / LOCHER, R. / GALLAN- DAT, 1.-0. (1995): Mehr Raum für die Natur. Ziele, Lösungen, Visionen im Naturschutz. 352 S. ÜBERSETZUNG WHEELER, B.D. (1995): Restoration and wetlands. In: Wheeler et Silvia Sambeth al. (Ed.): Restoration of temperate Claridenstrasse 15 wetlands. 1-18. John Wiley & Sons 8307 Effretikon Ltd, Chichester.
Handbuch Moorschutz in der Schweiz 2
REDAKTION
Fallbeispiele Nutzung, Pflege und Gestaltung 2.2 Fallbeispiele illustrieren die Anwendung der in Band 1 enthaltenen Handbuch Grundlagen. Sie sollen den Schritt von der Theorie in die Praxis er- Moorschutz in der Schweiz 2 leichtern. Die Fallbeispiele verdeutlichen aber auch, wie vielfältig die 1/1995 Probleme gelagert sein können. Aufgrund der verschiedenen Voraussetzungen ist letzlich jeder Pflegeplan und jedes Schutzkonzept ein Einzelfall. Deshalb kann auch nicht jedes Problem auf dieselbe Weise gelöst werden. In diesem Sinne soll mit den folgenden Fallbeispielen ein möglichst breites Spektrum von Problemlösungen angesprochen werden. HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
GÜNTHER GELPKE
Moorschutz in schwach erschlossenen Gebieten - Schutzkonzept Weissenberge (GEMEINDEN MAn / ENGI; Gl) 2.2.1 1 UMSETZUNG DES MOORSCHUTZES IM KANTON GLARUS
Zur Umsetzung des Moorschutzes hat der Kanton Glarus ein zweistufiges Vorgehen gewählt. Um die Bewirtschaftung möglichst bald zu regeln, werden seit Abschluss der Detailkartierung Bewirtschaftungsverträge abgeschlossen. Nachdem sich die Bewirtschaftung eingespielt hat, wird voraussichtlich in einem weiteren Schritt für die meisten Gebiete von nationaler Bedeutung eine Schutzverordnung erlassen. HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ 2 BESCHREIBUNG DES GEBIETES
Das Gebiet der Weissenberge liegt auf einer Hangschulter hoch über der Ortschaft Matt zwischen rund 1'200 und 1'800 Meter ü.M. Während die begrenzenden felsigen Formationen aus Verrucano aufgebaut sind, besteht der Untergrund der Weissenberge vorwiegend aus Flysch. Die grossen, im Rahmen des Flachmoorinventars kartierten Moorflächen beschränken sich auf den gegen das Sernftal abfallenden, südwestexponierten Hangbereich. Sie liegen zwischen 1'280 mund 1'840 m, wobei sie ihre grösste Dichte im flachsten Hangbereich zwischen 1'600m und 1'800m erreichen. Zum weitaus grössten Teil handelt es sich um Kleinseggenrieder basischer bis saurer Ausprägung mit einer relativ geringen Streueproduktion. Im Längriet befinden sich ferner grössere Hochmoorflächen.
Zwar bildet das Gebiet geographisch eine Einheit, doch verläuft die Grenze zwischen den Gemeinden Engi und Matt quer über den Hang, zum Teil mitten durch die Moorflächen. Diese politische Grenze hat einen weitreichenden Einfluss auf die Erschliessung. So müssen die Streu- und Mähwiesen auf Gemeindegebiet Engi über relativ weite und schlechte Anfahrtswege von der Ortschaft im Tal aus genutzt werden, obwohl die Ställe der Landwirte von Weissenberg nur wenige Hundert Meter entfernt sind. Eine Nutzung durch die Matter Bauern ist jedoch nicht möglich, da zwischen den Gebieten der Gemeinden Engi und Matt keine befahrbare Verbindung existiert.
Die Landwirtschaft ist nach wie vor der Haupterwerbszweig der Be- Abb. 1: Die Sonnenterrasse Weissenwohner. Weissenberg zählt heute noch sieben landwirtschaftliche Be- berge vom Gegenhang aus gesehen. Unterhalb der Bildrnitte sind Ängistriebe. Mittelfristig ist aber nur der Fortbestand von fünf Höfen gesi- boden und Hinter Orenberg erkennchert. Der Höhenlage entsprechend wird ausschliesslich Viehwirt- bar, darüber im Wald die Rossweid. schaft betrieben. Nebst den Flächen in den Weissenbergen bewirt- Links der Bildrnitte erstreckt sich Ochsenbüel, rechts davon Weiden schaften sämtliche Betriebe auch eigenes oder gepachtetes La.n d im und daran anschliessend das Läng- Tal. Umgekehrt werden von Talbetrieben auch Flächen in den Weis- riet. senbergen genutzt. Foto: K. Marti
2.2.1 3 PFLEGEKONZEPT FÜR DIE WEISSENBERGE
3.1 Vorgehen bei der Ausarbeitung des Konzeptes
Bei mehreren Feldbegehungen in den Jahren 1991 und 1992 wurden vor Ort Überlegungen über wünschbare oder mögliche künftige Nutzungen der Moorflächen angestellt. Weitere Hinweise ergaben sich aus der Beobachtung der Umgebung (Zugänglichkeit, Intensität und Art der Nutzung der übrigen Flächen usw.). Parallel holten die Bear- 2 beiter in Gesprächen mit einzelnen Landwirten und der Gemeinde- HAND BUCH verwaltung weitere Informationen über das Gebiet und seine Bewirt- MOORschaftung ein. Gestützt auf diese Angaben wurden die Zielsetzungen SCHUTZ IN DER SCHWEIZ für die einzelnen Flächen grob skizziert. An einer öffentlichen Versammlung anfangs 1993 wurden die Bewirtschafter über die Zielsetzungen, die vorgeschlagenen Pflegemassnahmen, die Verträge sowie die Bewirtschaftungsbeiträge orientiert. Die anwesenden Gemeindevertreter sprachen sich für den Moorschutz aus und begrüssten die Bewirtschaftungsbeiträge als zusätzliche Finanzquelle für die Bewirtschafter. Anlässlich von Feldbegehungen im Sommerhalbjahr 1993 wurden zusammen mit den einzelnen Bewirtschaftern die Abgrenzungen sowie die Bedingungen der künftigen Nutzung festgelegt. Auf dieser Grundlage wurden die Bewirtschaftungsverträge und die dazugehörigen Bewirtschaftungspläne erstellt.
3.2 Zielsetzung des Konzeptes
Das Konzept zielt darauf ab, die Moorflächen im heutigen Umfang zu erhalten und deren Zustand, soweit notwendig, zu verbessern. Wie in anderen schlecht erschlossenen, moorreichen Gebieten entstehen in den Weissenbergen Konflikte mit dieser Zielsetzung weniger durch Nutzungsintensivierungen als vielmehr durch die Aufgabe der Bewirtschaftung der Streueflächen. Abhängig von der Hofnähe, Erschliessung und Bewirtschaftbarkeit stellt sich das Problem unterschiedlich stark. Es ist zu unterscheiden zwischen erschlossenen, meist hofnahen Mooren, den Mooren im Alpgebiet sowie den weitgehend unerschlossenen, brachliegenden Mooren entlang der Gemeindegrenze.
Unter Abwägung von Nutzen und Kosten wird es nicht in jedem Fall zweckmässig sein, die Bewirtschaftung mit allen Mitteln gewährleisten zu wollen. Selbst bei Ausrichtung von Bewirtschaftungsbeiträgen werden sich künftig kaum mehr genügend Landwirte finden, die auf all diesen Moorflächen wieder die traditionelle, regelmässige Streumahd aufnehmen und die Streue wegführen. Um das angestrebte Ziel dennoch zu erreichen, müssen daher Prioritäten gesetzt werden.
In erster Priorität soll mit Bewirtschaftungsverträgen die Streunutzung in erschlossenen, gut bewirtschaftbaren Gebieten sichergestellt werden. Dagegen werden die Hochmoorflächen vollständig aus der Bewirtschaftung genommen. .... .
In zweiter Priorität werden Lösungen_ gesucht, wie in den übrigen Gebieten die Verbuschung und Verwaldung von Moorflächen vermieden oder verzögert werden kann. Dies soll vorzugsweise durch eine regelmässige oder zumindest sporadische Mahd erfolgen, wobei die Streu nach Möglichkeit landwirtschaftlich zu verwenden ist. Wo unter diesen Umständen eine gelegentliche Mahd nicht mehr zu erreichen ist, sollen aufkommende Gehölze alle paar Jahre durch gezieite Entbuschungsaktionen zurückgedrängt werden. Neben den Mooren soll auch deren nähere Umgebung miteinbezogen und die Aufrechterhaltung einer extensiven Nutzung auf den umliegenden Flächen angestrebt werden.
3.3 Problemstellung und Lösungsansätze fiir hofnahe und erschlossene
Flächen
3.3.1 Beschreibung und Problemstellung
Als hofnah und erschlossen können die untersten Teilflächen des Objektes 1869, die Gebiete Ängisboden, Hüsli und Schiben, bezeichnet werden. In Teilbereichen erfolgt der Schnitt nicht mehr oder nur unregelmässig. Die Moore sind meist mustergültig ausgezäunt und werden nicht beweidet. Eutrophierungen der Moorflächen von den Rändern her sind praktisch keine zu beobachten. Konflikte mit Intensivierungen ergeben sich nur punktuell. Ebenfalls von Weissenberg aus erreichbar, jedoch bereits weiter entfernt, liegen die Teilflächen 5, 6 und 10 von Objekt 1869. Sie werden nicht mehr oder nur noch unregelmässig genutzt und weisen deutliche Ansätze zur Verbuschung auf.
2.2.1
HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Abb. 2: Moorbiotope von nationa- Erschlossene, bewirt- Unerschlossene Flächen: ler und regionaler Bedeutung im schaftbare Flächen: Be- N ach Möglichkeit Gebiet Weissenberge sowie konzep- wirtschaftungsvertrag periodischer Schnitt, VertiÜllelle Vorschläge zu deren Erhal- anstreben buschung verhindern tung (Massstab 1 : 20000). Quelle: Darstellung des Autors Erschlossene, verbuschte ~ . "'" Alpgebiet: Allenfalls peri- Reproduziert mit Bewilligung des Flächen: Entbuschung, odischer Schnitt, Verbu- Bundesamtes für Landestopogra- Bewirtschaftungsvertrag schung verhindern, bei phie vom 11. 7. 1994. anstreben grossflächig auftretenden Schäden Auszäunung Hochmoorflächen: Keine Bewirtschaftung, Auszäunung, Verbuschung verhindern
Abb. 3: Erfolgte Umsetzung: Abge- Flachmoore Hochmoore schlossene Verträge (Stand Januar 1994; Massstab 1 : 20000). 1 Schnitt pro Jahr Aus der Bewirtschaftung Quelle: Darstellung des Autors entlassen Reproduziert mit Bewilligung des Mindestens 1 Schnitt alle Keine Verträge Bundesamtes für Landestopogra- zwei Jahre phie vom 11.7. 1994.
.. Trockene Magerwiesen, PutTerzonen
1 Schnitt pro Jahr
zwei Jahre
2.2.1 Das Objekt 1871 sowie die Teilfläche 2 des Objektes 1869 sind von Engi her erschlossen. Objekt 1871 liegt inmitten ausgedehnter, arten- Stand der Umsetzung reicher Magerwiesen und wird noch alle zwei Jahre im September Bis auf die Teilfläche 2 im Alpbereich konnten für alle ergemäht. Teilfläche 2 gehört bereits zum Alpbereich. Obwohl sie nicht schlossenen Flachmoore Bewirtausgezäunt wird, sind praktisch keine Trittschäden festzustellen. schaftungsverträge abgeschlossen werden. Die verbuschten Flächen werden vorderhand so
3.3.2 Lösungsansatz für bewirtschaftbare Flächen
weit als möglich bewirtschaftet. Aufgrund der günstigen Voraussetzungen und mit Unterstützung von Nebst den Moorflächen wurden Bewirtschaftungsbeiträgen darf erwartet werden, dass die Streumahd auch trockene Magerwiesen unaufrechterhalten wird und auf den meisten erschlossenen, heute unge- ter Vertrag genommen. 2 nutzten Flächen, wieder eine geregelte Bewirtschaftung aufgenom- HAND BUCH men wird. Kann die jährliche Bewirtschaftung nicht sichergestellt MOOR· SCHUTZ werden, soll in einem Turnus von zwei bis maximal drei Jahren auf IN DER SCHWEIZ allen Flächen mindestens ein Schnitt angestrebt werden. So kann verhindert werden, dass ein Teil der Fläche durch Verbuschung verloren geht. Unter den gegebenen Umständen . Höhenlage, nährstoffarme Pflanzengemeinschaften . ist ein reduzierter Schnittrhythmus auf der gesamten Fläche einem jährlichen Schnitt nur auf einem Teil der Fläche vorzuziehen.
3.3.3 Lösungsansatz für verbuschte Flächen
In den erschlossenen, aber aufgrund der Verbuschung nur schlecht bewirtschaftbaren Parzellen wird ein differenziertes Vorgehen vorgeschlagen:
Entbuschung und Wiederherstellung der Bewirtschaftbarkeit auf mässig verbuschten Flächen, Wiederaufnahme der regelmässigen Bewirtschaftung.
Stark verbuschte Flächen werden der natürlichen Entwicklung überlassen.
Abb. 4: Gebiet Hinter Orenberg. Deutlich erkennbar ist die fortgeschrittene Verbuschung. Noch offene und wenig verbuschte Flächen sollen wieder instand gestellt und bewirtschaftet werden. Foto: G. Gelpke
3.4 Problemstellung und Lösungsansätze für den Alpbereich
Stand der Umsetzung
3.4.1 Beschreibung und Problemstellung Soweit keine Schnittnutzung
vorgesehen ist, erübrigen sich Der grösste Teil des bearbeiteten Alpgebietes ist im Besitz der Bür- Vertragsverhandlungen. Die gergemeinde Engi und wird von der Fitterenalp her bewirtschaftet, ein Bewirtschaftung einzelner kleinerer Teil von der Matter Alp Vorderegg. Die Bestossung der Flächen zur Selbstversorgung der Alpen mit Streu ist noch Alpen ist den Ertragsverhältnissen angepasst. Eine Erhöhung der nicht vertraglich geregelt. Stösse ist nicht zu erwarten. Das Vieh findet ausserhalb der Moore genügend Futter, so dass die Weideschäden gering sind.
3.4.2 Lösungsansatz .. . '. Eine gleichbleibende Nutzung vorausgesetzt, sind vorderhand keine zusätzlichen Auszäunungen notwendig. Sollte sich künftig, etwa aufgrund einer Bewirtschaftungsänderung, eine stärkere Belastung der Moore ergeben, sind zweckmässige Massnahmen einzuleiten (Auszäunungen, Erstellung eines Knebelweges, evtl. Betriebsberatung). Ein regelmässiger Schnitt der meisten dieser Flächen ist nicht vorgesehen, da eine rasch fortschreitende Verbuschung nicht zu befürchten ist. Sollten sich auf der einen oder anderen Fläche dennoch stärkere Verbuschungen einstellen, sind gezielte Pflege eingriffe zu prüfen.
3.5 Problemstellung und Lösungsansätze für brachliegende, unerschlossene Flächen
Entlang der Gemeindegrenze erstreckt sich das bis 700 m breite, kaum erschlossene Band von Wald, Mooren und Zwergstrauchheiden. Im Längriet und im Gebiet der Rossweid bilden die Moore zwei deutliche Schwerpunkte. Sie werden seit Jahren nicht mehr genutzt und liegen brach. Dennoch ist die Verbuschung grösstenteils gering.
3.5.1 Längriet
Beschreibung und Problemstellung: Das Längriet ist eine langgezogene, waldfreie Schneise zwischen dem Gebiet Weiden und dem Fitterenstäfeli. Hier finden sich, eingebettet in Flachmoore und Zwergstrauchheiden, grössere sekundäre und primäre Hochmoorflächen. Der unterste Teil des Längrietes ist flach und sehr nass. Er wird zusammen mit den angrenzenden Wiesen im Gebiet Weiden beweidet. Die höher gelegenen Moorflächen sind steiler und werden gelegentlich beweidet. In den vergangenen Jahren lagen sie
2.2.1 Abb. 5: Oberster Abschnitt des Längriets. Der gesamte Komplex von Flach- und Hochmooren sowie der Zwergstrauchheiden soll künftig nicht mehr bewirtschaftet werden. Foto: G. Gelpke
HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
brach. Sie sind mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen nur schwer erreichbar. Stand der Umsetzung Die Bürgergemeinde ist bereit, ihre Parzelle nur noch zur Lösungsansatz: Beweidung zu verpachten, wenn In diesem Gebiet soll künftig auf einen Streueschnitt verzichtet wer- die Moore ausgezäunt werden. den. Die von den Maschinen herrührenden Geländeschäden wären zu Für den unteren Bereich des Längrietes liegen noch keine gross. Ergebnisse vor. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht erscheint eine Beweidung nicht notwendig. Das Längriet soll daher ausgezäunt und vollständig aus der Bewirtschaftung genommen werden. Der bestehende Wanderweg, der stellenweise mitten durch Hochmoore führt, soll aus den Moorflächen in die Zwergstrauchheiden verlegt werden. Es kann nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden, wie sich der Nutzungsverzicht auswirkt. Die weitere Entwicklung des Gebietes muss auf jeden Fall verfolgt werden. Eine Verbuschung der Moorflächen oder ein Vordringen des Waldes in die Zwergstrauchheiden ist nicht erwünscht. Sollten solche Veränderungen eintreten, müssen gezielte Pflegeeinsätze vorgenommen werden.
3.5.2 Waldibach - Rossweid - südliches Ochsenbüel
Beschreibung und ProblemsteUung: Alle in diesem Gebiet liegenden Teilflächen 1 (unterer Teil), 3, 4 und 7 des Objektes 1869 sind mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen nicht oder nur sehr schwer zu erreichen. Die Moore liegen verhältnismässig hoch, sind meist sehr nass, weisen häufig eine Torfschicht von rund
einem Meter Mächtigkeit auf und sind nährstoffarm. Unter diesen Voraussetzungen ist nur eine langsam voranschreitende Verbrachung Stand der Umsetzung und Wiederbewaldung zu erwarten. Für die unerschlossenen Moorflächen des Objektes 1869 auf dem Gebiet der Gemeinde Matt Lösungsansatz: konnten Bewirtschaftungsverträ- Ein alljährlicher Streueschnitt ist nicht nötig. Hingegen soll zur Ver- ge abgeschlossen werden. Die Vertragsflächen, darunter auch hinderung der Verwaldung ein gelegentlicher Schnitt angestrebt werangrenzende Magerwiesen, werden (ca. alle 5 bis 10 Jahre). Denkbar sind auch verschieden intensive den alle 1-2 Jahre gemäht. Das Schnittnutzungen, je nach Zugänglichkeit der einzelnen Teilflächen. Mähgut wird mit Hornschlitten Die Verbuschung soll durch periodische Pflegeeingriffe verhindert oder an Seilen abtransportiert. Auf dem Gebiet der Gemeinde werden. Engi konnte bisher die Bewirtschaftung der wenigsten Moorflächen vertraglich geregelt werden. Da sich keine Bewirtschaf- Abb. 6: Gebiet Rossweid. Wie weit ter finden lassen, wird die Pflege die grossen, schlecht erschlossenen durch Dorfvereine diskutiert. Moorflächen wieder einer Bewirtschaftung zugeführt werden können, ist heute noch unklar. Foto: G. Gelpke
2.2.1 4 AUSBLICK
Durch die bisher geführten Vertragsverhandlungen wurde nicht nur die Wiederaufnahme bzw. die Fortführung einer extensiven Bewirtschaftung grösserer Flachmoore erreicht. Vielmehr konnte durch den Einbezug der Moorumgebung, insbesondere trockenerer Magerwiesen, der Fortbestand eines grossräumigen weitgehend zusammenhängenden Landschaftskomplexes sichergestellt werden, in welchem extensiv genutzte Magerwiesen, Hoch- und Flachmoore, Zwergstrauchheiden und Waldflächen ein vielfältiges Mosaik bilden. 2 HAND BUCH Dennoch ist die weitere Zukunft dieses Gebietes ebenso ungewiss, wie MOOR- SCHUTZ diejenige vieler anderer Moore, ist doch heute noch nicht absehbar, ob INDER SCHWEIZ die Bewirtschaftung längerfristig aufrecht erhalten werden kann oder ob der Trend zur Abwanderung aus dem Berggebiet und zur Aufgabe von Grenzertragsflächen anhalten wird. Um die Probleme anzugehen, wie sie sich im Falle der Weissenberge stellen, sind künftig möglicherweise Lösungsansätze nötig, die über den Moorschutz hinausgehen. Sie sind mit der Frage verknüpft, wie ein abgelegenes, weitgehend von der Landwirtschaft in Grenzertragslagen lebendes Bergdorf in Zukunft fortbestehen kann.
ANSCHRIFT DES AUTORS
Günther Gelpke Biologe dipl. phil II Ökologische Beratung Zentral strasse 7
8604 Volketswil
Handbuch Moorschutz in der Schweiz 2
PETER BOLLIGER / STEFAN LlECHTI
Beispiel eines Naturschutzkonzeptes - Kaltbrunner Riet 2.2.2 1 EINLEITUNG
1.1 Zurlage
Das Kaltbrunner Riet liegt in der Linthebene, im Kanton St. Gallen, auf dem Gebiet der drei Gemeinden Benken, Kaltbrunn, Uznach. Die im vorliegenden Beitrag gewählte Namengebung umfasst somit neben dem Kaltbrunner-Riet auch das Benkner- und Burger-Riet. Diese Teile sind als Einheit erlebbar und auch funktionell als Einheit zu se- 2 hen (v gl. Abb. 1). Im Inventar der Flachmoore von nationaler Bedeu- HAND Abb. 1: Überblick zur Lage des BUCH tung sind die drei Teilgebiete als Objekt Nr. 198 enthalten. Das Kalt- Kaltbrunner Rietes. MOOR· brunner-Riet umfasst gesamthaft 50 ha Streuland. Quelle: BERCHTOLD et al. (1988) SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
1.2 Streue wirtschaft um die Jahrhundertwende
Durch den Bau von Eisenbahnlinien im letzten Jahrhundert wurden Getreide-Importe ermöglicht, so dass in der Linthebene, wie überall in der Schweiz, vermehrt auf Viehzucht und Milchwirtschaft umgestellt wurde. Das führte zu einer eigentlichen Streunot, und die Nachfrage nach Riedstreu stieg so stark, dass man den Bauern empfahl, Futterwiesen durch Bewässern und Einpflanzen von Riedgräsern in Streuwiesen umzuwandeln. "Damit der Ertrag sich erhöhe, überwässern die Bauern ihren Riedteil, indem sie anfangs April vom Steinenbache her durch zahlreiche Gräben das Wasser hineinleiten, das bis in die ersten Augusttage stehen bleibt und diese Ländereien in ein eigentliches Sumpfgebiet verwandelt, in welchem in buntem Gemische alle diejenigen Pflanzenvereine auftreten, die dieser Lebensgemeinschaft eigentümlich sind" (Noll, 1924).
1.3 Die Melioration und ihre Folgen
Von 1941 bis 1964 wurde im Rahmen der Anbauschlacht und zur Arbeitsbeschaffung eine grossange1egte Melioration durchgeführt. Mit der Melioration wurden in der Linthebene 154 km Kanäle und Zementrohre eingelegt und 2'765 ha Land entwässert. Herzstück dieses Aderwerkes sind die Pumpwerke. Der Grundwasserstand ist unter das Niveau der Linth und des Zürichsees abgesenkt, während das Ried selbst höher liegt als das Umgelände. Als Folge der Melioration senkte sich das entwässerte Kulturland. Am stärksten erfolgen die Bodensackungen dort, wo torfige Böden vorhanden sind und wo in neuerer Zeit Mais angebaut wird. Gegen Ende der 70er Jahre trocknete das Ried aus, die offenen Wasserflächen verschwanden, die typischen Riedpflanzen drohten auszusterben, die Sumpf- und Wasservögel blieben aus.
Abb.2: Um die Jahrhundertwende war die Streu sehr begehrt. Es herrschte eine Streuenot. Die Linthebene war eine weite, offene Streulandschaft. Quelle: BERCHTOLD et al. (1988)
2.2.2 2 BISHERIGE SCHUTZBESTREBUNGEN Die Aufgaben der Reservatskommission
2.1 Hinweise zur Organisation Die Reservatskommission setzte sich für einen umfassenden, auf wissenschaftlichen Grundla- Seit längerer Zeit ist das Kaltbrunner Riet Gegenstand von Schutzbe- gen beruhenden und zukunftsstrebungen. Bis 1992 wurde das Riet durch eine direkt dem SBN weisenden Naturschutz ein: (Schweizerischer Bund für Naturschutz) in Basel unterstellte Kommis- • Sie war besorgt für die Erweiterung des Schutzgebietes sion betreut. 1989 wurde eine Geschäftsstelle mit einem teilzeitangestellten (20%) Geschäftsführer geschaffen, welcher die vielfältigen durch freiwillige Verträge
Sie plante die Ende der Naturschutzaufgaben im Kaltbrunner Riet und seinem Umfeld bear- 70-er Jahre notwendig geworde- HAND nen Sanierungsmassnahmen BUCH beitet. Mit dem Erlass der Schutzverordnung wurde 1987 von den Ge-
Sie erarbeitete und bereinig- MOORmeinden Benken, Kaltbrunn und Uznach eine Schutzgebietskommis- SCHUTZ te die Schutzverordnung IN DER
Sie entwickelte ein umfas- SCHWEIZ sion zur grenzüberschreitenden Behandlung der Naturschutzaufgaben eingesetzt. In die Kommission wurden neben Gemeindevertretern sendes Schutzkonzept, das 1988 publiziert und an einer Fachtaauch der Landwirtschaftsberater und Naturschutzfach1eute gewählt. gung vorgestellt wurde. Auf Ende 1992 wurde die Reservatskommission aufgelöst. Seither • Sie regte die Erarbeitung liegt die Verantwortung bei der Schutzgebietskommission und der eines Landschaftsentwicklungskonzeptes für die gesamte Linthkantonalen Sektion des Naturschutzbundes, dem SANB. ebene an.
2.2 Vom Artenschutz zum Biotopschutz
Bei der Schaffung des Reservates um die Jahrhundertwende galten die Schutzbemühungen hauptsächlich der Lachmöwe (Abb. 3). Zu ihrem Schutz wurde ein Wärter angestellt, um das Sammeln der Eier zu verhindern. Im Verlauf dieses Jahrhunderts wurde jedoch die Biotopzerstörung zur zentralen Bedrohung, so dass allmählich der Biotopschutz in den Vordergrund rückte. Diese Schutzbemühungen konnten allerdings nicht verhindern, dass anfangs der 80-er Jahre Sanierungsmassnahmen im Betrage von rund 400'000 Franken ergriffen werden mussten. Parallel dazu wurde ab 1981 die Ausarbeitung einer gemein- Abb.3: 1914 galten die ersten deübergreifenden Schutzverordnung an die Hand genommen. Dabei Schutzbemühungen dem Schutz der Lachmöwe, deren Bestand durch wurden die drei betroffenen Gemeinden von der Reservatskommis- Eierraub auf vier Brutpaare zusamsion unterstützt. Der SBN übernahm die Bestandesaufnahme, die mengebrochen war. Heute nisten Ausarbeitung von Verordnungsplan und Verordnungstext sowie die wieder Hunderte von Lachmöwen in einer grossen Kolonie. Dagegen Gespräche und Bereinigungsverfahren mit allen beteiligten Grundeiist der Grosse Brachvogel, ein einst gentümern, Gemeindebehörden und kantonalen Amtsstellen. Im J ah- häufiger Brutvogel des Kaltbrunner re 1987 konnte eine einheitliche Schutzverordnung in Kraft gesetzt Rietes, im Jahre 1981 ausgestorben. werden. Foto: H. NoH
Abb.4: Noch heute nisten Hunderte von Lachmöven in einer grossen Kolonie. Foto: H. NoH
--
-- Privatrechtliche und öffentlich· rechtliche Bemühungen und Er· folge zum Schutz des Kalt· brumler Rietes
Grossseggenried ·. 1920: Pachtvertrag über 3,7 ha Entenseeli und Umland 1939: Kaufvertrag über 25 ha Riedland Kaltbrunner Riet 1960: Bewirtschaftungsvertrag über 1,7 ha Besenried 1983: Aufnahme ins Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung 1984: Dienstbarkeitsvertrag Dennoch war die Reservatskommission besorgt um die Zukunft des über 7,1 ha Ried- und Weide- Kaltbrunner Riets, weil verschiedene grundsätzliche Probleme nach land 1987: Erlass einer Schutzverwie vor ungelöst blieben: ordnung durch die Gemeinden
Nach der Sanierung konnte zwar der Wasserstand recht genau ein- 1987: Pachtvertrag über 4,7 ha gestellt werden. Es wurde aber befürchtet, mit der Bewässerung aus Wies- und Streue land beim Pumphaus und Zweierseeli dem Steinerbach könnten Nährstoffe ins Ried eingetragen werden. 1990: Aufnahme ins Inventar
Viele jüngere Bauern hatten nur ein geringes Interesse am Schnitt der Flachmoore von nationaler der Streue. Bedeutung
Das Ried liegt höher als das landwirtschafltlich intensiv genutzte 1990: Aufnahme in die Liste der Feuchtgebiete von interna- Kulturland und muss künstlich bewässert werden. tionaler Bedeutung (Ramsar- Getragen von diesen Sorgen, entwickelte eine Arbeitsgruppe aus Mit- Konvention) gliedern der Reservatskommission und einer Reihe beigezogener Spe- 1991: freiwillige Erweiterung um 3,3 ha im Hinteren Benkner zialisten von 1983 bis 1987 ein Schutzkonzept mit breit abgestützten Riet Zielen und Massnahmen (vgl. OESCH, 1993).
2.2.2 3 GRUNDLAGEN DES SCHUTZKONZEPTES Im Rahmen des Schutzkonzeptes wurden durch Spezialisten Im Rahmen des Schutzkonzeptes wurden zum Artenschutz, zum Biofolgende Erhebungen durchgetopschutz und Biotopverbund sowie zum Landschaftsschutz und zur führt: Landschaftsentwicklung Ziele und Massnabmen erarbeitet. Vordringlichstes Ziel des Schutzkonzeptes war die Erhaltung der für die Lint- • Pflanzensoziologische Kartierung hebene typischen Lebensräume seltener Pflanzen- und Tierarten. Dies • Brutvogelkartierung bedeutet, die Riedwiesen, die Wasserssächen und das mässig intensiv • Kleinsäugerinventar genutzte Dauergrünland mit ihrer Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten • Amphibien- und Reptilien- und zu fördern. • inventar Libelleninventar HAND
Tagfalterinventar BUCH Obwohl zum Kaltbrunner Riet verschiedene Untersuchungen vorla- • Heuschreckeninventar MOOR· SCHUTZ gen, waren ergänzende, zielgerichtete Grundlagen und Inventare not- IN DER SCHWEIZ wendig. Aus zeitlichen und finanziellen Gründen mussten die zoologischen Aufnahmen auf wenige, relativ gut bekannte und aussagekräftige Tiergruppen beschränkt werden. Die beigezogenen Spezialisten wurden mit folgenden Aufgaben betraut:
Aufarbeiten früherer Angaben
Zielgerichtetes Inventarisieren
Erstellen eines Berichtes mit Emfpehlungen für Schutz- und Gestaltungsmassnahmen
Aktive Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Schutzkonzept.
Die von den einzelnen Sachbearbeitern formulierten Ziele und Massnahmen wurden diskutiert und aufeinander abgestimmt. Am 30. April 1988 hiess die Reservatskommission das vorgelegte Konzept einstimmig gut (vgl. Abb. 5).
3.1 Vegetation und Flora als Grundlage des Schutzkonzepts
Die Flora des Kaltbrunner Riets ist vor allem dank den Aufzeichnungen von Dr. Heinrich Seitter ausführlich beschrieben. Da das Kaltbrunner Riet eine ganze Anzahl sehr seltener Pflanzenarten in teilweise kleinen Populationen aufweist, wird die floristische Bearbeitung gezielt weitergeführt.
Um eine möglichst grosse Aussagekraft der Vegetationskarte zu erreichen, wurde die Vegetation sehr detailliert aufgenommen, das heisst, mit einer feinen und den lokalen Verhältnissen angepassten Einteilung der Pflanzengesellschaften. Das ganze Streuegebiet wurde im Juni 1985 kartiert.
Erkennen von Eutrophierung Austrocknung Isolation Störungen Problemen Besucher
Standortsveränderungen, Vegetationsveränderungen, Verlust von Pflanzen- und Tierarten, Störungen von Tierarten
Analyse, Planung Welches sind die Ursachen der Probleme? Welche Grundlagen sind erforderlich? Zielformulierung Welche Wirkungszusammenhänge bestehen? Welche Spezialisten sind beizuziehen
Erheben und Vegetation und Flora Fauna (Tiergruppen als Beispiel) Einbeziehen von Grundlagen Vegetation Flora Vögel Amphibien Säugetiere (Beispeile)
Massnahmen Nährstoffein- Förderung zusammen- Erweitern der Aufwerten der aus sektorieUer trag minimie- seltener Arten, hängende und Laichg wä r Grabenufer Sicht ren z.B. Lungen störungsfreie für Laubfrosch, für die Sumpf- (Beispiele) Enzian Riedflächen Kamm- Lind spitzmaus erhalten Teichmolch
Konflikte Wasserstand für Limikolen Wasserstand aus Sicht der Vegetation und (Beispiel) und für Libellen anheben der Tagfalter absenken
Gesamtbeurtei- Wasserstand im Frühjahr zur Limikolen-Zugzeit anheben, danach absenken lung (Beispiel)
Schutzkonzept Ziele :. Artenschutz, Biotopschutz, Biotopverbund, Landschaftsentwicklung Langfristige Erhaltung und Aufwertung des Kaltbrunner Riets und seines Umfeldes als Lebensraum von Pflanzen und Tieren. Erhaltung eines letzten Restes einer traditionellen Kulturlandschaft durch Bewirtschaftung. Die Massnahmen sind folgenden Sachbereichen zugeordnet:
Bodenwasserhaushalt - Ergänzungsflächen
Stehende Gewässer - Infrastruktur, Information, Besucher
Gräben und Kanäle - Aufsicht- und Vollzug, Wissenschaft!. Betreuung
Riedflächen, Feuchtwiesen - Erfolgskontrollen
Adressaten Gemeinden private Grund- Linthebene- Landwirtschaft!. (Beispiele): eigentümer Melioration Berater
Kanton Korporationen Bewirtschafter Öffentlichkeit Bund (BUWAL) Besucher
Abb. 5: Ablaufschema und Methodik zum Schutzkonzept Kaltbrunner Riet. Quelle: Darstellung der Autoren
2.2.2 Die Bearbeitung im Jahre 1984 erlolgte noch ohne stereoskopische und photogrammetrisehe Auswertung von Luftbildern. Bei einer vergleichbaren Aufgabe ist aus heutiger Sicht der professionelle Einsatz von Luftbildern sehr zu empfehlen (vgl. Band 1, Kapitel 5.1). Die Vegetationskarte im Massstab 1 : 2'500 bildete bei der Erarbeitung des Schutzkonzeptes eine unentbehrliche Grundlage. Sie wurde beispielsweise zur Festlegung des Bewässerungsregimes und bei der Diskussion von Schutz- und Gestaltungsmassnahmen beigezogen.
Ein wichtiges Ziel der Vegetations untersuchungen im Kaltbrunner Riet bestand darin, die Abhängigkeit der Pflanzengesellschaften von HAND BUCH bestimmten Standortsfaktoren zu ermitteln, um daraus Rückschlüsse MOOR· SCHUTZ auf die Bewirtschaftung zu ziehen. Hierfür wurden die Pflanzengesell- IN DER SCHWEIZ schaften mit ökologischen Zeigerwerten (vgl. LANDOLT, 1977) hinsichtlich ihres Standortes charakterisiert und die Höhen der Kartierungsflächen aufgenommen. Dies erlaubte, den Zusammenhang von Wasserführung des Standortes und Vegetation in Form von Grundwasserlinien darzustellen (vgl. Abb. 6).
3.2 Dauerbeobachtungsflächen Abb.6: Grundwasser-DauerJinien
der Pflanzengesellschaften des Kaltbrunner Rietes in der Hüttenwiese. Das Überprüfen der Vegetationsentwicklung war ein weiteres wichti- Die horizontalen Linien stellen die ges Ziel. Es muss kontrolliert werden, ob die durchgeführten Pflege- Geländehöhen konkreter Vegeta- und Bewirtschaftungsmassnahmen erlolgreich sind und wirklich zu tionsaufnahmen dar. Die dick ausgezogene Linie ist die eingestellte den angestrebten Zielen führen. Um Veränderungen frühzeitig und Wasserhöhe der letzten Jahre. Im zuverlässig zu erkennen, ist die Dauerbeobachtung der Vegetation ein punktierten Bereich liegen die mitgeeignetes Mittel. telfeuchten Pfeifengraswiesen (1), darüber die trockenen Pfeifengras- Im Übergangsbereich zwischen den Grosseggenriedern und den Pfeiwiesen (2), darunter die Steifseggenfengraswiesen wurden auf drei Transekten 12 Dauerbeobachtungsflä- rieder (3). Dieses Resultat ist erchen von je 4 m2 angeordnet. Sie werden periodisch betreffend ihrer staunlich und mahnt zu grösster Vorsicht bei der Anhebung des Was- Meter über Meer serstandes in der Hüttenwiese. Mit der Anhebung um nur 15 cm könn- 408.00 2 ten trockene Pfeifengraswiesen in :::: ::::: I ::::::::: I: ::::: :1-;':::::::::::::::::::: ::::::::::::::: Grosseggenrieder umgewandelt Quelle: BERCHTOLD et al. (1988) 407.60
407.40
I
Jan Feb Mär Apr Mai Jun JuJ Aug Sep Okt NovDez
Artenzusammensetzung untersucht. Das Ziel ist nicht eine möglichst umfassende Untersuchung, sondern das Überwachen der Vegetationsentwicklung mit möglichst geringem Aufwand. Auf den Dauerbeobachtungsflächen wird seit 1986 jährlich im Juni eine Aufnahme nach Braun-Blanquet durchgeführt. Eine vorläufige Bilanz im Jahre 1992 zeigte, dass seit 1985 nur wenige Arten einigermassen gesichert zu- oder abgenommen haben.
3.3 Faunistische Inventare als Grundlagen des Schutzkonzeptes
Um den Aufwand in Grenzen zu halten, wird sich die faunistische In- " ventarisierung eines Gebiets in der Regel auf einige wenige Tiergruppen beschränken müssen (vgL Anhang 1). Im Falle des Kaltbrunner Rietes war es möglich, eine ziemlich umfassende Aufnahme vorzunehmen und damit für die Studentinnen und Studenten an der Ingenieurschule Rapperswil ein gut dokumentiertes Beispiel zu schaffen.
Die Ziele einer faunistischen Bestandesaufnahme können wie folgt umrissen werden: Abb. 7: Zu Zeiten von Hans Noll
Überblick über die vorhandenen Tiergruppen bzw. Tierarten erar- war der Grosse Brachvogel ein häufiger Brutvogel in der Linthebene. beiten. Welche Gruppen und Arten kommen vor und müssen bei der Seit 1981 ist er ausgestorben. Festsetzung der Massnahmen berücksichtigt werden? Foto: H. NoH
Kenntnisse über die Verbreitung der Arten bzw. Artengruppen innerhalb des Bearbeitungsperimeters erlangen, um die gewünschten Massnahmen räumlich zuordnen zu können. Wo kommen welche Arten vor?
Zusammentragen von Angaben zu den Lebensraumansprüchen und zur Gefährdung der einzelnen Arten bzw. Artengruppen. Welche Arten sollen gefördert werden? Welche Massnahmen sind dazu geeignet? Welche Ansprüche müssen berücksichtigt werden?
Die faunistischen Daten stellen somit eine Verfeinerung und Ergänzung der Vegetationsdaten dar. Sie können vielseitig verwendet werden und erlauben das Erarbeiten gezielter Massnahmen (vgL Abb. 9).
Tabelle 1 enthält die Erhebungsmethoden und die Ergebnisse der Bestandesaufnahmen sowie die daraus resultierenden Massnahmenvorschläge. In Anhang 2 sind die methodischen Möglichkeiten zur Bewertung der einzelnen Arten und der Ableitung der Massnahmen detailliert dargestellt.
2.2.2 Vögel Methode 1Aufwand: sehr gute Beobachtung über Jahrzehnte
10 Begehungen, wobei 6 besonders der Kartierung der Brutvögel dienten
Ergebnis: Artenzahl: 72 Brutvögel, davon 22 Arten der Roten Liste Das Kaltbrunner Riet ist ein wichtiger Lebensraum für viele Brutvogelarten und ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel und Nahrungsgäste (Inventar 1985/86; vgl. Anhang 2). Massnahmen: Riedflächen zusammenhängend und störungsfrei erhalten (keine neuen Wege) 2 Baumreihen und Gehölzgruppen entfernen, jedoch einzelne Laubbäume HAND in Wassernähe stehen lassen BUCH Ausweiten der extensiv genutzten Flächen MOOR· SCHUTZ Erhalten von Altschilfbeständen in grösseren Flächen IN DER SCHWEIZ Amphibien I Reptilien Methode 1Aufwand: Einzelne Daten früherer Beobachtungen lagen vor Beobachten der Fauna an vier Tagen bzw. Nächten Zusätzliches Erheben der Wanderbewegungen an der Strasse von Uznach nach Benken an zwei Tagen sowie ein Zaun als Artenschutzaktion lieferten wertvolle Hinweise Ergebnis: Artenzahl: 9 Amphibien und 4 Reptilien, darunter seltene Arten, wie Laubfrosch, Kammmolch und Teichmolch (Inventar 1986/87) Das Kaltbrunner Riet ist ein Objekt von nationaler Bedeutung Massnahmen: Abb.8: Grosser Moorbläuling (Ma- Erhalten und erweitern der Laichgewässer für Laubfrosch, Kammmolch culinea teleius) bei der Paarung auf und Teichmolch dem Blütenstand des Grossen Wie- Anlegen von Hecken an sonnigen Stellen als Sommerlebensraum für senknopfs (Sanguisorba officinalis). Laubfrösche Foto: P. Bolliger Offenhalten sonniger Böschungen an Gräben für Grünfrösche und Ringelnatter Verbessern der Laichmöglichkeiten in den Gräben für den Grasfrosch Tab. 1: Methoden und Ergebnisse der faunistischen Bestandesaufnah- Tagfalter me im Kaltbrunner Riet sowie Methodel Aufwand: Vorschläge für Massnahmen am Einfangen der Tagfalter mit Netzen Beispiel einzelner Tiergruppen ergänzende Sichtbeobachtungen mittels Feldstecher und Stichprobenfängen zur Bestätigung Ergebnis: Artenzahl: 25, davon 5 Arten der Roten Liste (Inventar 1985/86) Das Kaltbrunner Riet beherbergt viele seltene Arten; die Artenzahlliegt aber unter den Erwartungen Massnahmen: Erhalten der feuchten bis wechselfeuchten, aber nicht nassen Streuwiesen Lenken der Streuernte (nicht vor dem 15. September, Rotationsprinzip) Wertmässig untergeordnete Streuwiesen temporär verbuschen lassen Ausweiten der extensiv genutzten Flächen Anstelle der Baumreihen lockere Niederhecken und Einzelbäume anlegen Später Schnitt von Flächen mit Lungen-Enzian
. .
4 DAS SCHUTZKONZEPT
Im Rahmen des Natur- und Landschaftsschutzkonzeptes Kaltbrunner Riet wurden zu folgenden Sachbereichen Ziele und Massnahmen formuliert: Wasserhaushalt und Gewässer, Riedflächen und Feuchtwiesen, Ergänzungsflächen, Gehölze, Aufsicht und Vollzug, Infrastruktur und Information, Erfolgskontrolle. Am Beispiel des Wasserhaushalts und der Gewässer wird eine Auswahl von Zielen und Massnahmen aufgezeigt (vgl. Tabelle 2).
Tab. 2: Massnahmen im Bereich .: . RäumJiche Begrün- Wasserhaushalt Massnahmen Zuordnung P dung Förderung von: A: Amphibien
1 Die traditionelle Riedbewässerung im Kalt- Möwenre- 1 FVBZ B: Brutvögel
brunn er Riet ist sachgerecht weiterzuführen. servat ALTH F: Flora H: Heuschrecken
2 Der Nährstoffeintrag und die Sediment- Möwenre- 1 FVL K: Kleinsäuger
fracht durch Bewässerungswasser muss servat L: Libellen minimiert werden. R: Reptilien T: Tagfalter
3 Die Absenkung des Grundwassers im Herbst Möwenre- 1 FVZA V: Vögel
zur Streuernte soll möglichst kurz dauern, um servat LT Z: Zugvögel einer Mineralisation und Sackung der organischen Böden und der Dämme vorzubeugen. Prioritäten: PI: wichtig und dringend
4 Die überfluteten Bereiche im Kaltbrunner Möwenteich 1 BLH P2: wichtig mittelfristig
Riet sind zugunsten der Lachmöwenkolonie Hüttenwiese mit ihren Begleitern sowie der seltenen Libellen zu erhalten.
5 Wasserstandsschwankungen von mehr als Hüttenwiese 1 BH
10 cm in der Vegetations- und Brutzeit sind zu vermeiden, um die Brutvögel nicht zu gefährden und die Kurzflüglige Schwertschrecke erhalten zu können.
6 Die überfluteten Bereiche dürfen sich v.a. Hütten- 1 FVTH
nicht auf Kosten der feuchten, nährstoffarmen wiese und sowie der trockenen Streuwiesengesellschaf- Töniriet ten ausdehnen, weil dies Lebensräume sind für eine sehr reiche Flora und viele z.T. seltene Tagfalter und Heuschrecken.
7 Für Libellen ein grosses flaches, perma- Zweierseeli 2 L
ne nt fischfreies Gewässer anlegen (ca. vier oder Ostecke Aren, max. 1m tief). Töniriet
8 Neues Baggerloch zugunsten der Amphi- Verbin- 2 A
bien ausheben, speziell für Laubfrösche. dungs graben
2.2.2 Abb. 9: Der Plan zeigt ausgewählte Gestaltungs- und Pflegemassnahmen wie sie in Tab. 2 zusammengestellt sind. Viele der 1988 vorgeschlagenen Massnahmen konnten unterdessen realisiert werden, z.B. die Umnutzung angrenzender Wiesen (schraffierte Flächen), die Sperrung des Weges in der Brutzeit oder die Schaffung fischfreier Gewässer für Amphibien und Libellen. Quelle: Darstellung der Autoren 2 Massnahmen betreffend: HAND BUCH o Wasserhaushalt, Gewässer MOOR- SCHUTZ
o Riedflächen und Ergänzungsflächen IN DER SCHWEIZ
6 Gehölze
o Infrastruktur Wegsperrung
1 Bodenwasserhaushalt
2 Stehende Gewässer
3 Entwässerungsgräben, Kanäle
4 Riedflächen
5 Ergänzungsflächen
6 Gehölze
7 Aufsicht und Vollzug
8 Infrastruktur
9 Erfolgskontrolle
Die Nummern beziehen sich auf das Schutzkonzept (BERCHTOLD et al.,1988).
Abb. 10: Die Baumreihen in unmittelbarer Nähe des Rietes, welche die ehemals weite Landschaft stark kammern, wurden u.a. auf Empfehlung der ornithologischen Sachbearbeiter entfernt. Lediglich einzelne Birken blieben bestehen, und durch Kappen einiger Weiden wurde die Entwicklung von Kopfweiden eingeleitet. Foto: P. Bolliger
5 DISKUSSION, FOLGERUNGEN, AUSBLICK
Während die Prioritäten und Ziele aus landschaftlicher und biologischer Sicht durch Fachleute bestimmt wurden, bewährte es sich, für die Massnahmen mit dem Landwirtschaftsberater, den Grundeigentümern und den Bewirtschaftern zusammenzuarbeiten. Damit konnten betriebswirtschaftliehe Anliegen frühzeitig miteinbezogen werden. Das war dort besonders wichtig, wo verschiedene Möglichkeiten bestanden, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Die Erarbeitung des Schutzkonzeptes Kaltbrunner Riet war ein langer Prozess, der manchmal viel Geduld erforderte. Es spielten nicht nur landschaftliche und biologische -Gegebenheiten eine Rolle, sondern auch landwirtschaftliche Gesichtspunkte, politische Faktoren und psychologische Aspekte. Denn nicht nur das Resultat auf dem Papier oder draus sen in der Landschaft ist wichtig, sondern auch das gegenseitig wachsende Verständnis im Prozess des Erarbeitens.
Die Verantwortlichen der Linthebene-Melioration erkannten die Notwendigkeit, ein umfassendes Landschaftsentwicklungskonzept zu erarbeiten. Es umfasst den gesamten Meliorationsperimeter der Kantone St. Gallen und Schwyz und beruht auf speziell erhobenen Boden- und Wiesenkartierungen und der Aufnahme aller naturnahen Lebensräume. Es wurde 1993 abgeschlossen und dient nicht nur dem Auftraggeber, der Melioration, bei der Planung und Projektierung von Sanierungsmassnahmen. Auch andere Adressaten haben mit dem Landschaftsentwicklungskonzept eine Richtschnur und Orientierungshilfe für alle Planungen und Tätigkeiten, die sich auf die Landschaft auswirken, erhalten.
2.2.2 LITERATUR ANSCHRIFT DER AUTOREN
BER HTOLD U.I BOLLlGER Peter Bolliger P.I BRUNNER, S. (Hr g., J 988): Ingenieur chule lTR alu!" chutzkonzept KaJlbrunner Abt. Land chaft architektur Riet. Aotbos spezial 1988. 8640 Rapperswil
LA D LT E. (1977): Ökologiscbe Slefan Liechti. Zeigerwerte zur Schweizer Flora. IngenieurscbuJc lTR Veröff. Geobo1. 10 1. ETH, tiftung Abt. LandschaflSal'chitektur Rübel: 64, Zürich. 8640 Rapper wil NOLL, H. (1924): Eine Studie über HAND die Vogelwelt de Linthriedes. BUCH chweiz.-Deut cher Verlag für MOOR- SCHUTZ Jugend und Volk, Wien. IN DER SCHWEIZ
OESCH, T. (1993): Landschafts- VERDANKUNG Entwicklung konzept Linthebene. Kurzbericht, Linthebene-Melioralion, Uznacb 36 S. Wrr drulken Patrik Wiedemejer für die kritische Durchsiebt d r Tabelle "Tiergruppen als Bioindikatoren für Moorgebiete ".
Handbucb MOO1 obutz in der Schweiz 2 1.11995
ANHANG 1
Tiergruppen als Bioindikatoren für Moorgebiete
Tiergmppe Vögel Amphibien Reptilien Säugetiere
Anzahl in Moor- artenreich wenig artenreich wenig artenreich mässig artenreich gebieten
Erkenn-und sehr gut erfassbar: die meisten sehr schwer erfassbar schwer erfassbar: Erfassbarkeit - relativ grosse gut erfassbar - führen oft ein un- .: . Tiere v. a. akustisch: auffälliges Dasein
fliegen dämmerungs- und - häufig nacht- und
sind tagaktiv, sin- nachtaktiv dämmerungsaktiv gen von Warten - oft nur indirekte aus Beobachtung mög-
auch akustisch lich (Kot, Fährten, gut erfassbar Frassspuren, Fa lIenfänge)
Artbestimmung einfach (viele Adulte einfach einfach zum Teil schwierig Ornithologen)
günstige Jahres- Brutzeit April-Juni, Laichzeit Frühling je nach Art zeiten Durchzugszeiten März-Juni
Breite der ökolo- sehr viele hoch- spezialisierte Arten spezialisierte Arten einige Spezialisten gischen Nische spezialisierte Arten
Ökologische sehr gut bekannt sehr gut bekannt sehr gut bekannt wenig bekannt Ansprüche
Verbreitungs- und sehr gut bekannt sehr gut bekannt gut bekannt wenig bekannt GefährdlIssgsgrad
für Bewertung gut geeignet gut geeignet geeignet teilweise geeignet
Hinweise für - Landschaftstyp - Laichgewässer - Kleinstrukturen - grössere Land- Schutz-, Pflege- (offen, Gehölze) (Tiefe, Struktur) schaftsräume und Gestaltungs- - Ruhezonen, - J ahreslebens- - Strukturreichtum massnahmen Wegsperrung räume - Schnittrhythmus betreffend - Schnittzeitpunkt - Verbindungswege von Ried/Wiesen - Wasserstand
2.2.2
Libellen Tagfalter Heuschrecken
artenreich artenreich mässig artenreich
gut beobachtbar: gut beobachtpar gut erfassbar v. a. HAND - als Fluginsekt oder (als Fluginsekt) auch akustisch BUCH als Larvenhäute MOOR- (Exuvien) SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
relativ einfach zum Teil schwierig relativ einfach Abb. A.l: Laubfrosch (Hyla arbarea)
Eiablage Mai-Juni Mai-August Juli-September
viele spezialisierte viele hochspeziali- spezialisierte Arten Arten sierte Arten
gut bekannt sehr gut bekannt gut bekannt
gut bekannt sehr gut bekannt mässig gut bekannt
gut geeignet gut geeignet gut geeignet
Struktur von Ge- - Vegetations- - Vegetationswässern und ihrer struktur struktur Ufer - einzelne Pflanzen- Wasserstand
Wasserqualität arten (monophage - Schnittzeitpunkt Raupen) und Schniurhyth-
Blütenreichtum mus der Umgebung
Schnittzeitpunkt und Schnittrhythmus
ANHANG 2
Methodisches Vorgehen, dargestellt am Beispiel der Vögel (Auszug) Tab. Al: Gefährdete Brutvogelarten des Kaltbrunner Rietes und ihre Bewertung
A VOGELART B C D E F A Rote Liste, Gefährdungs- bzw. Seltenheitskriterien B Rote Liste, zoogeographische
2 Drosselrohrsänger 0 1 86 1 III
Klassierung
4 Braunkehlchen 0 1 86 II
3 Feldschwirl 0 1 86 II
o Arten, welche in der traditionellen Kulturlandschaft weit verbreitet waren
1 Gr. Brachvogel 0 1 1976-85 2a I
o Arten in geographischen Rand-
1 Zwergreiher 0 1 1976-85 III
zonen ihrer Verbreitung
2 Wachtel 0 1 1976-85 I
5 Tüpfelsumpfhuhn 0 1 1976-85 I C Lebensraumbewertung
1 Wachtelkönig 0 1 1976-85 2b I 1 Sehr seltene Lebensräume
1 Bekassine 0 1 1976-85 I 2 Relativ seltene Lebensräume
5 Rohrweihe 0 1 1976-85 III
D Brut: 1986, 1976-1985
2 Gelbspötter 0 2 86 3 IV E Bewertung der Arten
3 Baumfalke 0 2 86 IV 1 mit höchster Priorität zu schützen
5 Rohrschwirl 0 2 86 4 III 2 mit hober Priorität wieder ansie-
5 Schwarzhalstaucher 0 2 86 V dein und fördern
3 mit hoher Priorität erhalten und fördern 4 nach Möglichkeit zu schützen Zielgruppe Massnahmen (Beispiele) F Zielgruppe I auf extensive Wiesen und Riede Im Ungedüngte und mässig gedüngte, ein- bis zweischürige, ohne Strukturen angewiesen ab Juli geschnittene Heuwiesen fördern. II auf extensive Wiesen und Riede mit vereinzelten Strukturen an- I/II/m Gehölzgruppen und Baumreihen, die an Feuchtgebiete gewiesen angrenzen, sukzessiv nutzen und nicht mehr ersetzen. III auf dichtes Röhricht angewiesen IV auf Gehölze in Wassernähe anm Die zusammenhängenden, im Wasser stehenden Schilf- gewiesen röhrichtbestände in ihrer Ausdehnung erhalten. Bei der V auf offene Wasserflächen mit Pflege darauf achten, dass dauernd grössere Flächen deckungsreichen Ufern angewie- Altscbilfbestände zur Verfügung stehen. sen VI wenig spezialisierte Arten IV/VI Alte, schön entwickelte Laubbäume und einzelne Baumgruppen in Gewässernähe erhalten.
v Offene Wasserflächen mit ihren seichten, dicht bewachsenen Ufern erhalten.
Tab. A2: Massnahmen zur Förderung der einzelnen Zielgruppen (Vögel) im Kaltbrunner Riet
BLAISE MULHAUSER/CHRISTIAN CLERC
Pflege der Grande Cari~aie - Erkenntnisse nach zehniähriger Erfahrung 2.2.3 1 EINLEITUNG
1.1 Ausgangslage
Das grösste naturnahe Ufer-Ökosystem der Schweiz erstreckt sich entlang des Südostufers des Neuenburgersees. Es umfasst 2'000 ha Flachwasserzone, 800 ha unbewaldete Moore und 800 ha Bruch- und Feuchtwälder. Zum Land hin wird es von Molassefelsen begrenzt, von denen 350 ha mit Hangwäldern bewachsen sind (vgl. Abb. 1). Diese HAND BUCH Abb. 1: Übersicht über die verschie- 4 Uferbank mit Flachwasserzone 9 Hangwald MOORdenen Lebensräume am Südostufer SCHUTZ Ufer-Röhricht IN DER des Neuenburgersees. 5 10 versumpfte Lichtungen SCHWEIZ
1 Uferlinie vor der Senkung 6 Fliessgewässer (Verbindungs- 11 Uferwald/Auwald
des Wasserspiegels um element zwischen dem Ufer 3 m (1880) und dem Hinterland) 12 Kleinseggenried
2 Zufahrt 7 Kulturland (Hinterland) 13 Grosseggenried
3 Weiher 8 Molasse-Fluh 14 bewaldete Sandbank
fast 40 km2 grosse Ufereinheit erhielt den Namen "Grande Cari~aie" (ANTONIAZZA / MANUEL, 1991), da sie heute zu einem beachtlichen Teil aus Grosseggenrieden besteht.
Die Grande Cari~aie entstand vor knapp einem Jahrhundert als Folge der Ersten Juragewässerkorrektion (1869-1888). Eine der auffallendsten Auswirkungen dieser Korrektion war die Senkung des Wasserspiegels um 2,7 m. Dadurch wurden die flachen Zonen des Südufers des Neuenburgersees, die aus Sand und Lehm der Molassefelsen bestehen, trockengelegt. Sie wurden schnell von Lebensgemeinschaften besiedelt, die als Folge der Entwässerung des insgesamt 400 km2 .: . Grossen Mooses (Berner Seeland) in der Region selten geworden waren.
Mit der Freilegung der Grande Cari~aie setzte auch die Erosion des Ufers ein. Seit der Zweiten Juragewässerkorrektion (1965-1973) wurden zudem die Wasserspiegelschwankungen des Sees so gering (<im), dass sich die Verbuschung der Moore beschleunigte. Das Eulitoral der Grande Cari~aie, eingeklemmt zwischen See und Wald, wurde daher ständig schmaler.
1.2 Schutzbestrebungen
Im Jahre 1982 haben die Kantone Waadt, Freiburg und die Naturschutzorganisationen (SBN und WWF-Schweiz) beschlossen, die Probleme gemeinsam und umfassend zu bearbeiten. Im selben Jahr wurde die erste Konvention zum Schutz der Grande Cari~aie unterzeichnet. Obwohl eine politische Einheit fehlt - es sind zwei Kantone und vier Bezirke betroffen - kam ein Richtplan zustande (OCAT/ Freiburg und SAT/ Waadt, 1983), in dem der Wille zur gesamtheitlichen Erhaltung des Ufer-Ökosystems festgehalten ist.
2.2.3 2 SCHUTZZIELE UND PRIORITÄTEN
Die Schutzziele und die Pflegemassnahmen sind aufgrund einer umfassenden Problemanalyse festgelegt worden, die das gesamte Ufer- Ökosystem (von der Uferzone bis zum Hangwald) und alle darauf einwirkenden Faktoren einbezieht. Von besonderer Bedeutung sind die Berücksichtigung des Erosionsprozesses sowie der wichtige faunistische Austausch zwischen See und Moor. Die allgemeinen Schutzziele für die Gri;lnde Cari<;:aie wurden mit der Ausarbeitung des Schutzplans im Jahre 1981 (ROLLIER et al., 1981) 2 festgelegt und sind seither kaum verändert worden. Sie bilden die HAND BUCH Grundlage einer Reihe von sektoriellen und punktuellen Zielen, wel- MOOR· che die Vorgaben zum Schutz dieses Ufer-Ökosystems vervollständi- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ gen.
Allgemeine Ziele
1 Die naturnahen Lebensräume müssen in ihrem aktuellen Zustand
und Umfang erhalten werden. 2. Die Lebensräume der einheimischen Tier- und Pflanzen-Lebensgemeinschaften müssen erhalten werden.
3 Die Erhaltung des unbewaldeten Riedlandes hat Vorrang, ebenso
die Erhaltung der Weiher und der Schilfrährichte.
SektorieUe Ziele Für einzelne, genau abgegrenzte Teilbereiche gelten besondere Schutzziele. Die Erhaltung der Lebensräume hat Vorrang vor dem Schutz einzelner Arten.
Punktuelle Ziele Punktuelle Schutzziele gelten für einzelne Objekte innerhalb des Perimeters: Der Schutz einer Art kann vorrangig werden, so dass sich eine Abweichung von den sektoriellen oder allgemeinen Zielen ergibt.
Seit Beginn der Pflegeaktivitäten legt der Pflegeplan die Prioritäten wie folgt fest: 1. Umfang und Zustand der Weiher sowie der Schilfrährichte erhalten. 2. Umfang und Zustand der Gross- und Kleinseggenriede erhalten. 3. Flache Uferzone, Auenwälder und Hangwälder erhalten. 4. Zustand der Landschaftselemente erhalten (sektorales Ziel). 5. Lebensbedingungen besonderer Arten erhalten (punktuelles Ziel).
3 PFLEGEPLAN: DURCHFÜHRUNG UND PROBLEME
3.1 Allgemeiner und jährlicher Pflegeplan
Abb. 2: Genereller Pflegeplan für Der allgemeine Pflegeplan einen Ausschnitt des N aturschutzgebietes von Cheyres.
legt je nach Biotoptyp die Eingriffsprioritäten (Weiher, Schilfräh- Die einzelnen Parzellen werden richte, usw.) fest, nach einer bestimmten Reihenfolge
empfiehlt die Unterhaltsmassnahmen (Streueschnitt, Entbuschung, gemäht (gleich schraffierte Parzellen werden in denselben Jahren usw.), gemäht). Auf den Kontrollflächen
bezeichnet die geeigneten Maschinen (landwirtschaftliche Geräte, (Flächen ohne Raster) wird auf eine Raupenfahrzeuge, usw.), Pflege verzichtet. Die Vegetation der unbewaldeten
bestimmt den Zeitpunkt der Pflegeeingriffe (die Arbeiten sollen Moorgebiete (Weiher und See-Röhzwischen September und März ausgeführt werden) und richte ausgenommen) wird im Drei-
legt deren Rhythmus (drei-, fünf-, zehnjährig, usw.) fest. jahres-Rhythmus geschnitten.
-o 50 100 150 200 m '
...
1 Schilfröhricht
-- Uferlinie ~ Schnitt im 2. Jahr D o
3 Kleinseggenried Weg Kontrollfläche
4 Uferwald + bewaldete Düne 7 Kulturland Koordinate GEG
(1 Quadrat = 1 ha) Vegetationsgrenze ungewiss Xn Grenze der numerierten Pflegeparzellen Ä,Ä,Ä, Pappel-Pflanzung
2.2.3 Ein Beispiel für die Aussagen des allgemeinen Pflegeplans ist in Abbildung 2 dargestellt. Anhand eines Ausschnittes aus dem Naturschutzgebiet von Cheyres wird die Lösung ersichtlich, die vor zehn Tab. 1: Übersicht über die von der GEG im Laufe eines Jahrzehntes in Jahren für das grossflächige Naturschutzgebiet erarbeitet wurde. der Grande Cari9aie durchgeführten Die jährlichen Pflegepläne stützen sich auf das allgemeine Programm Arbeiten (ohne Arbeiten der ab. öffentlichen Hand).
Unterhaltsjahre mittlerer jährlicher ungefährer Aufwand 82-83 83-84 84-85 85-86 86-87 87-88 88-89 89-90 90-91 91-92 Aufwand in Std.lJahr HAND , - , - ,- - ,- , - -- BUCH MOOR· Erosionsschutzbauten (m) 420 260 134 180 740 173.4 1549 SCHUTZ l -I- !- - l -I - - - IN DER SCHWEIZ Mahd der unbewaldeten Moorflächen a) Raupenfahrzeug (ha) 16.6 25 93 85 84 93.5 89.3 96.4 97.1 19.4 69.9 708 b) landwirtschaftliche 35.5 60 11 10.4 25 11.5 16 26.7 30.9 32.6 25.9 934 Geräte auf Rädern (ha) c) Mähen von Hand durch 0.5 0.5 0.7 0.3 1 0.8 1.3 0.5 0.5 1098 Freiwillige (ha)
1- - - l -I - - - Abbrennen der Streue (ha) 1.8 0.1
.-- - l -i - - 1-
manuelle Entbuschung (ha) 15.3 11.5 10 2 1 0.3 1 2 1 4.4 1373 mechan. Entbuschung (ha) 6.5 3 3 2.3 2.5 2 2.5 3 2.5 64 - - - l -I - - - 1- - 1-
Forstarbeiten a) Holzschlag zur Gewäh- x x x x x rung der Sicherheit b) Holz schlag als Pflege- x x x x x x eingriff - - - - 1- :-- - Neuschaffung von Gewässerflächen a) tiefe Weiher (m') 300 200 2500 950 600 455 86 b) flache Weiher (m 3) 500 300 80 46 l- I- 1- - l- I-
Ausbesserung der Wege (m) 1000 1500 1850 4500 3000 1185 391 Abladeplatz (m 2): 450 450 450 135 114 Unterhalt Planierung (m 2) 250 200 45 5 Abraum (m J) 362 160 250 77 15 '-'-'---'-'--'--
..
3.2 Übersicht über die bisherigen Pflegearbeiten
Die Kantone beauftragten den In Tabelle 1 sind die verschiedenen Pflegearbeiten dargestellt, die in SBN, die im generellen Pflegeplan festgelegten Arbeiten der Grande Caric;aie von September 1982 bis März 1992 durchgeführt durchzuführen. Diese Arbeiten wurden. Sie erlaubt es, die bisherigen Pflegemassnahmen über ein werden durch die Groupe Jahrzehnt zu verfolgen. Beispielsweise wurde die in den ersten Jahren d'Etude et de Gestion (GEG) dringende Entbuschungsaktion ab Winter 85-86 stark reduziert. Heute unter Aufsicht einer Verwaltungskommission (VK) ausgebetrachtet die GEG das Ziel, das Vordringen des Waldes zu verhin- führt, deren Mitglieder die Verdern, als erreicht und hält eine mechanische Entbuschung auf jeweils treter der Kantone, des Bundes 2,5 ha pro Jahr als ausreichend. und der Naturschutzorganisationen sind. Aus den zwei letzten Kolonnen der Tabelle wird der durchschnittliche jährliche Aufwand ersichtlich, angegeben in bearbeiteten Flächen bzw. Strecken und in Arbeitsstunden. Die auf dieser Basis berechneten Selbstkostenpreise ermöglichen eine Abschätzung der Kosten einzelner Pflegemassnahmen.
3.3 Beispiele für die Pflege anhand einzelner Teilgebiete
Die verschiedenen Pflegearbeiten, die am Südostufer des Neuenburgersees anfallen, werden anhand von sieben Beispielen erläutert. Die Flächen befinden sich in einem naturnahen Gebiet der Gemeinde ChampmartinND (vgl. Abb. 3). Ein Jahrzehnt (1982-1992) praktische Erfahrung hat Möglichkeiten, Grenzen und Konsequenzen verschiedener Methoden aufgezeigt.
3.3.1 Erhaltung und Pflege der Röhrichte der Uferzonen
Ausgangslage: Eine kürzlich durchgeführte Kartierung bestätigt die Rückversetzung der See-Uferlinie als Folge der Erosion. Auch die Fläche der See-Röhrichte nimmt ab, ohne dass die genauen Ursachen bestimmt werden können (Erosion, Eutrophierung der Gewässer, usw.). In Champmartin haben die Schiffahrt entlang des Ufers und der Bau von Anlegestegen zur Zerstückelung und zum Rückgang der See- Röhrichte beigetragen. Ziel: Erhaltung der See-Röhrichte Praktische Umsetzung: Mitte der achtziger Jahre wurde lokal versucht, die Erosion einzudämmen, was sich als erfolglos erwies. Tiefenmessungen des Uferprofils sowie eine wissenschaftliche Überwachung der Dynamik sollen die Grundlagen für einen Massnahmenplan liefern.
2.2.3 Abb. 3: Seit 1982 benützter o 50 100 150 200 m I Grundlagenplan zur Festlegung der jährlichen Pflege auf dem Gebiet der Gemeinde Champmartin.
1 Schilfrähricht
2 Grosseggenried
3 Kleinseggenried
B Al 2-3 Mosaik 2 HAND
4 Uferwald und bewaldete
Düne BUCH /' o MOOR- SCHUTZ o IN DER o Pseudorährich t SCHWEIZ (Rohrglanzgras) o Vegetationsgrenze ungewiss
G) Fährenwald
000 Büsche, einzelne Bäume
,vN Uferlinie
mI Siedlungsraum Weg
IXnl Grenze der numerierten Pflegeparzellen
3.3.2 Erhaltung und Pflege der Moore
Ziel: Erhaltung der nicht bewaldeten Moorfläche Massnabmen: Die Seggenriede und die Schilfröhrichte entlang des gesamten Uferabschnittes (Abb. 3 und 5, Parzellen B) wurden in einem dreijährigen Rhythmus mit einem Raupenfahrzeug gemäht, das speziell für diesen Zweck konstruiert wurde. Die Binsenriede und Pfeifengraswiesen werden in einem zweijährigen Rhythmus mit herkömmlichen landwirtschaftlichen Geräten geschnitten (Abb. 3 und 5: Parzellen A). Einzelne Bereiche werden nicht unterhalten und dienen als Kontrollflächen zur Untersuchung der Auswirkungen der Pflegemassnahmen auf Flora und Fauna.
Praktische Umsetzung: Ursprünglich wurden beispielsweise die Parzelle B3 sowie die den Landwirten zur Pflege zugewiesene Parzelle A3 mit dem Raupenfahrzeug gemäht. Bei diesem Gebiet handelt es sich um einen alten, verlandeten Weiher. Aufgrund der vorherrschenden Vegetation (Schilfröhricht) sind die Bedingungen für den Einsatz herkömmlicher landwirtschaftlicher Mähgeräte ungünstig. Als geeignetste Massnahme wurde das Ausbaggern des Weihers erachtet. Der beauftragte Landwirt hat zwar die Arbeit durchgeführt, ist aber über die Parzellengrenzen hinausgefahren. Die an den neuen Weiher angrenzende Parzelle A6 wurde nicht vollständig gemäht. Probleme und Lösungen:
Gegenwärtig ist der Unterhalt nicht zielkonform, da er nicht nach dem vorgeschriebenen Rhythmus und den genauen Abgrenzungen vorgenommen wird. Allerdings berücksichtigt er einige punktuelle Ziele. Grundsätzlich wäre es möglich, diese Fläche mit Raupenfahrzeugen zu mähen. Dieses Vorgehen würde die Kosten allerdings um den Faktor 3,5 anwachsen lassen (Fr. 2'600.-/ha statt Fr. 750.-/ha).
Seit einigen Jahren kann die gesamte Streue (1000 Tonnen pro Jahr) dank einer intensiven Werbung verwertet werden. Das Material dient hauptsächlich als Mulch und Erosionsschutz in Weinbergen.
Der Prototyp des Raupenfahrzeuges ist zwar zuverlässiger als die landwirtschaftlichen Geräte, aber er ist noch verbesserungsbedürftig. Trotz seines geringen Bodendrucks (200 g/cm2 bei voller Ladung), hinterlässt er an den häufig befahrenen Stellen tiefe Spuren. In einigen empfindlichen Zonen (innere Schilfröhrichte, Weiherränder) müssen daher andere Lösungen gesucht werden.
3.3.3 Erhaltung und Pflege der Waldränder
Ziel: Um das Vordringen des Waldes zu verhindern, soll der 40 km lange Waldrand in einem Zehnjahres-Rhythmus gepflegt werden. Praktische Umsetzung: Die Vorgaben des Pflegeplanes wurden in den lichten Wäldern eingehalten. Am Rande der Feuchtwiesen hat sich der Wald jedoch stellenweise unerwartet schnell ausgedehnt, so dass hier auf einen fünfjährigen Rhythmus umgestellt werden musste. Probleme und Lösungen: In fünf Jahren kann der Waldrand die erwünschte stufige Struktur (Saum, Mantel und Wald) nicht ausbilden. Eine im Jahre 1989 begonnene wissenschaftliche Überwachung soll zeigen, ob sich der verkürzte Pflegerhythmus auf die Anzahl und die Dichte der von den gestuften Waldrändern abhängigen charakteristischen Tier- und Pflanzenarten auswirkt.
2.2.3
Abb. 4: Damit das Ziel der Waldrandpflege langfristig eingehalten werden kann, muss entweder schweres mechanisches Gerät eingesetzt oder die Waldpflege tiefgreifend verändert werden. Letzteres bedeu- HAND tet, dass zusätzlich zur maschinellen BUCH Pflege vermehrt manuelle Arbeit MOOR- SCHUTZ anfällt. IN DER SCHWEIZ Foto: GEG, Portalban Februar 1983
3.3.4 Pflege der Lichtungen
Ziel: In der Grande Caric;aie bestehen mehr als hundert Lichtungen mit einer Gesamtfläche von 15 ha. Gemäss Waldwirtschaftsplan müssen in der Gegend von Champmartin diese Waldlichtungen erhalten werden. Praktische Umsetzung: Entlang des gesamten Südufers sind alle Lichtungen in den letzten zehn Jahren durch Freiwillige einmal entbuscht und gemäht worden. Probleme und Lösungen: Um die Lichtungen zu unterhalten, müssen in einigen Fällen die Wälder erschlossen werden. In Champmartin musste der Weg zu den Lichtungen saniert werden, damit die Streue mit Fahrzeugen abtransportiert werden konnte. Wenn keine Zufahrtswege erstellt werden können, muss die anfallende Streue im nahe gelegenen Wald abgelagert werden. Ein Pflegeplan für die Lichtungen muss auch Aussagen zu den Zufahrtswegen und Deponien enthalten (vgl. Ziffer 3.3.7).
3.3.5 Bewirtschaftung der Wälder
Ziele: Unter Berücksichtigung der ökologischen Ziele sowie der forstwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für die Wälder mit Naturschutz-Vorrangfunktion die folgenden Ziele festgelegt worden (vgl. Abb.5): 1. Natürliche Entwicklung ohne Eingriff (integrales Naturschutzgebiet; mindestens 50 Jahre ohne Eingriffe).
2 Kontrollierte natürliche Entwicklung (Eingriffe vorbehalten nach
zehn Jahren, wenn die Entwicklung dem Schutzziel nicht entspricht).
Abb. 5: Waldwirtschaftsplan für , Wälder rojt Naturschutz-Vorrangfunktion am Beispiel von Champmartm. Die Ziffern bezeichnen die im Text genannten Pflegeziele (vgl. Text). Quelle: GEG
3 Verbesserung und Wiederherstellung (Eingriffe im Verlauf von
zehn Jahren). Massnahmen: In den Gebieten, in denen eine Verbesserung (Ziel 3) erreicht werden soll, sind folgende Massnahmen möglich:
Erhaltung der Strukturen,
eine forstliche Nutzung (Waldbau, Pflanzungen, usw.),
eine durch andere Funktionen bestimmte Pflege (Gebiet zugelassen für öffentliche Einrichtungen oder Ferienhäuser).
2.2.3
HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Praktische Umsetzung: Abgesehen von einigen Ausnahmen (vgl. Zif- Abb. 6: Gemäss einer Untersuchung hat sich die Fläche der stefern 3.3.3 und 3.3.4), werden die in den Waldwirtschaftsplänen gehenden Gewässer in der Grande nannten Massnahmen von den kantonalen Forstämtern umgesetzt. Cari<;aie zwischen 1937 und 1979 um mehr als 50% verringert. Die
3.3.6 Erhaltung und Pflege der stehenden Gewässer Erhaltung und die Schaffung von
Weihern geniessen daher hohe Ziel: Erhaltung der Weiher und Schilfröhrichte innerhalb der unbe- Priorität. Das Bild zeigt einen im waldeten Moore. Jahre 1990 ausgebaggerten Weiher Praktische Umsetzung: In Champmartin wurden 1990 vier Weiher ge- in der Gegend von Champmartin. Foto: GEG, August 1992 schaffen (vgl. Abb. 6). Dies entspricht sowohl dem allgemeinen Ziel, die Verlandung zu bekämpfen, wie auch dem punktuellen Ziel, besondere Arten zu erhalten. Probleme:
Die Kosten für die Errichtung eines Weihers sind relativ hoch (ca. Fr. 300'000.-/ha; Ausbaggerung, Transport und Ablagerung des Aushubmaterials inbegriffen).
Das Projekt kann unter Umständen nicht durchgeführt werden (Ausbaggerung unmöglich, Unzugänglichkeit des Gebietes).
Die offenen Wasserflächen nehmen ständig ab. Die grossen vernetzten Weiherkomplexe (Champ-Pittet, Chevroux) sind langfristig dem Verlandungsprozess ausgesetzt.
3.3.7 Unterhalt der Zufahrtswege
Ziel: Erstellung von Wegen und Ablagerungsplätzen, um die zu pflegenden Flächen zu erschliessen. Praktische Umsetzung: Um die Lichtungen zwischen Champmartin und Portalban zu pflegen, mussten an der einzigen Zufahrt auf einer Länge von mehr als 4 Kilometern verschiedene Massnahmen getroffen werden, die wesentliche Verbesserungen brachten. Probleme: Die Sanierungsarbeiten an Wegen, die durch das Moor verlaufen, werden idealerweise bei trockenem Boden im Sommer durchgeführt. Die geplanten Eingriffe können sich auf einige Arten nachteilig auswirken (Konflikt zwischen allgemeinen Zielen und punktuellen Zielen).
4 AUSBLICK
In den letzten zehn Jahren hat sich die Möglichkeit ergeben, die unterschiedliche Entwicklung zwischen den gepflegten und nicht gepflegten Flächen zu beobachten. Die neuen Erkenntnisse grundsätzlicher und praktischer Art erlauben es der GEG, die Ergebnisse zu berücksichtigen und die punktuellen Ziele auf den Schutz der Arten auszurichten. Die Folgerungen aus der zehnjährigen Erfahrung mit der Pflege der Grande Cari~aie sind in ROLLIER et al. (1992) aufgeführt. Die in diesem Bericht vorgelegten Perspektiven erlauben es, den verschiedenen Schutzzielen und den Auswirkungen der bisherigen Pflegemassnahmen auf den Lebensraum Rechnung zu tragen sowie die Erkenntnisse in Form eines langfristigen Pflegeplanes umzusetzen.
2.2.3 LITERATUR ADRESSE DER AUTOREN
ANTONIAZZA, LI M NU L . F Bl ai e Mulhau. er I e hri tian lerc (199J): La Gran.de Cari<;<üe. Les Groupe d E tude eLde Gesti.on rives auvag du lac de euchätel, Grande Ca ri~aie ( EG) cd. 24 heures. Lausa nne, 247 S. hamp-Pittet 1400 he ea ux-Non!az o AT (FR) I AT (YD; 1.9 '3): Plan directeur de la rive ud du lac d N euchätel et de ri ves du lac de MoraL Ofiice des construclions cl de i amenagem nt du terri toire Fri.- 2 bourg; Service d. I amenagement du ÜBERSETZUNG HAND tenitoire Lausanne 39 S. BUCH II egret Messerkoecht MOOR- ROLLIER M. I ANTONl ZZA bi Lllc.es sci I traductri e A Tl SC.HUTZ IN DER M i R ULIER . (19d): Pl an de ChaJlte-Bri SCHWEIZ protection de la rive ud-est du lac 189] Yero az <.J e Neuchatel. BN Basel 97 .
ROLLlER M.! ANTONlAZZA, Handbuch Ca ri<;a ie. Dix an de gestion, Refl exi- in der hweiz 2 on e l proposiLions. 11 g. GEO, tl1996 Cheseaux-N reaz.72 $.
PHILIPPE GROSVERNIER / YVAN MATIHEY / GILLES MULHAUSER
Pflegeplan für ein Hochmoor: Beispiel Etang de la Gruere 2.2.4 1 EINFÜHRUNG
Bereits seit 1992 verfügt der Kanton Jura über ein Rahmenkonzept, das beim Erstellen der Pflegepläne für seine fünfzehn im Hochmoorinventar registrierten Objekte von nationaler Bedeutung als Grundlage dient. Ziel dieses Konzeptes ist:
eine einheitliche Behandlung aller Objekte;
das Einhalten der richtigen Arbeitsschritte beim Erstellen der Dokumente des Pflegeplanes;
eine sinnvolle Auswahl der zu erhebenden Daten;
die Bestimmung der Pflege- und Unterhaltsziele sowie der Priori- HAND BUCH täten. MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Das Vorgehensmodell wird am Beispiel des Etang de la Gruere erläutert. Die vorliegenden Ausführungen ergänzen die Aussagen zu den Anforderungen beim Schutz der Hoch- und Übergangsmoore (vgl. Band 2, Beitrag 1.1.1). Das hier behandelte Objekt enthält die meisten Aspekte, welche auch für die Pflege anderer Objekte von Bedeutung sein können.
310.710.981 d 75001.01 47332 1
2 BESCHREIBUNG DES GEBIETES
Das Objekt La Gruere umfasst rund 200 ha und liegt in den Freibergen (ca. 1'000 m ü. M.), eingebettet in eine Moorlandschaft von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung. Es erstreckt sich beidseits der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Jura und liegt auf dem Gemeindegebiet von Saigneh~gier, Le Bemont und Montfaucon (JU) und Tramelan (BE). In den Bundesinventaren ist La Gruere als Moorlandschaft Nr. 7, Hochmoor Nr. 2 und als Flachmoor Nr. 1'309 und 1'310 aufgeführt (vgl. Abb. 1). Das Hochmoor ist zum grossen Teil intakt (Vegetation eines primären Hochmoors). Innerhalb des Objektes liegt auch eine frühere Torfabbauzone, die sich heute teilweise auf dem Weg der Regeneration befindet. Das Objekt steht in Kontakt mit Flachmooren von nationaler Bedeutung. Die Pflege und der Unterhalt müssen zwischen den verschiedenen betroffenen Instanzen koordiniert werden. So sind die Land- und Forstwirtschaft in die Pflege des Hochmoores integriert (Pufferzone, forstwirtschaftlicher Nutzungsplan). Der "Etang de La Gruere" ist zudem ein beliebtes Ausflugsziel, weshalb auch der Tourismus bei der Planung von Schutz-, Unterhalts- und Regenerationsmassnahmen beigezogen werden muss.
Abb. 1: Umfang der Bundesinventare und des bestehenden Naturschutzgebietes. Reproduziert mit Bewilligung des Bundesamtes für Landestopogra- I
...I.'.
2.2.4 3 HAUPTPROBLEME
Das Hochmoor von La Gruere wurde 1942 zum kantonalen Naturschutzgebiet erklärt. Der Umfang dieses Schutzgebietes stimmt jedoch mit keinem der beiden Bundesinventare überein und muss daher angepasst werden.
Viele Hochmoorflächen verdanken ihre Existenz der Rodung von Wäldern und der landwirtschaftlichen Nutzung. Die Form der forst- und landwirtschaftlichen Nutzung muss aber neu definiert werden, um den Fortbestand der betroffenen Biotope zu sichern.
Die Entwässerung eines grossen Teils des Hochmoors durch meh- HAND BUCH rere tiefliegende Kanäle hat die Vegetation verändert, wobei der Föh- MOOR- SCHUTZ renwald (Pinus mugo s.l.) auf Kosten des hochmoortypischen Bulten- IN DER SCHWEIZ und Schlenken-Komp1exes begünstigt wurde. 1983 wurden Arbeiten zur Wiederherstellung der ursprünglichen hydrologischen Verhältnisse des Hochmoors durchgeführt, aber die Massnahmen (Rodung der Fichten, Bau von Dämmen in den Entwässerungsgräben) haben sich als ungenügend erwiesen.
Der Weiher wird jedes Jahr für den Fischfang mit Fischbrut besetzt. Die Pflege der Verlandungszonen führt zu Konflikten zwischen den zum Teil entgegengesetzten Interessen der Fischerei und des Natur- und Artenschutzes.
Als Ausflugsziel erfreut sich das Gebiet von La Gruere zunehmender Beliebtheit und lockt Besucher aus der ganzen Schweiz an. Ein solcher Besucherstrom (ungefähr 100'000 Besucher pro Jahr) geht nicht spurlos an einern Biotop vorbei und hat eine ganze Reihe von Beeinträchtigungen ausgelöst, deren Auswirkungen den Verantwortlichen seit zwanzig Jahren grosse Sorgen bereiten.
4 ERHEBUNG UND AUFBEREITUNG DER GRUNDLAGEN
4.1 Erhebung der Grundlagen
Das Erstellen des Pflegeplanes beginnt mit dem Erheben einer Karte des Objektes, vorzugsweise im Massstab 1:2'000. Dazu werden Infrarot-Flugaufnahmen verwendet (Originalmassstab 1:3'000 oder 1:4'000), entweder in Form von Vergrösserungen zur Verwendung im Feld oder als Original für eine stereoskopische Fotointerpretation (SCHERRER et al. , 1996). Im vorliegenden Fall enthält die Übersichtskarte die Vegetationseinheiten (vgl. Band 1, Beitrag 2.2.8), die Deckungsrate von Torfmoosen, das oberirdische hydrographische Netz, die Grenzen der Torfablagerungen, die Torfstichwände, besondere geologische Formen (wie zum Beispiel Dolinen) sowie die verschiedenen Beeinträchtigungen oder Eingriffe (Drainage, Deponien, Düngung, Trittbelastung).
Daneben wurde ein Inventar jener Tiere erstellt, welche im Hinblick auf Besonderheiten des Objektes und bezüglich seiner Pflege als ausschlaggebend und nützlich erachtet wurden. Im vorliegenden Fall sind die Wirbellosen (Spinnen, Käfer, Libellen und Falter) bessere Bioindikatoren als die Wirbeltiere. Weitere Informationen lieferte das Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung. Die Kartierung wird mit Vorteil im Frühjahr, kurz nach der Schneeschmelze durchgeführt.
4.2 Autbereitung der Grundlagen Bei noch schwach entwickelter
Vegetation ist es einfacher auch Mit Unterstützung eines GIS sind auf der Grundlage der Vegetations- jene Wasserabflüsse aufzuspüren, die im Sommer, kartierung und einiger zusätzlicher Kriterien die folgenden fünf thewährend trockener Perioden matischen Karten erstellt worden: und unter der Decke von • Hydrographisches Netz und Geomorphologie Gefässpflanzen leicht übersehen Bei der Pflege eines Hochmoors spielt das Wasser eine entscheidende werden können. Beim Fehlen einer fotogrammetrischen Erhe- Rolle. Daher ist die gen aue Aufnahme des Wasserkreislaufes an der bung, mit Hähenkurven alle Oberfläche (Wasserläufe, Entwässerungskanäle, Quellen, Sickerun- 50 cm zum Beispiel, bildet dieses gen) und der Wasserflächen (Weiher, Blänken, Schlenken) unumgäng- Vorgehen eine gute Alternative. Wenn auch noch die Abflusslich. richtung aufgenommen wird, Im Hochmoor von La Gruere wurden auch die alten Torfstichmauern erhält man ein gutes Bild des kartiert. Sie stellen ausgezeichnete Referenzpunkte dar und haben Wasserflusses durch das Hochmoor. erlaubt, jene Torfstichgruben zu begrenzen, welche sich am besten für die Wiedervernässung eignen.
2.2.4 Die Begrenzung der Torfböden und die Aufnahme von Dolinen sind schliesslich Informationen, welche für das Festlegen von Pufferzonen rund um das Biotop von Bedeutung sind. In der jurassischen Karstlandschaft bilden Dolinen an der Grenze der Torfböden im allgemeinen eine wirkungsvolle hydrologische Barriere.
Verbreitung der Torfmoose Die im Feld aufgenommenen Das Hochmoor verdankt sein Wachstum vor allem den Torfmoosen Vegetationseinheiten wurden entsprechend der Nährstoff- (Sphagnum sp.). Die Karte über die Verteilung der Torfmoose ist präferenz ihres Lebensraumes in somit ein geeignetes Mittel, um die Hochmoorbiotope genau abzugrenzen. fünf Kategorien eingeteilt. Die Zuordnung einer Vegetations- 2
Eutrophierung einheit zur einen oder andern HAND Kategorie wurde entsprechend BUCH Die kartographische Darstellung der mehr oder weniger eutrophen der Nährstoffvorlieben der MOORdominierenden Pflanzen einer SCHUTZ Pflanzengesellschaften ermöglicht es, jene Bereiche zu erfassen, in IN DER denen "eutrophe" Lebensräume zu stark ins Hochmoor vordringen Gesellschaft in Bezug auf den SCHWEIZ trophischen Grad ihres Lebens- (Nährstoffeintrag durch Düngung). Weiter können auch jene Zonen raumes gemacht. Diese Einteibezeichnet werden, in denen die für die Entwicklung der Torfmoose lung ist relativ und bezieht sich unerlässliche Oligotrophie bewahrt worden ist. Bezeichnet eine solche nur auf den Gradienten zwischen einem Hochmoor und sei- Karte daneben auch noch die Bereiche der Torfböden und das hydro- ner Umgebung. So werden bei graphische Netz, bildet sie eine geeignete Grundlage für die Bestim- dieser Einteilung bestimmte mung von trophischen Pufferzonen. Pflanzengesellschaften als eutroph bezeichnet, obwohl sie
Bewaldung in Bezug auf intensiv bewirt- Eine kartographische Darstellung der Bewaldung (z.B. Einzelbäume, schaftete Wiesen der Landwirtkleine Wäldchen, lichte Baumbestände und dichte Wälder) ergibt ein schaftszonen sogar noch als rela- Bild der Entwicklungsdynamik. Dadurch kann abgeschätzt werden, tiv nährstoffarm gelten.
welche Zonen in naher Zukunft zu verbuschen drohen.
4.3 Tiere als Zeigerarten
Ein abschliessendes Inventar aller nützlichen Zeiger gruppen in den Moorgebieten ist in der Regel aufgrund der verfügbaren Mittel nicht realistisch. Daher muss am Anfang eine Auswahl von Arten oder Artengruppen getroffen werden. Zudem werden nicht alle ausgewählten Gruppen oder Arten auf dem gesamten Objekt erfasst, sondern nur in jenen Zonen, in denen sie die gesuchten Informationen liefern können. Im Fall von La Gruere sind mit den Bioindikatoren folgende Absichten verfolgt worden: • Mit Hilfe von Spinnenpopulationen und Wasserkäfern wurde die Biodiversität zwischen primären Lebensräumen (intaktes Hochmoorzentrum) und Lebensräumen, die sich nach der Aufgabe der Torfausbeutung nach 1940 spontan regeneriert haben, verglichen. In den Regenerationsflächen ist die Diversität der hochmoortypischen Arten
grösse r. Umgekehrt wurden einige der am stärksten an Hochmoore gebundene n Arten nur im intak ten Teil des Hoch moors gefunden. Es erweist sieh als Populationsreservat. Die Tagfalt er wurdcn als ssioindikatoren für die Qua litä t verschiedener Flachmoortonen am Rande des Hochmoors beigewgen. Damit konnte eine landwirtschaftlichc Bewirtschaftung defi niert werden, welchc nicht nur dcm Diin gerproblem Rechnung trägt, sondern auch der Biodiversität der Pu fferlone n se lbst angepasst ist (Funktion als Öko'on). So wurdcn Weidezäune versetzt und dic Schniuhliufigkeit bestimmter Fcuchtwicsen ve rändert. Vcrsch iedene Parzellen, die vorher durch die Verbusch ung isoliert waren, konnten wieder miteinander verbunden werden.
2.2.4 5 ZIELE UND MASSNAHMEN
5.1 Festlegen der Ziele
Auf der Grundlage der bisher gesammelten Erkenntnisse können die Die thematischen Karten eröffangestrebten Pflege- und UnterhaItsziele (und die Termine) definiert nen folgende Möglichkeiten:
die Beschreibung des Auswerden. Gleichzeitig lassen sich Prioritäten festlegen. Dies ist insbegangszustandes des Objektes; sondere dort von Bedeutung, wo verschiedene Erhaltungs- und Entwicklungsziele gegeneinander abgewogen werden müssen.
die Beurteilung des Objektes hinsichtlich des Erhaltungszu- 2 Im vorliegenden Beispiel hat sich gezeigt, dass hauptsächlich zwischen standes, wobei die Biodiversität HAND und die Seltenheit der Lebens- BUCH den folgenden vier Entwicklungspfaden zu unterscheiden ist: räume oder die festgestellten MOOR- SCHUTZ
Erhalten des gegenwärtigen Zustandes; Arten relevant sind; IN DER
das Erkennen der zu erwar- SCHWEIZ
Regeneration zu einem wachsenden Hochmoor; tenden Probleme (hydrologische
Verschiedene Bereiche in einen naturnäheren Zustand versetzen Eingriffe, Eutrophierung, Verbu- (Revitalisierung) ; schung, Bodenerosion).
Gestaltende Massnahmen, um eine bestimmte Art zu begünstigen.
desselben Ortes im Hochmoor La Gruere (1U). Sie lassen nicht nur die ansprechenden landschaftlichen Qualitäten dieses Schutzobjektes erkennen, sondern auch die Belastungen, denen es ausgesetzt ist. Foto: P. Grosvernier
5.2 Beschreibung der durchzuführenden Massnahmen
In diesem Schritt werden die Pllegemassnahmen definiert und in einem Massnahmenplan genau lokalisiert. Die Massnahmen werden in einem Katalog nach dem folgenden Raster so gen au wie möglich beschrieben:
Kurze Wiederholung der angestrebten Ziele (Ziele der Massnahme);
Beschreibung der Massnahme sowie des entsprechenden Bedarfs an Personal, Material und Maschinen;
Besondere Vorsichtsmassnahmen für empfindliche Lebensräume, um Beeinträchtigungen durch die Arbeiten zu vermeiden;
In gewissen Fällen: Ungefährer Kostenvoranschlag für die Ausführung.
5.3 Die Pllegeblätter
Auf den thematischen Karten oder im Massnahmenplan sind nicht alle Details aufgeführt. Vor allem die Vegetations einheiten werden nicht in die Karten eingetragen. Diese Information kann sich aber langfristig als nützlich erweisen, nämlich für eine Dauerüberwachung (Monitoring) der Lebensräume oder eine Erfolgskontrolle der durchgeführten Pflegemassnahmen. Aus diesem Grund sind für die einzelnen Zonen des Objektes Pflegeblätter ausgearbeitet worden. Sie enthalten die Details der aufgenommenen Daten. Dazu gehört auch ein Auszug der detaillierten Vegetationskarte im Format A4. Die Pflegeblätter sind nach den folgenden Inhalten gegliedert (vgl. Anhang 1 und 2):
Beschreibung des Ausgangszustandes (mit Legende der in der Karte vorkommenden Vegetationseinheiten);
Beurteilung;
Zu bewältigende Probleme;
Pflege- und Schutzziele;
Zusammenfassende Definition der Pflegemassnahmen.
2.2.4 6 BEDEUTUNG DES PFLEGEPLANS FÜR DIE AUS- FÜHRUNG UND DIE ERFOLGSKONTROLLE
6.1 Der Pflegeplan als Bauleitplan (Richtplan)
Für alle Objekte des Kantons Jura werden Pflegepläne als Bauleitpläne eingesetzt. Sie sind als Entscheidungshilfe bei der Wahl von Pflegezielen gedacht und sollen helfen, bei der Durchführung der Massnahmen Prioritäten zu setzen - zeitlich wie auch finanziell. Deshalb sind 2 die Pflegemassnahmen häufig nicht so stark konkretisiert, um in die- HAND BUCH ser Form realisiert zu werden. Um die Ausführungsreife zu erlangen, MOOR- SCHUTZ sind vertiefende Untersuchungen nötig (z.B. Daten über die Topogra- IN DER SCHWEIZ phie der Orte oder die Torfmächtigkeit, einschliesslich der Auswirkungen, welche diese Parameter auf die Dimensionen der Bauwerke und die Materialmengen haben können). Diese Weiterbearbeitung wird jeweil nur für die tatsächlich zu realisierenden Massnahmen ausgeführt.
6.2 Erfolgskontrolle und Monitoring
Dieselbe Vorgehensweise gilt auch für die Erfolgskontrolle. Die zu überprüfenden Wirkungen werden gleichzeitig mit der Ausarbeitung des definitiven Ausführungsprojektes festgelegt. Was die langfristige Beobachtung von Veränderungen (Monitoring) betrifft, so bilden die erhobenen Daten eine sehr nützliche Beurteilungsgrundlage für das Erstellen eines solchen Konzeptes bis ein definitives Monitoringprogramm auf nationaler Ebene zur Verfügung steht.
UTERATUR ANSCHRIFT DER AUTOREN
HERRER, H.U. / WORT- Philippe r . vernier MANN, M. / HMIDTKE, H.I Dr. eS sc. nato BAUMANN, T.I GAUT BI H. Natura (1996): Luftbildge liHzte Moorkar- Le Saue 17 tierung. BUWAL-Reihe Vollzug 2722 Le. Reus. ill~ Umwelt. Bem 50 S. Yvan Matll1ey Dr. e ' C. nat. Rue de la Paix 33
2300 La haux-d -Fond
iIIes Mulhauser Lic. e sc. nal. ervice de Forets cl la protection de la NaLure e l du pay age Rue Henri-Fazy 2 a e P stale 3918
ÜBERSETZUNG
ilvia ambeLh Cladclen trass 15
8307 E ffrelikon
Handbuch Moor chulz in der Schweiz 2
2.2.4 ANHANG 1
Ptlegeblätter / La Gruere
Tourbiere de:
N° de l'objet : La Gruere
Sccteur:
Commune(s): Zone :
Saignelegier • Leve inventaire federal: 21 juin 1978 2 Leve plan de gestion: aoüt 1996 HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Description generale
Pessieres de ceinture, pessieres de contact et pessieres a sphaignes et a bouleaux se succedent et entourent le centre du haut-marais a l'Est de la digue. Avec la zone D5, cette zone presente une structure caracteristique de haut-marais concentrique avec une pinede au centre et une ceinture de pessiere. Elle forme l'un des deux centres d'edification du haut-marais de La Gruere dans la partie au Sud de l'etang.
liste des milieux
1.5 Point d'eau, vssque
1.7 Gouille sur toome nue
2.21.1 Marais de transition aCsrex rostrats er sphaignes
2.82 Prs eutrophe humide (Cs/thion)
4.12.1 Pessiere a sphsignes et B bou/eau (Sphagno - Piceetum betu/etosum)
4.13 Pess/ere de eeinture, aneienne plnede (Sphagno - Pieeetum a Pinus mugo)
4.14 Pesslere de eontaet (Bszzsnio - Pieeetum)
4.43 Fourre de Rubus sp
Evaluation
Les pessieres de cette zone sont pour la plupart caracteristiques de la ceinture du hautmarais et presentent une grande diversite a la fois structurelle et florsitique. Cependant, vers l'Est el vers le Nord, au contact des chemins, leur flore s'appauvrit et les sphaignes notamment disparaissent. De plus, quelques surfaces qui devaient etre des pinedes a l'origine sont aujourd'hui largement dominees par l'epicea, temoignant ainsi d'une evolution associee a un assechement general de toute la zone.
Problemes de gestion
Le passage n~gulier de touristes qui s'ecartent du sentier-nature a la recherche de myrtilles ou pour satisfaire a un besoin naturel a provoque l'apparition de nombreux petits sen tiers responsables de la proportion relativement elevee de la tourbe nue (environ 5-10%) dans les pinedes assechees et les pessieres de contact proches du sentier-nature.
Vocotion
La conservation en I'etat de ces fo[(~ts anciennes doil etre garantie par une exploitation sylvicole adaplee. Elle merite aussi une attention particuliere en ce qui concerne la penetration du tourisme pedestre.
Mesures de gestion / Iones de transition No Description
27 L'edification d'un barrage sur le drain menant aux emposieus au Sud-Est de la zone
contribuerait a creer un long plan d'eau oligotrophe en foret. Ce plan d'eau limiterait I'effet drainant du profond chenal actuel et apporterait une diversification interessante des milieux aquatiques forestiers a La Gruere.
Fl Le boisement de cette surface est gere en fonction des dangers qu'il pellt representer pour la circulation sur la route cantonale. En dehors de cela, I'interet de la qualite des milieux natureis prime.
2.2.4 ANHANG 2
Pflegeplan / La Gruere
Mesure No 27 Buts: Limiter l'effet drainant du chenal qui mene aux emposieus au Sud-Est de la zone D4 et creer un plan d'eau oligotrophe, acide et froid favorable aux invertebres aquatiques. 2 HAND BUCH Mise en oeuvre: MOOR- SCHUTZ Eriger une digue en travers du chenal a sa sortie de la foret. Le fond du chenal IN DER SCHWEIZ etant sur la marne, le materiau necessaire peut etre trouve sur place. Amenager un trop plein pour eviter l'erosion de la digue. Fixer le niveau le plus haut possible afin de contribuer a la rehumidification des forets tourbeuses environnantes. S'il s'averait necessaire de colmater une partie du chenal avec de la tourbe pour garantir l'etancheite de l'ouvrage, de la tourbe pourrait etre excavee dans ces forets, en y creant une ou deux mares.
Exigences particulieres: Travailler avec des machines a tres faible pression au sol pour eviter des degäts au sol.
Devis estimatif: Budget chantier: Fr 10'000.-
Budget projet: Fr 5'000.-
Budget suivi scientifique : Fr 2'000.-
Iones concernees : D 4
ROBERT MEIER / FRANZ RUDMANN
Entflechtung ausgewählter Nutzungskonflikte - Fallbeispiel Moorlandschaft Schwägalp 2.2.5
1 DIE MOORLANDSCHAFf SCHWÄGALP
1.1 Situation
Die Moorlandschaft Schwägalp erstreckt sich auf einer Länge von 11 km am Nordfusseldes Säntismassivs (Kantone AI, AR, SG). An der breitesten Stelle misst sie gut 3.5 km. Ihr tiefster Punkt liegt rund 900 m Ü. M. im Tal der Luteren und der höchste oberhalb der Gmeinenwis auf über l' 800 m Ü. M. 2 Die Landschaft ist sehr vielgestaltig und kann in verschiedene Kam- HAND BUCH mern unterteilt werden, die sich durch einen hohen Anteil an Moor- MOOR- SCHUTZ flächen auszeichnen (12% der Fläche sind Moorbiotope). Dabei han- IN DER SCHWEIZ delt es sich um rund 330 ha Flachmoor und 20 ha Hochmoor (BUWAL, 1991). Weitere 15% der Fläche entfallen auf Wald. Die Schwägalp ist ein Auerhuhnlebensraum. Seit einigen Jahren hat sich die Zahl der Hähne auf einem tiefen Niveau eingependelt.
Da sich die Moorlandschaft Schwägalp über drei Kantone erstreckt, ergibt sich bei der Umsetzung ein hoher Koordinationsbedarf.
1.2 Besondere Schutzziele
Ergänzend zu den allgemeinen Schutzzielen gemäss Art. 4 der Moorlandschaftsverordnung (MLV) sind für die Moorlandschaft Schwägalp die folgenden besonderen Schutzziele formuliert worden:
Erhaltung aller Moorbiotope in ihrer Gesamtfläche und in ihrer Qualität, insbesondere der primären und sekundären Hochmoore;
Erhaltung des Flächenanteils der oligotrophen Flachmoorgesellschaften an der Gesamtheit der Flachmoore;
Erhaltung des Anteils der Streuewiesen an der Gesamtfläche der Flachmoore, vor allem in den Gebieten Schattenhalbriet, Zilmüslen und Friessen;
Beeinträchtigte Moorbiotopflächen sind zu regenerieren;
Die Wasserqualität der Fliessgewässer muss den eidgenössischen Qualitätszielen für Fliessgewässer entsprechen;
Die Pflege und Nutzung des Waldes hat den eidgenössischen Bewirtschaftungsgrundsätzen zu entsprechen, insbesondere den Bestimmungen über die Berücksichtigung des Natur- und Landschaftsschutzes im Wald. Dabei ist der Ausscheidung von Waldreservaten (Natur-, Sonderwaldreservat) besonderes Gewicht beizumessen. Wirtschaftswälder sind ausschliesslich auf standortheimische Baumarten zu Abb.l: Auerhuhnbiotop. Störungsverjüngen; die verjüngten Bestände müssen in ihrer Baumartenmi- freie, offene Flächen bilden die Lebensgrundlage für das Auerhuhn. schung der potentiell natürlichen Waldgesellschaft entsprechen; Foto: R. Meier
Erhaltung der für die montane Höhenstufe typischen Biotope und Biotopelemente wie Einzelbäume, Baumgruppen, lockeren Fichtenbestände, Eschen- und Erlengebüsche und offene Wiesenbäche;
Erhaltung der Reliefformen, unter anderem der Moränenwälle und -hügel, Kare und Bachmäander (kein Abbau und keine Aufschüttung). Die schön ausgebildeten Schutthalden unterhalb der Säntiskette sind vor weiterem grossflächigem und über den lokalen Bedarf hinausgehendem Abbau sowie landschaftlichen Beeinträchtigungen zu schützen;
Erhaltung der geschützten und / oder gesamtschweizerisch gefährdeten Tier- und Pflanzenarten; vor allem soll das Auerhuhn in üb erlebensfähigen Populationen vorkommen können;
Die Nutzung durch Tourismus und Militär darf den Zielen des Moorbiotop- und Moorlandschaftsschutzes nicht widersprechen;
Gebiete, welche bisher frei von Bauten und Anlagen sind, müssen unverbaut erhalten bleiben, insbesondere die naturnahen Gebiete im Chräzerenwald und auf der Lütisalp.
2.2.5 Die traditionelle Struktur der Streusiedlungen in tieferen Lagen und der Alpsiedlungen ist zu erhalten. Neue Gebäude sind nur zulässig, wenn sie der bisherigen angepassten Form der landwirtschaftlichen Nutzung dienen. Neu-, Um- und Erweiterungsbauten müssen sich in Form, Farbe, Grässe etc. gut in die Landschaft und die bestehende Bausubstanz einfügen. Die als besonders wertvoll bezeichneten Alpgebäude sind in ihrer Struktur und Bausubstanz zu erhalten.
1.3 Die Bedeutung der Moorlandschaft Schwägalp für das Auerhuhn 2
HAND BUCH Der Wald im Schwägalpgebiet ist von vielen kleinen und grässeren MOOR- SCHUTZ Riedflächen durchsetzt. Die Übergänge sind teilweise noch fliessend, IN DER SCHWEIZ und die Waldränder sind natürlich ausgebildet. Die Flachmoore werden grässtenteils als Streuewiesen genutzt. Somit weist die Moorlandschaft Schwägalp wichtige Eigenschaften eines Auerhuhnlebensraumes auf. Sie haben dazu beigetragen, dass sich das Auerhuhn in der Moorlandschaft Schwägalp halten konnte. In den letzten Jahren hat sich der Bestand, nach einem Rückgang seit Mitte der siebzig er Jahre, auftiefemNiveau stabilisiert (vgl. Tab. 1).
Tab. 1: Übersicht über die Auer- 1960- 1968/ huhnbestände in den Revieren II 1955 1962 1969 1976 1985 1993 1997 und III (Kt. st. Gallen) im Toggenburger Teil der Moorlandschaft Schwägalp. Das Revier III (Schiess- Hähne platz Schwägalp) verlor seine Revier II 8 -12 10 -12 15 - 20 10 5-7 4-5 4-5 Hühnerpopulation; diese wanderte wohl teilweise ins Nachbarrevier Hähne oder es fehlte der Nachwuchs. Revier III 10 0 0 0 0 0 0
2 AKTUELLE NUTZUNG UND DEREN AUSWIRKUNGEN
2.1 Die landwirtschaftliche Nutzung
In weiten Teilen der Moorlandschaft Schwägalp beschränkt sich die landwirtschaftliche Nutzung auf die Alpwirtschaft (EIDG. VOLKS- WIRTSCHAFfSDEPARTEMENT, 1991). Entsprechend ist die Milchwirtschaft von zentraler Bedeutung. Die Weidenutzung erfolgt zum grössten Teil durch Rindvieh. Daneben werden vor allem die höher gelegenen Gebiete als Schafweide genutzt. Die Nutzung der Alpen ist durch Alpvorschriften und -reglemente festgelegt und hat eine lange Tradition. Die Weidezeiten sind beschränkt, und die Bestossung ist mit der Zuteilung von Kuhrechten geregelt. Die Nutzung der Moorflächen zur Gewinnung von Stalleinstreue (Streuenutzung) ist reglementarisch festgelegt und heute noch ein wichtiger Bestandteil der Alpbewirtschaftung. Eine Privatisierung der Alpen, wie sie in anderen Gebieten stattgefunden hat, wurde hier nicht vollzogen. Die Bewirtschaftung der Alpen ist auch heute noch genossenschaftlich organisiert. Im allgemeinen ist die alpwirtschaftliche Nutzung im Untersuchungsgebiet wenig intensiv, obwohl auch im Gebiet Schwägalp eine gewisse Modernisierung (Erschliessungsstrassen und Motorisierung) stattgefunden hat.
Im Untersuchungsgebiet können vier Nutzungsformen der Moorflächen unterschieden werden:
Mahd (M): Diese Moorflächen sind vom restlichen Gebiet ausgezäunt und werden im Spätsommer gemäht. Das Mähgut wird abgeführt und als Einstreue verwertet. Der Schnittzeitpunkt dieser Wiesen liegt zwischen Anfang August und Mitte September. Je nach Ertrag erfolgt der Schnitt nicht alljährlich.
Pflegemahd (P): Diese Moorflächen sind vom Alpgebiet nicht abgezäunt. Eine Beweidung durch das Vieh ist möglich. Im Spätsommer werden die Flächen aber auch gemäht, und das Schnittgut wird abgeführt. Häufig wird in einem Jahr nicht die ganze Fläche geschnitten, sondern je nach Ertrag teilweise von Jahr zu Jahr wechselnd.
2.2.5
HAND BUCH MOOR· SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Abb. 2: Tosbach, Schwägalp. Moore und Weideflächen bilden ein eng verzahntes Mosaik. Im Interesse der Erhaltung der Flachmoore ist im Herbst eine Pflegemahd nötig. Foto: R. Meier
Weide (W): Diese Moorgebiete sind vom Weide gebiet nicht abgetrennt und können vom Vieh beweidet werden. Das im Herbst noch stehende Pflanzenmaterial wird nicht mehr gemäht und fault zu einem grossen Teil über den Winter ein.
Brache (B): Diese Moorflächen sind vom Weidegebiet abgetrennt. Wegen des geringen Ertrages oder der schlechten Zugänglichkeit werden sie nicht mehr genutzt oder nur noch in unregelmässigen Zeitabständen gemäht (z.B. halbschürige Wiesen). Entweder sind diese Gebiete ausgezäunt oder es handelt sich um Waldlichtungen.
Die Artenvielfalt einer Riedfläche hängt von der Bewirtschaftung ab. So können im Durchschnitt auf den regelmässig gemähten Flächen die meisten Arten gezählt werden. Dennoch fördert jede Nutzung gewisse spezialisierte Arten (vgl. Abb. 3). Im Interesse einer möglichst grossen Biodiversität sind daher alle Bewirtschaftungsformen zu erhalten. Genauso hängt es davon ab, welche Ziele mit der Bewirtschaftung einer Fläche angestrebt werden. Bezüglich einer guten Bodendurchlüftung wäre die Brache zu fördern (vgl. Abb. 4). Auch dieser Umstand bestätigt, dass der Moorschutz nur mit der Erhaltung aller Nutzungsformen eine grösstmögliche Zielpalette erreichen kann.
Wird die Nutzung gegenüber der traditionellen Bewirtschaftung intensiviert, so führt dies zu starken Trittschäden, Nährstoffanreicherungen sowie auch zu Änderungen im Wasserhaushalt. Dies hat eine Verarmung und schliesslich die Zerstörung des vormals geschlossenen und ausgeglichenen Pflanzenbestandes zur Folge und führt durch Abschwemmung von Nährstoffen zu Schäden in anderen empfindlichen Lebensräumen. In diesen Fällen kann nicht mehr von sachgerechter Pflege gesprochen werden, obwohl dabei die grossräumige landschaftserhaltende Funktion der Bewirtschaftung aufrechterhalten wird.
Pflanzenarten Abb. 3: Übersicht über die Artenvielfalt (Summe verschiedener
120 Pflanzenarten auf 72 Flächen zu
25 m2 ) in der Moorlandschaft
110 Schwägalp in Abhängigkeit von der
100 Bewirtschaftung. Es ist zu berück-
I-- - sichtigen, dass jede der untersuchten
90 Nutzungen das Vorkommen gewist-- - ser spezialisierter Pflanzen fördern
80 kann. Die höchste Artenvielfalt wird
I-- - somit erreicht, wenn alle Bewirt- 70 schaftungsformen dem jeweiligen
t-- - Standort angepasst vorkommen.
t-- - Quelle: MEIER (1996) Brache Weide Pflegemahd Mahd
2.2.5
2.2 Die Waldnutzung
Die Bestände sind gemäss den Waldwirtschaftsplänen zwischen dem Weisstannen-Buchenwald (montane Stufe) und dem subalpinen Fichtenwald anzusiedeln. Auf dieser Höhe sind die Fichtenbestände standortgerecht, während sie in den tieferen Lagen der Schwägalp mehrheitlich anthropogen sind. Die Hauptholzarten sind Fichte, Weisstanne, Buche und Bergahorn. Als Beimischung in der Mittel- und Unterschicht treten Vogelbeere, Mehlbeere, Grauerle, Birke, Espe, Weide und Esche auf. Auf nassen Böden sind in der Krautschicht auch 2 Schachtelhalme vertreten. Die Vegetation der Hochmoore entspricht HAND BUCH dem Torfmoos-Bergföhren-Wald. Aus den Wirtschaftsplänen geht her- MOORvor, dass sich die Nutzung des Waldes vorwiegend auf die Ernte des SCHUTZ IN DER SCHWEIZ Altholzes beschränkte. Dabei wurden kleinere und grössere Saum- und Kahlschläge ausgeführt und anschliessend die offenen Flächen mit Fichten angepflanzt. Ebenso wurde die Fichtenverjüngung gefördert. Die Kahlschläge hielten sich aber im Vergleich zu den übrigen Waldungen der Region in Grenzen. Im appenzellischen Teil der Moorlandschaft wurden die meisten Waldbestände noch bis vor 30 Jahren beweidet. Seit der Wald-Weideaus-
100% Abb. 4: Übersicht über die Boden- 90 % durchlüftung ausgewählter Moorflächen in der Moorlandschaft % Schwägalp in Abhängigkeit von der 70 % Bewirtschaftung. Die Bewirtscbaftungsform der 60% Flachmoore hat einen Einfluss auf 50 % die Bodendurchlüftung. 40 % Quelle: MEIER (1996)
30 % 20 % 10 % 0% Brache Weide Pflegemahd Mahd
• sehr schlechte Durchlüftung
• schlechte Durchlüftung
mittlere Durchlüftung
o gute Durchlüftung
scheidung ist die Beweidung in einem grossen Teil der Waldungen untersagt. Die zur Aufforstung bestimmten Flächen wurden entwässert und anschliessend hauptsächlich mit Fichten bepflanzt. Im Rahmen der Wald-Weideausscheidungsprojekte wurden ausserdem die Waldränder begradigt und neue Erschliessungsstrassen gebaut. Im st. gallischen Teil (Toggenburg) erfolgte die Wald-Weide-Trennung im Zuge der Besitzesausscheidung in den letzten Jahrzehnten. Die im Wald eingeschlossenen Riedflächen wurden regelmässig genutzt und nicht mehr aufgeforstet. Damit konnte der Charakter der Kulturlandschaft beibehalten werden. Im Moorlandschaftsgebiet, das zum Kanton St. Gallen gehört, wird der Wald seit 20 Jahren plenterartig ge- .: . nutzt.
2.3 Die touristische Nutzung
Bei Übersichtszählungen konnte Die Moorlandschaft Schwägalp befindet sich in unmittelbarer Nach- festgestellt werden, dass die Wandernden und Spazierenden barschaft zur Talstation der Säntisbahn und eines Ausflugsrestaurants. die Wege nur selten verlassen. In Sie bilden das touristische Zenh'um des Gebietes, neben einem weite- der Nähe des Zentrums Schwägren, kleineren Zentrum um die Passhöhe. Teile der Moorlandschaft alp halten sie sich in den Feuchtgebieten eher an die Pfade als in werden dadurch vom Tourismus beeinflusst. den trockeneren Gebieten. In Der Wander- und Spaziertourismus gehört zu den häufigsten Erho- weiterer Entfernung hingegen lungsarten auf der Schwägalp. Die Anzahl der Erholungssuchenden, durchqueren die gut ausgerüstedie an Sonntagen bei schönem Wetter das Zentrum Schwägalp besu- ten Leute häufiger ein Moorgebiet abseits des Weges. chen, ist mit annähernd 9'000 Personen (Oktober) hoch. Von diesen unternimmt mehr als ein Viertel einen Ausflug auf den Säntis (MEIER, 1996). Nur gerade ein Fünftel der Leute entfernen sich mehr als 500 Meter von der Talstation. Eine potentielle Belastung für die Moore ist daher vor allem in unmittelbarer Umgebung des Zentrums zu erwarten, während sich für die weiter entfernt liegenden Moorbiotope eine geringere mögliche Belastung ergibt. Die Moorlandschaft weist jedoch grosse Gebiete auf, welche durch den Tourismus nicht oder nur am Rande berührt werden. Anhand ausgewählter Moore und ihrer Umgebung sind die Einflüsse und Schäden untersucht worden, welche durch das Wandern und Spazieren verursacht werden (MEIER, ~996). Dabei konnten folgende Erkenntnisse gewonnen werden:
Hochmoore: Bei den beiden Hochmooren, welche ohne Holzpfad dem Tritt der Erholungssuchenden ausgesetzt sind, zeigen sich Schadenformen wie Verbreiung, Vegetationszerstörung und Mineralisation des Torfes.
2.2.5
HAND BUCH MOOR- Abb. 5: Säntisbahnstation mit SCHUTZ Gasthaus "Schwägalp". An schönen IN DER SCHWEIZ Wochenenden besuchen über 9'000 Personen die Schwägalp.
Selten begangene Wege sind eher schmal und breiig. Mit zunehmender Benutzung werden die Wege breiter. So ist beispielsweise ein viel begangener Weg (gernäss Zählungen 120 bzw. 424 Wandernde pro Wochenende) stellenweise bis über drei Meter breit. In einem Streifen von einem Meter Breite ist die Vegetation zerstört und der Torfboden an der Oberfläche mineralisiert.
Flachmoore: Im Falle der Flachmoore wirkt sich das Freizeitverhalten in ganz unterschiedlichen Schadensformen aus:
Die nassen Sumpfdotterblumenwiesen (Calthion) und die Binsenweiden zeigen sowohl bei wenig begangenen Wegen als auch bei eher kleinem Gefälle starke Trittschäden. Die Schäden auf den trittempfindlichen Davallsseggen- und Braunseggenriedern sind flächenmässig geringfügig (nur schmale Wege).
Im Borstgrasrasen (Nardion-Bestand) finden sich ebenfalls grössere Trittschäden, obwohl das Borstgras als eher trittunempfindlich gilt.
Dagegen weisen die Weiden (Arrhenatheretalia), deren Vegetation der Trittbelastung angepasst ist, im Bereich der begangenen Pfade nur wenige Vegetationslücken auf.
3 ANSÄTZE ZUR KONFLIKTENTFLECHTUNG
3.1 AlpwirtschaftJiche Konfliktentflechtung am Beispiel der Alpgenossenschaft Schwägalp Im Falle der Moorlandschaft
Schwägalp haben verschiedene Ursachen zum Erfolg beigetra- Seit dem Jahre 1992 wird die Bewirtschaftung der Moorflächen auf gen: der Schwägalp über eine Bewirtschaftungsvereinbarung zwischen dem • Das Verständnis der Bewirt- Kanton Appenzell Ausserrhoden und der Genossenschaft kleine schafter für die Belange des Moorschutzes ist gewachsen. Schwägalp bzw. grosse Schwägalp geregelt.
Die Bewirtschaftungsver- Hochmoorflächen, welche keiner regelmässigen Bewirtschaftung be- handlungen vor Ort haben das dürfen, wurden öffentlich-rechtlich vor Eingriffen und Beeinträchti- Verständnis für die Interessen der Beteiligten gefördert und so gungen geschützt (Naturschutzzonen nach Art. 14 EG zum RPG vom eine gegenseitige Vertrauensba- 28.4.1985). Diese Flächen werden innerhalb des Weidegebietes ausge- sis geschaffen. zäunt. • Das traditionelle Bewirt- Bei den zu bewirtschaftenden Flachmoorflächen werden zwei Schutz- schaftungsmuster konnte in grossen Teilen übernommen kategorien unterschieden: werden.
Streuwiesen (S-Zone): Dabei handelt es sich um grössere Streueflächen, welche ausgezäunt werden. Die Bewirtschaftungsform entspricht der "Mahd" (vgl. Ziffer 2.1), wobei folgende Nutzungsbedingungen gelten: keine Düngung, keine Beweidung, Schnitt nicht vor Eintreten der Gelbfärbung, Abführen des Mähgutes, keine Entwässerungen, keine chemische Unkrautbekämpfung.
Weiden mit üblichem Rindviehweidgang und Streueflächen (SIR- Zone): Diese Kategorie gilt für jene Flächen innerhalb des Weidegebietes, welche mosaikartig von kleineren Streueflächen durchsetzt sind oder für Streueflächen, welche nicht ausgezäunt werden konnten. Die Bewirtschaftungsform entspricht der "Pflegemahd". Es gelten die folgenden Nutzungsbedingungen: Düngung der Weiden ausschliesslich mit dem auf der Alp anfallenden Dünger (nur reduzierte Zufuhr von Futter), keine Schafbeweidung, nur ausnahmsweise gezielte Unkrautbekämpfung. Bei den Streueflächen ist jede Düngung und Unkrautbekämpfung zu unterlassen und Trittschäden sind in Grenzen zu halten.
Die Streueflächen werden von den Sennen gemäht, in der Regel in der ersten Augusthälfte.Die Streueflächen müssen im Mehrjahresdurchschnitt in drei Jahren zweimal gemäht werden.
2.2.5
3.2 Massnahmen zur Förderung des Auerhuhns
3.2.1 Waldbauliche Massnahmen
Mit der Durchforstung der Wälder konnte die Qualität des Lebensraumes erheblich erhöht werden. Sie erreicht heute stellenweise die höchste Qualitätsstufe (Bewertungsschlüssel nach SCHROTH, 1990). So konnten die Altholzbestände, die dem Sturm von 1990 nicht zum Opfer fielen, erhalten werden. Auch der Anteil des stehenden und liegenden Totholzes ist stark gestiegen. Die Bodenflora und die Strauchschicht (besonders die Heidelbeere) aber auch die Waldverjüngung 2 haben sich stark entwickelt, so dass die Stufigkeit in einigen Gebieten HAND BUCH ansatzweise vorhanden ist. Zudem ist in der Moorlandschaft Schwäg- MOOR- SCHUTZ alp die Grenzliniendichte infolge der engen Verzahnung des Waldes IN DER SCHWEIZ mit vielen Riedflächen sehr hoch. Der Schaffung neuer Grenzlinien im Wald kommt daher in diesem Gebiet keine prioritäre Bedeutung zu. Zur Förderung des Auerhuhns in der Moorlandschaft Schwägalp sind die folgenden waldbaulichen Massnahmen vordringlich:
Der Anteil tief beasteter und lückig stehender alter Nadelbäume ist relativ hoch. Diese Waldstruktur soll durch langsame einzelstammweise Nutzung und Erduldung der natürlichen Verjüngung erhalten und flächig ausgedehnt werden.
Pflanzungen, welche die Verjüngungsphase unterbinden, sollen unterlassen werden.
Aus flächigem Abtrieb entstandene, gleichaltrige und geschlossene Bestände sind zu durchforsten und allenfalls so zu strukturieren, dass sich die Bodenvegetation, insbesondere eine Beerenstrauchschicht, entwickeln kann.
Generell ist ein kleinflächig wechselnder Waldbau anzustreben, welcher über die Plenterung, die Gruppenplenterung, den kleinflächigen Femelschlag oder auch über den Seilschlag erreicht werden kann. Die Massnahmen sind den pflanzensoziologischen Verhältnissen entsprechend zu differenzieren.
3.2.2 Massnahmen auf dem Gebiet der Erschliessung und des Holztransportes
Die vor der Annahme der Rothenthurminitiative ausgearbeiteten Erschliessungspläne wurden überarbeitet und re dimensioniert (vgl. Band 2, Beitrag 4.1.3). Seither sind keine neuen Strassen mehr gebaut worden, und die Nutzung des bestehenden Netzes wurde mit Barrieren eingeschränkt. Auch das Wanderwegnetz wurde konzentriert und ausgedünnt, so dass grössere Ruhezonen geschaffen werden konnten.
Der Transport des Holzes über die Moore bis zu den Erschliessungsstrassen erfolgt wenn immer möglich mit schneegängigen Traktoren im Winter oder mit Seilkranen (vgl. Band 2; Beitrag 4.1.2).
3.2.3 Begrenzung der menschlichen Störungen
Im Untersuchungs gebiet mit seinen kleinflächigen Waldgebieten ist der Störungsdruck eines der gros sen Probleme. Entsprechend ist die Reduktion der Störungen durch eine gezielte Besucherlenkung ein wesentlicher Bestandteil des Auerhuhnschutzes. Im Toggenburger Teil der Schwägalp (Gemeinde Krummenau) wird der Besucher mit Orientierungstafeln auf die Bedeutung des Gebietes hingewiesen und .: . . aufgefordert, die Strassen und bezeichneten Wege nicht zu verlassen. Seit einiger Zeit verzichtet die Armee auf Aktivitäten in den Kerngebieten der Auerhuhnpopulationen.
3.2.4 Grossräumiges "Auerhuhnmanagement"
Mit den bis heute umgesetzten Massnahmen konnte, so scheint es, der Rückgang des Auerhuhnbestandes gestoppt werden. Die heutigen Auerhuhnvorkommen müssen aber als Inselrelikte einer früher durchgehenden voralpinen Verbreitung angesehen werden. Die Erhaltung und Stärkung dieser Inselvorkommen ist sehr wichtig. Auf die Dauer kann der bisherige Schutz nur erfolgreich sein, wenn wieder ein grossflächiger Verbund mit einer weit grösseren Population erreicht werden kann. Parallel zu den Bestrebungen im Gebiet Schwägalp ist daher ein grossflächiges "Auerhuhnmanagement" anzugehen.
3.3 Touristische Konfliktentflechtung: Wanderwege in Moorbiotopen
Die Wegführung ist entscheidend für das Ausmass der Schäden an der Moorvegetation. Die geringsten Schäden verursachen Wege, welche auf Holzstegen durch die Moore führen. Aufgrund der Erfahrungen im Untersuchungsgebiet können für die Anordnung und die Gestaltung der Wege die folgenden Grundsätze genannt werden:
Hochmoore:
Keine Wegführung durch Hochmoorbiotope. Falls dies unausweichlich ist, müssen Holzstege gebaut werden.
Wegführung im Randbereich nur bei sehr geringer Begehung durch Erholungssuchende (weniger als fünf Personen im Tag).
2.2.5
Bei Neigungen über fünf Grad muss auf die Wasserführung geachtet werden. Eintretender Wasserstau kann durch vom Boden abgesetzte Holzstege verhindert werden. Zudem wird so ein Nährstoffeintrag in die Biotope vermieden.
Die Stege müssen durchgehend geführt und regelmässig unterhalten werden.
Flachmoore:
Wege durch Flachmoore dem Hang entlang (in der Streichlinie) oder an schmalster Stelle durch das Moor führen.
Bestehende, quer zum Hang verlaufende Wege (in Hanglinie) bei HAND BUCH starker Belastung durch Erholungsuchende mit Holz befestigen. MOOR- SCHUTZ
Sehr nasse MoorsteIlen (Sumpfdotterblumenwiesen oder Quellbe- IN DER SCHWEIZ reiche ) mit Stegen überbrücken.
Holzstege durchgehend führen.
4 SCHLUSSFOLGERUNGEN
Für einzelne Gebiete in der Moorlandschaft Schwägalp konnten schon etliche Ziele des Arten- und Biotopschutzes auf pragmatische Art und Weise erreicht werden. Es wird jetzt Aufgabe der drei Kantone St. Gallen, Appenzell A.Rh. und Appenzell LRh. sein, das Erreichte in der öffentlich-rechtlichen Umsetzung des Moorlandschaftsschutzes zu sichern, weiter zu präzisieren und auf die ganze Landschaft auszuweiten. In enger Zusammenarbeit versuchen die drei Kantone, diese Aufgabe wahrzunehmen. Die bisher erfolgten Grundlagenarbeiten zeigen, dass der oben beschriebene Weg und das bisher Vollzogene eine gute Ausgangslage darstellen, um den Moorlandschaftsschutz umzusetzen. Die bisherige Umsetzungsarbeit hat bestätigt, dass sich bei guter Kommunikation und einem regen Austausch der Zwischenergebnisse die vorhandenen Schwierigkeiten lösen lassen. Dies gilt insbesondere auch für die Zuständigkeiten, die unterschiedlich geregelt sind. Während in den beiden Appenzell der Kanton federführende Vollzugs behörde ist, obliegt diese Aufgabe im Kanton St. Gallen der Gemeinde.
LITERATUR ANSCHRIFT DER AUTOREN
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IDG ENÖS J HE VOLKS- Dipl. For tlng. ETH WIRTSCHAFr DEPARTEMENT franz Rudmann (1991): Zonengrenzen de( Schweiz Kreisforslamt V Toggenburg M. l:300'OOO. Bundesamt für Land- 9630 WattwLL wirtschaft Bem
tvlEIER, R (1996): Landwirtscbaf1 Handbuch und Tourismu. in der M orlancl- Mo r chutz schaft chwägalp: Auswirkungen in der chweiz 2 unter 'chiedlicher NULzungen auf 2/1997 fl ra Fauna und LandschafL. Dis. Uni Beru
S HROTH K -E. (1994): Zum Lebensraum de Auerhuhlls im Nord cl1warzwall. Mitteilungen der f r tlichen Versuch - und Por- . chungsanstalt Baden-Wü rtemberg (Heft 178)
REDAKTION
Fallbeispiele Gestaltung und Regeneration 2.3 Bei der Ausarbeitung von Regenerations- und Gestaltungsvorhaben Handbuch müssen die spezifischen naturräumlichen Gegebenheiten der jeweili- Moorschutz in der Schweiz 2 gen Moorobjekte berücksichtigt werden. Dies ist nur möglich, wenn 1/1996 seriöse Abklärungen vorgenommen und angepasste Konzepte entwikkelt werden. Solche Projekte müssen aber auch hinsichtlich ihrer Umsetzung gut vorbereitet werden. So sind etwa die zeitlichen Möglichkeiten für bauliche Eingriffe beschränkt, und nicht selten bereitet die Beschaffung geeigneten Materials einige Mühe. Schliesslich ist zu beachten, dass von einem Vorhaben zur Regeneration oder Gestaltung verschiedene Kreise und Institutionen - Besitzer und Bewirt- schafter, Private und die öffentliche Hand, verschiedene Amtsstellen - HAND BUCH berührt sind, welche mit Vorteil von allem Anfang an in die Planung MOOR- SCHUTZ und Umsetzung der Massnahmen einbezogen werden. IN DER SCHWEIZ
In den nachfolgenden Beiträgen werden Erfahrungen mit der Regeneration und Gestaltung von Mooren und Teilen davon dargestellt. Die verschiedenen Projekte befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Abklärung, Projektierung oder Realisierung.
PETER STAUBLI
Hochmoor-Regenerationsproiekt Brämene99 (OBERÄGERI, ZG) 2.3.1
HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
1 AUSGANGSLAGE Abb. 1: Brämenegg, Hochmoorobjekt von nationaler Bedeutung
Nr. 189 (Luftaufnahme vom Das Gebiet Brämenegg, in welchem das Regenerationsprojekt durch- 2.11.1981; Mst. ca. 1:10'000). Der geführt wird, liegt in der Gemeinde Oberägeri, Kanton Zug, auf einer Hochmoorbereich befindet sich in Höhe von 1'005 m ü.M. Das Gebiet wird im Bundesinventar der Bildmitte. Gut sichtbar sind die Baumreihen entlang der Entwässe- Hochmoore von nationaler Bedeutung als Objekt Nr. 189 und im rungsgräben. Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung als Objekt NI. 2887 aufgeführt. Der Hochmoorbereich liegt auf einem Geländesporn (Moräne), der sich von Norden nach Süden ins Tal vorschiebt (vgl. Abb. 1).
Das Hochmoor wurde ab 1960 etappenweise entwässert und aufgeforstet. Seit 1982 ist das Gebiet als kantonales Naturschutzgebiet ausgeschieden. Trotz der Unterschutzstellung und der nachfolgend ausgeführten Pflegemassnahmen (Entbuschung, Durchforstung) konnte die angestrebte biotoptypische Ausprägung des Hochmoores nicht im gewünschten Mass wiederhergestellt werden. Deshalb entschloss sich das Amt für Raumplanung des Kantons Zug in Absprache mit der Korporation Oberägeri, der Besitzerin der betroffenen Fläche, ein detailliertes Regenerationsprojekt ausarbeiten zu lassen (STAUBLI, 1991). Die nachfolgenden Ausführungen stellen eine Zusammenfassung dieses Berichtes dar, ergänzt mit den bisherigen Erfahrungen aus der Realisierung.
2 ERHEBUNG DER GRUNDLAGEN
Zu Beginn wurde das vorhandene Dokumentationsmaterial über das Gebiet gesammelt und ausgewertet. Die anschliessenden Feldarbeiten sind im Jahre 1990 durchgeführt worden.
Vermessung: Zur Vermessung wurde das rund 2,5 ha grosse Untersuchungsgebiet in Quadrate von 25 m Seitenlänge eingeteilt. Die Eckpunkte (Koordinatenpunkte ) wurden verpflockt und numeriert. Auf der Basis von Luftbildern (Infrarot- und Normalfarbenspektrum, Massstab ca. 1:5'000) konnte der Hochmoorbereich mit seiner näheren Umgebung stereoskopisch ausgewertet (Äquidistanz 1 m, teilweise 0,5 m) und dessen Topografie kartografisch dargestellt werden. Genaue Kenntnisse über die Gefällsverhältnisse sind hauptsächlich für die Planung der Grabenabdichtung sehr wichtig (vgl. Ziffer 5). Nassere Stellen sind in der Regel kälter als trockenere und werden deshalb auf den Infrarot-Aufnahmen gut unterscheidbar abgebildet. Diese ergänzen die Normalfarbenbilder in optimaler Weise.
Kartierung des Grabensystems und der Bewaldung: Der Verlauf der Drainagegräben und die Entwicklung der Bewaldung konnten durch die Auswertung von Luftbildern rekonstruiert werden. Hierzu dienten Schwarzweiss-Aufnahmen aus den 30-er Jahren, von 1944, 1960, 1971, 1978 und 1983 sowie Farbfotos von 1981, 1989 und 1990.
2.3.1 Ermittlung der Torfmächtigkeit: Unmittelbar bei den Koordinatenpunkten wurde die Torfmächtigkeit ermittelt. Dabei kam ein Handbohrer mit Probenkammer (Hiller-Bohrer) zum Einsatz, welcher die exakte Bohrtiefe und eine Bodenprobe mit Torf oder mineralischem Untergrundmaterial liefert. Aus der Torfzusammensetzung ergeben sich u.a. Hinweise auf die Entstehung, die Hydrologie und die Typologie eines Moores. Im Hinblick auf allfällige Regenerationsmassnahmen lassen sich Aussagen über die Materialwahl für den Dammbau oder die Grabenverfüllung ableiten. Messung des Grundwasserstandes: Aufgrund der überblickbaren HAND BUCH hydrologischen Verhältnisse (Kleinräumigkeit, Kuppenlage, Graben- MOORsystem) sind keine Messungen des Grundwasserstandes durchgeführt SCHUTZ IN DER SCHWEIZ worden.
Botanische und zoologische Erhebungen: Im Rahmen der Naturschutzplanung des Kantons Zug erfolgte im Jahre 1979 eine vegetationskundliche Erfassung aller Riedflächen des Gebietes Brämenegg. Nach Aufnahme der Vegetation auf der Fläche von jeweils einem Quadratmeter an 61 Koordinatenpunkten wurde der Hochmoorbereich 1990 erneut pflanzensoziologisch kartiert. Aus Kostengründen ergab sich ein Verzicht auf eine Vegetationsanalyse. Da bereits ein Inventar der Vogelarten aus dem Jahre 1979 besteht, wurden die Vögel 1990 ebenfalls erfasst. Zur Ergänzung der ornithologischen Daten fanden zudem die Ergebnisse einer Untersuchung der Tagfaltervorkommen (JUTZELER, 1990) Berücksichtigung.
3 ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG
Topografie und Moortypologie: Im Gebiet Brämenegg hat sich auf dem wasserundurchlässigen Geländesporn, der aufgrund seiner Form nur mit Regenwasser versorgt wird, ein wurzelechtes Plateauhochmoor (Kammhochmoor) entwickelt (vgl. Abb. 2). Die Torfmächtigkeit ist eher bescheiden (max. 73cm) und nimmt vom Zentrum gegen die Abb. 2: Wurzelechtes Plateau- oder randlichen Flachmoorbereiche hin ab. Kammhochmoor
Hochmoortorf Grabensystem und Bewaldung: Die Luftbildauswertung zeigt, dass zwischen den 30-er Jahren und 1960 keine wesentlichen Veränderun- wasserundurchlässige Schicht .', gen stattgefunden haben. Nach 1960 ist das Grabensystem stark erweitert worden. In der gleichen Zeit hat sich die offene Moorfläche als v'!//%1 Moräne Folge der Aufforstung verkleinert (Abb. 3 und 4). Wurzelechte Hochmoore gehen aus vernässten Böden ohne vorhergehendes Bruchwald- oder Seenstadiumhervor. Quelle: Darstellung des Autors
Abb. 3: Entwässerungsgräben und Bestockung des Hochmoors Brämenegg, Zustand 1960 (Massstab 1:5'000).
Einzelbaum, -busch
C0 Gebüsch, Heide ,. t:f::p " ' ..- ' , - 'P . ' .. Aufforstung
~ Jungwuchs
Wald
Entwässerungsgraben
Quelle: Darstellung des Autors
2.3.1 Die Gräben reichen meist bis auf oder in den mineralischen Untergrund. Der teilweise noch sichtbare Grabenaushub setzt sich in der Regel aus Torf und dem Moränenmaterial zusammen. Auf diesen Wällen sind die gepflanzten Bäume aufgrund der relativen Trockenheit und der günstigen Bodenbeschaffenheit (Nährstoffe) am kräftigsten gewachsen.
Vegetation: Die Auswertung der Vegetationskarten bestätigt die Vermutung, dass für Hochmoorverhältnisse relativ trockene Bedingungen bestehen. Bezüglich der aktuellen Vegetation können zwei Bereiche 2 unterschieden werden (vgl. Abb. 5). HAND BUCH Im zentralen und nordöstlichen Teil wurde das Moor nur wenig ent- MOOR· SCHUTZ wässert und nicht aufgeforstet. Die Vegetation wird hier stark von IN DER SCHWEIZ Besenheide (Calluna vulgaris), Moorbeere (Vaccinium uliginosum)
Abb. 4: Entwässerungsgräben und Bestockung des Hochmoors Brämenegg, Zustand 1989 (Massstab 1:5'000).
... Einzelbaum, -busch
Gebüsch, Heide
. ..... . Aufforstung
. Jungwuchs
@·.:C!" .o Wald
---x Entwässerungsgraben
Quelle: Darstellung des Autors
und Pfeifengras (Molinia coerulea) dominiert. Gleichzeitig kommen Abb. 5: Brämenegg 28.8.1990 . Die Fichten (Picea abies) und Faulbaum (Frangula ainus) auf. Dies lässt Fläche auf der linken Bildhälfte war ehemals vorwiegend mit Fichten den Schluss zu, dass zumindest zeitweise trockene Bodenverhältnisse aufgeforstet. Diese wurden im Winbestehen. ter 1988/89 grässtenteils entfernt, Die randlicheren Bereiche, insbesondere gegen Westen, wurden in worauf sich ein Faulbaum-Weidengebüsch etablierte. Das Gebiet auf den 60-er Jahren entwässert und aufgeforstet. Im Winter 1988 / 89 der rechten Seite wurde nie aufgewurden auf einer Teilfläche wiederum Fichten gefällt. Da keine Ver- forstet. Es zeigt einen ebenfalls besserung der hydrologischen Bedingungen für eine Moorregene- trockenen Hochmoorteil mit Pfeiration erfolgte, verbuschten diese Flächen stark. Sie werden heute von fengras, Besenheide und Faulbaum.
Faulbaum und Weiden (Salbe sp.) dominiert. Zwergsträucher und Pfeifengras bilden den Unterwuchs, Torfmoose (Sphagnum sp.) fehlen weitgehend.
Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der verschiedenen Abklärungen lassen den Schluss zu, dass die Wiederherstellung der optimalen hydrologischen Verhältnisse die Grundvoraussetzung ist, um das Hochmoor langfristig in seiner biotoptypischen Ausprägung und als intaktes Ökosystem zu erhalten.
2.3.1 4 ENTWICKLUNGSZIELE Zeiträume für die Moorregene- Das übergeordnete Entwicklungsziel besteht darin, den entwässerten ration und teilweise aufgeforsteten Hochmoorteil des Naturschutzgebietes Jedes Hochmoor ist ein komple- Brämenegg langfristig in einen biotop typischen, naturnahen Zustand xes Ökosystem mit spezifischen zu überführen. Die Hydrologie, Vegetation und Fauna sowie der Eigenschaften. Die darin stattfindenden Prozesse (z.B. landschaftliche Aspekt sollen dem Hochmoorbiotop optimal entspre- Torfbildung) laufen sehr langchen. Durch die Zurückdrängung atypischer Arten und die Wieder- sam ab. Die Eingriffe der letzten vernässung sollen die Voraussetzungen für die Hochmoorregeneration (wachsendes Hochmoor) geschaffen werden (vgl. Abb. 6). 20 - 30 Jahre und deren Folgen können nicht von heute auf mor- 2 Dies bedingt, dass der mooreigene Wasserspiegel mittelfristig möggen rückgängig gemacht werden. HAND Renaturierungserfolge können BUCH lichst nahe an die Oberfläche gebracht wird und für das Wachstum der sich kurzfristig (Monate - Jahre) MOOR- Torfmoose optimale Lichtverhältnisse geschaffen werden. Demzufol- einstellen. Der Zeitrahmen für SCHUTZ IN DER eine erfolgreiche Regeneration SCHWEIZ ge sollen auf der hochmoorbedeckten Kuppe des Geländesporns bis in (selbstregulierendes System mit dessen Randbereiche insgesamt bedeutend weniger, dafür aber stan- hochmoortypischer Fauna und dortgemässe Bäume (Bergföhren) vorkommen. Flora) muss in der Grössenordnung von mehreren Jahrzehnten angesetzt werden.
Abb. 6: Entwicklungsziele für die Teilflächen des Hochmoors Brämenegg (Massstab ca. 1:5'000).
r.:-:-:1 offene Moorfläche, ohne ~ regelmässige Pflege
r-:-:1 offene Moorfläche, l..!...!....:.J evtl. Pflege notwendig
lichter Moorwald, Bruchwald
naturnaher Waldbau
Naturschutzgebiets- oder Informationstafel
Grenze Naturschutzgebiet /- Weg aufheben ;* /- Wege verbinden
•
", ...
5 MASSNAHMEN UND UMSETZUNG
Die vorgeschlagenen Massnahmen können folgendermassen zusammengefasst werden: • Sanierung der Moorhydrologie: Um ein optimales Wachstum der Torfmoose zu ermöglichen, muss der Wasserspiegel über weite Strecken in die Reichweite der Torfmoose gebracht werden. Ist das Gefälle des Moores oder eines Moorteiles kleiner als 1 %, dann ist der Aufstau mittels Dämmen sinnvoll (SCHNEEBELI / FLÜHLER, 1991; SCHNEEBELI, 1991). Bei mehr als 1 % Gefälle empfiehlt sich das etappenweise Verfüllen von Entwässerungsgräben, im minerali- .. , 0, ••
schen Bereich z.B. mit Lehm, im organischen Bereich mit Torf.
Entfernen von standortfremden Bäumen
Kontrolle und Eindämmung der Verbuschung
Schaffung von artenreichen Gehölzstreifen am Hochmoorrand (mit Durchlässen und offenen Durchgangskorridoren für Kleintiere)
Lenkung der Fussgänger durch geeignete Wegführung ausserhalb des Hochmoores
Kontrolle der Auswirkungen der getroffenen Massnahmen und allfällige Anpassung der Eingriffe. Seit dem Abschluss der Planung sind verschiedene Massnahmen umgesetzt worden: Im Winter 1991/92 wurden einzelne Teilgebiete stark durchforstet. Einige stehengelassene grössere Bäume gewährleisten vorerst noch eine leichte Beschattung der vegetationsfreien Stellen. Das anfallende Holz wurde auf Holzrosten, die mit altem Wellblech abgedeckt waren, verbrannt und die Asche ausserhalb des Gebietes deponiert. Auf diese Weise konnten eine Schädigung der Pflanzendecke und des Torfkörpers sowie ein Nährstoffeintrag vermieden werden. Im Winter 1992/93 wurden fünf Querdämme mit je ca. 1 m 3 Inhalt (Lehm) errichtet, die eine sehr gute Stauwirkung entfalteten. Der Arbeitsaufwand dafür betrug insgesamt rund 80 Stunden (Biologe, Förster, Forstwart, Lehrlinge). Die Dämme wurden in randlichen Gräben angelegt. Sie dienen dem kleinen, mit Raupen versehenen Transporter als "Brücke" zu den weiteren Baustellen im zentralen Bereich. Im März 1993 wurden zwei grössere Randflächen durchforstet (rund
50 Stunden). Der Forstdienst der Korporation Oberägeri führte diese
Arbeiten im Rahmen seiner regelmässigen Einsätze in N aturschutzgebieten durch. Ende des gleichen Monats entbuschten zwei Sekundarschulklassen aus Oberägeri verschiedene Flächen und entfernten Äste, die bei der vorangegangenen Durchforstungsaktion angefallen waren. Danach kam noch eine Arbeitsgruppe von fünf Erwachsenen
2.3.1 im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms während vier Tagen für die abschliessenden Aufräumungsarbeiten zum Einsatz. Im Winter 1994/95 fand aufgrund der Witterungsverhältnisse kein Arbeitseinsatz statt. 1995/96 wurden zwei Gräben mit weniger als 1 % Gefälle mittels Dämmen eingestaut und ein Stück eines tiefen, weit in den mineralischen Untergrund reichenden Grabens mit Lehm verfüllt. Die Abdeckung erfolgte mit dem zuvor entfernten Torf und der sorgfältig ausgestochenen Grabenvegetation. Zudem wurde die Durchforstung fortgesetzt. 2 HAND BUCH MOOR- SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
6 ERFAHRUNGEN UND FOLGERUNGEN
6.1 Wichtige Voraussetzungen
Damit ein solches Projekt durchgeführt werden kann, braucht es eine initiative Behörde. Die Erarbeitung des vorgestellten Projektes wurde durch die kantonale Naturschutzbehörde veranlasst. Sie hat die Umsetzung eingeleitet und das Projekt konsequent weiterführt. Wichtig war auch das Einverständnis der Grundeigentümerin, der Korporation Oberägeri. Die frühzeitige Information und der Einbezug der Betroffenen haben massgeblich zum bisherigen Gelingen des Projektes beigetragen. Unterstützung hat auch der Bund gewährt, indem er die Aufwendungen für die Ausarbeitung des vorliegenden Projektes subventioniert hat.
6.2 Planung
Die Verwendung von alten und aktuellen Luftbildern ist empfehlenswert. Müssen neue Luftbilder geflogen werden, ist eine Überdeckung zwischen 60 und 85 % sicherzustellen.
Das Entwässerungssystem muss genau erfasst werden. Einerseits ist dafür die Niveaumessung des gesamten Gebietes, insbesondere aber auch des Gefälles der Entwässerungsgräben, notwendig. Andererseits müssen der Verlauf und die Tiefe der Gräben sowie der Untergrund
bekannt sem, um den quantitativen und qualitativen Bedarf an Füllmaterial zu ermitteln. Folgerungen zur Planung und Aufgrund der vorgeschlagenen, umfangreichen Abholzung von Fich- Durchführung von Regenerationsprojekten tenjungwuchs auf Waldareal stellte sich die grundsätzliche Frage, ob eine Ersatzaufforstung notwendig sei. In Zusammenarbeit mit dem Aus den bisherigen Erfahrungen Kantonsforstamt konnte eine klare Regelung getroffen werden. Da im des Hochmoor- R egenerationsprojekts Bräme- Voralpengebiet intakte Hochmoore in vielen Fällen schwach bestockt negg ergeben sich einige allgesind, kann das Gebiet Brämenegg auch nach Durchführung der vorge- meingültige Folgerungen für die schlagenen Massnahmen weiterhin als Waldfläche bezeichnet werden. Planung und Durchführung von Die Bestockung ist zwar weniger dicht, dafür standortgerecht und ähnlichen Projekten:
Beizug von Fachleuten weist eine typische Ausprägung auf. Eine Rodungsbewilligung bzw. • Frühzeitige Information und eine Ersatzaufforstung ist daher nicht notwendig. Einbezug aller Betroffenen
Prüfung der Rechtslage und Sicherstellung der Finanzierung Beim Dammbau müssen selbstverständlich wasserbauliehe Kriterien
Schaffung der Rahmenbedinausreichend berücksichtigt werden, insbesondere was die Stabilität des gungen für einen langdauernden Bauwerkes und dessen Einbindung in das Umfeld (Filterkriterien) Regenerationsprozess betrifft. Sind die Dämme höher als ein Meter, entstehen bereits grosse • Einbau von E rfolgskontrollmöglichkeiten Druckkräfte. In solchen Fällen sollten daher wasserbaulieh geschulte und Einberechnung von Proj ekt- Fachleute beigezogen werden. änderungen
Jeder Arbeitseinsatz muss zudem gut vorbereitet sein, damit bei geeigneten Witterungsbedingungen (z.B. gefrorener Oberboden), die oft nur kurze Zeit andauern, sofort mit den Arbeiten begonnen werden kann.
6.3 Durchführung der Massnahmen
Spezielle Beachtung verdienen die Beschaffung und der Transport von geeignetem Baumaterial. Im vorgestellten Projekt konnte ein Transportunternehmer gefunden werden, der für diese Bedingungen geeignetes Dichtungsmaterial (Lehm) gratis lieferte und damit Deponiekosten einsparen konnte. Die Beschaffung von Torf muss seriös abgeklärt werden und darf nicht zu neuen Beeinträchtigungen führen. Im vorliegenden Fall ist die Gewinnung von Torf als Grabenfüllmaterial aufgrund der Kuppenlage und der geringen Torfmächtigkeit innerhalb des Gebietes nicht vertretbar. Ein Zwischenlagerplatz oder ein Gewinnungsort für Dichtungsmaterial möglichst nahe der zukünftigen Baustelle ist vorteilhaft. Lehm ist im Schatten und abgedeckt (Plastik, Geotextil) während langer Zeit problemlos lagerfähig.
2.3.1 Arb ilen ollten möglich 't bei g froren m B den d r zumindest während der Veg tation ruhe durchgeführt werden, um Schäden am Boden und rul der Vegetaü n zu minimieren. Zudem flies t im Winter im aJlgemeillen weniger Wasser was ctie Bauarbeiten 'tark vereinfacht und di Erfolgsau ichtell erhöht. Der Einsatz einer Motorkarette mit Raupen und das Verlegen von HolzplMken (im vorliegend n Fall auf elen reichlich vorhruldenen Tannästen) hat sich bewährt.
Mit dem Dammbau oder dem Verfüllen von Gräbell mus in d n zen- 2 tralen bzw. höhergelegenen Flächen begonnen werden, damit der ein- HAND BUCH . etzende Wasserrückstau elie weit re Arbeit nicht behindert oel r gar MOOR· verunmöglicht. SCHUTZ IN DER SCHWEIZ
Das anfallende I olz und A tmateriaJ soll au dem Gebiet herau gefülut werden. ind die Flächen be onders lTittempfindlich, i t da Verbrennen an Ort dem Abtran port vorzuziehen. Dafür ind allerrung pezieUe Feuer teilen einzurichten. Die A ehe mu weggebracht werden.
LITERATUR ANSCHRIFT DES AUTORS
J UTZE LER, D. (1990): Grundriss I'eler Staubli, Dipl. Bot. derTagfalterfauna in den Kantonen Nalursch utzplanung Glarus. Sehwyz und Zug. Berichte Secs!rasse 12 der Schwyzcrischen NaturfOl1ichen- 63 15 Obcrägcri den Gesellschaft, Neuntes Heft. S.5-GO. Handbuch SCI-I NEEBELI, M. (1991): Moorschutz Hydrologie und Dynamik der in der Schweiz 2 Hochmoorcillwicklung. Diss ETH 111996 Nr. 9366, Zürich. 133 S.
SCI-IN EEBELI , M.I FLÜI-ILER, . ," 1-1 . (1991): Möglichkeiten und ErfAhrungen :tUr Rcgcncriuion des Hochmoores Turbcnricl, Gamperfin. Bel'. SI. Gal!. Natw. Ges.: Ud. 85. 45 - 59.
Sl ÄU ssLI, P. (1991): Hochmoor-Re-- generalionsprojekt Brämenegg. ssaudircktion des Kantons Zug. 26 S.
KARIN MARTI / ANDREAS KEEl
Flachmoor-Regeneration bei den Altläufen der Glan IRümlang/Oberglatt, ZH) 2.3.2 1 AUSGANGSLAGE
Das Naturschutz-Gesamtkonzept des Kantons Zürich formuliert Leitlinien für den Arten-, den Lebensraum- und den Landschaftsschutz im Kanton. Zu den wertvollsten Lebensräumen zählen die Moore, die für die Erhaltung zahlreicher Tier- und Pflanzenarten unentbehrlich sind. Dem Kanton Zürich kommt für das Fortbestehen mehrerer Flachmoor-Arten sowie der Übergangsmoore, Pfeifengraswiesen und Grossseggenriede eine besondere Verantwortung zu, da ein grosser Teil der 2 Schweizer Vorkommen auf Kantonsgebiet liegt. Neben der Erhaltung HAND BUCH der Moorfläche (1'858 ha) sollen auch die Regeneration von beein- MOOR· SCHUTZ trächtigten Moorflächen und die Arrondierung ausgewählter Moore IN DER SCHWEIZ durch Einbezug ehemaliger Moorflächen und extensiv genutzter Ergänzungsflächen (rund 1'500 ha; KUHN et al., 1992) gefördert werden. Die Altläufe der Glatt in den Gemeinden Rümlang und Oberglatt bilden zusammen mit ausgedehnten Magerwiesen und Flachmooren, die mit z.T. naturnahen Waldbeständen verzahnt sind, eine der wertvollsten Altwasser-Landschaften des Kantons Zürich. Die Flachmoore Gstöck / Hang und Schlosswinkel / Peterli sind als Objekte 852 und 853 im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung aufgeführt. 1970 wurden die rechtsufrigen Feuchtgebiete (Objekt 852 und Teile von Objekt 853) geschützt, 1986 das linksufrige Feuchtgebiet Giessen / Solachten (Teil von Objekt 853; vgl. Abb. 1). Die Feuchtgebietskartierungen zwischen 1976 und 1990 zeigten, dass im Schutzgebiet neben den wertvollen Flachmoor-Biotopen auch intensiv bewirtschaftete Bereiche vorhanden waren. Die Melioration Oberglatt von 1982 war der Anlass, dass grössere Teile des Schutzgebietes von der öffentlichen Hand übernommen wurden. Damit waren die Voraussetzungen für die Aufwertung des Schutzgebietes gegeben.
Abb. 1: Lage des Gebietes. Quelle: Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung.
2 ERGEBNISSE DER BESTANDESAUFNAHME
In den Jahren 1987 bis 1990 wurden Vegetation, Flora, Wasserhaushalt und Chemismus des hydrologischen Systems des Schutzgebietes untersucht. 1991 wurden faunistische Grundlagen erhoben und weitere hydrologische Abklärungen durchgeführt. Der Perimeter des Schutzgebietes und die Geländemulden wurden vermessen und verpflockt. Davon ausgehend wurden die Flächen für die Gestaltungsmassnahmen bestimmt. (ARGE GLATfALTLÄUFE, 1991; BGU, 1987-89). Die wichtigsten Ergebnisse der damaligen Untersuchungen können wie folgt zusammengefasst werden: Boden: Gemäss den Bodenproben liegt eine Humusschicht von 20-30 cm über einer durchgehenden Schicht von feinkörnigem Material (siltiger Ton bis toniger Silt). Der Durchlässigkeitswert des Bodens wird bei den gröberen Einlagerungen auf maximal 104 cmJs geschätzt.
2.3.2 Hydrologie: Die Grundwasserschwankungen weisen einen saisonalen Verlauf auf, mit Minima im Sommer und Maxima im Winter. Wasserchemismus: Die Orthophosphatgehalte schwanken zwischen 0 und 600 /Jg/I, diejenigen des Nitrats zwischen 0 und 2 mg/I. Die Nährstoffgehalte im Altlauf sind in der Regel höher als im Grundwasser. Ein Nährstoffinput aus dem Intensivkulturland, welches das Schutzgebiet umgibt, wird somit als unwahrscheinlich erachtet. Einzelne, sehr hohe Werte werden auf die landwirtschaftliche Nutzung innerhalb des Schutzgebietes 2 zurückgeführt. HAND BUCH Fauna: MOOR- SCHUTZ Als Lebensraum für Säugetiere (Reh, Feldhase, Fuchs, Dachs, Herme- IN DER SCHWEIZ lin, Mauswiesel, Igel, Steinmarder, selten auch Iltis und Wildschwein) wird das Gebiet als qualitativ hochwertig, aber durch Störungen stark beeinträchtigt, beurteilt. Für einzelne Arten wird der Lebensraum als zu klein und isoliert eingestuft. Im Gebiet haben 56 Brutvogelarten ihr Revier. Davon sind 18 Indikator- oder Rote Liste-Arten (u.a. Zwergtaucher, Teichhuhn, Baumpieper, Grauspecht, Kleinspecht, Schwanzmeise, Pirol, Feldschwirl). Diese reichhaltige Vogelwelt gründet auf dem vorhandenen Mosaik von Ried- und Magerwiesen, Altläufen, Ufervegetation, Gebüschzonen, lichten parkartigen Gehölzen sowie Waldflächen mit älterem, vielfältigen Laubholzbestand und hohem Alt- und Totholzanteil. Neben Waldeidechsen, Blindschleichen und an trockeneren Stellen auch Zauneidechsen kommt im Gebiet eine grössere Population Ringelnattern vor. Gebüsche, Hecken und gut exponierte Waldränder bieten dieser Art günstige Verstecke und Sonnenplätze (vgI. Band 1, Beitrag 3.4.4). Wasserfrösche dienen ihr als Nahrungsgrundlage. Das Gebiet weist mit Grasfrosch, Erdkröte, Kreuzkröte, Laubfrosch, Wasserfrosch, Teichfrosch, Seefrosch, Gelbbauchunke und Bergmolch einen artenreichen Amphibienbestand auf. Die Populationen einiger Arten sind jedoch sehr klein. Das Gebiet zeichnet sich durch eine vielfältige Libellen-, Schmetterlings-, und Heuschreckenfauna mit einigen bemerkenswerten Arten aus. Aufgrund von Probenahmen in sechs verschiedenen Gewässern kommen 13 Schnecken- und Muschelarten vor.
3 PFLEGE- UND GESTALTUNGSKONZEPT
Basierend auf den erhobenen Grundlagen wurde em Pflege- und Gestaltungskonzept für das ganze Schutzgebiet erstellt (ARGE GLATTALTLÄUFE, 1991). Das Konzept verfolgt das Ziel, die flusslandschafts- und feuchtgebietstypischen Biotope mit ihrer Fauna und Flora zu erhalten oder wieder herzustellen. Beeinträchtigungen sind zu beseitigen. Die Umsetzung der Ziele wird über die folgenden Massnahmen angestrebt:
Entbuschung und Pflege der bestehenden Biotope;
Förderung von naturnahen, strukturreichen Waldflächen;
Neuanlage offener Gewässer;
Vernässung von Teilbereichen des Waldes;
Regeneration von verlandeten Altlaufabschnitten;
Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung im Schutzgebiet.
Für die Regeneration von Flachmooren im Naturschutzgebiet "Altläufe der Glatt" wurden die Ziele weiter konkretisiert:
Ausdehnung der Fläche der gebietstypischen Flachmooreinheiten;
Verbindung isolierter Flachmoor-Flächen;
Verbindung von Flachmooren mit Flachwasserbereichen (Schaffung von Biotopmosaiken);
Förderung oligotropher Vegetationstypen: Saure und basische Pfeifengraswiesen, mesotrophe Grosseggenriede;
Ausdehnung des Lebensraumes bestimmter seltener Arten wie z.B. die Hartmans Segge (Carex hartmanii).
2.3.2 4 VERSUCHE ZUR REGENERATION VON FLACHMOOREN UND MAGERWIESEN
Zu den ersten, bereits 1986 eingeleiteten Massnahmen, zählen die Versuche zur Regeneration von Flachmooren und Magerwiesen (DICKENMANN et al. , 1997). Entsprechend der Zielsetzung und Abb. 2: Übersichtsplan Regeneraaufgrund der Topographie und der Situation des Gebietes ist folgen- tions- und Pflegemassnahmen. Lage der Dauerbeobachtungsflächen. des Vorgehen gewählt worden (vgl. Kasten "Mögliche Ansätze zur Quelle: DICKENMANN et al. Regeneration von Flachmooren" und Abb. 2): (1997). CD Ausmagerungsfläche, Zweimalige HAND BUCH Mahd ab 15. Juni/I. September MOOR- ® Oberbodenabtrag, Spontanent- SCHUTZ IN DER wicklung, Mahd ab 1. September SCHWEIZ
® Oberbodenabtrag, Direktbegrünung, Mahd ab 1. September CD Oberbodenabtrag, Direktbegrünung, Zweimalige Mahd ab 15. Juni/I. September ® Ansaat mit VOLG-Saatmischung, Zweimalige Mahd ab 15. Juni/ 1. September @ Mahd ab 1. September, bestehende, artenreiche Riedwiesen (j) Mahd ab 1. September, Regenerationsflächen ® Zweimalige Mahd ab 1. Juli/ 1. September ® Mahd alle 2 Jahre ab 1. September @ Neugeschaffene Gewässer @ Entbuschungsfläche, Mahd soweit möglich • Dauerbeobachtungsflächen 1-34
, S,'h'''-''/I . c
Fettwiesen und ehemalige Baumschule:
Ausmagerung einer Fettwiese durch zwei Schnitte pro Jahr und Mögliche Ansätze zur Regenera- Verzicht auf Düngung; tion von Flachmooren:
Oberbodenabtrag bzw. Geländeabsenkung auf verschiedene Tiefen
Ausmagerung (KAPFER, (5-10 cm), Abführen des nährstoffhaltigen Erdmaterials; 1988; SCHIEFER, 1984;
Begrünung von abgeschürften Flächen durch Schnittgutübertra- PFADENHAUER et al., 1987);
Wasseraufstau Z.B. mit Dämgung von nahegelegenen Ried- und Magerwiesen vergleichbarer men oder durch Auffüllen der Standorte; Drainagen;
Begrünung von abgeschürften Flächen durch Ansaat einer Samen- • Erhöhung des Grundwassermischung mit einheimischen Arten aus dem Saatguthandel; spiegels, periodisches Überfluten, Regulierung des Wasser-
Zulassung einer Spontanentwicklung der Vegetation auf abgeschäl- standes mit Pumpen ten Flächen; (KLÖTZLI, 1989);
Aussaat einzelner seltener Pflanzenarten. • Abtragen des Oberbodens;
Überschüttung (z.B. von einer Deponie im Flachmoor); Im Bereich der ehemaligen Baumschule konzentrieren sich die Pflege- • Ansäen, Einsäen, Schnittgut massnahmen auf das Jäten problematischer Arten wie Acker-Kratzdi- übertragen (MAAS, 1988); stel ( Cirsium arvense), Späte Goldrute (Solidago serotina), Schilf • Verpflanzen (KLÖTZLI, 1987). (Phragmites australis), Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius) und die Beseitigung von Gehölzen.
Flachmoore mit Goldrutenbeständen (seit 1992):
Goldrutenreduktion durch Schnittversuche (ein- und zweischürige Flächen);
Goldrutenreduktion durch Wurzelabtrag.
2.3.2 5 ERFOLGSKONTROLLE
5.1 Vorgehen
1986 wurden 24, 1992 weitere 10 Dauerbeobachtungsflächen von 5x5 m eingerichtet. Sieben Dauerbeobachtungsflächen dienten als Referenzflächen in ungestörten Mager- (Stachyo-Brometum) und Pfeifengraswiesen (Stachyo-Molinietum). Die anderen Flächen dienten der Kontrolle der Regenerationsmassnahmen und verteilten sich auf die Fettwiesen und die ehemalige Baumschule. HAND BUCH MOOR- SCHUTZ Die von 1986 bis 1996 bzw. von 1992 bis 1996 jährlich wiederholten IN DER SCHWEIZ Vegetationsaufnahmen wurden mit Hilfe des Programmpaketes MULVA-5 ausgewertet (DICKENMANN et al., 1997).
5.2 Ergebnisse
In den Referenzflächen blieb die Vegetation mehr oder weniger konstant.
Ausmagerung: Die Ausmagerungsflächen waren auch nach 14 Jahren ohne Düngung noch relativ arten arm mit nur wenigen naturschützerisch wertvollen Arten.
Oberbodenabtrag ohne Begrünung: Auf den abgeschürften Flächen entwickelte sich nach zwei bis vier Jahren eine artenreiche, naturschützerisch wertvolle, aber noch nicht stabile Vegetation (vgl. Abb. 3). Nach 10 Jahren hatte sich ein grosser Teil der biotoptypischen Charakterarten eingestellt. Die Entwicklung verlief in Richtung Zielzustand (Kontrollflächen). Die Vegetation wird weiter beobachtet.
Oberbodenabtrag mit Begrünung: Auf den begrünten Flächen stellte sich schneller eine naturschützerisch wertvolle Vegetation ein als auf den unbegrünten (vgl. Abb. 4). Im Laufe der Zeit verwischten sich diese Unterschiede, da Arten aus den eng benachbarten und begrünten Flächen durch Windverwehung in die unbegrünten gelangten. Bei den mit Schnittgut begrünten Flächen konnten geringe Unterschiede in der Artenzusammensetzung festgestellt werden, die auf die Herkunft des Schnittgutes zurückzuführen sind.
Abb. 3: Ehemalige Baumschule
1989 Fläche 17 (Spontanentwicklung der Vegetation): 3 Jahre nach
Versuchsbeginn. Quelle: DrCKENMANN et al. (1997).
Abb. 4: Ehemalige Baumschule
1989 Fläche 16: 3 Jahre nach der
Begrünung. Der Unterschied zur Fläche 17 ist gross. Quelle: DrCKENMANN et al. (1997).
Versuchsflächen auf ehemaligem Ackerland wiesen weniger Arten auf, als diejenigen auf ehemaligen Fettwiesen. Auf den mit Saatgut angesäten, nur oberflächlich abgeschürften Ackerflächen verschwanden die Magerwiesenarten nach wenigen Jahren, und es entwickelte sich eine Fettwiese.
Goldruten: In den zweischürigen Versuchsflächen nahm die Goldrute nach vier Versuchsjahren in ihrer Deckung stark ab.Die Vitalität der verbliebenen Goldruten-Pflanzen war gering. Dagegen nahmen die Rasen-Schmiele (Deschampsia caespitosa) und die Scharfkantige Segge (Carex acutiformis) in ihrer Deckung zu. In den einschürigen Flächen ging die Goldrute nur leicht zurück, und die Vegetationszu-
2.3.2 sammensetzung blieb ziemlich konstant. In den Flächen, in denen die Goldruten samt ihren Wurzeln abgetragen wurden (wenige Zentimeter Oberbodenabtrag), entwickelte sich eine artenreiche Magerwiese. • Aussaat seltener Pflanzenarten: Durch Aussaat konnten u.a. Lachenals Rebendolde (Oenanthe lachenalii), das Preussische Laserkraut (Laserpitium prutenicum) und der Scharfkantige Lauch (Allium angulosum) erfolgreich wieder angesiedelt werden. Von grosser Bedeutung ist auch die Etablierung neuer Populationen des Schweizer Alants (Inula helvetica), da diese Art in ganz Mitteleuropa stark bedroht ist. HAND BUCH Es traten auch spontan wieder sehr seltene Arten auf, so der verschol- MOOR- SCHUTZ lene Knoblauch-Gamander (Teucrium scordium) in einer abgeschürf- IN DER SCHWEIZ ten Fläche und die Moorbinse (Schoenoplectus setaceus) in einer entbuschten Fläche.
Die bezüglich Regeneration der Flachmoore gesetzten Ziele sind, zumindest in Ansätzen, erreicht worden. Die Fläche der Flachmoore wurde grösser, und die einzelnen Objekte sind untereinander verbunden. In Form von Pfeifengraswiesen wurden hauptsächlich oligotrophe Vegetationstypen gefördert. Die Dominanz der Goldruten konnte korrigiert werden, was qualitativ eine Verbesserung brachte. Der Oberbodenabtrag bewirkte optimale Keimungsbedingungen (feuchter Boden, geringer Nährstoffgehalt, anfänglich fehlende Konkurrenz) und führte dazu, dass einige seltene Arten durch Ansaat wieder angesiedelt werden konnten. Überraschend traten sogar einige seltene Arten spontan auf.
6 WEITERE ERKENNTNISSE ZUR FLACHMOOR- REGENERATION
Die Regeneration stark gestörter Flachmoore kann grundsätzlich auf zwei Arten vorgenommen werden: Zu den sogenannten sanften Massnahmen zählen nach PFADEN- HAUER et al. (1987) die Extensivierung der Nutzung, der Stoffentzug durch Ausmagerung, die ungestörte Sukzession sowie die Vernässung durch Aufstau von Gräben. Diese Massnahmen sind relativ einfach und kostengünstig durchzuführen, zeigen aber erst nach Jahrzehnten eine Vegetationsentwicklung in die gewünschte Richtung. .. Sogenannte harte Massnahmen wie das Abtragen des Oberbodens, Aufschüttungen, die Gestaltung des Bodenreliefs mit Baumaschinen sowie Moorverpflanzungen greifen direkt in den Standort ein. Die Umsetzung solcher Massnahmen ist aufwendig. Dafür sind erste positive Resultate bereits nach wenigen Jahren festzustellen. Besonders Pionier arten können ziemlich schnell gefördert werden. In der Regel sind aber während einiger Jahre Pflegearbeiten nötig, um die gewünschte Entwicklung zu unterstützen und Störungszeiger zu eliminieren. Dies setzt eine Überwachung der Vegetationsdynamik voraus.
6.1 Resultate von Ausmagerungsversuchen in der Literatur
Der Erfolg von Ausmagerungsversuchen in ehemaligen Streuwiesen, die in intensiv bewirtschaftete Futterwiesen umgewandelt worden sind, hängt in erster Linie vom Ausgangspflanzenbestand (Anteil noch vorhandener Streuwiesenpflanzen) ab, somit auch von Dauer und Grad der intensiven Nutzung und von allfällig vorhandenen Drainagen. KAPFER (1988) zeigte auf, dass bei Vorkommen von Pfeifengras und Kleinseggen in einer Fettwiese geringer Nutzungsintensität eine Rückführung schon innerhalb weniger (1-5) Jahre möglich ist. Ein zusätzlicher Sommerschnitt vergrössert zwar den Nährstoffentzug, bewirkt aber keine Beschleunigung der Umwandlung. Wenn keine Streuwiesenpflanzen mehr im Ausgangsbestand vorhanden sind, ist die Möglichkeit einer vollständigen Regeneration in Frage gestellt. Gedüngte organische Flachmoorböden lassen sich durch vermehrte Schnitte und Abtransport des Mähgutes innerhalb von 1-5 Jahren ausmagern, während durchschlickte (ton- und feinschluffhaltige) Flachmoorböden erst mittelfristig (10-15 Jahre) weniger Nährstoffe aufweisen. KAPFER (1988) empfiehlt für eine Ausmagerung die Zahl der Schnitte pro Jahr der Ertragshöhe anzupassen: 3 Schnitte bei Erträgen
2.3.2 (vgl. auch SCHIEFER, 1984; PFADENHAUER et al., 1987). Sobald Streuwiesenpflanzen auftreten, ist das Schnittregime anzupassen, da sie eine Mehrschnitt-Nutzung im allgemeinen nicht ertragen. Zwar überstand nach EGLOFF (1985) das Pfeifengras (Molinia coerulea) eine drei Jahre dauernde, dreimalige Mahd, doch kann daraus nicht auf andere Arten geschlossen werden. Im 19. Jahrhundert, als Riedstreue noch ein begehrtes Gut war, beschrieb STEBLER (1886), auf welche Weise die Anlage von Streuwiesen vorgenommen werden kann. Das Pfeifengras kann durch Aussäen kultiviert werden, wäh- 2 rend sich Schilf (Phragmites australis), Rohrglanzgras (Phalaris arun- HAND BUCH dinacea) , verschiedene Seggen (Carex sp.), Binsen (Juncus sp.) und MOOR- SCHUTZ Waldsimse (Scirpus silvaticus) für das Auspflanzen von Wurzelstöcken IN DER SCHWEIZ eIgnen.
6.2 Kosten für den Oberbodenabtrag
Tab. 1: Kosten für den Oberbodenabtrag (Angaben von Herrn Peter Aus der folgenden Tabelle gehen die Kosten für den Oberbodenab- Fritschi, dipl. Landschaftsarchitekt, trag für die dem Projekt vergleichbare Fälle hervor. Mönchaltorf)
Objekt Humusabtrag inkl. Transport des Humus Transport von verun- Durchschnitts- Aufladen auf Trans- auf landwirtschaftlich reinigtem Humus in preis der portmittel genutzte Flächen Untemehmerdeponie Gesamtfläche
Riediker- Rälliker Fr. -.80/m2 Die Transportkosten Fr.3.50/m2 Fr.1.08/m2 Riet (Uster, Mönchaltorf) wurden durch die Landwirte übernommen.
Hoperenriet (Uster) Fr. 3.-/m2 Fr.1.60/m2 Fr. 4.90/m2 (ca. 15% Fr.5.l0/m2 des gesamten Humus)
VVerriker-Glattenriet Fr.l.80/m2 Fr.1.-/m2 Fr. 4.-/m2 (ca. 20% Fr.3.40/m2 (Uster) des gesamten Humus)
7 SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Versuche zur Regeneration von Flachmooren zeigen die besten Resultate beim Oberbodenabtrag in Verbindung mit der direkten Begrünung mit Schnittgut vergleichbarer Standorte. Ein Abtrag von 5-10 cm Oberboden ist bei ehemaligen Fettwiesen ausreichend. Im Falle von ehemaligem Ackerland werden mit einem solchen Bodenabtrag keine befriedigenden Resultate erzielt. In den ersten Jahren nach der Regeneration empfiehlt es sich, die Problemarten zu jäten, damit später der Aufwand für die Pflege geringer ist.
Die Ansaat einer Magerwiesen-Mischung auf nährstoffreichem Boden lohnt sich nicht. Nach kurzer Zeit werden die Magerwiesen- Arten von Fettwiesen-Arten verdrängt.
Die Ausmagerung einer Fettwiese durch zweimaligen Schnitt verläuft sehr langsam, selbst dann, wenn sie von artenreichen Riedwiesen umgeben ist.
Die Goldrute lässt sich durch zweimaligen Schnitt reduzieren. Ein Frühschnitt kann jedoch für die Fauna problematisch sein, so dass eine Interessenabwägung erforderlich ist. Auch bezüglich der Goldruten sind die Ergebnisse in den abgeschürften Flächen mit Direktbegrünung besser als in den Flächen mit den Schnittversuchen.
Trotz der bisher erzielten Erfolge bei Regenerationsversuchen, stellt ein regenerierendes Moor keinen gleichwertigen Ersatz für ein natürlich gewachsenes, unbeeinträchtigtes Moor dar.
2.3.2 LITERATUR KUHN, U. / MEIER, C. / NIEVER- ANSCHRIFf DER AUTOREN GELT, B. / PFÄNDLER, U. (1992): Naturschutz-Gesamtkonzept für den ARGE GLATTALTLÄUFE Karin Marti Kanton Zürich. Entwurf im Auftrag (AMBIO, AQUATERRA / topos des Regierungsrates. 240 S. DICKENMANN R.; 1991): Pflege- Idastrasse 24 und Gestaltungskonzept. Kantona- 8003 Zürich MAAS, D. (1988): Keimung und les Naturschutzgebiet "Altläufe der Etablierung von Streuwiesenpflan- Glatt". Gemeinden Oberglatt und Andreas Keel zen nach experimenteller Ansaat. Rümlang. 35 S. + Anhang (unver- Amt für Landschaft und Natur Natur und Landschaft 63(10): öff.). Fachstelle Naturschutz 411-415. BGU (1987-89): Vegetationskundli- PFADENHAUER, J. / KAPFER, Stampfenbachstrasse 17
8090 Zürich 2
che Untersuchung im Kantonalen A. / MAAS, D. (1987): Renaturie- HAND Naturschutzgebiet Altläufe der BUCH rung von Futterwiesen auf Nieder- Glatt. Gemeinden Oberglatt, Rüm- Handbuch MOORmoortorf durch Aushagerung. Natur SCHUTZ lang. Kartierung der Altläufe, Dau- Moorschutz IN DER und Landschaft 62(10): 430-434. SCHWEIZ erbeobachtungsflächen. Gutachten in der Schweiz 2 z.Hd. ARp, Fachstelle Naturschutz, SCHIEFER, J. (1984): Möglichkei- Kanton Zürich (unveröff.). ten der Aushagerung von nährstoffreichen Grünlandflächen. Veröff. DICKENMANN, R. / WINTER, D. / Naturschutz Landschaftspflege KRÜSI, B.G. (1997): Kantonales Bad.-Württ. 57/58: 33-62. Naturschutzgebiet Altläufe der Glatt, Zehnjährige Erfolgskontrolle STEBLER, EG. (1886): Anlage von zur Erhaltung und Regeneration Streuewiesen. Landwirth 48/49, 7 S. von Streue- und Magerwiesen. 19 S. + Anhang (unveröff.).
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