Haselhuhn und Waldbewirtschaftung2001
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Vollzug Umwelt
Haselhuhn und Waldbewirtschaftung
Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL)
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2 Haselhuhn und Waldbewirtschaftung
1 Einführung schaffhausischen Randen. Im Mittelland
bewohnte das Haselhuhn die Höhenzü- Als Waldbewohner hängt das Haselhuhn ge und einige grosse Waldkomplexe der ganz vom Waldbau ab. Es reagiert sen- Ebene. Bis 1950 waren die meisten Vorsibel auf unsere Aktivitäten im Wald, und kommen im Mittelland erloschen; letzte die neuesten Informationen über den Vorkommen überdauerten bis Mitte der Bestand der Art sind ziemlich beunruhi- siebziger Jahre. Anschliessend folgte gend: Sie hat in zahlreichen Regionen eine Zersplitterung und Reduktion des abgenommen, in andern ist sie ver- Siedlungsgebiets im östlichen Jura. In schwunden. Wegen seiner unauffälligen Lebensweise schenkt man der Situation des Haselhuhns wenig Aufmerksamkeit, und das Tier selbst ist wenig bekannt. Dieses Merkblatt hat das Ziel, alle Personen, die im Wald zu tun haben, zu sensibilisieren und zu informieren, seien das Eigentümer, Förster, Naturfreunde, Biologen oder andere. Das Haselhuhn stellt spezielle Ansprüche an seinen Lebensraum. Forstliche Massnahmen zu seinen Gunsten gehen in Richtung vielfältiger um 1920 und gut strukturierter Wälder, wie sie auch zahlreichen andern Waldbewohnern zusagen. Die «Arbeitsgruppe Auerhuhn», deren Tätigkeit von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach begleitet wird, hat sich bis jetzt im wesentlichen mit der Auerhuhn-Problematik beschäftigt. In Zukunft wird sie sich auch um das Haselhuhn kümmern. Dadurch wird die Koordination zwischen denjenigen Personen sichergestellt, die sich mit den beiden Arten um 1950 beschäftigen.
2 Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Haselhuhns ist gegenüber früher stark geschrumpft. Um 1920 waren mit wenigen Ausnahmen die ganzen Alpen besiedelt, ebenso noch der gesamte Ketten- und Tafeljura bis an den Hochrhein und bis zum 1996
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4 Haselhuhn und Waldbewirtschaftung
den Alpen ist das besiedelte Areal bis (1) Reduktion des Flächenanteils junger heute ungefähr gleich geblieben. Waldstadien Der Niederwald und die ihm entsprechende Hauschicht des Mittelwaldes wurden jeweils nach spätestens 30 Jah-
3 Rückgangsursachen ren abgeerntet. Das bedeutet, dass auf
der gesamten Niederwaldfläche und fast Seit 1962 steht das Haselhuhn gesamt- auf der ganzen Fläche des Mittelwaldes schweizerisch unter Schutz, darf also die für das Haselhuhn grundsätzlich genicht mehr bejagt werden. Auf der Roten eigneten Altersstadien von 0 – 30 Jahren Liste der Schweiz figuriert es in der Kate- vorhanden waren. Noch zur Zeit des Ergorie «gefährdet». Das sind die Arten, sten Weltkrieges machten solche Bedie gebietsweise zurückgehen oder lokal stände im Jura und im Mittelland bis über verschwunden sind. 50 % der gesamten Waldfläche aus. Als Waldbewohner ist das Haselhuhn in Heute dagegen nehmen die entspreerster Linie von der Art der Waldbewirt- chenden Altersstadien im Jura rund schaftung abhängig. Der Rückgang in 22 %, im Mittelland rund 34 % ein. Die Mittelland und Jura steht im Zusammen- absolute Fläche junger Waldstadien (0 – hang mit der vollständigen Umstellung 30 Jahre) an der gesamten Waldfläche auf Hochwaldbetrieb, die in diesem Jahr- wurde also massiv reduziert. hundert vonstatten ging. Noch zu Beginn des Jahrhunderts hatten Mittelwälder (2) Aktive Reduktion der Nahrungs- und Niederwälder bedeutende Flächen pflanzen eingenommen. Die Konsequenzen die- im Hochwaldbetrieb werden diejenigen ser Umstellung für das Haselhuhn waren Strauch- und Baumarten, die als Konkurfolgende (Reihenfolge ohne Gewich- renten der «Zielbaumarten» gelten, antung): lässlich der Dickungs- und Jungwaldpflege gezielt eliminiert oder massiv reduziert. Dadurch werden gerade diejeni-
Haselhahn in den Zweigen eines Strauches.
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Rückgangsursachen 5
gen Gehölze vermindert, von denen sich des Waldbodens, zusammengefasst undas Haselhuhn ernährt, nämlich: ter dem Begriff der «Verdunkelung» der a) beerentragende Gehölze. Z.B. die Wälder. Sie führt zu einer massiven Ver- Sorbus-Arten Mehlbeere, Elsbeere, ringerung der Strauchschicht und der Mougeots Mehlbeere und Vogelbeere, Kräuter am Boden. Diese würden aber aber auch, je nach Höhenlage, Weiss- dem Haselhuhn Sommernahrung bieten; dorn, wilde Rosen, Himbeeren etc. zudem erfüllt nur eine dichte Strauchb) die eigentlichen Pioniergehölze des schicht das extreme Deckungsbedürfnis Waldes. Flächige Bestände von Zitter- des Haselhuhns. pappeln, Weiden, Birken oder Erlen sind in Mittelland und Jura heute geradezu Neben der Waldbewirtschaftung köneine Seltenheit. Diese Baumarten stellen nen noch weitere Faktoren eine Rolle mit ihren Kätzchen, Knospen und Trie- spielen: ben eine wichtige Winternahrung für das Haselhuhn dar und erzeugen eine Wald- (5) Entbuschung der Jura- und Alpweistruktur, die vom Haselhuhn als Auf- den, Wald-Weide-Ausscheidung zuchtraum genutzt wird. Stark verbuschte Weiden, die an Wälder Zur Reduktion der genannten Gehölze grenzen, werden vom Haselhuhn gerne kommt es auch, wenn nach Räumungen genutzt. Im östlichen Jura sind sie im oder nach Windwurf die Zielbaumarten Zuge der Subventionierung und Intensigepflanzt werden. Dadurch wird das Pio- vierung der Berglandwirtschaft besser nierstadium übersprungen. mit Strassen erschlossen und in der Folge gründlich entbuscht und gesäubert (3) Beschattung lichtbedürftiger Nah- worden. Die breiten Übergangszonen rungspflanzen zwischen Wald und Weide wurden auf Auch ohne aktiven Eingriff werden die schmale Grenzlinien reduziert. Für das Nahrungspflanzen des Haselhuhns im Haselhuhn wie für das Auerhuhn wirkt Hochwaldbetrieb zurückgedrängt, weil sich eine strikte Wald-Weide-Ausscheisie alle sehr lichtbedürftig sind. Durch dung im Randbereich des Waldes langden kurzen Erntezyklus der Hauschicht fristig negativ aus. im Mittelwald und im Niederwald waren sie gefördert worden. Im Hochwald da- (6) Jagd gegen werden sie durch Baumarten ver- Die Jagd scheint keinen grossen Einfluss drängt, die stark Schatten werfen. auf den Rückgang der Art gehabt zu haben. Die Abschusszahlen waren immer (4) Zunahme des Holzvorrats, «Verdun- klein, und die Jagd wurde in den meisten
kelung» der Wälder Kantonen eingestellt, lange bevor der Mit einer auf Vermehrung des Holzvor- Arealverlust einsetzte. rats ausgerichteten Waldpolitik und mit der in neuerer Zeit geringeren Nachfrage (7) Klima nach Holz aus dem heimischen Wald Es wird vermutet, dass ungünstiges Wetnahm der Holzvorrat enorm zu, auf das ter zur Aufzuchtzeit der Jungen in meh- Dreifache bis Vierfache des Werts von reren aufeinanderfolgenden Jahren die
1900 Die Folgen waren ein engerer Kro- Population ungünstig beeinflusst, wie bei
nenschluss und vermehrte Beschattung andern Raufusshühnern auch.
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Haselhahn.
(8) Störungen de von Fuchs und Wildschwein haben Das Haselhuhn ist weniger störungs- stark zugenommen und beeinflussen empfindlich als das Auerhuhn. Wo aber vielleicht die Bestandsentwicklung des in der Umgebung grosser städtischer Haselhuhns negativ. Ballungsgebiete der Wald sehr intensiv von Erholungssuchenden genutzt wird, (10) Konkurrenz durch Paarhufer verschwindet es. Hohe Dichten von Reh, Gämse und Waldstrassen können einen positiven Rothirsch wirken sich negativ aus, wenn Einfluss auf das Haselhuhn haben, wenn diese Tiere z.B. im Jura Heidelbeersträusie mit breiten Buschstreifen versehen cher stark abfressen oder in Nadelwaldsind und der Verkehr auf die Waldbewirt- gebieten z.B. Vogelbeere und Weiden schaftung beschränkt bleibt. An ihren stark abäsen. Rändern wachsen Nahrungspflanzen, und das Haselhuhn kann auf ihnen (11) Isolation Magensteinchen aufnehmen. Waldstras- Die Distanzen zwischen benachbarten sen ermöglichen und erleichtern aber Haselhuhnvorkommen sind heute oft auch das Eindringen von menschlichen sehr gross, weil geeignete Habitate nur Freizeitaktivitäten und Störungen in den in geringer Anzahl vorhanden und weit Wald. voneinander entfernt sind. Junge Haselhühner siedeln sich bis zu 1– 2 km von (9) Beutegreifer ihrem Herkunftsort entfernt an. Wenn Wegen seiner geringen Grösse kommt geeignete Habitate weiter auseinanderdas Haselhuhn auch als erwachsenes liegen, gelangen vermehrt Vögel in un- Tier als Beute für etliche Beutegreifer in geeignete Gebiete und gehen für die Frage, z.B. für Habicht, Sperber oder Population verloren. Allenfalls könnte Marder. Die Gelege sind, wie bei al- sich die Verminderung des genetischen len Bodenbrütern, durch Wildschwein, Austauschs negativ auswirken. Fuchs und Dachs gefährdet. Die Bestän-
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Merkmale 7
Sich aufplusternde Haselhenne.
4 Merkmale des Haselhuhns kann in den Sträuchern klettern, um
seine Nahrung zu suchen, verbringt aber Das Haselhuhn ist einer der vier Vertre- einen grossen Teil des Tages auf dem ter der Raufusshühner in unserem Land. Boden und baumt nachts auf, um sich Wie das Auerhuhn, das Birkhuhn und vor Beutegreifern in Sicherheit zu brindas Alpenschneehuhn hat das Ha- gen. Wenn viel Schnee liegt, ernährt es selhuhn teilweise befiederte Läufe. sich in Sträuchern und Bäumen und Die Grösse des Haselhuhns (etwa wie übernachtet in Schneehöhlen. ein Rebhuhn), die Farben seines Gefie- Die untenstehende Tabelle stellt Männders, seine Lebensgewohnheiten, sein chen, Hahn genannt, und Weibchen, wendiger Flug und seine Ernährungswei- Henne genannt, gegenüber. se machen es zu einem Tier, das perfekt Das Haselhuhn kann mit dem Aueran reich strukturierte Wälder mit Kraut- huhn und der Waldschnepfe verwechselt und Strauchschicht angepasst ist. Es werden.
Hahn Henne
Mittleres Gewicht 450 g 390 g Mittlere Grösse 40 cm 40 cm Kehle schwarz beige Körpergefieder braun, rotbraun braun und weiss gefleckt Schwanz mit schwarzer Binde mit schwarzer Binde Stimme Gesang aus scharfen «psi» oder «psü», 2 – 3 mal Pfiffen wiederholt
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Küken des Haselhuhns.
Haselhuhn oder Auerhuhn? 5. Ein Jahr im Leben des Haselhuhns Bei guten Beobachtungsbedingungen ist es relativ einfach, die beiden Arten aus- 5.1. Frühling einanderzuhalten. Die Grösse, die Färbung und manchmal die Verbreitung sind Die Balzzeit beginnt Mitte März. Der Gegute Merkmale, um einen abfliegenden sang ist sehr unauffällig und höchstens Vogel zu bestimmen. 100 m weit zu hören. Er kann die Anwesenheit der Art verraten. Das Balzverhalten ist schwer zu beob- Haselhuhn oder Waldschnepfe? achten und lässt sich so zusammenfassen: Der Hahn plustert sein Gefieder auf, Das Haselhuhn ist ein sehr «heimlicher» singt eine Gesangsstrophe und zieht Waldbewohner, der sich leicht der Be- dabei die Nickhaut halb über die Augen, obachtung entzieht. Das gleiche gilt für öffnet sie aber gleich wieder aufmerkdie Waldschnepfe, die gerne dieselben sam. Während der Balz vollführt der Lebensräume bewohnt wie das Hasel- Hahn gelegentlich Flattersprünge aus huhn. Scheucht man eine der beiden dem Stand oder speziell geräuschvolle Arten auf, sollte man auf den Schnabel Flüge. achten. Er ist ein zuverlässiges Merkmal: Nach der Verpaarung wählt die Henne Die Waldschnepfe hat einen langen, am Fuss eines Stammes oder unter geraden Schnabel, während das Hasel- niedrigen Ästen den Nestplatz aus. Die huhn einen kurzen, kräftigen Schnabel 7 –11 Eier werden 25 Tage bebrütet. hat. Im Gegensatz zum Auerhuhn leben Haselhühner in Einehe.
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Ein Jahr im Leben des Haselhuhns; Speisezettel 9
5.2 Sommer 6. Speisezettel
Die Jungen ernähren sich vor allem von Das Haselhuhn ernährt sich fast auskleinen Insekten. Sie können schon im schliesslich vegetarisch, wie das Auer- Alter von 14 Tagen ein wenig fliegen. Die huhn auch. Praktisch alle Laubholzarten Henne sucht mit den Jungen stark struk- können als Nahrung dienen, besonders turierte Gebiete auf, die Deckung und aber die Früchte von Sträuchern. Gras- Nahrung bieten (Hochstauden, Farne, und Seggensamen werden ebenfalls Heidelbeersträucher, Himbeeren etc.). geschätzt. Auch von diversen Kräutern Gut besonnte Zonen werden besonders (Wachtelweizen, Erdbeere, Preiselbeere, gern besucht. Oft stösst der Hahn zur Scharbockskraut etc.) werden Teile auf- Henne und den Jungen und vervollstän- genommen. digt die Familie. Im Lauf des Jahres ändert sich die Eine Vollmauser findet zwischen Juli Nahrungspalette wie folgt: und Oktober statt. Haselhühner nehmen Frühling: Blätter von Huflattich, Knosgerne Staubbäder; dabei verlieren sie oft pen und Triebe von Vogelbeere, Weide, Mauserfedern. Hasel, Birke, Rotbuche. Sommer: Die Grundnahrung der Altvögel setzt sich aus Früchten aller Art
5.3 Herbst zusammen (Holunder, Brombeere, Himbeere, Heidelbeere, Mehlbeere, Vogel-
Die Jungen werden ab Anfang Septem- beere, Bucheckern, Ahornfrüchte) und ber selbständig. Dabei entfernen sie sich wird ergänzt durch Kräuter sowie durch mehr oder weniger weit vom Brutgebiet. diverse Gliederfüssler. In dieser Phase sind sie gegenüber Beu- Herbst: Früchte (siehe oben, dazu tegreifern besonders verletzlich. Weissdorn, Hagebutten); Samen von Im Herbst geht auch die Paarbildung Gräsern und Seggen. vor sich. Der Gesang wird verstärkt ab Winter: Beeren und Samen von Vogel- September wieder aufgenommen. Er und Mehlbeere; Moose, Knospen und dient dazu, das Territorium abzugrenzen Zweiglein von Vogel- und Mehlbeere so- und die Bindungen zwischen Hahn und wie Kätzchen von Hasel, Birke, Erle, Zit- Henne zu verstärken. terpappel usw.
5.4 Winter
Die Haselhühner beziehen nun ihre Überwinterungsgebiete in zehn- bis dreissigjährigen Nadelhölzern, die mit Laubhölzern durchsetzt sind oder unmittelbar an solche grenzen. Dort halten sie sich in 2 – 3 m Höhe im Gezweig auf. Die Nahrung wird in erster Linie von Ästen aus in den Sträuchern gesucht.
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7 Die Haselhuhn-Lebensräume kungsbedürfnis des Haselhuhns ist extrem stark; von ihm bewohnte Bestände
Das Haselhuhn bewohnt Hochwälder, sind deshalb in der Unterschicht immer stufige Bestände, Mittelwälder, Nieder- relativ «undurchsichtig». Wenn die Winwälder und auch stark verbuschte Wei- ter- und Sommernahrung nicht auf kleiden. Es ist nicht auf bestimmte Wald- nem Raum nebeneinander vorhanden gesellschaften, bestimmte Betriebsfor- ist, sind die Haselhühner gezwungen, men oder bestimmte Höhenstufen be- sich zwischen Winter- und Sommereinschränkt. ständen zu verschieben. Dadurch setzen Entscheidend sind immer die untersten sie sich vermehrt Beutegreifern aus. Die 2 m und die anschliessenden ca. 15 m Aufenthaltsorte in den einzelnen Jahresüber Boden, denn höher halten sich Ha- zeiten können bis zu 1 km voneinander selhühner praktisch nie auf. Innerhalb entfernt sein. dieser Schicht sind zwei Dinge entschei- Nicht benutzt werden «durchsichtige» dend: Nahrung und Deckung. Beide Bestände aller Art wie z.B. einschichtige müssen räumlich möglichst eng verzahnt Baumhölzer oder Stangenhölzer nach sein. Deckung muss auch im Winter nach starken Pflegeeingriffen oder baumbedem Laubfall vorhanden sein. Das Dek- standene Weiden ohne Strauchschicht. In den einzelnen Landesteilen sind die Lebensräume je nach vorherrschenden Waldtypen etwas verschieden.
Laub- und Mischwälder des Juras und der Voralpen
• Haselhühner halten sich bevorzugt in oder am Rand grossflächiger Waldverjüngungen auf. In Ansamungen und Jungwüchsen wird im Sommer am Boden nach Kräuternahrung gesucht. Dickungen und Stangenhölzer bieten im Herbst und Winter Nahrung und Deckung, besonders wenn diese aus Naturverjüngung hervorgegangen sind und diverse Laubholzarten sowie beeren- oder kätzchentragende Sträucher enthalten. Für das Haselhuhn ist es von Vorteil, wenn Laubholzverjüngungen einzelne oder in Gruppen stehende, tiefbeastete Weisstannen oder Fichten enthalten, und zwar wegen Mehlbeerbaum in einem Haselhuhn- der Deckung. Nadelholz-Verjüngungen Lebensraum im Jura. werden benutzt, wenn neben Nadel-
Haselhuhn-Lebensräume 11
Ausgedehnte Waldrandgebüsche sind beliebte Aufenthaltsorte von Haselhühnern.
holz mindestens 10-15% nahrung- • Stark verbuschte Weiden oder flächige bietende Laubhölzer beigemischt sind. Bestände von Pioniergehölzen wie Zit- Wenn der Waldrand tief und struktur- terpappeln, Weiden , Birken oder Erlen reich ausgebildet ist, wird er von Ha- werden gerne bewohnt, ebenso Nieselhühnern ebenfalls gern aufgesucht. derwälder und Mittelwälder sowie sehr • Im Jura wird das Haselhuhn oft in der alte Waldbestände in der Zerfallsphase. Nähe von Felsgraten angetroffen, wahrscheinlich weil es hier beerentragende Sträucher und offene ·Stellen mit Kräutern gibt.
Verbuschte Weide.
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Fruchtender Vogelbeerbaum vor den Berner Alpen.
Nadelwälder der Alpen Rand von Lawinenzügen, am Rand von Geröllhalden, im Uferbereich von In den von Nadelholz beherrschten hö- Bächen, an aufgelösten Waldrändern, heren Lagen bewohnt das Haselhuhn auf Windwurfflächen und Verjüngungsverschiedene Altersstadien des Waldes. flächen sowie im Bereich von Mooren
Baumhölzer, auch sehr alte Bestände, im Wald finden. Solche Bestände entwerden besiedelt, wenn sie in grossen halten als Nahrungspflanzen Birken, Lücken Verjüngung enthalten oder Haseln, Weiden, Erlen oder Zitterpapwenn sie stufig aufgebaut sind, sei peln. dies durch Rotten- oder plenterähnli- • Reine Grünerlenbestände werden che Struktur. Solche Bestände bieten nicht besiedelt. in den untersten 2 m über Boden genügend Sichtschutz. Entscheidend ist die Beimischung von nahrungbieten- Laubwald der Alpensüdseite. den Laubhölzern wie Vogelbeere, Birke, Schwarzerle oder Weide. Der Kro- • Buschwälder, die nur aus Laubholz, nenschluss ist in den bewohnten Be- z.B. Rotbuche und Edelkastanie, beständen nicht gedrängt oder normal, stehen, sind nicht bewohnt. Buschwald sondern mindestens licht oder locker. wird nur besiedelt, wenn er Nadelbäu- Heidelbeersträucher am Boden und me und Weichholzarten enthält. Himbeeren auf Lichtungen sind besonders beliebte Nahrungspflanzen. Positiv wirken sich am Boden liegendes Weiden Totholz und Äste aus, weil sie dem Haselhuhn Deckung bieten. • Vergandende Flächen mit dichtem
Weiter werden Bestände mit Pionier- Laubholzbestand aus Mehlbeeren, Vocharakter bewohnt, wie sie sich am gelbeeren, Birken und Haseln sowie
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Lebensräume; Nachweismethoden 13
Haselhuhnspur im Schnee; Laufrichtung von links nach rechts. Der Massstab misst 15 cm.
Besenginster (Alpensüdseite) werden (2) Federn und Losung gerne besiedelt. Solche Flächen exi- An Sandbadeplätzen, z.B. an Wegböstieren zur Zeit vor allem in tieferen schungen, können aufmerksame Beob- Lagen auf der Alpensüdseite. Sie sind achter Federn finden. Kotwürstchen haaber überall für das Haselhuhn und ben im Winter eine charakteristische andere Wildarten als positiv zu bewer- zylindrische Form; sie sind etwa 2 – 2,5 ten. cm lang, 0,4 – 0,6 cm dick und leicht gekrümmt. Bei der üblichen Übernachtung in Nadelbäumen bleibt der Kot der Nacht jedoch oft oben auf den Ästen 8. Nachweismethoden hängen.
Haselhühner bleiben wegen ihres extrem (3) Fussspuren im Schnee ausgeprägten Deckungsbedürfnisses Die Länge des Fussabdrucks im Schnee meist unsichtbar. Förster, Jäger und beträgt rund 6 cm. Da sich Haselhühner Wildhüter haben bei ihrer Tätigkeit im im Winter viel im Geäst aufhalten, sind Wald am ehesten Gelegenheit, zufällig Fussspuren allerdings nicht oft zu finden. ein Haselhuhn aufzuscheuchen. Ansonsten bleiben folgende Methoden: (4) Anlocken mit Lockpfeife Haselhähne sind vor allem im Herbst (1) Umfrage und im Frühjahr geneigt, auf die Nachah- Die ergiebigste Methode ist die Umfrage mung ihres Gesanges mit einer spezielbei Förstern, Wildhütern, Jagdaufsehern len Lockpfeife zu reagieren, sei es durch und Jägern. Das Problem dabei ist, dass eigenen Gesang, durch Annäherung zu Haselhuhn und Waldschnepfe ungefähr Fuss oder durch Herbeifliegen. Die Stangleich gross wirken und bei nicht optima- dardmethode besteht darin, sich im ler Sicht verwechselt werden können. Gelände auf parallelen Linien von ca.
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Haselhuhnkot.
100 m Abstand zu bewegen, dabei etwa (5) Durchkämmen alle 100 m stehenzubleiben und 5– 6mal Ketten von 3 –20 Personen gehen im Abmit einem Abstand von 25 – 30 sec den stand von 25 m auf einer geraden Linie Gesang auf der Lockpfeife nachzuah- aufgereiht ohne Lärm durchs Gelände, men. Meist werden metallene Lockpfei- scheuchen dabei die Haselhühner auf fen skandinavischer Fabrikation einge- und notieren sie. Diese Methode wird setzt. Bei geringer Haselhuhndichte verwendet, um Gesperre (Henne mit scheint die Reaktionsbereitschaft der Jungen) aufzufinden. Sie darf nur im Hähne jedoch geringer zu sein als in Sommer angewendet werden, wenn die Gebieten mit hoher Haselhuhndichte. jungen Haselhühner schon flugfähig, die
Schneehöhle des Haselhuhns, links unten der Eingang, rechts oben die Ausstiegsöffnung. Der Massstab misst 50 cm.
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Forstliche Massnahmen 15
Haselhuhnkot aus einer Schneehöhle im Frühling während der Schneeschmelze.
Familien aber noch beisammen sind. raum für mehrere Paare verbessert wird. Weil das Durchkämmen auch andere Auf dieser Fläche müssen geeignete Tiere stark stört, verbietet es sich zur Waldstrukturen von 30 ha Grösse zwar Balz- und Brutzeit. Es erfordert zudem nicht flächendeckend, aber in höchstens einen hohen organisatorischen Aufwand. 2 km Abstand geschaffen werden.
(6) Suche nach Schneehöhlen Bei hohem Schnee übernachten Hasel- 9.2. Waldreservate hühner, wie andere Raufusshühner auch, in Schneehöhlen. Diese werden Die Errichtung von Totalreservaten, in allerdings nur selten gefunden. Auffällig denen die Waldbewirtschaftung ganz sind dagegen im Frühling die ausgeaper- aufgegeben wird, ist eine Massnahme, ten Kotansammlungen aus Schneehöh- die für das Haselhuhn erst langfristig len. wirksam wird. Es wird solche Reservate voraussichtlich erst in der Zerfallsphase besiedeln, wenn sich Verjüngung einstellt, oder nach Katastrophen, die gros- 9. Forstliche Massnahmen für se Lücken geschaffen haben. das Haselhuhn Teil- oder Sonderwaldreservate mit speziell auf das Haselhuhn abgestimm-
9.1 Flächengrösse ten Schutzzielen können kurz- oder mittelfristig wirksam werden. Ihre Schaffung
Ein Haselhuhn-Paar durchstreift im Jahr sollte ins Auge gefasst werden, wenn zwischen 30 und 80 ha. Forstliche Op- sich die in Kap. 9.3 und 9.4 vorgeschlatimierungsmassnahmen sollten deshalb genen Massnahmen nicht anderweitig auf mehreren Quadratkilometern Wald realisieren lassen. durchgeführt werden, damit der Lebens-
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Wichtige Elemente im Lebensraum des Haselhuhns (nach W. Scherzinger aus Bergmann et al. 1996). Links ist die Vielfalt der Strukturen im naturnahen Wald, rechts sind die Sekundärstrukturen im bewirtschafteten Wald dargestellt: 1 Birken am Moorrand als Nahrungsbasis im Winter; 2 Lichtung mit Weiden und Vogelbeeren zur Kükenaufzucht; 3 Singwarte; 4 Windwurffläche mit Vogelbeere bietet Beeren- und Knospennahrung im Herbst und Winter; 5 Brutplatz; 6 Buchenstangenholz als Winterschlafplatz; 7 Beerensträucher an der Strassenböschung; 8 Sandbadestelle («Huderpfanne»); 9 Schlafplatz und Versteck im Fichtenstangenholz.
9.3 Laub- und Mischwaldgebiete wird die Rotbuche gefördert. Bürstendes Juras und der Voralpen dicker, reiner Buchenjungwuchs ist
weder für das Auerhuhn noch für das In diesen Gebieten ist die Verbreitung Haselhuhn geeignet. Pioniergehölze des Haselhuhns in den vergangenen und Sträucher, die für das Haselhuhn Jahrzehnten am stärksten geschrumpft. wichtig sind, können bei Verjüngung Das Schwergewicht der Massnahmen unter Schirm nicht oder nicht in genüliegt hier auf den jungen Waldstadien. gender Anzahl Fuss fassen. Bei gleich- • Verjüngungen möglichst gross (1 ha) zeitigem Vorkommen von Auerhuhn anlegen, evtl. in Etappen. Dabei mög- und Haselhuhn siehe Kap. 10. lichst schnell auf grosser Fläche ver- • Möglichst Naturverjüngung abwarten, jüngen, damit sich Pioniergehölze und da diese unter den oben genannten Nahrungspflanzen des Haselhuhns Voraussetzungen die Nahrungspflaneinstellen. zen des Haselhuhns von selbst lie- In Weisstannen-Buchenwäldern ist fert. Naturverjüngung unter Schirm für das • Stufigkeit bereits in Verjüngungen för- Haselhuhn nicht zu empfehlen, weil sie dern. bei geringem Lichtgenuss am Boden • Bei Nadelholz-Pflanzung mindestens die Weisstanne fördert. (Dies kann für 10 –15 % Laubholz beimischen oder das Auerhuhn erwünscht sein, vgl. aufkommen lassen. Kap. 10). Bei mehr Licht am Boden • Dickungs- und Jungwaldpflege: Kätz-
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Forstliche Massnahmen 17
Haselhuhn-Lebensraum.
chen- und beerentragende Laubholz- • Keine Bewirtschaftung und Pflege arten müssen in mindestens 10 –15 % während der Brutperiode, d.h. von Apder Stammzahlen stehengelassen ril bis Mitte Juli. werden.
Windwurfflächen nicht bepflanzen, sondern der natürlichen Waldsukzes- 9.4. Nadelholzgebiete der höheren sion überlassen. Lagen
Unterstützend sollte auch Platz geschaffen werden für eine verbesserte In den Nadelwaldgebieten der höheren Struktur und Tiefe der Waldränder. Lagen sind grossflächige Verjüngungs-
Einschichtiger und durchsichtiger Wald, für das Haselhuhn ungeeignet.
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18 Haselhuhn und Waldbewirtschaftung
eingriffe meist unzweckmässig. Das ge- 9.5. Überall nerelle Ziel besteht hier in der aktiven Förderung und Erhaltung der Nahrungs- Haselhühner benützen gern die natürlipflanzen des Haselhuhns, z.B. Heidel- che Vegetation entlang von Bachläufen beeren, Erdbeeren, Vogelbeeren, Mehl- und feuchten Rinnen, wenn sie sich von beeren, Weiden, Zitterpappeln, Birken einem Waldbestand zum andern bewe- und Grauerlen. Dies ist auch mit klein- gen. flächigen Eingriffen möglich. • Links und rechts von Bachläufen 10 – Die Empfehlungen gelten für Nadelwäl- 20 m für die natürliche Vegetation freider beidseits der Alpen. lassen und nicht bepflanzen.
Bei Durchforstungen Holzvorrat möglichst stark verringern, damit Licht auf den Waldboden kommt.
Lücken schaffen für Verjüngung und 10. Koordination von für Bodennahrung wie Heidelbeere, Haselhuhn- und Erdbeere und weitere Kräuter. Auerhuhnschutz
Pionierstadien des Waldes auf Windwurf-, Schneebruch- und Schlagflä- Relativ oft kommen Hasel- und Auerchen der natürlichen Waldsukzession huhn nahe beieinander vor. Forstliche überlassen, nicht bepflanzen. Schutzmassnahmen für das Auerhuhn
Keine Bewirtschaftung und Pflege sind im «Merkblatt Auerhuhn und Waldwährend der Brutperiode, d.h. von Ap- bewirtschaftung» beschrieben. ril bis Mitte Juli. In Nadelwaldgebieten gilt: Massnah- Auch stufige Bestände können zu dunkel men, die dem Auerhuhn nützen, kom- und zu nahrungsarm für das Haselhuhn men auch dem Haselhuhn zugute, und sein; dann gelten dieselben Massnah- umgekehrt. Der einzige theoretische men wie für die übrigen Bestände. Zielkonflikt ergibt sich auf Auerhuhn- Balzplätzen. Dort stehen die Bäume
Auerhahn.
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Koordination; Vorgehen bei Planungen 19
meist lückig bis räumig und bieten dem nahen Waldbaus und des Natur- und Heimat- Haselhuhn zu wenig Deckung. Ange- schutzes Rechnung. sichts des kleinen Anteils solcher Flächen am gesamten Auerhuhn- und Ha- Je früher man das Haselhuhn (und das selhuhnbiotop stehen sie dem Hasel- Auerhuhn) in den Planungsprozess einhuhnschutz jedoch nicht entgegen. bezieht, desto leichter wird man die In Laubwaldgebieten ergeben sich kei- Massnahmen für diese Arten integrieren ne Zielkonflikte mit dem Auerhuhn- können und auch finanzielle Beiträge für schutz, weil das Auerhuhn in diesen Ge- eine Basisuntersuchung erhalten. Entbieten nicht vorkommt. schädigungen können so schon frühzei- In Weisstannen-Buchen-Mischwäldern tig diskutiert werden. kann sich bei der Verjüngung in speziel- Die Berücksichtigung des Haselhuhns len Fällen ein Zielkonflikt ergeben, falls soll schon auf Stufe Waldentwicklungs- Auerhuhn und Haselhuhn gemeinsam plan (WEP) erfolgen. Das empfohlene vorkommen. Wenn das Ziel darin be- Vorgehen bei der Planung ist in der Prasteht, für das Auerhuhn besonders die xishilfe «Auerhuhn und Haselhuhn: ihr Verjüngung der Weisstanne zu fördern, Schutz in der regionalen Waldplanung» soll man unter Schirm und nicht gross- beschrieben. Die verschiedenen zu flächig verjüngen. Dann haben allerdings ergreifenden Massnahmen können im die Nahrungspflanzen des Haselhuhns, Rahmen der üblichen forstlichen Arbeidie alle sehr lichtbedürftig sind, in der ten oder zusätzlich zu diesen an die Verjüngung weniger Chancen. Da das Hand genommen werden. Es geht da- Auerhuhn die gefährdetere Art ist, wird rum, dem Haselhuhn auf Dauer ein Netz man jedoch den Massnahmen für das geeigneter Lebensräume zur Verfügung Auerhuhn den Vorzug geben. zu stellen. Sie lassen sich im Zuge der Bewirtschaftung verbessern, oder günstige Lebensräume können neu geschaffen werden. Eine Rotation der günstigen
11 Vorgehen bei Planungen Flächen ist unerlässlich, da sich diese im
Lauf der natürlichen Entwicklung zum Die forstliche Planung muss den Schutz geschlossenen Hochwald in für das Hades Haselhuhns berücksichtigen kön- selhuhn ungünstige Bestände umwannen. Angesichts des grossen Raumbe- deln. darfs der Art ist ein Schutz nur grossräumig möglich. Schutzkonzepte müssen Empfohlenes Vorgehen: deshalb, wo sie notwendig erscheinen, • Zusammenstellung der Angaben über auf regionaler oder überregionaler Ebe- das Haselhuhn von lokalen Vogelkenne angelegt werden. Sie sind Aufgabe nern und der Datenbank der Schweider Kantone. zerischen Vogelwarte Sempach. Falls nötig, können zusätzliche Erhebungen Bundesgesetz über den Wald vom 4. Oktober durchgeführt werden. Art. 20 Bewirtschaftungsgrundsätze • Kartierung geeigneter Haselhuhn-Le- 2 Die Kantone erlassen Planungs- und Bewirt- bensräume (auf der Basis der Biotopschaftungsvorschriften; sie tragen dabei den ansprüche der Art). Erfordernissen der Holzversorgung, des natur- • Karte der Waldbenutzung (Spazier-
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20 Haselhuhn und Waldbewirtschaftung
gänger, Mountain-Biker, Langläufer • Schalenwild kann in gewissen Fällen etc.) erstellen. zum Nahrungskonkurrenten des Ha-
Bestandeskarte des Waldes konsultie- selhuhns werden, namentlich bei Pioren. niergehölzen und Knospen von Sträu-
Andere Planungsdokumente beibrin- chern. gen.
Übereinanderlegen der diversen Kar- Bundesgesetz über den Wald vom 4. Oktober ten, um die Konfliktquellen kennenzu- 1991 lernen und den einzelnen Waldzonen Art. 27 Massnahmen der Kantone
2 Sie regeln den Wildbestand so, dass die Erhal-
Funktionen zuzuweisen. tung des Waldes, insbesondere seine natürli-
Ausarbeitung verschiedener forstlicher che Verjüngung mit standortgerechten Baum- Massnahmen. arten, ohne Schutzmassnahmen gesichert ist.
Evaluation der Mehrkosten bzw. der Wo dies nicht möglich ist, treffen sie Massnah- Mindererträge bei der Nutzung. men zur Verhütung von Wildschäden.
Information während des ganzen forstlichen Planungsprozesses.
Ausbildung des Forstpersonals.
12 Rechtliche Grundlagen
Die Bewirtschafter des Waldes müssen sich beim Schutz von bedrohten und seltenen Arten auf rechtliche Grundlagen abstützen können. • Eines der Ziele der forstlichen Massnahmen ist die Erhaltung des Haselhuhns durch die Schaffung optimaler Habitate auf genügend grossen Flächen.
Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz vom 1. Juli 1966 Art. 18
1 Dem Aussterben einheimischer Tier- und
Pflanzenarten ist durch die Erhaltung genügend grosser Lebensräume (Biotope) und andere geeignete Massnahmen entgegenzuwirken. Bei diesen Massnahmen ist schutzwürdigen land- und forstwirtschaftlichen Interessen Rechnung zu tragen. Günstiger Haselhuhn-Lebensraum. Zu seiner Schaffung und Erhaltung gibt es zahlreiche gesetzliche Grundlagen; diese regeln auch finanziellen Abgeltungen.
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Rechtliche Grundlagen; Literatur 21
• Der Waldbesitzer muss in gewissen Auswahl an Literatur Fällen mit höheren Aufwendungen rechnen. Diese können in der Regel ASCH, T. & G. MÜLLER (1989): Haselwild in durch Entschädigung ausgeglichen Baden-Württemberg. Schutzgemeinwerden. schaft Deutscher Wald, Stuttgart. BERGMANN, H.-H., S. KLAUS, F. MÜLLER, Bundesgesetz über den Wald vom 4. Oktober W. SCHERZINGER, J. E. SWENSON & J. 1991 WIESNER (1996): Die Haselhühner. Art. 38 Bewirtschaftung des Waldes Neue Brehm-Bücherei Bd. 77. Mag-
2 Er (der Bund) leistet Finanzhilfen bis zu 50 %
deburg. der Kosten von Massnahmen wie: b. befristete waldbauliche Massnahmen wie Pfle- KÄMPFER-LAUENSTEIN, A. (1995): Mehr ge, Holznutzung und -bringung, wenn die Ge- Wildnis für das Haselhuhn! Nationalsamtkosten nicht gedeckt oder diese Mass- park Nr. 86 (1/95): 6 – 9. nahmen aus Gründen des Naturschutzes LIESER, M., G. MÜLLER, R. SUCHANT & H. besonders aufwendig sind. VINNAI (1993): Dem Haselhuhn helfen. 3 Er (der Bund) leistet Finanzhilfen bis zu 50 % Merkblatt Wildforschung Nr. 1. Wildder Kosten von Schutz- und Unterhaltsmassforschungsstelle Bad.-Württ., Aulennahmen für Waldreservate. dorf, 28 S. MARTI, C. & P. MOLLET (2001): Merkblatt • Allgemeine Auskünfte können von der Auerhuhn und Waldbewirtschaftung. Schweizerischen Vogelwarte Sem- Herausgeber: BUWAL, Bern. pach gratis angefordert werden. Dage- PERRENOUD, A., O. SCHNEIDER & A. BERgen werden Expertisen oder detaillier- NASCONI (2000): Auerhuhn und Haselte Erhebungen in Rechnung gestellt. huhn: ihr Schutz in der regionalen Der Waldbesitzer kann finanzielle Waldplanung. Herausgeber: BUWAL, Unterstützung erhalten, wenn er Ent- Bern. scheidungsgrundlagen von Spezialisten erarbeiten lassen muss.
Bundesgesetz über den Wald vom 4. Oktober 1991 Dank Art. 38 Bewirtschaftung des Waldes
2 Er (der Bund) leistet Finanzhilfen bis zu 50 %
Der Herausgeber und die Autoren dander Kosten von Massnahmen wie: a. die Erarbeitung forstlicher Planungsgrundlagen. ken allen, die in irgendeiner Weise zum Projekt beigetragen haben. Ueli Bühler, Christian Marti, Franz Rudmann, Olivier Schneider, Reinhard Schnidrig und Niklaus Zbinden steuerten kritische Hinweise zum Manuskript bei. Mit Franz Rudmann diskutierten wir anhand konkreter Beispiele koordinierte Massnahmen für Auerhuhn und Haselhuhn. Wolfgang Scherzinger erteilte uns verdankenswerterweise das Abdruckrecht für seine Abbildung.
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22 Haselhuhn und Waldbewirtschaftung
Haselhahn beim Sonnenbad.
Nützliche Adressen Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Wenn Sie generelle Auskünfte über das Tel. 041 462 97 00 Haselhuhn brauchen oder wenn Sie das Fax 041 462 97 10 Haselhuhn in Ihre forstliche Planung ein- E-Mail info@vogelwarte.ch beziehen möchten, können Sie sich an die folgenden beiden Stellen wenden. BUWAL Sie vermitteln Kontakte zu lokalen Ken- Eidg. Forstdirektion nern oder Gutachtern. Bereich Wildtiere
3003 Bern
Tel. 031 323 03 07 Fax 031 324 78 66 E-Mail wald@buwal.admin.ch
Zur Berücksichtigung des Auerhuhns vgl. das analoge Merkblatt «Auerhuhn und Waldbewirtschaftung» (Bestellnummer VU-7021-D)
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Adressen 23
Typischer, stark strukturierter Haselhuhn- Lebensraum.