Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet. Keiner der 2 zitierenden Entscheide wurde ausgewertet.

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8. Urteil des Kassationshofes vom 29. Mai 1942 i. S. Staatsanwaltschaît des Kantons Zürich gegen Kiener.

1. Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung ist nur strafbar, wenn die Verfügung dem Betroffenen für den Fall des Ungehorsames die in Art. 292 StGB vorgesehenen Strafen angedroht hat ; ein blosser Hinweis auf diese Gesetzesbestimmung oder auf die Strafbarkeit des Ungehorsams oder auf beides zusammen genügt nicht.

2. Tst die Verfügung vor dem Inkrafttreten des StGB serlassen worden, s80 kann der Ungehorsam nach dem Inkrafttreten des StGB nur noch bestraft werden, wenn die Verfügung den Betroffenen auf Strafarten und Strafrahmen aufmerksam gemacht hat, welche das alte Recht für den Ungehorsam vorsah, L. L’insoumission à une décision de l’autorité n’esb punissable que sí cette décision comportait menace des peines prévues à l’art. 292 CPS ; une simple référerice à l’article ou au caractère punissable de l’insoumission ou à l’un et l’autre n'esb pas suffisante.

9. Si la décision a óté signifiée avant l’entrée en vigueur du CPS, l’insoumission n’est punissable après que sì la décision a rendu l'intéreasé attentif au genre et à la gravité de la peine que l’ancien droit attachait à l’insoumission.

1. La disobbedienza ad una decisione dell’autorità è punibile soltanto se questa decisione comporta la comminatoria delle pene previste dall’art. 292 CPS ; un semplice riferimento a quest’articolo od alla punibilità della disobbedienza o all'uno e all'altra insieme è insufficiente.

9. Se la decisione è stata notificata prima che entrasso in. Vigore il CPS, la disobbedienza è punibile dopo l’entrata in vigore di esso soltanto se la decisione ha richiamato all’interessabto il genere e la misura della pena con cui il vecchio diritto colpiva la disobbedienza.

4. — Am 10. März 1941 forderte das Statthalteramt Zürich Rosa Kiener auf, ihr Konkubinatsverhältnis mit Heinrich Hatt zu lösen, und drohte ihr für den Fall der 46 Strasgeseizbuch. N° 8.

Zuwiderhandlung « Überweisung an das Gericht zur Bestrafung wegen Ungehorsams im Sinne von § 80 des Strafgesetzbuches » an.

Am 18. Februar 1942 verurteilte das Bezirksgericht Zürich gie in Anwendung des Art. 292 StGB als des milderen Gesetzes zu sechs Tagen Haft, weil sie, nachdem sie am 3. September 1941 bereits einmal wegen Ungehorsams verurteilt worden war, auch in der Zeit von da an bis zum 283. Dezember 1941 dem erwähnten Befehl nicht Folge geleistet hatte.

Die III. Kammer A des Obergerichts des Kantons Zürich sprach die Angeklagte auf deren Appellation hin frei mit der Begründung, nach Art. 292 StGB setze die Verurteilung wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen voraus, dass die in dieser Gesetzesbestimmung vorgesehenen Strafen in der Verfügung angedroht worden seien. Diesem Erfordernis habe die Verfügung vom 10. März 1941 nicht entsprochen.

B. — Mit rechtzeitig erklärter Nichtigkeitebeschwerde beaniragt der III. Staatesanwalt des Kantons Zürich Aufhebung dieses Urteils und Rückweisung der Akten an die Vorinstanz zur Neubeurteilung der Sache. Er ist der Auffassung, Art: 292 StGB verlange nur, dass in der Verfügung unter Bezugnahme auf diese Bestimmung Bestrafung angedroht werde, wogegen die vorgesehenen Strafen nicht genannt zu werden ‘brauchten, Das neue Recht stelle somit an die Verfügung keine strengeren Anforderungen als das alte.

Der Kassationshof zieht in Erwägung :

1. — Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung kann gemäss Árt. 292 StGB nur bestraft werden, wenn die Verfügung « unter Hinweis auf die, Strafdrohung dieses Artikels » erlassen worden ist. Schon der deutsche Text spricht somit eher dafür, dass weder die blosse Erwähnung des Artikels, noch der blosse Hinweis auf die Strafbarkeit des Ungehorsams, noch ein kombinierter Hinweis auf Strafbarkeit znd den anwendbaren Artikel genügen soliten, sondern dass der von der Verfügung betroffenen Person die angedrohten Strafen vorgehalten werden müssen. Deutlicher kommt dieses Erfordernis im franzögischen und italienischen Text zum Ausdruck, welche vorschreiben, dass die Verfügung « sous la menace de la- peine prévue au présent article » beziebungsweise « 80bto comminatoria della pena prevista nel presente articolo » erlassen werden müsse. In diesen Texten ist einmal hervorgehoben, dass die Verfügung eine Androhung zu enthalten hat, also ein blosser Zinweis nicht genügt, Sodann legen sie den Nachdruck auf die Androhung einer Strafe, während nach dem deutschen Text die Meinung aufkommen könnte, der Hinweis auf die Strafdrohung genüge, der betroffenen Person brauche also nur vor Augen geführt zu werden, dass Art. 292 StGB überhaupt eine Strafe androhe, nicht aber welche. Die engere Auslegung entspricht auch der in den Beratungen der Entwürfe zum Ausdruck gekommenen Tendenz, das Anwendungsgebiet dieses Artikels eher einzuschränken, Die Androhung in einer amtlichen Verfügung hat den Sinn, dem Betroffenen vorzuhalten, welche Strafe er im Falle des Ungehorsams zu erwarten hat. Damit soll weniger der Verfügung Nachdruck verliehen, als vielmehr der Betroffene vor unerwarteter Strafe geschützt werden. Der Gesetzgeber war der Auffassung, dass hier die allgemeine Gesetzeskenntnis, welche dem Bürger zugemutet wird, nicht genüge, ihn vor Strafe zu bewahren, dass er vielmehr einer besonderen Belehrung bedürfe. Diese Belehrung wäre unvollständig und würde ihren Zweck nur teilweise erfüllen, wenn der Betroffene bloss darauf aufmerksam gemacht würde, dass Ungehorsam gegen die Verfügung auf Grund einer bestimmten Gesetzesbestimmung bestraft werde.

2. — Da beim Erlass der Verfügung des Statthalteramtes Zürich das schweizerische Strafgesetzbuch noch nicht in Kraft war, kam eine Androhung der in Arf. 292 48 Sirafgesetzbuech. N° 8.

StGB vorgesehenen Strafen nicht in Frage und war auch nicht nötig. Dagegen hätte die Androbung gleichwertig sein* sollen mit der vom StGB verlangten, d. h. die Beschwerdegegnerin hätte in der Verfügung nicht nur darauf aufmerksam gemacht werden sollen, dass aie im Falle des Ungehorsams im Sinne des § 80 des zürcherischen Strafgesetzbuches bestraft werde, sondern die in dieser Bestimmung vorgesehenen Strafen hätten in der Verfügung wiedergegeben werden sollen. Nur s0 wäre der Beschwerdegegnerin mit der vom schweizerischen Strafgesetzbuch gewollten Deutlichkeit vorgehalten worden, welche Folgen der Ungehorsam nach sich ziehe.

3, — Da die Verfügung, so0 wie sie gelautet hat, nach neuem Recht die Strafbarkeit des Ungehorsams nieht zu begründen vermag, ist das neue Recht für die Begchwerdegegnerin das mildere und der Freispruch begründet (Art. 2 Abs. 2 StGB), ohne dass geprüft zu werden braucht, ob der Ungehorsam gegen eine Verfügung, welche einer Person das Konkubinat verbietet, unter der Herrschaft des StGB überhaupt noch strafbar sein Demnach erkennt der Kassationshof : Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.

Verfahren, N® 9, 49 IL, VERFAHREN —

Sachverhalt

9. Auszug aus dem Entscheid der Anklagekammer vom 12. Mai 1942 i. S. Bugmann gegen Staatsanwaltschasft des Kantons Zürieh. -

Gerickisstand bei mehreren, in verschiedenen Kantonen verübten und mit der gleichen Strafe bedrohten Handlungen.

1. Ist in einem der Kantone eine Mehrheit von Handlungen begangen worden, s0- sind die Behörden dieses Kantons auch zur Verfolgung und Beurteilung der übrigen Handlungen zuständig, Art. 350 Ziff, 1 Abs. 1 StGB (Erw. 4).

2. Ist in mehr als einem der verschiedenen Kantone ene Mehrheit von Handlungen begangen worden, s0 entscheidet zwischen diesen Kantonen die zoitliche Priorität der Untersuchung ; Art. 350 Ziff. 1 Abs. 2 (Erw. 5).

For en cas de pluralité de délits commis dans plusicurs Cantons et punis de la même peine.

1. Lorsque plusieurs infractions ont été commises dans un seul des cantons, la compétence pour connaîire des autres infractions apPartient aussì à ce canton, art. 350, ch. 1, al, 1 CP (consid, 4).

2. Lorsque, dans plus d’un canton, plusieurs infractions ont été commises, la compétence appartient au canton où la première poursuite a été ouverte, art. 359, ch. I, al. 2 (consid. 5).

Foro in caso di pluralità di reati commessi in parecchi cantoni e puniti con îa medesima pena.

1. Se più reati s0no stati commessi in un solo cantone, le autorità di questo cantone s0no competenti anche per perseguire e giudicare gli altri reati ; art. 350 cifra 1 cp. 1 CPS (Consid. 4).

2. Se più reati s0no stati commessi in più di uno.di questi cantoni, la competenza spetta al cantone ove è stato compiuto il primo atto d’Istruzione, art. 350 cifra 1, ep. 2 (Consid. 5).

4. — Gegen den Gesuchsteller Karl Ludwig Bugmann von Döttingen sind in folgenden Kantonen Untersuchungen wegen Einbruchsdiebstählen, begangen namentlich in Postbüros, angehoben worden :

1) Graubünden. — Einbruchsdiebstahl im Poatbüro Landquart, begangen am 24. /25., November 1937 ; polizeilicher Bericht vom 25. November, Ausschreibung zur Fahndung am 30. November 1937 ; Strafverfolgung über-

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 2 und Art. 292 — der Erlass wurde am 1. Januar 1995, 1. Februar 1997, 1. September 1997, 1. Januar 1998, 1. April 1998, 1. Januar 1999, 1. März 2000, 1. Mai 2000, 1. Juli 2000, 15. Dezember 2000, 1. Januar 2002, 1. April 2002, 1. Juli 2002, 1. Oktober 2002, 1. April 2003, 1. Dezember 2003, 1. Januar 2004, 1. März 2004, 1. April 2004, 1. Juli 2004, 1. August 2004, 1. Januar 2005, 1. Februar 2005, 1. Januar 2006, 1. April 2006, 1. Juli 2006, 1. Dezember 2006, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 1. Juni 2008, 1. August 2008, 1. Oktober 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Februar 2009, 1. April 2009, 1. Januar 2010, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Oktober 2011, 1. Januar 2012, 1. Juli 2012, 16. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 19. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 11. Juli 2017, 1. September 2017, 12. Dezember 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. März 2019, 1. Juli 2019, 1. November 2019, 1. Februar 2020, 3. März 2020, 1. Juli 2020, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Juni 2022, 22. November 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. September 2023, 6. Dezember 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025, 1. August 2025, 1. Januar 2026 und 12. Juni 2026 erneut konsolidiert.

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