Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet. Keiner der 2 zitierenden Entscheide wurde ausgewertet.

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21. Auszug aus dem Urteil des Kassationshoïfes vom 18. Februar 1944 i. S. Im Obersteg gegen Staatsanwaltschaît des Kantons Luzern.

Art. 307 Abs. 3 StGB ist nicht immer schon dann anwendbar, wenn die falsche Ausserung auf die richterliche Entscheidung nicht eingewirkt hat, sondern nur dann, wenn sie sich von vornherein, ihrem Gegenstande nach, gar nicht eignete, auf den Prozessausgang irgendwelchen Einfluss auszuüben.

Art. 307 al. 3 CP. Pour que cette disposition s’applique, il ne suffit pas que la fausse déposition n'ait pas influé sur la décision du juge ; il faut qu'elle n’aït d'emblée pas été de nature à exercer une influence quelconque sur l’issue du procès.

Art. 307 cp. 3 CP. Affinchè questa disposizione sia applicabile, non basta che là falsa testimonianza non abbia influito sulla decisione del giudice ; occorre ch’essa non sia stata senz’altro tale da esercitare un qualsiasi influsso sull’esito del processo.

_ Aus den Erwägungen :

Art. 307 Abs. 3 StGB beschränkt die Strafe des falschen Zeugnisses auf Gefängnis bis zu sechs Monaten, wenn sich die Aussage auf Tatsachen bezieht, die für die richterliche Entscheidung unerheblich sind. Diese Bestimmung geht kommission gestellt worden ist (Protokolle 5 283, 288, 290, 292), und der die mildere Bestrafung vorsah, « si la fausse déposition … ne visait que des faits accessoires … ». Als « faits accessoires, secondaires » bezeichnete der Antragsteller Tatsachen, welche den Ausgang des Prozesses nicht beeinfiussen, im Gegensatz zu den «faits importants, essentiels », welche die Überzeugung des Richters bestimmen und sich demgemäss im Urteil entscheidend auswirken. Der Antrag wurde bekämpft, wobei unter anderem bemerkt wurde, man dürfe jedenfalls nicht den Zeugen darüber entscheiden lassen, ob seine Aussage sich auf eine erhebliche oder auf eine nebensächliche Tatsache beziehe. Der Antrag fand aber gleichwohl eine Mehrheiït. Bei der Redaktion wurde indessen nicht der vorgeschlagene Wortlaut übernommen, sondern man wählte die Fassung, aus welcher Art. 307 Abs. 3 StGB hervorgegangen ist : « … für die richterliche Entscheidung unerheblicher Tatsache », « … des faits ne pouvant exercer aucune influence sur la décision du juge » (Protokolle 5 462 f.). Damit wollte — das ergibt sich jedenfalls aus dem franzôsischen Text — auf die Einwendungen Rücksicht genommen werden, welche gegen den erwähnten Antrag erhoben worden waren. Es soll entgegen der vom Antragsteller geäusserten Auffassung nicht darauf ankommen, ob die Aussage auf das Urteiïl tatsächlich eingewirkt hat, ob es also ohne diese Aussage anders ausgefallen wâre, sondern die mildere Strafe soil nur dann ausgesprochen werden, wenn die Aussage von vornherein, ihrem Gegenstande nach, gar nicht geeignet ist, auf den Prozessausgang irgendwelchen Einfluss auszuüben. Das Urteil beeinflussen künnen aber alle Aussagen über Tatsachen, welche sich irgendwie auf das Prozessthema beziehen (nicht zur Sache gehôürende Aussagen, z. B. Angaben des Zeugen über seine Personalien, scheiden schon nach Art. 307 Abs. 1 StGB aus), und welche nicht unzweïifelhaft ganz ausserhalb der zu entscheidenden Rechtsfragen liegen. Ob der Richter der Aussage glaubt oder nicht, ob die bezeugte Tatsache durch eine andere, 84 Strafgesotzhbuch. N° 21.

einredeweise geltend gemachte, ibre rechtliche Bedeutung einbüsst, oder ob sie sich aus irgendeinem anderen Grunde im Urteil nicht auswirkt, z. B. weil schliesslich andere Tatsachen zur rechtlichen Begründung des streitigen Anspruches genügen. spielt keine Rolle. Unerheblich sind dagegen Tatsachen, die zwar mit dem zu beurteilenden Sachverhalt im Zusammenhang stehen, aber ihrer Natur nach für eine rechtliche Schlussfolgerung schlechtweg nicht in Betracht kommen, z. B. Tatsachen, nach denen der Richter bloss frägt, um mit dem Zeugen in Kontakt zu kommen, oder um dessen Beobachtungen auf ihre Zuverlässigkeit hin zu prüfen, bei einem Automobilunfall zZ. B. die Farbe des Automobils. Grundsätzlich im gleichen Sinne hat sich der deutsche Berichterstatter im Nationalrat ausgesprochen, indem er erklärte, dass Âusserungen, welche « nicht beweiïiserheblich » seien, unter die mildere Strafe fallen (AStenBull NatR 1929 604).

Die deutsche Fassung des Gesetzes und auch die italienische, die von «fatti non influenti sulla decisione del giudice » spricht, sd somit im Sinne der franzôsischen zu verstehen : «des faits qui ne peuvent exercer aucune influence sur la décision du juge ». Etwas anderes wäre auch weder mit der Sicherheit des Rechtsganges und der Autorität der Rechtspflege, noch mit dem Grundsatz des Schuidstrafrechts vereinbar. Die Wahrheitspflicht des Zeugen kann nicht verschieden sein, je nachdem seine Aussage die richterliche Entscheidung letzten Endes tatsächlich beeinflusst oder nicht. Sonst müsste z. B. bei Abschluss eines Vergleichs stets entweder Art. 307 Abs. 3 StGB angewendet werden, womit dem Zeugen die nicht urteilsmässige Erledigung des Prozesses unverdienterweise zugute kâme, oder der Strafrichter müsste, was ebenso unbefriedigend wäre, den ganzen Prozesstoff selber durcharbeiten und ihn vielleicht durch neue Beweismassnahmen ergänzen, um festzustellen, wie der Sachrichter vermutlich geurteilt und wie sich die falsche Zeugenaussage im Urteil ausgewirkt hätte.

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 307 — der Erlass wurde am 1. Januar 1995, 1. Februar 1997, 1. September 1997, 1. Januar 1998, 1. April 1998, 1. Januar 1999, 1. März 2000, 1. Mai 2000, 1. Juli 2000, 15. Dezember 2000, 1. Januar 2002, 1. April 2002, 1. Juli 2002, 1. Oktober 2002, 1. April 2003, 1. Dezember 2003, 1. Januar 2004, 1. März 2004, 1. April 2004, 1. Juli 2004, 1. August 2004, 1. Januar 2005, 1. Februar 2005, 1. Januar 2006, 1. April 2006, 1. Juli 2006, 1. Dezember 2006, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 1. Juni 2008, 1. August 2008, 1. Oktober 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Februar 2009, 1. April 2009, 1. Januar 2010, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Oktober 2011, 1. Januar 2012, 1. Juli 2012, 16. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 19. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 11. Juli 2017, 1. September 2017, 12. Dezember 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. März 2019, 1. Juli 2019, 1. November 2019, 1. Februar 2020, 3. März 2020, 1. Juli 2020, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Juni 2022, 22. November 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. September 2023, 6. Dezember 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025, 1. August 2025, 1. Januar 2026 und 12. Juni 2026 erneut konsolidiert.

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