Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet. Keiner der 9 zitierenden Entscheide wurde ausgewertet.

71 IV 43

10, Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 23. Februar 1945 i. S. Staatsanwaltschafîft des Kantons Aargau gegen Imhof.

Art. 307 SiQB. l 1. Ein strafbares falsches Zeugnis liegt nicht, vor, wenn die Aussage ungültig 186. Ñ 2. Ob die Nichtbeachtung von Formvorschriften bei der Einvernahme das Zeugnis ungültig macht, sagt das Prozessrecht. Es braucht die Ungültigkeit aber nicht ausdrücklich vorzuschreiben ; sie kann sich auch aus seiner Auslegung ergeben.

3. Begriff der Ungültigkeit des Zeugnisses.

Art. 307 CP.

1. Il n’y a pas de faux témoignage punissable lorsque la déposition est nulle.

2. C’est le droit de procédure qui dit si l’inobservation des prescriptions de forme par le juge qui reçoit le témoignage rend celui-ci nul. TI n’est pas nécessaire que Ia nullité soit expresSóment ‘prévue ; elle peut aussi résulter de l'interprétation e la loi. 3. Notion de la nullité du témoignage.

Art. 307 OP.

1. TI reato di falsa testimonianza non è perfetto allorquando la deposizione sia nulla.

2. Se l'inosservanza di un disposto reggente l’assunzióne della prova testimoniale abbia per effetto la nullità della testimonianza, è questione che sì risolve alla luce del diritto procedurale ; non. è però necessario che Ila sanzione di nullità sía espressamente contemplata dalla legge : essa può essere inferita- . anche in via d’interpretazione. l 3. Nozione della nullità della testimonianza.

Erwägungen

Wie der Kassationshof in BGE 69 IV 219 ff. ausgesprochen hat, ist die Befolgung der Formvorschriften, welche nach kantonalem Recht bei der Zeugeneinvernahme zu beachten sind, nicht von Bundesrechts wegen Voraussetzung der Strafbarkeit des faleschen Zeugnisses, jedoch kann das kantonale Prozessrecht, wie Art. 83 BStrP es für das Bundesstrafverfahren tut, Zeugenaussagen, die unter Verletzung von Formvorschriften zustande gekommen sind, als ungültig erklären, mit der Folge, dass dann überhaupt kein Zeugnis und infolgedessen auch kein strafbares falsches Zeugnis im Sinne des Art. 307 StGB vorliegt.

Soweit die Strafbarkeit einer Zeugenaussage von deren 44 Strafgesetzbuch. N° 10.

Gültigkeit abhängt, is somit aussgchliesslich das kantonale Prozesgsrecht massgebend. Dieses bestimmt, welche Formen bei der Zeugeneinvernahme zu beachten sind und welche Folgen ihre Nichtbeachtung für die Gültigkeit der Aussage nach sich zieht. Dabei ist es entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht s0, dass von Bundesrechts wegen Ungültigkeit der Aussage nur dann anzunehmen wäre, wenn das kantonale Recht sie ausdrücklich vorsieht. Die Ungültigkeit kann sich, wie grundsätzlich jede Rechtsregel, auf dem Wege der Auslegung als Sinn der kantonalen Vorschriften ergeben, sei es aus ihrem eigenen (ehalte oder aus der Entstehungsgeschichte, sei es aus dem Zusammenhang mit anderen Bestimmungen oder aus dem Geiste der ganzen Prozessordnung. Wieso das auf eine ungleiche Anwendung des materiellen Strafrechts binauslaufen. sollte, ist nicht einzugehen. Entweder ist eine Aussage nach dem kantonalen Recht gültig oder ungültig, und dementsprechend igt gie, wenn falsch, nach Art. 307 StGB strafbar oder nicht strafbar ; eine abgestufte Gültigkeit, je nachdem das kantonale Recht sie mehr oder weniger ausdrücklich regelt, gibt es unter dem Gesichtspunkt von Art. 307 nicht.

Welches der Inhalt des kantonalen Rechtes ist, sagt nun aber für den Kassationshof des Bundesgerichtes verbindlich die letzte kantonale Instanz. Nach Art. 269 BStrPÞ kann die Nichtigkeitsbeschwerde nur damit begründet werden, dass die angefochtene Entscheidung eidgenössisches Recht verletze ; die Anwendung des kantonalen Rechtes ist der Gerichtsbarkeit des Kassationshofes entzogen. Wenn die Vorinstanz erklärt, dasgs nach der aargauischen Prozessordnung der Zeuge auf die Straffolgen der falschen Aussage und auf die Zeugnisverweigerungsgründe aufmerksam zu machen sei und dass die Nichtbeachtung dieser Vorschriften die Ungültigkeit der Aussage zur Folge habe, so ist deshalb die Frage für den Kassationshof endgültig entschieden, und die Kritik, welche die Staatsanwaltechaft an der vorinstanzlichen Auslegung der kantonalen Vorschriften übt, kann nicht gehört werden.

Natürlich muss die kantonale Behörde vom zutreffenden bundesrechtlichen Begriff der ungültigen Zeugenaussage ausgegangen sein. Eine ungültige und damit überhaupt keine Zeugenaussage im Sinne von Art. 307 StGB liegt dann vor, wenn der Richter die Aussage bei seiner Entscheidung nicht berücksichtigen darf. Dazu gehört, wie der Kassationshof bereits in Sachen Guinand ausgesprochen hat (BGE 69 IV 223), dass das Urteil einer unteren Instanz, welches vorschriftswidrig auf ungültige Aussagen abstellt, auf dem Rechtsmittelweg bei einer oberen kantonalen Instanz angefochten werden kann. Denn wenn dies nicht möglich ist, sinkt die Vorschrift, wonach eine nicht formrichtig zustande gekommene Zeugenaussage vom Richter unbeachtet gelassen werden muss, zu einer blossen Ordnungsvorschrift herab. Dann kann nicht mehr Von einer ungültigen Aussage gesprochen werden, zumal die Versuchung, eine einmal vorliegende Aussage zu verwerten, für den erstinstanzlichen Richter unter Umständen gross ist, wenn er von vorneherein nicht damit rechnen ImUSss, Von einer - oberen Instanz ins Unrecht versetzt zu werden. Demnach könnte nicht eine rechtskräftig verwertete Aussage deswegen, weil gie richtigerweise nicht hätte berücksichtigt werden sollen, immer noch als im Sinne von Art. 307 StGB ungültig, d.h. ungeschehen angesehen werden.

Für den Kanton Aargau darf aber angenommen werden, dass erstinstanzliche Urteile, welche auf eine ungültige Aussage abstellen, deswegen bei der oberen Instanz angefochten werden können. Wäre das nicht der Fall, so hätte die Staatsanwaltschaft, die ja in der Beschwerdebegründung ausdrücklich auf BGE 69 IV 219 Bezug nimmt, es geltend gemacht.

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 307 — der Erlass wurde am 1. Januar 1995, 1. Februar 1997, 1. September 1997, 1. Januar 1998, 1. April 1998, 1. Januar 1999, 1. März 2000, 1. Mai 2000, 1. Juli 2000, 15. Dezember 2000, 1. Januar 2002, 1. April 2002, 1. Juli 2002, 1. Oktober 2002, 1. April 2003, 1. Dezember 2003, 1. Januar 2004, 1. März 2004, 1. April 2004, 1. Juli 2004, 1. August 2004, 1. Januar 2005, 1. Februar 2005, 1. Januar 2006, 1. April 2006, 1. Juli 2006, 1. Dezember 2006, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 1. Juni 2008, 1. August 2008, 1. Oktober 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Februar 2009, 1. April 2009, 1. Januar 2010, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Oktober 2011, 1. Januar 2012, 1. Juli 2012, 16. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 19. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 11. Juli 2017, 1. September 2017, 12. Dezember 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. März 2019, 1. Juli 2019, 1. November 2019, 1. Februar 2020, 3. März 2020, 1. Juli 2020, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Juni 2022, 22. November 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. September 2023, 6. Dezember 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025, 1. August 2025, 1. Januar 2026 und 12. Juni 2026 erneut konsolidiert.

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