Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet. Keiner der 4 zitierenden Entscheide wurde ausgewertet.

73 II 98

15. Urteil der II. Zivilabteilung vom 30. Mai 1947

Sachverhalt

I. i. S. Buecher gegen Bueher.

« Sondergut der Ehefrau. Deren Beitragspflicht (Art. 1921 ZGB), insbesondere guch bei Arbeitserwerb (Ark. 1922), tritt nicht erst nach Erschöpfung der Mittel des Ehemannes ein und kann nicht nur für den gewöhnlichen Haushaltaufwand, szondern auch für aussergewöhnlichen Aufwand (hier: im Krankheitsfalle) beansprucht werden.

Biens réservés de la femme. Il n’est pas nécessaire que les ress0urces du mari soient épuisées pour obliger la femme à contribuer aux charges du ménage (art. 192 aJ. 1 CC), surtout sí elle exerce une activité lucrative (art. 192 al. 2 CC). Elle peut être mise à contribution Pour subvenir non seulement aux dépenses ordinaires du ménage, mais aussi à des dépenses extraordinaires telles que celles qui sont occasionnées par la maladie.

Beni riservati della moglie. Non occorre che i mezzi del marito Siano esauriti per obbligare la moglie-a contribuire agli oneri dell’economia domestica (art. 192 cp. 1 CC), soprattutto ze la moglie esercita un’attività lucrativa (art. 192, cp. 2 CC). La moglie può essere tenuta a contribuire non soltanto alle spese ordinarie dell'economia domestica, ma anche alle spese straordinarie, qual, ad esempio, quelle causate da malattia.

A. — Der im Jahre 1873 geborene C. J. Bucher, vertreten durch seinen Vormund, beansprucht monatliche Beiträge geiner Ehefrau an die ehelichen Lasten. Er hatte eine grosse Buchdruckerei gegründet und geleitet, vor einigen Jahren aber wegen schwerer Erkrankung jede Tätigkeit aufgegeben. Für Behandlung, Pflege und Kuraufenthalte sind grosse Ausgaben notwendig geworden. Er hat ein bedeutendes Vermögen. Jedoch haben dessen Erträgnisse samt dem von der Buchdruckereiunternehmung bezahlten Ruhegehalt (und Zulagen) sowie Verwaltungsratshonoraren, insgesamt mehr als Fr. 40,000.—, in den letzten Jahren nicht zur Deckung der Ausgaben (einschliesslich der Rente an die geschiedene Frau erster Ehe) ausgereicht. Die jetzige Ehefrau verdient als Geschäftsführerin der erwähnten Buchdruckerei jährlich rund Fr. 23,500.— und hat ein Vermögen von Fr. 68,000.— mit einem Ertrag von Fr. 4,240. —. Daraus bestreitet sie ihren Lebensaufwand, künfte des Ehemannes hält. Sie ist der Ansicht, indem sie für einen Teil ihres persönlichen Aufwandes aufkomme, trage síe das ihrige an die ehelichen Lasten bei. Mehr könne ihr beim ordentlichen Güterstand der Güterverbindung nicht zugemutet werden. Insbesondere gsei jede Beitragspflicht aus ihrem Arbeitseinkommen abzulehnen, weil nicht (im Sinne von Art. 192 Abs. 2 ZGB) erforderlich. Im übrigen sei zu unterscheiden zwischen den eigentlichen Haushaltausgaben, auf die allein sich Art. 192 ZGB beziehe, und den durch den Gesundheitszustand des Ehemannes bedingten ausserordentlichen Auslagen, die nur ihn angehen (sofern nicht mangels jeglicher eigener Mittel die Unterstützungspflicht nach Art. 328 ff. ZGB gegeben sei, was. angesichts des grossen Mannesvermögens nioht ZUtreffe).

B. — Der Stadtrat von Luzern (als zuständige Behörde gemäss Art. 246 Abs. 2 ZGB, auch im analogen Falle von Ansprüchen gemäss Art. 192 ZGB hinsichtlich des Sondergutes der Ehefrau) sprach dem Kläger monatliche Beiträge der Beklagten von Fr. 400.— zu. Der Regierungsrat des Kantons Luzern ermässigte diese mit Urteil vom 30. Januar 1947 gemäss der Vernehmlassung des Vormundes des Klägers auf monatlich Fr. 300.—, C. — Mit der vorliegenden Berufung hält die beklagte Ehefrau am Antrag auf gänzliche Abweisung der Klage fest.

Das Bundesgericht zieht mn Erwägung :

1. — Falls das Vermögen der Berufungsklägerin Sondergut ist, wie sie es behauptet und der Regierungsrat anzunehmen scheint, steht ihr einerseits dessen Nutzung zu, während sie anderseits die damit verbundenen Lasten und : Verpflichtungen zu tragen hat. Das Sondergut steht nach Art. 192 Abs. 1 ZGB unter den Regeln der Gütertrennung, insbesondere hinsichtlich der Pflicht der Ehefrau, « zur Tragung der Lasten der Ehe einen Beitrag zu leisten ». Die Berufungsklägerin betrachtet diese Pflicht als eine sub- 100 Familienrecht. N° 15.

sidiäre, die erst Platz greife, wenn die Mittel des Ehemannes nicht ausreichen. Diesem liege die Tragung der ehelichen Lasten nach Art. 160 Abs. 2 ZGB in erster Linie ob. Die letztere Vorschrift hat jedoch nicht den ihr von der Berufungsklägerin beigelegten Sinn. Freilich ist es danach Pflicht des Ehemannes, für den Unterhalt von Weib und Kind gebührend zu sorgen. Aber daneben besteht ohne weiteres die Pflicht der Ehefrau, in angemessener Weise an die Lasten der Ehe beizutragen, sowoh]l durch ihre Tätigkeit für die Familie (Art. 161 Abs. 2 und 3 ZGB) wie auch, je nach den Verhältnissen, durch wirtschaftliche Beiträge. Diese ergeben sich beim ordentlichen Güterstand zunächst aus dem Ertrag des in der Nutzung des Ehemannes stehenden Frauengutes (Art. 201 ZGB), wozu aber auch Beiträge aus dem Sondergut nach Art. 192 ZGB“ kommen können. Hier, wo das ganze Vermögen der Ehefrau angeblich Sondergut ist, tritt die Aufwendung von dessen Erträgnissen natürlicherweise an die Stelle der bei Annahme von eingebrachtem Frauengut gegebenen ehemännlichen Nutzung (weshalb die Frage, ob nicht der gesetzlichen Vermutung gemäss eingebrachtes Frauengut anzunehmen sei, Art. 193 ZGB, dahingestellt bleiben mag), 2. — Was sodann den Arbeitserwerb betrifft, s0 schreibt Art. 192 Abs. 2 im Anschluss an die in Abs. 1 vorgesehene Beitragspflicht der Ehefrau aus dem Sondergute vor : « Die Ehefrau hat ihren Arbeitserwerb, soweit erforderlich, für die Bedürfnisse des Haushaltes zu verwenden ». Die Berufungsklägerin sieht hierin (mit GMÜR, 2. Auflage, zu Árt. 192 N. 11} eine einschränkende Spezialregel des Inhaltes, dass ein Beitrag aus ihrem Árbeitserwerb nicht wie bei sonstigem Sondergut ohne weiteres « in angemeasener Weise », sondern « nur soweit erforderlich », das hbeisse nur ‘bei Erschöpfung der Mittel des Ehemannes zu leisten sei. Dieser Auslegung ist nicht beizustimmen. Art. 192 Abs. 2 enthält keine Einschränkung gegenüber Abs. 1. Er sagt nicht, der Arbeitserwerb der Ehefrau gei « nur » soweit erforderlich heranzuziehen. Vielmehr liegt der Nachdruck auf der Beitragspflicht selbst. Die Worte « soweit erforderlich » bedeuten in ihrem Zusammenhang, solche Verwendung des Arbeitserwerbes sei immer geboten, wenn die Ehefrau nicht etwa schon sonstwie « das ihrige » beitrage. Abs. 2 lautet ebenso bestimmt wie Abs. 1. EGGER (2. Auflage, zu Art. 192 N. 3 und 4) stellt denn auch beide Fälle

auf gleiche Linie. Die Gesetzesmaterialien geben darüber hinaus der Áuffassung Raum, die Beitragspflicht der Ehefrau aus dem Árbeitserwerb gehe grundsätzlich weiter als diejenige aus dem sonstigen Sondergut (Sten. Bull. der Bundesverzsammlung 1905 8. 1152, BGE 63 III 109). Ob dies in Árt. 192 Abs, 2 ZGB als Gesetzeswille festgelegt sei, mag dahingestellt sein ; auch der ursprüngliche Text dieses Abs. 2 (in Art. 199 des Vorentwurfes), wie er vom Nationalrat vorgeschlagen und vom Ständerat nach anfänglicher Streichung gleichfalls angenommen wurde (eingeleitet durch das Wort « Insbesondere » und damit als blosses Beispiel gekennzeichnet) deutet auf Gleichbehandlung des Arbeitserwerbes wie des sonstigen Sondergutes der Ehefrau hin. Áber auch auf dieser Grundlage kommt der Regierungsrat zur Auferlegung monatlicher Beiträge von Fr. 300.—. Er stellt fest, bei solchem Beitrag neben der Bestreitung ihres persönlichen Aufwandes im bisherigen Umfange (d. h. ausser Wohnung und Beköstigung) könne die Ehefrau immer noch etwa die Hälfte ihres Einkommens aus Arbeit und Vermögen erübrigen, d. h. ersparen, während das noch beträchtlich grösgsere Einkommen des Ehemannes für die laufenden Ausgaben ungefähr ganz aufgebracht werde.

3. — Bei diesen Verhältnissen ist ein monatlicher Beitrag der Ehefrau von Fr. 300.— in der Tat bescheiden. Sie klammert sich mit Unrecht an die Wendung « für die Bedürfnisse des Haushaltes » in Art. 192 Abs. 2, um daraus herzuleiten, die Beitragspflicht bestehe nur für den gewöhnlichen Lebensaufwand der Familie, nicht für ausserordentliche Auslagen wie hier solche wegen Krankheit des Ehemannes. Diese Unterscheidung widerspricht der soeben 102 Obligationenrecht. N° 16.

dargelegten Tragweite von Art. 192 Abs. 2, der das Arbeitseinkommen nicht weniger weitgehend als das sonstige Sondergut (gemäss Abs. I in Verbindung mit Art. 246) der “Beitragspflicht unterstellen will. « Bedürfnisse des Haushaltes » bedeutet iù Abs. 2 dasselbe wie « Lasten der Ehe » in Abs. I.

Dispositiv

Demnach erkennt das Bundesgericht :

Die Berufung wird abgewiesen und der angefochtene Entscheid vom 30. Januar 1947 bestätigt.

ITT. OBLIGATIONENRECHT DROIT DES OBLIGATIONS

16. Extrait de l’arrêt de Ia Ire Cour civile du 3 juin 1947 dans la cause Laydernier & C!° contre Bieri.

Droît international privé. Droit applicable à la novation, à Pexistence d’un contrat, aux effets d’un commandement de payer et d’un acte de défaut de biens pour une créance so0umise au droit étranger.

Intention de conclure une convention de reconnaissance (litt. a).

Les effets attachés à un commandement de payer, non frappé d’opposition, sont limités à la poursuite en cours (litt. b).

L'acte de défaut de biens, même délivré pour une créance prunitivement conçue en monnaie étrangère, n’emporte ni novation de la dette, ni création’ d’un rapport de droit nouveau qui doublerait l’ancien (litt. ec). Confirmation de la jurisprudenece.

Internationales Privatrecht. Anwendbares Recht in Bezug auf Neuerung, auf die Frage des Bestehens eines Vertrages, auf den Zahlungsbefehl und den Verlustschein für eine vom ausländischen Recht beherrschte Forderung.

Wille zum Abschluss einer auf Schuldanerkennung gerichteten Vereinbarung (lit. a).

Die Wirkungen eines Zahlungebefehls, gegen den kein Rechtsvorschlag erhoben worden ist, sind auf das betreffende Betreibungsverfahren beschränkt (lit. Þb).

Der TVerlaustschein, selbst, ein solcher für eine ursprüngliche Fremdwährungsschuld, bewirkt weder Neuerung, noch Entstehung eines neuen, zum ursprünglichen hinzutretenden Rechtsverhältnisses (lit. c). Bestätigung der Rechtsprechung.

Diritto internazionale privato. Diritto applicabile alia novazione, all’esistenza d’un contratto, agli effetti d’un precetto eseccutivo e d’un attestato di carenza di beni per un credito sottoposto al diritto estero.

Intenzione di concludere una convenzione volta a riconoscere un debito (lett. a). E

Gli effetti d’un precetto esecutivo non colpito da opposizione s80no limitati all’esgecuzione in corso (lett. Þb).

L'attestato di carenza di beni, anche se rilasciato per un credito espresso inizialmente in moneta estera, non porta seco Rò novazione, nè creazione d’un nuovo rapporto giundico che s’aggiungerebbe a quello originario (lett. c). Conferma della giurisprudenza.

Par acte signé à Annemasse le 22 novembre 1930, Bieri, alors domicilié en France, s’est porté personnellement caution solidaire de la société à responsabilité limitée Crocci & Bieri, à Annemasse, pour tout ce que devait ou pourrait devoir cette société à la Banque Laydernier & Cle, à Annecy. En 1935, la société Crocci & Bieri fut mise en liquidation judiciaire et la créance de la bangue fut admise au passif pour 62 281 fr. 84.

Par la suite, Bieri est venu se fixer à Genève. Le 27 mars 1935, la Banque Laydernier & Cie lui a fait notifier une Ppoursuite par voie de saisie pour le montant ci-dessus, converti en francs suisses conformément à l’art. 67 ch. 3 LP. Cette poursuite a abouti, en 1937, à la délivrance d’un acte de défaut de biens de 15 220 fr.s. 83.

Se fondant sur cet acte de défaut de biens, la Banque Laydernier a fait notifier à Bieri, le 13 juin 1939, un nouveau commandement de payer. Selon mention de l'office, le débiteur a reconnu devoir 9679 fr. 60 et a fait opposition pour le surplus. Cette opposition a été levée et Bieri n’a pas intenté action en libération de dette. Le 3 février 1941, un nouvel acte de défaut de biens pour 15 236 fr. 48 a été délivré à la banque.

SUr la base de cet acte, la créancière a poursuivi encore une fois Bieri. Celui-ci a fait opposition au commandement de payer. Dans l’instance de mainlevée, il a soutenu que la créance à l’origine de l’acte de défaut de biens était congue en francs français et que la conversion en francs

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Schweizerisches Zivilgesetzbuch, Art. 160, Art. 161, Art. 192, Art. 193, Art. 201, Art. 246 und Art. 1921 — der Erlass wurde am 1. Januar 2000, 1. Januar 2001, 1. März 2002, 1. Januar 2003, 1. April 2003, 1. Januar 2004, 1. April 2004, 1. Juni 2004, 1. Juli 2004, 1. Januar 2005, 1. Juni 2005, 1. Januar 2006, 1. Januar 2007, 1. Mai 2007, 1. Juli 2007, 1. Dezember 2007, 1. Januar 2008, 1. Juli 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2010, 1. Februar 2010, 1. Januar 2011, 1. Januar 2012, 1. Januar 2013, 1. Juli 2013, 1. Juli 2014, 1. Januar 2016, 1. April 2016, 1. Januar 2017, 1. September 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. Januar 2020, 1. Juli 2020, 1. Januar 2021, 1. Januar 2022, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. September 2023, 1. Januar 2024, 1. Januar 2025, 1. Januar 2026 und 1. Juli 2026 erneut konsolidiert.
  • Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Art. 67 — der Erlass wurde am 1. Januar 1997, 1. Januar 2001, 1. April 2003, 1. Juli 2004, 1. Januar 2005, 1. Januar 2007, 1. Juli 2007, 1. Januar 2008, 1. Januar 2010, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. Februar 2011, 1. September 2011, 1. Januar 2012, 1. Januar 2013, 1. Januar 2014, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Januar 2017, 28. März 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. Januar 2020, 20. Oktober 2020, 1. August 2021, 1. Januar 2023, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025 und 1. Januar 2026 erneut konsolidiert.

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