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Alimentierung von WK-Beständen
Wortlaut
Der Bundesrat wird eingeladen folgende Fragen zu beantworten:
Die Armee verfügte im Jahr 2025 über einen vollständig alimentierten Effektivbestand von über 140% des Sollbestandes, trotzdem sind viele Einheiten im WK nicht vollständig alimentiert. Wie viele WKs fanden in den letzten 3 Jahren statt, die nicht vollständig personell alimentiert waren? Um wie viele Prozente der WKs handelt es sich hierbei? Welche Bataillone waren von wie viel Prozent Unterbeständen betroffen?
Wie hoch ist der Anteil an Angehörigen der Armee, die aus beruflichen Gründen einen WK nicht oder nur teilweise leisten können? Ist das aktuelle WK-System mit dem Berufsleben vereinbar oder bräuchte es Anpassungen?
Im Oktober 2025 hat sich der damalige Chef der Armee mit einem offenen Brief an die Wirtschaft gewandt, um diese zu mehr Unterstützung und Verständnis für Armeeangehörige aufzufordern. Werden Armeeangehörige auf dem Schweizer Arbeitsmarkt benachteiligt? Wie hoch ist der Anteil an Unternehmen, die bevorzugt Schweizer anstellen die keinen Militärdienst geleistet haben oder sogar auf ausländische Arbeitnehmer zurückgreifen, weil die WK-Absenzen zu gross sind und nur schwer in den modernen Arbeitsalltag einplanbar sind? Wie kann dieses Problem gelöst werden?
Laut Armeeauszählung 2025 sind Bataillonsstäbe mit 108.2% genügend alimentiert. Trotzdem finden viele WKs mit unzureichend alimentierten Stabsbeständen statt. Wie gedenkt der Bundesrat dieses Problem zu lösen?
Laut Armeeauszählung 2025 sind die Bestände von Stabsoffizieren und Hauptleuten auf Stufe Bataillon insgesamt mit 103.8% knapp genügend alimentiert. Wie sehen die Alimentierungen der Stäbe auf Stufe Bataillon konkret nach Führungsgrundgebieten und Kompaniekommandanten aus? Wie viele davon sind tatsächlich noch WK-pflichtig?
Die Alimentierung mit Subalternoffizieren (Zugführern) ist laut Armeeauszählung 2025 mit 177% überalimentiert, was in einem Widerspruch zu der gerade einmal 103,8% Deckung an Hauptleuten und Stabsoffizieren steht. Wo sind die Probleme in der Personalgewinnung für Stabsoffiziere und Hauptleute? Was müsste hier angepasst werden, um das Weitermachen attraktiver zu machen?
Plant der Bundesrat Massnahmen, um die effektive Verfügbarkeit des Personals (tatsächliche Präsenz in den WK) zu erhöhen? Wie sehen mögliche Massnahmen aus?
Stellungnahme des Bundesrates
Es ist zwischen Militärdienstpflicht und Ausbildungsdienstpflicht zu unterscheiden. Die Militärdienstpflicht dauert für Soldaten und Unteroffiziere zehn Jahre. Innerhalb dieser Zeitspanne können die Betroffenen jederzeit durch Bundesrat und Bundesversammlung für Einsätze aufgeboten werden. Die Ausbildungsbildungspflicht beträgt für Soldaten 245 Tage. Mit diesen 245 Diensttagen werden in der Regel eine 18-wöchige Rekrutenschule und anschliessend innerhalb von zehn Jahren maximal sechs Wiederholungskurse à 19 Tage absolviert. Die unterschiedliche Anzahl Dienstjahre und Wiederholungskurse ermöglicht es den Armeeangehörigen, Dienste begründet zu verschieben und dennoch die Ausbildungsdienstpflicht nach zehn Jahren erfüllen zu können.
1. In den Jahren 2023 bis 2025 verfügten durchschnittlich 8 Prozent der Truppenkörper in den Wiederholungskursen über einen Effektivbestand von mindestens 100 Prozent. Einen genügenden Effektivbestand (zwischen 80 Prozent und 100 Prozent) wiesen im gleichen Zeitraum durchschnittlich 40 Prozent der Truppenkörper auf, während 52 Prozent einen ungenügenden Effektivbestand (unter 80 Prozent) hatten. Seit der Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA) im Jahr 2018 konnte der Anteil an ungenügend alimentierten Truppenkörpern reduziert werden.
2./7. Im Jahr 2025 erfolgten rund 25 Prozent der bewilligten Dienstverschiebungsgesuche aus beruflichen Gründen oder aufgrund einer beruflichen Weiterbildung. Dieser Anteil ist seit Jahrzehnten stabil. Gesuche aus Ausbildungsgründen – insbesondere Studium und Lehre – machen mit rund 38 Prozent den grössten Anteil der bewilligten Dienstverschiebungsgesuche aus. Der Bundesrat anerkennt, dass die Vereinbarkeit von Militärdienst mit beruflichen und ausbildungsbedingten Verpflichtungen zunehmend herausfordernd ist. Die daraus resultierenden Abwesenheiten führen teilweise zu tieferen Beständen in den Wiederholungskursen. Gleichzeitig erachtet es der Bundesrat als wichtig, dass Dienstverschiebungen möglich bleiben, um die Vereinbarkeit mit Ausbildung, Beruf und Familie sicherzustellen. Die Armee hat bereits Massnahmen ergriffen und sieht weitere mittelfristige Lösungsansätze vor, um der Alimentierungsproblematik bestmöglich entgegenzuwirken. Der Bundesrat hält in seinen Leitlinien für die Verteidigung fest, dass eine stärkere Flexibilisierung der militärischen Dienstleistungen dazu beitragen soll, die Vereinbarkeit von zivilen und militärischen Tätigkeiten künftig zu verbessern.
3. Es liegen keine Daten vor, die darauf hindeuten, dass Angehörige der Armee systematisch benachteiligt werden. Ebenso bestehen keine statistisch gesicherten Hinweise darauf, dass Unternehmen gezielt Personen ohne Militärdienstpflicht oder ausländische Arbeitskräfte aufgrund von weniger Abwesenheiten bevorzugen. Der Bundesrat setzt weiterhin auf den Dialog mit der Wirtschaft und Massnahmen zur Verbesserung der Planbarkeit der Dienstleistungen, um die Akzeptanz des Milizsystems zu stärken.
4+5. Die Kommandantenfunktionen auf Stufe Einheit sind ausschliesslich mit Ausbildungsdienstpflichtigen besetzt. Die Alimentierungsgrössen sind darauf zurückzuführen, dass Einheitskommandantinnen und Einheitskommandanten bis zum Abschluss ihrer Weiterausbildung zu Stabsoffizierinnen und Stabsoffizieren weiterhin auf ihrer bisherigen Sollbestandsfunktion eingeteilt bleiben. Die Stäbe der Truppenkörper sind mit 103 Prozent knapp ausreichend alimentiert. Dabei bestehen jedoch insbesondere bei den Funktionen der ABC-, Bereitschafts- und Führungsunterstützungsoffizierinnen und -offiziere sowie der Ärztinnen und Ärzte ungenügende Bestände. Betroffen sind insbesondere die Führungsgrundgebiete Operationen und Logistik. Seit der Einführung der WEA im Jahr 2018 konnte die Alimentierung dieser Stäbe aber verbessert werden.
6. Die Diskrepanz zwischen der Überalimentierung bei Subalternoffizierinnen und Subalternoffizieren und der vergleichsweise knappen Besetzung höherer Kader ist bekannt. Hauptursachen sind die lange Ausbildungsdauer und die höhere zeitliche Belastung durch zusätzliche Ausbildungsdiensttage. Der Bundesrat prüft laufend Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit mit zivilen Verpflichtungen (siehe Antwort 2).