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Hohe Preise für Sekundärregelenergie (SRE)

Fachsekretariat

Mitteilung Bern, 31. Oktober 2024

Hohe Preise für Sekundärregelenergie (SRE) Bereits 2023 führten erhöhte Preise für Sekundärregelenergie (SRE) zu Anfragen von Marktakteuren beim Fachsekretariat der ElCom (nachfolgend: Fachsekretariat), woraufhin dieses verstärkt Analysen zur Preisbildung bei SRE vorgenommen hat. SRE wird von der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid vor allem bei Kraftwerksbetreibern beschafft und zur Stabilisierung des Systems eingesetzt. Zusammen mit weiteren Hilfsmechanismen sorgt die Sekundärregelung für ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch von elektrischer Energie und trägt so zur Systemstabilität der Regelzone Schweiz bei.

Swissgrid hat die für die Vorhaltung der Regelleistung erforderlichen Produkte auf der Grundlage von Artikel 20 Absatz 2 Buchstabe b StromVG und Artikel 22 Absatz 1 StromVV in einem marktorientierten, transparenten und diskriminierungsfreien Verfahren zu beschaffen. Aufgrund ihrer allgemeinen Zuständigkeit zum Gesetzesvollzug und der Aufsicht über die Beschaffung von SRE/Sekundärregelleistung (SRL) kann die ElCom Massnahmen verlangen oder selbst ergreifen, wenn eine vom Ergebnis her nicht marktorientierte und damit nicht effiziente Beschaffung besteht. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Preise für SRE direkt die Ausgleichsenergiepreise und damit letztlich auch die Elektrizitätspreise der Endverbraucher beeinflussen.

Das Fachsekretariat hat festgestellt, dass nach der Umstellung des schweizerischen Beschaffungsregimes auf ein in der EU vorgesehenes harmonisiertes Zieldesign («PICASSO») Mitte 2022 die Preise und damit die Kosten für SRE spürbar angestiegen sind. Anfang Sommer 2024 akzentuierte sich dieser Anstieg der Gebote und der daraus resultierenden Preise für SRE markant. Diese Entwicklung lässt sich gemäss Analysen des Fachsekretariats nicht offensichtlich mit fundamentalen Faktoren begründen. Es ist daher nicht auszuschliessen, dass der Preisanstieg vor allem auf die geringe Marktliquidität zurückzuführen ist.

Vor Einführung des neuen Regimes erhielten SRE-Anbieter neben der in einer Ausschreibung festgelegten Abgeltung für SRL eine feste Vergütung für die effektiv abgerufene SRE im Umfang des Spotmarktpreises plus einen Zuschlag von 20 Prozent. Mit der Einführung des neuen Regimes werden neu auch die SRE-Preise zusätzlich über einen Auktionsmechanismus festgelegt. Die nachfolgende Grafik illustriert die erhöhten SRE-Aktivierungspreisen seit Mitte 2022, als das Beschaffungsregime verändert wurde, sowie die markante Erhöhung ab Sommer 2024. Die Grafik vergleicht simulierte SRE-Zuschläge über dem Spotmarktpreis gemäss altem Regime mit den effektiven Zuschlägen über dem Spotmarktpreis, die seit Juli 2022 bezahlt wurden:

Vergleich der mittleren monatlichen Abrufpreise von SRE (als Aufschläge gegenüber dem jeweiligen Spotmarktpreis) mit berechneten Aufschlägen nach dem alten Beschaffungsregime. Es zeigen sich höhere Preise gegenüber dem alten Beschaffungsregime, ab Sommer 2024 in besonders ausgeprägtem Ausmass.

Mittel- und längerfristig können verschiedene Massnahmen die Effizienz des SRE-Marktes erhöhen. Aufgrund des starken und schwer erklärbaren Preisanstiegs sind nach Ansicht des Fachsekretariats aber auch Massnahmen für eine rasche Korrektur zu prüfen. Aus diesem Grund hat das Fachsekretariat am 20. September 2024 Swissgrid in einem Schreiben aufgefordert, die Möglichkeit einer Preisbegrenzung für SRE auf vertraglicher Basis mit den Anbietern von SRE zu evaluieren. Das Modell einer Preisbegrenzung für SRE findet auch im Ausland Anwendung, beispielsweise in Belgien. Am 2. Oktober 2024 hat das Fachsekretariat den Anbietern von SRE Preisanalysen sowie einen Entwurf für eine vertragliche Umsetzung vorgestellt und diese aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. Dabei sollen sie sich einerseits zu möglichen Gründen für die angestiegenen SRE-Preise bzw. -Gebote äussern, anderseits ihre Bereitschaft für eine allfällige Anpassung der vertraglichen Basis mit Swissgrid mitteilen.

Das Fachsekretariat ist derzeit dabei, die Rückmeldungen der Marktakteure zu evaluieren. Parallel dazu nimmt es ergänzende Preis- und Marktanalysen vor.