Auswirkungen des SRE Cap im März 2025
Fachsekretariat
Mitteilung
Bern, 30. April 2025
Auswirkungen des SRE Cap im März 2025
Gebots- und Kostenanalyse
Seit dem 03. März 2025 gilt auf dem Markt für Sekundärregelenergie (SRE) eine zeitlich befristete Preisgrenze (Cap) von 1'000 EUR/MWh für sog. verpflichtenden Gebote, welche bereits eine Abgeltung für die vorgehaltene Sekundärleistung (SRL) erhalten haben. Diese Preisobergrenze gilt bis am 28. Dezember 2025. Sämtliche freiwilligen Gebote können weiterhin bis auf 15'000 EUR/MWh gesetzt werden.
Diese Kurzanalyse gibt eine Übersicht über die Entwicklungen seit der Einführung des Cap und ist zusätzlich zum SRE-Analysebericht der ElCom vom 30. April 2025 zu sehen. Die Auswirkungen des Cap werden in den kommenden Monaten weiter beobachtet und analysiert.
Die Einführung des Cap konnte technisch mit Wirkung Anfang März 2025 implementiert werden. Anhand der in Abbildung 1 dargestellten Gebotskurven für SRE+ und SRE- lässt sich für März 2025 erkennen, dass bis zu den beschafften ca. 400 MW Regelleistung der Cap von 1'000 EUR/MWh eingehalten wird. Die mittleren SRE-Gebotskurven der Vormonate, hier Januar und Februar 2025, zeigen deutlich früher einen starken Preisanstieg. Über 400 MW hinaus werden freiwillige Gebote, d. h. Gebote, die nicht an eine Vergütung für Sekundärregelleistung (SRL) gebunden sind, weiterhin zu einem deutlich höheren Preis als 1'000 EUR/MWh angeboten, jedoch gibt es auch freiwillige Gebote unterhalb von 1’000 EUR/MWh. Während die gesamte SRE+ Gebotskurve im März unterhalb jener von Januar und Februar liegt, ist bei den SRE- Geboten im unteren Preissegment ein gegenteiliger Effekt zu beobachten. Die Form der SRE- Kurve hat sich im März stark verändert hin zu höheren Preisen und einer konvexen statt konkaven Form, und zwar bereits in den ersten Tagen nach Einführung des Cap. Die Gründe für diese Entwicklung der Angebotsstrategien werden vom FS ElCom untersucht.
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Mittlere SRE Gebotskurven [EUR/MWh] 2'000 SRE- 01.2025 1'500 SRE- 02.2025 1'000 SRE- 03.2025 500 SRE+ 01.2025 0 SRE+ 02.2025 -500 SRE+ 03.2025 -1'000 -1'500 -2'000 10 500+ Gebote [MW]
Abbildung 1: Mittlere monatliche Gebotskurven vor (blau) und nach (grün) Einführung des Preis Cap, jeweils für SRE+ (obere Kurven) und SRE- (untere Kurven). Die Preisachse wurde abgeschnitten, um den Bereich bis 1’000 EUR/MWh herauszustellen. Daten: Entso-e
Die Entwicklung der mittleren monatlichen Gebote und Abrufe ist in Abbildung 2 dargestellt. Es lässt sich erkennen, dass im März die Anzahl der Gebote sowohl für SRE+ als auch SRE- gegenüber dem Vormonat abgenommen hat. Die Einführung des Cap kann hier einen Einfluss haben, wie auch im SRE- Analysebericht diskutiert wird. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt die Anzahl der Gebote jedoch auf einem ähnlichen Niveau. Bei den Abrufen lässt sich für März 2025 gegenüber Februar 2025 ein deutlicher Anstieg bei SRE- erkennen, was mit dem stärker werdenden Einfluss von Prognoseungenauigkeiten im Zusammenhang mit der höheren Einspeisung von Photovoltaik-Anlagen zusammenhängen kann. Gleichzeitig sind die SRE+ Abrufe leicht gesunken. Der Trend hat sich im April
fortgesetzt. Die Abrufe liegen in beiden Richtungen unterhalb des Vorjahresniveaus.
SRE Gebote [MW] SRE Abrufe [MW] 800 35 700 30 600 25 200 10
100 5 0 1/2024 0 1/2024 4/2024 2/2024 7/2024 5/2024 10/2024 8/2024 1/2025 11/2024 4/2025 2/2025 SRE+ Gebote SRE- Gebote SRE+ Aktivierung SRE- Aktivierung
Abbildung 2: Entwicklung der mittleren SRE Gebote und Abrufe. April Werte bis 21.04.2025 berücksichtig. Daten: Entso-e
Für die Entwicklung der Kosten sind sowohl die Abrufmengen als auch die Gebotspreise entscheidend. Für SRE+ sind beide Parameter gesunken, so dass im März 2025 eine Abnahme der Kosten zu beobachten ist (siehe Abbildung 3). Die Kostenaufschläge gegenüber dem Spotmarktniveau sind im März 2025 um 35% gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Bei SRE- haben die Kosten jedoch um
77% zugenommen. Dies ist zum einen damit zu erklären, dass die Abrufmengen zugenommen haben. Zum anderen haben die Preissteigerungen in der Gebotskurve unterhalb von 1’000 EUR/MWh einen starken Einfluss, da in den meisten Stunden nur wenige MW Regelenergie benötigt werden. Die genaue Untersuchung der Gründe für diese Veränderung ist darum umso wichtiger.
Kosten SRE+ [MEUR] Kosten SRE- [MEUR] 16 16 14 14 12 12 10 10 8 8 6 6 4 4 2 2 0 0 -2 1/2024 -2 1/2024 4/2024 2/2024 7/2024 5/2024 10/2024 8/2024 1/2025 11/2024 3/2025 2/2025 SRE+ Kostenaufschläge SRE+ Altes Regime SRE- Kostenaufschläge SRE- Altes Regime
Abbildung 3: Entwicklung der Kostenaufschläge für SRE gegenüber dem Spotmarktpreisen pro Monat. Daten: Entso-e
Fazit
Wie die Analyse der Daten zeigt, wurde der Cap erfolgreich implementiert und hat zu einer starken Preisreduktion bei den höheren Geboten der Gebotskurven geführt. Dabei entfaltete der Cap in dieser frühen Phase tendenziell v.a. bei SRE+ effektive Wirkung. Weniger offensichtlich ist dagegen bislang die Wirkung bei SRE-. Durch die Zunahme der SRE- Abrufe und die Preissteigerungen bei den tieferen SRE- Geboten unterhalb des Caps sind die Kosten für SRE- weiterhin hoch. Es ist noch unklar, ob die beobachteten Preissteigerungen fundamental erklärbar sind oder auf weitere Unzulänglichkeiten im SRE-Markt hindeuten. Es kann jedoch festgestellt werden, dass ohne den Cap die Kosten noch höher gelegen hätten. Die Gründe für diese Entwicklung der Angebotsstrategien, v.a. bei SRE-, werden vom FS ElCom untersucht.
Da der eingeführte Cap eine kurzfristige und zeitlich befristete Korrekturmassnahme ist, wird es umso wichtiger sein, weiter Massnahmen umzusetzen, um den SRE-Markt effizienter und liquider auszugestalten und den Bedarf an Ausgleichs- und damit auch Regelenergie zu reduzieren. Das Fachsekretariat der ElCom arbeitet daher parallel dazu zusammen mit der Branche und Swissgrid an Massnahmen, um den SRE-Markt, den Tertiärregelenergiemarkt sowie die Redispatch-Situation längerfristig zu stabilisieren. Dazu gehören Massnahmen zur Reduktion des Ausgleichsenergievolumens, Verbesserungen der Produkte und Prozesse an den Märkten für Systemdienstleistungen (SDL), Anpassungen der Branchendokumente sowie die Optimierung der Anreizsetzung beim Ausgleichsenergiemechanismus.