Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

2024.RRGR.214

M 158-2024 Ali-Oesch (Thun, SP) Schule der Zukunft: Evaluation und Aktualisierung der kantonalen Bildungsstrategie von 2016. Antwort des Regierungsrates

Rubrum

M

Parlamentarischer Vorstoss Antwort des Regierungsrates

Vorstoss-Nr.: 158-2024 Vorstossart: Motion Richtlinienmotion: ☒ Geschäftsnummer: 2024.RRGR.214

Eingereicht am: 12.06.2024

Fraktionsvorstoss: Nein Kommissionsvorstoss: Nein Eingereicht von: Ali-Oesch (Thun, SP) (Sprecher/in) Jakob (Steffisburg, SVP) von W attenwyl (Tramelan, GRÜNE) Streiff (Oberwangen b. Bern, EVP) Baumann (Münsingen, EDU) Arn (Muri b. Bern, FDP) Ritter (Burgdorf, GLP) Bichsel (Merligen, Die Mitte) Weitere Unterschriften: 2

Dringlichkeit verlangt: Nein Dringlichkeit gewährt:

RRB-Nr.: 1244/2024 vom 04. Dezember 2024 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Klassifizierung: Nicht klassifiziert Antrag Regierungsrat: Annahme

Schule der Zukunft: Evaluation und Aktualisierung der kantonalen Bildungsstrategie von

Der Regierungsrat wird wie folgt beauftragt:

Erwägungen

1. Evaluation der kantonalen Bildungsstrategie von 2016

2. Aktualisierung und Weiterentwicklung der kantonalen Bildungsstrategie

Begründung:

Im Jahr 2016 wurde die kantonale Bildungsstrategie verabschiedet. Die in der Bildungsstrategie 2016 aufgeführten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen und Herausforderungen haben weiterhin einen gewichtigen Einfluss auf die aktuellen Themen in der Bildung (sozialer und wirtschaftlicher Wandel, veränderte Familienstruktur, demografische Entwicklung und Fachkräftemangel, Heterogenität der Bevölkerung, Bevölkerungsmobilität, Medienwandel in der Gesellschaft, Migration u. a.). Allerdings haben sich einige Phänomene zugespitzt und die Situation ist sehr herausfordernd. Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Unterstützungsbedarf in der gleichen Klasse, das ist heute Alltag. Genauso wie der

problematische Fakt, dass Klassen teilweise durch Lehrpersonen ohne entsprechende Ausbildung unterrichtet werden.

In den vergangenen Jahren sind die Inhalte des Lehrplans 21 umgesetzt worden, auch hier drängt sich eine Evaluation auf.

Die Auswirkungen der besonderen Bedingungen während der Covid-Pandemie auf die Kinder und Jugendlichen beschäftigen die Bildungsverantwortlichen stark, psychische Erkrankungen haben auf allen Stufen signifikant zugenommen. Ein weiterer Knackpunkt im Schulalltag ist die Zusammenarbeit innerhalb des Schulteams, dies betrifft einerseits die Koordination und Absprache pro Klasse und Stufe, andererseits die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Fachpersonen für Spezialunterricht, Schulsozialarbeit und Tagesschule. Ebenso ist die Vernetzung mit ausserschulischen Angeboten wie den Musikschulen sicherzustellen. Der Anspruch der Eltern und allgemein der Gesellschaft ist stark gestiegen, es wird eine massgeschneiderte Bildung für alle gefordert. Hier stellt sich unter anderem die Frage: Wieviel Inklusion will der Kanton Bern?

Mit dem Einsatz der digitalen Medien sind in den letzten Jahren viel mehr Möglichkeiten zur Individualisierung entstanden. Gleichzeitig sind für die Gemeinden neue finanzielle Verpflichtungen entstanden und die Entwicklung der digitalen Technologie und Kommunikation hat die Arbeitswelt grundlegend verändert. Künstliche Intelligenz einerseits und problematischer Medienkonsum andererseits stellen neue Aufgaben dar. Der Wert des sozialen Lernens ist unabdingbar für den Zusammenhalt der Gesellschaft sowie die Stärkung der Demokratie. Die Bildung beinhaltet zunehmend nicht nur Wissensvermittlung, sondern thematisiert vielmehr den kritischen Umgang mit vorhandenem Know-how und das Bewusstsein für den laufenden Wandel sowie den Einbezug von neuen Erkenntnissen.

All dies führt zu Situationen, die für Schulen und Tagesschulen mit ihren Schulleitenden, Lehrpersonen und anderen Fachpersonen sehr belastend und teilweise kaum mehr tragbar sind.

Um all diesen Herausforderungen zu begegnen, sind neue Ansätze und Lösungen gefragt. Es darf festgestellt und anerkannt werden, dass im Bereich Bildung in den letzten Jahren erfolgreich Lösungen für den Umgang mit grossen Herausforderungen und Krisen wie Pandemie, Auswirkungen des Ukraine-Kriegs oder Lehrpersonenmangel gefunden wurden. Die Umsetzung von wirkungsvollen Massnahmen passiert in diesem dynamischen Umfeld laufend, die wertvolle und lösungsorientierte Arbeit soll weitergeführt werden.

Mit dem vertieften Blick in Form einer Evaluation auf die Bildungsstrategie 2016 sowie deren Weiterentwicklung bietet sich die Chance, die Schule der Zukunft neu zu denken und zu gestalten. Die rasanten gesellschaftlichen Veränderungen haben Auswirkungen auf die Schule und erfordern zwingend gute Rahmenbedingungen für die notwendigen Anpassungen. Dabei soll die Koordination von Massnahmen im Vorschulbereich zugunsten eines möglichst reibungslosen Schuleintritts genauso wie die Gestaltung der Übergänge zwischen den Stufen als auch des Übertritts von der Volksschule in die Berufswelt und in die weiterführenden Schulen einbezogen werden. Die aktualisierte Bildungsstrategie dient den Gemeinden einerseits als Leitlinie für die Schulentwicklung und bietet den Behörden andererseits Unterstützung in ihrer täglichen Arbeit. Sie trägt wesentlich zur Sicherung der Bildungsqualität bei.

Antwort des Regierungsrates

Bei der vorliegenden Motion handelt es sich um eine Motion im abschliessenden Zuständigkeitsbereich des Regierungsrates (Richtlinienmotion), da ihre Umsetzung in der Kompetenz des Regierungsrates liegt (Art. 87 und Art. 88 Abs. 2 KV sowie Art. 2 Abs. 1 Bst. a und e OrG). Der Regierungsrat hat bei Richtlinienmotionen einen relativ grossen Spielraum hinsichtlich des Grades der Zielerreichung, der einzusetzenden Mittel und der weiteren Modalitäten bei der Erfüllung des Auftrages, und die Entscheidverantwortung bleibt beim Regierungsrat.

Mit der Umsetzung der Bildungsstrategie 2016 will der Kanton Bern für alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen die bestmögliche Bildung gewährleisten. Die gute Bildung im Kanton Bern soll erhalten und gestärkt werden. Die strategischen Leitlinien, an denen sich die Berner Bildungspolitik orientiert, wurden für die Bildungsstrategien 2005 und 2009 entwickelt und für die Bildungsstrategie 2016 modifiziert und aktualisiert.

Basierend auf den strategischen Leitlinien wurden diverse Massnahmen abgeleitet. Besonderes Gewicht wurde dabei den drei strategischen Handlungsschwerpunkten «Unterrichtsentwicklung durch Pädagogischen Dialog», «Sicherstellung von konkurrenzfähigen Anstellungs- und Arbeitsbedingungen» sowie «Stabile Rahmenbedingungen» beigemessen.

Die Bildungsstrategie 2016 antwortete bewusst nicht mit einzelnen, neuen Projekten auf jede sich verändernde Herausforderung. Nach Jahren der bildungspolitischen Reformen beabsichtigte der Regierungsrat mit der Bildungsstrategie 2016 vielmehr, die erreichte Beruhigung in der Bildungspolitik fortzuführen. Die Projektübersicht der Bildungsstrategie 2016 hat denn auch keinen abschliessenden Charakter, sondern beschränkt sich auf eine Auswahl an Projekten, die bereits in den vorangehenden Bildungsstrategien erwähnt wurden oder denen aus anderen Gründen eine besondere Bedeutung zukam.

Der Regierungsrat teilt die Einschätzung der Motionärinnen und Motionäre, dass sich gewisse Rahmenbedingungen seit der Verabschiedung der Bildungsstrategie 2016 weiterentwickelt haben. Vor diesem Hintergrund hat die Bildungs- und Kulturdirektion Mitte 2024 die Arbeiten zur Evaluation der Bildungsstrategie 2016 an die Hand genommen. Gestützt auf die strategischen Leitlinien und die drei strategischen Handlungsschwerpunkte der Bildungsstrategie 2016 soll evaluiert werden, welche der daraus abgeleiteten Massnahmen umgesetzt wurden, was die Massnahmen bewirkt haben, ob sie sich bewährt haben und in welchen Themenfeldern Handlungsbedarf besteht. Bei der Evaluation sollen auch übergeordnete Entwicklungen berücksichtigt werden, die nach der Erarbeitung der Bildungsstrategie 2016 an Relevanz gewonnen haben und in der Bildungsstrategie entsprechend noch nicht angemessen berücksichtigt werden konnten (z. B. Lehrpersonenmangel, Digitalisierung in der Bildung oder Umsetzung von REVOS auf den 1.1.2022).

Die Projektorganisation für die Evaluation der Bildungsstrategie 2016 sieht den Einbezug verschiedener Anspruchsgruppen (bildungspolitische Akteure, Sozialpartner, Gemeinden) vor. Die Evaluation wird voraussichtlich im Frühjahr 2026 vorliegen und soll als Steuerungswissen für die Weiterentwicklung und Erarbeitung von Massnahmen sowie als Grundlage für die geplante Aktualisierung der kantonalen Bildungsstrategie dienen.

Vor diesem Hintergrund beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat die Annahme der Motion.

Verteiler ‒ Grosser Rat